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Full text of "Das Magazin: monatsschrift für literatur, kunst und kultur"

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6 





Columbia iEntbjersitt 


mtfieCitpofiSe 





LIBRARY 



1832 ht<^xünhd 
t)on 

Jofept> £e|)tnamt. 


für c$iff^^citur. 


^erausgegekn t)on jfrit3 Äaut^tiEC unb o^tto 4Scumanu^l|Dfer. 
■glcbaßtio«: ^erCw SW., girie6i;tc^p[va|e 207. 


Knivn 

J)eutf(^e t>ertag5=®ßfeltfc^aft 
Berlin u. Stuttgart. 


^vfö)exnt leben 6onnaben5 — preis 4 Hlart riertelia^rU$, 23efteUwngen werben non jeber Bud^l^anbiunö, jebem poftamt (tir. 3589 
ber poft 5 eitunöslifte), fowie vom Derla^e bes „JViaqa^ins*^ ent^egengenommen. ^Inseigeu 40 Pfg. bie breigefpaltene pettt^eile. 

ter Cmseimnnmer : 40 


61 . Jahrgang. 


BerUtt^ t>en Januar |$g^. 


Hr. 1 . 


Sln^alt: 3tn unfei'e Sefer. — SSiftor ^eljn: ^riSciüo, eine römif(^e 3^oöelleL — ©eneral üon V: ©egen 
ben 95eunru]^igimg§=31agiEu§ in miütärifi^en Singen. — g^ri^ 3RautEner: Ser ©biriliSmuS auf ber 35ü!^ne. — 
Sombrofo: Sie ©enfibitilat ber g'TOU. — ®ui) be fTOoufjaffant: ©in ^Baljnfinniger. — fDlarco ^raga: Sie 
ibeale f^ran I. — Süterarifd^e S^onif. — f^reie Htterarifct)e ©efeEfdfiaft 31 t Berlin. 


2 lus 5 Uösn>eifet TTad;)bru(^ fdmnttlidi>er 2trtikel, au^er ben noreßiftifd?en unb bramatift^en, unter ö^^^^uer (DueUenanöube ö^i^^ttet. 

Unfiefugter Jöacöörucft Inirti auf a5rimö btt o^efetse unö J^erträge öcrfolgt» 


^Vrt xtxtfexi^^ jBxfxxl 


Tt»ir erfud)cn unfere geef>rtcn £efer, if>r Abonnement auf bas „UTagaam für Citteratur" red)t 3 eitig 
3 U erneuern. 

3m neuen Jaf^rgang mirb bas „irTagagin für Citteratur" mit erf)öf?ten rHittetn unb uerftdrtiten JRräften 
feine Aufgabe uerfotgen. Aebaütion unb Derlag werben in vereintem Bemüf^en beftrebt fein, im „UTagajin für 
Citteratur" ein uninerfette« Cittcraturblatt ju erfjalten. 

Sie beiben leigten 3af)rc t>aben viele f)offnungsvoEe Anfä^e gu einer Iitterarif(^)en Preffe in Seutfd)Ianb 
f(^>eitern fef)en. Sa« ,,0Iaga3in für tttteratur^' ift ftel?en geblieben, unerfc^ütterlid?, wie aE bie fe^gig 3af)re, 
bie es f)inter fi(^ ^at. Cs wirb aud) ferner auf feinem Poften fielen bleiben, als dlteftes litterarifc^es 
(Drgan Seutf(^lanbs mit jugenblic^er Srifd)e bie geiftige Bewegung bes 3af?rf)unberts überf(^auen unb, im 
2!efonbern, bie litterarif(^en Jftunbgebungen ber Jftulturnationen in i^rer @efamtt>eit verfolgen, bas tlene fb'rbe»nb, 
bas Alte a(t>tttng 0 »oll wiebeüfpiegelnb. 

Sas „rUagagin für Citteratur" ift bas eingige (Organ Seutfd^lanbs, weldf»es bas litterarifc^e leben ber 
Gegenwart in enci?clof)dbif(^»er PoEftdnbigkeit gu vergei(^nen beftrebt ift. 

üon gr6|eren Arbeiten, bie wir im ndd?ften ööuartal ver6ffentli(^en werben, nennen wir folgenbe: 


Hngeöru(Jttc Briefe unö ^tpfiorismen. 

Priscilla, eine aus öem Tiac^Ial öes Maffif(^en J^uItur^iftoriKers 
vom Ar<i?ivrat Dr. Cf?eoöor 6 (i?iemann eöirte römif(^)e Uovelle. 
gitnÄ ^0pfetXi Die (Söttin öer Dernunft, Drama. 

Die iöeale 5 rau, (öas vom berliner Poligeipräfiöium gur Auf= 
füljrung verbotene Drama öes jungen italienif(^en Dramatikers). 

^X0VnXtttti Bei öer .^ausmeifterin, ein neues Drama öes Derfaffers 

öer Cavalleria rusticana. 


efBniHie ITeue t^eoretif(^e Stuöien. 


Serner werben unfere alten Ulitar beiter, beren voEftdnbiges Uergei(^ttis fi(^ auf ber Aüdtfeitc bes 
Umf(^)tage5 befinbet, fortfabren uns Beitrdge gu liefern. 



^odbacbtungsvoE 

ekctiott itji5 lafag ks „ppgins für Jift(a:(jtitf . 


2 


®a§ ngaftn ’fitr 'SittÄiitfi, 



@ine tömtfd^e, ©rgä^Iuug. 

äSoit 

Bittor leßii. 

3lu§ fehlem iflocf)Iaffe tfemuSgegeöen bon ' StrdfiDtat 
Dr. 5£Ij. @ diiemaiui.*) 


5ßri§ciEa loar bie S^oi^ter einer giemlid} mibemitteiteu 
fftömerin, bie in ber via Felice aitf bem Qitirinal wolfnte. 

3^ie fal) ic^ ein jo liebreigenbeS SBejen wie 5ßri§ciEci. 
@ine nnbenm^te 8lnmut umflog oH il)r 2!un, in ü)ren 
fdtfwargen Singen log jene fd^arfe Stufmerf jomfeit , jene 
etmoS !^erbe ifteinbeit, welche eben ermod^jene SHöb^en 
ou§ ber ^inbifeit !^erübernei)men. jd^momm biejeS 

f)immlijc^ jcböne Singe nidfit in bem [endeten ©longe be§ 
erfien Siebe§fnmmer§ ober be§ erften 8iebe§glü(fe§. ®ie 
©injomfeit, bie öngftlid^e Swrittfgegogenl^eit, in ber bie 
römijitien Slldbc^en gelfolten werben, erp^te ben Steig ber 
oerborgenen 33lnme. 

foi^ ^riSciEo fo[t nnr in einem ijeßbömmernben 
Siebte; beim e§ wor ©ommer, ^ei^e ®lnt log onf ben 
$lö|en ber roeitläufigeii ©tobt, im weiten Sic|tbnnft 
gitterten bie S3erge, nnb bie oHct Käufer moren 

ben 2 : 0 g über in SSortjonge ober beioegtid^e Soben bo^ü^ft 
nnb breifo(ü oer:^n(It. 

3m 3nnern be§ 3iwtmerg, wo eine milbe ^ü^tnng 
nnb immerwotfrenbe ©ümmernng Iferrjiüte, bewegte fic| 
^riSciEo nm jo freier. 2öie oEe Stömerinnen fe^te fie 
ben Slnftonb bnrct)on§ nidt)t in eine öngfttid^ oerünEenbe 
^teibnng. 2Bie oft fgrong fie mit noiften üöer 

bie Siegel be§ f^uB^obenS, beffen ^otte fie rnbrnte! SBte 
oft fonf bo§ wenig beoi^tete SufentndE) oöEig Iferob, o()ite 
bofe bo§ römijcfie iDlöbi|en errötete. Slntfig noEm fie e§ 
wieber onf, e§ war jo nidt)t§ Slrge§ gefdieEen! Slt§ icf) 
iEr einft SSorwürfe borüber modEfte, boü fie jo wenig bo§ 
Simmer üertoffe, nnb IfingufeEte, bei nn§ geigten fiel) bie 
SJlübiüen and) onßer bem §anfe, erwiberte fie: SlcE, bei 
nn§ finb bie SOtanner jo f(^tedi)t, oiet fd)tedEter al§ bei 
3En?h! idfi in iEren Singen für gut, für nngefäErlid) 
galt, oerbroB mid) bamotö ; id) noEnr mir oor, jdt)tedE)ter gn 
fein nnb red)t oiel reigenbe ©dfeltworte gn oerbienen. ©elü 

*) „5prt§ciIIo" ift bon Sßietot toaf;rfiä)emlid) int grüfijatjr 
1843 in feiner I)Qltifc|en Heimat niebergefi^rieBen toorben. ®r ttmr 
bon feiner erften itolienifdjen Steife fichngefebrt üttb tie^ bie ©itiPi 
brficte noebtlingen, bie er in ficb aufgenommen Ijatte. Sn einem 
feiner gatjlreicben liiterarifc^en Siogebüd^er, unter Sefefriie^ten, Se»' 
Irmbtungen, Sleifeerinnerungen finbet fic£| in forgfältiger Keinfdbrift 
bie fteine ©rääblung nnb eg In|t fid§ fc^toer fagen, ob fie ein mirt» 
licfieg ©riebnig barftellt ober ob §ebn fiel in freier ©rfinbung ergebt. 
Unferer iKeinung nach bat er „®abrbeit unb ©iebtung" bertooben. 
©g ift im lebten ©runoe eine jener ©tubien pr 5ßft)(boIogie ber 
SSüBer, bie bon je tiet fein Sntereffe gong befonberg in ©fjonnung 
biett, ein Sbemo, bag big in fein fjjätefteg Stlter binauf ibn bor 
anberen befcbdftigte unb gu toetebem feine ffiracblicben ©tubien nur 
beftimmt luaren, olg SBriufe gu bienen. ®enn in ber SSiffenfdjaft 
fuibte §ebn bie SWenftben, im eingelnen SKenfeben bag ©liei) ber 
Stolion ober Dtoce, bie ibm itetg alg ein Sefonbereg, ernfter SBeobaibtung 
toert erfebien unb beren ©igenart itjui ben ®Iict in bie Slätfel ber 
gntunft febärfte. 

f^ür ben SSiografiben bebeutet bie Sugenbarbeit )gebn’g ein 
miebtigeg ©tobium in ber ©nttoicHung eineg TOanneg, ber ben 'Utu 
fgrueb erbeben barf, im beften ©inne beg SBorteg ein „seif made 
man“ gu fein. 

3)b<^fbor ©ebiemonn. 


Sir. 1 


I , jamer SBiberfüru(ü — woErenb bie Stömerinneu bie böjeften 
SBort^ in ben SKunb neümen, . niib mit antifer SlatürlicE“ 
feit; ba&iSSerborgene bem Singe bei erftanntfn 3red'bting§ 
5ftrei§ geben, fürdjten fie ben fct)Iimmftett Stuf, Wenn fie 
.fiel an öffenttidjen Orten, geigen, ©onntag oormittogS 
gnr SKeffe in ©ont Slnbrea, ©onntag obenbg eine ©pagier» 
faljrt bnrd) bie SSiEa 33orgEeje — baronf bejct)rönften fid) 
fßrikiEaB 33ergnügungen. Söenn bie SladE)t eingebrodEjen 
war, bann öffneten fitfi i^re f^enfter, nm liüEtung eingn= 
taffen, bann lag icE on bem meinigen, unb oerneEmli^ 
fomen JBeEini^ SWelobien, bie fie gur ©uitarre jong, gn 
mir Eeriiber. 

©0 Eeö tnor ba§ 3)lonbliii)t, baB aEe§ wie eine 
SBinterEonbfdiaft mit ©d)nee bebedt fd)ien. Stuf ber 
©troBe log eine §erbe StfQfh. WfiB nnb jefiwarg grnpptrt; 
fie übernocEtete bort, um jeben SJforgen frije^e SJli(dE) gu 
liefern. 3n ber Slölje unb in ber Sterne plätjdEierte bal 
SSaffer, benn Stom ift gong nnb gor unb bi§ in jeben 
SBinfet oon SKofferftroten burcEriejelt. ©ctiöne niwer» 
geBlicE)e Slbenbe! 3n 3talien erweift bie SEonbnodit 
feinegwegS jene gerflieBenbe ©eEnfucE)t, wie in ber romom 
tijcEen §eimot be§ SlorblonberS; bie ©eele wirb füEl unb 
füE wie ein mormorneS ©ötterbilb, fie tritt jelbftgenügjam 
gu einem feftgenugfomen ©ojein 

Oft foE bonn ^ri§ciEo§ Hopf gum genfter EfronS 
unb idE grüBte fie nnb fragte, ob fie SteEinig SRnfif liebe. 
Ah, e deliziosa, jagte fie, benn fie war ja Statienerin, 
unb SeBini ift ja gang ©ejaiig unb TOelobie, gang ©eele 
unb jcEmelgenbe Siebe, ©mm ging icE begeiftert gü 
5ßri§ciEa Einüber unb feEte iEr augeinanber, wag SeEini 
fei. 3Bir ©eutjdEe, jagte' icE, Edben ein bumpf in fidE oer= 
junfeneg ©emüt, Wir lieben in ber SJlnfif eine irbijiEe 
finnbilblicEe SSebeutnnggfüEe, nnb unjere Siebe tritt nicEt 
mit gutfenben Sleroen nadE ouBen. SleEinig ©ejang ift 
aber nie in gu bunfle unb gleidjfam über iEre Ufer tretenbe 
Harmonie oerfenft, feine SÄelobien finb gart wie menb= 
befdjieneneg, flieEenbeg ©ewölf, wie ber Slad)tEaucE, ber 
nm ben ERofenftrand; fpiell, fie fommen jo lodEetnb, wie 
ein jJrüEIinggtag , aber bringen and) ©cEwermnt gleicE 
biejem. Oft ift S3eEini betrübt big in ben ©ob, aber nur 
oon Siebeg jcEmerg; jüBe Siebe ift jeber .Slccent, jeber 
Sltenigug in iEm: jelbft jeine ©ragie, jein Sadjelu unter 
©rünen, nnb bie IBlumen, bie er öerftrent, fommen oon 
ber Siebe ober oerEüEen fie alg ©dEmud. ©aruni ift er 
mönnlicEen ©eiftern jo einförmig, wie ber Siebenbe bem 
SiücEternen. . 

EßrigciEa jal) micE an nnb wuBte nidjt red)t, wog 
id) meinte. 

„3tt ,bie Siebe," jogte fie, „Uamore, l’amore, bog ift 
eg." SldE bdg Eölbe ©ejcEöpf broucEte bog 2Bort, nod) 
oEne eg gu oerftetjen; il)re Stlntter ober löcEette oerjdEniiEt 
nnb id) Eeftete bie Eölide ooE ©rinnerung on ben S3oben. 

SlidEt'weit oon nnjerer SßoEnung log ein Hoffeefjong, 
wo icE oft bie ErtBen ©tunben beg ©ogeg gu oerbringeu 
pflegte unb in gong morgenlonbijdEer ©timmung meine 
©affe Haffee traiif. ©ort war feine Seitnng gu finben, 
beim ber ©eift füErt E^^ orientalijd) ein unbewuBteg 



mx. 1 


S^lagajin für Sitteratur. 


3 


23tomenfeben, ober' taufenb p:ba:itcifttf(|e $räume fc^webten 

unter ber f(^!i)Qr§eu SDeäe be§ engen unb bnnfetn 

®er SJnrfc|)e be* Uaffee^ciufeS, ber bottega, ©tefono mit 

9?nmen, mar ein jd^margdugtger Smi9li«0. i^efüg mib 
getaffen gugleii^, mie aEe Stoliener. 33?it jenem nad^» 
benftidfieu @rn[t be§ ©üben§ [taub er oft, meiin meiter 
fein @aft ba mor, mir gegenüber an* bie SBanb getelfnt, 
fenfte ftiEe 93liife trüg unb träumerifcj) 51t ^oben unb 
ful)r bann f)lö^fi(|, menn etma§ feine 3(nfmerffamfeit er» 
regte, 5U teibenf(^aftticf)en 53emegungen auf. Seben SKorgen 
bradite er fßrigciEa unb ilfrer aftniter ba§ grüt)ftn(f l)in» 
über, ja oft metfte er mit bem (Seffa|)per feiner 'Piaffen 
ba§ liebli(^e Sffäbcffen erft an§ bem ©ebfnmmer. @ie f(^Iug 
bann bie ®erfe ein menig §urütf, baEte mit bem meinen 
2trm ba§ Äopffiffen gegen ifjren iRütfen snfammen unb 
empfing ben Ijeifeen 2!ranf au§ feinen §önben. @ie tranf, 
unb if)r ©efiept, nod) t)alb im ©cptnmmer, mar nerbrie^» 
lidf äufammengegogen unb um fo reijenber, bi§ fie nöEig 
ermad)t unb belebt mit ftralenbem Söd^eln bem bottega 
bie Xaffe miebergab. @r fal) fie bann an, mie ben auf» 
gegangenen S!ag unb naljm bag 33ilb beg 3)läbepeng in 
feiner ©eele mit. 

S^alb badfte er an nid^tS mepr alg on ^rigeiEo. @r 
pbantafirte nur bon ben Sfugenblicfen , bie er morgeng 
bei ipr nerbrad^t, mie er fie gefunben, mie fie gefleibet 
gemefen, mag fie gefprocfien. Sebe'n Sag hoffte er auf 
beit nad^ften tOdorgen, jeben SKorgen Ijatte er 24 lange 
fepnfüt^tige, qttalüoEe ©tunben bor fiel). ©0 berging 
Soc|e attf ®ocf)e ol)ite 3^rud£)t, o^ne giel, opne ©erninn. 
,®er ©tad^el beg peinlidjen aSerlangeng grub fidl) immer 
tiefer, unb bie Siebegbefriebignng, bie jeber 3Jforgen brad)te, 
mar, mie ©tefano fetbft in jener poetifd)en ©pradt)e fagte, 
bie fid) mit ber Siebe einfinbet, ein rofiger, aber förper» 
lofer @cf)atten, ber bie faffenben Slrme nur flüd^tig fireifte 
unb ougenblicflicl) serflo^. 

3df) ^atte ©tefano mefirmolg bei mir bie Sreppe l)iit» 
anffteigen fepn, er mnfete, bag and) itfi ^rigciEa fannte, 
fo fam eg, bo^ er mir einft fein gangeg §erg entbeefte. 
Sdi) mu^te anfangg über ben SBurfc^en lödlieln, ber, 3Iuf» 
mürter in einem ^affeel)anfe, eg magte, §n 5ßrigciEa Siebe 
jn faffen. Sdf) mar ein ®entfcf)er unb trug alg foliber 
ke Sichtung bor ariffofratifd)er ©onberung im Slute. 2Sie 
anberg bei ben ^Römern , ben g^ransofen, Italienern unb 
©paniern! ®er ©eift biefer aSolfer fümpft immerfort mit 
empörerifct)er 3lbftraftion gegen bie unmittelbaren IBeftimmt» 
beiten ber atatnr, aug betten er bie aEgemeine Sbee ber 
3Renfd)l)eit gtt befreieit ftrebt. 3m lebenbigen ©efü^l beg 
3led)tg bulbett fie feilte 5Befd)rättfung : mir Seutfdbe, 
borguggioeife bon fßflidft» unb ®ienftgefüt)I bel)errfdi)t, 
gebeit nng gern iit frommer ©eben einer objeftioen 3n» 
ftitntion pin. ®ag fjettbolfpftem, bag mir, alg ein treneg 
iföiberbilb unfereg angeftammten ©iitneg, iit gattg ©nropa 
einfüljrten, pabeit fie unter beftigen gtttftmgen enblidt) alg 
eilt frembartigeg ©ift bon fid) anggeftogen. ®ie Siebe 
aber, biefeg Eiecf)l ber ©ubjeftibität, biefe innere SRenfd)» 
licf)feit, bon objeftioen ©di)raitfen eingeengt gu feljen, ift 
ben Eiömerit miertrüglidb; unb mo feine Sat gegen biefeu 


aBiberfprutb etmag bermag, ba finbett fie bie tieffte Sragif 
beg Sebetig. SSiftor §ngo f)at biefeg ®emu^tfein mit 
Meiftet’fcbaft bargelegt: öuafimobo ift ein empfinbenbeg 
aSefett, er maept alg fotd)eg Sfiifprüdpe auf ©lüdfeligfeit, 
er liebt. Stber bie yjatnr l)at ipn berunftaltet, er ift 
pä^lidp, er ift taub 'nnb einäugig, bie 2Renfif)en oeroeptert 
unb berfpotten iptt unb mit ipm andt) bag SRäbepett, bog 
er liebt. ' 3ffup 33lag ift ein 23ebienter unb er liebt eine 
Ifönigitt unb gept barüber p ©runbe. 3n f^olge biefer 
attgeborttett 3ticplting finb ober bei ben romonifdpett aSölfertt 
bie ©eburtgnnterfdpiebe längft erlofi^en, fo bo^ bei Urnen 
mepr ber SRenfdp bem aRenfd)en otg ber ©tonb bem 
©tonbe gegenüberftept. löitburtg, ©prodpe itnb Senepmett 
fitib gleiiportiger; ber aiiebrigfte trägt Slbel ber aJZenfdppeit 
in fiep, unb ber §ödpfte ift nur ber gebrängte gtugbrmf 
beg ©oitgen. 

aittd) ©tefono pielt eg für möglidp, bofe er mit- feinen 
Semerbungen bei ^fJrigciEo niept fepl fdploge. @r pielt eg 
für möglid), bog peifet, er fepmonfte, mie ein Siebenber, 
gmifdpen toufenb aKöglicpfeiten. @r ging bon bem füpnften 
^elbeneittfcplug gtt ber bergogteften aSergmeifluttg über. 
@r liefe Sog für Sog bergepn, opne etmag gn loagen, 
3)Zit ber geit, fogte er, merbe idp fetbft ein ifaffeepaug 
onlegen, icp fuepe nur bog bogu nötige Ifopitol itnb merbe 
eg bo(p enblidp finben. 3d) beftärfte fpn in biefer tröft* 
liipen Hoffnung, fprod) ipm ÜRut ein uttb ermunterte fpn, 
fidp bem Qttftonbe totlofen ©cpmodpteiig bitrdp irgenb einen 
fräftigen ©ntftplnfe gu entreifeen. 

®o gefdpop eg, bofe idp einft ttodp 2lbmefenpeit meprerer 
Soge, bie idp ottfeerpofb 9fom gtigebrocpt, mieber in bog 
gemopnte 5Soffeepoug , trot unb ©tefano nidit mepr borfaitb. 
3dp Porte, er pabe eitieg SRorgeng in peftiger Stufregung 
feinen 2lbfdpieb berlangt unb fei amp ben folgenben Sog 
fortgegongen, opne bofe matt miffe mopiit. 3'tgU’idp ent» 
fernte um biefelbe Seit eine traurige ©ntbednttg, bie idp 
maepte, midp gang bon ^rigeifta, bereit Umgang mir je|t 
tmerträglid) gemorben mor. 3cp begog eine neue 3Bopitung 
unb fepte emfig meine ©tubien unb 3Banberttngen fort. 
3n bem ©trome monnigfoltiger Slnfdpattungen, bie meineni 
©eifte gugingen, patte icp ©tefonog halb mieber bergeffen: 
^f^rigeiflog 0ilb, an bag fidp bie perbften ©dpmergen fnüpften, 
fmpte icp aitg meinem 3nnern gn berbatttten. 

©egen ben ^erbft mad)te icp bon iftom aug einen 
Singflug in bog gmei fleine Sagereifen entfernte Sol ber 
SJera bei Serni. ©inb im ©ommer aEe ^flangen, 
Slnmeit uttb löerge Stolieng fo übermäiptig 001t ber 
©emolt ber ©onne ergriffen, bafe fie ftiE ttnb ftarr merben, 
mie ägpptifcpeg Silbmerf, fo ift bog Sol ber Sterä immer» 
bor eilt grüneg ©efäfe üppigen, ftrömenben, überfliefeenben 
Sebeng. Sonfenb SBofferftroIen brtripgiepen pier bog 
Sintere ber fteilen Ufer, tränfen bie SBurgeln ber f^eigen 
Uttb Dlibeti unb ftürgen iit bie rofdpe, fmorogbgrüne, ge» 
fdpmäpige Slero, bereit feudpter ®unft bog gonge Sol unb 
feine ^flongenmelt in emiger Sugenb erpält. ©0 un» 
bemeglidp in fiep felber rupenb Stolien ringgnm mor, fo 
leibenfcpoftlicp bemegt mor bie fRero pier. ©ie bebte noep 
bon ber ©emdlt beg SSofferfoEg, ber, ein SBerf römifdper 


4 


®aS SKogajitt füt Sitterotur. 


‘Slx. 1 


öom pc^fteu iftanbe ber Uferfelfen in fie 
K)tnnbftür 5 t itnb tl^r bte 3Kaffer eines niele l^unbert g^ng 
über i^r liegenben ©eeS gnfüljrt ®ie prad^tige SRarmor»’ 
foSfabe, ber reisenbe g^infj, bie irud^ernbe 
beS grünen XoteS, bie aus ber Siefe ber @rbe unter 
©arten unb ^ßflangungen auffteigenben, uon bem t)ier 
mädt)tigen SebenSbrang noc^ unbegwungenen granen g^eis» 
maffen, $erni felbft, bie ©eburtsftätte beS SacituS, mit 
feiner fruci)tbaren ©bene, feinen S^emfjetreften unb ber 
fjl^antafieöotten 3eid)nung feiner ätt)erifd)en SBerge — 
alles beraufdt)te unb entgüffte mi(^ unb nocE) gebanfenuoll 
trat i(| in baS ©aftl)auS gurüff, wo icf) am Morgen nur 
flüchtig mein ©epaff abgelegt. 

®er ©rfte, ber mir auf ber 5£reppe begegnete, war 
(atefano. ©eine greube, mid) wiebergufepen war grofe, 
unb halb ftanb er auf meinem 3iwmer, um mir fein 
©c^icffal gu ergäljlen. 

©r patte eines Morgens, fagte er, ^riSciKa enbUdp 
feine Siebe entbetft unb fiep an ipre Mutter mit einem 
förmli(pen $eiratSantrag gewant, war aber mit §opn unb 
3Seradptung aufgenommen worben. ^riSciüa patte ipn 
mit naioem ©rftaunen angefepen, ipre Mutter potte ipn 
auSgelacpt unb ipm oerboten wieber gu fommen, mit bem 
3ufap, fie werbe ipr f^rüpftüd bon nun an auS einem 
anbern ^affeepanfe begiepen. ©eit biefem Morgen fei ipm 
IRom unerträgticp geworben, er pabe bie ©tabt fo fcpneK 
als möglidp oerlaffen unb gteicpgittig, waS auS ipm werbe, 
pier in Serni einen ©ienft angetreten, ©tefano ergüplte 
wir bieS in einem >rone fünfter ©dpwermut, gu bem fidp 
bie früpere §eftigfeit feiner Seibenfcpaft fcpon gemilbert 
gu paben f(pien, fo baß idp poffte, bie 3^ii ffi«e 

SBunbe bolb gong gepeilt paben. Um biefe Leitung gu 
befdpleunigen, ergüplte icp ipm, waS iip oon 5ßriScittoS 
jepigem Seben erfapren. ,,©u bift mit beiner 33ewerbutig, 
fagte id), gu einer unglücfticpen 3eit gefommen, wo anbere 
^täne eben ber SluSfüprung nape waren. ^riSciEoS 
Mutter ift oerrudpt genug gewefen, ipre fcpöne Siocpter 
einem prete, einem 3Sioletftrumpf mit wiberlidper ©tope, 
bem Monfignore ©. gu »erpanbeln, ber ben ^reiS für 
bie ©tunben, bie er mit bem einft fo polbeu unb reinen 
gefeit gubringt, in ftingenbem ©otbe erlegt. 3dp patte 
ipn oft auS= unb eingepen fepen, f(pöpfte 93erbo(^t unb er» 
langte enblidp ©ewippeit. ^riScittoS Mutter fam mir mit ber 
ooEftünbigen ©rgöplung, wie fie gu biefem ©lütfSfaE ge» 
fommen, entgegen. ®o icp empörten .^ergenS ipr bie 
©cpanbtat oorpielt, entfcpulbigte fie fiep mit iprer oon 
Mitteln entblöpten Sage unb bat midp gugleidp, wenn idp 
fie befudpen woEte, nur gu einer beftimmten ©tunbe gu 
fommen, ba Monfignore entfeplidp eiferfüdptig fei. 3cp pabe 
ober feitbem ipre Sßopnung niept betreten unb bin halb 
barauf in ein anbereS .^auS gegogen." 

Söüprenb biefeS SöeridpteS war ©tefono bleiip geworben 
unb mit bebenben Sippen fragte er: „3ft baS wapr, $err, 
woS ipr mir ergüplt?" „IRur gu wopr," erwiberte icp. 
©r bebetfte baS @efid)t mit beiben .^önben unb wonfte 
opne ein 23ort weiter gu fpreepen, gur 2!ür pinauS. 3cp 
rief ipm noep, er pörte nidpt. ^dp folgte ipm bie S^reppe 


pinab, er oerfdpwonb aber oou ber ^ouStür in bie bunfle 
9?adpt, bie ein raufepenber Dtegen burepftrömte. 

■ 2tm nüdpften Morgen, wo idp ^erni wieber oerlaffen 
mu^te, war ©tefono im §aufe nirgenbS gu finben, unb 
bie ©iener bepaupteten, er fei waprfdpeinlicp inS ©ebirge 
geritten, wo er fcpon lüngft einen 31uftrog auSgurii^ten 
gepabt. Sdp feprte'nadp 3tom gurücf. 

(gortfefeung folgt) 



®egen ben :35euttim^iguttg0*:55a3iütt0 
in militärift^en Bingen. 

©ine 3^riebenSrebe gum neuen 3apr.*) 

I. Unfere ©efipoffe. 

355er on ber SapreSwenbe einen prüfenben 33licf auf 
unfere äußere politifdje Sage wirft, auf bie fortfdpreitenbeji 
$ruppenanpöufungeu im Dften unb auf baS bei feber 
©elegenpeit wieber ertönenbe Kriegs» unb 9teoancpe»©ef(prei 
mcimper „)ßotrioten" im 355eften, fowie bie gwifepen beiben 
Steilen ergtelte 3Serftönbigung, wirb barin gewi^ feine 
35erbefferung ber griebenSouSftdjten erblitfen. 

Mit befonberem 3ntereffe wenbet fiip beSpolb bie 
Slufmerffomfeit unferen ^eereSeinrieptungen unb unferen 
33unbeSgenoffen gu mit ber g’rage: 355aS für SluSficpten 
paben wir? ©inb Wir bereit? 

Sie militürifdpen Slngelegenpeiten werben benn audp 
unauSgefept in biefem unb jenem ©inne in ber SogeS» 
preffe befproepen, mon port bie oerfdpiebenartigften Urteile 
unb bie §rogen ber militörif^en Organifation werben in 
ben polittfdpen ^orteifampf pineingegogen, wobei notürlicp 
maneperlei Uebertreibungen unoermeiblicp finb. ©o ift eS 
fepr fdpwer, fidp ein floreS unb unbefangenes Urteil gu 
berfdpaffen. 3e weniger man ober in ber ©o(pe flar fiept, 
befto mepr ift mon geneigt, ©efürdptungen Elaum gu gebend 
®a ift eine berupigenbe Slufflürung auS foepfnnbigem 
Munbe oft mepr wert alS gange f^riebensfongreffe. 3n 
biefem ©inne berupigenb wirft in popem ©rabe baS oor 
furgem oeröffentlidpte ©epreiben einer anerfonnten Slutoritüt 
in militärifdpen ©ingen, nämlicp beS ©enerolS o. SeSgcgpnSfi, 
ber in faiplidper 355eife, mit übergeugenber Sfroft unb im 
fieperen 33ewuBtfein unferer ©törfe feine Slnfidjt über bie 
oEgemeine Sage auSfpriept. 

©eneral o. SeSgcgpnSfi pült bie gegenwärtige Soge 
für günftig unb einen ^rieg nidpt für waprfcpeinli^. 

iftuplanb befinbet fidp wegen feiner Eteubewaffnung, 
bie oorauSfidptlidp nodp bis 1894 bauern wirb, wegen ber 
.^ungerSnot, beren ©nbe unb g’Olgcn nodp gor nidpt ab» 
gufepen finb, fowie wegen feiner gweifelpaften finongteEen 
Soge in einem niiptS weniger als friegSbereiten 3oflanbe. 

f^ranfrei(p finb bie Männer ber Drbnung fieper 
nidpt gewiEt, leieptfertig gu ben 355affeu gu greifen; bap 
wir eine energifdpe Etegierung bort am meiften wünfdpen 
müffen, ift fcpon öfter betont worben unb glüdlicperweife 
pat bie jepige Etegierung gerobe in ber lepten 3eit feeweife 
iprer ©nergie gegeben. 


*) ®tefe 2tu§einanberfe|ung über bie griebenä» unb Ärteg§» 
auSfi^ten ber nöcfiften 3utunft unmittelbar l^erborgerufen burd) ben 
Befannten S 3 rief be§ @eneral§ bon £eggC0t|n§fi au $err SRid^arb 
gleifc^er» 33 re 8 lau unb burct) bie biel beactjtete 9tebe ^profeffor SBitt» 
rotp8 in ber öfterreic^ifd^aungarifctien ©elegation, ift un§ bon einem 
I)operen Dffigier pr SSerfügnng gefteEt toorben, ber fidft al8 
SRititärfepriftfteEer feit bieten Sapren einer aEgemeinen ©dpapung 
erfreut. 


1 


®a§ S)^agaätn für Sttterate. 


5 


®emi beimiod) gegeimiärtig bie Sage feiiieSwegg alg 
bebrol)li(^ Qii 5 ufel)eii ift, fo fömiteii bod) Uniftäiibe ein» 
treten, bie einen plö^tic^en Um)d)imtng ber 3lnfdt)tinungen 
über bie .^riegäfrage, befonberS bei " nnferem raeftiidjen 
SZac^bor bf^t’^tfülfren. bleibt bnl)er notinenbig, ftet§ 
raacttfcitti gii fein nnb feinen Sliigenbtitf gn oerlieren, nin 
unfere 2Bet)rfroft auf ber §ol)e ber Seit 311 ertjalten, 3 itr 
fidleren Slbwettr jebe^ 3Iugriffe§. 

Unfere SunbeSgenoffen tun ibrerfeitö if)r möglii^fteS, 
um ifire Sirnieen, Italien noc^ befonber§ um feine giotte 
fcJ}logfertig 31 t erbalten unb 31 t oeroollfommnen. (£§ wirb 
rebticf) unb mit ©rfolg gearbeitet. 

$föa§ unfere eigene ©tarfe betrifft, fo ift oor aüen 
®ingen in ben fBorbergrunb 31 t fteEen, bafe bei nn§ alle§, 
wo§ 3 ur SiuSbilbung im f^rieben, pr^ubrnng, S3emaffnung, 
Stuöriiftung unb fßerbflegung, fowie 3 um 2 lufmarf^ bei 
ber ÜRobilmacbung uotwenbig unb üorgefdbrieben ift, in 
SBirftidbfeit auch gefcbiebt unb ab[olut ficbergeftellt ift. 

2)er (Seift ber un.erfcbütterlicben ®i§ 3 ipliu in ber 
3lrmee, bie au^erorbentticbe (Sewiffenbaftigfeit unb ^fUd)t» 
treue ber Beamten, bie peinlicbe Drbnitng ouf allen @e= 
bieten be§ ©taatgmefenS, ber mititärifcbe (Seift unb bie 
Sntedigens ber Seoötferung, ba§ nnbebingte gegenfeitige 
3Sertroueu enbtidt, 3 ur 3 Sor 3 uglicbfeit ber gübrung wie 
3 uf Siwertciffigfeit ber Knippen, uerleibeu un§ bie ©ewöbr, 
ba§ aüe§, wa§ auf bem Rapiere ftebt, audb wirftid] 3 ur 
rechten ©tunbe uub in ber rechten Strt 3 m' 3lu§futirung 
gelangt. @eneral b. Seg 3 C 3 bngfi besei^net bie uöEig 
gleidjwertige SlusbUbung unb baberXücbtigfeit ber f^riebeug» 
armee, ba§ Dffi 3 ierforp§ unb ba§ gebilbete ^Bürgertum 
al§ bie (Srunbpfeiter unferer ©torfe. (Serabe biefe brei 
i^aftoren finbet mau aber bei unferen S^ochbarn nicht in 
ühididier 3 Sor 3 ÜgIichfeit uereint. 

hüiibelt fich h^ide aber nidjt nur um bie innere 
fEü^tigfeit ber Sirmee, fonbern wefentlic^ ouch nm ihre 
©törfe, beim biefe ciiebt in ben meiften ^’äilen hoch ben 
2 lu§fchtag. fEun wüchft aber, befonberS in g’i'anfreid), 
birrch bie lebten SBehrgefeije, bie Saht ber ©treiter fort* 
währenb, fie ift jeht ber nuferen im Sfriegäfalle bort fi^on 
um 420000 ÜKaun überlegen. (£§ hünbelt fid) atfo bei 
un§ um f^ortentwid'etuug. ' l!rieg§braudhbare iWJannfdhaften 
haben wir genug, beim unfere SJenölferungSsohl beträgt 
49 SRilüonen, bie gi^anfreichS nur 38 tOtiOioneu. ®'ie 
Slrmee mu^ nur fo befchaffeii fein, bofe fie in ber ©tunbe 
ber ©efahr mit ©icherheit bie gefamte waffenföffige ütatiou 
in fich auf 3 imehmen oermag. 

0b biefe S^orteiitwicfetung nun eine 3Weijährige ober 
eine breijöhrige ®ienft 3 eit bebingt, ift nur uebeiifächtich, 
wie (Senerol 0 . ßeg 3 C 3 hnsfi fehr richtig hcworhebt. S)ie 
grage ift 3 ubem nach fiU?» Ofichtnngen hin öffeuttich fo 
üiet befprodien worben, bag fich foum etwa§ 9?eue§ ba 3 u 
fageu lä^t ®ie (äntfcheibung mu^ man oertrauenSooll 
nnferem oberften Kriegsherrn nnb feinen berufenen Organen 
übertaffen. ift fein S'^’^tfU, wie fie am (£nbe aus* 
failen wirb. 

(Sin weiterer (Segenftanb ber ^Beunruhigung, mit bem 
mau fich tu te^ter S^tt mehrfad) befchäftigt hot/ ift hie 
aufeerortenttii^e SSerooEfommnung ber ©chu^waffen. fDZan 
begegnet oft ben übertriebenften SorfteEungen über bie iu > 
einem fünftigen Kriege 31 t erwarteube S^ht her 2Ser* 
wnnbungen, fowie über bereu 2 lrt. S)ie oor fur 3 em ge* 
hattene Etebe beS berühmten (^hitnrgen 5ßrof. SSiErott) in 
Säien hat in biefer tBe 3 iehung nii^t gerabe beruhigenb ge* 
wirft, ba er auSführt, wie fetjr bie Süht her SSerwuubeten 
in einem fünftigen Kriege gefteigert fein würbe nnb wie 
beShatb eine bebeutenbe 3Sermehrimg ber (Siuridhtungen 
3 um ^Transport unb 3 ur Unterbringung ber 3Serwunbeten 
notwenbig fei. 


2ßaS bie ©d)were ber 93erwuubungen betrifft, fo höt 
man barüber fihon moimigfache ©rfohrnngeu. S5ie 
mobernen (Sewel)re oerurfad)en feine fchwereren 3Ser» 
wnnbungen atS bie früheren, im (Segenteit, buri^anS 
teii^ter 311 h^itenbe nnb gutartigere. 

lieber bie Saht ber 58erwunbungen taffen fid) ncitürtich 
nur theoretifche Setvachtungeu anfteEen. §ier hot fich ohft 
bereits ein gau 3 er SegenbenfreiS gebilbet, ber ot)ue tot* 
fäi^tiche llntertageii bie Stnfidjt oertritt, bie Kriege feien 
mit ber S^'t unb mit ber SBerooEfommnung ber SBaffen 
immer btutiger geworben. 

3n beiben 3lichtnngen bürfte eine etwas nähere tBe* 
trachtung oieEeicht ftärenb wirfen. 

3llfo 3 unächft bie iBirfung ber moberneu (Sefchoffe — 
bie 3S?rwunbuiigen. 

(£S ift oieten iiodh eriimerlidh, wie nad) bem Kriege 
001 t 1870/71 oon uerfchiebeuen ©eiten ber SSorwurf er* 
hoben würbe, bie f^roosofen hätten, entgegen ber ^eterS* 
bürg er Kouoention oon 1868, ©prenggefi^offe ouS ©eioehren 
oerfchoffeii, weit mamhe S^erwünbungen fo fchwer unb mit 
fo auSgebehuten S^'^rfiffungen unb Sfi'ftörungen oerbunben 
waren, bofe man glaubte, fie fönnteu nur burch berartige 
@efd)offe entftanbm fein. Sn 3 Wifd)en hot man fi(^ aber 
über 3 eugt, ba§ bie bomalS uub noch bis oor fittßem 
oerwenbeten tBteigefchoffe baburch, bofe fie fidh beim @in* 
bringen in ben Körper ober bem Sluftreffen ouf Knochen 
platt fd)tugeii, au biefen entfehtii^en Verheerungen im 
menfchlichen Körper fd)utb waren. @S ift nun eine 3iemtidh 
oerbreitele füieinung, ba§ bie neuen SBaffen, bie fo ungleich 
mehr teiften, atS bie oon 1870/71, noih oiet fchretftichere 
Verwunbungen heroorbringen müßten, atS jene. 

®em ift aber nidht fo. 3m ©egenteil, wenn man bie 
SBirfungen beS mobernen „©tahlmoutetgefdhoffeS" ouf ben 
menfchlichen ober tierifdhen Organismus, wie fie biird) 
oielfad}e ^Berfuche an Seidfen unb Xierfabaoern feftgefteEt 
worben fiitb, betrachtet, fo nnV man geftehen, bafe ilod) 
niemals mit hnmaneren SBaffen gefämpft worben ift, als 
unfere heutigen 3nfanterie*®ewehre eS finb. 

(Sine Slntorität, ©enerolorst Dr. 0 . IBetf, fogt barüber 
in einem feiner 2öerfe nach ouSgebehnten praftifchen 3Ser* 
fliehen im Sahre 1886 (atfo oor ©infühtnng unfereS neuen 
©ewehrS) folgeubeS: „®ie großartigen Seiftungen ber 
mobernen (nun oeralteten) §aiibfeuermaffen, bie 3 erftörenbe 
©inwirfung ber gegenwärtig in ©ebrciud) gesogenen ©e* 
wehrprojefiite auf ben menfchlichen Körper, bie hKi^burch 
oeranlaßte hächft nugünftige ©eftaltung ber 3Bunb* 
oerhältniffe, bie fo hänßge ©efährbun^ beS SebenS, bie 
erfchwerte (Erhaltung ber getroffenen ©lieber, ber oerlang* 
famte, burd) loichtige Komplifationen oft bebroßte unb 
unterbroi^ene ^eiloeflauf u. f. w. haben fd)on feit Sahnen 
nicht oEeiu beim Slrste, fonbern auch hei jebem wahren 
EJJenf^enfreunbe ben warmen 3Bunfdh wachgerufen: eS 
möge ein ©ewehrgefd)oß erfunben werben, baS einen 
weniger oerberblichen ©iiißuß auf bie tierifd)en ©ewebe 
äußere. SEit Demfelben foEte, innerhalb gewiffer ©rensen, 
eine oorübergehenbe Kompfunfähigfeit ei'sielt, bie fo ßäußgen 
Rötungen, bie für baS ganse Sehen nnbauernben, mit 
©ieeßtum unb Verfrüppelungen oerbunbenen SSerftümme* 
lungen möglichft oerhinbert, wenigftenS wefentlidh oer* 
minbert werben ~ Slfit größter greube begrüßte idh beS» 
I)olb bie ©rßnbung beS §errn Sorens, 33efißer ber beutf^en 
3ÄetoEpntronen*3^äbrif in Karlsruhe, weld^er burd) finn* 
reiche Konftruftion feiner fog. „ißerbuub*Vän 5 er'®f!‘ä)offe", 
namentlich beS legirten „©tahlmantelgefd)offeS" (unfereS ©e* 
fd}oßfhftemS), baS auS humanen fRüdfiißten fo erwünfehte 
IBeftreben mit ©rfolg frönte .... 3m 3ntereffe ber 
Slienfchheit wie ber 2Biffeufd)üft fpreeße icß beSßalb ßier 
§errn Sorens meinen aufrießtigften ®anf auS." 



6 ®a§ SMagajin für Sitteratur. gi?r 4 


, , , ®te beutfdje ^epreSleitung pffegt wenig über i^re 
SÜtigfeit itnb i|re fefolge ini gerieben gu üeröjfentlid)en, 
fie tut it)re $|li(®t, g^ne otel 2 lufüeben§ baoou gu madgen, 
entgegen ber (Sepftogenljeit in uwn(|)en anberen Staoten, 
be§bal£i bringen nu(| nerpttni^ntä^ig wenig Slngaben in 
bie Oeffentli^feit. SSielleic^t ift 'e§ aber gang intereffant, 
einmal ein paar furge Semerfnngen über bie erftaunlicüe 
Siöirfnng itnfere§ tieuen ©ewe^reS (@ewel)r 88 ) gu pren. 

S)ie ©epwinbigfeit be§ ©epoffeS 26 m üor ber 
3 Künbung — betragt 620 m (in einer ©efunbe), b. i. 
etwa bogpett fo f(bnet[ al§ ber ©b^aE fidt) in ber Suft 
fortgflangt. 3 Benn man alfo einem feuernben geinbe 
gegenüberftet)t ünb man prt ben 5?naE feines ©^uffeS 
(ben fftaudi) fiebt man ja nid)t melfr), fo fann man gang 
ruf)ig fein, nid)t getroffen gu werben, ba boS ©efdbofe 
tängft weiter geflogen ift. 

®ie J 8 ifireinrtct)tnng rept bis 2050 m (b. i. über 
20 StZinuten gu gepn), b. t). bis gu biefer ©ntfernuug 
fonu mon einen gegietten ©dbufe abgeben. Eintürlid) fann 
man nid)t in geraber Sinie t)infd)ifBfn, bie Stiünbung ift 
uietmebr giemlid) bebeutenb erhoben unb baS . ©efd)ö§ 
fliegt in t)oI)sttt S3ogen nach bem giel. ®er t)öct)fte 
fßunft biefer @efd)o§babn bei einer ©ntfernnng beS 3ieleS 
oon 2050 m liegt 1200 m oom ©^ü^en entferjit in einer 
§öl)e oon 83 m über bem ©rbboben, b. l)- in $öl)e eines 
mittleren Kirchturmes. 

©ie größte ©dhufew^ilo ober beträgt etwa 3800 m 
ober über eine holbe beutf(^e SEeile. 

SBaS bie ©efchofewirfung betrifft, fo wirb trodeneS 
Sionnenholg glott burd)fchtagen: 

ouf 100 m in ©tärfe oon etwa Im 

„ 4:00 „ „ „ „ „ y 2 „ 

„ 800 ff ff ff ff ff (4 „ 

7 / f-600 ff ff ff ff ff 5 cm 

©rbWüEe werben iit noch giroprer ©törfe bnrdhbrnngen. 
©iferne fßlatten oon 7 mm ©tärfe )oerben auf 300 m 
nod) glatt burd)fchtogen, einfadie gifQofowuern ebenfaflS. 

®enn ber ©olbcit fidh gegen biefe ©efchoffe fchühen 
wiE, fo mu^ er fdion gong befonberS ftarfe ©editnpn 
auf fliehen, beim felbft bie ftärfften SBäiime gewähren ouf 
näheren, bie bidflen Sretter unb 33ohlen, fjüren, genfter» 
läben unb bergleichen anf weiteren ©ntfernuugen feine 
®etfnng mehr. 

SSaS ober in biefer Segiehnng nnanpnehm ift, baS 
ift gerabe in Segitg auf aSerwunbungen ein gropS ©lüdf, 
beiiii baS ©efdiofe wirb biird) ben' menfd)tid)on Körbef, 
fogar bitrch mehrere heiter einonber, nicht aufgeholten, 
felbft burd) bie ftärfften Knochen nicht, eS; fonn alfo nicht 
mehr im^ Körfier fteden bleiben, neräiibert beim ?Iuf= 
treffen niemolS feine ©eftalt unb fdllägt burd) bie Knod)en 
nur fleine 8 öd)er ohne fie gu gertrümmern. ®abei ift 
bie ©ernalt fo groB» boB ait^ S^iuhfeB^n uiib bergleichen 
burd) ben SBunbfanal mit biupgertffen werben, nicht mehr 
im Korber fteden bleiben, unb fo jene böSortigen unb 
longwierigen ©iterungen ber 2 ßnnben, wie in früherer 
3 eit, nid)t mehr oeranlaffen. 

gn einem ^Bericht über ©d)ieBoerfnd)e gegen 5ßferbe= 
fabaoef mit alter nnb neuer ÜJinnition in ber fÖJetaE» 
botronemgabrif Öoreng heiBt „EJomentlich bitrch gwei 
güEe würbe eS and) für ben Soieii oollfommeii flar, 
weld) . mächtiger Unterfd)ieb in SSegitg anf ©urchfchlogS» 
fähigfeit. einerfeitS unb nnbererfeilS, weniger oerheerenbe 
afjirfung im Organismus gwifchen bem SleigefchoB unb 
bem ©tal)tgefd)oB befteht. @S waren bieS gwei ©chüffe 
auf bie (Stirnflächen in bie ©ehirne oon fßferben unb 
gwei ©chüffe bitrih bie ©d)ulterblätter. Seim Eluftreffen 
ouf bie ©tirnfno^en hdlK boS Sleigefd)oB eine groBe 
gerfdimetterung hfi’oorgeritfen, wor in baS ©ehirn ge= 


brungen, biefeS gerreiBenb, hode bie ^interwaub beS 
(©d)äplS ooEfommen gertrümmert unb l)idi‘ eine nnförm? 
liehe EiJaffe oon Knoihen, äEuSfel unb ©ehirn eräugt, 
in welcher eS fteden blieb. 

®aS ©tahlgefihoB fehte in baS ©tirnbein eine freiS- 
ruige ©infdfnBüffnung, ohne jebe.Serfbrengung ober ger» 
fblitterung, hinterlieB im ©ehirn eine fanalformige Sfßunbe, 
im übrigen bemfelben feine ©eftalt belaffenb, unb oer= 
lieB burch bie höJtere Knochenwanb ben ©chäbel, hici 
tbenfaES nur ein runbeS ßo^ hioterlaffenb. Eluf feinem 
ferneren 3Bege brang eS noch tief noch oorne in ben §alS 
beS 2dereS ein, witrbe jeboch nicht weiter aufgefücht. 

Elehnlich ergeugte beim ©d)uB auf baS ©chulterbläti 
boS SleigefchoB groBe gfidrümmeriingeu ber aiiuSfitlaiiir 
unb ber Knod)en, bei geringer SJiefe beS ©inbringenS, 
währenb baS ©tahlgefchoB bnret) beibe ©chnlterblätter 
brang, ben SEerforber wieber oerlieB. nnb noch bitrd) eine 
Kifte mit ©ägemehl hioburch in ben Kttgclfong flog; 
®nbei fehle eS gang enge äöunbfanäle unb biirAbohrte 
ben Knochen freiSfövmig, ohne ge^^lrümmerung." 

S5enn fünffig aEerbingS ©lüdfäEe, Wie fie'in früheren 
Kriegen nicht fo gong feiten oorfamen, boB eine Kugel 
burd) eine TOiige, eine Uht beS S^rägerS ober bergleichen 
aufgehalten wnrbe, nicht mehr möglich Bob, wenn ber 
©olbot auch oft nur fchwer genügenbe Oediingeu höben 
wirb, fo wirb mon boci), noch bem oben auSgeführten, 
bem mobernen ©efd)oB ben Sorgiig geben. 

©iefe 2Bahrnehmnngen werben auch burd) gwei güEe 
beftätigt, bie ^rofeffor Sarbeleben fürglich auS feiner 
Scoi'iS mitteilte, gn bem einen gaüe war ein EKann 
oon einem ^often mit bem neuen ©efchoB unfereS 
gnfanterie“©ewehreS burd) baS Kniegelenf gefchoffen 
worben. ®ie .^eilung erfolgte in oerhäitniBmäBig furger 
geit, ohne boB bie Seweglichfeit beS ©elenfeS beeinträchtigt 
worben wäre, gn bem anberen goEe hi^obelte eS fid) 
lim einen ©chuB burd) ben Oberfchenfel, ohne Sefd)äbigung 
beS Knochens. §ier ging bie tpeilung noch fchneEer unb 
leid)ter oon ftatten, beim nach Slnlegnng eines antifehtifchen 
SerbanbeS hol bie aöitnbe feine Sehonblung weiter er= 
forbert. SllS ber Serbanb nach einiger geit cibgenommen 
würbe, war bereits ooEfommene ■.^eilung eingetreten. 

©S ift fomlt wol faum gu oiel gefagt, wenn man 
unfere mobernen ©d)itB)üaffen faft als ein gbeal in Segug 
auf ihre SBirfungen begeichnet, beim fie erfüEen im höchfteu 
EEoBe ihren gwed; auBer ©efecht gu fehen, ohne unnötig 
f(h)oer gu oerwnnben. 

oh? 


Spitiitiften auf 5eti 

33 on 

Sie hwglichften ©lüdwünfche gitnt neuen gohr. 
Unfer KoEege, ber geitungSouSträpr, gratulirt unb ftredt 
bobei in fo gragiöfer aSeife bie §ctnb oitS. Unfer weiterer 
KoEege, ber (achornfteinfeger, gratulirt. SBarum foEteii 
wir eS nicht auch tun? SefonberS ber fogenaiiute Kritifer; 
beffen ©pegialfoEegen gerabe bie übergeugteften ©ratm 
tulanten finb : ber Sanipenangünber unb ber Samhen» 
auSlöfcher. gür einen Sichtangünber holten ben Kritifer 
freilich nur noch bie gong jungen Seute, bie. noch nichts 
pben bruden laffen ünb bie fich oon ber ©etehrtenrefiublif 
ein ibealeS Silb entwerfen, gür einen ßamhenauSlöfcher 



7 




für /Btltewte. 


mieb;er;,gUi bei' Ibiitifev uametitUeb .in i'fn @i'ei)eti imter» 
ftii^uiigäbebitrfiiger . ■ ©ireftoieu itnb #ebintfpteiei'. : : ®it 
UebeK;',§ininie 5ti§ ob ein üJiettfeb beitie ©oitne tui§= 
löfcbeu wollte ober föiiiite! §fl§ ob nicl}t;fetbft bte Sroii? 
fuiiiel , bev liabpeii io tauge btofte uub foljtie ab? ber 
®rgj,i eg'ibr geftottet! 2llb ob.seb nict)t bob ehiärge^Sei'' 
brei^eji wirft]e|er l^ritif wäre; bie ®hige bei rbreui recbieit 
'Jiamcu SM neuueu,: bie ©ounebte (aoune, ein ^feunigli^t 
eiu ißfeiuiigliijbt/Mub Qualm git beifeeu. 

j ; ; 3<| grotulire atfo ergebejift uub ;wünfcl)e ein glütf» 
iiebeb, iiei'üs 3,a_br, iugbeioubere beu $|eoterleiteru uub 
beu ®b?äter}i^reiberu; wobei i(^. iiatürli^ uictit au bie 
^erreii aug -bem 33utegu beule. Ilub bieie ©ratuiaiiou 
ift fo egoiftifd) wie uur bie eineg Jbiubeg, bag etwa feiueni 
3Sater ali S^eujalrgwuitfcb einen 28uu(cbsettel für , beu 
uäcbfieu 2ßeit)ua(|)teu überreid)t. @g wäre wirflidf) bpbe 
geit, bafe bag grofee (Sterben btefeg äöiuterg = ein @ube 
uäbme.' gu einem freiwilligeu öffeutlictten Soteubefcbauer 
ift jeber DJfaun aug bcm $remiereuf)ublifum geworben; 
uub ®oteuget:tet augftelleu ift fein erfreulicbeg Slmt. lfm 
wie Diel lieber wäre jeber ein äBunber» 

täter, würbe fcf)Ou um beg eigenen ©enuffeg willen einen 
(St)afeif)egre nact) bem anbern entbetfen, wenn bag nur 
fo leid}t wäre, wie ein ©lüdwunfcb in ber Si)loefternacbt. 

, 3lud) bog englifcbe Stücf, weldje» in ber 3ßeit)uacbtg= 
wo(|e bag Sid)t beg ©eutfctjen ®beoterg erblitfte war ein 
iingtücfgfatt unb gwar einer oon beiten, bie nicbt mit 
einer furjen 3fotis obäutim finb. @g lie^e fidt) ja felir 
leict)t ein oevmeintlidber SBi^ reifen unb bag gange Urteil 
Über ben „§ungerturm" oon 3trtt)nr Soneg in eine 
Sof'olnotig über ©ntgleifung, fOif^geburt unb lliolftonb 
gufammenbreffen ®og würbe aber wenig §erg beweifen. 
fe giebt emporenbe UnglücfgfäHe, Unglütfgfäüe, bie jeben 
füblenben S)tenfd)en gu einem ijJroteft gegen alle begleit» 
umftänbe l}eraugforbern. 

t^err ^abetburg ()at bag englifcbe Stütf überfeüt unb 
wie mir fi^eint nidjt nur um einige berliner Dtebengarten, 
fonbern oinü um gwei ober brei f^litfen aug ber Söelt ber 
beiitfcpen Spiritiften bereid)ert. ^err l^abelburg ift im 
Ögitfe ber lebten 3apre aug einem fiüablonenpaften ®ar= 
fteiler fcpneibiger Sieutenanlg einer ber beften berliner 
Siüaufpieler geworben. @r ift einer ber - wenigen, bie 
moberne 3tnfgaben nict)t nur reatiftifd), fonbern and) 
tedinifd) gut iöfen fönneu. Sllg SübnenfcpriftfteEer unb 
Bearbeiter jebodt) ift ipm bie ältefte Sd)ablone gerabe gut 
genug, wenn fie nur ber breiteften SJienge gu gefallen 
oeifpricpt. „®er ^ungerturm" oon 3lrtl]ur 3oneg tonnte 
gu einer bentfd)en Beorbeitung reigen; beim bag breiaftige 
Scpaufpiel foll in ©nglanb einige punbert 'Bieberpolungen 
erlebt poben. Unb bog ift nacp einer ungefcpriebenen, 
jebenfallg aber ungebnuften ©ramaturgie ber 33üpnen» 
leiter bag ^^enngeidpen ber bebeutenben ©ramatifer. 3cp 
möcpte gerne wiffen, in welipem lonboner Speater unb 
oor welcpem ißubüfum biefer perrlidpe ©rfolg gu Stonbe 
tarn ©er .^ungerturm ift ein gang elenbeg Ipintertreppeiu 
ftütf, unb eg wäre überbieg ein gefäprlicpeg Stüd, wenn 
eg nidpt gor fo fcplecpt wäre. 

©in 33li(f ouf beu ©peotergettel würbe genügen, wenn 
jemanb bie f^fiftur beg ©romag erfennen woUte. §err 
©itgelg ift ber SBater, ©efener ift bie ©odpter. ®a 
bie f^obet bie Slufbecfung eineg Spiritiftenfcpwinbetg ent= 
pätt, fo ift offenbar ber 3Sater ein fomifcper iiump, feine 
©Od)ter bag ebenfo unglüd'lidie wie eble SRebinm, Um 
nun in fein Sipaufpiel bie Sponnung eineg J^olportage» 
romang pineingubringen, pot ber 3Serfaffer ben (Sdtwinbel 
ber SRebiumfcpaft mit bem Scpwinbel eineg breifeigtägigen 
gofteng oerguitft, unb wir werben Saugen, wie bie eble 
(öpiritiftin ben gangen gweiten langen 3lft pinburcp in 
©efapr ift, gang ernftlidp $ungerg gu fterben. 3llg oor 


einigen f5apren ber gefi'punbene ; Dtaubritter parobiftifdten 
9lngeben|eng über bie ©retter , ging, ba würbe eg eine 
freitnbfiepe Sitte „ber bitrdj ipren Jffiottätigf'eitgfiun: aug; 
gegeicpnetenJBerliner", J^atbgfotelettg nnb anbere fBittuatien 
über ben (Souffleurfoften pinübergureidpen. 3fur bie Sliptung 
oor beut ^oitg unb oor g^rait ©efener tönnte bei goplreiipen 
Söieberpolungen beg „^nngertiiruig" bie Sufdpauer Oer» 
pinbern, ber bloffen ^ungerfünftlerin ältere abgelagerte 
3tepfel guiprem „fliloofieir^cnfter" emporguwerfen. ©twag 
loiberwärtigereg otg bie go'^berung, biefe $nngerfomöbie 
tragifcp gu' nepmen, pabe icp woprpoftig im Speoter nodp 
nicpt erlebt. , 

©obei ift bie §anblung mit allen aiUtteln beg poffen» 
paften tRüprftfnfg gang gefi^idtt weiter gefüprt; unb wenn 
nufere eingeftonbenen 5ßoffentpeater in ipren bramatifcpm 
Stnfprücpen nidpt nodp tief unter ben ^ungerturm gefunlen 
wären, wäprenb bie alte SßaKnerpoffe 3og umQitg unfere 
befferen Süpnen erobert, fo pätten fie fi^ bag pungernbe 
SRebium nidpt entgepen laffen bürfen. 3Ber weife, ob ber 
ju^enblidpe $aftor, ber guerft an bag ÜRebium glaubt, 
mit ipr oor- unb nodp ber ©ntbeifung abgeftanbene Siebeg» 
fgenen auffüprt unb fiep enbliiü an iprer 3Serprooiantirung 
beteiligt, um bog eble SRäb^en fd)liefelicp gu peiroten, 
wer weife, ob biefer i).Jaftor im Stbolf @rnft--©peoter nid)t 
loopre ©ränen entlocft pätte. @r lügt ja fo fd)ön , wenn 
er augnapmgweife nidpt grob lügt! Unb bie luftigen 
Sgenen beg Stüdg pätten bort nocp beffer gefaüen, alg 
im ©eutfdpen ©peater. ©iefer rationaliftifipe ißrofeffor, 
ber ben papnebüi^enen Scpwinbel mit §ilfe ber ^oligei 
gu entlaroen fndpt, unb gar bie eingelegten fßantomimen» 
fgenen, in benen ein burlegfeg Sieb'egpaar fiiü finbet, wie 
wären fie beflatfcpt worben! 

Slnläfelicp biefeg Siebegpaareg, fanu icp eine 33e» 
merfung über bie ©orfteEimg nidpt unterbrüdfen. 3n einem 
englifcpen (Stüde, bag in ©nglanb fpielt unb bodp wol 
gewiffermafeen aug bem ©nglifdpeu ing ©eutfcpe überfept 
worben- ift, würbe bie ^omif beg Siebpaberg baburd) er» 
pöpt, bafe er beittfdp wie ein ©nglänber fpradp. ©in 
Sfünftter wie $err Sfiffen gab fiep gu fol^er ißoffe per- 
So longe aber bog ©peater ernft bleiben will, mitfe ^unft 
alg l!unft fiep geben, in ber ©ragöbie wie in ber Boffe- 
3cp Witt eg §errn fRiffen bequem madpen unb ipn on 
Spafefpeareg ^einridp V. erinnern, wo bie fjrangofen im 
allgemeinen englifdp fpredpen, ober bann bodp wieber nidpt 
nur bitrdp frangöfif^e Slugrufe, fonbern fogar bur^ eine 
wunberlicpe nnb äufeerft gotige Sgene in frangöfifeper 
Sproipe eparafterifirt werben. 91 ber idj glaube eigenttidp 
nicpt, bafe $err IRiffen on Spafefpeare bodpte. Sföenn er 
Scpitle ma^te, fo fönnte ja and) tttomeo bag ©eutfep 
unferer ißoffenenglänber fpredpen, unb üietteidpt fdpenft 
ung ein ftrebfamer tttegiffeur nodp eine Sluffüprung ber 
Jungfrau oon Qrleang, wo bag SRäbepen oon ©omremp 
ipre IRotte mit bem gwitfdpernben Slecent einer ißoriferin 
fpriipt, wäprenb ber fterbenbe ©albot (oon einem ^omifer 
bargeftellt) fägt: „Unfinn, bit tnft fiegen, unb iip werbe 
gepen unter. 3Rit ber ©ummpeit tun felbft ©ötter fämpfen 
oergebeng." 9ln bie Sungfrau würbe man im ^ungerturm 
audp fonft erinnert, icp meine an bie ^ueette Spafefpeareg 
nnb 9Soltoireg. ©ie ©nglänber tiefeen fiep oon einer 
bummen ©ang befiegen. ©er ißaftor bagegen beridjtete 
über feine ©rwedung fo giemlicp mit äßorten ber Sdpitterfdpen 
Jungfrau oon Qrieang. 9lndp er ift ein Sdpafpirt ge» 
wefen, beoor er ein pöperer Boftor würbe, unb bei ber 
punbertften Slufüprung in Sonbon mog er fein treueg 
Bublifum mit ©rinnerungen aug feiner Sugenb betraeptet 
paben. Scpulblog trieb er feine Sämmer auf beg ftillen 
Sergeg §öp, unb wie fdpulbig ift er fpäter geworben. 

iRidpt einmol fo oiet SBorte ber Slbtepnung wäre ber 
„§ungerturm" alg ©rama wert, wenn eg fiep bobei nidpt 



8 


SWagogin für Sitteraiur. 


9Jr. 1 


guglei(^ um etwag oiibereg :^aubrin mürbe ote um eine 
blo^e Huuftfrage. ®te ü[t£)etifcüe ©eite mare einfa^ ba» 
mit obgetan, baß 9lrtf)ur SoueS eben fein ^ünftter ift. 
Slber er tut im erften 9lfte fo, alg ob er bag ,9So(f 
über ben großen ^umbug ber fpiritiftifd^en SÄebien 
oufflären mollte, unb bie Slrt unb SSeife, mie er biefe 
Stufftörung beforgt, erforbert nocß ein ernfteg ^ort unb 
mir ift biefeg SBort eine faft perfön tid^e ©acße. 9lIIer= 
bingg muß icß booon f(^meigen, baß iü) fetbft bem ©pirü 
tigmug auf ben Seib gu rittfen oerfucßt ßabe. S)enn bie 
öffentticpe$eudE)etei oerlangt oom^ritifer befdpeibeneg Heber» 
geßen beffen, mag er fonft etma gefcßrieben ßat; icß miH 
mi(ü biefer aügemeinen ©itte fügen unb miü) befcbeiben 
fteüen. Sag barf i^ aber moßl fagen, baß i(ß ben ©pi= 
ritigmng big in feine leßten ©cßlupfminfel ßinein feit 
oielen Snßren giemlict) emfig beobocßtet ßabe. Set) bin 
nießt nur mit $obegoerad)tung ßefer fpiritiflifdßer Qett» 
fdßriften, idß ßobe nid)t nur prioote ©ißnngen mit bem 
f^tauen unb gefdt)i(ften ÜJtifter ©labe unb ber meit 
feßließteren grau iöpfer genoffen, id) ßabe muß 9Kaffen» 
fißungen, ©niHelfißnngen mit ben rafßnirteften Siofdßen» 
fpielerinnen über midß ergeßen (affen, unb itß fenne recßl 
üiele übergeugte ©piritiften, bie ebenfo menig angfterben 
mie ber ©piritigmug felbft. ©eineg gleißeg barf fieß be= 
fanntlicß jeber rüßmen, unb fo fcßmei^le icß mir, in 
fpriritiftifeßen ®ingen ein menig ©aißoerftänbiger gu fein. 
S^tun geßt mein Urteil baßin, baß ber ©piritigmug bnreß» 
aug unb üon 91 big 8 ber bümmfte ©^minbel ift, bem 
jemalg bie 2Belt gnm Opfer ßel. ®ie ölte 9Baf(ßfran, 
melcße befrennbeten ©ienftmöbeßen bie 8u?nnft ong ben 
l^arten maßrfagt, ift eine ßößere SnteHigeng im 3Sergleicße 
gn ben 9(lbernßeiten ber ©piritiften. 9Bag für bag 5ßn» 
blifum eineg S^afcßenfpielerg gn bnmm märe, bag [inb bie 
befferen ßeiftnngen ber ©eifter. ®ng ©efäßrlicße ift nun, 
baß bag metapßßfifcße Sebürfnig ber 2)?enf(ßenmoffen 
bitrcß biefen linbifcßen 35löbfimi om leid)teften befriebigt 
merben fann. SSenn femanb beßanpten mollte, ber ©pi» 
ritigmng fei g. S. für 9lmerila bie ^Religion ber 
8ufunft, fo fönnte i(ß gmar f(ßanbern, aber i^ möcßte 
nießt bogegen metten. ®ie mßftif(ßen ©pefulationen 
eineg ©merfon finb bem ißöbel bo(ß gn ßO(ß; boß ober 
eine oerftorbene Sante nadß mie oor nnfidßtbar im 
8immer fißt unb fidß mit Klopfen, §nften, tltätfel» 
raten unb anberen ßimmliftßen Singen befeßöftigt, 
bog entfprießt gu feßr ben 9Sorfie0üngen ber ßei» 
ligen ÜRajoritöt oon fenfeitigen Singen, alg boß eg 
nießt mit anbödßtigem ©tauben ßingenommen merben 
fottte. 3ßer ben ©piritigmug für nngefäßrlicß ßäli, mirb 
beßäbig über ißn lacßen; mer ißn fennt, mirb ißn ernft 
ober fatirifiß befämpfen. 9^ur mer moralifdß auf bem 
S'Jioeau berfenigen fteßt, bie ong bem ©piritigmug ein 
©emerbe madßen, nur ber mirb bem 9Solfgaberglauben 
f(ßmei(ßelu unb ben ©ong gum SBunberbaren mit 
mebiumiftifdßen S^ubereien ßätf^eln. Sag aber tut 
^err 9lrtßur Soneg in feinem ©tütfe, menn er audß ben 
Sater beg eblen 3Rebiumg bem ©elä^ter preig giebt. 
Sag bemeift garnießtg. Sag tun aüe fingen ©piritiften; 
benn biefe SRenfeßen aug bem Seufeitg redßnen gar mol 
mit ben Satfaeßen, unb eg geßört gu ben biegfeitigen 
Satfoißen, baß eine gonge 9(ngoßl oon aftioen ©piritiften 
alg ©^minbler entlarot morben finb. 

Ser englif(ße 93erfaffer moißt alfo ben ©piritiften» 
oater gu einem ^Betrüger, geminnt aug ißm fo überbieg 
eine münf(ßengmerte fomifeße RoKe unb oereinigt bonadß 
um fo patßetifdßer oßeg Sießt auf bie Soeßter, eine reine 
SRaib, bie feit Soßren biefem ^aHunfen olg „aRebium" 
bient, ißn feine fleinen Ifunßftütfcßen (menn bie nießt 
oon ^errn Ifabelburg eingelegt finb) gur großem ©ßre 
ißrer ©eifter auffüßren läßt, felbft einen Koffer mit 


boppeltem Soben benüßt, aug melcßem fie mäßrenb ißrer 
gaftengeit 9faßrunggmittel nimmt, bie aber troß aüebem 
begnabet ift, iföunberfuren bureß 9luf(egen ber §änbe 
gu bemirfen. 3Ran muß fid) nur in bie ©eele fo eineg 
^rauengimmerg ßineinbenfen, ermägen, mie ißr bei biefen 
§eimli(ßfeiten, bei biefem 8udßtßauggemerbe gu 2Rute 
fein muß, um genügenb barüber gu ftauneii, baß 9lrtßur 
Soneg eg gemogt ßat, uug für ißren junger unb für ißre 
©eelengualen intereffiren gu mouen. So, id) glaube faft, 
baß ber 9lutor fein fßubltfum ebenfo gum Darren ßült, 
mie bag SRebium feine ©löubigen. Hub biefer 
ßäuglerin foEen mir enblidß bag 9Sertrauen fdßenfen, baß 
fie bie ©obe befißt, unßeilbare ^ranfe gu ßeilen. Söir, bie 
8ußörer foEen eg ißr glauben. Uno eg ßanbett fidß in 
ber §auptfadße nidßt nm einen f^oE oon ^Jßdßofe, bei 
bem etma felbft ber ©taube on eiuen SSelrüger f?olgen 
ßaben fann ^ein, ein fdßmerer goE erblidß ermorbener 
©cßminbfudßt liegt oor. Sem reießen Sorb ift bie f^rau 
an ber ©(^minbfueßt geftorben unb bann oie übrigen 
Mnber. afur nodß ein Söd)terd)en lebt, aber fdßon ge» 
geid)uet, fo baß bie berüßmteften 9lergte ißre balbtge 
mtflöfung mitaSeftimmtßeit ooraugfagen. Hnb biefetonfe 
läßt 9frtßur Soneg genefen unb gmar burdß ben mßftifdßen 
©inßuß ber eblen ©piritiftiu mit bem hoppelten ^oben. 
@g ift faum gu glouben,baß ein foldßer 9Sorgang auf 
einer ber oorneßmften beutfdßen 95üßnen bargeftellt mürbe. 

Sd) ßabe erft füngß an Raupadßg ©i^auerfomöbie 
„Ser aRüEer unb fein ^inb" erinnern müffen, bog ©tüd 
beg 9lberglaubeng, bag nodß ßeutgutage gum 9lEerfeelen= 
tage auf aEen öfterreidßifdßen Sfüßnen geforbert unb in 
aEen möglidßen ©pradßen aud) gemimt mrrb. Sa ßanbeltg 
fi(Ü borüm, baß oEe ßeute im Saufe eineg Soßreg fterben 
müffen, bereu ©eifier iu ber ©ßriftnadßt auf bem g^rieb» 
ßofe gefeßen morben finb. 9ludß im „SRüiler unb fein 
^inb"' mirb über ben 9lberglauben ein menig gefpottet, 
oudß ba mirb bog iSSunber ßalb unb ßolb ra'tionoliftifdß 
erflärt; ober audß ba greift bag ©eifterrei^ mit plumpen 
Soßen in bie 9Renfdßenmelt ßinein unb oeiiangt 9lcßtung 
oor feiner 3Rad)t. Unb menn 9lrtßur Soneg nur etmag 
oon ber romontifdßen ^oefie befäße, bie bag Raupadßfdße 
©tüd immerßin auggeidßnet, fo ßätte oudß ber „junger» 
türm" bei ung bag Subiläum feiner ßunbertften 9luf= 
füßrung feiern fönnen. 

©0 ift eg beinaße ein ©lüd gu nennen, baß 9(rtßur 
Soneg gar feinen ©dßimmer oon 5ßoefie befißt, meber 
oon edßter nodß oon unedßter, .unb baß bag fJublifum 
nodß bei Seiten baßinter fam. 


Die öenfibitiMt be& MJeibes, 

SSon 

5ßrof. €■ 3tomfivofa»$^ttrin. 

®eutf^ bon Otto ©ifenf(ßife»3Waitanb.*) 

(3(utotiftrte UeßeUe$««9.) (Sliaclibtua betßoieti. 

©g flingt oieEeidßt unmaßrfcßeinlidß, ober eg ift ent» 
: f(^teben maßr, baß troß allem, mag man über bie g^rouen 
gefdßrieben unb nodß fdßreibt, bigßer menige ober gar feine 
ouf bie pßßfifdßen unb felbft auf bie geiftigen ©igen» 
fdßaften beg iSSeibeg begüglii^en 33eridßte oeröffentlidßt 


*) OBige nod^ miberöffentlid^te ©tubie be§ BerüBntten itoIienifdBen 
aintßbogotogcn ift au8 bem SKanuffript für ba§ „SRogaxtn für 
ßttteratur" üBerfe^t morben; bo8 Originat erfdBeint bemnäefift in 
etnet ttaltenifc^en 


^x. 1 


9 


®o5 SKagajin 


worben finb, bie S^atfoc^en unb beftimmte ^eoboc^tungen 
gur ©runblage l^aben. 3a in ©ngtanb begegnet man 
fogar gai^Irei^en iüac^forfd^ungen , fobalb e§ fic^ um 
bie ^rage einer auflralifd^en ober afrifonifi^en iftaffe 
bonbeit, aber wir finben feinerlei 3Jadb^orfcbiitt9^it über 
bie garte ^dlfte nnferer eigenen tftaffe, bie wir ftet§ unter 
Stugen baben unb bie wir lieben, umfcbwörmen unb tieb= 
fofen, bie wir aber au(b oft oera^ten, ohne fie je reibt 
gu oerfteben, gleicbfam, atö ob fie niibt unfere liebend» 
werte (Üefäbrtin wäre, fonbern eine ©ewobnerin be§ 
@iriu§ ober be§ Planeten 3)Jar§. 

3Bir bttben beifpielSweife oor niibt aEgu tanger Seit 
gefunben, bab faft aüe auf ba§ (Sewiibt be§ (SebirnS 
unb auf bie franifcben f^äbigteiten be§ 2Seibe§ 35egug 
fiabenben Seffern, welche bisbei* oeröffentliibt würben, 
irrtümliib fiub, weil man bei ben Seredbnungen feine 
iftüiffiibt nabm auf baS ©ewiibt be§ £)berföxber§ u. f. w. 
unb weit e§ ficb biwöei um fdbeinbar minimale ®iffe» 
rengen bfwif’etl. Unb trobbem ift gerabe biefe g^rage 
oieUeicbt am meiften unb am eingebenbften unterfua}t 
worben. 

SBenn man ©tubien anftettt über ba§ Problem ber 
©enfibilität be§ SBeibeS, fo finbet man, felbft in ben 
beften pbbfeologifiben Slbbanblungen, gar feine ober bocb 
nur febr geringwertige Eingaben; bödifteng ift booon 
oberfläd)lic| unb en past^ant bie 3febe, ba^ ba§ 25Seib, 
bie gute ^ürgerSfrau fowoljl al§ bie 2)ome ber großen 
2Selt, weniger fenfibel ift al§ ber 3Kann. 3ct) h‘''^e mit 
bem Seber'fiüen (Sffthefiometer (weldier in Snillimetern 
bie ©iftang ber beiben ©nbfmnfte ber ^e8 Seige» 

fingerg mißt) bei ungefähr hunbert grouen SSerfuche an» 
geftellt über ben Saftfinn unb bag @dhmerggefüt)l beg 
Sßeibeg nnb idh hf'f’e gefunben, baß mit 3lugnahme ber 
jungen ÜKäbi^en, bie einen feßr feinen ^aftfinn h^öen, 
bei ben grauen im SUlgemeinen ber S^aftfinn boßßelt fo 
ftumpf ift alg bei ben Männern. 

töei Söeibern aug ben unteren SSolfgfdhichten fanb ich 
2,6 mm, bei ben ®amen 2 mm, wäßrenb ich Manne 
eine ©ur^fdhnittggißer oon 1,6 mm fanb unb bie ®iße= 
reng wirb noch bemerfcngwerter, wenn man in 33etracht 
giel}t, baß, gufolge weiterer 3Serfud)£' in meiner 

^linif in Jurtn ' angefteüt, ber Saftfinn bei ^erfonen 
oon auggeartet phßfiooomifdhem (^hwifter an ©tumßf» 
heit gunimmt, unb man ßnbet eine berartige ®egeneration 
oiel fettener bei bem 3Beibe alg bei bem Manne. 

3n SSetreß beg (Sef^macf» unb ©eruchfinneg hö^f 
idh ffhi-' gei'inge Unterfdhiebe fonftaiirt unb wenn eg fotiße 
giebt, fo fßrechen biefelkn gn Ungunften beg SBeibeg, unb 
ben ftJodhforfdhungen SSarfeßg gufolge ift bag Söeib auch 
in biefem gälte weniger fenfibel alg ber Mann. 

2luf bie ©enfibilität im aEgemeinen übergehenb unb 
ouf bog ©dhmerggefühl im befonberen, moißte idh einige 
©rgebniffe ber ©tubien mitteilen, bie ich niit meinem 
eleftrifcßen Sltgometer angefteEt hübe. 3Benn man bie 
©pulen beg eleftrifdhen ©ißlitteng oon ®ubolg»Eleßmonb 
einanber nähert ober entfernt, (je mehr bie ©pulen eingnber 
genähert werben müffen, befto hefliflei*- befto ftärfer 
Ift bie ©enfibilität), fo ergiebt fiip oug biefer Metl)obe 
in eoibenter Sßeife bie gnferiorität beg weibtidhen @e= 
füßteg. 

SBäßrenb idh bei fünfgig SBeibern aug bem SSotfe 
90 mm oEgemeiner ©enfibilität unb 53 mm ©i^merg» 
gefüßl gefunben höbe, fanb idh bei Männern ber nänr» 
lidhen SebengfteEung 94 mm im erften nnb 69 mm im 
g weiten gaEe. 

Sei jungen Männern fanb ich ^5 mm oEgemeiner 
©enfibilität ünb 78 mm ©dhmerggefühl, bei jungen Mäb» 
t^en bagegen btog 91 mm unb 70 mm. 


für Bitteratur. 


®ie ©tumpfheit beg Seibeg gegenüber bem Sltgo» 
meter ift bemnoi| eine große. 3lber für biejenigen, 
weldhe in Segug auf biefe Siff^i'n noch Sioeifel hegen 
foEten (bie ©fepfig ben Seffetn gegenüber ift 
Weber feiten nodt) unberechtigt), höbe iiß nodß onbere 
®aten gefammelt, bie ung bartun, boß bie ©enfibilität 
beg Sßeibeg geringer ift alg biejenige beg Monneg. 

geh höbe bie berühmteften ©hii'urgen ©uropag um 
ihre Meüumgcn über bie mü unb SBeife befragt, mit 
weldher ipre weiblichen Patienten bie ©ißmergen ber 
ipirurgifchen Operationen ertragen im Sergteich gu ben 
nämli^en 3ltterg» unb Jl:ranfheitg»Serhältniffen ber männ» 
liehen Sotienten, unb id) hotte bie ©enugtuung, meine 
Sehouptungen oielfeitig beftätigt gu feßen. 

SiErotß, beifpielgweife, fagte mir einmol gelegent» 
lidß einer neuen Operation, bie er oorgnneßmen patte 
(bie ©nlfernung beg Sptorug), baß er feine Serfudße 
oiel lieber mit weibltdßen ^mnfen anfteEe, weit fie 
weniger empßnbtid) unb infolgebeffen wiberftonbgfäßiger 
feien alg bie Männer. 

©arte oerfidßerte midß, boß fiiß bie grouen mit 
einer oußerorbenttiih ftannengwerten ßeießtigfeit operiren 
laßen, gerabe fo alg ob man am gloß^o anberer 
^erfonen, unb mißt an ißrem eigenen operirte. 

dliorbono fagte mir, baß bie grauen felbft ben 
©dßmerg beg ©ntbinbunggafteg, troß ber großen gurdßt, 
weliße fidh ißrer oftmalg hierbei bemäißtigt, weniger 
füßlen alg man im aEgemeinen annimmt. 

©iner ber hevoorrogenbften italienifcßen Soßnärgte, 
ber ®oftor Martini in 5£urin, feßreibt mir, baß er in 
feiner ^rapig mit großem ©rftaunen bie Wahrnehmung 
gemoißt pobe, baß bie grauen oEe gapnärgtliißen 
Operalionen mit oiel mepr Mut unb mit oiel größerer 
ßeidptigfeit ertragen alg bie Männer. Mela fißreibt 
mir, baß bie OpnmacptganfäEe bei männli^en ^ranfen 
oiel päußger feien olg bei weiblichen. 

Wer pat niißt fepon, fißreibt Montaigne, oon jener 
gron in $arig fpredpen gepört, bie fiep fepinben ließ, 
bloß, um eine frifeßere Hautfarbe gu befommenV Unb 
eg giebt grauen, bie fidp gefunbe Söpue reißen ließen,- 
um ipre ©timme weießer unb wolflingenber gu geftalten 
ober um ber Sieipe ber Sopoe eine regelmäßigere gorm 
gu geben Wie oiele äpnUdpe Seifpiele oon ©dpmerg» 
oeradptung ßnben wir nidßt betgrouen leidptfertiger ©itten! 
@g giebt leine ©adpe, oor ber fie gurünfiipreden, wenn 
eg fidp barum panbelt, ipre ©tponpeit gu erpöpen. gdp 
habe grauen gefannt, welipe ©onb unb äfdpe oerfcpluifien, 
um ipren Mögen gu oerberben unb ouf biefe Weife eine 
bleidpe ßiefiepigfarbe gu erpalten. Unb wog tun unfere 
grauen niißt oEeg, um ipre S^aiEe fißlonf gu geftalten, 
welcpe Selben überwinben fie mit Serodptung, wenn eg 
gilt, iprext l^örper mit gifdpbein eingufdpnüren unb wie 
oiele oon ipnen paben in golge biefer ©fperimente fogar 
fißon ben Xob erlitten! 

SlEe biefe Seifpiele bringen ung gu einem anberen 
fünfte, unb bag ift bie bebeutenb größere Unoerwunbbor» 
feit, b. p. bie größere Wiberftontigfähigfeit beg Weibeg 
im Sergteiepe gum Manne, bei Operationen unb bei 
Oualen. 

®iefe geringere ©enfibilität würbe nidpt nur oon 
6:pirurgen bemerft, fonbern oon bem Solfe felbft, benn 
fdpon alte italienifcpe ©pridpwörter lauten: 

„®ag Weib pat [leben §äute." 

„®og Weib pat gweierlei ©eelen." 

„S)ag Weib ftirbt niemalg" u. o. 

5Dag ©leidpe gilt oon ben ©eelenfdpmergen beg 
Weibeg. 


10 


®a§ SKagajin f«K SitteratUT. 



33algrtc fagt: „'®a§ 3Kei(i l)at eine Diel größere Slngft 
Dor beni llitgliicf atö ber -Dtann, aber e§, erträgt baSfelbe 
Diel letcf)ter. 

Slu§ btefer 2 Stberftanb§fäl)igfeit gegenüber ben 
©cbmergen erflärt fiel) aneb bte längere SebenSbaner be§ 
2 Beibe§. 

3 n einer Stabeüe ber nienfcblicben SebenSbaner**) 
feljen mir, ba^, in ben erften gmangig Sabwi (mit 2 ln§» 
nabme be§ 3 llter§ Don gwei bt§ brei Sal]ren) bie 3 Kor= 
talität be§ 3 Beibe§ nin ein @eringe§ größer ift al§,bie= 
jenige be§ 3 )ianne§, aber Don ' gwangig bi§ fünfgig 
3 al)ren nimmt fie beim SBeibe nm ein 23 ebeutenbe§ ab. 

S)ie mittlere ßebenSboner be§ SßeibeS ift, bemnacb 
größer nnb ebenfo ift bie S^ßl ber Selbfimorbe beim 
äSeibe eine bebentenb geringere. 

(©in gineiter SWtfel folgt.) 


^in Ä)al;n finnigen. 

^on 


ftar6 al§> 5 }.U^äfibent eine§ böt)en ®erlcl)t^bof^, Öocl)- 
gearteter Beamter, beffen norlxnirfe freier, rnianfecl^tbarer 
Seben^iratibel an allen ®ertd)t§bbf^n Sranlreicl}^ a\§> Sl^nfier 
^itirt tnurbe. 

®ie ^Ibtiofaten, bie jungen S^öte unb bie Sflid^ter tierneigten 
ftd} ftetg tief nnb ebrfiir^tgnoH beim ^Inblid feineg meinen, 
mageren, bon ^mei tiefen,, glän^enben klugen erteucf)teten @efid)tg. 

©ein gan^eg Seben l)atte er bamit tierbrad)t, SSer- 
bred]er 511 tierfolgen unb €d)tnad]e 511 befd]ü^en, ®ie 
©d^urfen unb 5 )iörber befaßen feinen furd)tbareren geinb alg 
il)n, benn er fdjien gleicbfam auf bem ®runbe ilirer ©eelen 
lefen p fönnen; er fd)ien ihre berborgenfteu ©ebanfen p er- 
raten, unb mit einem ein.^igen S 5 Iic! feiner klugen bag getjeimnig- 
bolle Sabt}rintb iörer bofen ^lbftd}ten p entuiirren. 

SKit ,peiunb.ad]t^ig ^a'^ren alfo ftarb er, umgeben bon 
ben ebrfurd)tbottften §ulbigungen, unb betrauert bon einem 
ganzen äSolfe. 

i^olbaten in roten ^ofen l)atten il)m bag ©eleite p feiner 
lebten Slubeftatte gegeben, nnb SJ^ämier mit Uieif3en Srabatten 
Ijatten über feinem ©arge bie ergreifenbften Sßorte gefprodien 
nnb S^ränen bergoffen, bie faft toie ed)te erfd^ienen. Wer 
menige Sage fpäter fanb ber 9 lotar beg SSerftorbenen p feinem 
©ntfe^en in bem ©c^reibpult, in Uielcbem er bte S!tenl)efte ber 
großen Serbredier aiif^ubemaßren pflegte, folgenbcg feltfame 
Sofument, überfeßrieben: 

„äöarum?'' 

20. 1851. — ©oeben fomme id] bon ber ©ißung. 

Sd) ßabe 33lonbel pm Sobe berurteilen laffen! Sßarum mag 
biefet 5Jiann nur feine fünf ®nber getötet haben? SSarum? 
SBie oft begegnet man niept berartigen SRenfeßen, betten; eg eine 
förmliche 2 §olluft 51 t bereiten fd]eint, bag ßeben in anberen 51 t 

Cesare Biratteau von Balzac. 

Manouvrier, Dictionnaire des Sciences antbropolo- 
giques; art Sexe. 

t 0bige ©fisge bon Maupoffant, bie benfelben SSortourf- 
Ijanbelt, loie golag „Bete Jmraaine'S ift, gleicl) einer ettoa^ älteren 
©figge „Sßer marg?"', bie mir bor einem S 3 abr beröffentlichten, ein 
33emeig, melipen pfpebiatrifdjen ©toffen fitfj ber ©iepter mit Vorliebe 
pUiante in ber lebten ßeit, in ber fiep feine (^eljirnerfranlüng bor^ 
bereitete. (:^g ift, naef) einer Wgfunft, bie mir bon nnterrtd}ieter 
©eite erholten, niept richtig, baß er in eine ^rre.nonftolt überführt 
morben ift. SBenn man nmerbingg ober melbet, baß er überhaupt 
nicht ernftlidi erfranft fri, ■ fo ift bag leiber amp nicht richtig. i£^g 
ift nur gu mahr, baß ber Siidüer - fdboer leibenb ift unb aufopfernber 
^^flege bebarf feiteng .ber ihm IRaheftehenben. ©einen ^ioman An- 
gelus, ber gleidj Qolag Debacle feinen ©toff aug beut leßten Kriege 
fchöpft, ift ilRoupaffant nach meit- entfernt baüenbet gu haben, in 
feiner Umgebung befürchtet man, baß bie SSodenbung nodj lange auf 
fid) märten laffen mirb 


gerftören. : Idr muß eg. fein, bielteidht fdgair 

bie größe boii at£p;,.beün, ißj nteßt töiep gerabe bng, mag gpi 
meifteu ^lel)nUd)!eit Ijat rpit feß^^ ©c|affen unb bernidhteu ! 

gu biefeu Üeibeü j^orten iß bi^ ber gangen 3 Kenf^=f 

ßeit enthalten; bie ^efdhü|te^bengangen^^S^ alle^ 

mag eg überhanpt?anf ber ^^elt giebt, alleg! ■ SBarnm übei: 
mag eg fo berdufGhenb fein pdöten?'- ■ ^ 

25 Suni. ' tndn fidh folgenbeg bprßedl: Sott 
iß einSSefen, meld)eg geßt, melcßeg läuft . ... . 

®iu SSefen? SBag' iß überhaupt ein SBefen? Siefeg belebte 
Sing, bag gang einfach ibag :©pßem ber gortbemegnng in fieß 
trägt, unb bagu einen SBillen, ber biefe pörtbemegnng leitet? 
Sag gange Sing bebeiitet gar nichts, ©eine güße ßeljen nießt 
mal mit bem ^oben in SSerbihbltng, auf bem eg fiel) bemegt 
@g iß einfach ein Slürndhen, Seben, melcßeg. ftd] auf bem ©Tb^ 
hoben ßin unb ßer betPegti unb biefeg Sörn^eÜ Sehen, Port 
®ott meiß moßer gelorrtmert, fann man gerftören mie man mitt. 
Unb bann iß eg nii^tg mehmP'idßtg ! ©g Permeß, unb . . .1 fertig ! 

26. Suni. -- S5arum foß eg eigentli(h eiuABerbreihen fein 
gu töten? ^a, marum? Sm ©egenteil, eg iß bag bodß bag 
maßre Wturgefeß. @g dß bie SWifßpn eineg jeben lebenben 
SBefeng gu töten: man tötet/ um gu leben, unb man lebt,, um 
gu töten. — Sag Söten liegt ung nun einmal im ®lute; man 
muß töten! — Sag Sier tötet in einem fort, unaufßörlid), ben 
gangen Sag, in jebem 3lugenblid feiner ©pnfteng. Unb ber 
SRenfeß muß beßärtbig töten, um fi(h gu ernäßren. W^r, ba er 
außerbem audß noeß bie 9 Zotmenbig!eit empfinbet, aug SBoEuß gu 
töten, fo ßat er bafür bie, Sogb erfunben! ©dßon bag tleine 
Sinb tötet bie Büfetten, bie; eg fängt, ober bie tleinen Sögeß 
turg alle fleinen Stere, beren eg gufäüig ßabßaft merben fann: 
Wer alleg bag genügt noijß immer nießt, um ben ung inne:^ 
moßnenben unßillbaren Surß beg SRaffafrireng gu löfd]en. ®g 
genügt ung nod] ni(^t, bie Siere; gu töten; mir empßnben amh 
nod] bag SSerlangen, ABRenfcßen umgubringen. 3n früßerert 
feiten befriebigte man. biefeg iBebürfnig, inbem man ben ©öpert 
mtenfd]en opferte. Srt nuferer .'ßeit ßat bie 9^otmenbig!eit beg 
gefellfcßaftljcßen ßufammenlebeng ben Sltorb gu einem SSer- 
bredjen geßempelt. Sl^an Perurteilt unb beßraft ben SIRörber. 
Wer ba mir einfach nießt leben fönnten, oßne biefem natür- 
lichen unb ßarfen ^nftinft beg äRorbeng gu folgen, fo erquiefep 
mir ung Pon ßeit gu ßeit bürd) einen Urieg, in bem ein gangeg 
Soll eine anbereg gangeg SSolf umbringt. Sag iß bann ein 
maßreg ©cßmelgen in 33lut; eine Drgie, eine SSolluß, bie gange 
Wmeen nieberreißt, unb in ber fid) bie ©ürger, bie Sl^eiber 
unb Siiiber förmlich beraufeßen, menn fie abenbg beim ©eßein 
ber Sampe bie übertriebenen SSeridße über bie entfeßlidieri 
SJ^eßeleien lefen. 

Unb moßte man etma glauben, baß bie SSelt Verachtung 
für bie empfinbet, beren ©(hidfal eg iß, biefe ^ienjcßenf(ßläd|teret 
auggufüßren! 3^ein! ^nt ©egen teil! merben mit ©ßren^ 
begeitgungen überßäuft. SRan fcßmüdt fie mit, ©olb unb mit 
glängenben ©toffen; fie tragen maßenbe geberbüfeße ouf bem 
®opf unb Wggeid)nungen auf ber Vruft; man Perleißt ißnen 
dränge, ©nt[d)äbigungen, ©üter nnb Veloßnungen jeber nur. 

; möglichen Wt. ' - 

^ ©ie tragen , ben @opf ßod), finb ftolg, geaeßtet, Pon ben 
SBeibern geliebt, Pon ber SRenge gefeiert, unb aßeg bag eingig 
unb aßein begßalb, meil fie ißre äRiffion erfüßt unb 3)2enfd]en=^ 

: blut Pergoffen haben! Sureß bie, ©troßen. fcßleppett ße ßolg 
; ißre VZorbinßrumente unb ber in fcßlicßteg ©cßmarg gefleibete 
Vürger betrachtet fie mit Perlangenben, faß neibifeßen Vlicfen^ 

I Senn töten .... bag iß bie große Suß unb §reube, bie bie 
; rttatur in bag ^erg beg menfi^iichen JEJefeng gepflangt ßat 1 
©g giebt nießtg herrltd}ereg unb nidßg eßrenPoßereg, alg gu töten !' 

30. Suni. “ Söten ift ein ©efeß; benn bie P^atur liebt 
bie emige, nnPergänglicße Srtgenb. Sn all ißren nnbemußten 
Säten fdjetnt fie gleicßfam gu rufen: ,,©d]neß! feßneß! feßneß!“ 
Senn je jdmeßer fie pernießtet, um fo feßneßer fann fie fid) 
fortmäßrenb erneuen unb Perjüngen. 

2 . Snli. — ©in uteufcßlidieg SBefen --- mag ift ein SBefen? 
Weg ober niißtg! Vermöge be.g ©ebanfeng ift ein Söefen ,ber 
9ftefle;r Pon aßem. Surdß bag ©ebäcßtniß unb' bie SBiffenfcßaft 
iß eg ein ©tüdeßen Pon ber äBelt, beren ®efd)itßte eg in fieß 
trögt. 9llg ©piegel ber .Singe unb ©piegel ber Satfaeßert 
mirb aug jebem :mertfcß.lid)ett j&efen eine gang Heine SBelt im 
ber großen SSelt. Wer: fo reifet bodß! ©eßt bodß, mie 'bie 



9^r. 1 


^agagin fftt Sttteralut. 



SKenfdftenraffeu auf ber @rbe l^erumtuimmeln, bann erft Wixh 
ber einzelne SD^enf dt) me'^r für eud^ bebeuten! ntd^t^, 

mebr! ©efteigt bod^ ein SSoot, entfernt enc^ bon bem Ufer, 
auf tneld^em e§ bon Sßenfd^ett tnimmett, nnb batb tnerbet tbr 
nid)t§ mel)r fe^en ate ba§ Ufer. menfdt)üdöe SBefen ift 

mit bem bloßen ®nge balb gar nicßt mel)r 51t entbedfen, fo flein 
nnb unbebeutenb ift eg an ftdft; biird^lrengt bie g^ücßen (Sn= 
ropag in einem ©dönell^nge nnb blidt babei ^nm genfter bin= 
aug. Sl^enfcben, aWenfdt)en nnb mieber SKenf^en. SBoßin man 
and) blicEen mag, friecßen fie ßernm, nn^cibibar, namenlog, in 
ben Reibern , in ben ©traßen, überall. !^ort finbg blöbe 
SSonern, bie gerabe genug miffen, um ben ©rbboben ^n be= 
arbeiten; l)äßlid)e SBeiber, gerabe gut genug, um ißrem 
S?('anne bie ©npße ^n focßen nnb Sinber 511 bekommen, ©eßt 
na^ Snbien,. geßt nad) ©öina, mieber feßt ißr and) bort 
SOUnionen bon "menfcßlicben ^efen, bie fieß auf ber (Srbe be= 
megen, bie geboren merben , leben nnb mieber fterben, oßne 
meßr ©buren ibreg ^afeing jn ßinterlaffen, alg eine am SSege 
^erbrüefte Slmeife. — ®el)t bodb nadb ben Sünbern, mo bie 
©eßmar^en ßanfen, bie in ißren Seßmßütten übernadßten; geßt 
nadß bem Sanbe ber meißen 2lraber, bie unter ißrem im SBinbe 
flatternben braunen gelt lagern, nnb. balb merbet ißr eg be== 
greifen, baß bag berein^elte, allein fteßenbe menfd)lidße SBefen 
ein nießtg in ber SBelt ift, ein abfolnteg nidßtg! SDte 9iaffe 
bogegen ift aöeg! 2Bag ift benn ein ein^elneg SBefen, irgenb 
ein bnr(^ bie SBüfte irrenbeg SBefen? Unb gerobe biefe 
SKenfdßen, bie bie einzigen Söeifen finb, bennrußigen fidß bnrd]- 
ang nidßt über ißren möglicßen $ob. ®ei ißnen fpielt ber 
einzelne 3Kenfdß überhaupt feine 9toHe. SRan tötet feinen 
geiub, bag ift ©rieggmanier! ©0 mar eg früßer aneß in 
xinferen öanben; fo ftanb eg ^mifdßen §errenßang nnb 
§errenßang — ^mifdßen ^robinj nnb ^roPin^. — ja, 
reift nur bnri^ bie ^elt nnb betraeßtet bie TOÜionen unb 
5!JUlIionen bon menfd^licßen ®efen, mie fie ba ßernm== 
mimmeln, ^aßllog unb namenlog 1 3famenlogV Slß, ba ftedt 
ber. SJern beg $roblemg ! S^öten ift baßer ein SSerbred)en, meil 
mir eg eingefüßrt ßaben, bie menfdjli^en Söefen 5u nnmeriren! 
©omle fie geboren finb, merben fie mit Skmen benannt, merben 
fie getanftf ®ag ©efeß nimmt fie in feinen ©dßnßl — ®ag 
ift eben ber $afen! ©in SBefen, meldßeg gefeßlicß nidßt re= 
giftrirt ift fpielt feine JRoIle, ^üßlt überhaupt nießt mit; man 
tann eg im Canbe feiner ©ebnrt töten, ober in ber Söüfte, im 
©ebirge, ober im SSalbe, mag tntg? ^ie Statur liebt ben 
SUorb, befürmortet ißn, aber fie beftraft ißn nidßt! 

^er gibilftanb alfo ift ßeiligl SDa ßaben mirg! ©r ift 
eg, ber ben 3Jfenfcßen fdßüßt! ^ag einzelne Sb^tbibnnm ift 
ßeilig, meil ber Staat eg in feine 9iegifter eingetragen ßat! 
©nt* ab bor bem S^bitftanb, bem gefeßlii^en ©ott! Stuf bie 
Sniee nieber bor ißmi . ^er Staat tann töten, meil er bag 
9?e^t ßat bie ©efeße beg ^ibilftanbeg ^n mobifi^iren. 28enn 
er in einem Kriege ^mei 3)kl ßnnberttanfenb S^ann ßat ßtn- 
fcßladßten laffen, fo ftreidßt er fie bon ber ßtbilftanbglifte meg 
nnb läßt ißre S^amen bnrdß bie ©anb feiner ©erid)tgfcßreiber 
berfdßminben. ^amit iftg borbei 1 S3ir aber, bie mir nidßt im 
©taxibe finb, bie bürgerlidßen Stegiftraturen jn beränbern, mir 
ßaben bie ^ßßiißt, bag ßeben nnjerer 3Kitmenfcßen ^n refpeftiren. 
0 ßtbilftanb, ßerrlidße ©ottßeit bie bn in ben ©aÜen ber 
©ericßtgbarfeit branft, idß grüße bieß ! SDn bift mabrlicß ftörfer 
alg bie S^otnr. ©aßal 

3. Sidi. — @g muß boeß ein eigentümlid)eg nnb ßerrlidßeg 
SSergnügen fein p töten ; ba bor fidß ein lebenbeg benfenbeg SBefen 
5u ßaben, in biefeg SBefen ein fleineg öödßeld)en ^n boßren, 
ein gan^ fleineg Södßeldßen, nnb bann biefen roten Saft ben 
man 83lnt nennt nnb ber bag Seben angmadßt ßerborqneßen 
311 feßen, xinb bann plößlidß nidßtg meßr bor fteß ^n ßaben, alg 
eine SJJaffe fdßlaffen, falten, leblo(en nnb gebanfenlofen gleifcßegl 

5. ^nguft. “ SBenn icß, ber idß mein Seben bamit ber= 
brad)t ßabe ^n ridßten, p bernrteilen, buri^ meine anggefprod)enen 
SBorte §n töten, affe bie mit ber ©niHotine 511 töten, bie anbere 
mit bem Sffeffer nmgebrad)t hatten ~ id), id)! SBenn idß nun 
boffelbe töte mie affe bie SKörber, bie idß ^nm Sobe berurteilt 
ßabe, icß, id), i(^l ~ mer mürbe eg , mol miffen? 

10. 5lngnft ~ SSer fönnte eg jemalg erfaßrenl Ser 
mollte midß berbödßtigen, mieß, midß, befonberg, menn idß mir 
ein ©efdßöpf angfndßte^ beffen ©ein ober 5fi(^tfein mir bößig 
gfeidßgiftig fein müßte? 


15. 3fngnft ~ ^ie 3?erfncßnng ! bie SSerfncßnng — fie 
fd)ldd)t über midß mie eine fdßleimige Kanpe. Sie fdßfeicßt 
heran, fie ift, ba; fie Inftmanbelt bnrdß meinen ganzen Körper, 
fie nmflammert meinen Sopf, er benft mir nod} baran: 
töten! fie glüßt in meinen, ^ngen, icß feße nur nodß ©lut idß 
mid fterben feßen! Sie friedßt in meine Dßren, ba geßt mag 
Ungeßenreg, Unbefannteg, ©dßrecflidßeg, SKörberlicßeg bor, eg 
ift mie ber $obegfdßrei einer berenbenben Kreatur, ©ie fribbelt 
in meinen ®dnen, mir iftg, olg müßte icß ßinlanfen an einen 
Ort mO: bag gnrcßtbare früßer ober fpöter gefd^eßen mirb. 
Sie pricfelt in meinen ©önbem bie bor SKorblnft gittern, ga, 
fa, bag muß etmag ©cßöneg fein, etmag Slparteg, etmag 
freienbeg, etmag für einen mirfließ freien ©eift, ber über ben 
anberen fleßt, ber fein ©erA in ber ©anb ßält, ber gauA be- 
fonbere ©enüffe fudßt, 

22. ®ngnft. — fonnte nii^t länger miberfteßen. gdß 
ßab ein fleineg $ier(^en getötet, ^nr $robe für ben ?fnfang. 

^ean, mein S)iener, ßatte einen SDiftelßnf in einem ®äßg, 
ber im genfter feineg ßimmerg ßing. fdßicfte ißn einen 
©ang madßen nnb naßm ben fleinen SJogel in meine ©anb, 
icß füßlte barin, mie fein ©er^ fdßliig. ©r mar fo marm. 
gdß ging in mein 3tmmer. $8on 511 ßeit brüefte id) immer 
ftörfer ^n; fein ©er^ fdßlng immer feßneUer; 0, bag mar fdßön,: 
fnrdßtbar feßön. gm ßatte ißn beinaße erbroffelt. Sfber nein: 
idß hätte bann fein Slnt gefeßen. 

gdß naßm baranf eine ©dßeere, fo eine fleine 9^agelfd)eere, 
nnb fdßnitt ißm bie Seßle bnrdß, gan^ langfam, in brei 
Schnitten, ©r fperrte ben ©cßnabel auf, [trampelte mit ben 
Seinen, um mic ^n entfommen, aber icß ßieft ißn, nnb mie 
hielt icß ißn feft. gdß ßätte einen tollen ©nnb feftgeßalten 
nnb icß faß, mie bag Slnt floß, ga, eg mar feßön, fd, rot," fo 
lencßtenb, fo flar, bag Slnt! gd) ßätte eg trinfen mögen. 
Unb icß ßabe mirflidß mit ber ßungenfpiße baran gefcßledt. 
^ag mar feßr gut. Slber bag fleine ^ing ßatte nur fo menig 
Slut. SDa fann man fidß nießt fatt feßen. gd) möd)te feßen, 
mie fidß ein Stier berbfutet! 

®ann mad)te idßg genau fo mie meine 3Körber, bie 
mirfliißen. gd) mnfd^ bie ©d)eere ab, id) mnfd) mir bie 
©önbe, id) goß bag blutige Saffer forgföltig fort nnb icß trug 
bie Seieße in ben ©arten nnb fd)arrte fte ein. gcß begrub 
fie unter einem ©rbbeerftrand). Slein SKenfd) aßnt fie ba, 
Söglidß mid icß bon biefem Strand) eine ©rbbeere effen. ga^‘ 
man fann mirflidß fein Seben genießen; man muß eg nur 
berfteßen. 

SKein SBiener ßat gemeint; er glaubte, fein Sogei fei 
babongeffogen. Sie foffte er ancl) auf mieß fommen? ©a, ßa! 

25. ^Ingnft. — gcß muß einen SJcenfdßen töten! gcß 
muß einen 3)ienfcßen töten! 

30. 2tnguft. — gd) ßabg getan, gcß ßab einen SKenfeßen 
getötet, ©ott, meldße ®leinig!eit! ' 

gdß ging im gorft bon Serneg fpa^ieren. gcß badßte an 
nid)tg, effeftib an ni^tg. SDa fommt ein .'Rinb beg Segg, ein 
Eieiner gunge, ber ein Sntterbrot ißt. 

©r bleibt fteßen, läßt mieß borüberqeßen unb faqt: 
„©Uten S^ag, ©err Sßräfibent.'' 

Unb plößließ fößrt mir ber ©ebanfe bnr^ ben Slopf: 
„Senn icß ben tötete?“ 

gdß antmorte: „So gatu adein, mein gnnqe?“ 

„ga, ©err Sröfibent.“ 

„Sirflidß gan^ adein im Salbe?“ ■ 

,/g«r ©err Si^üfibent.“ 

gcß mürbe mie betrunfen. gcß manfte gan^ fadßt auf 
ißn ^u, fießer, baß er babohlaufen mürbe. Unb auf einmal 
hatte idß ißn an ber ©nrgel. ... gdß brüde, icß brüefe mit 
ader Sxaft! ©r faß mieß an mit fürcßterlicßen 3fngen! ^iefe 
Singen! 3^unb, tief, bnreßfießtig, — größlid)! g^ ßobe nie 
eine fo tierifeße Sfnfregnng berfpürt .... aber fo fnr^! ©r 
hielt meine göufte mit feinen fleinen ©önbeßen nmflommert, 
nnb fein S'örpercßen mnnb fieß mie eine geber über bem gener. 
^ann marg ang. 

aJMn ©er^ f^fng, aiß, bag. Sogelßer^! gdß marf ben 
Sdd)nam in ben ©raben, ®raut barüber. 

Sllg i(ß nach ©anfe ^nrüeffam, aß id) mit großem Slppetit. 
Slljo bag ift adeg! Slbenbg mar icß ßeiter, leidßt, berqnüqt, 
i(^ berbrad)te ben Slbenb beim S^üfeften. SRan fanb mieß 
geiftreidß. 



12 


SP^agagtn für Sttterafur. 


mx. 1 


TOer i(^ l)abe lein S3Iut gelegen, gmmerl^ln ™ ic^ Bin 
pfiieben. 

30. Sluguft. — 9Kan ^at ben Seid^nam gefunben. SKan 
fiK^t ben 93iörber. ^a, 

1. ©eBtember. — SIR an Sanbflrei(Ber arretirt. 

Säetnetfe fehlen. 

2. ©ebtember. — ^ie ©itern finb ju mir gefommen. ©ie 
Baben gemeint. §a, B^l 

6. DItober. — SRicBt^ entbccft. St*genb ein SSagabunb 
mu§ bie Zat berübt höben, ^a, Bö! SBenn idB ®int fließen 
gefeBen Bötte, fo glaube icB, tnäre tcB ie^t ruBigl 

10. ßttober. ®ie SIRorbluft ber 5 eBrt micB. füB^, 
mie fie mir im SIRarf boBrt. ift öBnlicB, mie bie Siebet- 
raferei, bie un§ mit 20 Röhren peinigt. 

20. Dftober. — 9?od) einer, ging am giu^nfer 

fpa^ieren, nacB bem grüBftüd. ^d) bemertte unter einer äÖeibe 
einen gifcper fdBIafen. mar TOttag. ©in ©paten jdBien 
ejtra für rnicB auf einem benacBbarten S’arioffetfelb aufgepflan^t 
gu fein. 

3d) nahm tBn nnb lam ^nrncf; fcBmang ipn mie eine 
®eule nnb mit einem ©dBIöge fpaltete icB bem gifd)er mit bem 
©ifen ben Sopf. Unb ba blutete er, nnb mie! SRofigeg Slut, 
mit §irnmaffe. S5)a§ f(o§ in§ Sffiaffer, gan^ langfam. 
babon mit fdBmerem ©^ritt. äl^enn man micB gefepen Bütte! 
§a, Bö! — icB gäbe einen au^ge^eicBneten SJJieucBelmöber ab. 

25. Dftober. — ^te @efd)icBte mit bem gifcper madBt 
SlufjeBen. SIRan berbacptigt feinen SReffen, ber mit ihm fifcpte. 

26. Dftober. — SDer lXnterfud)ung§rid)ter ift überzeugt, 
ba| ber SReffe fd^ulbig ift. Me SBelt glaubt», Bö! 

27. Dftober. — ^er Dleffe berteibigt ficB miferöbel. ©r 
möve in bie ©tabt gegangen SSrct nnb Safe fanfen, giebt er 
an. ©r fdBmört, fein Dnfel ift möBrenb feiner SlbmefenBeit 
ermorbet morben. äSer roirb ihm ba§ glauben? 

28. Dftober. — SE^er S)teffe Böt beinahe eingeftanben , fo 
mirr Böt man ihm ben Sopf gemacht. ^a§ nennt ftdb: 
©erecBtigfeit? 

15. SRobember. — SIRan Böt jept erbrüdenbe SSemeife 
gegen ben SReffen, ber feinen Dnfel beerben foUte. ®em @e== 
fdBtüorenengericBt merbe ich präfibiren. 

25. Januar. — Sd) höbe ipn ,^um $obe bernrteilt — 
pm $obe, fa pm Xobe. -- ^um $obe! §a, Bö! ^er ©taat^^ 
anmölt Böt mit ©ngel^ungen gefprod^en. ^a, Bö! höbe 
alfo nod) einen. ScB merbe bei ber Einrichtung habet fein. 

10. SIRör^. — "5)le ©acpe ift au^! E^öt morgen Böt man 
ihn hingericBtet. ©r . ift fehr jcBön geftorben , mirflid), fehr 
f(^ön. ©§ Böt mir fehr biel Vergnügen gemacht. ift 

nod) ein ©chaufpiel, menn fo ber Sopf einem 9Jdenfd)en ab- 
gefdhnitten mirb. ®a» Slut fprang im ©trahl empor, mie au§ 
einem ©pringbrunnen. SSenn id] gefonnt hätte, mürbe id) 
mid) om liebften barin gebabet höben. SDte SSonne, brunter 
p liegen, ba§ iu§ Eöör riefeln ^u laffen, unb auf§ ®efi(Bt 
unb rot, gan^ rot ouf^ufteBen. 3ld}, menn man fönnte! 

ScB merbe jept märten, ich fönn märten. SBie leid)t 
fönnte id) überrafcBt merben. 


^a§ SIRanuffript enthält noch biele ©eiten, aber ohne ein 
neue§ SSerbrecheu erzählen. 

S)te S^^^öör^te, benen man e§ übergab, beftätigen, ba§ 
e§ in ber SBelt biele nnerfannte S^^fiöuige giebt, bie ebenfo 
gefcBicft nnb entfeplid) finb, mie biefe§ mahnfinntge Ungeheuer- 

Mm tbeale Svm. 

©(^aufpiel in brei 3l«f§ügen öon ^raga. 

^eutf(B t)on SIR. t)on 23 o rep. 

P e r J 0 n e n : 

SlnbreaS ©atnpiani, Sörfenmoffer, 36 :$ 5 af)r. 
3utta, feine f^rau, 26 
§an§, beiber ©o^n, 6 


©uftaö 3Seiati, Siböofat, 30 3af)i'. 
Souftans aKonticeili, SlböoJat, 28 3al)i’. 
JievefQ, ©tenerin im $oitfe ©ompianiS. 
Rector, ^elotiS ©tener. 

Dvt: ÜJiaiianb. geit: ©ie ©egenwavt. 


gtrpietr Jlufäug. 

(gm Eöuje ©ampiani^. ©petfegimmer. ^ür im Eiötergrunb unb 
an ben ©eiten, gm SBorbeegrunbe [linU bom Sufchöuer] ftept ber 
©peifetifiB; jene Unorbnung h^^^f<Bt öuf ipm, bie man ftet§ naep 
einer beenbigten SRapI^eit gemährt. SRedpt^, in ber erften ©ouliffe, 
ber Samin, tn bem ba§ geuer angegünbet ift. ©)rei Sehnftüple ftepen 
bobor, auBerbem eine ©paifelongue. Mf bem ^aminfim^, on bie 
Sönnb gelepnt, ein großer ©piegel. — gm Emtergrunb, linf^ bon 
ber ^ür, bie ben Eönpteingang bilbet, befinbet fiep eine ©reben^, 
öuf meldper ©dpüffeln, 5£eüer, glöfdpen u. f. m. fiepen. — ^ie gan^e 
©inri(Btung ift elegant unb ^eugt bon gutem ©efijpmocf, fo mie man 
fie in ben alten "bürgerlichen spatri^ierfamilien finbet. — ©§ ift 
2lbenb. — Ueber bem feifcp pängt bie ongepnbete Sampe.) 

1 . 

Julia. Kttbrea«. 'ham. 2ierefa. 

Sulla (liegt auf ber ©poifelongue, um fie per biele iüuftrirte 
Qeitf^riften unb frangöfifdpe SlRobeblätter, bie fie betrachtet unb burdp^ 
blättert. E ön^ fipt am ©peifetifiB an ber ©eite ber linfen 2Sanb; er fipt 
auf einem gemöpnliiBen ©tupl, jebodp auf einem Siffen, ba§ ben ©ip 
erpöpt. 51nbrea§ ipm gegenüber, ©em Spublifum gegenüber ftept 
ber leere ©tupl, auf bem gulia früper gefeffen. ^erefa tritt mit 
bem Saffeeferbice burep ben Emtergrunb ein. 2lnbrea§ lieft ben 
„©orriere''. Ean^ ipt Dbft unb feplägt mit bem SIReffer auf ben 

^ifep, mie menn er trommelte). 

S^Crefö (fepenft eine Xaffe ein unb reiept fie gulia). 

■ Suüö. Se^t trinfe iä) ftelle ihn luorm, fpäter. 
(Serefa rei^t bie ^affe 2lnbrea^.) Eöu^dBeu, mein EöU^dBeU, 
la^ ba^, fonft mirb SRama böfe. 

3lnbrea§ (lieft eine Seitung unb rüprt babei ben Saffee um). 

EöU^ (fniet auf feinem ©tupl). ^öpö?! 

?lnbrea§. ^a§ mülft bitV 

Eöu§. ©inen Slpfel. 

Saubre a§. SRotf) einen? 

Sniia. 5Uein, Eüu§, bn hoff genug Obft gegeffen. 

Eöu^. 9?ocB einen einjigen. 

StnbreaS. 3RodB einen gang fleinen. (®iebt ipn ipm.) 
(Ean§ min ipn mit bemHReffer abf^älen.) SRimm hiä) in 2l(^t, 

bn mirft bicB fdhneiben. Somm' B^i*- ; (Eön§ fteigt bon 
fernem ©fu^l |eeunter, gieöt bem SSatec feinen E|)fel nnb wartet 
ungebulbig.) ©o! ($ang nimmt ben Stpfel unb Witt aßge^en.) 

©eljft btt fpielen? — 3Sort)er aber noep einen 
(§nn§ tüpt iin.) Unb 50?onta? 

Suiia. ajfein Uetner ©cpa^. (Süp i^n.) $oft bn 
beine Slufgaben auef) gemadpt? ®u I)aft gewi^ noi^ 
nid)t gelernt. — @e| unb fpiel’ je|t ein wenig, nnep» 
per wirft bn bann um fo beff er lernen, nitpt woprV (§an§ 
ob.) ©iefe lepte Stummer oom „Fiuaro illustre“ ift föft= 
lidp. §oft bn fie gefepen? (2tnbrea§ lieft immer nod) feine 
Seitung.) WOdpft bu — tieft bu? 

Enbrea§. Sii fepe nur ftüdptig bie 33örfen= 
nadpriepten bitrdp. 

Sulia. iioB bodp bie Sörfe! — ©u arbeiteft big 
7 Upr — bann fpeifen wir taum oor 8 — barauf gepft 
bu wieber fort .... unb bie furge ©tunbe , wo bu gu 
$aufe bift, wiUft bu mir om^ nii^t ©efellfi^aft leiften! 
— ^omm, fep’ bidp gu mir. 

Slnbreag (wieoßen'. ©leidp . . . 

:yulia. ^omm per! 

3lnbreag. Sdp trinfe meinen ^foffee. 

öulio. ©u fannft ipn ja pier bei mir trinfen. 
©iep’, i^ madpe bir 5ßlap. 

Slnbreag (fe^t fiel) mit ber 5£affe in ber §anb neben fie unb 
trintt feinen Kaffee.) 

Sulio. Söo ift benn „L’art et lamode“? — ©iep, 
bu paft bidp barauf gefept. ©arte. (3Hmmt bo§ statt.) 
.^aft bu bie neueften ©amenpüte gefepen? Sille g^ebern 


9?f. 1 


®aä S^lagajtn für StttcroJur, 



unb 33lumen leinten ~ S^eisenb — nii^t 

Wal^r? (geigt i^tn bie gcitwng — bonn richtet fie ftc| auf uub 
fiep in bie Söffe, ou§ toel^er er trinW.) ©tebft bu mir got 
nii^tö ab? 

3lnbrea§. ®u wollteft ja feinen Kaffee. 

Sulio. 5Deiner fdfmeift »iel beffer! — @in Xröpfc^en. 
(Stnbreog reid^t i^t bie Söffe.) 9?etn, gieb i^n mir mit bem 
Söffet 

SfnbreaS (netfenb.’' 9frme§ ^inb! (@iebt itir mit bem 
Söffet gn trinfen.) 3foct) met)r? 

Sulia. 9fnr langfam. (©ie trintt 2 , 3 mol ouf biefc 
SBeife.) @0 fd^metft er föfttidfi! 9fi^t waf)r? 

SlnbreaS (ftefft ouf, ftellt bie Söffe ouf benSifdb unb günbet 
fic§ bonn eine ©igorre on). ^Öftlict)! 

3 nl ia (ftöfft einen leifen @^rei ou§, um iffn 0 U berontoffen, 
baff er toieber gu iffr fomme). 3 fu! 

^nbreaS. 3öa§ ift bir? 

Sutia. ^ro| mid), fro| mid), fd^nell. 

3fnbrea§. 3Bo? (®efft fi(| lieber neben fie.) 

Sulia. ,^ier bie ^anb. (Sttei^t iffm bie ^onb unb 
beutet auf ben Sfluifen berfelben.) ©a(^te! (®r trofft iffrbiefto^e 
§onb.) i^ein! nid)t bie fladte $anb; ba§ bringt Un 0 tittf. 
— Slu! ®u tbuft mir tteb! . ©ief) nur, fie^, mie bu 
mid^ gefragt Iffaft! ®n böfer SKenfdfl! — @inen 
aber fi^nell! 

änbreaS. @ 0 ? 'Äfft fie unb mift iuieber ouffteben.) 

Sulia. SBobin? 

SÄnbreaS. SIfeine bofen. 

Sutia. 325enn id) e§ bir verboten bube? 

8 lnbrea§. wiE nur bie fEelegramme tefen 

3 ulia. 3 d) pbe e§ ö’erboten! 2 ßa§ fümmern 
bid) bie S^elegramme? Smmer nur bie 3Berte. ©ein 
einziger 3ßertgegenftanb bin i(b! SSerftanben! SSteib hier! 
5fomm, rüd gang nafie gu mir. . . aÄid) friert. . . SBei^t 
bu, idb füble mi^ wirfittb nidft wobt 

3tnbrea§ (fcffergenb). Ob — wa§ fehlt bir? 

Sulia. ©eine 5ßftidbt ift e§, mich gu furiren. . . 
®ebft bu beute Stbenb no(^ fort? 

Slnbreaä. 9 tur einen Slugenblid gur Sörfe. 3BiEft 
bu auggeben? 

Sulia. SSobin? 

SnbreaS. Sdb wei§ nidbt . . . wobin bu willft 
Sdb begleite bid), gebe nur einen SRoment an ber58örfe 
üor unb fomme bann wieber gu bir. 

Sulia (nimmt bie geitung). 223a§ giebt e§ benn 
in ben $b^öd'rn? (Sieft.) Sn ber ©cala: beute 

feine 3SorfteEung. SRangoni^S^beuter: „La femme 
de Claude“. Ul)! ©räfelidi. — Sm ^bHoi’eamatif(^en: 
, La locandiera“. — ©al 3Serme=©beuter: „Cavalleria 
rusticana, bann ba§ IBaßet „©ilba". — Sir buben 
^an§ oerfpro(^en, ibn mit in§ iBaOet gu nebmen. 

äber beute ift eg fd)on gu fböt: unb bann ift eg 

aud) beffer an einem ©onnabenb, weil er am ©onm 
tag feine ©cbule but unb orbentlid) augfdblafen fann. 
@g ift alfo nirgenb etwas intereffanteg. (Snbem fie mieber 
in bie geitung fiefft;) Sie ff)ät ift eg übrigeng? (Sölidt auf 
bie ^tominuffr) ^alb neun. — Scb fönnte mich angieben 
unb gu g^rau ^igcarbi geben. Sber bann oerfbrii^ft 
bu wieber midb abgubolen unb nadbber fommft bu nicht. 
©0 matbft bu eg immer Sfein — höre, ich bleibe gu 
§aufe, aber unter einer 33ebingung: ©u gebft gur 

Öörfe unb bift in einer bulben ©tunbe wieber hier' — 
nicht fpäter. Um ein Viertel nad) nenn muißt bu 

wieber gu §aufe fein. Sd) madbe bir ben ©b^^ 
oor bem Ifaminfeuer; unb um gebu Uhr geben wir gur 
fftube, wie bie artigen ^inber. Sie? 3lber nimm bicb 
in ?lcbt, wenn bu "fpäter fommft! ©rgälfle mir baun 
feine ©efdbidbten oon g^reunben, bie Dich aufgebatten 
haben. S<b mffe feine ©ntfdiulbigungen gelten. Seun 


bi^ jemanb gurüdbulten wifl, antworleft bu: „Serter 
greitnb, id) bube gu .^aufe eine reigenbe fleine f^rau, 
bie miib erwartet dm’pfeble mich Sbnen." — @in):)er» 
ftanben? 

Slnbreag (lödffeit). ©inoerftanben! — (®r ftefft auf 
§U(ft gufammen utib bleibt einen 5tugenblidi mit fteifen, 

33einen fielen) 

Sulia. ©iebft bu, fiebft bu, audb beinf^ufe oerlangt 
Stube, ©n mutbeft bir oiel gu oiel gu. ®or 8 ©agen 
baft bu erft bag 33ett oerlaffen unb febt gönnft bu bir 
bereits feine ©d)onung mehr, ©er Slrgt but eg erft geftern 
gefügt ©ie Teilung ift fo gut unb fo fdbneE oor fidb 
gegangen, aber bie geringfte Ueberanftrengung . . . 
(£)rau^en ertönt bie elettrifd^e klinget.) 

änbreag. Scb [trenne mich burdbaug nicht an... 
aber bu weift, wenn i^ längere Seit fi^e ... 

Sulia. Sch glaube, eg but geläutet, wer fann bag 

fein? 

Sfnbreag. Sabrfcbeinlidh Sucob mit ben ©epefdhen. 

©erefa (tritt bur(ff ben §intergrunb ein unb melbet.) ^err 
Slboofat SSelati. 

Sfnbreag. Sch fomme gleich — einen 3lugenblicf! 
(äuSuiio:) ©oE ©erefa ihn nfcht in ben ©alon führen? 

Sulia. Stein, hier ift eg geniütlid). (ßu Serefo): @r 
foE eintreten. (Serefo ob.) 

Slnbreag. ©er ©ifdh ift uodh nicht einmal ab= 
gebecft 

Sulia. Sag fdhabet bag? 

ä. 

©ttftao. CEerefa. Jtnbrea«. Julia. 

(äuftao. ®uten 3lbenb!(rci^tSuüo bie $onb). ©näbige 
f^rau ! (giebt 3tnbreo§ bie §onb.) Sie gebt eg mit Sbl'eui 

gufe? 

9lnbreag (brüctt iffm bie §onb). SSiel beffer — banfe. 
(^erefa beift ben ^ifc^ ab.) 

©uftao. Sd) fomme aber ungelegen, wie eg fdheint 
Saren ©ie noch 6cim ©peifen? 

Slnbreag. Stein, nein, wir finb fihon lange fertig, 
©ie müffen oielmebr entfchulbigen, bag wir ©ie bicc 
fo empfongen. 

Sulia (unterbri(fft iffn.) SJteiu SOtann wpEte ©ie in 
ben ©alon führen taffen. Sd) aber meine, bag wir oiel 
gu gute i^reunbe finb, um Ifoniplimente machen gu müffen. 

©uftao. Sd) banfe Sb^en. 

Stnbreag. ©ine ©affe Jfaffee? 

©uftao. ©anfe. 

Sulia. ©anfe fa ober banfe nein? (giebt Serefo ein 
gcid^en, biefe gefft ob.) Sd) trete Sb«cn meitie ©affe ab — 
b^ann bürfen ©ie nicht „nein" fagen. 

©uftao. Senn ich Sl)iicn ben .§of machen woEte, 
würbe ic^ fogen, bag eg mir bann um fo beffer fdhmecfen 
wirb. 

©erefo (bringt Soffee uub gefft bonu toieber ob.) 

Sulia. ©ag würben ©ie mir in ©egenwart meineg 
SJtanneg fagen. Unter oier Slugen gele Sbnen aber bod) 
wogl etwag weniger . . . if^entt «Soffee ein.) 

©uftao. . . . weniger SSanaleg ein. 

Sulia (reicht iffm bte Söffe), ©riufeu ©ie unb er» 

fparen ©ie mir bie Slntwort. (gu stnbreos) Uub bu 

foEft bicb fegen, bag ©tel)cn ermübet bieg. — Ober 

nimm beiuen ©toef, wo ift er? (@ie fiubet ben @tocf tu 
einem SSinlel unb reid^t i^n i^m freunblii^.) 

Slnbreag. ©u beganbelft mich wirflidg wie einen 
Snoaliben. 

Sulia. ©egeu ©ie fich, $err SSelati. 

©uftao. ©anfe. (©efft ffeff noch Sutto.) Siffen ©ie, 
lieber ©ampiani, id) fam fo früg, weil idg ©ie nodg 
gu §aufe treffen woEte. — Sd) weig, bag ©ie um biefe 



14 


3?r. 1 


®aS SKagajin füt Sitterotur. 


©tunbe gur Sörfe ge^en imb wollte oorijer itoc^ gwei 
3Borte mst S^^neu fprec^eu. 

2ltibreo§ (fe^t fid^ . ftel)e gang gn 3t)i'er a^er= 
fügung. 

Snita. D, ba Ijabeu wiv§. ©efd^äftSangelegentjeiteu; 
bann taffe td) @ie allein. 

©nftao. ®at nicfitS 3Bi(^tige§. — Sni ©egenteil, 
ic^ bitte ©ie . . . 

Sniia (fd)eii 5 :^aft.) Sffienben ©ie fiel) an ben 
ober an ben SftafterV 3m te^teren f^alle fann idt» 3f)Jten 
ebenfalls bienen. — hänfen ©ie feine 3ntfer4lftien . . . 
fie falten. 3d) tjabe eS nntängft oon meinem ÜKanne 
erfaffren — nnb aUe SBelt fagt fa, ba^ man fid) onf 
it)n oerlaffen fann. 

SlnbreaS. töeften ®anf! 

©nftao. Set) toenbe midj jebocfi an ben g^reunb, 
(äu Suita) nnb bei bem fönnen ©ie mir noc^ beffer bienen, 
mtfrictitig gefagt, id) t)abe met)r SSertranen gn 3t)rer 
3=rennbf^aft als gn Stirer ätörfenfenntnife. 

Snlia. Set) oergebe St)nen biefeS tffifetranen nm 
S^rer g’rennbfdjaft mitten. 

SlnbrenS. IfJtanbertafc^e; ta^ iljit boct) reben. 

Snlia. 3td) ja ~ ®n mufet ja fort — bie 
Slbenbbörfe märtet anf bict). 

©nftao. Stber bann loill id) ©ie nict)t anfbalten 
— es Ijat bis morgen geit: ict) fne^e ©ie in Sfjrem 
ätnrean anf. 

Snlia. itfein, nein — ict) fage baS nnr, meil mir 
abgemacljt Ifatten, er foll felgt ge^en nnb fo fd)neE 
mie moglid} mieber na(^. .^anfe fommen ... id) neunte 
l)eute feine ©ntfd)ulbignngen an. 

2lnbreaS. unoerbefferliebe ©c^mälgerin. (Suftao.) 
dteben ©ie alfo, 93etati, nnb taffen ©ie fic^ nici^t 
mieber nnterbred)en. 

gotifefeung folgt. 



iCitteratrifilc 

3Sit: erl)alten fülgenbe ,yu)c^ntt:. 

.Berlin, ^öeitjnac^ten 1891, 
©elji* geelji’ter ^ei*r 9^eba!ieur!^ 

Ijat uu§ fe^r gefreut, au§ beut anouljuien ^toffa^ über 
„'S)ic gefelCfcbafttidje Stellung ber 0 c^riftftener" 31 t erfaliren, buB 
c§> aucl^ unfern berü'fButen ^'oüegen niiferabel gel^e. ^Ir f)atteu fie 
hi^et beneibet. 

^(ber , . . glauben €>ie nid)t aud}, bafe ba überljaupt nic^t §u 
Reifen iff? 3Sir ioenigften^ finb überzeugt, ba| ber ©diaben un^^ 
Ijetlbar ift. it^äntlid) baruni. 

£>te großen .§errfd)afteu unb bie ©taat^lenfer fönnen nur 
amüfaute ^^ünfte brandneu, Mufte, tneldje feine unaugeueljine 

fügen, baruni ift eben ba§ iöaUet unb bie Dfufif immer 
ant beliebteften ^anad) fomnit bie 3lrdjiteftur.: Malerei ift am^ 
nur fo lange mol gelitten, al§ fie nic^t bie Sßaljrljeit fagt. ©c^rift^ 
fteller aber gelten immer für bebenflid^e ©efelten, meil fie fit^ ftet§ 
int ^efi|e eineo gefülirlic^en äöerfgeugeg befinbeu, — ber geber. 

5^Sir mären nanteulo§, and) menn mir un§ nennen mollteu. 

Die £itteraten itn (£afe . . . 

ü^r am ati f t\}t 5ü uf f lUj r u n ij c n, 

^a^ ^utllner^=! 2 ;^eate r ^at nun anc^ feine braut atifirte 
Slrbeiterfrage. ©ie nennt fic^ SS.olf^dtüd nnb „D)a^ neue ^ro=^ 
grantm" ift enblidj bie lang ermartete 33üljnenbearbeitnng ber 
9fid)terfc^en 33rofd)üre. 5lber nicht ©rnft bon ^Bilbenbrncb ift ber 
SSerfaffer, fonbern bie ^errett ^emi)ner?=^nd)ftätt nnb Sßilliam 
^d)untann. (^nne glte ©gderie^^^offe, für ben üolitifchen ©tgnhi? 


bnnft be§ mo|hlfttnirien $arqnet§ gnred^tgeftn^t. D)em breiaftigen 
©tüde ging eine,2ltt§gef^ogen|eit in einem 5lfte bordn, eine lang^ 
meilige ’^lanberei bon Meill)ac n. §alebt); ber Sßib barin mirb für 
ben berftänblich/ D)ienftboten nii^t al§ Menfctien anfieht., ^ie 
©gene märe bon jeber mittelenroüöifdöen 3enfnr an§ jebem ernften 
©tüd getilgt morben. ^ g. M. 


^an§ bon 9feinfel§, beffen ©dhanfüiel „D>ie ©itte" ber ^oligei 
befanntlidh pdhft nnfittlich borgefommen ift, f|dt eine ältere bramatifcfie 
Slrbeit „Moberne ^öi^ter", Snftfüiel in 4 Elften,, am ^iboIi^^5ih^ater 
gn ^iel mit Erfolg gnr erften Slnfführnng gebradht. 


D)ie ^oligei'-D>ireftion bon ^rag Ijat bem SDentfehen ^anbe^== 
^h^ater bie Slnfführnng bon 9Udjarb (^relling§ ©chanfpiel in 
4 OTen „©leicpe^ Ofeept" nnterfagt. D)ie jüngft fo bielfa^ gn ^age 
getretene (^mpfinbfamfeit ber berliner ^oligei fepeint anftedenb gn 
mirfen. 


©nberntann^ „(t^fjre" Ijat in Sßarfepan gn einer aEgenteinen 
^ritiferfepbe SSeranlaffnng gegeben. D)er borneljmfte ber marfi^aner 
^ritifer, §err ^lin^fi, pat enblii^, ba ipm ber 9iaitm einer 
tnng niept genügenb erfdpien, ba§ mag er über bag D)ranta gn fagen 
patte, in ein 33ncp gnfammengefafet. D)iefeg 33mp pat bor fnrgem 
bie 5ßreffe b erlaffen. 


Snbmig gnlbag ,,^45erloreneg ^arabieg" ging am 5^peater in 
(Epriftiania mit großem (Erfolge in ©gene. ^bfen mopnte ber 
Slnffüprnng bei nnb fante nadp ber SSorfteEnng an ben SSerfaffer naep 
^Berlin ein perglitpeg ^lüdmnnfcptelegramm. 


D)ie <pebba ® ab l er ^Matinee im ^arifer ^anbebiEe^=2:peater 
mar erfolgreicp genug - erfolgreicper alg bie bergeitigen SSorfüprnngen 
ber „@efpenfter'' nno ber „Sß'tlbente" im Tlieatre Libre — xtm etne 
3Bieberpolnng gn erleben. D)iefelbe fanb am 24. D)egember ftatt. 
lieber ging ber Vortrag ^nleg ßen aitreg boran, beffen feinfinnigen 
nnb flaren 5lngfüprnngen mol gnmeift bag SSerftänbnig ber ^arifer 
für Sbfeng nenefte D)ramenbid)tnng gn banfen ift. Eiüpmt bodj bie 
parifer ^'f:ritif biegmal gerabe — ^ nterfmürbigermeifel — bie gute 
terpofition beg Sbfenfepen D)ramagl D)afnr mag fiep Sbfen bei önleg 
Semaitre bebanfen. 


D)ag Tbeätre d’Art in ^arig pat einmal einen , gangen 
„fijutboliftifdjen" ^benb bethnftaltef (^r begann mit Fragmenten aitg 
alten ^clbengebicpten,' -nn^ bem &iolanbgliebe 

patte man bie geeignetften Partien, peranggemäplt: ben ^ob beg 
©mir, ben ^ob Ö^olanbg;: ang j, Berthe au grana piech‘ ein ©tüd 
„^ertpa nntperirreitb int Söalbe." aEebem gepeimnigboE^ppan^^ 
taftifepe, nrgeitlicpe D)eforationen, mie bie 33ilber ©pinalg ang beut 
©teingeitalter; Männer nnb grauen fiepen nntper, nnbemeglidj, mit 
bem Ingbrnd bon ganatigmng, ben bie erften ©priften bei iprent 
peimlicpen ^latafombe.nritng . gnr ©epan : getragen papen moepten. 
ilfadjbem fo bie gepörige mpftifipe ©timmnng' ergengt mar, fonnte 
fi(p bag ^nblifnnt bon Maurice MaeterUndg fpmboliftifcpem 
©inafter -Les Aveugles“' redjt angenepm bnripfcpanern laffen. ^nt 
finftern 3öalbe auf einfanter ^nfel gmölf 33linbe, Männer nnb grauen, 
bon einem ©reig gefüprt, beut ^riefter ipreg ^ogpigeg. D)iefer ber:* 
läpt feine ptl|Iofen ©djüpUnge, um Sßaffer gn polen, ©r feprt niept 
gnrüci. D)te angftboE Untpertaftenben fto^en fd)lie^lidj auf ben 
iUörper beg ©reifeg. i^pr güprer, ber eingig ©epenbe unter ipnen, 
ift. tot. 3lngft nnb ©ntfepen! 2öie ben 2Beg mm gnrüdpnbeit gnm 
^ogpigl ; — ^a pört- man .©ipritte — moper?, ©ine ber 33limben, 
eine arme ^errüdte, pat ein Mnb, einen ©ängiing. Man pebt ipn 
empor/ ©r menbet fiep naip ber ©eite, bon melier ber ©ipaE fommt. 
— -©r fiept, er fiept I Sßag fiept' er? SSer fommt gn nng? ^ni 
©por bie Blinbeu:: .§abt Mitleib, Mitleibi D)er ^orpang fällt. — 
Folgt „^peobat" bon üfemp b.e ©onrmont, eine 2lrt ^erfnepnng 
beg peUigen 5lntoning. ‘Der ^ifepof Dpeobat mar, bebor er ben 
^Bifcpofftnpt beftieg, berpeiratet, gept gnnt ©ölibat gegmnngen, pat 
er feine grau Mapmienne berftopen nnb eifert in feinen ^angelreben 
ntäcptig- gegen ©ünbe nnb gleifdjeglnft. Matnmienne fommt eineg 
fdjönen Dag eg gn ipm gnrüd, berfüprerifp mie ©ba. Unb bei bem 
peiligen Mann fommt nap einigem ©tränben ber alte ^bant gnm 
^orfipein — ©in Dialog mit Mnfif nnb ©por „Le Coneüe feerique“ 
bont berftorbenen Snleg Saforgne nnb ein gang mpftifeper ,,Oan- 
tique des Cantiques‘‘ in S 33ilbern mit orientalifdpen Deforationen 
nnb magnerifirenber Mnfif madjten ben ftilgemäpen 33efcplnp. Dag 
^nblifnnt berliep mit ber 5fnmartfcpaft anf bie ©rfenntnig ber bierten 
Dintenfion ben ©aal. gm fomntenben gapr mirb bag Theatre 
d’Art ber artiger Ueberrafipnngen mepr paben. Dag „©aftmapl beg 
'^lato'' in ber Ueierfepnng bon .^ean Moreag, „bie Slebtiffin bon 
gonarre'P bie „©ieben ^^rmgeffinnen'' bon Ma et er lind nnb •— ber 
gmeite Deil bon'©oetpeg „ganft" merben ben ^arifern anfgetifipt 
mürben. 


mx, 1 


für Sitteraiür. 



Tlieatre d’ Application' fjü. ^ari§ na^m inan mit nailier 
^atÜfänglicfjfeit ein in 5 ^itbern „l’Enfant Jesus'^ 

üDit ©fa'nbmöUQin cmf. SSot:fl)ieI==, ^X)ox^, nnb gtoifi^em 
nft^mnfif ücitte granei^ ^fome geliefert. 1. ^ilb: ^ie 7 SSeifen 
au§ bein Morgenlanbe folgen bem Stern. 2. ^ilb: ©ie ^irten be§ 
Libanon geioabren ben Stern. 3. ^itb : ^erobe§ giebt ben ^efebl 
,^nnt Mnbermorb trotj ber SScirmmgen be§ ^eiligen 93altbafae. 4. Öilb: 
%xo^ bd’ Sßgrnnngen be§ Ijeiligen 33attt)ofar unb ber ©ngel^d)öre 
müffen bie Jungfrau H)?aria/ ber t^eitige Sofef nnb bagJ^inb ftieben. 
5. ÖUb: ’^ie glücb^linge in ber Sönfte oor ber SüÜM/ bon bm 
berfotgenben Solbaten eingelptt. ^ie ,,H^enf(^en, 

tötet nichtig ‘^’ie berbietet e§ encb* fcbfafen ben SS ater, 

bie SO^ntter unb ba§ ^inbl" (Sntfetjt ftietjen bie Solboten, nnb ba§ 
^nblifnm gebt ecfcfinttert bon bannen, ber SSater, bie 3i)tutter nnb 
ba§ kinh. 


Bomnienbe SCuffüijrüngcn. 

%m G.J^annar fommt am SSertiner ^l^eater ha§> :^nftfniel bon 
jSil^elm Sßotff „91ac^ ÜRabrib" ^tr Stnffüfjrnng. 


fönigtic|e Sd^anf|)ieff)an§ 51t S3erlin t)at mit ber ^uu 
ftnbirnng bon (Sriü-parger^ „(Sin treuer Wiener feinet ^errn" 
begonnen. 


H)?a^ ^Dreier f)at ein nene,§ fiinfaftige§ SSolf^ftncf an^ bem 
berliner ßeben „^ie SSerberberin'" boEenbet, ba§ bemnädjft in 
SSerlin pr Shiffnl^rnng gelangen toirb* 


3’obanne§ Schlaf l)at fein realiftifc^eg ^eama „,9}?eifter 
Oelge", ba§ feit mefjr benn einem ^al)r boEenbet ift, ^errn 
^mannel Steierer eingereidE gnr Slnffnbrnng in bem „realiftifc^^i^ 
(Snfemble==(Saftfniel", ba§\§err Dtei^er auf ber ibiener iniernationalen 
‘^Kfeater^ nnb D^nftf ^ Sln^fteEnng im fommenben Sommer berv 
anftalten toirb. 


Sofe ©c^egaral)§ „SSal^nfinnig?" in ber SSearbeitnng bon 
^0]^. (B. ©all't^ inirb am ^)oftljedter p SO^einingen pr Slnf^ 
füi^rnng fommen. 


'S)ie gSfenbo^S)7eininger im 3:;:öalia^^f3eater 511 9ceib==g)orf fnijren 
ben Slmerifanern bemnädift ©erl^art §anbtmann§ „SSor 
Sonnenaufgang" bor. S)^an barf gef bannt fein, ineld^e ^nfnabme 
ba§ Stitd im Sanbe, ba§ gen Sonnenuntergang liegt, finben inieb. 


StRactin ®reif§ baterlänbifd}e§ Sd)anfbiel „Snblnig ber 
^^at)er" ober „©er Streit bon TO^lborf" ibirb im nöc^ften Sommer 
in einem eigene erridfiteten ©Realer 511 ^raibnrg am Stui, in nn=^ 
miikWavct be§ E)?ül)lborfer Sd|lacbtfelbe§, bon ber Itmibnrger 
^nrgerfd)aft anfgefnbrt toerben. ©a ibirb c§> \a bon befonberer 
SGBirtfamfeit fein. Unb ber ^raibnrger ©nrnberein Ijat feine MiU 
fbirfung pgefagt. (greife neues ©rauerfbiel „gran^eSto bi Dtimini" 
ift am oeutfd)en SanbeStljeater in ^rag unb am ^')oftl)eater in Gaffel 
pr Sluffübrung angenommen iborben. 


(Sin „OriginaUSSolfSfdiaufbiel" in fünf Elften, „©er St^ufterbof" 
bon 9ti(barb S)?ong unb ,^anS ßoljerftorfer tbirb am (S^ärtner^^ 
blab===©b netter in SOtüneben ^ur Sluffülirung gelangen. 

dSeuc t^ücEer. 

gn diobert gamerlingS litterarifcbem^iadjlab, beffen Srbnitng 
jebt erft erfolgt ift, befinben ftcb nod) ungebrudte (^ebiebte in größerer 
Slnpbt beren «Verausgabe bie SSerlagSanftalt unb ©ruderei 
(bormalS g. 9ti(bterj in V^^^^öurg betbirfen ibiE. 


^ertba bon Suttner bat, ermutigt burd) galjlreid^e gafebriften 
feitenS unferer erften Slutoren, bie Seitung einer „a??onatSfdp’ift gur 
görberung ber griebenSibee", betitelt ,,©ie Söaffen nieber!" nad} 
ihrem gleicb^^amigen Etornan, übernommen, ©ie neue Qeiifdjrift 
U)irb bon ber SSerlagS'banblung Sllfreb V u. ^“0. in SSerlin 
berauSgegeben. 


gtbei für bie (Sefdjicbte beS beutfeben SSolfSliebeS ibert== 

boEe, feit ^abrbunberten bereits als berfeboEen geltenbe ^üdber finb 
fürglicb bureb Dr. ^obu ib^aier aus §aEe ürber f^lüidauer diatS^ 
fcbulbibliotbef aufgefunben Jonrben: bie fogenannten „^iuidauer 
93 ergr eiben", auS ben ^aljren 1531 unb 1583 ftammenb. Sd)on 
früher finb fie beS öfteren bort bergeblidi gefud)t iborben, fo auch bon 
öublbig Ublanb, 1843. (SS finb 58 meift ben Bergbau bebanbelnbe 
Sieber, bie einft in ben fädififcben Sörrgbegirfen gefungen Imtrben. 


©er SSorftanb ber @oetbe^@efellfcbaft geigt an, bafe bie gu 
Söeibnacbten berfbroibene ^ublifation ber neuen gunbe gur ©efdjicbte 
beS ibeimarer Vbft'beaterS unter (SoetbeS Seitung luegen beS Se^er^ 
ftreifs erft Dritte 9??ärg erfolgen fönnen. Mx haben in blr. 20 beS 


D^aguginS bom 16.- -SEai 1891 eine uusfübrlidje ©arfteEung bes ge^ 
funbenen iPZaterialS gegeben. 

(Cobe^fäUe. 

91eicblicb Eiar bie (Srnte beS ©obeS IbäbreUb ber 9SeibuacbtS>- 
feiertage. So gehäuft erfd)eint bie gabt ber • 9Serfd)iebenen ber 
geftb)od)e, luekbe in näherer ober fernerer 93egiebung gur Sitterdtur 
geftanben haben, bafe dir 93ebenfen tragen; unferc? ©der mit einer 
bon 9^e!rologen angefüEten ^himmer gu ermüben. Sir begnügen 
uns b^^ute bamit, bie 92amen angufübren, inbem dir unS borbehalten, 
auf bie SSerftorbenen in eingel)enber Seife gurüdgufommen. 2lm 
22. ©egember ftarb gu (Söttingen ^aul 91 nt on be Sagarbe, 
ber berbienftboEe Orientalift unb origineEe ©eutomane, beffen 
„©eütfdje Sd)riften" bie 9^äbrdmme gedefen finb für ben 
origineEen ^eift beS bresbner EiembranbtmanneS, Dr. Sang== 
bebns. ©ie parifer ^reffe berlor gdei ihrer glängenbften 9Ser=^ 
treter: Sllbert Solff, ben (Sl)ronifeitr beS „gigaro", dm 23. ©e^ 
gember (geb. am 31. ©eg. 1835) unb ben 9le)Ujetifer «V^ari be Sa^ 
bommerabe, guleljt ©beaterfritifer beS ,, Paris© am 25* ©egember, 
52 Sabre alt. Qu ben ©oten ber lebten Soebe gehört and) ber 
Viftoril'er ^rofeffor 3'anffen. Sr fdrieb bie bentfdfe (Sefebidite bom 
einfeitigften fatbolifeben Staubpunfte auS, ungered)t oft unb parteiifeb, 
aber ebntfo oft als 9tä(ber ber ^arteilidjfeit bon ber anberen Seile, 
gerner ftarb in berfelben Sod)e ber befannte StaatSred)lSlebrer b on 
Dlönne. 

Bernnfdjte^. 

9Ueranber ^Tiellanbift feit bem 14. ©egember doblbejtaEter 
^ürgermeifter feiner ..(SeburtSftabt Stabanger, ©iefe (Srnennung 
foE 'ein (Srfatg für bie i'bm 1888 bom nordegifdjen ^rofetbing ber^^ 
deigerte „©iebtergage" fein, ©ine D^egierung, bie alfo einen ©iditer 
trotg ber 9lblebnung beS Parlaments el)rt, bürfte baS genaue (Segens 
teil bon bem fein, das man tm übrigen (Siiropa gu erfahren ge^ 
dol)nt ift. . 93iörnfon hat in golge biefer ©rnennung ' feinen ©iebter^^ 
ebrenfolb dieber acceptirt, ben rr angunebmen ficb deigerte, als ber 
©h^’^^fblb für SUeEanb bom ©ping abgelehnt durbe. 

©aS (Geburtshaus 9Jcobrungen ift gerettet, ©ein 

©infebreiten beS OberbürgermeifterS Selfe==^önigSberg ift eS gu 
berbanfen. bafe bie Q.dangSberfteigerung, ber baS fleine ©runbftüd 
gunt Opfer faEen föllte, aufgehoben durbe. ©in S^onfortium bat 
baS VauS getauft, um eS als ,', Vorder bau S" bem 9lnben!en an einen 
unferer ©rösten gu erhalten. 


©in Komitee aus ütatutforfdjern berfebiebener beutfeber duD 
berfitäten forbert gu einer ©p^^^^Aabe für gritg ^D^üller, ben 
gorfepungSgenoffen ©ardinS auf bm ©ebiete ber 93iologie, auf, ber 
am 31 Jbddrg b. S;. feinen 70. ©eburtStag boEenbet. 3n 9^r. 48 beS 
SD^agaginS bom 28. $Eobember 1891 braipten dir bereits eine 97otig 
über bie unberbiente Värte, mit dekper bie brafilianifdje Elegierung 
ben greifen ©eleptten bepanbelt, ipn feiner Steüung als Naturalista 
viajante entpoben pat, deil er auS gdingenben (Grünben eS abge^= 
lehnt hatte, ben Ort feiner bisherigen fo erfolgreidjen ©ätigteit, 
feine 93efiiiung 93lumenau, gu berlaffen unb muh Etio be Sanatro 
übergufiebeln. ©ie ©brengabe beS beutfeben ©eburtSlaabeS foE in 
einem 9llbum befteben, baS bie ppotograpbieen nebft eigenbänbiger 
Unterfebrift ber ^ereprer Dr EEüEerS enthält, ^bbtbgrapbieen in 
Mabinek ober 9Sifitenfartemgormat, mit eigenpänbigem ElamenSgug 
berfepen nebft einem 93eitrage bon 5 EHart bittet ©aS Komitee ait 
Verrn ^rofeffor Dr. EJiagnuS in 93erltn gu fenben. 


ßn biefer Seit ber .^Tontrafte dirb man eS die eine mübe Tronic 
empfinben, denn man pört, baf3 im fßatentamt gu Sonbon, ber 
Stätte, an delcper bie erftauntiepften ©rfinbungen ber geptgeU gteidj^ 
fam aus ber ©aufe gepöben dorben, bie Stablfebern nod) ein 
gängtid) unbefannteS Serfgeug finb 9ltS däre baS „^^atent Office" 
gur ©eburt biefer einen fteinen ©rftnbnng burep irgenb ein ESerfepen 
niept gelaben dorben unb räepte fiep jeijt burd) gänglicpe unb edige 
Sgnortriing berfelben, fepreibt man auf bem lonboner g^atentamt 
nod) peilte auSfdfliebtid) mit bem antebüiUnanifdien ©änfefiel. 

fliif Her untfleljeulien 0eitc uiifctc yefer 

tiott öicfev SBtiwwtcr au itt cittc§ Ucöeveitis 

fonttncttä mit bem SSötftrtnbc bei* gveiett ßittc= 
vmifrfK« #cfcHfiijrtft bic boit biefem fdbft vcbi= 
ßirtcu ^ttblifrttiouctt bev ©cfcttfdmft. 

^ic §cvrttt^gebcv bc^ jölngnsins fiiv ötttexatttv. 


16 


9?r. 1 


SKagajitt für Sitferatur. 


§treie txttevaxxfc&e ^cfdTfc^aff gu '^errin. 


Unfereii j^eeffrten 9J?itgltebern bringen wir bierburcb 
gnr S?enntni§, bo^ fie üom ®eginne be§ neuen 
on bie SRitteilnngen ber ©efeEfcbaft auf ber lebten Seil» 
feite be§ „aKaga^inS für Sitteratur" finben werben. 8n= 
gleich ^'ftft fith fin« erwünfdhte ©elegenheit ^ur ©rweiternng 
ber geiftigen Beziehungen zwifdhe» ben 3Ritgliebern : wir 
eröffnen an biefer ©teile einen „@ebanfenau§» 
tanfch", in bem nicht oflein bie gefchöftlichen Slngelegew 
heiten ber ©efeßfchoft (ainfgaben, Öjjittet, Berwaltnng 2C.), 
fonbern and) bie burch bie Bereinstötigfeit anfie'regten 
litterarifdhen nnb tünftlerifchen Xhemata zur Erörterung 
Jominen foflen, nnb laben alle nnfre iKitglieber 
ein, fich an biefer Bubrif re^t lebhaft burd) ®tn« 
fenbnngen gn beteiligen, bie einflweilen mit bem 
Bennerfe „Slngelegenheit be§ aKagaginS" an $evrn 
Dr. Sllbert ®re§bner, W., Sü|owftr. 96 III, gu 
richten finb. 

®er Borftanb ber g'vcien öitterarifd)en(S5efeltfdhaft 

gn Berlin. 

* •» 

^ie ift im 33ureau ber ©efeüfd^afi, ^örnerftr. 2/ 

aufgefteEt, unb fielet ben Syiiigliebern ^nr SSerfügung. Sugletd^ fpred^en 
n>ir bie bringenbe ^üte an§>, un§ burd^ möglidift ga^Ireid^e 3m 
Eieifungen bun ^iid^ern au§ bem (Gebiete ber mobernen Sitteratur 
unterftü^en gu inüEen. 

•» 

@e&anfena«0tauf4). 

§ie öött ^wci$beteinen. 

©ntftel^en ber freien litterarifdhen X 5 eretnigungen in 
bp berfdhiebenen ©täbten SDenti(^tanb§, Cefterreidh^ :c. unb 
bie^ erfreuliche ©nttnicflung, meldhe fie genommen höben, he- 
meifen ba^ in gemiffen Greifen be§ $uhli!um§ Oorhönbene 
Sntereffe für bie Sitterotur. 9^atnrgemä6 finb e^ bie groben 
©tübte gemefen, mel^e ben geeigneten ^oben für bie Se- 
grünbung fold^er litterarifdhen ©eiellfdhaften barhoten, aber 
mannigfadhe ^In^eii^en taffen baranf fd)lieben, bab auch in 
5Rittel= unb Heineren ©tübten ein hinrei^enbe^ ^ntereffe bor- 
hanben ift, um ben SSerfudh ber 83egrünbmig bon Vereinen jn 
redhtfertigen. ^er SSorftanb ber greien ßitteraiifdjen ®efem 
fdhöft 5 u Berlin ioirb foldhe SSerfndhe na(^ Sröftcn unterftühen. 
3nr braltifdjen S3ebanblnng ber grage mödhte ich mir erlauben, 
auf einige ^nnlte hin^umeifen. bürfte in ben ^robin 5 ftabten, 
in benen ein umfangrei(he§ litterarifdhen Sehen nicht borhanben 
ift, bor allem geboten fein, bab bie 2 lnregung bom fßublifum 
felbft aungehe. äßenn eine Heine ©dhaar bon tarnen nnb 
Herren, bie für bie moberne ßitteratnr fidh intereffiren nnb 
für ihre pflege ein Heinen öpfer an 3 ^^t unb ®elb bringen 
moHen, borhanben fein toirb, fo bürften bie für bie Seitung 
einen foldhen SSereinn fidh etgnenben unb ba^u bereiten $erfön- 
lidhleiten leid)t gefunben merben. 3 umal toenn burdh ben 
Slnfdhlub an bie berliner greie ©efeKtchaft bafür geforgt toirb, 
bab bie hier gemonnenen organifatorifchen ©rfahrnngen :c. 
bermertet roerben. @n mürbe fich ölfo um ©rünbung bon 
3meig=9Sereinen höubeln, bie fidh öu ben berliner c^auptberein 
anlehnen, in bem Sereiunorgan ein ^ublüationnmittel unb 
eine ben eigenen 2 :enbeu 5 en entfpredhenbe 3 ^^tfdhrift befipen 
unb fdhlieblich ban SSortragnmciterial in gefichtetem 3 öftöube 
erholten, ©ine meitcre fehr mertboße ©rrungenfchaft märe 
bie $ö?öglichteit, burdh ©ntfenbung bon Stebnern, bortragenben 
Slutoren eine perföntidhe gühlnng h^^^bei^uführen. 6 ^be 

biefe 5ßunfte h^i^öun , ba ihre fachgemäße ©rlebigung bie 
©arantie giebt, baß eine neu entftehenbe Bereinigung auch gn 
mirflidher Sebennfraft fidh entfalte. ®n märe berhinbert, baß 
ein S^adhlaffen be§ ^ntereffeg ber SRitglieber ftattfänbe, fobalb 
größere organifatorifdhe ©dhmierigfeiten auftancbten. 2 (ße 

fonftigen ibeeßen SSorteile, meld)e au§ ber 3 bgehörigleit gu 
bem berliner ^ouptbercine fidh ergeben, mögen bei biefer rein 
praftif(hen ^ehanblung ber grage oußer ©piel bleiben. 


2m ^inblicE onf bie D^otmenbigfeit, ber mobernen Sitteratnr 
eine möglidhft na^höHige görberung ongebeihen jn taffen, 
möd)te i(^ baßer an nufere Berein^mitglieber bie Sitte richten, 
felber nach Sräften ^ur SermirHii^ung be§ in Obigem bar- 
gelegten ©eban!en§ bei^ntragen. bürfte gemiß bem ©inen 
ober 9lnberen möglidh fein, im Sreife feiner außerhalb Sertin§ 
mohnenben grennbe ba§ angeregte Sßema jn erörtern, unb 
etmaige Sebenfen ju jerftreuen. Son ©eiten be§ SorftanbeS 
ber „greien ßitterarifchen ©efeßfdhafH' mürbe ficßer feber auf 
©rünbnng eine§ 3 l^^^ 0 berein§ hii^ä^enbe SSnnfdh^ erfüßt 
merben, fobalb burdh ba§ Sorhanbenfein einer genügenben 
B^tfonen^aßl bie ©jiftengmögtii^feit be§ Sereing bar- 
getan ift. 

SSenn ein 9^eß bon litterarifdhen Bereinigungen fidh ßber 
gau 5 ®eutfdhlanb auggebreitet hot, fo mirb bie 2 eilnohme 
be§ Bolfe§ am litterarifdhen Sehen auch macßfen unb bie leiber 
bielfadh Verbreitete ©leichgiltigleit gegen ©dhriftmerfe nnb 
Slutoren abnehmen. fßaul Robert. 

¥ 

§u fofiafö f'trct^e itt 6«? 

(3tim Bortrag be§ gierrn SSilljelm Bölfihe über „S)^oberne Sprif " 
in ber Berfammlung ber greien Sitterarifcpen ©efeßfcpaft 

bom 8. ©e^ember 1891.) 


5tröftlid^ foll e§ fein nnb Slu^fid^t berfpredpenb für bie moberne 
Sprif, fo berfidperte un§ §err B^ilpelm Bölf^e, baß im ^Ißgemeinen 
Iprifdpe ^robuHionen ein fdpledpter Sitteraturartilel feien, unb ein^ 
ift ja richtig: Hm be§ lieben ©efdpäftg mißen mirb mein fiep niept 
leidpt auf bie Sprif berlegen, miemol e§ trojp aßebem immer noep 
Sprifer in beutfdpen Sanben giebt, bie bon iprer 5lrbeit gang gut 
leben fönnen. 5lber — bu lieber §immel, berbirbt benn nur ba§ 
©ef^äft ben (I^paraHer? §ulbigt mirflicp §err Bölfdpe nodp bem 
altgermanifcpen ßJlauben bon bem gludp, ber am ®olbe paftet?! — 
©§ giebt D^omancierS unb S^peater^=ä)?enfdpen, bie nur au§ ©efepäft 
bem 9ioman unb bem ^peater fidp ergeben paben. ©ine fdplimme 
SSaprpeit! ©iefe Seute paben mir in ber Sprif nidpt! 5lber — auep 
bie anberen, bie begabten Seute berlübern ipren ©til — megen be§ 
©efepüfte^?! 0 nelnl ©onbern eben barum, meil geiftige 3lrbeit 
bei un§ elenb begaplt mirb, meil e§ bie D^affe bringen muß! ^Bäre 
bem nidpt fo, bann lönnten bie begabten Seute — xtnb auf bie fommt 
e§ ja fdpließliih aßein an, baB übrige ©efinbel mirb man boep nie 
log, unb in feiner ^unftl — biel foliber unb bernünftiger arbeiten, 
menn fie eben nidpt auf bie 3?^affem^robuftion angemiefen mären! 
Sllfo gerabe umgefeprt. ^ie fogiale 9^otlage b^r beutfepen ©eprift^ 
fteßer ift ©dpulb an ber Berlüberung unb Berflacpung gemiffer 
Romanciers unb ^ournaliften — fomeit materieße Berpältniffe über=^ 
paupt gur Begrünbung beS RotftanbeS einer ^unft mit pineingegogen 
merben fönnen. ©aß im aßgemeinen bie Rot, ber ^ampf mit ein 
©porn gur Arbeit unb gum — SbealiSmuS ift — aße §ungernben 
finb bergmeifelte Sbealiften — unb baß ernftlicp gefißaßen mirb, nur 
menn eine Rot treibt unb brängt — fei gugeftanben. Rber bieS 
muß niißt immer bie materieße Rot fein. Sludp ©oetpe patte eS 
nötig, menn er bieptete unb fang, — aber nidpt baS .^ponorar, 
fonbern? •— fonbern etmaS anbereS, morüber man fidp bei ©oetpe^* 
^fpcbologen Rats polen fann. 

©g giebt etmag, bag biel läpmenber mirft, alg bag ©dplaraffen=^ 
leben beg Reidptumg, unb bag ift, bigmärdfifdp gu reben, bie 
Sßurfihtigfeit, mit ber fo im aßgemeinen ber moberne ©eutfdpe gegen 
Sprif befeelt ift. Sn feiner ©eele Hingt fein Iprifdper ©on mteber, 
bon ment immer er audp angef^lagen fei. ©erabe umgefeprt berpält 
eg fidp, alg Bölfdpe bag barfteßt. ©er Sprifer mirb gmar gumeilen, 
menn er pübfdp angegogen (auggeftaitet erf^eint, gefauft, gu 2ßeip=^ 
naepten, gu ©eburtgtagen, gur ^onßrmation„ aber er mirb niept ge=* 
lefen. ©ie ißuftrirten Sournale gebrauchen gleidpfaßg Sprif — für 
bie Sßuftration ©og fiept man fidp an, lieft eg aber nidpt. — ©en 
©ramatifer hingegen unb ben Romanfdpriftfteßer, bie lieft man, bie 
fiept man, pat auch Sntereffe für fie, aber man fauft bie Büjßer nidpt. 
SRan fann unter Hmftänben ein fdpöneg ©tüdt ©elb mit feiner Sprif 
berbienen unb big auf ben Rauten unbefannt fein, unb man fimn alg 
Romanfdpriftfteßer einen guten Ramen paben, felbft alg ©peaterbiepter 
berüpmt fein, unb — in giemlidp elenben Berpöltniffen gu ©runbe gepen, 
Sebent ©ingemeipten merben Beifpiele befannt fein. 

Rlfo ber f^einb ber beutfdpen Sprif ift bie ©leidpgiltigfeit beg 
beutfdpen ^ublifumg gegen Sprif, bie nücpterne ©emutgfttmmung, 
fpegieß beg Rorbbeutfdpen, ber ja nun einmal in litterarifdpen ©ingen 
ben ©on angiebt. Seo Berg. 


Sjerflntm; 0t to Reumann fev , BcHiiu — Berlag ber Union, 0eut|d)e Berlaa^^eieUfipaft, Jöerlin unb Stuttgart, — ©ebrudft bei ©enlü)/ Berlin SW. 



i-v für cSittieraiur. 


1832 beöi'ünbet 
ron 


Jofepl; £d;maivn. 


ß)cvau5öeöeben »on ;|frit3 3!Eaurljncr unb a^ttn 4lemnanu^l|ofßr, 
^cöa&iton: '^erCi^i SW, gtrte6rtcf>riraßc 207 , 


J)eutf(^c rcrlags=®cfellf(^aft 
;Sertin u. Stuttgart. 


:0uM'd)il jcbcr 6 oniiabcnb — preis 4 ÜTart rierteliat)rli(l;. ^epellitngen TPeuben von jeber Bu(^)l?anbiung, jebem poftamt (TTr. 3389 
bcr poft^eitunöslifte), foTPie Pom Perla^e bes „TTTa^a^ins" entöeöcnöenommen. }ln 3 ei( 5 en 40 Pfg. bte bretgef^^altene püit^dU, 

o-<^ Prei^ öer Cmselnunimrr: 40 Pfg, ^ 



61. Jaf?rgang. :35et?ltn^ ben 0. Januar Hr. 2. 


Sftiöalt: g^riebrti^ ©pidl^agen: ®te gefellfdjaftUd^e ©telluitg ber ©cl^riftfteEer. — ©eneral uon V' 
©egcti ben 31citm‘uI}tguug§»Sa5illu§ in militarifd^en SDingen II.: S)te Segenbe non ber Slutigfeit be§ fünftigen 
l^xiegeS. — Suliu§ ßtppert: SDie böbnnfcEie §rage. — ©efore Sombrofo: ®ie ©enfibilitöt be§ SöeibeSlI. — 
^ri| ÜJJantljner: ©glbefterftütfe — ^iftor ^el}n: 51?ri§ctlk (^orife^ung). — iKnrco ^raga: ®ie tbeale 
^’vnn. ®rcimo. Slft I. ©jene 4 big 5. — £ilterari|d)e (£I)ronif. — §reie ßilterarifd^e (S5efellf(|aft 51 t ^Berlin. 


2liis5iigsipeifer lTad;brudi fdTumtUd?er 2lrttliel, au^er ben TioPclUftifd?en unb bramatif(^?en, unter ^znamx (Öuetlenangabe geftattet. 

llnürfugtcr dBacöbrucTt Inirb auf o^ntnö ber o5cfet5c imö l^erträge uerfolgt 


£)ie gefeUfd;aftU4)e Stetlung ber ©d^riftfteller. 

SSon 

fnebdclj ^jjfelljageii.*) 

(®iix ^rief nn bie $erait§ge6er be§ SKagaginS.' 

©ecbrie Herren! 

©itrd) Sk’ß ^nfforberitng in ber J^rcige bcr „gcfell« 
jcf)aftlid}eii ©tellung ber ©i^riftfieHer" auci) meiucrfeitg 
bag ©Ort 511 ergreifen, Ijoben ©ie mir eine @f)re enoielen, 
bie id) gcbnt)renb gn f^ä^en mei^, nnb mir eine äler= 
legenljeit bereitet, bie minbefteng jo gro^ ift, mie bie er» 
lüiejene @I)re. ®enn menn eine ©d)ioalbe gewi^ noc^ 
feinen Sommer mac[)t nnb bie angnobingroeije günftige 
gejeEfd)oftticl§e ©tellung eineg ©(^lijtfteüerg eben jo fidier 
feinen Elüdjdjtn^ erinnbt nuf bie ge}enjd}aftli(l)e ©telinng 
ber ©cf)riftfteller im aEgemeinen, jo ift eg bod) nnnng» 
bteiblid), ba^ ber ©efmgte im erften aEomente bie g'i'oge 
oon jeinem inbioibneEen ©tonbbmifte fieljt unb fid^ bcr 
33 erfnd)nng, fie bon biejem ©tanbpnnfte gu beontioorten, 
nicf)t entgielien fann. ®iejer menjcf)tid)e §ang: wenn 
gefegt werben joE, borerft bor ber eigenen ®ür gn fegen, 
bringt mid) eben, joE ic^ über bie geieüjd}oftlike ©teEung 
ber ©ctiriftfteEer jprec^en, in jo gro^e 3SerIegenI)eit. ®iejetbe 
SSerlegentjeit, ober boct; eine jei^r cit)idid)e, in weldte jene eng» 
lijdje ®ame geriet, bie gefragt würbe, ob fie ben Sabafgrmti^ 
iiertragennb bie barattf antworten mn^te: „fie fönnc e» ni^t 
jogen; in il)rer ©egenwart fei noci) nie gerand^t worben." 
3 t)r erfter „namentojer" ^orrej:ponbent befretirt freilid) 
in feiner flotten SSeife: „gerabe oem, bcr auf bie ©cbrift» 
fteEer»3(riftofratie blidt, werbe bag SEifcrabte ber Schrift» 
fteEeifteBnng am einlendjtenbften ftar werben". Sebürfte 
eg für mid; nod) eineg Seweifeg, ba^ icf) fein SWitglieb 
biefer fioljen Slriftofrntie bin, wäre ber fel)Ienbe bamit 
geliefert: meine gefeEj(^aftlid)e ©teEung „lä^t mir nicf)t", 
wie eg anberenfnEg fein mü|te, „biel,'fet)r uiel," fie lä^t 
mir gar nici^tg „gn wünfc^en übrig". @g wäre ber ©ipfel 
ber Unbonfbarfeit, wenn id; nic^t fo empfänbe. Jcf) 

*) ©ine Slnttoort auf ben Strtifel „®te gefeltfcboftittbe ©tettung 
ber ©(firiftfteller" in 3tr. 62 borigen Sobrgangä be8 „SKagaging 
für Sitterotur". 


oiubigire mir felbftüerftänblicp, wie jeber orbentticl)e ajfenfc^, 
bag ^ecpt, bie ©efeEfdjaft, bie id) mir gewäl)tt l)abe unb 
in ber icf) midp bewege, für bie befte gu palten. Slber 
aitcf) wenn id) fdpwocp genug wäre, bie nad; ©tanbeg» 
begriffen oornepmfte für bie befte gu palten — eine 
©$wä(pe, oon ber id) midp, ©ott fei ®anf, oöEig frei 
»fife — . Pätte id) mi^ nit^t gn beflagen. Spt „namen» 
lofer Äorrefponbent mu§ mir bag fd)on aufg Sßort glauben; 
nnb icp wei§, er tut , eg gern, ba er gweifeüog felbft oiel gu 
begent ift, alg ba^ er einem fEfitmenfcpen bie fcplimme 
Sntegeng gumuten mödpte, in bie idp oerfaEen würbe, 
woEte i^ in ber ongebeuteten fRidptung nocp einen ©cpritt 
weiter gepen. 

©oE i($ nitn annepmen, eg feien SRänner, bie gong 
fragtog gur ©i|riftfteEeroriftofratie gerecpnet werben müffen, 
in iprer gefeEfdpoftlicpen ©teBuiig fdplimmer boran alg 
icp? aiacp bem tnbuftioen SSerfgpren, bag id) foeben ein» 
geleitet pabe, unb beffen ©eltung gu befireiten ipr Ifor» 
fefoonbeut oermutlicp ber lepte wäre, ift bie iRicptigfeil 
ber Slnnapme minbefteng gweifelpaft, ja id) würbe midp 
onpeijtpidp macpen, ipre Unridptigfeit big gur ©oibeng pin» 
gufteEen, wäre eg mir oerftattet,' pier auf bie mir wopl» 
befonnte gejeEfcpaftlicpe ©teEung einer nid)t furgen Eleipe 
notorifd)er ©cpriftfteEer gu ejetuplifigiren , wie icp eg ouf 
bie meinige wenigfteng anbeutunggweife gu tun mir erlaubt 
pabe. Db bie popen unb pödpften 
SRänner mit ©inlabungen gu ipren ©oireen tc. — 
gelegentlidp aucp wopl gu Sogirbefudpen in ipren ©dplöffern 
— beepren, fiep bitrcp bag ©rfepeinen , uüb bie Slnwejenpeit 
berjelbeu „innerlidp beglücft unb geeprt" füplen, wie 3 pr 
Äorrefponbent e§ oerlongt, ober nur — im ironifepen 
Sinne — „erfreut finb,'fie fennen gu lernen", ift eine 
f^roge, bie ein für oEemal im lepteren Sinne gu be» 
antworten idp nidpt ffeptifdp genug bin- ®ap bog „inner» 
liepe ^eglüdftfein" ber betreffenben ©oftgeber bei folipen 
©elegenpeiten fein ougfdpweifenbeg gu fein braudpt, fann 
man gern gugeben, opne fie in föerbodpt gu uepmen, eg 
fei „ 3 iefpeft" — ipren littergrifdpen ©äften gegenüber — 
etwag, bag foum oorfommt"; eg bleibe im ©egenteil bei 
bem i^lttdp, ber auf ber gejeEfdpaftlicpen ©teEung ber 
©dpriftfteBer lafte: „immer oerbädptig, immer asiome". 



18 


SUagajitt für ßüteratur. 


2 


®a§ ftnb, mit fiütiger ®rlou6iii§ §errn ^or» 

reff)onDenten, arge Uebertreibungen, bte er beim audb wol 
nur in einem SJtoment be§ Unmuts in feiner genialifdfien 
Sßeife fo beron§gefd)leubert bat. 

®arin mufe id) ibm freiiidb red)t geben: öom ©toate, 
ol§ foldbem, wirb ber <S(J)riftfteEerwelt nid)t bie 9luf= 
merffamfeit gesoEt, bie il)r gebührt. ü?ur möEjte i^ nu^ 
hier wieber ben @runb ber feblenben Slufmerffamfeit nidE)t 
in bem 3)?angel an „3lefbeft" feben. SSiel eher bürfte 
ba§ (Segenteil ber g^aE fein: man refpeftirt un§ nur gu 
febr; man bat ben refpeftabelften Elefpeft öor ber ^raft, 
bie un§ innemobnt, ber SEad)t, bie wir auSüben unb bie 
wir — wer fann e§ wiffen! — in einer SBeife auSüben 
t'önnten ober auSüben, bie ben augenblitflidben S)?ad)t= 
babent grünblicb unbequem wäre ober unbequem ift. S)en 
augenblitflidben ERadbtbabern, foge idb/ nid)t bem (Stoaie! 
3cb bülie für gänsUd) ouSgefibloffen, bofe ba§ Söirfen 
beS edbten unb redbten ©dbriftfteEerg , ben id) im ©inne 
habe, bem ©taate, b. b- bem ©emeinwol jematö gefübrlii^ 
fein fönne; felbft bonn nicht, wenn er ficb im $jrrtum 
befinben foEte. 3lud) feine Srrtümer werben noch lehr» 
reich unb gemeinnübig fein, ba er gar nicht anbevS fann, 
al§ fi(b in§ Etedhte biueinbenfen woEen, unb bie§ böcbfie 
giel audh, aEe§ in aEem, fidher erreidht trob ber Um» unb 
Irrwege, ohne bie menfd)IicbcS ©treben nun einmal nidht 
benfbar ift. 2)aoon finb nun freiliib bie, welche im ©taate 
ben 2on angeben unb ftd) in oerjeibliibfr ®elbfttäufd)ung für 
bie Snfarnation ber ©taatgibee bülten — bie Herren EEiiüfter 
u. f. w. — feine§weg§ überseugt; für fie bleibt aEerbingS 
ber freie, nidht oom ©taate approbirte ©dhriftfteEer „immer 
oerbädhtig". 3lu§ gurdht, einen g^eblgriff p tun, fdheuen 
fie fub* SRonardhen bergleidhen ihnen oevbäibtige Seute 
5 ur 2 lu§ 3 eidhnung burdh (Sbrcnämter, 2:itel, £)rben ü. bergt, 
gu empfelen; unb fo bleibt ber • ©dhriftfteEer ohne ($bccm 
amt, 2;itel unb Drben, ober, wie Sbi Äorrefponbent web= 
mütig fagt: ba§ mifeodhtete ©tieffinb. Sdh fage freubig: 
(Sott fei banf! (Sott fei banf, bofe, wenn wir aüe aui^ 
eigentlidh äum Eteffort be§ ^ultugminifter§ gehören, unb 
jeber oon un», nadh feiner SeiftungSfübigfeit, in biefem 
ffteffort bie ©teEung eineg wirflidhen geheimen, einfach 
geheimen, ober gar nidht geheimen Etatel, Elffefforg, 
Eteferenbarg einnimmt, wir bodh in ben SEeamten» (unb 
i^onbuite») ßiften feiner ©jceüeng nidht fifluriren, unb wo 
wir mit feinen Seiftungen ober SEofenohmen ungufrieben 
finb, ihm bag mit einem greimut fogen bürfen, welcher bem 
oortragenben Etat minbefteng eine ©iggiplinarunterfudhung, 
wenn nidht nodh ©dhlimmereg, eintragen bürfte. ®ah ber 
§err EÄinifter oon ben SEalern unb sBitbhouern bergleidheu 
unbequeme greimütigfeiten* nicht gu befürchten hat, baoon 
ift er ooEfommen übergeugt. Unb fo nimmt er feinen 
Elnftanb, ihnen gern bie (Sunftbegeugungen guguwenben, 
mit benen er ung gegenüber fo fparfam ift. Eßarum fich 
mir babei gor nicht, wir 3hrem §errn Äorrefponbenten, 
bie ^roge aufbrängt: „©tehen unfere beften (©dhriftfteEer) 
wirflich tiefer, alg bie beften im SSereich ber ©chwefter» 
fünfte?" — braudhe ich uun wol nicht weiter gu erflären. 
©agt er bodh fc^ft mit jenem löblichen EJii^trauen in 
feine EBeigheit, bie ben wahrhaft weifen fDtann auggeidhnet, 
bafe fein oorgefdhlageneg EKittel ber Slenberung gum Sßeffern: 
„ESerftaatlidhung, ©idhung, aufgeflebter Srüri oieEeidht 
fdhlimmer fei alg ber gegenwärtige guftanb", unb fährt 
bonn fort: „9lber bonn müffen wir ung getröften unb eg 
laffen, wie eg ift". Sch fage bqgu Sa unb ^men. @e= 
tröften wir ung, nnb laffen wir eg, wie eg ift! SRöge 
man ung buun in (Sotteg Etamen weiter „für unbrauchbarer, 
unfähiger unb ftümperhafter hbliftt bie onbern". ®ie 
fchleihteften grüchte ftnb eg nicht, an benen bie SBefpen 
nagen, unb nicht bie fdhledhteften ©taatgbürger, bie unbe» 
tität unb unbeforirt im Sichte ber ©onne wanbeln. 


©0 weit wäre benn ja wol bie gefeEfdhaftlidhe ©teEung 
ber ©dhriftfteEer gerettet; idh benfe auch in om Slugen Shre§ 
ebelhergigen ^orrefponbenten. Slber er bleibt bei fernem cae- 
terum censeo: „®ie ©teEung eineg ©dhriftfteEerg ift 
miferabel." ©enn: „©ie, bie mit Sitteratur unb ©ageg» 
politif honbeln, werben reich; bie, bie fie madjen, hungern 
entweber ober fdhlagen fich burdh- ^ng biefem ©etbelenb 
refultirt bann bag fdhlimmere: ber ©intenfflooe wirb 
geboren, ©ie für „g-reiheit" arbeiten, ftehen in Unfreiheit 
unb finb oft trouriger baran alg ber mittelolterliche §örige." 

Edun war ich immer beg braoen Onfel Sräfigg Slnfidht, 
ba^ bie Elrmut oon ber E^cmoretö fomme, unb fo geftehe 
ich gern: in ben obigen ©ähen ftedft oiel ^ahreg, beinahe 
fo oiel SBahreg alg g^alfdheg. Unb bag wiE in biefem 
goEe etwag fagen. ^af)r ift: idh Seltne einen unb ben 
onbern ©dhriftfteEer, ber fich nug bem ©rtrag feiner 
©chriften ein mehr ober weniger ftattli^eg §aug hßi 
bauen tonnen ; ober leiber feinen, ber eg gu einem ^alaig 
gebracht hätte, wie bie Scitungg» ober EEudhoerleger 36. 8. 

aug ben Sinfünften ihreg (Seioerbeg. SBahr ift ferner, bafe 
felbft bie beftfituirten ©dhriftfteEer nicht fo Oiel (Sinfommen» 
fteuer gugahlen brauchen, wie bie ^orhphäen ber SEoler» 
unb ESilbhouerfunft, oon ben ESirtuofen unb ESirtuofinnen 
beg glügetg, ber (Seige, beg (Sefangeg gu fdhweigen. EBahr 
ift entlieh, bah reale EJdänner ber geber in bebauerlich ab» 
hängigen unb öfonomifchfläglidhenESerhältniffen leben, ^ber, 
lieber §immel, neigt fidh benn nur auf biefem ©ebiete in 
bem ^ampf umg ©afein bie EBagfchale gu ©unflen beg 
Äopitolg? Sft ber ^arftpreig für bie bequemen ©enüffe, 
welche SEaterei unb EJinfif bieten, nicht immer höher ge» 
wefen, alg für bie mit fooiel mehr ©eiftegaufwanb gu er» 
longenben ber ©idhtfunft? EBohnen in ben Efochbarprooingen 
ber Sitteratur feine Sohnarbeiter, ^Proletarier, hörige, 
©flaoen, wenn eg auch ferne ©intenfflaoen finb? ©iebt 
eg ba feine Unglüdflidhen , bie mit taufenb EJfaften aug» 
fdhiffteu unb froh waren, wenn fie fid^ alg „gweite ©eige" 
in ein ©rchefter, ober alg „©ehüfe" in bag Eltelier eineg 
berühmten ^oEegen retten fonnten? Db bag ©lenb, Oer» 
fdjulbeteg ober unoerfdhulbeteg, ^ier ober ba ober bort 
größer fei, bag fönnten nur ftotiftifdhe ©rhebungen nach* 
weifen, bie ich f*> wenig anfteEen fann, wie Shr oerehrter 
5forrefponbent. @g ift ja möglich, baß eg in ber ©dhrift» 
fteEerwelt am gröften ift, weil bem ^ereinfluten gänglidh 
Unfähiger hier gar feine ©dhranfe hemmenb entgegenfteht, 
währenb in ben onbern fünften irgenb ein Efadhweig 
technifdher ESegabung ober bodh tedhnifdhen Äönneng ge» 
liefert werben muß. EJJan fann bag oEeg gugeben, ohne 
bie gweifeEog oorhanbene EKiföre in ber ©qiriftfteEermelt 
mit Shrem ^forrefponbenten barauf gurüdf^uführen unb 
boraug gu erflären, baß „bag gange SEfetier" in ben 
9lugen ber übrigen EBelt ein nur h^lb geadhteteg, ober 
oöEig mißachteteg ift, bog, um eg in feiner braftifdhen 
©prache auggubrüefen, „einen £naj weg pt"* 

©r bleibt ung freilich bie ©rünbe für tiefe feine, 
wenn ße fich beftätigen foEte, troftlofe Elnßdht nicht f^ulbig. 
©g finb ihrer gwei: „ber ©eteftiochorafter beg EKetier, ber 
bog ESublifmn mit einer gewiffen f^urcht oor Snbigfretionen 
erfüEt"; fobonn „baß man bie ©chriftfteEerei olg Äunß 
nicht gelten läßt". 

Sch nun meine: beite ©rünbe, wie fie hier flehen, 
finb folfch, wie jebe EEehauptung, bie gu oiel auf einmal 
umfaffen wiE; ober gugeben muß idh, baß pe einen ^em 
EBahrheit entl)olten, boß fte big gu einem gewiffen ©rate 
alg richtig oon jebem ©ingeweihteu anerfannt werben 
müffen. 

Sig gu welchem ©rate? 

Um eg gang furg gu fagen: big gu bem ©rate beg 
©eteftiotumg , ber oEerbingg unfrer mobernen Sitteratur 
(fpegieE bem Elomon) onhaftet, unb oor bem ftdh gu be» 


sRr. 2 


2>as SWagajin föt Sitteratut. 


19 


freitgeit ba§ ^ubtüfum alle tirfa(|e l^at; fobann: foweit 
iinfre Süterotur (fpegicH ber 31omaii) al§ ^unft in ber 
2!at ni(|t niei)r gelten fann, unb, wa§ nod^ )(f)raerer in§ 
©einic^t fäüt, bofür nicE)t me^r gelten will. (@ie^e 
®. 8ot(i§- Sluffa^: „®te anf beii Stoman angewonte 
fritij^e gorntel" in berjelben IRummer.) 

®o^ um biefe meine Sbefeu gu erl^arten, mü^te ic| 
weiter au§!^olen, al§ mit ben ©rengen be§ mir gngemeffenen 
9laitme§ trgenb oerträglic^ ift. 

0iur no(|) eines gum ©c^tufe. 

®ie, id^ möd^te fagen, gallifc^e SSerne, mit ber 3^r 
^orrefponbent fein ‘Ibema bel^onbelt, l)ot mid), ob^ 
mol meine 2lnficl)t non ber feinigen fo weit abweidtit, un« 
gemein angefprodfien, wie bie Energie, mit ber ein tapferes 
Snfeft, boS fiit) in einem S^wer gefangen glaubt, mit 
®obeSüerad)tung Überad ba einen 2luSweg fudfit, wo feiner 
ift, bis es baS g^enfter entbetft, bas immer offen geftanben 
l)ot, unb mit trinmppirenbem ©ummen bnrcf) baffelbe 
oerfcpwinbet. 

©ein fester ©a^ loutet: „Slpprobotion ift baS gro^e 
SRittel, um bem ©i|riftfteflerftanb oufgupelfen. 3Serfagt 
eS, fo muffen wir nacp einem nod) befferen Umf(^au 
batten. Sludf) ein fold)e§ ift ba. @S größere 

^dbtung oor uns fetber." 

©ettfamer SUann! SBarum bot er mit bem testen 
©o|e nidf)t angefangen? ©ein Sluffab würbe bann gang 
anberS gelautet haben; ober — er botte ipn ungefdbrieben 
gelaffen. 

®aS wäre bann freilicb iammcrfdbabe gewefen. 



Segen 5en :Seunru^igung0*:35a3illtt0 
in militäpif^ien Dingen. 

Sine g^riebenSrebe gum neuen Sabr. 

II. 

Sie Segenbe bon ber Slutigfeit beS fünftigen 

5friegeS. 

9^un gu ber Segenbe oon ben immer blutiger unb 
oertuftreidber werbenben J^riegen. 

®a§ mit ber 3Serbefferung ber ^Feuerwaffen nicht auch 
bie 3Serluftgiffern fteigen, fonbern umgefebrt, baß fie ficb 
oerminbern, möge folgenbe Ueberficbt über bie SSerlufte 
in einigen .^auptfdblacbten ber früheren unb neueren geit 
geigen: 

@S üerloreu an ©oten unb SSerwunbeten: 

2Iei Ifollin 1767 bie Preußen 40 p(£t. 


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ff 

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5?unerSborf 1759 bie ißreußen 
SlSpern 1809 bie ©efterreicber , . . . 
Süßen 1813 bie 5ßreußen ...... 

I baS gforffebe ßorpS in brei 

SdWis 1813 

I gwei Sagen .... 
Sßaterloo— 23elle»5llliancel8i5 bie©nglönber 

I bie Preußen .... 
I bie ©efterreicber . . 


^öniggräß 1866 


SBörtb 

©picberen 

9KarS»la=Sour 

©raoelotte 

©eban 


1870 bie ©entfcben 


tr 

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tr 

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40 

30 

30 

25 

33 

25 

4 

11 

12 

18 


10 

^V: 


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2 tr 


97ur eingelne ^Regimenter unb SöataiEone höben 1870 
biejenigen SSerlnftprogente aufguweifen, weldbe gur geit 
fFriebridbS beS ©roßen unb ?JapoleonSl. gange |ieere er» 
litten. ®oS finb: 

©arbe»©dbüßen bei ©t. 5ßrioat 46 p©t., 16. 3n» 
fanterie»3Iegiment bei 3RarS=la»Sour 37,6 p©t., 52. Su» 
fanterie»iRegiment ebenba 38 p©t. 

®iefe Slbnabme ber Sßerlufte ift bouptfodilicb barauS 
gu erflären, baß bie oerbefferten Feuerwaffen bie ©treitenben 
weiter auSeinnnberbalten, wirflidbe fRaßfärnpfe mit btanfer 
iüöaffe immer feltener werben unb bie Sruppen burdb bie 
gerfirtute ged)iört unb bie öenußung beS SerrainS fiiß 
beffer 'beden fönnen. ®aburdb, baß bie ©efecßte feßt 
wegen ber größeren ©ntfernung länger bauern unb bie 
3Serlufte ficb maffenbaft in furgen SRomenten, beim SSor» 
geben, häufen, fteigt ber moratif^e ©inbrmf ber ©cßlacbt auf 
bie ^fämpfenben. gür jebe Sruppe aber ift ein gewiffer 
©rab oon SSerluften gleicßbebeutenb mit ihrer Stußöfung 
unb bem ©rlöfcßen ihrer ©efecßtSfraft. ®ie innere ©üte 
unb befonberS bie ^riegSgucßt werben in febem fFöRe 
barüber entfcbeiben, wie öer SSerluft ficb ftciseni 
fann, beoor baS 33erfagen ber Sruppe eintritt. §eute bat 
eine große ©dblacßt für ben ©otbaten ben ©borafter eines 
perfönlicben Kampfes mit einem ©egner faft gang oer= 
toren, er fämpft gewiff ermaßen meßr gegen eine ^atur» 
fraft unb er fann bie meifte geil nichts anbereS tun alS 
fd)ießen — wenn er noch ^jjatronen bot — , ober auf 
eine feinblicbe Sinie, bie er faum ftebt. ©S gehört ber 
größte SRut unb bie äußerfte ©nergie bagu, in einem 
foldben unperfönliißen, elementaren Kampfe ©tunben lang 
auSgubalten. Subem bot fidb bie ©inwirfung ber ©fßgiere 
auf bie Sruppe im ©efedbt burdb bie gerftreute g^i^lört 
unb bie fteigenbe Sßenußung gebedten ©elänbeS oerminbert. 

©0 fommt eS, baß in bfutigen ©d)lad)ten bie §eere 
feine fo bebeutenben 5ßerlufte meßr gu ertragen oermögen 
wie früher. ©S wirb mehr bie moralifcbe als bie phbfÜ^l^ 
^fraft beS ©egnerS gebrodben. 

353ir haben beSbotb faum ©runb- angunebmen, baß 
in fünftigen Kriegen bei einer nodb weiter wirfenben, 
fcbneHer feuernben unb faft ade ®edungen — bie ftärfften 
löäume, meterftarfe ©rbwäde, ja ©teinmauern — glatt 
burdbfcblagenben Söaffe bie moralifcbe Äraft ber Sruppen 
ficb ftärfer geigen follte, als im leßten Ifriege unb bem» 
nadb bebeutenb böbci^e 33ertufte ertragen werben fönnten. 

SBenn fßrof. SBidrotb in feiner befannten 3iebe fagt, 
boß im Ifriege 1870/71 in Segug auf bie ©orge für 
bie SSerwunbeten wäßrenb unb nadb ber ©dblacßt 
felbft baS 3?ötigfte oft feßr fpät gefcßab — ober oielmebr 
^efcbeßfo fonnte, fo bat er oodfommen recßt, auch wenn 
er betont, wie bie Humanität auSgebebntere .^ilfeleiftung 
erforbert. ©S fann gewiß in biefer Segießung nacß oer» 
fcßiebenen dficßtungen ßin, befonberS burcß' freiwillige 
Ifranfenpßege, ^ranfenträger, Slergte, noch mandbeS ge» 
fdbeßen. SRan barf babei ober nic^t oergeffen, wenn man 
an bie SRilitäroerwaltung bie fFoiberung ftedt, meßr 
fFormotionen für biefen ®ienft auSgurüften unb mit» 
gufüßren, befonberS meßr ^ranfenwagen, um bie 2Ser» 
wunbeten oon bem ©cßlachtfelbe nacß ben immer ent» 
fernter ongulegenben 3Serbanbpläßen unb Sagareten gu 
fdiaffen, boß eS auS militärifcßen ©rünben notwenbig 
ift, bie bem $eere folgenben ^Formationen — bie SrainS — 
fo oiel wie möglich gu oerfürgen. 

SSenn man bie ungeheure 3Roffe ber Sruppen bebenft, 
bie gu einer großen ©cßlacht oereinigt werben müffen, um 
bem ©egner überleben gu fein, bie nußerorbentliche Sänge 
ber SRarfcßfolonne, adein ber fecßtenben Sruppen unb bie 
wenigen ©troßen, bie meift gum Slnmorfche gur 33er» 
fügung fteßen — bann wirb man begreifen, wie notwenbig 


20 


®a§ aWagogin für: Sitierotur. 


9ir. 2 


e§ ift, au§ beu $rain§ oKe§ irgeitb entbef)rlic^e au§= 
gufc^etbeii. 

Um einen 23egriff gn geben, fei i)ier nur ennäljnt, 
ba^ bte Sänge ber 9)iQr}cE)fotonne bev fedjtenben Gruppen 
eines SlrmeefoifjS 24 km, ober ritnb 3 SKeiien beträgt, 
mit ben gugetjörigen SroinS unb ^otonnen (alfo g. ©. 
gelblogorete n. f. lo ) aber — 54 km ober über 7 SÄeiten, 
baS jtnb gwei ftorfe Xagemärfdfie! 

®a nun ober an großen ©c^tai^ten faft immer eine 
größere gat)! oon 5lrmeeforp§ teilnimmt, jo fann mau 
fic^ leicht oorfteHen, wie foftbor jeber 9Keter ber ÜJtorjd}» 
[trafee wirb. 

®ie l^umanen ©eftrebungen gereidjen unjerem QeiU 
alter gur ©bi'c. fic müfjen fid) in ber geeigneten 
3ti(|tung bewegen uub in gewiffen ©rengen bleiben! 

®ie 3Serwunbungen burc^. bie StrtiÖerie finb bisher 
nidjt in S8etrod)t gegogen worben. ®a§ ift injofern gerecht» 
fertigt, als nod) aßen biSl^erigen @rfal)rungen bie 3at)l 
ber 33erwunbungen burc^ Snfanteriefeuer benen burd) bie 
SlrtiEerie an ^^fll gnng außerorbentlid) überlegen war. 
©ie betrugen in ben testen Kriegen 80p6t. uiib mel)r. 
®ie ©ej^offe ber StrtiEerie finb atterbingS in i^ren 
3Birfungen nic^t jo l)armlo§ wie baS fleinfalibrige ©ewe^r* 
gefd)o§, aber jo lange anbere 9Käd)te jo furd)tbare SSSaffen 
führen, müfjen aud) wir pe nid)t nur beibel}olten, jonbern 
jogar nad^ Kräften gu oeroollfommnen jud)en. 

Slud^ pier gilt baS 253ort: Si vis pacem para bellum, 
ober jo, wie eS ©laujewi^, einer ber bejten Kenner beS 
ÄriegeS, auSbrütft: „iEBenn baS blutige ©cplacbten ein 
jd)redtic^eS ©d)oujpiel ift, jo jott baS nur eine 3Ser= 
anlaffung jein, bie Kriege mepr gu würbigen, ober nid)t 
bie ©(^'werter, bie man führt, nod) unb nod) ouS 
3Wenjd)lid)feit ftumpfer gu maden, bis einmal wieber 
einer bagwijeben fommt mit einem jdbarfen, ber unS bie 
8trme oom Seibe weghout." 



Die l),ö^wif4)e «Snage. 

SSon 

iJuItu# Xijjjjert, 


Um ben ©taub ber böl)mijdhen f^roge gu würbigen, 
wie er heute als ein bur(| bie ©ruennung eines SliinifterS 
ouS ber jDiitte ber beütjd) = liberalen Partei marfirteS 
©tabium he^'öortritt, ift ein objeftiüer ©lid auf ben 
ftatiftijdhen Seftonb nnb bie ©ejdhid)le notwenbig. 31iit 
ber allein fommt mon freilich in nnjerer 

realiftijd)en wehr anf. ©er ©eutjehe in 

Böhmen fann fid) boranf berufen, an ber mobernen 
©eftaltung ber öffentlid)en wie ber wirtjchoftlichen SSer» 
hältniffe in feinem SSaterlanbe ben auSgebehnteften 9fn» 
teil genommen gu haben; er hnt, was Oefteireidh cwlangt, 
biejen ©taat gebaut, er hfit 33öhmen feine in moberner 
SSeije h^worragenbe ©teßung in bemjelben angewiejen, 
er hui pd) bafür bis in bie jechgiger 3nh"re eines 
entjpre^enben ©inPuffeS erfreut unb in ber genonnten 
3eit bie ©runblagen gu ben mobern oerfaffungmäpigen 
3uftänben gelegt unb mit ©rfolg oerteibigt. ©arauS 
laffen fi^ bie fepönften Slnfprüdie herieiten; — ober fie 
oEein nüpen ihrem ©räger nidptS. 

©te haben ben ©fche(^en nur bagu gefüprt, für 
feine Sfufprüdpe ouf eine nodp frühere Vergangenheit 
feines ©taateS gu refurriren unb ouS biejen ben ffted)ts= 
titel für bereu Verwirflidpung gu polen. — 3ludh fie werben 


ipn nidpt gum Qitk führen — aber man mup geftepen, 
baS 33ilb ber Vergangenheit, baS ber tjdpecpijdhe Slgitotor 
— unb bie fepige Vwteioertretung ift bie ber Slgitation 
feiner SBähterfepoft oorfüprt, pat etwas burdp feine 
©infadpheit beftei^enbeS. ©er ©eutjdpe im Eieiche pot 
feinen Segrip oon ber glüpenben Vegeifternng, mit 
weldper pdp boS pdpediifipe Volf, baS, bem frangöpjdpen 
äpnliip, in feiner Vupmjudht feinen Abgott pnbet, bis 
gnr SHeraujcptpeint in |ene Vorgeit feiner ©röpe oer jenft ; 
unb baS obfeftioe Verhalten ber ©atjaepen ift wie immer 
jo ouip in biejem f^^oEe nid)t geeignet, bieje brennenbe 
33egeifterung gu bämpfen — 'im ©egenteil fann mon 
agen, bap' wol faum ein ESolf feine eigene ©ejepi^te 
0 inbrünftig oereprt unb ton ipr gugleidp jo jdiiefe 
SSorfteEungen pot wie baS tjcpediifdhe. 3lber baS fei 
wie immer: bie ©timmung ift ber f^aftor, niipt ipre 
Segrünbung. Unb hierin finb bie ©jdpeipen im Vorteil. 
3pre ©regr=3leben — ein befonberer ©ppuS oon EfgitotionS» 
berebfamfeit — entpammen bie breiten Vlaffen für ein 
Sbeal, boS eine ibpEijdh’hhantaftifdpe Sluffaffung ber 
Vergangenheit mit ben Utopien ber 3«funft oerfnüpft — 
ein Elebelbilb, aber eS entgüdt bie SRaffen unb pat ben 
jeltfamen Vorgug, bap ipm auf beutfdper ©eite nidptS 
EfehnlidpeS entgegengefteßt werben fann; benn wer oer» 
mäd)te fe eine gleid) anbetungSooEe Vegeifterung für 
bie gegenwärtige „befte ber 'SBelten" peroorgurufen! 
§ier müffen fiip ©ipwärmerei unb SJefonnenpeit meffen, 
gwei fepr ungleiche gaftoren! 

Unb nun gu ber reeEeren ©eite, ©ie ©fdpedpen 
jpredpen oon bem ©ewiepte iprer jedpS EKillionen unb 
glauben baran. ©ie giebt eS inbeS nidpt. ©S wirb 
natürlidp nidpt geleugnet, bap bie flaoij(|en Vläprer 
biejelbe Sitteraturfpradpe befipen unb bie ungorifepen 
©looafen oorberponb überhaupt noep feine, aljo audp 
feine anbere. ©ie lepteren leben aber in einem onberen 
Eteidpe unb bie fOläprer woEen, mit wenigen EluSnapmen, 
ob beutjdp ob flaoijdp, oon einem „böpmijdpen ©taote" 
nidptS wiffen. 3n 3Birfli^feit paben wir mit ben brei 
fEliEionen ©jipe^en in Söpmen gu reepnen, benen pier 
gwei VliEionen politijdp wol orgonifirte ©eutjdpe 
gegenüberftepen, benen man nodp iprer bermaligen 
politijdien ©dpulung wol, wie epebem ben ©iebenbüi'ger 
©aepjen, ben ©prentitel drcumspecti beilegen borf. Slber 
nidptS befto weniger mup ipnen in iprem eigenften Sntereffe 
immer wieber ein weiteres ©inbringen in bie Dbjeftioität 
ber Soge empfolen werben, ©ieje gwei IDfiEionen 
waren wol entjepieben in 33egug auf ben Slnteil an 
SSerwaltung unb Etegierung , in Segug auf erpöpte 
SebenSpaltung unb b'eren Veftreitung ben ©jepedpen 
überlegen, nnb ber ©jdpeipe, ber eS ipnen gteid)tun 
woEte! mupte fiep bie Kenntnis iprer ©proepe erwerben 
unb fidp gleicpjam iprem ESolfStum anfügen. Elber baS 
oEeS „war einmal". Sßer heute mit offenem Eluge 
burip Vöpmeu reift, wirb bie ©prodpgren^e, bie bereinft 
nodp innen gu etenbe Jütten uuD jdpmupige ©örfer be» 
geidpneten, in biejer EBeife niept wieber effenuen. ©ie 
Veugeit pat mit ipren ESunbermitteln ou(^ ■ ben 
tjd)edpifdpen Vauer in feiner gangen SebenSpaltung 
gepöben, bie Eleujipule pat auS ipm einen aiibern, oor 
oEem felbftbewufteren EKenfdpen gemadpt. ©op auch 
baS mittelbor burdp beutjepen ©influp gejdpap, läpt er 
fid) niept auf feine Eled)nung fteEen — wer faun eS 
anberS erwarten? ©ieje oom 3eitgeifte getragene unb 
burdp bie in Oefterreii^ eingetretene Elutonoune geförberte 
Eöanblung fäEt aber geittidp gujommen mit ben frei» 
geworbenen nationalen SBeftrebungen, bem Eluflobern beS 
ValionalgebanfenS, unb boS oerleipt, in falfdpe urfäcplidpe 
ESerbinbitng gefteEt, bem lepteren eine ouperorbentlidpe 
SebenSfraft — wieber ein ^aftor, bem ouf beutfdper 


9?r. 2 


®o§ STOaga5tn für ßttteralur. 


21 


©eite faum etroa§ @teic^e§ entgegeiigufe^en ift. Sftan 
fmm nid^t üOerfe^eii, baß bnrd) bie «ecei)tion imb 
^Pflege feüenS be§ g^eubalabets nnb ber Oeiftiid^feit bic 
bereiuft nur noc^ ooni Sanböolfe gefin' 0 (^ene ifcgedfijctie 
©prai^e boffäl)ig geworben ift; eine lfd)ec^ifct)e Unioerfität 
— ein ©pe^tnien unferer Seit — nnb eine ifc^edjifc^e 
Sltabeniie förbern nii^t blo§ eine onfblül)enbe nnb über» 
on§ ftrebfaine tfd^ei^i|c|e ßitteratur, fonbern Ijatten and) 
beii fleinften @(^a^ in einer ©oibeng, bie un§ foSmo» 
pülitifd^ angelegten ©eulfdjen freinb nnb unnad^aüfmbar 
ift. ergie^^en fie für olle Slentter eine (Generation 

oon fpegififd^ ifd)e(^ij(|er fjäi'öwng nnb fidfient biefer 
einen immer madifenben ©inftiip.' ®n§ alle§ fteigert 
bireft ba§ Ü^ationalbewuptfein auf tfcljei^ifdfier ©eite, 
aber nur mittetbar burcb .g)erausforbermtg ber Oi)t)ofition 
nnb in gefd)»ad|ter Söeife ouf beutfd)er. ®ie Sanbeg» 
oerwattung tft ^eute oorwiegenb in tf(|ec^ifd^en ^öiiben 
nnb alle 3legierung§amter nnb ©erid^te finb angefüllt 
oon tfd^ed^ifciien ^Beamten, bie fidfi i^rer 92ationalitöt 
fel)r tebljaft bemupt finb nnb — mie bie SSerl^ältniffe, 
unter benen fid) bie ben ©eiitfdfen gngefii^erte nationale 
Slbgrengung ber 93egirfe (Hireife) eiibloS l)iiif<^lfWt- 
begeugen, — mit ber Ueberlegenijeit eines ©(^eineS oon 
Dbjeftioität uiib ©rünblid^feit gu betötigen wiffen. 5Die 
jüngfte „SanbeSanSftellung", — in ben 3lugen beS in 
fold^en ©ingeit nod^ etroaS finblidt) nnerfol)renen 
tfd^ec^ifclien SolfeS ein (SreigniS oon meltgefd^icfltlid^er 
SÖebentimg — Ijat atteibingS bem funbigen ^nge ge» 
geigt, bap bie wid^tigften 8>oeige ber ©roBinbufti'ie an» 
no^ in bentfrüen Ipänben liegen, aber nidtfisbeftomeniger 
am^ gootfdbritte auf if(|edt)tfdt)er ©eite erfennen taffen; 
nnb wenn wir bogu red^nen, bop bie S:fd)ed)en im 33efi^e 
Ionbwirtfd)aftli(üer nnb gewerblidtier ©^ulen f^on einen 
SSorfgrnng gewonnen l;aben, fo müffen wir bie lieber» 
geugung gewinnen, bop fi(^ ber ©eutfe^e, fobalb il^m nur 
wieber "einmol bie §öube getöft werben, auf eine neue 
3lrt beS DlegimeS unb feiner ©teEung gu bemfelben wirb 
oorbereiten " müffen. ®ie 2tnfprüd)e' einer älteren Oer» 
fdboEenen Seit werben i^m buljin fo wenig folgen, wie 
- ber (Glaube, bap je wieber bie Seiten eines ^Bürger» 
minil'leriumS alter ??orm unb 9lrt wieberfel)ren werben. 

@S war ein oerljängniSuoEer ber Xaaffefdien 
5ßoUtif, bie maplofe, aber menf($lid| begreiflid^e Segeljr» 
lidifeit beS ©laoentumS burdf) ftetige (Gewülfrungen gu 
nähren, olfue jemals mit @ntf(^iebenäeit unb iilor!^eit 
bie (Grenge beS Suläffigen gu begeid^nen; ober eS ift 
gefc^el)en unb bie S^olgen finb ba. 3BaS bie Sufcnft 
bringen wirb, weip niemanb; aber je^t Eopbett eS 
nid^t um bte SBieberbelebung alter 9Serl)ältmffe, fonbern 
um bie ©idt)erung ber SDeutjdjen gegenüber ben (Ge» 
fahren, in bie fie jene ^olitif gebrad)t 'l)at. @S ift gewip 
oerftänbige SJdäpigung, wenn biefelben gegenüber bem 
um fidl) greifenben Sifd^edfiifirungSgrogeffe in ber ge» 
famten 93eamtenj(^aft nichts anbereS wünfdben, als bie 
©idl)eruug eines ©grai^gebieteS oon gwei. SRiEionen 
Sewo^nern bur(^ eine bei gutem Sillen feljr leidtit 
burd^füi^rbare Jlbgrengung ber Begirfe (5lreife), bie eS 
ben 3lemtern in btefem beutfd^en (Gebiete möglid^ mod)te, 
mit je einer eingigen beS 2!fdE)e(|ifdt)en funbigen Uraft 
bem graftifdfien SBebürfniffe gu entfgredjen unb fo bem 
S5eutf(^en in feinem Gebiete wenigftenS ben Sotritt gu 
ben Remtern offen gu l)atten. Unb boc^ Ent biefer be» 
fdEeibene Sunfm lange fein (GeEör gefunben, unb er 
erfährt heute no(h hinholtenbe Hemmung bei benen felbft, 
bie gu ben fogenannten 2tuSgleid)Sharteien gehören, eS 
aber bennodh mit ber tfchedhifchen SSolfSftimntung nidht 
oerberben woEen, wolberechnenbe SSerfdEIeggung unb 
SSerwidelung bei benen, bie wiberwiEig an ber ®nrdh» 
führung „arbeiten". 3Rit ber SSerfdhleggung foE Seit 


gewonnen, mit ber SSerwidelung ber ©(hein ber lln» 
möglichüit ber ©urdhführung gefdjaffen, burdh beibeS 
bie Edotwenbigfeit einer neuen Dieoifion, begiehungSweife 
einer teitweijeu SSeruiihtung bcS „21uSgleidiS" bargetan 
werben. 35on biefen „3luSgleidhSJparteten" unterfcheiben 
fi(h bie Snngtfdhechen nur burdh il)oe — Offenheit. 

3luf biefem gefährlidjen ©tanbgunfte ftanb ber fo» 
genonnte „SluSgleich", als eS ^pienerS ©nergie 
gelong, bem ERinifteripräfibenten enb'lid) bie 3lnerfennung 
ber (Gefährlichfeit biefeS oerflaulen Wurfes abguringen. 
®oS, unb nidht mehr, ift in Segug auf bie böhmif^en 
3Serhältniffe bie ©ebeutung ber neueften SKinifter» 
ernennung. ©in beutfch»böhmifdher „öanbSmonnminifter" 
ift ber ®raf H neu bürg oEerbingS nid)t, audh glauben 
bie ®eutfchen, wenn fie biefe 3lbfdhlagSgahlung ohne jebe 
93erbinblichfeit entgegennehmen, bei oEer Objeftioität 
unb Slnerfennung beS eingetretenen SechfelS in ben 
Sßerhältniffen ni^t, fid^ felbft in Oefterreidh in jene 
©teEung eingureihen, bie fonft burdh ben „ßanbSmann» 
minifter" ohne IReffort begei^net wirb. @raf £uen» 
bürg gehört oudh, weber feiner (Geburt nodh feinem 
SRanbate nadh ^Böhmen on, wol aber jener '^artei 
im IReidhSrate, in welcher bie ©adhe ber S)eutfdh=Söhttten 
olS ber©dhtüffel ber öfterreidhifdhen ©ituation ihre 9Ser» 
tretung hat. SRan wirb in feiner 33erufung nicht gerobe 
ein neues, noch weniger ein rabifaleS ^rogramm,_ wol 
ober in feiner ^erfon ben 3lnwalt unb ©oEigitotor 
jener Sledhte gu erblicfen haben, bie fich) bie ®euffdh= 
Böhmen in jenem SluSgleidhe erworben haben, beffen 
5tnfhrüdhe fie um fo weniger aufgeben, je befcheibener 
boS 9Jdah feiner SSorteile ift ®agu ift ber 3ugeitb» 
genoffe Wieners, ber Präger bürgerlich liberaler 
©runbfähe, bie er mapooE aber entfehieben in ber S^t 
beS Kampfes mit bem ^abinet betätigt hat, ber 3Rann 
in ber ^oEfraft ber Sal)re, ber Kenner unferer 3Ser» 
faffungSrechte unb SSerfaffungSfämpfe bie wolgewählte 
5ßerfon. @S ift fein Umfchwnng eingetreten" — bie 
©teEung ber gartet ift bie alte, unb hoch toirb man bie 
Satfadhe als eine leichte Senbung gum Sefferen betrachten 
müffen, gu begrüben gugleidh oom ©tanbpunfte ber 
f^eftigung beS enblidh glücflidher geftoltefen 3SerhättniffeS 
OefterreidhS gu ©eutfchlanb. 



5)ie ©enfibiUtät IDeibe«. 

SSon 

5)3rof. c. %om&rofi)»$urin. 
tum Otto ®tfenfchib=“®'(ai(anb. 

(SCuCoviftvCe Uebetjejung.) (Siadjbtuit bei'boien.) 

(0^ortfe|ung) 

($S ift behauptet worben, bah baS Seib feine geringere 
©enfibilität befi^t als ber ÜRann, aber größere Siber» 
ftanbSfähigfeit gegen ben ©dhmerg, ober eS ift leicht be» 
greiflich, bah ben ©d)nterg befto leichter erträgt, je 
weniger eS ihn fühlt. 

Sch glaube, fchreibt IRidhet, nicht fo fel)r an ben Unter» 
fdhieb beS aRuteS alS an ben Uuterfchieb ber (Gmpfinblidh» 
feit. (£’S ift fehr wohrfdheintich, boh je noch ben Snbi» 
oibiteu, ben Slaffen, ben ©tänuüen, bie Unterfchiebe in ber 
©enfibilität bem ©chmerge gegenüber bebeutenb finb, 
unb baraitS laffeu fich bte oerfchiebenen IReaftionen bem 
©chmerggefühle gegenüber erflären, weldje jene Snbioibuen 



®a§ SWagajin ffit Sitietatttr. 


9?r. 2 


jene Raffen, jene ©lamme geigen.*) — Unb er gitirt 
Seijptele oon rotlben 3SölJer[lämmen, weldie rnljig unb 
gelaffen ©^mergen ertragen, bie für einen ©uropäer 
gerabegu entfe^licl) mären. 

iÖian gie^e überbieS in Setra($t, bafe ba§ Sffieib — 
unb barin ftimmen felbfl bie SSerfedbler ber üö^eren ©enfi» 
bilität be§ SSeibeS mit mir überein — oon 3Jatur an§ 
einer ifteibe oon ©dimerggefüblen untermorfen ift, bie, oom 
Üfilifiotogifcfien ©tonbpunfte au§ betract)tet, meit größer unb 
emf)finblici)er finb al§ biejenigen, mel(üen ber SJfann unter» 
morfen ift. 

Sßenn nun tro^bem ba§ SBeib alten biefen Seiben 
miberfteljt unb ein pt)ere§ Sitter erreiiüt al§ ber SKann, 
fo ift ba§ felbftoerftänblict) feiner geringen ©enfibitität unb 
feiner größeren 2ßiberftanb§fäl)igfeit gügnfd)reiben. 

SSenn aber beffenungeai^tä bei ber SJZebrgafit ber 
iKenfc^en bie 3J?einung oon ber größeren @mf)finblicl)feit 
be§ 2öeibe§ fortbeftet)t, fo ift bieg, mie mict) bünft, bem 
Umftonbe gnguf(J)reiben, bo^ bie äu^erlictien fKanifeftationen 
be§ ©cbmergeg mit bem ©d^merge felbft oerme(^felt merben. 
®ie Sßeiber reagiren bem ©dimerge gegenüber in 
ejpanfioerer SSeife otö bie Sltänner. 

©ogar SKantegagga, meldt)er mit großer ®ntf(üieben^eit 
bie Sbee oon ber p^eren ©enfibitilöt beg SBeibeg oerteibigt, 
Ijat gugeben müffen, bo^ bie ©jpanfion ber ^nnbgebung'en 
beg ©^merggefüi^leg nicl)t augfcülieglicü ber ©enfibitität 
guguf(üreiben ift. 

Sm allgemeinen, fo fdjreibt er, finb bei ben g'raiten 
bie üoratijtif^en f^oroten ober große Stücfmirfnngen oor» 
tjerrf^enb, unb bei it)uen ift ber Srönenaugbrnd) oiet 
l)öufiger olg bei nng. ®g fc^eint, ba§ eine ber bemerfeng» 
merteften @tgenfd)aften beg meibtid)en Steroenfßftemg im 
raf)ibeu Stbftoßen beg ouf bemfetben taftenben ®rmfe be» 
ftebt unb bag geigt fict) and) in ben ©ct)mergfunbgebungen. 
®eim SBeibe finb überbieg im aügemeinen bie cerebralen 
,§emifpt)ären fd)mäctier, unb fie tjaben infotgebeffen eine 
geringere fOtoberotiongfätjifffeit inbegng auf bie Dteftej» 
banbtungen. S)egt)alb erhält and) ifre Stiimif einen ej» 
Üanfioerät, formenreidieren Stngbruif. 3n oieten ©pricb» 
mörtern unb ootfgtümtid)en 8tngfprüct)en fommen biefe 
3Bat)rt)eiten gur ©eltung: „®u meinft, ict) l)äite biiü gar 
nid)t für fo meibif(| getjatten" . . . , „Sßeibertrünen" '. . . 
u. f. m. 

@in anberer Umftanb, metd^er oiet bagu beiträgt, bie 
©dfmergfunbgebungen beg Sßeibeg ejpanfioer gn geftatten, 
ift bie ®rgiel)ung. SRon oertangt oom Sfeeibe feinen SJtut, 
aber man oertangt ©ragie, unb f|)äter mirb fi^ bag ÜBeib 
oon felbft bemuf t, metcü gro^e SKadit i^re Siränen in fid) 
bergen, begfotb lernt fte, gut gu meinen, oft gu meinen, 
gu gelegener 3^^ gu meinen. @g ift mirflid) raunberbar 
big gu mel(üer SSirtuofifät eg gemiffe i^it bem 

aSeinen bringen unb jeber SJiann mirb fi(ü gemi^ 
irgenb einer ©gene erinnern, mälfrenb metdier eg ilfm tat» 
fäd)ti(^ fctimer gefallen ift, gu entfdieiben in melcfem 
SKafe ber aSille, in meld)em fDtafe ber ma^re ©ct)merg, 
ben Smputg gum SBeinen gegeben. erinnere mid), 
unter Ijunbert glätten, bie iiü beobO(|tet, einer jungen 
^ßariferin, metcfe oom ouggeloffenften ßai^en in menigen 
SKiuuten gnm 5föeinen übergugelfen im ©tanbe mar, aber 
gu einem magren Söeinen, bag il)r felbft ©c^merg oer» 
urfad)te unb bie Umftebenben mit SÄitleib erfüüte. 

3n ben ©priclimörtern aller 5ßrooingen finbet man 
Stnfüielungen auf bie üei(ütigfeit beg Sränenoergie^eng 
bei ben ^ranen. 

„Le donne hanno le lagrime in saccoccia.“ (S)ie 
grauen tragen bie tränen in ber 5lafcbe.) (Umbrien unb 
aSenebig.) 


*) Eichet, L’homme et rintelligence. Paris. 1884. 


„Femme rit quand eile peut et pleure qnand eile 
veut “ (®ie grau ladft, mann fie fann unb meint, mann 
fie miü.) 

„Due sorti di lagrime hanno le donne: una di dolori 
ed altra d’inganni. (gmei ,3lrten oon S^ränen giebt eg 
bei ben grauen: 2!ränen beg ©dfmergeg unb S:ränen beg 
SJetrugeg.) (©icilien.) 

„Donna si lagna, donna si dole, donna s’ammala 
quando lo vole.“ (®ag SBeib ftagt unb meint nai$ Se» 
lieben unb mirb nad) Slelieben front.) (iSogcana.) 

®er SKann ift, bag borf l)ier nid)t aufeer Slci^t ge» 
laffen merben, ber Xtfrann beg 9Beibeg, bog i^m untermorfen 
unb nidft feiten fogar feine ©flaoin ift. Sllg jungeg 
SJtäbdien mufe bag Söeib gaflreicfie ©rniebrigungen er» 
tragen unb 5?ämpfe beftel)en unb mirb oon ben SSermanten 
ben männlidfen @efd)miftern gegenüber gurücfgefe^t; alg 
grau ift eg bie ©flooin beg fKanneg unb metjr noi) ber 
fogialen aSornrteile; fpäter fat eg oft nodi größere 33e» 
teibigungen gu ertragen unb ift oftmalg oon allen Oer» 
loffen, menn eg nic^t big gum fünfgigften gaßre feine 
©(iönf)eit bemabrt l)at. 

Unb bag aSeib fann oßne Siebe nid)t leben, mie bie 
fßflange oßne SBaffer nicfit beftebeu fann. aSom 5tage 
il)rer ©eburt big gu itjrem S^obe, fugt ein großer 5ßßß» 
fiologe, muß bo§ SSeib lieben; eg benötigt ber Siebe oier» 
unbgmangig ©tunben im Sage unb fec^gig SÄinuten in 
ber ©timbe"; unb bodf) mibmet ber ÜKann bem SBeibe btog 
l)ie unb ba ein ßalbeg ©tünbd)en. $ro^bem, boß bie 
grou alle $age oon ben Sltännern ßintergangen mirb, 
mirb il)r ein eingiger gall oon Untreue alg aSerbredien 
angered}uet, mäl)reub bie Untreue beim fD?anne in allen 
gällen nur alg eine oergeil}tid)e ©ünbe angefeßen mirb. — 
Stacl) Sioit ift beim SSeibe and) bie fejuelle ©enfi» 
bitität geringer alg beim 2Ranne.*) SDiefe aießauptung 
mirb ouct) Oon ©armin nnb gillet bcftätigt. Unb felbft 

©ante fagt: „ da qaesto assai ben si comprende 

Qaanto in temmina tüoco d’amor dura 
Se l'occhio o il tatto spesso nol riaccende.“ 

©iefe geringere ©enfibilität beg aBeibeg mirb and) 
bemonftrirt burcß bie geringe ©uantität oon fejueHen 
aJfßd)Oöatl)ien, bie beim üKanne fo l)äußg auftreten. 

©araug erflären fiel) aiicß bie aSerpfli^tung nnb bie 
©emol)nl)eit ber J?eufd)l)eit, melcße aßen aSölfern, anf bag 
©eib begogen, gemein finb, mäßrenb ben Sltännern, menige 
asölfer auggenommen (beifpielgmeife bie alten' ©ermanen), 
bag ©ebot ber l?eufd)l)eit nirlft aufevlegt ift. Unb man 
begreift aneß ißre auggefproeßene Steigung gur aßolljgamie 
(befanntlid) ttnben bie SJtonnonen mit Seießtigfeit Sin» 
bänger unter ben grouen) unb bie ftrenge aSorfeßrift ber 
SJtonogamie mirb oon ben aicännern mir in formeßer 
aBeife beaeßtet. 

©a nun bie grau oon Statur aug meniger fenfibel 
unb fälter ift, fo begreift man, boß bie ©efeße über ben 
©ßebrueß bei faft oßeu aSölfern nur auf bag SBeib ©elti|ng 
ßot unb nießt ouf ben SJtann unb baß ber aßroftitution, 
oon aßen gioilifirten aSölfern ber ©tempel ber ©cßänblidß» 
feit aufgebrüdt morben ift. 

©i'e miberfpredßenben Sßeimmgen über bie erotifdße 
©enfibilität ber grauen ßaben ißren ©runb aneß in bem 
anfeßeinenb miberfpreeßenben Umftonbe, baß bie Siebe, 
mie f(ßon ermäßnß bie ßeroorragenbfte ©teile im Seben 
beg aSeibeg einnimmt. 

Slber bog erflärt fitß nießt fo feßr aug ber ©rotomanie 
olg oielmeßr aug ber Stotroenbigfeit, bem mütterlidßen 
gnftinft gu genügen unb fieß einem ©cßuße angiio er trauen, 
ben bog aBeib in ber ©ße fudßt, burtß meleße eg bag 
giel beg ßö(ßften ©trebeng in ißrem ©afein erreießt. 


*) Kongreß bec Societe frauoaise de Chirurgie 1891. 


!«r. 2 


©oS .SJlagoäin füt ßtüeraiur. 


23 


®a§ SBort S^al^efö git Safob: „©teB mir einen <SoBn, 
fonft fterBe W. entl)ölt eine grofee Bi>) 4 )oio 9 ifcE)e 3öo|r= 
^eit unb ein berühmter @t)nofolog fngte mir einmot: 
„S)er ajfonn liebt ba§ iißeib be§ ©eftble^ieS l)ölber; bo§ 
Seib liebt in bem SJJanne ben ©otten unb ben 5Bater." 



SSon 

3Fr<t5 JHäautljner. 


3)fJan müfete ein §euc§ler ober ein gebaut fein, 
moHte man ber Suftigfeit ibr 9ted)t beftreiten, il^r iftect)t 
in ber _^unft unb gar i^re ^errfc^aft an beftimmten 
fömmlicben Sagen. @o ein Sag ift, ma§ immer bie 

^irct)e jagen mag, ber erfte be§ 3abre§. S)er erfte 

beutfcbe ^umorift bot freilich bie ©btOEftei'oocbt ni(^t 
anberg p feiern gewußt, afö inbem er bie ifteuiabrgnadbt 
eineg Unglücf lieben febrieb. S)ie üiZebrgabt ber ®eutf(^en 
jebodb, welche Befanntlidb nidbt aug §umoriften beftebt, 
will pm Qabregwedbfel luftig fein, luftig um jeben 5ßreig, 
unb müfete man ba 5 u frembe ©blinberhute eintreiben. 

Sn biefe (Stimmung hinein erfebienen bie mündbener 
SSolfgfdboufpieler im 58ellealliancetbeater mit einer 
erfdbütternben Sragöbie, anftatt mit ihrem ewigen 
©(bubplatller, unb fie errongen einen bebeutenben 
©rfolg. (Sie bradbten ung etneg ber gröften S)ramen 
ber neueren Seit, Slngengruberg SReineibbauer, unb 
SRartineEi fpielte ben 3Ratbiog ferner. SBer fidb noch 
erinnert, wie biefeg mächtige ©tütf gerabe oor gwanjtg 
Sabren gögernb auf bie öfterreid)if(^ät Sühnen gebracht 
würbe, wie fein Serfaffer, ber ficb bamalg nod) ©ruber 
nannte, wieber einmal alg ber Slnticbrift oerfdbrieen würbe, 
weit er bag wahre ©hi^iftentum in ber 3Sett oergebeng 
fudhte, wer fidb nodh erinnert, wie S. ©rüber bamalg 
felbft oon feinen g^reunben nur alg ein begabter SofaU 
bi(^ter anerfannt würbe, bem muh t>ag ^er§ auf» 
gehen bei ber ©rfahrung, bah Slngengruber in gang 
®eutf(^lanb ein Siebling geworben ift, bah ci* befonberg 
in Serlin auf bem _ Repertoire oon oier Sühnen fteht. 

Slngengruber ift ein fo edhter Sichter, bah äo be= 
fürchten war, fein (Sieg werbe erft 50 Sabre nach feinem 
Sobe entfdhieben fein. Sie rafch gewonnene Popularität 
oerbanft er wol bem glücflichen Umftanb, bah ei' heb — 
auch barin gang ein ERann beg Solfg — bag Recht ber 
ßuftigfeit niemalg nehmen lieh, nicht in ber Sragöbie unb 
nicht im peffimiftifdhen (Sinnen. Unb wer bie beften Singen» 
gruberfchen ©eftolten barauf hin befonberg prüft, ber wirb 
eine- belehrenbe ©ntbeefung machen: bah nämlich Singen» 
griticr feine SRenfdhen in b'er Äomöbie wie in ber Sragöbie 
mit benfelben SRitteln geichnet. Sheoretifch mühte fich' bog, 
fott:te man benfen, oon felbft oerftehen, wenn überhaupt 
bei ber geichnung SRenfehen heraugfommen foEen. SRan 
achte aber einmol borauf, weldhe SorfteEunggmittel in 
unfern Srauerfpielen, unb welche in unfern Suftfpielen 
fonft wol angewant werben; ob wol ein beutfeheg ßnft» 
fpiel in ber Sprache SdhiEerg, ein beutfeheg Srauerfpiel 
auch nur in ber Sprache oon greptagg Sournaliften ge» 
fdhrieben werben tonnte. SRcin muh wieber einmal big 
auf Stjatefpeare gurüefgehen, um bie fcheinbor felbftoer» 
ftänbliche Sebingimg erfüEt gu fehen, bah honbeln» 
ben Perfonen perft 3)ienfct)en finb unb bann erft tragifche 
ober fomifche Sdhicffole erfahren. 3=olftap übermütiger 
Pring §eing unb ber erhabene Sieger oon Slgincoitrt 


finb immer ein unb berfelbe SRenfeh ; unb ber ©nglänber 
wirb feinen fRotionalhelben barum nicht weniger oerehren, 
weil er eine Seit lang mit ihm gelocht hot. ©g ift Wirt» 
lieh Srrtum gu glauben, bie Srogöbie müffe auf 
Steigen gehen, unb bie ^omöbie oertrage feinen ©ruft. 

Sag ih oieEeicht gerabe bog ©röfte an ber horten 
©eftalt _ beg SReineibbauerg, bah h*h feiuem Sßefen 
nach eigentlich faum oon bem fRarren ©riEhofer im 
„©’wiffengwurm" unterfdheibet. 

Sa unb bort geigt ung Slngengruber ben Sauer, 
oon beffen ^opf eine f^etifchreligion Pefih ergriffen hot; 
ba unb_ bort fioben fich pnbenbe flaffifche (Sdhloger 
gegen bie Pfafen* ba unb oort löft ewige ^eiterteit bie 
Spannung ber §örer; aber wie ohne Sotun beg Siepterg 
wenbet _ fidh bie $onblung ba gur Sragöbie, bort gur 
^omöbie. Unb eg ift ein oieEeicht unbewuhteg Serbienft 
ber SRün^ener, bie h(h immer ein wenig gum Schuh== 
plattier htagegogen fühlen, bah bie heilere Seite beg 
SReineibbauerg nicht gu turg tarn. 

Um begwiEen foE ihnen ein entfehlidher g’reoel gur 
$älf_te oergiepen fein. Sie hoben in einer ber ge» 
waltigften Sgenen bie alte Saumohm in einen SRonn 
oerwanbelt. Söer biefen meifterlidhen Sluftritt nochlieft, 
wirb eg freilich taum für möglich hollen. Ser SRein» 
eibbauer hot auf feinen Sohn gefdhoffen unb hält ihn 
für tot. Surch Sturm unb Regen ift ber SRörber big 
in bag ferne ©ebirggborf gelangt, wo ein anbereg Opfer, 
fein Reffe Safob,_ wirtlich ln ber Sotenfammer liegt. 
Som f^ieber gefchüttelt, fucht ber Sauer Suflucht in ber 
erften beften §ütte unb ftürgt fo in bie gemütliche Spinn» 
ftube ber Saumahm hinein, wol gemerft, in bie Spinn» 
ftube. Sie jungen Sirnbel finb mübe oom Spinnen, 
unb bag alte SSeiberl foE grufelige ©efdhichlen ergählen, 
um fie wach Sn halten. Ri^tg SRännlicheg in ber gangen 
Stube, felbft ber Saber ift ein alteg ^eib. Unb bie 
Saumahm ergählt bie gewoltig grotegte ©efchichle oon 
einem SReinetbbauer, big bie Rtäbchen ängftUch gu» 
fammenrüefen, unb SRathiag f^ei'ner, wie in ber antifen 
Sragöbie, oon btc rächenben ©oltheit felbft tot gu Soben 
geftreeft wirb. Seitbem eg Seutfehe giebt, werben foldpe 
SRärchen oon ©rohmüttern ergählt; Sacitug unb bie 
Srüber ©rimm liehen fich 3Rär^en unb Sagen oon 
äöeibern ergählen. Sie münchener Soltgfdhaufpieler 
aber machen einen SRann gum SRärchenergähler ber 
Spinnftube. Ser ©infoE ift fchlimmer, alg fich höflidh 
fogen läht. ©benfo gut fönnte ein länblicher Sirettor 
tn feiner Serlegenheit aug Sulieng Rmme etwa Sulieng 
^laoierlehrer machen ober ben Seridpt beg fdhwebifchen 
§auptmonng im aßoEenftein Oon einer SRorfetenberin 
oortragen laffen. §aben benn biefe Soltgfchaufpieler 
gar fein j^erg für ben eingigen groben Sichler, ben fie 
fpielm fönnen? Unb wor eg benn unmöglich, f?rou 
Schönchen nach ber Surgerlieg ouch nodf) bie Sau» 
mohm fpielen gu laffen? §aben benn bie münchener 
Solfgfchaufpieler burdh ihre Sramenfabrifanten oergeffen 
lernen, wel^e Rdptung fie einem Sichler fchulbig finb? 

3Ser in Sploefterftimmung bag Sheoter befugt, ber 
wirb auf oEe g'äEe lochen: bantbar auf jeben SSinf beg 
Rutorg, wenn bag Stücf ihm luftig fcheint, rütffidhtglog 
ouf Soften beg Rutorg, wenn bag (stücf ihm nidpt be» 
hagt. Ser gweite g^oE trot im „Seffing=Sheater" 
ein; „Sie Same in Schwarg" forberte gu Sn'gleichungen 
mit ber älteren „Same in Srouer" unb gu onberen 
Sitelwipen grimmig peroug. ^ugo SBittmann unb Speobor 
$ergl, bie früp fepon leibtragenben Serfaffer, haben eg 
an luftigen unb felbft an feinen ©infäEen nidpt fehlen 
laffen; unb bah bie ^anblung fiep nidpt über bie Ser» 
wedpglunggfcherge oon Senebijioben erhebt, pätte ipr ge» 
loih beim publifum nichtg gefchabet, bag in ber Sploefter» 



24 


mx. 2 


®aS SKogajin für SUteratur. 


na(^t feine eigene ^armlofigfeit git potengiren f>pfegt. 
©o§ Sufifpiel fdtjien auei) Mg gegen bag @nbe \)ixi ni^t 
gang aufgegeben gu werben, (äg gab immer wieber 
Sadbe'*-' öon ber gutmütigen 3lrt unb erft bag erlöfenbe 
SSort mürbe mit bem motbefannten ftflnefterlidben att» 
gemeinen ^o^ngetäd)üi-’ entgegengenommen. ®ag ift aber 
leiber nid)t btog bur(b bie ^ogbeit mtb ©(^lecfitigfeit ber 
3ut)örer gu erftüren. ®ie SSerfaffer ^aben bag ilfrige 
getan, unb gmar burdf) ben alten ^elfter, ben [icb fein 
guter Sinefbotenergäbler gu fd)ulben fommen liefee, unb 
ber bo(^ breioiertel aEer mittetmä^igen Suftfpiete au(^ 
no(| um ben mittleren ©rfotg bringt. 3eber Stnefboten» 
ergalfter b^t bag @nbe feiner 2lnefboten oor Slugen, 
wenn er loglegt ; jebeg Sort unb jeber Sufob ift auf 
(Steigerung ber furgen (Spannung aber gugteicE) auf bag 
ridbtige Ie|te SKort bere(^net. Stebnlicb mü^tc bie ^rdt)i= 
teftonif eineg guten Suflfpielg befi^affen fein Slber eg 
giebt audf) Slnefboten, bereu «Sb^tfe Wrauf binaugläuft, 
ba^ fie fein @nbe buben, unb ba^ ber Süböbrer ben @r» 
^b^fu' fi^ltefeli«^ ungebulbig unterbrecben foE. ®iefe 
Bauart f^einen ft(b bie Suftfpielbicbter gum SKufter ge= 
nommen gu buben, wet(^e ein (StüE gu fcbreiben om 
fangen unb bodb nur ben Slnfang im Ifopfe haben. ®a 
mirb bann biefeg Stfotio oon ^ft gu 2lft leife oariirt, big 
bie gubörer bann enblicb bag ^in= unb .pergieben ber 
<Säge fatt buben unb ben ©rgäbür' unterbrecben. 33Ieibt 
bog ^ublifum aber gebulbig, fo mu^ ber 9futor nach 
etwa brei (Stunbeu enblicb ^ucb einen ^unft febeu, unb 
ber (Spafe ift mieber oerborben. Effan fönnte foldfe 
Stücfe au(^ mit einem EßagfenbaE oergleicben, bei bem 
bie @äfte, bie unmagfirten Herren nömticb, big gegen 
ERitternadbt ftdb Öpi'JU intrigutren taffen unb ficb einer 
angenebmen Efeugier bingeben. ®ann folgt bie ®emag= 
firung, bie EJfagfen entbüBen fidb olg lauter ältere 
Samen in <S(^warg, unb bie (Sfäfte oerbüEen ibr §aupt. 

3lucb bag „Seutfcbe S^be ater" batte fein (Sbloefter» 
ftüE: bie nicpt melfr gang junge „Scbmiegermama" non 
(Sarbou unb ©eglonbeg; 3^rau Efiemann fpielte bie 
(Sdbmiegermutter unb entbedte in ber föftlii^eu EtoEe nicpt 
nur gabllofe Sb^uterfniffe, bie fdbon bar in tagen, fonbern 
oucb §erg. 

®em frangöftfdb^’u Suftfpiet ging eine einaftige 
EJlauberei oon älfreb ^laar ooraitg; „®er Obotug" but 
bei ber berliner i^ritif ni(^t bie SSürbigung gefunben, 
bie ber feine Sdberg mol oerbient hätte. SSir finb nidbt 
reidb in Seutfiblnnb on fo fauber auggefübrten bübft^en 
©infäEen; unb ber Dbolug hätte nur in ber ^anblung 
noj^ einfadber, im Sialog etmog meniger mi^ig fein 
muffen, um fid) ben beften 5ßrooerbeg oon Submig 
g^ulba on bie (aeite gu ftellen. 

Ser 3Serfaffer ift bem größeren E^ublifum faum 
befannt. Sen ©efudbern litterarifcber sfongreffe ift er 
atg beroorragenber iRebner unbalg tatentooEfter 9Ser= 
treter beg prager beutfdben «Scbrifttumg in guter @r= 
innerung. Etlg ober meine S^beoternacbbarn nadp ®d)lu6 
beg' fteinen (Studdieng neugierig in ben geltet foben, um 
fidb Efamen beg 3Serfafferg gu merfen, ba_ hätte idb 
ihnen mol mehr alg ein anberer oon bem Sii^ter beg 
Db olug ergäblen fönnen. 

SSor gabren fdbon, ocb oor febr mieten fahren, fdbaute 
iä) auf bem ©bötnüfium mit fdbulbigem Eiefpeft gu bem 
.^noben ouf, ber mir um ein Sebengjobr unb um eine 
;^laffe ooraug mar, unb ber fogar im ESiariftengbmnafium 
beutf(^e Sluffäbe in 3Serfen gu fdbreiben magte. Sdb weife 
uidbt, mag unfere geiftliiüen Sebrer, bnlb Sfdbedben, b(ffb 
.Sefuiten, gu biefen Hebungen fügten. gebegfoEg ermieg 
fidb ^’ci Ellfreb Älaor bie Suft an ber poetifdben g^orm 
alg nadbbaltig, unb i(b i|n uadbeinanber gum form= 
freubigen Spi^i^er, gu einem Sournatiften oon elegantem 


(Stil unb gum gtängettben politif(ben Eiebner merben 
feben. gn ben beutfdben greifen $ragg, ber oon ben 
2!fdbed)en beinahe fd)on eroberten (Stabt, fennt unb fdbäfet 
jeber ben 5ßrioatbogenten mib Sbfidüi-'fi'itifer, ber ber 
ßeimat treu geblieben ift, oieEeicbt fcbon gu oiel Äraft 
in flehten 5fämpfen unb in fleinen (aiegen oerfd^menbet 
bat, unb beffen namentlich oft über 

bag binauggeijen, mog bie gournatiftif ber ©rofeftabt hoch» 
mütig mit EJiooing gu begeicbnen liebt. 

Eiur mit fo menig SÖorten barf \&j bei fo-fleiner 
©elegenbeit anbeuten, mag oEeg an gugenberinnerungen 
in mir aufftieg, atg i^ bie onmutige E^lauberet hörte. 
Sdpöne Sugeno unb törichte gugenb, gute gemeinfame 
Ifämpfe unb finbifdbe ©iferfudbt aug ben (Stubentenjabren 
unb benen ber erften litterarifdhen 3Serfudbe, bog oBeg 
bilbete einen merfmürbigen §intergrunb unb fo fam eg, 
bafe iä) menigfteng an einem ber brei Slbenbe perfönticb 
(Sploefterftimmung fanb. Hnb fo fom eg ferner, bofe ich, 
bem bag (Stücf fo fepr gefiel, ungufrieben bomit mor, 
ni(^t eine gröfeere, uacbmirfenbere Elrbeit beg ERanneg 
gu feben. 

Ser Obolug ift gang auf eine E^fonberei geftimmt: 
Sntimfteg §erüber» unb ^inüberflingen gmiid)cn gmei 
ERenfchen, bie einanber finpen. Eiotürlidh gmifi^en gmei 
EJienfdben oerfcpiebenen ©efcbledbtg. Sog „Seutfcbe 
Sbeafer" batte oitg bem ERännlein fd)on faft gu mirffam 
eine SialeftroEe gemailt. Stber auch ber SSerfaffer bnt 
in bem ©eftreben, bie geift» unb ’gemütooEe _5ptaitberei 
bübnenfäbiger gu modben, ein ftein menig forcirte .^anb» 
lang unb einige überffüffige ESortroifee bimgugetan. 
SBcitiger märe mehr gemefen. Elber aud) in folget’ ®e» 
ftalt mürbe bag (Stüdcben oerbienen, pönfig gefpielt gu 
merben. 

piiöCiUa. 

©ine römifcpe ©rgäptung. 

SSon 

legn. 

2tu§ fetitetn 3Jad)Iaffe |erouSgege6en üon Stcd^iörat 

Dr. ©(fiiemann. 

(gortfe^ttng.) 

gmei Sßocpen borauf foEte ein fdbredlicher SßorfoE 
ben nnglücftidben ©tefano mir mieber ing ®ebä(ptnig 
gurütf rufen. , 

ERonfignore ©. mürbe obenbg beim ©hdritt ing 
§aug oon einem tief in ben ERontet gepüEten unb 
burdp bag Sunfel ber Eiadpt gefcpüfeten' SRann überfaEen, 
ber opne ein EBort gu fprecpen fein EReffer ipm in bie 
©eite ftiefe. Sag ©töpnen beg ©(pmeroermunbeten rief 
bie ^augbemopner herbei, ESorübergepenbe oon ber ©trafee 
gefeEten fidp ipnen gu. Unrupe unb oermorrene ©timmen 
unter meinem f^enfter patten miip oufmerffam gemodpt, 
idp mar auf bie ©trafee geeilt uiib bem guge.' ber ERenfipeti 
big gu ber gräfelicpen ©eene gefolgt. §ier fap idp unter 
ber greEen unb fladfernben EEetendptung einer berbeige? 
fdpafften gacfet einen bteidpen E^riefter auf ber ©dpmeEe 
ber .^ougtür in feinem E3lute liegen, mäprenb bie 
ERenge mit füblicpent apotbifipen ©rnft in ben peE» 
beleudpteten ©efidptern, opne $anb angulegen, bag um 



«rjr. 2 


®a§ SJJngagin für Sitteratur. 


25 


glütflic^e £)))fei’ mu[tonb. ©anj ttatieiüid) btlbete fie 
nur bell 6f]or, beu untätigen treigifd^en ©dfain 

fpietä, unb nict)t minber itatieiiijc^ l]nttc bie pl)Qii= 
taftifd}e nub grouenlfafte <Scene ntsbatb gn cblen fünfte 
tei'ifc^en ©nippen georbnet. 2epterc§ leljrte micl] mein tu 
Statten bafiir geübtes Singe auf beu elften 331i(f — ber 
gineite, ber auf ben ©rmorbeten fiel, ftöfete mir ©iiticpen 


ein, beim icP erfaimte iOioiifignore ©. nnb erriet ben Snter 
©§ iiin^ .^itfe merben, rief ii^ eiibticp, nacpbem ict) micfj 
gefafft, nnb iitbetn icp bie Emftepenben gnr ©ieiiftteiftniig 
anfforberte. iDlaii rid)tete ben föeimifettofen ein menig in 
bie tpö()e, ri^ bie Kleiber onf, nnterincpie bie ‘föitiibe nnb 
trug i[)ii nacp oben in feine iffiütfnnng. ßaniii füttnlen 
bie ©iener beS Unglüifticpen bemogeii »erben, noii) einem 
Söiinbargt jit tonfen, fie ftnnben nnbemegtidj, inbcni fie in 
ber 3Beife einer mitifeii S!rngöbie bie iiippen mir gn einem 
leibeiifcpaftlicpen SlnSrnf über boS ©ejd)id‘, baS ben 


tDleiifcpen beperrfclit, ober gn einer Semerfnng über bie 
finntid)e ©ridjeiiinng beS btntigen 5?örper§, ber uor ipiieii 
Ing, öffneten, ©er eiibticp erfcpeiiienbe SBnnborgt unter» 
fitcple bie fßerfeünng, mnctjte einige Slnorbnnngcn nnb cr= 
ftnrte, er föitiie über bie ©öttüpfeit ber SBnnbe noiü nidftS 
beftiminen. 

5Bon betii Scpreden be§ erfcpütteriiben i^orfafts nod) 
(falb betäubt, evreid)te id) eiibtid) mein 8<>nmer »ieber, 
»0 meiner aber ein iiicpt minber peftiger ©inbritcf »artete, 
jfaiiin »nr id) einige ©djritt auf» unb niebergegaiigen, 
als bie 5Eür fiep öffnete nnb Stefano üor mir ftanb. 

„©tenber, »aS paft bn getan," rief icp ipni iwtl Slb» 
fepen entgegen. 

„Spr »ifet," eriniberte er mit gebämpfler Stiiiime, 
ittbent er inicp bebeutete, teifer. gn fpreepen. ©in fölid auf 
ipn oermirrte niicp — Stefano potte feineSmegS baS »Übe 


Slnfepen eines ÜJlörberS, rnpig lag boS .^aar über feiner 
Stirn, feine Stngft oergerrte fein ebteS nnb gefaxtes Slnttip. 

„Sep fomnie eben oon bem Sepauptape beiner blutigen 
Jat," fagte icp. 

„Sft er tot?" fronte Stefono. 

„2Bie mir fdfeint, »irb er ben Sdlorgen niept erleben," 
ermiberte icp; „boi^ »aS benfft bu gn tun? 3}tnn »irb 
$Hacpforfd}ungeit aiifteEen, bn »irft entbeift merben; fepon 
bofe »ir pier fpreepen ift 33erlnft ber foftbaren — 

poft bn Sdiitlel gnr 3^1iiept ober einen ficperen 33erftetf? 
paÜ bu baS 3Berfgeug beineS iDiorbeS fortgemorfen? »irb 
es bid) fennilid) uiadfen? Ungtüiflidper, in »eldfe Sage 
pat btep beine befinnntigrmtbenbe Seibenfd)aft geflürgt!" — 

„Seib rnpig," ermiberte Stefano, „»enn Spr miep 
nid)t oerratet, »ill idj ipneii niept in bie .gäitbe fallen, 

^eiii SReiifcp »ei^, ba^ iiÜ in 9iom bin. Sioep peilte 

Slaept bin iep im ©ebirge. 93oii bort bin iep gebürtig, 
bort feint icp alle 3Bege, Stäbte nnb ^löfter. Sep bin 

gefommen“ oon ©nep noep eimnol Slbfdpeb gn iiepmen; 
©U(p fagte icp meine ©ebmifen, bamolS olS fJriScifla iiocp, 
rein »ie ber ©au ber Jcacpt, jebeii S>torgen Qual nnb 
SSoniie über bie langen Stnnben beS nnrupooll biircplebten 
©ogeS ergo^. Spr bradptet mir entfepeibenbe Floepriept 
an jenem fdpretf lidpen Stbenb gn ©erui, in mein einfomeS, 


, furptbareS Sepieffal pat feiner geblicft als Spr — lebt »ol, 
eS ift bnS lepie mal, bap Spv »iep fept, lebt »ol auf 
immer!" ©r reiepte mir bie .gianb, bie id) gn faffen fiponbertc. 

„Stefano," rief iep fcpmcrglicp, „bn paft beiii Seben 
auf immer gerfiört! ©n foniiteft nod) gtücflidp »erben, 
nnb bn bift nnglüefticp auf immer!" 

„2Senn Spr nap )ßaleftriiia foiiimt," fagte er, „fragt 
nur nad) ätiarin iOiinelli, eS ift meine Slintter, bie »irb 
©np S^laprid)! geben, ob ip nod) lebe, nnb »aS id) ireibe. 
®ie peilige Snngfran fei ©np gnäbig." 

„Sie fei bir gnäbig," ermiberte ip, „nnb rette beine 
Seele." S5ir fpicben. 

Sd) »ar »ieber ollein auf meinem gimmer nnb 
ftorrte noep auf bie ©ür, bie fid) pinter bem Stbgepeiiben 
gefeploffen palte. SBeld) ein Slbenb: icp »ar SlRitioiffer 
beS ©epeimiiiffeS, iep patte gnr©at mittelbar beigetragen. 
StlS icp nad) einer nnrnpigeii iTlapt am näcpfteii IDforgeit 
aiiSging, fanien mir bie S.iielbnngen über baS geftrige 
©reignis oon ollen Seilen entgegen, ©er IDforbatifall 
mopte in gang 9Iom baS größte Slnffepen: er »ar gegen 
einen 5ßrälaten, ber ifarbitinl, ja ^^apft »erben foniite, 
gegen einen iiianit, ber einer reidjen nnb eblen fjnmilie 
aiigepörte, gerid)tet gemefeii ©eit pöipften ©'pörbeit »ar 
ber SSorfoll gmiefad) nnangeiiepm, er mad)te bie Sd)Ȋd)e 
ber 3iegieinng abermals in beii Singen aller f^remben 
fniib, er bemieS, bofe eS ipr noep immer nipt gelungen, 
bie Sitte ber Selbftpilfe unter ben Diömern anSgnrotlen. 
8nbem foiinte, »ic man nipt gmeifelte, bie ©at nur bnrep 
SiebeSeifcrfnepl oeraiila^l »orben fein; nnb ben©eiftlipen ift 
in 3lom g»ar alles erlaubt, jebod) nur unter ber Sebingung 
beS ©epeimiiiffeS. ©ine förmlicpe gerieptlid)e tlnterfudimig, 
ein gengeiioerpör »nrbe niept norgeiiommeii; ob peimlid) 
bem Stförber napgeforfd)t »orben, pabe id) nipt erfapren. 
SJloil fonnle bie Sape fürs erfte um fo eper igiioriren, 
als Sdloiifigiiore S. gmar mepiere ©age gmifepen ©ob nnb 
Seben fpmebte, aber immer noep nid)t geftorben »ar nnb 
fein guftonb enblip aiifing §offiiiing gn geben. Spon 
in ber näpften 3Bod)e fonnten bie Slergte erflären, feine 
©enefung fei »oprfcpeiiilid). Sp empfing biefe iHopript 
mit ber größten f^renbe — jept, bapte ip, »o ber erfte 
©rimm ber Seibenfpaft uorüber »ar, uiipte fie aup 
Stefano »iüfommen fein. 

©inige ®oepen baranf begegnele ip auf bem öffent» 
lipeti Spagiergange ber Piazza de] populo einem bleid)en 
SRanne, ber oon gmei ©ienern geleitet »arb nnb in loiigeii 
Sltemgügen bie milbe peil.fräftige Snft eiiifog — eS »ar 
SJioiifignore S., er patte penle gum erften SWale baS §ouS 
oerloffeii. Sfop an bemfetben Slbeiib erfnpr ip, er fei 
olS governatore nap Siiiigoglia oerfept »orben. SlKe 
955elt oerniutete, bieS fei, »eiiii aup feine Strafe, bop 
in ber Slbfipt gefpepen, baS ©reigniS, »elpeS . .ben 
Prälaten betroffen, nnS ber ©riimerung gn nermifpen 
unb g^olgeriingeii abgnfpneiben. 

TOoiifignore S. ging nnp Sinigaglia - ob ^ißriSciUa 
ipni folgte? — ob baS 33nnb g»ifepen ipnen »äprenb 
feiner tranfpeit fiep gelöft? (©c|iup folgt.) . 





26 


SRr. 2 


®a§ wcagajitt ffit Sittetaiut. 


Mne i&eale 

(Sd^aufptel in brei Sfufjugen non jJSai'ca ^caga. 

2)eutfd^ Oon 3M. bon Sßorc^. 

(®rfte gotlfe^ung.) 

©uftaü. SBol^ian! — @te wiffen bodb, bafe mein 
93mber §IboIf feit brei iOionaten 3f)i-‘ College ift? 

8lnbrea§. <55emi§ unb i(^ fe|e i^n ftet§ tätig 
unb fleißig. @r fel^lt auc^ nid^t einen eingigen Sing an 
ber SSörfe. 

©uftao. Sßiffen @ie irgenb etwas non ben @e= 
fd)äften, bie er mad^t? 

SlnbreaS. Mi^ts beftimmteS. wei^ nur, ba^ 
er niel für eigene 9iedt)nnng arbeitet. 

©uftan. ©erabe baS ängftigt mid). — Stbolf ift 
ftetS leicbtfinnig gewefen. ©r ift fünfunbäwan§ig 3at}re 
alt geworben, o^ne irgenb etwas erreicf)t t)aben. 
©nblid^ bnbe icf) mid§ entfdblie^en muffen, if)m baS nötige 
©af)itat §u geben. ®rei Sabre war er in einem S8anf= 
gefd^äft. — SBenn man ilfn reben bni't, foEte man 
glauben, ba^ er minbeftenS bie @rfal)rung eines iftotbf(üiIb 
befibt. Sdt) l)obe feboct) meine Stebenfen, weil idt) gelfört, 
bafe er fict) auf gro^e EtifitoS einlä^t. Unb ba mö^te 
idb um febeu $reiS ner^^üten, ba| 

2lnbreaS. Scb tnei^ aEerbingS, ba^ er gewagte 
©peMatiouen uuternimmt — 

©uftan. Sft ©efabr im 3Ser5uge? Sdb wenbe midb 
an ©ie, an meinen alten f^reunb. SSoEen ©ie ©r= 
funbigungen ein§iel}en unb midi) bann benadbricljtigen? 
0ber ift baS äuniel nerlangt? 

3lnbreaS. 2öie fönnen ©ie nur fragen?... Scfi 
wiE bergticl) gern tun, waS idf) für ©ie tun fann! — 
?lber wiffen ©ie, eS ift feineSwegS fo leicl)t: ^oEegen 
haben gerabe fein grogeS SSertrauen m einanber. 

©uftao. ©ie befi^en aber großen ©influß. ©ie 
finb ein ilieftor ber 93orfe. 

Sulio. Sich bitte, — madtien ©ie mir meinen 
Slionn nicht fo alt. 

©uftao. Sch meine in 23e§ug auf ©rfahruug — 
©infidht — 8luf. 

3lubreaS (ftebt auf). Um ©otteSwiEen! .... Sühnen 
©ie auf mich! 

©uftao (ftebt ouf). SDieinen beften ®anf! Unb Oer» 
geihen ©ie bie (Störung unb bie SRühe, bie ich Sh^cci 
oerurfache. Slber bie Sache giebt mir fo oiel §u benfen. 
Sch oertrete ja eigentlich SSaterfteEe bei meinem SBruber. 

Sulio. Stein, wie, SlnbreaS, bu gehft wirflich? — 
SBenn bu burdhauS fort mußt — aber — gel)t eS beun 
gar nicht anberS? 

SlnbreaS. ®u weißt bodh, id) barf nidht fehlen. 

Sulia. Unter feinen Umftänben? 

SnbreaS. Seiber nicht. 

Sulia. Stunbenu Slber merf wohl auf: feßt 

ift eS hetib oeun, um ein SSiertel auf sehn mußt bu 
wieber hier fein. 

SlnbreaS. Sch werbe mein SJtöglidhfteS tun. 

Sulia. Sdh loffe feine ©ntfdhulbigungen gelten. 

SlnbreaS (lieBeOoK gutmütbig, boef) öeriueifenb'. Snlia — 
Sulia (f^enfioft m (äuftab): S(h b’dtc Sh^icn^ oerheiraten 
©ie fi(h nicht. 

Sulia (auffobrenb). 35Sie — wie — wie? (©tettt ficb 
bor ibn.t SöaS hoft bu ba gefagt? SBagft bu etwa 
beine Beirat ju bereuen? 

SlnbreaS (freuubUih unb gulntiUbig lacbenb.) Stein — 
nein! Seßt aber fort! 

Sulio. 35itte mich um SSergeihung — fchneE 
— mit einem ^uß! 


StnbreaS («ip f« auf bie <s«rn). ®u ^inb! 

Sulia (ruft hinaus). S!erefa! — §ut unb i^els für 
ben §errn. ©ott! SBie falt! (^omtnt gurM.) Unb jeßt 
fängt eS on gu fdhneien|! — ®u nimmft bodh ben 
SEßagen? 

®erefa. (Mt §ut unb ^ßelg burCh ben §intergrunb.) 

Sulia. (§itft StnbreaS ben Sßelj ongiefien, bann gu (Suftab.) 
Unb (Sie bleiben unb leiften mir ©efeEf^aft bis SlnbreaS 
Wieberfommt — nidht waßr? (©uftab berbeugtfid) änftimtnenb.) 

SlnbreaS (gu Sutia^. SBaS treibt $änS^en? 

®erefa. ©r fßielt im ©dhranfgimmer. 

StnbreaS (gieht bte §anbf^uhe an), ©r muß feine 
Slufgaben noch lernen. _(3u ©uftab.) SSergeißen ©ie, 
fßetati, wir beßanbeln ©ie wirflidh wie einen alten 
g^reunb. ©eßen ©ie, ßier ftnb ©igarren — raudßen ©ie. 
(9ieid)t ihnt bie ^panb.) SSenn ©ie fidß Unterhalten, finbe idß 
©ie woßl noch bei meiner Stütffeßr. 

Sulia. Set, fa, idß laffe ißn nidßt früßer fort. 
Stber fomm fdßneE gurüd, benn ^elati ift gefährlidß. 

©uftao (feferghaft. 23oEen ©ie, baß idß geße? 

SlnbreaS. mtf SSieberfeßen benn. - (St6.) 

Sulia (begleitet ißn bis an bie 2ür). Stimm ben SSogen.' 
®en ©tod — hier. (®reßt fieß um unb geluaßrt Kerefa, bie 
nodß immer am Süfeß befdjnftigt ift, gu biefer.) Saß nur, laß! 
®aS fannft bu fßäter modhen. ^oß nur auf, baß §anS 
feine Slufgoben lernt. (Xerefa ab.) 

gfblte 3, 

Julia, ©uftab. (©ßöter) iEerefa (unb) Tbans. 

Sulio (bleibteinenStugenblitf auf berScßtbelle fteßen, bis Serefa 
fieß entfernt ßat, tnirft bann einen IBliif ßinauS, um gong fießer gu fein, 
darauf fcßließt fie borfießtig bie Xßfir, ftiirgt fcßnell auf 45uftab gu, 
ber, auf ben Stamin geftüßt, fteßen gebiieben ift, unb fcßlingt beibe 

Strme um feinen §alS'. 

©uftao (fudßt fidß fonft bon ißr los gu madßen). Stimm 
bid) in Sldßt ^ wenn femanb fäme. 

Snlia. ©S ift io niemanb bo. Söft bie Umarmung 
ein toenig auf ©uftabS (Drängen, bleibt aber bor ißm fteßen, mäßrenb 
ißre Strme auf feinen ©^ultern rußen unb ff)ri(ßt leife unb gdrtliiß gu 

ißm.) SBie haft bu mich überrafeßt! . . SBie wunberfam 
ßaft bu midi) überrafdht! Sdß ßobe bieß Slbenb 
nießt erwartet! 

©uftao (madßt biefelbe Selnegung toie oben.) 

Sulia (entfernt fieß ein loenig melandßolifdß bon ißm). S*h 

langweile bieß? Sdß langweile bitß. 

©uftao. Stein, ©eliebte . . . aber fcßtießlich . . , man 
brautßt bodh dU(ß nid)t mit ber ©efaßr gu fpielen. (©eßt 
fieß in einen Seßnftußl neben bem Jtomin.) 

Sulia (bleibt mit bem DlüdEen gegen ben Äamin fteßen, 
bemütig.) ©efoßr? ©S ift fo gar feiue ©efaßr . . . Unb 
bis jeßt ßaft bu wenig banoeß gefragt. 

©uftao. Um fo notwenbiger, baß idß anfonge oer» 
nünftig gu werbeu. 

Sulia (bertoirrt unb ein toenig beleibigtV ®U liebft micß 
alfo uidßt meßr? 

©uftao. ® 0 (ß, bodß, — idß liebe bidß unb werbe 
bi(ß immer lieben. — ^ber wenn id) bir nun eines 
Soges fagte: Sulio, wir müffen unS trennen unb ein» 
faeß wieber bie guten g’i^eunbe werben, bie wir einft 
gewefen — fo würbe i^ bieß oueß on jenem Sage nodß 
lieben wie heute, wie in ber ©tunbe, ba bn mein ge» 
worben . . unb bu müßteft mir glouben ... 

Sulia (erregt, beftürgt, feierlicß). Sdß Würbe bir nur 
bann glauben, wenn idß on jenem Sage audß bidß nießt 

meßr liebte! ('fSaufe.) (Sie ftößt einen tiefen ©eufger ouS, 
fäßrt mit ber §nub über bie Stugen, toie toenu fie eine ßdßlidße 
aSifion berjogen moüte, läuft bonn on bie Sür im §intergtunbe 
— öffnet fie — mirft einen Blidt ßinouS — fdßließt fie mieber forg» 
fällig — feßiebt bann f^nett einen Seßnftußl on ©uftob ßeran, feßt 
fidß bor ißn ßin, blicli ißm unbertoont inS ©efießt unb lagt bann 

ängftli^, mit krönen in ber ©timme): SBeSßalb fßricßft bu 


9?r. 2 


®as SKagajltt füt; Sifietahtr. 


27 


0 gu mir? — fagft bu mir bieS alffeS? ©|)rt(^, 

ag mir§, ©uftaü! — |ag mir^! 

@u[tat). Um 2)idb gut aSernunft §u bringen... 
bamit bu bir ein für aUe fKal über beine . . . über unfere 
Sage Uar wirft. 

Sulia. Quält fie bidf)?... Sift bu i^rer über» 
brüfftg? . . . SöiEft bu i^r ein @nbe mactiett? (©prid^t gegen 
6en ©Ätub btn lauter.) 

©uftaü (ftebt auf uub gebietet ibr energifcb Stube), ©fft! 

— Um ®otte§ wißen! 

$ 5 ulia (enttäufebt). 2ßie ängfttidi) bu beute 3lbenb bift. 

©uftan. ®aran finb beine 2!orl)eiten fd)ulb! 
Stebenfe bocfi . . . bein aKann wor noch auf ber J^rebpe . . . 
S^erefa war faum gum gimmer f)imtu§ — itub bu fäßft 
mir fdbott um ben $al§. — SBüre er umgefet)rt, fo warft 
bu nerloren gewefen — 23äre_ fie noct) einmal gurüü» 
gefommen, fo wäre e§ um beine 3lul]e gef^eben ge= 
wefen, ober wenigften§ wären wir ber Säcberlidbfeit 
breisgegeben. 

Sulia (fiebtibnbüttSeftürgungftarran). ©uftaü! (^aufe.) 
(®arauf ernft, furebtfant, gteid) tute bor einer fttöbiidben ©ntbeefung.) 

®ie ^ngft bor ber ©efabr, in ber icb fdiwebe, 
unb bie §urcbt, in ben Stugen eines ©ienftboten läcber» 
li(b gu werben , befeelen bitb in gleichem SEabe! . . 
(ftebt auf.) ®u bemb^ifi! Wi^b in bem Semüben biib 
gu oerftellen, fagft bu bie furibtbarften ®inge! (fpaufe.) 
(Sie geilt an ben ©oeifctififi, fefet ficb auf einen ©tutjl, ftü^t bie 
©ttenbogen auf ben Sifd) nnb birgt ba§ (Sefilbt in ben t^änben.) 

©uftati (fiebttieb örgerlicb, ftredt fidb in bem Seljnftubl au§, 
giebt ein ®igarren»®tui au§ ber Saftbe unb 5 finbet ficb eine Zigarette 
an), (tpaufe). , Siebfte . . . bu begreifft nicht . . . 

'Sulia (unterbridit itjn). ©jbweig, fcbweigü — bu 
baft gang ffteebt, itb begreife nidbtS; ... bu maebft mich 
wabnfinnig. (tßaufe.) iOiein ©ott! atiein ©ottü Unb 
icb gtöubte, bu feieft gefommen, um mir beute Slbeub 
bureb beinen S^efuib eine f^eeube gu moeben. 

©uftaO (maibt eine gelangtueilte ©eberbe, erbebt ficb, ftcHt 
ficb tnit bem StücEen gegen ben ^arnin unb fährt fort gu raneben). 

Sulia (brebt fiib um, blidt tbn einen StugenblicE an, ftebt 
bann auf unb fteUt ficb bor ibn). ©uftao, fag mir bie SSahrbeit! 
SaS ift bir begegnet? SBir bübeu unS feit gwei Sagen 
nicht gefeben. Sft irgenb etwas gefebeben? . . . §aft bu 
aSerbrü^ gehabt? Sft bir nicht wohl? — @ag mivS . . . 
Slber ich büt feibulb baran, ni^t wahr? — ^ift 
bu fchlecbter Saune? — llann ich bafür? ©prid) 
©uftao! (©ie umarmt ibn, er Inebrtibr ein toenig ab). _ ateill . . 
i(b rühre bicb nicht an . . . ©ieh . . . mau fönnte unS 
feilen . . fo . . • nicht wahr? — Slber fag mir, fag mir, 
was gefdbeben ift?... Sch oergebe bir afleS.^ — Sd) 
Weiü wol, bu helft ©efebäfte.. unb oielleicbt audb 
58erbru^ ? 

©uftao. ateiu, nein, nein, mir ift nichts. 

Sulia. ®0(b — boeb — bu bift fchlecbter Saune. 

— SBißft bu geben? — Sereueft bu, baü bu gefommen bift? 
äßillft W wteber fort? S3ir feben uns morgen^ — 
morgen ift aüeS wieber gut — fieb mich au. — SBillft bu 

©uftao. (Schief ft bu midb fort? 

Sulia (febnett unb gärtlidb). ateiu! (faht feine beiben §änbe.) 
Sch fürchte, bicb gu quälen ... ich fürchte, bah bu mir 
noch mehr fcblimme Singe fagft, wenn bu hier bleibft, 
Singe, bie mir wel) täten .... unb gang gwecfloS .... 
weit ich fte bir ja boeb oergeiben mühte!... Senn ich 
febe, bah t^ur fcblecbter Saune bift, weiter nichts! — 
aiiorgen bift bu wieber ber alte ©uftao. — — (Stimmt 
ibm bie (Zigarette au§_ bem SWunbe unb toirft fie inS geuer, bann 

umarmt fie ibn.) Söie? 

©uftao (brängt fie gurfiij unb beutet nach ber 3)ür); 
(Schon wteber! 

Sulia. aJein, nein, ich ttidbt an 


wenn bu nicht wiEft . . . ©eftel), bah ^>it oerbriehlich unb 
fchlecbter Saune bift. Sih bitte bicb, geftebe eS! Sch 
wäre fo gtücftich, wenn bu eS gugeben woEteft! SaS 
würbe mir oEeS erf lären. 

©uftao (eutfemt fiCb Dom ®amin, um Sulia gu entgehen 
unb Beginnt im Simmer ouf unb ab ju geben). 

Sulia (Bleibt fteben, ba§ ©efiebt bem ©pieget äugetoenbet 
unb berfotgt ouf biefe äßeife ®uftab§ Setoegungeni. 

©uftao. ^eiliger ©ott! 2Bie bu aEeS übertreibft! 
2ßie bu gleich ©efpenfter fiebft! 3öaS höbe ich bir benn 
fchliehlich gefügt?— aiur waS oernünftigift! SSeSbalb fönnt 
ihr thronen, bie ihr ein fo oiel ftärfereS ©mpfinbungS» 
oermögen — ein fo oiel feineres gcirtgefübl befiht olS 
wir 3Ränner> — weshalb fönnt ihr guweilen abfotnt 
nicht gum rihtigen aSerftänbnih einer Sache gelangen! — 
So oermögen Sie gum SSeifpiel nicht gu begreifen, bah 
ich iu Sb^'cut §aufe, im $aufe Sbi'c^ ©atten, nidhtS 
anbereS für Sie fein fann als g^reunb! — SBie muh 
eS bem ©ewiffen eines ehrlichen fEianneS wiberftreben, 
jenen anbern fDiann bwi'/ unter feinem eigenen Sache 
gu betrügen! SieS aEeS empört mich! 

Sulia (ohne fidh umgutoenben). Seit Wann? 

©uftao (erregt.) <Seit immer! Sch bube eS wäbrenb 

ber erften geit unferer aHegiebungen oergeffen fönnen 

als bie Seibenfehaft mich biugerth — feht feboch nicht 
mehr. Sch bube eS ^bueu gefagt — eS ift geit, 
oernünftig gu überlegen — unb ich überlege. 

Sulia. Unb Sie lügen! — (©ie breifit fich um.) Qh! 
2Bie (Sie lügen! Unb Sie woEen mir oon gbffui ehrlichen 
(Sewiffett rebeu? .... SSelcheS ©ewiffen? . . . aSelche 
©brlictifeit? .... SBiffen Sie, weldbeS bie wahre, bie 
eingige ©hrfich^^ii wäre? — 2Kir gu fagen: „Sch liebe 
bicb nicht mehr!" obneSüge, ohne Heuchelei! . . . Senn 
Sie lieben mich uicht mehr! ... Sch oerftebe eS, ich bW' 
ftebe eS leiber nur aEgu wol! — Seit einiger geit finb 
Sie oeränbert, gang oeränbert . . . . Slber'alS ich (Sie 
beute aibenb eintreten fal) unb ben ©runb Sb^c^ 35e» 
fucheS erfuhr, wuhte ich fofort, bah uur um einen 
aSorwanb bunbelle, benn ich tueih ja, bah ®te nicht ernft» 
lieh um Sbi’en a3ruber beforgt finb . . . unb ich uiar 
gtücftich unb glaubte, bah wieber ber ©uftao oon 
einft geworben . . . unb fiel Sbuen um ben $alS! . . . 
a?un ja — eS war ein aSorwanb — um gu fommen unb 
Slbfcbieb oon mir gu nehmen. (Sauge qsoufe.) <Sie antworten 
nicht. §aben Sie nichts gu ontworten? 

©uftao (^ciubet fich eine gioeite ©igarette an). SßaS foE 
ich auf Sbr'e SoEbeiten antworten? 

Sutio. Stuf meine SoEbeiten! — Set, ja! 

©uftao. SßelcheS Etecht beeiden fie, an meinen 
SBorten gu g weifein? 

Sulia. Slber beiKflCt^ ®dit! ESerlangen Sie bod| 
nidbt oon mir, bah f© Slü'£ 5fälte, Sb^'c Umfebr burch 
ein plöhlicheS ©rwachen Sbt^eS ©ewiffenS erfläre — burch 
eine plöhliihe (Sorge um meinen ©atten. 

Serefa 'erfchetut auf ber ©chluette ber ©ingangsthür im 
§intergruub). ©näbige f^rau. 

Sulia (nimmt fi^ gufammen). 353aS giebtS ? 

Serefa. @S ift fchon nach tteün. 

Sulia. atun unb — ? 

Serefa. SoE ich ^änSchen nicht fchlafen legen? 

Sulia. Selbftoerftänblich. $at er gelernt? 

Serefa. ©in wenig. 

Sulia. SaS macht nichts. ©S ift fchon fpät — 

bring ihn gu Seit. — (Serefa oB. — qjaufe.) Sulia ift giem» 
Itc^ erregt, tnad)t einige (Schritte burii^^ gintmer, ftnft bann fraftlo^ 
in einen 2el§nflup. — (Suftab ift toieber^ an ben ^amin gegangen 
unb bleibt bürt ftel^en. ^te ^üre be§ $intergrunbe§ inirb bon neuem 
geöffnet, unb iierefa tritt mit §an§ an ber §anb ein. — Mia 
f^ritft gufammen. .Serefa bleibt auf ber 0(^meEe fteben. §an§ 
fümmt nach barne — ^ulia umarmt unb fü^t ibn.) 


% • • 


28 


®a§ SWagajin für Sitterotur. 


9Jr. 2 


Sitlta. @ute mein Meiner ©c^a^! (§an§toiE 
toieberaü.) ©agft bu ^errn 93elati nid^t gute 9Ja(^tV 

§an§ (nä^eri fid^ ©uftaü, ber fte^ gu tüm üerabbeugt unb 
il^n fügt. ®ann gelft er an bie ©ingangätür, wo 2:erefo wieber feine 
^anb nintnil, mit it^m abgeljt unb bie Süre pnter fic^ fcgiicgt). 

Sulia (bleibt figen unb fagt nad) einer langen 5ßaufe, o^ne 
©uftab anpfe|en): SÖeun iä) bebenfe, bo^ es eine 3fit gub, 
roo bu eiferfüc|tig auf meinen äRonn roorft! ®enn id^ befafe 
ftets bie Sugenb — ober idt) f)atte bieimei^r baS ©littf, 
il^n nii|t gu Ifaffen, mie e§ nnbere grauen tun, bie 
einen ©eliebien Staben. — @ie fjaffen ben hatten, ner= 
nod^Iäffigen i^n unb belfanbeln if)n fd^led^t! - gdb 
nid^t! — @r ift gut — er ift brau, er liebt mic^ — 
unb er ift ber SSater meines Knaben! — i^ube il)n 
nie fo eigentlidi) geliebt .... uub bai^er mürbe eS mir 
bießeid)t uicl)t ft^mer, ibu gern gu haben mie einen guten 
greunb, unb als fgäter au$ in mir baS 3Serlangen er= 
machte, gu lieben, ba bin ich trohbem für i^n eine gute 
liebebolle ©attin geblieben. — S)u marft eiferfüdi)tig auf 
meine (Sorgfalt für ilfn, auf meine fteten Stufmerffom» 
feiten. S)u batteft ben 3Jfut, meine ßiebe gu begmeifetu, 
unb bu boft c§ mir gefagt, meil eS bir uumöglidf 
fcbien, ba^ icb bie S'föbe eines anberen SKanneS ertragen 
fonnte, mabrenb icb liebte! 

©U ft ab (^at fid£) in bm ßebuftugi neben bem itaniinfeuer 
gefegt). 

gulia wenbet geg na(^ tfim gin, fie fdbiebt i^ren Sebnftubl 
neben ben feinen unb fä^rt jürtlidg fort . ©rinnerft bu bi^ 

nodb nuferer ©efpräcbe bou bamalSV 3db fagte 
bir: ©uftab, idb liebe bidb, unb meine Siebe gu bir 
macht mtdb gut, bulbfam, flug .... ja, flug, meil ich 
bicb nicht berlieren miE; meil ich fein miE fürs 
gange Sehen. 3Benn i(^ S:orbeiten beginge, menn i(b 
ihn argmöbnifcb machte, menn er an mtr gmeifette unb 
anfinge mir nacbgufpäben, fo märe unfere Efube ba» 
bin! . . . ®ie ©efobr mürbe bi(| bieEeidht bon mir fort» 
treiben . . . unb menn er aEeS erführe — maS mürbe 
bann auS mir? go, ja, i(^ mei^, bn bift gut, bu bift 
ebrenboft, bu mürbeft mich nidht berlaffen hciben. 5lber 
fönnte beine Siebe baS überleben? ®ie Siebe, bie ich 
fo groß, fo unenblich miE, ohne Sorgen, ohne S(|atten, 
molfenloS unb beiter — eine Siebe, bie beine ©arriere 
nid)t gefäbrben, beine ©jifteng nicht ternidtten foE? 
Sßürbe ich nidht eines S!ageS beine Eteue feben? — 
ga, ©uftao, biefer ©ebanfe flößte mir ©ntfeßen ein, 
machte midh febaubern! . . . ©iefer ©ebanfe, bi^ bur(^ 
meine eigene Sebulb oerliereit gu fönnen, gab mir 
bie Ifraft mich gu beberrfchen, in feinen Elugen 
eine gute ©attin gu fein! — (Umormt tgn.) SBeißt^n 
noch? 3dh übergeugte bicb nnb nufere ESerbanblungen 
enbigten mit einem Sfuß! — Siebft bu mi(b nidtt mehr? 
Siebft bu mich nicht mehr? ©uftao! . . . ©uftaü? 

(©rauben ertönt bie eIeWrifd[je Stttngel. — Sulia rüttelt fieß auf. 
Wirft einen SBiief naeg ber ©ür, brüeft bann einen leibenfctjafilichen 
^l’nb auf @uftao§ Siggen, entfernt fiel) barauf fibnett bon ihnt unb 
erringt ihre gaffung wieber.f (Slnbreal tritt ein.) 


§!me 4. 

Dorige. Jtnbreas. 

81-nbreaS. 28aS für eine J^älte! 2Bir hoben min» 
i)eftenS„5 ©rab unter ilfuE. 

©uftao (ftegt auf). Schneit eS? 

EfnbreaS. ©ang menig. (gn Suiia.) Sin ich pünft» 
feine iigr). 9 Uhr 20 SRinuten. 

Sulia. güuf fUfinuten gu fpot. 

©uftao. ®iefe fünf SRinnten foEen Sboco oadh» 
gefeben merben. 

9lnbreaS. SorouSgefeßt, baß bie grauen 9fad)fidht 
fennen! (gn ©uftao.) Sßiffen Sie, ich höbe bereits mit 


meinen ©rfunbigungen begonnen. — SiS feßt nießts 
5|JofitioeS. 

©uftao. Sefteu ®anf; aber ieß möcßte Sie nießt 
beläftigen, Sßnen feine Ungclegenbeiten motßen, — 
benn icß bin übergeugt, baß btS feßt nießts ©rnfteS 
oorliegt. ' 

SinbreaS (in leidster äSerlegenbeit). D, ber 3lnfidht 
bin auch idh! • • • 9lber geßen Sie fißon? EBoEen Sie 
benn nießt ben $ee mit unS trtnfen? 

Sulia (ftegt ouf). Seß habe ißn f(ßon aufgeforbert, 
aber er beßauptet, für ßalb geßn lißr eine Serabrebung 
gu haben, ©r moEte gerabe geben unb bann märe icß 
gang aEein gemefen. _ (gn ©uftab): SBann moEen Sie 
übrigens mit unS fpeifen? SßieEeiclit übermorgen — 
(Sonntag? - 3fn ben übrigen Xagen miffen mir nämlidh 
nie, mann mir gum ©ffen fommen — megen ber 
©ef(ßäfte meines ÜJfanneS. 

ElnbreaS. 3Bir ermarten Sie olfo. 

©uftao. 2fber . . . 

Sulia. Sringen Sie Sfionticelli mit; er ift ein 
fbmpatbifdher junger SRenfeß, nießt maßr SlnbreaS? 

^nbreaS rriebt ©uftao bie §anb). Um halb fteben. 
Sie unb Shi' greunb unb SociuS. Sie miffen ja, bie 
greunbe unferer greunbe . . . 

©uftao. )pergließen ®anf, aber eS tut mir außer» 
orbentließ leib — icß muß morgen auf einige Sage oer» 
reifen. 

Sltlia (ein Wenig erfebroefen, belferrfe^^t fieb jeboeb). S)ß — 
boS finb nur EluSreben. 

©uftao. Slfeinen Sie? Stß ßabe einen Srogeß am 
©affationSßofe in S!nrin. 

Sulia. Söirfließ? — ®ann alfo, menn Sie gurüef 
fommen. 

SlnbreaS. 2öir gäßlen mit Seftimmtßeit auf Sie. 

©uftao. Saufenb ©auf! (©rüctt Sulio bie $onb). 
©näbige grau . . . (®rüdt ancb älnbreaS, ber ibn begleitet, bie 
§onb). ©Uten Elbenb. (sio.) 

gfcnc 5, 

Oorige (ohne) ©nflao. (©pater) iEercfa. 

ElnbreaS (towntt aus bent äSorjintmer gnrüet). ®U ßäft 
ißn nießt mit einer Silbe aufgeforbert hier gu bleiben 

Sulia. Seß batte ißm ja feßon gefagt: menn mein 
SRann gurüeffommt, trinfen mir Zee. ©r batte bereits eine 
Serabrebuiig. ^ber oielleießt maren baS nur ^iiSßüeßte; 
er mirb fieß gelangmeilt haben ... er mar ja feßon eine 
(Stunbe hier. 

SfnbreaS. S(ß moEte ißm nämlidh fagen... 

Sulia. aSaS? 

WnbreaS. 33on feinem trüber 

Sulia. §aft bu eS ißm benn nießt gefagt? 

SfnbreaS. 3foeß etmaS anbereS... 

Sulia. ©tmaS ©rnfteS? 

3tn b r e a S. Unb mie ! . . ©S ift, bie gemagtefte Spefulation, 
auf bie er fieß eingelaffen! ®ie 3[uSfießten für ben Ultimo 
finb feine guten. 3leß nein, mobrließ nießt! — S(ß hmßte 
feßen baoon — 

Sulia. O, ber Slermfte! Slber bu ßätteft eS ißm 
fagen müffen. 

SlnbreaS. Seß hatte nießt ben 3Jfut bagu 

SBeißt bn, ieß moEte ißn oorbeveiten . . . menn er ßier 
geblieben märe. — UeberbieS merbe ieß morgen ESorforge 
treffen müffen. gür oEe gäEe ßabe ieß fofort iUfoß» 
regeln ergriffen: Sdß fonn liefern. 

Sulia (boE Sntereffe). ®U? 

ÄubreaS Sa! 

Sulia. Unb felbft ein Elifico eingeßen? 

SfnbreaS. E^ein, nein, ieß meiß eine girma. 



2 


®aS SKogajin fär Sitlecotut. 


29 


3ulia. 311), bag ift etwas anbereS. S)emi wei^t 
bit, bafe bu ben Sritber warnft, ift gong in ber Drbnung 
. . . aber jid) fetbft in @efal)r begeben . . . 

3tnbrea§ (ädriu*). f^wtc^te nichts! — ©dbtäft 
§onS fdtion? 

Sutin. 3a! 

3lnbreaS. 3d) lege wid^ ebenfadS fd)tafen. — 
©iefeS fencf)te SBetter ... 

SitUa. 3a/ if>/ gleict). 

SlnbreaS. unb bann wid id) morgen geitig auf» 
ftet)en. 3d) mufe nadt) @enua. 

3itlia. ftiad^ ©enuaV 
StnbreaS. 3a. 

3ulia. 33teibft bn lange fort? 

SlnbreaS. 9^ur einen ^Sag. 3d^ fai^i'e ac^t 
Ut)r unb bin morgen 3lbenb wieber tjier. 

3ulia. Sei biefer Ifiälte? Unb bu bift olfnef)in nidt)t 
wol. ©dfiicfe bod^ jemanb Ijin, 

SlnbreaS. Unmögli(^, mein l?inb. 

3ulia. Sann muß idi morgen o^ne bidt) gu fOlittag 
fpeifen? 

SlnbreaS (gärtlicb). Sebenfe, ba^ idi) oline bid^ 
unb ^dnSd^en fpeifen mu^. 

3utia. S)aS tut mir leib. — (läutet.) ®e^ alfo gteid§ 

fdjlafen unb lieS nidt)t loieber ftnnbenlang wie gewöl^fitict). 
>3:erefa tritt ein.) 

3itlia (p %ete\a). Sreniit baS f^^ner im ©d)laf» 
g immer? 

S!erefa. 3a, gnSbige g^ran. 

SlnbreaS. SBetfen Sie mic^ morgen fritf) um fectiS. 

i!J!ere[a gei^t ab.) 

gortfe^ung folgt. 



nttep«nf(t)e C^vonif. 


clQeue lieft et. 

(Srnft SSic^ett l^at foeben einen neuen D^loman „§err bon 
boEenbet, ber inx Saufe ht§> ^ar)te§ in einer Qeitfij^rift unb 
bann al§ 33ud^ evfcfieinen toirb. ^erfelbe befij^äftigt fid^ mit bem 
gibeifommi§==©tiftung§n)efen 


(^in neuer D^oman bon SöUl^elm O^iaabe „totmann^ Oieifen" 
ift bei €). Sanfe, ^Berlin, erfd^ienen. 


Sn ^ecIanxS Uxxiberfalbibliotl^ef erfd^ienen: ,,'2)ie neue 
^rauerfbiel in 5 Sfufgügen bon O^ic^arb 3So^; ,,^er ©lüdtftifter/' 
^rama in 4 tofgügen bon §an§ Olben. 


(Soeben berlaffen bie ^orreftxxrbogen eine§ ^ud^e§ bon Söalflet) 
bie ^reffe* einem jungen Sonboner ^ritifer, ber fid^ neben 3trc^er 
^orfümbfer einer litterarifd^en 2ßiebergeburt (Snglanb^ feit 
einiger geit bemerkbar gemacht l^at. Sn ber SSorrebe nennt fidt) 
5ßalf(eb einexx begeiftetten (Schüler Sule§ Semaitreg, ben er at§ oen 
eeften ^eitgenöffif^en ^ritifer b^^eift unb beffen S^et^obe er, ein toenig 
bebantifcf), fopirt. SSatflet) bergi^t (toie auep beutfe^e gutmeinenbe, 
aber naibe 5ipoIogeten be§ ^toeifcEoö geiftboEen frangöfifepen Sm** 
preffioniftexx), bafe ein gut ber fogenannten H)^etf)obe Semaitre^ 
®igenlpeit ber franko ftfepen (Sprad)e ift ^a§> ift Xoeber ixix fDeutfepen 
noep im (^nglifcpen nac^gubilben. „^tappoufe Smpreffion^" pei^t 
3ßalflep§ 0axnmlung bon ^ritifen. SSalftep ift in ^mglanb eine 
(Scptoolbe, bie gtoar noep feinen «Sommer mai^t, aber ipn boE) an^ 
fünbigt 


Sn biefem 3Binter noep Xoirb ein Xoeitere^ StüE bon Sbfen 
frangöfifdp erfdpeinen: ^ie grau bom EXteere, uxxter bexxx Xitel ,,la 
temme de la Iner^ bei Stlbert Sabine in ^ari§. 


gerner erfepeixxt nodp ixn Sßinter ber neue D^oman bon Süpponfe 
X)aubet ..La qiiesfion des enfants'* bei gtammarion, unb „Xa§ 
(i)oIb" bon Xolftoi xnit einem ^orxoort bon 
gfamnxarion, beggteiEjen ein bon bem berüpmten kftronomen 
Kamille gtammarion geleitetet ^onberfationttegifon bei 
gtammarion. 


^on bem fürgtidp berftorbenen (^eneratbireftor ber ftäbtifi^en 
33auten Sttppaxxb erfdpeinen ,,les rapports officiels sur Fexposition 
de 1889‘t unb gXoar 1 33anb Xegt unb 2 33äxxbe Xafetn. 

^rnmutifcBe ^uff uDtungen* 

SBenn einmat bie potigeitiepe Xpeatergenfur aufgepört paben 
Xoirb gu fein, Xoirb bot bertiner Oftenbtpeater ein reifet fRepertoir 
bon berboten geXoefenen StüEen paben. X)at neuefte ^otigeiberbot 
an biefer 93üpne ift ein fogiatet Xrama in 5 Elften ,,(^in Sbot" 
bon ftUExarb bon §artXoig, Xueti^et bat tragifdpe SE)iEfat ger== 
binanb SaffaEet bepanbelt - Uebrigent pat bat Oftenbtpeater Iro^ 
aEem feinen iRobitdtenxnanget. Xie nöcpfte S^eupeit xoirb ein ^otft== 
ftüE bon Sttfreb SdpmafoXo „Xer 9iettuxxgtbaE" fein. Xat mirb 
nid^t berboten Xoerben. 


Sn bem bon ber ©enoffenfdpaft beutfdper 93üpxxenangepöriger 
perautgegebenen „Xpeater==5umanadp für bat Sapr 1892" giebt 
Dr. ©eorg ©Einger, ein begeifterter feitbenbrudpfdpxoürmer, eine fepr 
autfüprti^e SnpatttbarfteEung bon Sßitbenbrudpt neuem SRördpen^* 
fpiet „Xat peitige Sadpen", bat „bat beutfi^e Suftfpiet aut einer 
geXoiffen (Snge bet (Sefidpttfreifet perautgugiepen" berufen fei. §offent^ 
iidp xft bietmat bie Snpatttang abe bom Xidpter outorinrt unb poffent== 
tiE) berupt bat gXoar etxoat bunfte, aber Xounberbare Sob auf größerer 
Sadpfenntnit att ber Xabet einet fepr eitigen ^ritifert, ber 
bat StüE gXoar nidpt fannte, aber et mipiEigte. (S. greie 33üpne, 
3^r. 49 bom 9. Xegember, S. 1209.) 


Sßie bie paEenfer Sungen gXoitfipern, fo fuxxgen jept bie biete^ 
fetber Sttten. 5tucp fie proteftiren gegen bie 2tufuprung bon §er^ 
xxxann Subermannt „Sobomt (^nbe". @efüprt bon bem 
fRebafteur Sange ber 9^euen Söeftfölifdpen 33otftgeitung unb bem 
^aftor S^fraut, gxoei (^prenmännern bei* bunf elften Sdpattirung, 
patte fiep ein fteinet Häuflein StiEer im Sanbe gur ^roteftberfammtung 
eingefunben. Xer reine §ximor biefet ^oxxbentifett U)urbe teiber 
burep bie böfexx Sogiatbemofraten geftört. Sie fprengten bie 
famxntung unter Sörxnen unb Sopten. ^rft in einer fpöteren intimexx 
gufamxnenfxxnft fonnte bie fRefotution angenommen Xoerben, fo ba 
^erXoaprung eintegte gegen ben frebten Xidpter, ber an ben ERuEer=* 
geXoiffen gu rütteln Xoagt. Stber fetbft in biefer SSereixxigung gteiep^^ 
geftimmter Seelen fonnte feine (^inftimmigfeit ergiett xoeroen; et 
Xoaren einige ba, bie bie bietefetber SRorat für Xoiberftanbtföpig genug 
pietten, um Sobomt @nbe gu überleben, ^erberbte Sßelt ~ ber=^ 
berbtet 23ielefelb! 


Xie ^rftauffüprung bon Sopann Straufx Oper „fRitter 
^agman" — Xiiptung bon SubXoig Xoegp bei fo biete ySor^= 
befpreepungen unb pödpft gefpannte (^rXoartungen borangegangen 
Xoaren, ift am $Reujaprttage in ber Xoiener §ofoper erfolgt unb pat 
erXoiefen, bap ber 5föalgerfönig immer noep SSalger fepreiben fann. 
^in Balger im 2. 3tft, ein gangei, edpter Sopann Strauß, foE ein 
SßSunber bon einem SBalger 'fein. 31ber Xoarum bagu eine grope 
Oper, SReifter Straup? ______ 


(Sin neuet StüE bon bem Xänen Otto 33engoxx (xnit beffdn 
fatirifipem Sdpaufpiel „(Sin SfanbaF' bie benfXoürbige Äera 51nno 
bet berliner Oiefibeng Xpeatert am 30. Sluguft 1884 begann), bat 
ben pprafenpaften axxtibeutfEjen ^atriotitmut’ber pöperexx feourgeoifie 
feparf geipelt, unb Xoegexx feiner Xenbeng bom fönigliE)en Xpeater in 
^openpagen trop ber gürfpraEje bet feitper beifloffenexx ^^ultut^^ 
minifteit Scabeniut abgelepnt Xoorben Xoar, pat im golfetpeater, 
bemfelbexx, bat audp Subernmxxnt „(Spie" bor einem Sopie boi bat 
bönifepe ^iiblifum braepte, einen bemonftratiben (Sifolg gepabt. ©t 
peipt „Xie Spoittmänxxei^ 


Sm Cliateau d’Laii gab et ein Xiama mit aftuellftei Sgexxeiie: 
„Les Marins du J an-Bart** ixx 5 Elften unb 8 Silbern bonSolXj 
unb (Spin El olle, bem befannten Sofalreportei bet gigaro unb (Sr=^ 
finbei ber . Boulanut“. Saxxbung frangöfifeper SRatro'fexx in Sfrons^ 
ftabt, mit 9JiarfeiEaife xxnb ruffifEfer ^pmne unb in biefem fRapmen 
eine teilt fepr alberne, teilt fepr unaxxftäxxbige 3^otgucpttgefcpiE)te. 
(Sine SSeibinbung bon O^uffoxnanie unb ^ornogioppie. Unb bat ift 
ber §uxnor ba bon. 

Sm Obeon gab man gu fRacinet @eburttta^ „VExil de 
Racine'* bon fRob'ert SSa liier, einen ^inaftei in %rfen. Xat 
StüEcpen bepaixbelt eine Siebetepifobe aut ber früpen Sugenb 
fRacinet, ba er bei feinem Onfel, bem Xomperrn Sconin in uget 
angepalten Xourbe, fxE) für bie ^riefterfipaft borgubereiten. Seixxem 
„(Seföngnit" gegenüber Xoopnt ein äRäbdpen, Sufanne, in bat fidp 
ber junge Xiepter fterblidp berliebt. Seixx greunb Sa gontaine ber== 
mittelt ein ^enbegbout, bat pöcpft xooltätig bom Onfel geftört Xoirb, 
benn ber junge (äcpxoärmer xoar, alt er bat angepimnxelte SRäbepen 
in ber fRiipe befap, p(öpliE) bon feiner Seibenfdpaft gepeilt. Xer 
Onfel giebt bann bem eingefpeirten 9^effen bie grexpeit, 9iacine 
fepifft fidp xnit Sa gontaine naep ^arit ein. 


30 


S^agagtn für ßitteratur. 


ytx. 2 


Theatre Libre gu ^ari§ gab man ein ©tüif Dan 
@eorge§ Slncat), bent „^aubtmann" btefer „freien $8ül^ne" „La 
Dupe“. ©ie „^ontöbie in 5 OTen entroEi ein ebenfo nntrafireg 
toie iniberinartig p^Iid^e^ gamilenbilb. S^Jarie SSbt b^tt pcb 
ihrer 3?lntter, einer reichen Sföiitn)e, einen 3??ann aufgb)ingen laffen, 
ben fie nicht wag, ber fchon balb nach ber §od^geit feiner jungen 
grau gegenüber fein §ehi barau§ wad^t, ba^ er fie nur ihre§ 
^elbe§ Wegen geheiratet, ba^ er nad| wie bor 33egiehungen gu feiner 
^aitreffe Saraline unterhält. & giebt bie unerquiüliihften (Sgenen 
im ^aufe Sllbert 33onnet^. 33onnet ift ber gefühlrohefte (Schuft, ben 
e§ giebt. Um feiner Maitreffe mitten unterfchlägt er bei ber ^affe, 
an ber er angeftettt, 200 ÖOO granc§, Weldje bie (Schwiegermutter 
begahlen mufe, nad^bem er feine grau auf ba§ gemeinfte gemifeh^bbelt 
hot. (Schließlich läßt fich Marie — fehleren §ergen§! — fi^eiben, 
unb TOert brrlumbt nun gang unb gar. @ang h^runtergefommen 
erfcheint er im 5. W bei feiner gefeßieaenen grau unb bettelt fie um 
300 grauet an, bie er „für (Jaroline braune"! Marie giebt bad 
Mb unb er wirb gärtlicß. „3öir fünnten un§ öfter fehn", fagt er; 
er Werbe ein gimmer mieten. Wo fie fid) ungenirt treßen fönnten, 
ab unb gm er würbe ißr immer fd)reiben. Wenn fie fommen bürfte. 
Marie Wittigt ein, obgleid^ fie Weiß, baß er fie nur wirb feßen 
Wollen, Wenn er (^elb braucht, unb ba§ 3^^tner Würbe fie fidler auch 
m begoßlen hoben. ^4ber — „boß er mir fcßriebel" feufgt fie, al§ 
ällbert gegongen. ^omit fällt ber Vorhang. 5ll§ gWifißen ben beiben 
bie groge erörtert Würbe, Wo mon fii^ treßen fönnte, rief ein gu^ 
feßouer ou§ einem ber oberen ttlänge mit treßenbem §ohn: „^atür^ 
lieh bei (^orolinel" ^o§ ift bie befte SSerurteilung eine§ Stüdi§, 
bo§ ou§ ^othologie allein gufammengefeßt ift. — "Den Sd^luß 
be§ 2lbenb§ machte eine recht luftige, mit annehmbarer ^ifanterie 
gewürgte S3lüette in SSerfen ,,Son petit Coeu‘‘ bon D^obertSSallier. 


Ißtnnmrntie Aufführungen. 

Verhört §aubtmann§ neue§ Suftfbiel nun „College 
(S^rompen" unb geßt am 16. b. M. am beutfeßen Dßeater gu 33erlin 
gnm erften Male in Sgene. 

„C^in unberufener ^^ritifer", ßuftfbiel bon Sofe (Sd^egaraß 
foll nodß in biefem Sßinter im Seßingtßeater gu 33erlin gur 5luß 
füßrung fommen. 


Da§ „9leue Dßeater" am Sd^ißbauerbamm gu 33erlin foll 
enbgiltig am 1. Sebtember b. unter ber artiftifdßen 2eitung bon 
Maj SöWenfelb erößnet Werben, unb gWar mit einer ^orftettung bon 
©oetße^ „Sbßigenie", gu weldßer bie erften Sdßaufßieler Deutfchianb§ 
gewonnen Werben fotten, für bie Ditelrotte (^ßarlotte SBolter. Damit 
aber bie SSerbinbung be§ 92üßlid)en mit bem Slngeneßmen bei bem 
neuen Snftitut nidßt bloße ^ßrafe bleibe, wirb eine beritable 33 er# 
binbung^brüife ou§ ißm gu einem benad^barten ^ierßalaft ßin# 
überfüßren. 


Dem Wiener §ofburgtßeater ßat ©mil ^oßl ein bon ißm über# 
feßie§ Stüdt be§ inbifeßen Dramatifer§ (^ubrafa^ eingereiißt, ba§ 
in ber Ueberfeßung ben Ditel „3Safantafena", im Original ben gungen# 
breeßerifeßen Ditel „Mritf^tfißhafatifam" b. ß. „ba§ DßonWägelißen" 
füßrt. 


Sm Theatre d’Art in ^ari§ Wirb bie näd^fte 33orftettung 
beg gauft bon (^ßriftoßher Morlowe fein, unb gWar alg Drama 
in 12 33ilbern unter bem Ditel „La tragique histoire du docteur 
Faustß, überfeßt bon gronQoig be 3^ion unb d^afimir 
Strßiennfi. Dagu g,iebt man „Les Flavieurs‘‘ bon ^arl bon 
Äerbergfie unb „Bäte u ivre“, bramatifd^e^ ©ebießt bon ^rtur 
fttimboub. 


l^ermifcöte#. 

Da§ befonnte „93u(ßhänbler#93örfenblatt" bringt in ber 
33eilage gur Stummer bom 30. Degember eine Slnregung, Weldße alle 
beutfeßen Sdßriftftetter intereffiren muß. ©erabe in Deutfißlanb, 
bem ^ legenboren Satibe ber Diißter unb Denfer, feßlt e§ bi§ ßeute 
on einem gefeßriebenen, ja felbft an einem geWoßnheit§re(ßtli(ßen all# 
gemeinen feerlag^recßt, b. ß. an einer gefeßli(ßen Orbnung aller 
9iedßt§berßältniffe gWifeßen 33erfaßer unb SSerleger. (Sine ^ommiffion 
beB 33örfenberein§ ber beutfeßen 33u(ßßänbler ßat nun eine foliße 
3Serlog§orbnung au^gearbeitet unb legt fie in jener Sßeilage ber 33e# 
urteilung oller ^orteten bor. So Wett eine oberfläißliiße Durdßficßt 
urteilen läßt, ßoben bie Herren ^uchßänbler nid)t allein ißre gn# 
tereßen gu waßren gefueßt, fonbern au(ß oßne Qugießung bon <S(ßrift# 
ftetter#^'orborationen etwa 50 ^ßaragrajpßen guftanbe gebraißt, Wel(ße 
gor Wol gur ©runbloge eine§ 3Serlog§gefeße§ bienen rönnen. (Sinige 
nomentli^ formelle ^enberungen Werben fidß freili(ß nießt abWeifen 
loffen. ^ 3Sir beobfi(ßtigen> in ben nädßften 3^^ummern eingelne <Sd)rift# 
ft etter über ben (Sntwurf gu iföorte fommen gu laßen. 


„Sitterarif^e 3Sariete§" finb bie neuefte (Sinriißtung be§ an 
litterarif(ßen 3lnregungen fo reii^en ^'lorben^. Der (^ebanfe bagu 
ging bon §olger Draißman, bem großen bänifißen Sßrifer, au^. 
^n feinem 1890 erfeßienenen Vornan „33erfcßrieben" ßat er ißn gum 
erften Male auSgefprod^en unb bann in 3luffäßen unb 3^^tog^# 
artifeln Weiter entwidelt. Sn „3Serf^rieben'' füßrt er etwa golgen# 
be§ au§: Da§ Sntereße be§ ßaußtftäbtifihen ^ublifum^ am Sßeater 
fei bureß eine fränfelnbe unb langweilige Defabengfunft erlaßmt. 
Da aber ber 3^rftreuung§brang borßanben, fo laufe man — Wenigften^ 
bie junge unb alte Männerwelt naiß ben 3Sariete#Dßeatern, gu 
ben 3lfrobaten unb 33atteteufen. Söenn nun ftatt ber banalen ©lieber# 
berrenfungen unb nadften 35eine ba§ gerftreuung^füd^tige ^ublifum 
in ‘biefen ^^arieteg geiftige, litterarif^e ©enüße, gWar lercßtefter, aber 
immer bod^ ebelfter 3lrt fänbe, fo Würbe e§> baburd^ Wieber gur ^unft 
geleitet, ber bloße 3^rftreuung§brang gu ^unftgefd^mad entwidtelt unb 
berebelt Werben. „Sßrif lefen," fagt Draißman, „Wollen bie Seute 
nießt, fie aber ßören, ba§ Wollen fk. Die ^elt Witt Mufif — Döne 
— ein ßieb — Sßorte, bie feßnett ergreifen, günben, fortflattern unb 
eine Stimmung ßinterlaßen". Sn gWei norbifeßen ^außtftäbten gu# 
glei(ß haben biefe Sbeen nun ißre 33erWirfli(hung gefunben. Sn 
^oßenßagen im „(Stablißement ttlotional" be§ 33ierbrauer§ unb ^unfL 
mäcen§ Sacobfen, in (Sßriftiania im Dibolitßeater, ßier unter Leitung 
^permann 33ang^, fanben am 1. Sanuar Me erften „litterarif^en 
3Sariete§ ftatt. Sn ^oßenßagen erößnete ein ftimmungg Dotter ß^rolog 
Don Dr. S. Sd^anborßß ben 3lbenb. (S§ folgte eine gange Dfeiße 
Don Deflamationen, ernften unb ßumoriftifißen Stüden au§ SSerfen 
nationaler S^riftftetter, Sieber, (Soußlet^. — 3lu§ bem reid§# 
haltigen ©ßriftianiaer Programm ßeben Wir ßerDor: ®olger 

Drawmani Prolog, gefßrowen Don Hermann 33ang; Cluibant: 
Chanson de Valentin (au§ „Diane de Lys“), in bäntfd^er Sßrad^; 
Soßann Subwig §eiberg: (Smilien§ ^ergfloßfen (im ^oftüm feiner 
3eit 1830); Sona§ Sie: 23attabe, Melobrama für ß$iano Don 0la 
Olfen (^perman 33ang' ; ^arl^ottfi^alffen: ginnlanb#33al§ ; (Sßriftiania# 
9^eDue 1892 Don §olger Sinbing: „Der bewaffnete griebe,". ©ebi(ßt 
Don 3^il§ 3Sogt, bagu Deforation ber ,,^arl#Soßann"#Straße. §ier 
Wie bort Waren bie 33ortragenben, ben Sntentionen Dra(hman§ 
entfpred^enb, meifteng Damen. Man fießt, e^ ift in beiben gatten 
eine 3lrt freier, litterarifißer ©efettfd^aft, bie fi(h ba in ben norbifjßen 
§außtftäbten aufgetan ßat, nur noeß mit einer Weiteren ^erfßeftiDe: 
man Witt ja bie große Maße ßerangießen, ba^ 3SolBleben auf ein 
erßößte^ geiftige^ unb Dor allem äftßetif^e^ 9^iDeau ßeben. „33ei 
gutem Sßitten, gutem ©riß unb etWa§ Dalent," glaubt §olger 
Drad^man, ift ber ©rfolg fießer. 


©ine Don Dr. O^Walb 0fteblid§ im Stabtßalterei#2lr0iD gu 
Snn^brud aufgefunbene Urfunbe au§ bem 15. Saßrßunbert, bie einen 
„fttiüer Don ber 3SogelWeibe" betrißt, fißeint enbgiltig jeben 3keifel 
auggufeßließen, baß SCßaltßer Don ber SSogelWetbe ein tßroler 
^inb fei, unb baß feine 3Siege auf bem „33ogelWeiber §of" bei 33urg 
SßSolfenftein geftanben. 


®erber§ ©eburt§ßau§ in Moßrungen ift nun in leßter 
Stunbe bo(ß Don einem 3lngeßörigen ber gamtlie beg Diißter^, einem 
Urenlel be^felben, bem 9iittergut§befißer ©ottfrieb Don §erber in 
9^ieber#gordißeim (Saeßfen) für ben ^rei§ Don 3000 Marf erftanben 
Worben. Einfang biefem Saßreg Wirb ber neue 33efißer gum 33efucße 
in Moßrungen eintreßen unb über bie SSerWenbung beg $äu§(ßen§ 
33eftimmungen treßen. 


3ll§ ©rbe be§ litterarifd^en 9^acßlaße§ be§ jüngft Derftorbenen 
§iftorifer§, Prälaten Sanffen, Wirb ß^rofeßor ^aftar in Snn§# 
brud, Sanffen^ unDottenbete^ ©efeßid^t^Werf beenbigen. 


Unfere neuliiße 9^otig über ben bebenfliißen ©efunbßeit^guftanb 
©uß.be MaußaffantS, ber gu Wiberfbreißenben 
naißriißten Einlaß gab, ßat fid^ leiber nur gu feßr beftätigt. Sn 
©anne§. Wo ber fwWer ©rfranfte Weilt, ßat Maubaßant in einem 
2lnfatte Don Srrfinn einen SelbftmorbDerfudq gemaißt unb fi(ß feßwere 
3Serleßungen beigebraeßt. 


Der 3^a(ßfolger 3llbert 2Solߧ in ber Dßeaterfriti! be§ ^arifer 
„gigaro" ift §enrß gouquier geworben. $enrß gouquier ift 
einer ber geiftDottften, glängenbften unb unermübliißften Sournaliften, 
Weljße bie ^arifer ^reße befißt. ©r ift ber Dielfeitigfte 33ertreter 
berjenigen (Gattung Don Sournali§mu§, bie man an ber Seine 
„chroDtque de Paris‘‘ nennt, unb bie eine fbegißf(ße ßarifer ©r# 
f(ßeinung ijt. Die „chroDique de Paris“ beßanbelt jeben ©egen# 
ftanb, ber fiiß gerabe auf ber Dage^orbnung beßnbet, fei e§ ein 
ßolitif^er, ein litterarifißer, ein Wirt'fißaftliißer, fei e^ enbliiß gar nur 
ein gefettfißaftlicßer Sfanbal ober ein Senfation^ßrogeß, inbem fie 
ben Vorfall in meßr ober minber geiftDotter 3Seife gloffirt. $enrß 
gouquier ßat in feinen chroniques ni(ßt nur einen unerfcßöbflid^en 
Sei(ßtum an geiftDotten SÖSenbungen, fonbern auiß ein f(ßier Der# 
blüßenbe^ Sßißen gegeigt. Sebe auftaud^enbe Dage^frage Weiß er 
mit brittirenben ©infätten unb mit gaßttofen ßiftorif(ßen parallelen 
gu. begleiten. Sm „gigaro" f^reibt er unter feinem 3^amen, im 


2 


H^agagtn ]nt SUtetdut:. 


31 


„%\l 93Ia§" fc|uf er bte iretblid^e chronique, Me er unter bem ^flauten 
Kolombine berf a^te uub fbäterMu, al§ er fid^ mit bem 35Ia§" 
berfeinbet, im „^d )0 be ^ari§" unter bem 3^amen (^ölomba fort^ 
fe^te. 3 m berfa^te er bie chronique unter bem 9^amen 

(^artbert; in anbern 23tättern fd^reibt er fte unter bem 3^amen 
^fteftor. gouquier^ B^tfüge 33eb)eglic^fett erlaubt il^m, täglich mel^rere 
Feuilletons 0U berfaffen, bie alle gleich forgfältig ausgearbeitet finb. 
®r belh errf dht fotool ben fbrungfaf ten, launifcben, ^erfaferten (Stit 
beS SöoulebarbflaneurS, als auch elegant bahinflie^enben, ruhig 
rhhth^^P^i^^ 5lfabemiferS. 0eit 2 fahren gehört er auch 

ber 4)ebutirten!ammer an unb hM fi^ bort burch mehrere Einträge 
unb 3 nterbeEationen 0 U (fünften ber frangöfifchen 0 ^riftftelIer be=^ 
merlbar gemacht. 

^er 3^adhfoIger §enri be SabommeraieS in ber 
beS „^pariS" ift 3ean 3uUien geworben. 


gola mirb 3bealift, SßSenn eS fein .,Le Reve“ no^ 

nidht beU)ieS, bafe eine Umb:)anblung in feinen bhÜofobh^^h^^^ 
fünftlerifdhen 3lnf Hauungen ftattgefunbem fb geht eS unloiberlegiiih 
aus 2 5leufeerungen Rb^bS h^rbor, bie ©bmonb be ©oncourt in 
feinem foeben beröffentiidhten i^agebudh bermerft hbt. 51m ^age nadh 
bem 5lbbe feiner Siiutter geftanb gola: „tiefer %oh hat eine ferefche 
gefdhbffen in ben 5lihili§muS meiner religiöfen Uebergeugungen, fb 
furdhtbar ift mir ber (^ebanfe, an eine eU)ige J^rennung glauben gu 
fotten." — Unb gan^ fürglidh fbE er auf bie Frage eines 3ournatiften 
nach feiner 5lnfidht über bie 3^tofi wnb (^nüoidfelung beS DfiomanS 
geanüobrtet hbMn, er felbft loerbe bielleicht ber Sl^ann beS 
neuen, beS ibealiftxfdhen SlomanS fein, beffen S)^orgen=^ 
röte h^reinbredhel 


3n ber lebten ©ihxtng beS Petersburger Komitees für ©lementar^* 
bilbung beridhtete ber rufftfche päbagoge 33unafoU) über ben „SSer^^ 
fudh eines 58olfStheaterS" unb führte auS, ba§ ein SSollStheater 
mit ^arfteüern unb einem publifum auS bem SSolfe unb mit bem 
SBegriffSbermögen biefeS publilumS sugänglidhen ©tüdfen auf ben 
ruffifdhen ^Dörfern ioünfdhensmert unb mögli(h fei. „3m SSoIfstheater 
müffe man bem SSoIfe namentli(h baS geben, maS ihm, bem SSolfe 
gefalle, unb ihm nicht geloaltfam baS aufsloingen, ibaS U)ir für 
nü^lich unb belehrenb für baffelbe hielten. 4)ann loürbe ein foIcqeS 

SSolfSleben* etn neues SSergnügen bon unbergleichlidh 
höherer 5lrt bringen, als eS bie bisher in jenen unteren ®ejeufchafts=» 
f^i^ten beliebten Vergnügungen finb, unb eine DUlberung ber 
(Sitten mürbe fidh als fchöner Erfolg foldher ^unftübung halb gang 
bon felbft einftetten. ®emi^ h^^l Vunafom re^t mit feiner 3bee 
eines SSollStheaterS im attermetteften (Sinne. 5lkr mirb ein h^her 
Kultus audh mlrflidh baS SSolf füielen laffen, maS baS 5Solf goutirt, 
maS es miü? 2ßir fürdhten, ber ©ef^madt beS SSolfeS ftel)t nidht fo 
fehr gu bem, maS „mir" moüen in ^egenfah, als bielmehr gu bem, 
maS eben baS ^ultuSamt mill, bem Polle als „für baffelbe nü^lidh 
unb belehrenb gemaltfarn aufgmingen" mill. ^er F^^f^l berroht unb 
berfumüft ben ruffifchen 93auer. 5lber bie bramatif^e ^unft, bie bei** 
f))ielsmeife eine „©eneralfhnobe" gur Pflegerin höben mürbe, 
bürfte fomol entfufelt als auch „entgeiftigt" fein. 


^ie dichter unb ©dhriftfteller aller Stationen — bie afiatifdhen, 
afrilanifdhen unb fübfeeinfularifdhen einbegriffen — gur Teilnahme 
an ber dhicagoer SSeltauSftellung gu berarilaffen, ift bie 3bee eines 
§errn Paurh- i^in 5lufruf fou an alle poeten unb 5lutoren ber 
läelt erlaffen merben um (^infenbung ihrer probufte in poefie ober 
Profa, bie foEen an ben 95 ^ongreffen, bie für bie ^auer ber 5luS=^ 
fteüung geplant finb, jebeSmal bei ber Eröffnung eines folihen ^om 
greffeS gur Perlefung lommen, ber 9^eihe nach, englif(|en, bie 
botolubifchen, bie frangöfifihen, bie fuahelifdhen, bie jungbeutf^en, 
bie üa^ufifchen, juft mies fommt; man hofft mit einem 5luSfteüungS^ 
objelt aus ber Söerlftatt ^^ennhfon ben 5lnfang madhen gu lönnen. 
3n einem 5luSfteEungSalbum merben fie bann beröffentlidht: mer gählt 
bie Pöller, lennt bie 5^amen, bie aEe ^)kx beifammen lauten I 


Prieftafdhe beS Sitteraten. — £)er litterarifdhe 9tuhm fe^t 
fidh aus gmei Peftanbteilen gufammen: aus bem biSdhen ©Uten, baS 
man bon bir f^ridht, unb aus bem bielen Uebeln, baS man bir nadh=* 
fagt. Safe beibeS gehen I ^ie ©teine, bie man bir in beinen ©arten 
nadhmirft, ftnb baS befte TlaUxial gu einem piebeftal für bich. 


(Cobe^fälle. 

3n SBien ift am 4. 3anuar 3uliuS 9^ofen geftorbem ber 
ebenfo ü^bbultibe mie erfolgreijhe Suftfüiel== unb poffenbidhter, ber 
Perfaffer ber einft biel aufgeführten, menn am^ bann f^neE ber^ 
geffenen (Sdhmänie ,,^ie ^ombromittirten", „D^Ünner bon 
,,^aS ^arnolleSfdhmert" u. f. m. 3uliuS ^ofen, eigentlidh S^ilolauS 
Muffel, mar ben 8. Oltober 1833 in Prag geboren, mürbe Per^ 
maltungSbearnter, unb als Seiler beS b^^ager offigieEen prefebureauS 
1866 feines 5lmteS entfett megen „ungebürlidhen PerlehtS mit beu 


breufeifdhen ^rubb^it"* (Seither lebte er gang feiner litterarifdhen 
k'düqUit 2lm „sfeiener ^arl:^^h^öter" unb fbäter am „^h^öter an 
ber ä^ien" mar er Dramaturg. 5luch eine P^enge F^i^lll^ibn^, fo^^ 
mie F^i^^^^lbnromane höt er berfafet. Fi^iih^^ ön aEp beutfdhen 
Vühnen aufgeführt, mar er im lefeten 3ahrgehnt faft böEig bergeffen, 
felbft bie materieEe 5tot blieb ihm geitmeife nidht fremb. (Sein 
lefeteS (StüE bon einigem ©rfolg, in bem er fii^ unb feinen be** 
f^eibenen §umor berförberle, hi^fe „®>albe ^idhter". ^aS mar ein 
menig übertrieben, er mar nur etn PiertelSbidhter. liefen immer** 
bin ehrenboEen 5^itel rechtfertigte er burch feine lombinatorifdhe 
phantafle, bie ihm bie (Stoffe gu einem halben §unbert bon an** 
fpru^Slofen PühnenhumoreSlen etngab. 


5lm 27. ^egember b. 3. ftarb in Perlin, erft 47 3ahre alt, 
ber branbenburgifdhe ^ulturhiftoriler unb au^egeidhnete (S^ilberer 
märlifi^er ©efdhichte unb ©efihidhten, OSlar (©(hmebel. Pebor er 
fi^ gang ber fihriftfteEerifijhen ^^ötigleit hiugab, mar er ©femnafial** 
lehrer unb paftor in Perlin, mo er auch geboren morben. Pon 
feinen gahlreidhen ©döriften, bie fidh, fei eS ergählenb ober befdhreibenb 
ober ftreng miffenfdhaftlidh, faft auSfdhliefelidh mit feiner engeren 
^eimat, ber 5}larl Pranbenburg unb ihrer lulturgefchidhtlidhen ©nt** 
miEelung befdhäftigen, finb bie nennensmerteften: ,,^ie guet Pranben** 
bürg aEemeg;" „Pom ©ifenhut gur ^aiferlrone;" ,,^ie Templer bon 
^embelhof;" ,,^ie Herren unb ©rafen bon ©chmerin" u. a. 


3n Prüffel ift am 3. 3anuar, 70 3ahre alt, ©milc SouiS 
Pictor be Sabelefee geftorben. feer ber herborragenbften unb 
frudhtbarften ©chriftfteEer auf bolfsmirtfdhaftli^em unb lulturge** 
fdhi(htlichem (ftbiete, hat er namentlidh au(h in ©eutfdhlanb nicht 
nur als entfchieben liberaler, freihänblerifdher Polfsmirt unb theo** 
retifdher Sanbmirt bie gröfete Peobadhtung gefunben, fonbern auch 
burch ^öS tätige 3ntereffe für beutfche Sitteratur unb ©efE)idhte, baS 
er mit feiner IXeberfefeung ber „Nibelungen" unb ber ,,©bba" inS 
Frangöfifdhe, fomie mit einer 9^eihe bon ©ffafe^ über bie ©ntmidte** 
lung beS beutf(hen PollSfchulunterridhtS bemieS. 3n ber ,, Revue des 
deux mondes"* unb ber „Revue belgfe“ h^t er eine älJenge gröfeerer 
toffäfee rein litterarifdhen mie bblitifdhen 3nhaltS beröffentliiht Pon 
feinen ü^litifchen Püchern mirften am meiteften: ,,^ie ©olbfrage" 
(für bie ^obb^lmährung ; socialisme contemparain“, ,,©le** 

mente ber Pollsmirtfdhaft". ©r ift ber rüftigfte Porlämüfer mirt^ 
fchaftlidher F^^^h^^l w Pelgien gemefen. 


©ugene Perconfin, ber Perfaffer einer grofeen S^h^ 
boEer bramatifdher piaubereien, bie meift im „PaubebiEe" uno im 
„©hmnafe" gur 5lufführung famen, ift am 29. ©egember b. 3; iu 
Paris im Nlter bon 68 Sahren geftorben. 1858 hötte er feinen 
erften Pühnenerfolg mit einer parobie in Perfen „Telemaque'S 
„A la porte (1861), ^C’etait Gertrude^ (1864 , „En vagon“ 
(1865), „Les Curiosi tes de Jeanne‘‘ (1869) finb einige feiner 
meiftgefüielten Pluetten unb piaubereien, ^ bie er fpöter in einer 
mehrfach aufgelegten ©efamtauSgabe „Saynetes et Comedies“ ber»« 
einigt höt. — F^i^ner ftarb am 30. ©egember ber ©enior ber ü^rifer 
bramatif(hen 5lutoren 5lrmanb ©urantin, im 5lller bon 73 3ahren. 
©r trat gum erften ^alt 1843 mit einem ©tüdt „ün Tour de rou- 
lette‘', baS am Obeon aufgeführt mürbe, h^i^bor. ©either höt er 
eine Ungahl bon Suftfpielen unb PaubebiEeS, bielfodh in ©emein** 
fdhaft mit anberen 5lutoren, mie S. Sl^onrofe, 5lnicet^PourgeoiS unb 
9tahmonb ^eSlanbeS, gearbeitet, an ben berfchiebenften 
Pü|nen gur 5lufführung gebradht 5ln ber „Comedie francaise‘‘ 
gab man „Les Speculateurs‘‘. ©ine feiner lefeten ^omöbien 
„Heloi’se Paranquet“ errang am „©femnafe" (1866) grofeen ©rfolg. 
Nudh eine 5lngahl 9lomane h.öt er berfafet unb an einer 9leihe bon 
3ournalen mitgearbeitet, ^ie lefeten SebenSjahre berbracfete er auf 
feinem ©chloffe Pourfonne (Oife). 


Prof. Dr. Seopolb ^ronedter, ber belannte berliner 
3??athematifer, ift am 30. ©egember b. 3. im 5llter bon 68 3ahren 
geftorben. 


©iner ber h^i^borragenbften 5lergte, profeffor Dr. ©ibier** 
®ominigue**5llf reb 9ti^et, ber bebeutenbft^ ©hirurg Fiiönli^^i^^/ 
ift auf feinem ©chloffe ©arqumnne (Par) geftorben. ©eboren 1816, 
mürbe er 1865 5^ilularürofeffor unb feither als einer ber gröfeten 
Operateure unferer anerfannt. dr ift ber Perfaffer eines 
äöerleS , Tratte pratique d’ Anatomie medico-chirurgicale“, 
baS, mennglei^ in ber F^rm beraltet, nodh baS michtigfte 
©tubienmerl für ©hirurgen in Fiiön^^^ich ife- 


^ie berühmtefte ©enremalerin ©dhmebenS, 5lmalie Sinbegren 
ift am 27. ©egember b. 3. gu ©todholm im 5llter bon 77 3ahren 
geftorben. 




32 


2>o§ SJJaga^in für Sitteratur. 


mx. 2 


^rcte fütcrarifc^e g>cfdTfc^aff gu ^crfin. 

©enbuttgeti für biefe 9f?ubrtf finb mit bem ^ermerfe „^tngetegenl^ett be§> Hl^agagin^ für Sitteratur'' an §errn Dr. 3tlbert S)re§bner 

W., Sü^omftra§e 96, III. gu rillten. 


©er näcbfte ©t^fufftan^abenb finbet am ©ienftag, ben 
12. Januar, abenb§ 8 Ul^r, in ben geftfälen be§ SSereing 
junger ^anfleiite, 33eulfiftra^e 20 (and^ feommanbanlenftra^e 74) 
ftatt. ^err i)r Dlnbolf ^ögel mirb über „griebricb 9^ie^fct)e'' 
fürec^en; barauf ©i§fuffion. 9^eue TOlglieber merben abenb§ an ber 
Ä'affe aufgenommen. (^intritt§prei§ für 3^ic^tmitglieber 1,50. 


(BebanfenaK0taiif4). 


4iitc 


©te fc^ier in§ Unerme^tid^e fidi) erftredtenbe Häufung bon neuen 
Bü(^pn, 93rofcbüren unb geitfd^riften mac^t e§> bem ftei^igfien Äefer 
unmöglich, auch nur bie befferen SBerfe fennen gu lernen, ^umal 
menn il^m ein ^egtoeifer burct) ba§ £abl)rintf| ber mobernen £tttera=^ 
turen fel^ti. Sötebiel nnnü^e 5lrbeit mn§ ber Sefer gubem ber^ 
fc^menben, um fid^ über ben (Sl^aratter be§> 2öerfe§ ^u orientiren, 
abgefel)en bon ben Soften, toeldbe bie Äfd^affung ber 9^obitäten er=^ 
forbert. 9^amentlitf) ift bie§ bei ben 2[9erfen be§ to^IanbeS ber 
gaü; man fann e§ einem ber gelben ^änbe §erfunft un^ 

möglich anfel^en, ob fein ön^att Iefen§mert ift ober nictjt? 2Iu§ allen 
biefen ^rünben erfdbeint mir bie Sbee, eine 33ibIiograüt)ie be§ 
9^eali§mug in Stngriff gu netjmen, äußert bead^ten^inert. ^ci) möcfite 
an biefer bem SO^einung §au§tanfd^ ber Mtglieber ber „freien 
litterarifd^en ^efeüfdbaft" gemibmeten ©teile benSßunfcf) augfüred^en, 
ba| bie ©efellfc^aft felbft eine fold^e 33ibIiograpl^ie planen möge nnb 
poffe auf guftimmung bon feiten ber SP^itglieber, mie ber übrigen 
Sefemelt. bürfte ficf) fogar barauf ein geminnbringenbe^ Untcr= 
nehmen entboidfeln, ba ficpb ein SSerleger geneigt fein mirb, eine 
folcpe 33ibliograppie, fofernfie borgefcpritten genug ift, in ben Verlag 
p nehmen unb ba§ Sßerf bem ^utofum aller Sauber gugönglicp gu 
mad^en.^ ©enn molgernerft, eine berartige bibliograpptfcpe 5Irbeit 
mü^e international fein unb alle mobernen Siiteraturen umfaffen. 
31u(| märe eine furge (^parafteriftif fepr pedlmä^ig. ©ie mü^te 
ferner ba§ ^.^itung^mefen berücffidtjtigen, fomeit bie in ben ©age§=^ 
Leitungen beröffentu(pten Sluffä^e einen Iitterarif(pen (^parafter tragen, 
©oüte fid^^ p bem SSerfe eine genügenbe 5lnppl freimiüiger dJHU 
arbeiter finben fo glaube id), bd^ ber SSorftanb ber „'freien 
litterarifd^en ©efeEfcpaft" gern bie Müpe ber rcbafiionellen ^e<= 
arbeitung auf fiep nepmen mirb. ^aul ©obert. 


^cp palte bie 5lnregxmg be§> $errn ©obert für fepr banfen§== 
mert unb münfepte bon §ergen, ba^ fie ^rüepte trüge, ©ie berüprt 
eine ber empfinbli^ften ©teüen ber mobernen litterarifipen ^ritif: 
ben Mangel an pinreiepenber miffenfcpaftlidper unb im befonberen 
btbliograppifcper^ gunbirung Söeil e§> felbft bei au§ gebreiteter 
pelefenpeit unmöglicp ift, aile§ ^u erreidien, ma?^ über einen ©egern 
ftanb bereite beröffentlicpt mürbe, fo ift jeber Slutor genötigt, bei fid) 
b. p. bon borne angufangen. ©tänbe aber ba§ Material gur SServ 
ß mürbe bermutlid) ber ©efid)tefrei§ ermeitert, bie 3ln^ 
fepauung bielleicpt fogar beranbert morben fein unb bie gange ^ritif 
näpme jebenfaEg mepr ben Sparafter eine§ Sontinuum§, cine§ 
miffenfcöaftlicpen 5lufbaue§ an. 

©egen ben SSorfcplag be§> §errn ©obert pabe id) jebod) gmeierlei 
eingumenben. 

Sinmal palte icp bie Slufgabe in bem bon ipni angebeuteten 
©inne für unlösbar, ©enn um eine ^ibliograppie be§ 9ieali§mu§ 
p fdpaffen, müfete man erft miffen, ma§ ^eali?unu§ ift Unb barüber 
fönnte man fid) im SingelfaÜe felbft bann nid)t einigen, menn man 
burdp Madptfpruep eine gemiffe 33egripbeftimmung p ©runbe legte. 
Man mufe folgeridptigcrmeife eine 33ibliograppie ber fd)önen linb 
ber\mit ipr gufammenpängenben fritifdpen Sitteratur forbern. 

©obann aber erad)te icp bie bon ^errn ©obert in§ Singe 
gefafete_ Singlieberung biefer Sluf gäbe an nufere ©efeEfd)aft niept für 
grnedmö^ig. 3^^^r möd)te idp niept leugnen, bafe bur(p ba§ frrU 
miEige gufantmenmirlen einer größeren Slngapl bon Mitgliebern 
unter lunbiger Seitungein pübfcpe^ ©tüd SSorarbeit gefepaffen merben 
lönnte. Slber Jobalb bie ©adbe auf ein organifepeg ©ange pinau^:^ 
laufen foE, mürbe fiep^ biefe Sliiorbnung bodp fofort al§> ungulönglid) 
perau^fteEen. ©enn jeber, ber einmal mit bibliograppifi^en Slrbeiten 
gu tun gepabt pat, mdp, bap bie bei einer folcpen ©ammlung mit^ 
mjrlenben ©nippen pöcpft forgfältig eineicergirt merben müffen, bap 
bie Seitung burdpau^ einen einpeitlidpen Sparalter tragen mu§ unb 


bafe enblidp bie auf biefe Söeife entftepenbe Slrbeit^maffe biel gu 
umfangreiep unb geitraubenb märe, al§ bap fie jemanb })our 1(3 voi 
de Prusse übernäpme. ©e^megen fönnte bie Slrbeit imnierpin auf 
bie SSeranlaffung unb unter ber Slegibe ber „freien Sitter arifd)en 
©efeEfepaft" erfdpeinen. 

SJtein ©ebanfe märe, ba^ ^apre^beriepte über bie gefamte 
f ^öne unb fepönmiff enf cpafllidpen Sitteratur erfepienen. Söer 
jemals bie bon , 3. Saftrom perauSgegebenen „Sapre^beriepte ber 
©efcpidpt^miffenfdpaft'' gefepen pat, mirb oerftepen, ma§ idp im Singe 
pabe. S§ panbelt fiep um eine fpftematifdp geglieberte 3ufammen^ 
fteEung aEer mäprenb eine§ Sapre^ auf biefem ©ebiete erfdpienenen 
^üeper ober Sluffäpe mit bünbigen Snpalt^angaben unb menn möglid) 
audp lurgen fritifdpen Stotigen. Sin foldpeS Unternepmen ift in bieler 
^infidpt fepmierig, mürbe aber, menn e§ in^ Seben träte, bon au^er=^ 
orbentlidjem Stupen fein. 

Sep palte bie Slngelegenpeit für mieptig genug, um eine gort^^ 
fepung ber Srörterung gu' münfdpen. &lbert ©re^bner. 



Söuftmanng „SlEerpanb ©praepbummpeiten" ift ein ^uep, bem 
man feinen Srfolg (40 000 abgefepte S);emplare!) bon §ergen gönnen 
mirb. S§ feplug mie eine S3ombe ein unb maneper 3eitung^^ unb 
S3iicpfd)reiber mirb bie eitle ober bie anbere Sepre barau§ entnommen 
poben. Sn einigen fünften fd)eiut mir ber SSerfaffer irre gu gepen. 
Sep greife einen babon perau§, meil e§ gerabe ber middigfte ift: 
bie grage bon ber S3ered)tigung ber S3ilbung neuer Sßörter. Söer 
bie Etomane ber jüngeren Slutoren lennt, meip, bap e§ ipr S3eftreben 
ift, and) ftitiftifcp neu gu erfdpeinen. ©ie grage ift baper in popem 
SJZape geitgemäp. Söuftmann mödjte nun bie neuen SBörter ber- 
bannen, fo lange für fie noep alte borpanben finb, bie „meber bon 
ber alten ^Idafd eingebüpt, nodp ipre S3ebeutung berfd)oben'' paben. 
©0 eitert er gegen ba§ Söort „Septgeit", ba „©egenmarf' borpanben 
fei Mir fcpe'int gmifd)en beiben ^Sorten aber bod) ein IXnterf d)ieb 
gu beftepen; „Septgeit'' brüeft einen aEgemeineren S3egriff au§. 
Slnbere Sporte finb ipm berpapt, meil fie eine ,,©d)euplicpfeit" bar^ 
fteEen, fo g. S3. „Sinalter" unb „©urepgueren". S^ femn biefem 
SSerbammung^urteil nidpt guftimmen. „Sinafter" ift ein fo präeptigeg 
Söort, bap man e§ niept. gern bermiffen möd)te. Unb „©urd)=^ 
guerung\ — giebt e§ etma§ gutrepenbere^? ©ie „©urcpquerung 
äfrilaS" ift fo mit ber füpnen ©at, quer burep ben bunllen ^on= 
tinent gu giepen, berbunben, bap e§ gleicp gang beftimmte SSor*= 
ftellungen beim Sefen ermedt. ©er pumoriftifd)e ^inmeig 25>uft^ 
mann§ auf „©ureplängfen" ift boep ni(pt ernft gu nepmen Slber 
bei aEer toerlennung bon SSuftmannS SSeftreben, bem beutfdjen 
SSolle ein neues ©tiigefüpl einguimpfen, SSorfidpt bor feiner Sln^ 
fdpauung ba, mo SSorfiept geboten erfdpeinti Srnft ^röpl. 



itit5 

Mit ber Sntmidelung ber mobernen realiftifcpen Sitteratur ging 
bie ber Malerei unb ©lülptur ^anb in §anb. SJtan gemöpntc fiel) 
baran, auep bom bilbenben Mnftler gu berlangen, bap feine ©c^ 
ftalten SebenSmaprpeit befäpen unb bap baS miebergegebene ©tüd 
Staturmirflid)feit unb fein Sbeal fei. Sn ber ^peEmdlerei, in bem 
SmpreffimiSmuS, in ber Steubelebung ber S3olfSfcpilberung lagen 
lauter Manifeftationen ber neuen i'lunftformel, ber eS befanntlidp ln 
überrafd)enb fcpneller Sßeife gelungen ift, ben Söeltmarlt gu erobern, 
©ap granlreicl), melcpeS baS entmideltfte ^unftleben befipt, an ber 
©pipe ber S3emegung ftanb, lann nidpt Söunber nepmen — mar es 
boep auep güprer in ber gleid)geitigen litterarifepen Etebolution. 

Sn mie inniger Söeife aber Sitteratur unb ^unft berbunben finb, 
geigt ein aus bk aflerneueften 3^il ftammenbeS ^eifpiel, baS mol 
ber aEgemeinen S3eacptung mert ift. befanntlidp ift bie Etieptung ber 
aEcrjüngften Sitteratur granfreieps eine gang romantifepe, fpmbo= 
liftifepe nnb bem Srbifdfen abgemante. Sine gleicpe Srfdpeinung tritt 
nun in ber frangöfifepen Sltdlerei auf, eine '^ieberbelebung mittels^ 
alterlidier Segenben in mittelalterlicpem ©til. Man braud)t nur bie 
neueften frangöfifdjen 3^^ifä)rifien einer ©urd)fid}t gu untergiepen, 
um neben bem Mobernften baS Mittelalter gu finben. S3efannt ift 
ja and), bap iibergeugte Etealiften, icp nenne nur glaubert unb Se^ 
maitre, Segenben feprieben; ein S3emeiS, bap neben bem ©inne für bie 
Eiealiftif beS SebenS auep ein foldper für ben MpftigiSmuS unb am 
berc meltabgemante ©ebiete borpanben ift. SSieEeiept bap biefe Slm 
regung bagü bient, meitere Urteile über bie moberne ^unftbemegung 
granf'reidpS perbeigufüpren. g. Sangg. 


pttp 3fteumann»-5>o f ey, 


Berlin. — aScrlaö ber Uniöu, ©emid)e S^evlaög^Seiemd)^-!^, S3erliu xmb ©tuttöaU. — ©ebrudt bei IR. (geipct), SSevIin SW 





1832 beörünbet 
t>on 

Jofep^ Ccl;mann. 


für 


ß)cr(iu5öeöct)cn t»on jfrfts JlEaiugncc unb a^tto Reumann ^J|ofer. 

'glcöaütion: '§3crCin SW,, g?rte 6 rtc^fira|c 207, 


|(n|an 

J>cutf(^e t>ert^33*®efcllfc^aft 
Berlin u. Stuttgart. 


eint jeben 6onnaku5 — preis 4 iHart mertdjä^)rU(^. ;SefteUungen TPerben von jeber ^ut^l^anblung, jebem poftamt (Tür. 3589 
bcr poftgeitunösUfte), foirie t?om Derlage bes „lltaöa 3 ins" entgegcnöcnommen. ^nseigen 40 Pfg. bie breigefpaltcne pdit^dU. 

o-<^ öer Ctnseinummer: 40 J^fg* ij>-o 


61 . Jal^rgang. 


’ ^ - - - - — f 


Sliißalt: 3 Kaut![)uer: ®ut) be SKoupaffant. — SBill^etm ^reljev: ©rnft Srüffe f. — Sllfreb 

l^erv: ®le uub bie Sitteratur III. — ißol be SKont: ®ie nieberbeutfd^c SittevatiirbeiBegung. — 

3 Siftor §ebii: ^i'iäciUa (@d^Iu§). — 3 Karco ^raga; ^ie ibeale ^rou. 2 . 2 lft. ©§ene 1 — 2 . — Sittera» 
rif(^e ©bronlf. — g^reie ßittemif(|e (SefeUfd^aft 51 t 93 erlin. 


2 lus 3 ugsn;eifcr 1Ta<$brucfi fämmtti(^er 2lrtiftct, außer ben noueIIiftif(^en un 6 bramatif($cn, unter genauer (Öuenenangaße geffattet. 

Mnfiefugter Jia^tirucfi tolrtj auf aßrunb ber oESefttse unb ©crträge berfolgt. 


(Bttv tHaupaffant 

SSott 

Jnt 3 rHl^autöner* 


Sft ein berühmter ÜJfami geftorbeii unb bie 
imbuiet il}m einen iRaeßruf, fo je^t mon wol ein Kreits 
hinter feinen fRnnien, wie mon ein ^reitg on bo§ 
enbe feine§ ®rabe§ gefeßt l)ot- SSelcße^ ©ßmbol foll an» 
beuten, boß ber bebeutenbe SDtenfd) aufgel)ört h^t, ber 
Slienfcbhctt on 3 ugehören, bnß bie 25 .'iffenf(i)oft unb ber 
©toot il)n für geiftig nnb bürgerlich tot erftörl hoben, boßmon 
ihn in§ SrrenhouS gefchofft hat? ©oüten wir nn» beim 
Slerftorbenen nicht mit bem fdjworäeit fftohmen begnügen, 
ber ihren Spornen wie ein ©arg nmgiebt? ©oEten wir 
ntdht bo§ ©i|mbol beS fdhwerften ileibenS für bie Wermfien 
ouffhoren, bie geiftig gefiorben finb, weil fie geiftig lebenbig 
woren? 

®er orme 3 }?on|)affont! 3 wttt leßten fDJole wol ift 
er auf ber ©treüe ißari§ — Shon — föiittelmeer mit bem 
SHifeah 3 am lebten 3 Ifal ift er oon ber Slioiero, 

wo er jebe 5 Igaoe tonnte unb jebe ftiEe 3 Jieere§budjt, heiat» 
gelehrt noch bem 5 ßori§, ba§ für ihn feine (üeheimniffe 
hotte. 3 n einer 3 'aangbjatfe hat mon ihn no(ü $anfe 
gebracht, ben Störper oon ©elbftmorboerfiichen oerteht. 
ilnb ouf bem 93 ohnhof ift biefer furdhtbore ©(hotten eine 
©tnnbe lang ouSgefleEt gewefen für grennbe nnb 3 Serehrer. 
Ober fie wol wiebererfonnte? Unb fie ihn? Unb ift e§in 
biefer beften oUer SBelten wirtlich notwenbig gewefen, boß 
mon ihn mit ber 3 wong§io(fe bonb, ol§ er oor bem $orto, 
oor bem ©efpenft feiner fihloflofen fitöchte entfliehen 
woEte in bo§ Öonb, oon be§ ^exirf fein SBonberer wieber» 
tehrt? 

®ie ^Iraner um ®uh be 3 )?anpoffont wirb ni(ht 
überoE in ©eutfthlonb oerftonben werben. Sei ttn§ gloubt 
mon fchon bie ernfthofle ilitterotur oorwörts jn bringen, 
wenn mon Hellnertnnen nnb ©troßenbirnen ol§ 9 toh» 
ftoff für berliner 9 tomone entbetft, nnb ihre romontif^ 
erlogenen ©(hitffole ober ou(h meinetwegen ihre wohren 
©rlebniffe in bo§ fchteihtefte ©eutfeh beb 5 £ogeb bringt. 


Unb weil 3 )?oupoffont häaftö ^elbinnen onb bemfelben 
Sebenbfreife in ben Sorbergrnnb fteEte, weil er noch 
boäu ihre fleinen 2 lbenteuer mit unbönbigem ©elöchter 
begleitete, borum würbe er bei unb mitunter, mit bem 
©felworenfobrifonten Selot in einem Sltem genonnt. 
Sie fUooeEen beb Soccoccio unb bie 3 oten eiiieb SBein» 
reifenben! 3 n f^ronfreich, im Sonbe ber ölteren Kultur 
nnb beb fortgeerbten ^unftoerftonbeb , in graüfreich hat 
mon aUonpoffont 31 t würbigen gewußt, ßferobe bie 
prö(htigen ölten Herren, welche l’art pour l’arj; 30 ihrer 
®eoife gemn(ht hotten, ber polternbe©pro(hfünftlei: glaubert, 
bie roffinirten SlJolerbichter ©oncourt, ber große Pflüger 
3 olo — fie oerehrten in bem jungen SWonpoffont einen 
ihrer beften ©ichter. Unb bo moii in f^rontireich fetbft 
ben e(hteften 3 n 9 beb Solfeb nicht etwo fron 3 Öfifch nennt, 
fonbern goEifch, fo fohen fie in fKonpoffont hea beften 
Sertreter beb esprit gaulois. 9 Iltfrönti|ch tonnten wir 
biefen ©eift nennen, wenn wir gerecht genug wären, 
lochenbe ©erbl)eit, fich überfchlogenbe Ungebnnbenhfil ebenfo 
oltfränfifch 31 t finben wie longwettige ©robheit i 3 o wenn 
mon bie ©proche meiftern tonnte, fo wöre „o}tfrnnfifch" 
oieEeicht eine gute Se 3 eichnung für ©oethe. 

3 owol, bie meiften ©efchichten ©np be fDtonpoffontb 
finb fnrehtbor unonftänbig, unonftönbig wie ©hafefpeoreb 
Vertreter beb luftigen ©ngionbb, unonftönbig wfe bob toEe 
3 cng in Slrioftob Orlando Furioso, nnonftönblg wie bie 
fchönen Serfe ©oetpeb, bie fogor oon ber phflologifchen 
©efomtoubgobe onbgefchloffen bleiben foEen. SBie onftönbig 
hoch, mit folcpen fchlechten Kerlen oerglicpen, ift ein fjelii' 
©ohn, ein Öulinb kolff! 

©och woEen unb Weber bnreh 3 orn l'och burch 
Srouer oerführen lo[fen, fKonpoffont mit ben SlEererften 
31 t oergleichen, ©r ift — ober müffen wir fogm er wor? 
— fein Sohnbreher, fein Unfterbli(her. Slber'er wor Oiel« 
leicht ber einsige lebenbe f 5 wu 3 ofe, ber unbeirrt Oon Dlodhe» 
burft unb ©looenbettelei lochenb feineb eigenen SBegeb ging. 
fKon bliefe boih einmol umher unter ben erften fron 3 öfifchen 
©ichtern ber leßten 3 wau 3 ig Söhre; eb finb feine unoer» 
fälfdhten f^ransofen mehr, glonbert ift ein UrgoEier in 
feinen Sriefen, in feinen Sü^ern wirb er internotionol 
fchon burch feine ©elehrfomfeit. ©ie Srüber ©onconrt 



34 


9ir. 3 


®o§ Kogflji« ’ 


geid^neu faft nur o6tr fic gewlneji ober 

pl)otogrö^)I}ii:en fid, ein .^retiibliitg cin§ ,bem 'Orient 
ißarig get(|nen mürbe,' fie feljen üunbert ©inge, bie ber 
@int)eimi}c^e garniert nreljr benierft. ©mibet t)Qt in feinem 
elften Xnrtorih al§ ®oHbInt=5ßrot)eneale ongefongen; bonn 
I)nt eg il)in ©itfeng ongetan, nnb er ^nt;engtifd 5 en .§nnior 
nact} ißarig ge6rad)t. Unb nuc^ bog gröfte Sitterotnr» 
nnb ^anbelgtalent biefer 3al)re, 3ola mit feiner 9iiefen= 
fraft, ift fein nnoerfölfctiter groi'äofe. 5tng ©nglonb ob» 
flrotjirle 2l)eorieen ünb ong ©eutf^Ionb üermöfferte fßijito» 
fot)l)ie t)Qben ben ©rgölüer oon ©enfotiongromonen erft 
gum Sieformotor gemod^t. Unb gor bie porifer Süngften 
— jebeg Sonb ^ot bie $^nngen, bie eg oerbient — I}olen 
iljre SSorbUber ong weitefter f^ei^ne, ong ^nbien, ong Sopon, 
ober gor ong bem.. fOiittelolter, bog noct) pinter @f}ino 
.liegen foH. 

©er esprit gaulois, ben offe biefe fDionner niept ober 
niefit rein befipen, wirb in feinen beiben .ioonptgügen burcf) 
gwei gro^e ©cpriftfleller repröfentirt, bie beibe feine großen 
©iepter woren: bnrd) Siobetoig unb 33ottoire. ifto'betoig, 
bog frongöfifcfie SBiberfpiel feineg 8eitgenoffen Sntper, pot 
gn lodjen üerftonben, wie feitbem fein grongofe; nnb 
^ottoire befo^ neben einigen onberen niept gu oerfepmopenben 
(^oben eine ©proepe fo" bemontport nnb fo wofferftor, fo 
bemonifeporf nnb fo folt, wie noep niemotg ongerpotb 
f5ronfreid;g eine ©prodpe gefunben worben ift. SBir wollen 
nng lüieber oor Uebertreibung püten. 3)ionpoffont ift ftein 
gegen biefe beiben ©ürme gepolten; ober er ift einer ber 
wenigen grongofen, weldpcr übermütige Snftigfeit unb 
ooKcnbete 5l(orpeit oereinigt. 3)fon mü^te big onf ^Kotiere 
.giirütfgepen, um biefe SSereinignng onf einer pöperen ©tnfe 
gn entbeffen. 

©eine Snftigfeit, fein tuftigeg g^obnliroermögen oiet» 
mepr, pot ipn in g^ronfreiep nnb onfeerpotb rofep populär 
gemoipt. Sft ein ©id)ter nur luftig, fo oergeipt mon ipm 
oiet, fetbft ben oerborgenen ©ruft feiner ©epriften, fetbft 
bie ©dpönpeiten ber ©prodpe. fDconpoffont bot biefem 
fßubtifnm eine g'ößo fleinen eifelirten ®efcpid)ten, 
bie ber feinfte Kenner mit §eiterfeit nnb @enn§ lieft unb 
mit einem befreienben Sodpen enbet, bie ober on^ noep 
bem ropeften ©efeflen ©pofe mo^en fönnen. @g täfet fi(p 
nid:t oerfdpweigen, boß gerobe feine toOften ©efepidpten 
oitdj bie beften finb. Unb mir in ©entfcplonb follten eg 
ipm nidjt oergeffen, boß er oud) bo nodp feine Sonbglente 
topfer onggidodpen oerftonb, wo er ber geit bog Opfer 
brojpte nnb teife bie fReoondpeglotfe löntete. föfobemoifeHe 
fyifi gwor, wenn fie im ^ofpitol ben gefeptogenen Offigier 
oerpüpnt nnb ipre Seiftungen gegen bie ber ©poffepotg 
pölt, ift nidpt fepr onmutig. '©'odp bog „f^ettflögdpen" 
(boule de suif). lieft fiep fepon wie eine ^orobie onf ben 
ebten ©eronlebe. (3cp gitire überoH ong. bem ®ebö(ptnig 
nnb pofte niept für bie 3ti(ptigfeit ber ©itef.) 3Bo TOott» 
poffont ober bie berüdpigte onbere ®lodfe tontete, bo 
fonnte er fidp fünftlerifcp gn ooKer $öpe erpeben; nnb 
icp fdpene miep niipt Maison Tellier ben DJieifterfdpöpfungen 
ber frongofifepen Sitterotnr beigngoplcn. ©o tonge wir 
©entf(pen niept litterorifdpe greipeit in fepellen ©ingen 
gewonnen poben (wenn mir bortn nidpt om @nbe wirfliep 
önberg eiiipfinben olg romonifdpe fBötfer,) fo longe fonn 
Maison Tellier niept gut überfept tinb nodp weniger mit 
wenig SBorten nmpergäplt werben. Slnf ber ©ür eineg 
berüdptigten großen ^onfeg in einer fteinen ^ofengoffe 
ift eineg ©onnobenb obenbg gn lefen: „Fermee par 
cause de premiere commonion“. ®ie bie Sewopnerinnen 
biefeg §onfeg in eine ftiüe ©orffirepe gepen nnb wie fie 
nod) ber ^ofengoffe gurüdffepren, bog ift ber Snpolt. 
91lg äKonpoffoiit bem geiftrei(pen Semoitre ben 5).Uon gn 
biefer fRooelle onbentete, potte ber ^ritifer feinen onberen 
©inbrnef booon olg ben einer fcplonen ^ombinotion. ®r 


; Slttero'tfi'r. 


wor gornidpt neugierig onf bie ©efdpidpte, nnb oor fnrgem 
pot er fidp für feine ©leidpgiltigfeit mit bem frongöftf^en 
Sieblinggwort einen fWiferoble genonnt, beim biefe 0iooclle 
fei, la Maison Tellier gewefen. 

©eine ©efepidpten fdpien fOfoupoffout nttr fo ong 
bem 2lermel gn fdpütteln. 3» feinen Diomonen mnpte er 
fi^ eift ergiepen. Sie trogen onfongg niipt ben ©tempel feineg 
©eifteg. $icp fonnte ein ©itpenb feiner fleinen ©rgäplnngen 
jept nod) Scipren, unb fieüenweife mit ben SBorten beg 
SSerfofferg, wieberpolen. aSon feinen Slomonen bleibt feine 
fo treue ©rinnerimg. ,,Une vie“ polt feinen SSergteidp 
etwo mit f^lonbertg „TRobome iBooorp" ong nnb enbet 
gewoltfom. Pierre et Jean fiept bonoip ong, olg ob 
iOfonpoffont fiep boburep potte oon einem fremben ©ropfen 
in feinem iölnte befreien wollen, oielleidpt Oon einem 
©ropfen Soli, ober oielleidpt gor oudp noip oon einer 5ln» 
ftedfung burdp iBonrget. , Bel-Ami“ ift bei weitem mepr 
2Ronpoffont, ift bo unb bort oorgüglicp, ober bod) im 
©ongen breiter olg notwenbig wor. ©rft fein lepter groper 
Dlomon geigte, wog biefer ^'opf für nng noip übrig potte. 
j.Fort comme la mort“ peipt biefeg reife ÜSerf, in ioelcpem 
nodp meiner ©mpfinbitng ©onbet on ©iefe ber ©m» 
pfinbnng übertroffen, iöonrgetg fßfpdpologie gnm ölten 
©ifen geworfen ift, nnb worin bie ©prod)e fid) über nng 
wölbt wie ein pefler unb boip tronriger aBinterptmmel. 
@g ift bie ölte ©efdpicpte beg SRonneg oon fünfgig Öopren, 
ber om Sittern feiner lepten Siebe ftirbt, wol gemerft, niipt 
om Slltern ber f^roii, nur om Slltern feineg ©efüplg. 
Unb eg ift boip fdpön, bop biefeg ^unftwerf ber iDlelonipolie 
fertig würbe, beoor bie 3Relond)olie fetbft ben ©iepter 
umfing nnb oerniiptete. 

lieber bie frpftoUflore ©proepe Slionpoffontg foH ber 
©entfdpe nidpt urteilen; begpotb ift oben onf bog Urteil 
ber ftrengften ©cpriftfteEer gurüefgegriffen. Semoitre 
fogt einmol oon SPonpoffont : „©ein ©eift ift ein fepler» 
lofer ©piegel, ber bie ©inge refleftirt, opne fie gu ent» 
fteKen; er oereinfodpt fie oPer unb erpeüt fie oudp; oiet» 
leidpt borum, weit er mit iBorliebe bie iöonbe ber Slot» 
wenbigfeit oufweift, bie überoE perrfepen. kleine Stffef» 
totion, Weber bie romontifipe noep bie reoliftifdpe." Unb 
wir fönnen pingufügen, bop eine fo flore ©proipe nur 
in einem ppilofoppifdpen üopfe geboren wirb. @g wäre 
lädpertidp ong SRoupoffont ein ppitofoppifdpeg ©pftem 
perouggubeuteln. ©ie gropen ißpilofoppen woren immer 
gute ©d)riftfteEer; ober'bie guten ©idpter woren niemotg 
ppitofoppif^e ©pftemotifer. ^ätte mon Elioupoffont nodp 
feinem ppitofoppifipen ©toubengbefenntnig gefragt, er 
pätte fiip wol einen Je m’en fichiste genonnt, wog fidp 
beutfep oieEeidpt mit SBtirfiptigfeitgfonotifer wiebergeben 
läpt. ©odp biefe 3Burfdptigfeit war nidpt bie 0ebe einer 
ijSpilifterfeele, eg wor bie trourige Elefignotion beg benfen» 
ben ^umoriften. 

Fort comme la mort beweift, bop im ©rnfte Oon 
einem fRiebergong SRoupoffontg niipt bie Siebe fein 
fonnte. ©r f^ieu für jeben feiner SSereprer oufwärtg 
gu fteigen unb bilbete fdpon borum einen Sidptpunft in» 
mitten ber jüngeren ©ipulen, bie mit bem ©nbe beg 
Soprpunbertg fofettiren unb fidp_ fetbft olg bog tepte 
©ipiff ouf bem Dgeon ber 3«t betrodpten, weil er 
litterorifip ein a3ilb ber ©efunbpeit wor. ©efunb fdpien 
er wie bte ölten ©iepter, bie fidp munter ing ©reifen» 
öfter pineingulodpen oerftonben. ^un ift fein Seben wol 
gerftört, unb mon forfdpt in feinen SSüdpern noep ©pmp» 
tomen beg fBopufinng. ©ingelne ber fleinen ©efdpiipten 
wie ber „Horla“ unb bog unferen Sefern befonnte 
„aSopnfinnig?" werben olg bebenflidpe 3^*0)^« perong» 
gepöben. S'dp fürdpte, biefe pfpcpologifdpe Unterfuipung 
wirb niipt mit bem erforberlidpen aSerftänbnig gefüprt. 
©erobe foldpe Sfodptftüife fönnen nur bem reifen Zünftler 


36 


3 


®a§ SMogajtn für SUteraiur. 


cjetittgeii, unb ber ,.Horla“ ift ein f(eine§ SReifterfiüd in 
feiner flaren ©orftellung be§ 5Rameniofen. 3Ber ba^ 
f^reiben fonnte, mar ein ^itnfüer int SSottbefi^e feiner 
Äroft, ot§ er e§ fditrieb. er aber foldbe S)inge 

f^rieb unb am @nbe fcfireiben mu^te, ba§ mag feine 
geiftige Ueberreunng uottenbet haben. 

3(f) mitt feinen SBahnfinn nicht erftären. SSieUeicht 
miffen feine ^erjte hhh wlogifthe ©rünbe angugeben, 
üielleidht liegt erblicher Sahnfinn tior. 3ft fein ^ahm 
finn aber btirch Ueberarbeitung ermorben, bann mag mol 
bie: Slbfaffung Oieler fold)er tragijcher ©tücfe bie .^aupt» 
fchnlb tragen, ®ie gange Siragif be§ SferufI mürbe 
bönn au§ bem ©d)iüfal S'Jaupaffantä git erfennen fein. 

Sih meine fo: ber ßefer, ber ein foldheS ©ef(hicht<^hen 
in gehn aJiinnten überfliegt, hat fetten oon ber ®eifte§= 
fongentration eine Slhmihg, bie bagu nötig mar. 
foE fogar Seute geben, bie gmifchen Derlei flehten Ifunft» 
merfen unb ben Slnefboten eines SBeinretfenben nidjt 
eben unterfcheiben. fEiin fann eine reiche ^hantafie unb 
eine fprachfrohe ©chaffenSluft üiele foldpe ^feerfi^en fcpaffen, 
unb ber dichter mirb [ich »adh feber ©rmübung burch 
bie f^reube an ber 5trbeit erholen. 5Eur borf er nicht git 
tief in feine eigene ©eele bringen mollen, nur barf er 
fi(h nicht fetbft über bie Slchfeln feljen; fonft griuft ihn 
fein S)oppetgänger halb mit mahnfinnigen Slugen an. 
®er ©runbbafe ber ©ichterfeele barf miiflingen, menn 
bie SBelt ber tffiirftichf eiten gefchilbert unb er muh 

mitfliugen, menn baS ©ichtermort baS ®ieffte im ßefer 
aufmühlen foE. ®aS ift bem Sefer nicht gefährlich. ©e= 
fährlich aber ift e§ für ben ®ichter, menn er feine eigene 
®iefe aufmühlt, menn ihm bie Sßelt ber 3Birflichfeiten 
nicht mehr genügt, menn er fich felbft über bie 9lchfeln 
gucft unb mit bem ©runbbah allein fDlufif ma^en miE. ®a 
ftaunen mohl bie Sefer über ben ernften ffteichtum beffen, 
ber fie fonft fo gut unterhalten hat, ba nennen fie ihn 
nicht mehr in einem 3ltem mit ben ^anSmurften ber 
Sittergtur, ba erinnert er fie gemaltfam an bie groben 
fEamen, unb fein ©h^^geig fönnte gufrieben fein. 

Stber fein 3luge hat gu lange in ben Slbgruub ge= 
blicff, es ift bliub gemorben für bie Seit ber Sirflich' 
feiten, fein DI)!-' Ift taub für bie SEelobien beS SalbeS, 
er hat auf^ehört, ein SEenfch unter fOienfchen gu fein. 
Unb ba mir in einem mol geoibneten Staate leben, fo 
ftecft mon ihn ouch in eine BmangSfacfe. 

§ätte baS Schitffal einen 2anb§mann getroffen, mir 
hätten uns Sui'ütfhaltung auferlegen müffen. ®enn ber 
webigin ift fein ®ing unmöglich*, fie fann irren unb 
SEaupaffant fann miebergenefen. ®en ©rgfrangofen aber 
fönnte auch ^aun ni^t'ftören unb nicht fränfen, maS 
lä-bas ein ©eutfchcr in feiner barbarifchen Sprache über 
einen ^arifer gefchrieben hat. 


5up ^vinncntng au ^puft r>ou fJSrütfe. 

SSon 

J^rofeffoi: Dr. )0ceiacr* 


93on ben oier berühmteften iEachfolgern beS groben 
SohonneS EEüEer, ben angefeheuften ^hhftalogen ihrer 
3eit, @rnft oon 93rütfe, @mii bu SoiS^Dlepmonb, ^ermann 
oon §etmhoth/ ^arl Submig, ift ber erftgenannte in 
feinem gmeiunbfiebgigften SebenSfahre, ein EEenfchenalter 
nach tragifcheh @nbe beS EEeifterS oerfchieben. 
Senn auch Sücfe in afabemifcpen llreifen, beren 
oiele in ihm fich berührten, [eht meniger fühlbar mirb. 


nachbem er öfterreichifchem ©efehe [ich fügenb, feine ^ro» 
feffur niebergelegt hatte, als menn er mitten auS feiner 
fegenSreichen StmtStätigfeit burch be.n ®ob abbevufen 
morben märe, fo empfinben hoch barum feine f^reunbe, 
feine Schüler, feine f?ochgenoffen ben aSerluft nicht 
meniger fchmerglich. ®in immenfeS Siffen ift mit ihm 
begroben morbeii, unb maS oiel mehr fagen miE, 33rücfe 
mar einer fener feltenen SEenfcpen, melche ber mit jugenb= 
liehet* ategeifterung oormärtsftrebenbe angehenbe fE'atur» 
j forfcjher unb SEebiginer als Sorbilb, als'fehr'fihu'er gu 
erreichenbeS SEufter fich ftetS Oor Slugen hallen fann. 
a3ei ber Sürbigung beutfeiher ©elehrten mirb, befonberS 
menn fie fEaturforfcher finb, über bem f^offih^i^ uuö 
Sehrer ber SEenfeh oft oergeffen. 

Srücfe mar ein ©harafter, unb menn man abmägen 
moEte, ob bie ben aSertretern ber fßhhfialogie fonft nur 
fpärli^ gu ®eil merbenbe Slnerfenuung , melche ihm in 
reichftem EEahe ben SebenSobenb oerfchönte, mehr 
feinen miffenfchaftlichen aSerbienften ober mehr feinen 
©haroftereigenfehaften gugufchreiben fei,’ fo möchte mol 
bie Sogfchale biefer lepteren ben SluSfchlag geben. @in 
5|?reu§e' bürgerlicher ©ebitrt mirb ^air oon Defterreich 
nicht burch bie aSeröffentlichung oon ftreng miffenfehoft» 
liehen aibhonblungen über hifto^agifche, phhfiologifche, 
chemifche, phhfifalifche <Spegiaifragen, menn eS auch i^ahe 
an hünbert finb. Srücfe mar ein ‘ganger SEann, unb mer 
ihn nicht näher fannte, oermutete nicht leicht hinter bem 
freunblid)»ruhigen Sleu^eren einen bis gur ©renge beS 
SichfelbfioergeffenS gehenben miffenfchaftlichen ©ifer. 
Sch erinnere mich mit großem aSergnügen ber 3fit — 
eS mar 1862 unb 1863 — als iep erft 21 Sahte alt, 
oor furgem promooirt, aber trop beS fumma cum laude 
fträftich unmiffenb, mi^ in Sien aufhielt, um bei 
Submig unb aSrücfe ^hhfinlogie gu ftubiren, nachbem 
ich in 33erlin burch bu tBoisifEepmoubS, in ^eibelberg 
burch ^elmholp, aSorlefungen barüber bie nachhaltigften 
ainregungen empfangen patte. Somie ich niit aSrütfe 
befannt gemorben mar, füplte ich mie eine unmiber= 
fteplich augiepenbe toft bie Sebeutung feiner ungemöhn» 
liehen unb hoch äuperlid) unfepeinbaren ^erfönlicpfeit. 
Sch patte baS ©lücf, mit ipm allein grope Spagiergäuge 
in ber anmutigen Umgebung SienS oft maepen gu 
bürfejt, unb obmol er bamols hoppelt fo olt mar mie iep, 
fpraep er mit mir mie mit einem 3llterSgeuoffen über 
aEeS unb beantmortete in ber liebenSmürbigften Seife 
bie überaus gaplreichen naturmiffenfchaftlichert fragen, 
melche ich an ipn lichtete. ©S machte ipm ficptir^eS 
aSergnügen, mit feinem feparfen aSerftanb unb reiepem 
Siffen faft fpielenb Sepmierigf eiten, metepe miep be= 
unrupigten, aufgulöfen. 3Eancpmal aber famen f^ragen, 
befonberS bie Sweefmäpigfeit ber fEatureinrieptungen be= 
treffenbe, melcpe fiep überhaupt noep niept befriebigenb 
beantmorten laffen. ®ann liebte eS a3rücfe burep einen 
Seperg bie Unterrebung abgufepneiben. So erinnere iep 
mich, nicpi* als einmal fagte, baS fonnte bei* liebe 
©Ott aEeS fepr bequem jo fepön einriepten, benn eS 
foftete ipn niepts! a3ei btefen für mich unfepähbaren 
peripatpetifchen Untermeifungen, unb im Salb unb g^elb, 
auf bem ©aloarienberg ober in bei* fEäpe bei* ®onou an 
bie unmittelbare Umgebung anfnüpfenben ©efpräepen, 
erfannte ich, bafe in SBrüefe oiel oon einer i^ünftlernatur 
fiep betätigte. Sein S^arbenfinn unb f^ormenfinn maren 
höepft fein auSgebilbet, unb neben ber biSmeilen oieEeiept 
gu meit gepenben aSorfiept unb Sfritif beim anolhtifcpen 
miffenfcpciftlichen Slrbeiten im ©etail, mar ipm eine ^rt 
gu beobachten eigen, mie man fie mepr bei l^ünftlern, 
als bei ©eleprten finbet. 

Sein aSortrag mar ftets gang flar, facplicp unb frei 
oon überflüffigen Sörtern unb Sieberpolungen. ®af; 


36 




9ir. 3 


SKagogin füt Sitteratut. 


er in feinen UninerfitätSüoriefmigen bic Dielen Don il)m 
feibft bemäntelten Probleme mit Vorliebe unb au§ftt|r= 
lieber öl§ anbere befprcK^, ift natürtii^. ©oburem er» 
mietten [ie eben imr- origineEe§ (Sepräge. Srgenbwel^e 
ef)ocmemo(^enbe ©ntbetfimg ober ©rfinbung fnüpft [id^ 
freilict) niebt an SrütfeS mamen, aber bur(^ eine niebt 
geringe Slngabl meiftert)after ©ingelarbeiten bat bie 
btologifdben 2Biffenf(baften tatfädbliib unb metbobologifcb 
au^erorbentlidb bereid)ert. @r ttufete aueb, wann er im 
Diedbte war, fo ficber, ba^ er mir jabretang in mandben 
f^ragen unfeblbar ju fein fdbien. @0 weit ging fein 
Vertrauen auf ba§ eigene Urteil, ba§, al§ idb einft fragte, 
wa§ er benn auf bie befüQen S^gen feine berühmt ge» 
worbene ;2lbbanblung über bie @(ementarorgani§men ge» 
richteten Singriffe antworten werbe, p meiner Ueber» 
rafebung erwiberte, er werbe fie feinc§faH§ lefen! Ueber 
fcbledbte wiffenfd)oftlidbe Slrbeiten fonnte er fidb in ben 
ftärfften SlnSbrütfen ber 3)iifebiEigung ergeben. Sei 
folcben Stnläffen fom bie ©ntrüftung be§ bie 3Babrbeit 
mit ßeibenfdbaft liebenben trefflichen f^orfcher§ unb mit 
Stedjt bodhDerehrten afobemifdgen Sebrerg fo gum Slug» 
brmf, ba^ man fogleidb erfannte, wie er gan§ in feinem 
Serufe aufging. Sn ibm war er raftlog fein Seben 
lang tätig. Unb eg ift nidht wahrfdheinlidh, bafe bei ber 
burch ibn felbft mit bwbeigefübrten fortf(breitenben 
SlrbeitgteitnUg auf bem dtebiete ber Sebengerforf^nng, 
ein ^weiter fo Diele weit Doneinanber abliegenbe SBiffeng» 
gweige mit folcber ©rünblidbMt wie er'fi^ aneignen 
ober gar burdh neue (Srf enntniff e förbern wirb, wie er 
eg Dermo(bt b«i- 



Sie 5citf4>t?iftett unö bk ^itteratutj. 

SSon 

Jtlfrtti WErt, 


III. 

©tiüftanb überall. @g regt fidb nidblg im ®id)ter» 
walb. ©ie Söffe unb bie nerDöfen f^olfettftimmen fcheinen 
fi(b beifer gefdhrien gu buben. Siur na(b wie Dor, bieweil 
bie liömbfer fchweigen, ertönen bie wiberliif) fäufelnben 
(Stimmen ber Sitteraturtoacherer in fredber Sebarr» 
liibfeit. 

f^ranfreidb ift — amica patria, sed magis amica 
veritas — tag Sarometer für bie ßitteraturbewegung. 
Sn feinem anberen Sanbe buben bie 3eitf(bi'iften fwe fo 
ftnrf litterarifdbe f^örbung wie bort. ©ag gurütfge» 
bliebenfte Organ, bie „SieDue beg beuj monbeg", tiefer 
^apft unter ben Soitfdbriften, Dergönnt gwor feinem Qola 
unb feinem SÄallarme unb feinem Secque tag Söort: 
aber fie forgt, baü ibi'd Sefei' cüw Slbnung Don ihrem 
©ofein buben. ÜJiag fie mit Slngft unb ©mpörung, mqg 
fie mit Ueberlegenbeit unb §obn über fie fpreiben: fie 
fpriebt über fie. ©ie entfprecbenb Dornebme beutfdbe 
Seitfdhrift gleicht ihr in ber ^örbung beg (Sinbanbeg; we» 
niger in ber f^örbung beg Snbultg. Slu(b_fie _but litte» 
rarifdhe Sfeigungen: einen ©inblicf über in bie geitge» 
nöffif<be Sitteraturftrömung im Suterlanbe wirb ouch 
ein regelmäßiger ßefer aug ihr nidht gewinnen. Sn ber 
ilalieuifdben ,fSiuoDu Stntologiu" ift aüeg ^ünftlerifdie 
fpörlidh geföt. ©er boßünoifche „®ibg" ift ein gut 
meinenber, aber ungefdhiefter neuefte Sitte» 

ratür. ©ie mutige mabriber „®fpaöa moberna", bie 


hinter neuen ©iebtungen unb SUdhtungen eifrig bet ift, 
befaßt fidb mit ben lebenggroßen ©rfdheinungen : für bie 
werbenben, bulb unterirbifeben (Strömungen put fie fein 
Sluge. ©ie Settern unb Safen in ©nglanb unb Slmerifa 
ftehen ber Sitteratur oerwunbert unb unbeholfen gegen» 
über: ©ie „gortnigbtlb", bie „Sontempororb" unb bie 
„Sortb Slmerican SeDiew" werben feiten litterarifch; unb 
immer gu fpöt; unb immer mit unöfthetif(b=einfeitiger 
©eilnabme für ben Snbutt. ©ine fleißige Segenfironftalt 
wie bie „(Saturbap SeDiew" but ibf Slrbeiigfelo gor gu 
eng umfebrönft. @0 fteUt fidb tag Serböltnig ber" maß» 
gebenbften europöifchen gur Sitteratur. Unb 

obgleidh bie moßgebenbften nidht bie maßgeblidhflen finb, 
ergiebt fidb Wun aug einem Ueberblicf über fie bie ©at» 
fo^e: boß f^ranfreicb bag Sarometer für bie Sitteratur» 
bewegung ift. 

Snbeffen audh in fjranfreidb b^i^i'fibi uugenblirfli(b 
eine Derlegene Sube. Segeidbnenb ift, baß SRaurice 
Soudhor, ber Sprifer, in bem einige ben Stern ber 
fünftigen frangöfifdben ©idhtung feßn wollen, eine Steife» 
befbteibung in gewöhnlicher SBalb», Sumpf» unb SBiefen» 
profa Deröffentlicbt. Sn ber „Dtemte bleue", bie auf bem 
beften SBege ift, f^^ranfreidhg erfte 3eüfibi'ifl git werben, 
erfdbeint fie. Sie ift in feiner Söeife aufregenb. Sm 
©runbe Weber f^leifdh nodh 3^if(f). SBeber fo fad^lidh, baß 
fie wiffenfcbaftlidh wöre; noch fo unfachlich, boß fie 
biebterifeh wäre. Stidht eine fonberortige Statur fpri(bt 
aug ißr, fonbern oEenfaltg ein ©attunggwefen: ein Sif» 
rifer. Stber ber ©egenftanb feiner ' Sefebreibung ift 
Slmerifa, bag feine Derfaüenen Scßlöffer unb feine alten 
Safalte put, unb bie ©arfteEung ift gar niept unfpftematifep. 
Sin ben großen Sawrence Sterne unb an ben bimmlif(ben 
§einri(b §eine barf man nidpt benfen. 

^errSrunetiere, ber fidp ftetg einer ungehemmten Soo» 
buftion erfreut unb oudp in füllen Qdkn eine Stoffe ^uf» 
fäße perDorbringt, Derbreitet fidp biegmal überßorueiEe unb 
Stocine unb Stoliere: er fuept bie ©ntwicflunggabfcpnitte 
beg frongöfifjben ©peoterg gu geidpnen. ©0(b wenn er 
fonft, im Kriege gegen bie Seuen, ein nidpl Deräcptlicher 
f^edpter ift: in ber Seleudptung ber Sitten ift er fbwädi» 
licp unb febwoßpaft. ©r giebt in bequemer g^orm breite 
SCnalpfen, unb feine Urteile finb Dom Sonaten foweit 
entfernt wie 3olo Dom Staturatigmug. Sn ber „Steoue 
beg beup monbeg" fteigt er gu einem geliebten ©oten in 
bie ©ruft, gu Stlfreb be Signp. ©r fiept in bem weit» 
bliEenbften frangöfifdpen Stomantifer ben erften ppilo» 
foppifepen ©i(pter feineg Saterlanbeg unb Derfäumt ni(bt, 
feinen ©inßuß ouf bie Steuen, auf Seaubelaire, Seconte 
be Sigle unb bie füngften Spmboliften gu betonen. Son 
neu Deröffenttidpten ©ogebudpougfprüdpen Signpg, bie er 
wiebergiebt, pat mi(p einer befouberg tief berüprt. ©r 
peißt: Naitre sans fortune est le plus grand des maux. 

SBie immer in Qdkn Dorümrgepenber Etupe, be» 
fepäftigen fiep bie grangofen mit bem Sluglanb. Sto» 
mentlidp mit bem germonifdpen. Sie müffen in arger 
Serlegenpeit fein, wenn bie mün(pener ©efeEfipoft für 
moberneg Sehen ber ©egenftanb einer Sefpredpung wirb, 
©ie blaue EteDue madpt fidp über fie luftig : ®ag be» 
merfengwerte on bem ^rtifeldpen ift, baß 0err Suling 
Sdpaumberger plein de talent genannt wirb. SBeiter 
teilt EJtiggoulet, ber nobelfte be»!' noblen Seriepterftatter, 
bie mir bigper unbefannte ©atfadpe mit, baß bie $er» 
auggeber beg 3oW0otfü^/ oinei’ „befonberg reaftionären" 
SSo^enfdprift, ben ftaffifipen EJtufenalmanadp erneuert 
hoben, ©ine SCngapt berühmter Eiamen werben genannt, 
^aut^epfe ift barunter; Don ben Süngeren „§err gulba, 
bem man nirgenbg augweitpen fonn, le millionuaire", 
unb wag fonft beg Unfinng mepr ba ftept. ©üg 
©ange Wirb Slntifenfabinet getauft, ©rnfter ift bag 


9?r. 3 


37 


^aga^in für Süteralur. 


:3nterc[fe, ba? ein beulfc^er ©c^wanngeift, ber 9^embranbt= 
mann, in ^ranfreid^ finbet. ®er fpa^^afte $evr 
goniet beri(^tete, bafe feine „3Sier§ig Sieber" üon wegen 
itmftüi'äUcber 33eftrebungen befi^lagnomt feien, beüor fie 
noc^ erf(|ienen. ©rünblidier unterrid)tet ift ber ^unft= 
fvitifer @mile 3Kid^eI, ber in ber „9ieöue be§ beuj mon= 
be§" temperamentlos unb auSfüprlid^ oon bem erften 
93udE) SangbeljnS ergäfjlt. ©ogar bie ©egenfi^riften, bis 
auf ,,Est, est, est!“ pat er gelefen. 3BaS itfm geföHt, 
ift ber §afe gegen Unteroffisiere unb 5ßrofefforen. ©egen» 
über ber naioen, fonberarttgen ©eftalt beS. ©eutfd)en pat 
er g^'eube gmar nic|t, ab r (Staunen. 9lidt)t nur feine 
unfubfeftioe Strt pinbert ipn gu fpotten: eS wirb ipm oor 
biefem Su($e, bem er nid)t opne Sßoplwolten gegenüber» 
ftept, gumeilen nict)t gepeuer. ©inen beutfdpen fßrofeffor, 
ber aber mel)r als baS wor, ruft 31. ©puguet in ber ge» 
lehrten „iRemte critique", feinen SanbSleuten weniger älS 
feinen gadlöenoffen in bie ©rinnerung. ©r befprtcpt bie 
£agebud|btätter IRaufeS. ©^uquet ift ber tüc^tigfte IJenner 
beutfdt)en ©(^riftlumS in g^ronfreid). ©r ftept im ©runbe 
feines §ergenS allem woS beutfc^ ift freunblic^ gegen» 
über. ®aS S^agebudi) älanfeS aber entpält in ben ll'riegS» 
fapreit peifle fünfte für einen f^rangofen. ^iefleii^t 
l)at er beSpalb oorgegogen,- ftatt einer ©barafteriftif bieS» 
mal einen farblofen Seridl)t gu geben. Sntmerlfin ift er 
ni(^t fo flad) wie beS leid()ifinnigen ®. SSalbert flüchtiger 
3luffaij in ber „iReoue beS beuj monbeS", ber eine funft» 
lofe Söiebergabe einer Scfirift oün bem wiener §iftorifer 
Sübinger über ®on ^arloS §aft unb ®ob enthalt. 
3lachbem 3Solbert bie auffchluhreidhen unb überrafdhenben 
©rgebniffe ber f^orf^ung über ben gefdhidhtlicheu ®on J^arl 
mitgeteilt, giebt er bie beruh igeube ©rflörung, baü (SchiKerS 
®rama beshalb bodt) ein SReifterwerl bleibe.' SSalbert ift be= 
fauutlichbaS fritifche^feuboml)en fürbenSlfabemiferSSicfor 
©herbutieg. ©inen größeren 3lnteil nodh alS in g^ranfreidh 
fchcintm on in Spanien gegenwärtig für beutfcpen ©eift gu 
haben. ®ie „©Spafia mobeuta" führt in einer iRummer 
brei gro^e ©eutfdhe uor. Qwei baoon lommen felbft 
giim 'aßort: iRicarbo Saguer in feinen SebenSerinue» 
ruugen unb Molfte in fnner Schilberung beS beutfdh» 
frangüfifdhen Krieges, ber la guerra franco - prusiana 
genannt wirb: ein ÜRerfmal auSlänbifdher ©efiüidhtS» 
ouffaffung aSon beiben wirb nicht nur eine ^robe ge» 
geben: bie Schrift beS 2)ZufiferS wie bie beS gelbherrn 
follcn bie Spanier in f^ortfehungen oollftänbig fenuen 
lernen - Sugleich giebt Erluro ©ampiön eine oon tiefer 
iBewimberung für' ©oetpe burdhglühte Si^itbernng beS 
g’auftftöp, foioeit er in ber SRufif behanbelt ift. ©ang 
unb gar nicht bloS ooni Stanbpunft beS SRufiferS, fonbern 
immer mit ftarfer ®etonung beS ®ichterifchen. 3ltS er 
gii atobert Schumann fommt, entwirft er ein 33itb oon 
bem ©eliebten, baS oon fchwörmerifdher aSerehrung ftralt. 
©r (ieht in ihm ben beutfeheften aller beutfeheu iöiufifer. 
f^eiu erfennt er baS cfoterifche aßefen S(ümuannfdher 
ajinfif: Xer gran 8ioberto, mit bem bleichen Slngcfpt, 
wirb für bie aRenge nie ein Siebling werben. Seine 
gaufifgeneu unterfiüc'ibeu fid) oon ber Xonbiditimg afoitoS 
fo fehl', wie fich gwei ataffen oon einanber uuterfdheiben: 
wo ber ©ermane feuliniientos l)Qü hed ber Sateiner 
seiisacioiies. Slber warum oergleiiht ©ampion Sct)u» 
mann unb a3oito? SBeil §err Sari S'eeugel auch eine 
„Xramalnrgie" gefdjrieben h^t^ wd'b man ilpt beSpalb 
mit Stifing oergleicheu? 

lieber einen anberen beutfehen SRufifer, ber Schumann 
im Sebcu naheftaub, berichtet ber 3Relobifer ©oiinob: über 
f^'Cli}: aRcnbelSjohn. ©oiinob hat eine Selbftbiographie ge» 
fehrieben nnb baS englifche ©euturh SRagagine oa'öffentlicht 
fchoii jept einen atbfchniit barnuS. a{id}t eine ©harafterifiif 
bcS DfufiferS finbet fidj barin: nur ber prioate aRenbelSfohu 


wirb oorgeführt. ©in halbes öahr oor feinetn frühen 
Xobe lernt er ihn fennen, als ihm ein Stipeübium bie 
iReife nach ®eutfdi)lanb wib Italien ermöglicht h^ü ®e 
ift hirtgeriffen oon ber ftillen f^reuublidhfeit bei liebenS» 
würbig»ernften SReifterS, ber bie fd)ottifdhe (Shmphonie oon 
bem eigens einberufenen ©ewanbhouSordhefter bem oier» 
unbgmongigjährigen ©aft fpielen läfet unb felbft aiif ber 
Drgelin ber Iho'Hti^fdche „nie geträumte aßunber" wach» 
ruft. aSorher pilbert ©ounob feinen aSerfehr mit aiifolai 
in aSieii, wobei er oon ber öfterreidhifchen notionaleu 33e» 
gabung für bie SRufif bewuubernb fprict)t, unb feine greunbe 
fchaft mit ber fingen unb eblen g(di>ih §enfel in a3erlin. 
gmmer ift er in feiner ©arfteltung einfach, immer fanft, 
immer banfbar, immer farblos. 

gn ©nglanb hol §artpole Sedp, in feinem Sanbe 
ein berühmter fßrofafchriftfteller, gum erften mal ©e= 
biepte oeröffentlidpt, weldpe bie „Soturbali iReOiew" be» 
fpridpt. (Sie finb polb romontifdh , polb refleftirenb. 
aber felbft auS biefer freunbgewiUten Sritif ift gu er» 
fepen, bafe fie nic^t eben bohnbredhenb finb unb für baS 
geftlanb belanglos. Um einen gröpren ^oeten, ben 
genialen IRobert Browning, ben man noch otel gu wenig 
in Xeutfdhlonb fennt, pol fid) ein Streit eutfponnen, ber 
giemlid) alberner iRatur ift. aiS ber ©ebanfentiefe ftarb, 
fämpften bie grommen unb bie greien um feine ent» 
fliepenbe Seele: beibe ^Parteien woEten ipn als ben 
gprigen pinfteKen grau Sutperlanb, feine greunbin, 
befdprieb fein Sehen, unb nun regneten bie angriffe auf 
fie pernieber. gept erft wirb ber Streit beenbet, inbem 
fie in ber „©ontemporarp Eieoiew" eine lepte ©ngegmtng 
oeröpntlidjt, worin fie,‘ bie feine Sennerin feines Seelen» 
lebenS, ipn als einen SRenfepen geiepnet, iti beffen a3ruft 
eine glaubenbe unb eine ppilofoppirenbe Seele wopnte: 
bomit fönnen beibe Parteien gufrieben fein. aSieOeidit 
werben fie fept an bie fünftlerifdpe Setroeptung beS toten 
Xic^terS gepn. ®er eingige ÜRann in ©nglanb, ber 
einen §oudp moberner Sunft oerfpürt pat, peipt aßiniam 
ardper. aber er ift, fooiel idp weip, niept probuftio. 
®oip ftar erfannt pat er bie ©rbärmiicpfeil beS geitge» 
nöffifdpen englifdpen ®ramaS unb bie iRotwenbigfeit, gegen 
bie übelried)enbe gäulniS ber Sunftfobberei ein fräftigeS 
antifeptifdpeS 3Rittel(|en gnguwenben. ®ie „gortnightlp 
IReoiew", in ber er feine Stimme erpebt, pat baS aSer» 
bienft, bie groge beS free stage guerft in ©nglanb um» 
faffenb erörtert' gu haben, asieüeiipt wirb fo bieSuttur» 
tat beS grangofen antoine audp Pen ©nglänbern äit 
einer aufbefferung ber bramatifdpen aSerpältniffe oer» 
helfen, wie fie bei unS am auffcpwung beS ®ramaS 
ipren gefcpidptlidpen anteil pat. Borläufig aber gepren 
bie ©nglänber nodp oom iRupme oergangener gelten unb 
auch baS auSlanb fdpäpt nur baS ©ewefene on ipnen. 
®er atpener gafoboS ^olploS pot ben §amlet inS 
^^efienifepe übertragen; biefe Ueberfepung ift in ©nglanb 
wie in ©riedpenlanb als ein ©reignis betrachtet worben, 
©nglifdpe geitfepriften rüpmen baS aSerf beS a^olplaS, 
unb ber atpenifdpe „TlaQvaaaog“, eine flRouatSfdtrift mit 
ppilologifdtem anftridp, preift bei einer Sefpred)ung jener 
^ Uebertrogung oon neuem iti begeifterten aßorten ben 
, gropen ^ifl'iom, beffen fandet bnrep ©corgioS SaloS» 
quroS eine breite, aber auffcpluparme gerglteberiing er» 
fäprt. gugleicp fepreiten in gronfreid) „Säte unb 5ßc» 
trudpio" über bie aSretter ber alten fRationolbüpne, unb 
©amille a^eEaigue beeilt fiep in ber „IReone beS beuj: 
monbeS" ber f'päten unb nidpt ungemifdpten aiewunbe» 
rung für Spafefpeare aSorte gu leipen: feine SnnbSleute 
woEen fiep niept bem ©efdjmacf beS englifdpen ®icpterS 
anpaffen, fonbern ben englifdjen ®id)ter ihrem©efcpmarf; 
aber fie finb, äftpetifdpe ataffennnterfepiebe beifeite, ent» 
güdt bon ber art beS UmfcpwnngS in biefem wohrpaften 



38 


SWogaBin für Sitteratur. 


5>?r. 3 


grauenfeetdieit unb jl)rer ©fltwaffnung: fp l^ätle 
felbft SftoUere gefonpt. ©er §n)dte eng{tf.c|e Sffielt» 
poet, SBt)rpn, wirb je^t ciieit^folls ben gronjpten iia^e 
gebrai^t: ©ciniel i'efueitr uberfe^t unb @mlle .S’figuet 
tu ber „Slaueu iRepite" preift btefe Ueberfe|ung g(g bie 
befte, bie ber unenglifilfte aller ©nglänber ttt §ranfrei(^ 
erfuf)r. Slber für große Sprifer giebt e§ feine lieber» 
feßungen: wann wirb nion ba§ eiiifebn? 

9tnbl}orb Hipling beröffenllidt)t im (Senturl) 3Kagagine 
eine iliopelle, „©er 9?bulol)fa", bie er gemeinfam mit SBoIcpü 
SBaloflierjperfaßt l)ot. ifeenn iftnbijarb Kipling Wirfli^ 
ba§ große 3ufunft§lid)f ber engiildien iHtteratur ift, bat 
er fiii) gewiß ÜJfübe gegeben, iii biefein 3Berf feine epocbalen 
©igeii)dE)afleu forgfültig gn Perbergen. @iii ameri» 
fanifdbeS gi'öitlein, wel(be§ ; ; fcßrecf bgr pbitantbropifi^ ift, 
reift in bie inbifd)e 3Kitbni§, ntm ber, bortigen fyrouen 
Soo§ 51t milbern. ©er nnglürflidbe g^reier, bem fie einen 
fanften 5forb gob, gel)t l)in tinb tut beögteicben. ©er 
§auptfdberä ber iRopelle, fo fcßeiut e§, wirb barin btftebeii: 
äü fdjilbern, wa§ ber nnb' ba§ >ü l’O’-' 

inbifcben 5l'ilbui§ miteinanber beginnen.. Ob ipre ©ngenb 
por feinem SiebeSmerben unicriiegt, ob fein Siebesioerben 
Pon ißrer S!ugenb entwafftiet loirb, ob fie beibe pon einem 
Söipen gefreffen werben; nocß ftoßt baljin. ©er 33erfnd) 
in ber ©eftalt be§ aitannes, euieS liebenSioiirbigen @tveber§, 
fo etwa§ wie eine pfpctjologifdbe Seiftnng ju geben, ift febr 
mäßig gelungen: biefe ißfßcbelogie ftebt nid)t um eine» 
§ooreij 33reite über bem SlBerlaiibemiblicßften unb nm 
eines @enfblei§ Siiefe itnter- ber 2lnna Harenina. 9fid)t in 
ber inneren ©eftaltnng be§ Serfs liegt baS ült'oberne, 
fonbern in einer Slcnßerlid)feit: baß ein fetbßänbigeS 
iOfabcßen, eine ©tubentin, barin poitommt. ©a§ ift nicßt 
neue Ännft. 

Sind) im 0forben ift eS giemti^i ftiH. 9fnr 9frne 
©arborg ßat einen neuen 3loman geft^rieben, ,,5D?übe 
©eelen", ber bie Pon „Sei 3)fama" ift unb 

unfelige Serßältniffe gwifcßen f^anni) ^olmfen unb ©a» 
briel ©rant Porfüßrt. ^einrid) §art, ber ißn befpridjt, 
behauptet, er Perrate einen tiefen ©enfer. ©aS SlnS» 
lanb, baS fid) mit Sbfen bef^äftigt, beginnt feßt aucß 
für ben großen, ormen Sacobfen fid) gu erwärmen ilfa» 
türlicl) ift eS bie „33laue IReoue" wieber, bie iljn Por» 
füßrt. ©i_e fdßitbert fnapp bie. ®ebeutung beS in 9fot 
unb ©d^winbfucßt 3Serfommenen unb brmft „üKabame 
f^oenß" ab, jene SJfeifternoPeüe, bie roeniger ©timmnngS» 
malerei ols ©eelenfunbe bietet, waßr iii jebem Quge ift, 
oßne froftig unb ejperimentell gu fein unb in ißrer 
wunberfamen ©c^liditßeit anS ^erg greift unb in bie 
tiefften Siefen bringt ©ie unraffinirte, nicßt fultur» 
beledte, rulpge Slebeweife beS ©ätien ftingt im Q^rangö» 
fifctien wie eine frembe ©pra(^e. 

©agegen muß 5}5aul §et)fe§ „^aPerl" fogor, einei 
ilfopelle in „ÜBeftermannS fDfonatSßeften", gurüd'fteßn. 
©ine ^aul §epfefcf)e fRoPeEe in jebem 3oge. @ie ift’ 
tief ergreifenb. ©er ©til groar am 3lnfang ein nienigi 
geledt, aber aHe§ oßne ©pur pon groftigfeit unb mit 
ferner 23eobacßtung: ber ©icßter ßat fic^ noA einmal 
Perjüngt. Um biefe Sofepfjo im SöirtSßauS ßat er einen 
fo finnlicßen ©uft Perbreitet unb fo Piel 3?atürlicß» 
f^rauenl^afteS, wie außer ißm niemanb fann. UebrigenS 
fpielt ein fteiner blöbfinnigwiefiifcljer ©retin eine EfoEe 
unb ein Perfoffener ^auer, bei bem eS „fcfion fad)t mit 
bent ©iliriuin anfängt" unb ber auf feine ©tWftod)ter 
lüfterne Eingriffe ma^t: unb bodf) iftS ißaul §epfe. ©e» 
rabe wie in ber „©cßwerften ißflicßt" ein nabß Sbfen» ' 
fd)em SSorgang erblicl) Selafteler duftrat, ber beu l)er» 
annaßenben ÜBaßnfinn füßlte unb einen 3faßefteßenben 
bat, ißm auS bem Seben gu perßelfen: unb bod) ward 
^aul ^epfe. „fOferlin" aber, ber neue Etomaii, ben er 


in „3Som g^elS gum SEeer" Peröffentlicßt, wenbet 
gegen bie neueifticßfung mit ©ifef unb ^itterfeit. ©in 
junger ©id)ter ift ber §elb, ber einmal gu fiep felbft 
laut .fpridpt. ©r tut bas öfter unb „pflegte bieS gum 
23eweife gegen bie ©orßeit angufüßren, baß überfpannte 
IRealiften ben fDlonolog aits bem ©rama perbannen 
woEen". ©iedßolemif wirb alfo gang fpegiell. Slucß 
fingt er einmal ein „©roft= unb $ru;ßlieb". ©a§ 5ßoeten» 
ibeal ^eßfeS Wirb ouS bem ©angen flar. ©S f(^eint 
baffelbe wte Jßietor §ugoS; 

Le poete en des jours impies 

Vient preparer des jours meilleurs. 

11 est rhomme des utopies; 

Les pieds ici, les yeux ailleurs 

9ludß an attberen fdßöpferifdßen SBerfen beutfi^er ©dßrift» 
fteEer ift bieSmal reießere 2ln§lefe. ©ie ©bner=©fdßenbocß, 
bie jüngft eilte bramatifeße ©gene, „33ettetbriefe", in SBefter» 
maniiS .^eitfdßrift mitteilte — ein jcßidfalPoEeS ©efpräd) 
eines SlriftüfratenpaareS, ßerglid} unb uorneßm — ßat je|t 
in , ber beulfcßen Elunbfißnu eine uoPeEiftifiße ©figge, 
„.OperSberg" Peröffentlicßt, in bereit fOUite ein fogenanuter 
rüßrenber SEenfd) fteßt. ©er §nmor, ber in ber ©rgäßlung 
ein unglütflidßeS SEenfdßeufcßiiffat umfpielt, ift auS 3f£ni 
^aulfdjer ©cßule unb Pon SBilßetm 3iaabefcßer fjärbung. 
3u berfelben S^itfeßrift ßat Hönrab g’crbinanb SReper feine 
mitfeloltcrlicße „Sliigela Sorgia" porgefüßrt, unb jeßt bietet 
bort ber alte goufane einen ßöißft neugeitlid)en Eioman, 
„g^rait ßeimp Sreibet", ber berliner 5?ommergienräte — 
aber ißviftlidte — unb ißre greife mit $mnor unb ©ßarafte» 
rifiruugSfraft leidßt auf bie 33eiiie ftellt. ©in ©ittenbitb 
aus ber 9iaud)ftraße, baS ißnul pon ©cßöntßan in „9iorb 
unb ©üb" in ber EiopeOe „©cßledßte Eiaffe" geießnd, füßrt 
ßößere Halbwelt unb 3obkrtum in berlinifcß»jübifcßem 
ERileu Por: ©obomS ©iibe ßat im ipefentlilßen bie IJoften 
beftritleu. ©ubermaiiu felbft ließ eine EiopeEe, baS ©terbe» 
lieb im ,,^om g^elS gum SRecr" erfd)einen; ein fontraft» 
ftarfeS ©türf, bureßgittert Pon ßeißer fcßioerer lluft. Eieben 
brei ffiggirten ©eftatten bie teibenbe §etbin; eine treußergige, 
pflidjigeiuoßnte, bemütige, fleinbürgerlid)e g’i'ou fßaftorin, 
ber im ©üben plößlid) finntofe füße SiebeSluft in bie 
fd)nmpoE pommeridje ©eele bringt, erlöfenb unb oerni(ßtenb. 
©aS gange feßuf ein PollblütigeS Semperament: gu poE» 
blütig für eine EiopeEe ©ie ©arftellung ift nid)t nur 
erregenb, fie ift gngleicß erregt, g’ontopo pfoießt man mit 
iBerftanb, Sacobfen nnb .fpepfe mit ber ©eele, ©ubermann 
bagit norß mit ben Eievuen. 

©aS ©terbelieb ßat in ber „ElEgemeinen fonferPatiPen 
EEionatSfeßrift" rafcß einen Ifritifer gefunben. „ESer ift 
biefer ©ubermonn?" ruft ber EBoliooEenbe; „jebenfaES 
eine 33erüßmtßeit, bie erü naeß bem 1. Snli 1888 ent» 
ftanbeu ift, beim grang 33rümmers Serifon nennt ©über» 
mann nießt. ©as ©ßnufpiel ©ßre foE ben EJinnu über 
Eiacßt berüßmt gemaeßt ßaben." ©r fränft fiß über beS 
unbetannten ESerfafferS ©terbelieb nnb ruft: „©0 grinft 
ber S^eufel in ber mobernen EiooeEe Seben unb ©lanben 
ber ©ßriften an." ©aS ©eßtmpfen bieieS SitteratmfennerS 
wirb bureß ©rünbe nidßt unterbroeßen. ©S ift berfelbe 
^err, ber fieß fd)on gegen ©pielßagen nnb §epfe Perging 
unb gegen alle mobernen Hunftiuerfe poffierlicß mit ben 
Etrmen fuißtelt. ©a er feines , EEeifaES uugemifeßle f^üEe 
einem iöueße feßenft, fo betitelt ift „ERenfeßenwege unb 
©otteS_ güßi'ung. ©rgäßlungeu Pon griebrteß Slrougott, 
ESerfaffer Poit ,be^ ^anbioerfs golbner 33oben‘", braueßte 
icß mieß mit bem ERanne nießt weiter gu befaffen. ©enn 
©paß perfeßönt boS Seben, unb in Sitteraturfadßen wußt 
icß mieß mit ^aftoren oßnebieS immer fcßleeßt obgufinben. 
Elber ba er ni^t aEeinfteßt mit feinem infamen ^innftßaß, 
foE bie fenntniSlofe 3^red)ßeit biefeS Knaben jeßt unb fürber 
ßier gebranbmarft werben. ben ©pnobeniiiännern, bie 



9Jr. 3 


39 


®aS SKagajin für Sitteratur. 


einen fo unbeftrittenen §eiterfeit§erfoIg jüngft in föerlin 
errangen, in ben goüe§für(^tigeu Jünglingen non §aOe 
nnb in geioiffen ^oli^eipräfibenten ücit er ©enoffen , bie 
3 Irm in 2lrm mit il)in oerfloffene Jolfrüunberle in bie 
@cl)ranfen forbern; bie ©renäboten, bie nur nngern fehlen, 
100 e§ einen fleinen Änünroerrot gilt, l)e:|en ber neueften 
Sitteratur gerabe je^t wieber beftänbig bie fßotisei auf ben 
$:il§;unbbieÄreu35eilung, biein fpferbeangelegenüeiten fai^» 
oerflonbig ift, wagt e§, [icü an ben $egafu§ 
f(i^winbeln. ©ie alle folleu in Sufuuft Ijier einer er» 
Ifö^ten ^ead)tung 31t erfreuen boben. 

ffö nn bie beutfcbe fßrobuftioität, alles in oHem, ie^t 
reger ift als fonft, fo warb il)r bo(^ einer untreu: ber grofe 
Siebter $err J^elij Sabn. J(b fürdite nur oorubergebenb. 
Jn „iRorb unb ©üb" giebt er unter bem Sitel„SRoltfc 
als ISrjieber" über be§ ^elbmarfiballS ©ef(bid)is 
beutfeb'franjöfifdben J^riegS ein IReferat, weldbeS mit 
©rbwulft umfleibet ift, in affeftirtem unb sugleicb lüber» 
liebem ©til. @r sitirt fieb borin felbft, inbem er 011 f eins 
ber patriotifdjen ©ebiebte oerweift unb eS unter bem ©triib 
onfübrt. fffienu man bie wnnberfamen ^Briefe SKoltfeS au 
feine Jrou lieft — fie werben jebt in „Ueber Sanb unb 
iöteer" oeröffentlicbt — erftbeint biefer eiuäigen ©^li^t» 
beit gegenüber ber bramarbnfirenbe fßrofefför, unenblicb 
fpabbaft. Sie boebliefpciniife, tönenbe^ fRebe Sol)ufd)er 
©ermanen unb bie tiefe, innige ©infailbeit biefcS g^elb» 
berrn: waS ift germauifeber? 



^enfeitö öei' (Bi'en3en. 


i)on 

öe ^ont, 

^vofeffor aiit 5(tl)euäum su 


I. 

3u ben btelert abergläublfc^en SSorfteHungen, bie in gran!= 
teiciö unb Belgien über p^iIologifd)e ^tnge Derbreitet finb, ge- 
hört auch bie SWeinung, bag in bem großen beut{d)en ®aifer== 
reich nur nod) ba§ Öod)beutfd), otfo bie (Sprache ©chißer^, 
®oetf)c§, ^eineg unb^ ^amerlingg gepflegt toerbe. — Unb 
toenn auch gelegentlich ein unterrichteter Stator ben S^amen 
6 pebel§, be§ iiebenetoürbigen ^Xid)ter§ ber „SUemannifchen @e=; 
bichte“, anführt, ober benißeuter^, be§ nieberbeutfehen (jr^ohlerg, 
ber fo unenblich biet Serbe nnb Junior befi^t, fo hoi ^ochi 
niemanb eine Slhnung babon, baß tatfachüch eine gan^e? 
Utternrifche ©chnte ejipirt, ai§ bereu bebentenbße ©rfepeW 
ninvg Sienter an^nfehen ift, nnb an bereu ©pi^e fi^ eine beri 
ed)teßen SDichtergeßalten biefeS gahrhunbert^’ beßnbet; id); 


*) 0bigen Stuffap unfereg Verehrten TOtarb eitert §errn 
be 3?tont, be» unerniübliihen Sorfämpfer^ ber flaniifcf)en (neber==| 
buitfehen Semegiing in Belgien, geben mir mieber qI§ ein charafte==l 
riftifd)e§ Qeidjen für bie erfreuliche (^r(cheinung, mie fehr ba§ aü=i 
mein beutfdje Semuftfein bei nuferen Settern in glanbern unb* 
Srabant — int (^egenfah gu benen in §oEanb — aufgemacht ift 
unb mie. inten fib fidh bie flanüfchen gührer gunächft mit bem ßtreige 
ber beutfehen ©d}mefterfprad)e befdjäftigen, ber ihnen genetifch am 
nädjften ftehh bem nieberbeutfehen gmeige. ®er obige Sluffah, für 
ftamifche mie mallonifche ^efer beftimmt, ift im Original fomoht in 
„füD=*nieberlänbif^er" Sprache, ber (SnMin be§ „melobiöfen Oietfd) 
(iliiois bon Srügge", ber (Spradje ber §anfa, gefchrieben, al§ and) 
in fran^öfifcher ©praihe. Söir geben ipn mit ftarfen Mrpngen 
mieber, inbem mir bie furforifchen Stu^führungen über £eben unb 
Sßerte bon gritj Dfteuter unb Mau§ @roth 
^ublifum ^errn ^ol be 3?tont^ neu maren, bem beutfd)en £efer 
aber natürlich „oCfe ^ameüen" finb. - 9^. 


meine meinen . Perehrten unb gelehrten greunb Slang ®rotf) 
ben nieberbeutfdhen ©önger par excellence. 

SBenn mon fi(h bie SKühe gehen tooKte, einen Stic! auf 
bie gebiegenen Slhhanblnngen bon Dr. ©nftab S)annehl (,,'3l:ie 
S^tieberbentfdhe ©pradhe, ©erlin 1875'') ober auf Slaitg ®rot()§ 
„©riefe über §oi^- unb , $Iattbentfch''f „Ueher ©innbarten 
unb munbarttiche ®id)tnng" — 511 toerfen, fo mürbe man fich 
leidet babon üher^eugen, baß eg in ben nörbjidhen ©robin^en 
beg. beutfehen 9Seich§ aÖein mehr atg gehn Millionen Menfchen 
gieht, bie fich üherhawpt nur ; in SlugnahmefäClen beg §od)= 
beutfehen hebienen, bereu eigentlii^e Mutto^^ unb Ümgangg^^ 
fpradhe febodh bog „©(attbütf 4 ^''^^i^^^^^ 

Um biefe^ ^ßlattbütf^,: m bon ber ©e^ 

beutung eineg ®roth,. ®annehl (Ueher nieberbeutfd)e ©prache 
unb Sitteratur), MüÜenhoff, Sheohalb, Meinhoff (Drthogrd^ 
Phifdhe ©riefe) in ^eutfdhlanb, SSinfler, bau ©loten, *5)bpp, 
Soöetohn, Seopolb unb anbere in §oKanb, bau ©eerg, bau 
ben §obe, Sehrocqul), be ^^aerne, be glou in glanbern alg 
einen ber brei großen ®ialefte beg Nederduitsch ober 
,^Thiois‘‘*) unterfueht unb hefdhriehen h^ben, mar im ©e^ 
ginn biefeg ^ahrhunbertg auf ben ©tanbpnntt eineg berodhteten 
©atoig h^rahgefunfen, hödhfteng boju geeignet, um rohe @e:= 
banfen oug^ubrüden, ober läd}erlid)e ©offen, cineg ^angmurftg 
ober ©cgping mürbig, einjnfleiben. 

Unb bennodh hefißen menige ber europciifdjen ©prad)en 
ein ehrmürbigereg litterarifcheg SUter. neunten 

hunbert hereitg entflanb im ©lattbeutfi^ ober SMeber^ 
fächfifdhen ber berühmte $elianb, bag büftere ®rama bon 
ber d)riftli(hen ©rlöfnng. Sc'od) nad) Suther hlieh bag ©lait=^ 
beutfihe in S^orbbeutfdhlanb alg litterarifche ©pradye heftehen, 
bon 1597 big 1740; bag h^tht bon Opi^ big p Klaubing, 
gm Sdh^^ 16^2 beröffentlichte Sauremberg feine fatirifd)en 
®ebid)te in nieberbeutfeher ©praeße, unb felbft nod) im S<^hre 
1704 berteibigte be-r Mogifter ©ernharb IRaupadh an ber 
9t:oftoder Uniberfitöt eine heftige Sh^f^^ bag §od)beutfche. 
(Ego sane, fagte Slaupadh bom ^ieberbeutf^en; quando camdem 
proferri audeo, tan tarn mihi videor in eadem oböervare 
sermonis elegantiam, tantam verborum snavitatem 
et amoenitatem; ut velipsos Misnicos eamdem nitare 
suo superare mihi persuaderem. 9?och im 17. unb 18. S^h^- 
hunbert blieb eine Slnjahl begabter (Schriftfteller ihrer etgent== 
liehen Mutterfprache treu, fo ©ddmann, ©örmann, ©run, 
©odg, Mdhep,'"*) (Strobtmann,'^'^''^) @dhübe,t) Mahnert, ff) unb 
bor attem Soh- «^sinr. ©oß unb ©ornemann. ©remen 
beftanb eine ®efeUfd)aft jur ©flege beg ©lattbeutfchen fff) 
(fiehe Siuberling, ®efcl)i(hte ber nieberfcid)fifd)en (©proeße, 
unb ©(heller, ©üdhetlüube ber fädhftfch - uieberbeutfehen 
©proihe). 

9 ^ 0 ^ lange naih ber Üteformationg^eit erhielt fid) bag 
9Jieberbeutf^ fomol in ber ©^ule alg in ber Sirihe unb in 
ber ®eri(htgftube. 

®ie ©ibel Sutherg^ ber proteftantifihe Sateihigmng unb 
bag ©falmenbu(h mürben aße in bie ®ialefte überfeht. Unb 
hoßönbifche ®eiftliihe mie ^enri Moßer bon gutphen, melißer 
im Sahre 1524 ^eibe lebenbig berbrannt marb, fated}ifirten 


*) §err ©rofeffor ©oI be Mont gebraucht biefe beiben Slug=^ 
brüde, ben einen nieberlänbifd), ben anberen franäöfifch, für fein 
.ftamifheg unb maüonifiheg ©ubiifum, um ben. ggn^ep gmeig ber 
beutfdhen ©pradie, ben er im 3luge hot, unb ben er in „brei große 
^ialette'' teilt, beutlich unterfcheiben bon bem großen biefer brei 
£)iaiefte, ben er halb mit „qsiattbütfch", halb mit ,.bas-alieinand'‘ 
.■bezeichnet. ®ie beiben anberen ^ialefte finb ihm bag SBeftfälifdje 
unb bag Stieberlänbifche, inelch lehtereg er in bag „Storb^SUeberlänbifche" 
(^oüänbifche) unb „SübMieberlänbifd)e" (glamifdje) fpallet. ferner 
gehört nod) bag griefifche git b efer Gruppe. 0ie beutfdje ©hßologie 
bezeidjnet bie gange (Gruppe mit „Stieberbeutfeh", bag q^fattbüti,d) 
meift mit Stieberfdehfifeh unb bag 9cieberlänbifche gumeilen mit Stieber^ 
frdnlifch. 

Bon ihm u. a; ein Söörterbuch beg Ijomburger ^ialeftg, 
Hamburg 1755^ 

- SSon ihm u. a. ein SBörterbudi beg ognabrüdifchen unb 
meftfdlifihen 0ialef'tg, Slltona 175(3. 

t; ^on ihm u. a. ein SßÖrterbuch beg hoIßeinifd}en ©iaieftg, 
gamburg 1800—1807, 4 ©dnbe. 

tt) 9Son ihm u. a. ein SSörterbuch für ©lattbeutfehe, ©tralfunb 
1781.' 

ttt) ^on ihr hcrauggegeben erfd)ien ein 953örterbuch beg bremi=^ 
feßen ^ialeftg, ©remen 1767—72, 5 ©dnbe. ■ 



Magazin füt Öiüetatur. 


9^r. 3 


in nieberbelitfd^er ©prai^e in , ben ®üfiten|rid^en ber Ofifee, 
bon Stet imb ©amßurg bi^ nad^ Sömg^berg nnb 3Jiemet 
btnaui 

®a§ tba§, bielfeid^t am meiften bem langfamen ober 
fixeren SSerfatt biefer ©pra^be beitrug, teor im fe<^§ 5 ebnten 
Sabrbimbert ber ßerfaö be§ ^anfabunbe^, ber aße nieber- 
beutfdben ©täbte bou ßtbtanb bi§ gtaubern berbanb unb ber 
ficb 5 ür gemeinfomen 93erfebr§= unb ^unbe§fpraif)e bg§ meto:= 
biöfe „®iet|cb'' (thiois) non ®rügge au§et!oren batte. ®iefe 
Sluflöjung Uhb bie batb barauf folgenben fut^tbaren 3 fteI 1 gion§- 
Iriege, n)etd£)e faft ein binbur^ in ®eutfcblanb unb 

ben Slcieberlauben loüteten, jerftörten für immer birfe fpradb^ 
Heben, tittetarifdben unb intetteftueßen jße^irbungen, uiibt nur 
^toifiben ben 5jjteberbeutfi^en meflHcb unb ^pftHcb be§ ffibein^r 
fonbern ietbft jmifdben benen ber 5Ktebertanbe§ be§ 9Zorbeu§ 
unb be§ ©üben§. 

II. 

gm gabre 1833 mürbe ein ©tubent ber jenaer Uninerfitöt 
einer poHtilß)en SSerfdbmörung megen, an ber er fteb beteiHgt 
batte, 511 m ®obe nerurteUt; |ebo^ begnab||ile ber Sönig ibn 
unb bermatibHte ba§ ®obe§i|rtei( in eine ^Befängntöböft bon 
breigtg Sabven. SJadbbem er fieben bon btien breifeig gabren 
in ben 5'cftüugen ©Uberberg, ©togau, ©ralibenj, ®omi^ u. a. 
berbrad)t b^^He, mürbe ber uu;gtüäHd)e S3ut|cbenfdbafter enbtteb 
bureb bie ^mneftie bon 1840%ei, unb ba er nun nadbgerabe 
§u alt mar, um feine iuriftifeben ©tuDien, h\t er im gabre 1831 
begonnen bötte, nod) einmal ;guf 5 unebmen,' fo He| er ficb in 
einer fleinen ©tabt ^ßommernl al§ ^rtbatlebrer nieber. 

- ©fcberlidb badbte an beni Sage, ba |biefer berunglüdte 
9?edbt§bcfliffene feine langen ©tunben ber Äuße bamit du^^u- 
fußen begaim, einige ©tropbeSi in bem Sidleft feiner .^eimat 
— in bem medlenburgifcben ^latt — uieber^febreiben, feiner 
mentger alä er felber baran, ba^ bieje be)d)ei;benen bid)terifd)eu 
Serfuebe ba§ $ 8 orfpiel ^u einem munberbaren, aßgemeinen, 
litterari)d}cn ©rmad^en merben fönuten! llüb bod) mar faum 
bie erfte ^lüßage bon ßaufcbeu un 9{imel§ im gal)re 1853 
erfd)ieuen, al§ aud^ bereite ber Plante be§ ®id)ter§ bon SKunb 
511 bliunbe ßog, unb eine ^ßopularitöt erlangte, meld)e bon ba 
an nur noch flünbig mad^fen unb ^unebmen foßte. 

S^^uter — benn um ipn bi^nbelt e§ ficb — fannte 
fein mabreä Salent nod) nid)t. Slber boeb ließen biefe erften 
SSerfuebe fd^on aße§ ba§ borau§ abneit, ma§ er ju bieten oer^ 
mo(bte, feine unbergleicblicbe SSerbe nnb feinen unoerfiegbaren 
^umor, unb jeigten jugleiib bie ganje ©enauigfeit unb ©cbörfe 
ber pfpcbologifi^en 33eobad^tung^gabe, bie ibnt eigen mar. 

3 mif(ben bem $umor Dfeuterg unbrbbnt be» ®id)ter§ be§ 
Yicar of Wakefield Hegt eine tiefe Sluft. Ser §umor 
be§ ^ nieberbeutfdöen SRomancierS b^t burd)au§ nichts arifto= 
fratifd)e§ an fi(b. 2Siß man bergleii^en, fo mürbe icb bon 
oüen ©d)riftfteßern nur einen einzigen ßnben, ber mit Sfteutcr 
^ufammengefteßt merben fann, nömlid^ ®icfen§; ber ®icfen§ 
menigften^, ber ficb un§ in Nicholas NickJeby unb in 
ben Pick\^ick Papers offenbart. — 9lßerbing§ mcifen bie 
SBerfe be§ großen englifiben fRomoncier§ eine SKannigfaltigfeit 
ber ©eftalten unb ©toffe auf, bi? mir bei bem SJJecflenburger 
feine§meg§ finben; bort mo ®iden§, al^ boßenbeter $ 8 irtuofe, 
rafd) bie ganje ©fala ber ©mpfinbungen bur(blauft, bi^meilen 
faft ficb 5 »^ tragifeben ^ö^e eiue§ ©bnfefpeare erbebenb, bann 
mieber ben Son ber barmlofen naiben gbpße unfcßlagenb, unb 
halb mieberum breit unb laut lacbenb mie ber biefe galflaff, 
in aß biefen berfebiebenen ©efübl^ftufen fteßt ficb 9fruter un^ 
nur bor ate Sarrifaturift', melcber übrigen^ in feinem 5ßuntte 
ben berübmteften SKuftern biefer ©attung nad^fteßt. 

IIL 

Seiner bon aßen nieberbeutfdben ©dbriftfteßern b^t 5 u 
bem glön^enben Htterarifcben ©rraad^en, meld^e§ mir feit 
einigen ^man^ig gabren berfolgen, meßr beigetragen, al§ mein 
berühmter greunb Slang ©rotb, ^rofeffor an ber fieler 
Uniberfitüt. 

^ ©eine gan^e ©r 5 iebung, fa, feine ©eburt unb 9lbftammung 
febeinen ©rotb gteicbfom ooraugbeftimmt ^u höben, ber iÜ^ejfiag 
feineg b^^matlid)en ®inlefteg'ju merben. SSöbrenb feiner ganzen 
Sinbbeit fbrad) er nur plattbeutfcb, feine ©Hern, feine SSer=^ 
manten, feine ganje Umgebung, aud^ bie ©ebilbeten, 9ler5te, 


$rofefforen, Beamten fprad^en nur platt ©ein SSater trieb 
mit feiner SKutterfpraibe fogar einen förmlti^en Sultug. ©r 
bebiente ficb feineg ^lattbeutf(b aud^ felbft bann, menn er auf 
eine in bö^beutfd) an ihn gertd^tete g^age ju antmorten bötte 

gm gabre 1853 gab Slang ©rotb feine erfte- ©ammlung 
plattbeutf^er ®ebi(bte ’b^raug, ben berühmt ' gembrbeneh Öuid== 
born. ©erbinug bötte ihm gefebrieben: „gbr SBerf mirb einer 
Safe in ber Süfte gleidben. ßaffen ©ie eg fübuHcb brucEen. 
©ie brauchen feine ©mpfeblungen, auch meine nicht." Unb in 
ber Sat mar ber „Suidtborn" meit mehr alg eine gute ®ebidbt= 
fammlung; er mirfte f ft mie eine Offenbarung. äBag Slaiig 
©rotb in ber ßpiif erreicht, erftrebten Sluerbacb, ©ottfrieb 
Seßer, geremiag ©ottbelf in Seutfdblanb, ©onfcience unb 
©remer in ben 9?ieberlanben, für ben 9 foman unb bie ©r= 
^äblung: bag aßgemein ßßenfcbli^e, 5Uationale, menn man miß, 
ju lofalifiren. 

Slße biefe bon Sunft unb 3Biffenfcbaft Slug( 5 efd)loffene, 
aße biefe S^iebrigen unb Unmiffenben, benen aud^ ®oetl)e nicht 
gemagt bötte einen 5ßlab in feinem 33feiftermerf ^ermann 
unb Sorotbea ^u geben, mürben in ben gbpßen unb ßiebern 
beg Suietborn nun bejungen, in munberboßen SSerfen, in 
einer fräftigen unb farbenreid&en ©pracbe. Unb ber gnbölt, 
ber ©toff biefeg unbergleicbltd)en Säerfeg? Sag ^IJioor- unb 
Reibelaut) ber Sietmarfeben, bie bübf(ben Sauernböfe mit i^ren 
halb ftrob^, bölb ^iegelgebedten Sücbern, bie großen 3trbeitg== 
pferbe, bie niebli^en ©örteben, bie ßanbleute auf ben jährlichen 
Sröörften bon ^eibe, - fur§, bag ßeben beg Sorfeg, bon aßen 
©eiten febarf beobad^tet, big in feine tiefften unb gebeimften 
SBinfeld^en ftubirt unb ge,^ei(ßnet. 

gran^öfifdften, mit bem ßocbbeutfdöen bertrauten ßefern, 
melche ben norbbeutfeben ä)Uftral fennen lernen moßen, em== 
pfebie ich bie boppeltfuracbige Sluggabe beg Suidborn, melche 
TOüßenboff beforgt l)öt. Sa ift ben plattbeutfd)en ©ebichten 
eine mortgetreue hod)beutfcbe Uebertragung beigefügt. Säelcbeg 
bag fchönfte ©ebid^t ift? ©erne gäbe ich ber „§anne ,ut 
granfrif" unb „^eter ^lumnt" ben $retg, in benen bie gan^e 
träumerifche 9[)^elancboHe beg norbbeutfeben ^immclg atmet, 
menn ich mich öid)t ber „SömiljenbiUer" erinnerte, munber:= 
barer ©emälbe, im ©til ber alten boßäubijehen Slieifter, bon 
berfelben 9fut)e unb ©infalt. Unb mag foß ich 50 jenen ßiebchen 
fagen, fleinen ©timmunggmalereien bon faum hier, fünf 
©tropben, bie einen ganzen ©ebaß bon ©efiU)t unb Seobad)^ 
tung enthalten! Sa giebt eg ßanb|d)aftgfcbüberungen, mie „Sat 
Sorp in ©nee", bag bie fd)önften Söirfungen beg unber= 
gleichlid^en SBintcrmalerg SDZuntbe erreid)t; '„Slbenbfreben" 
giebt in bini^^iß^öben Serfen eine ©d)ilberung länblicber glur. 
Unb im ^meiten 33anbe beg Sniefborn, ber ‘1871 erfchien, be- 
finbet ficb bie boßenbetfte gbplle, bie feit ©oetbe gefebrieben 
morben ift, ber „©eifterfrog", ber bem Siebter ben ©dbißer^ 
preig auf ©eibelg Sorfchlag eintrug. 

SKerfmürbigeg ßöfammentreffen! Slang ©rotf) ift, ebenfo 
mie aud) SJ^iftral, nid)t aßein ein Sichter erften fRangeg, 
fonbern auch ein ^rofa=©cbriftfteßer bon großer ©eltun:g. 
„Ut min gunggparabig" (1876) unb „Srei platte 
beutfd)e ©r^äblungen" (1881), bor aßem jebod) feine 
„SSertelln" (1858 erfdiienen) geigen ©rotl) olg mürbtgen ©e- 
nbffen eineg ©onfc'ence unb ©remer, eineg ©ottbelf unb 
Stofegger. 

Slang ©rotb böt jablrcidhe Slad^foloer in Seutf(blanb ge^ 
funben. Unter ben ßprifern nenne iib gobann SlZeper, g. g. 
Slbreng, ©arl 50feinl)of, ©blerg, Sorette ^eßenfamp, Seine, 
Slbolf SJJüßer, ©rnft Seßer, Si^tonpniug S^ußbaum^ ©urlitt, 
Sopfen ban 5liienfarfen, unb unter ben ©r^äblern gobn ®rinf== 
mann, Slnnmarief ©chulten, ©opbie Setpelf, S- ^ön Stag= 
borg, gerbinanb SBeber, granj ©iefe, Suißom, Sllbredpt :c. ic. 

Unb nun fann man feben, mag bie ©ereebtigfeit einer 
©adpe, unb bie ©nergie berer, bie ihr bienen, aug^ufübren 
bermag.^ „gn Berlin" — fagt mein greunb g. ©. Sönfen in 
einer feiner Srofi^üren — „in Berlin felbft, in biefem Söupt- 
mobnfih beg litterarifihen ©eifteg bon gan$ Seutfdölanb, pöt 
ficb ©entralberein gebilbet 5 ur 5ßßege unb Sonferbirung ber 
Plottbeutfdpen ©pradpe. gn bem fo lange mißachteten Sialeft 
erfdpeint bie S3ibel; unb bie SBörterbücber,*) ©rgmmatifen. 


*) ©in auggegeiipneteg SSetf ift ber „©pradpfdöap ber ©affen", 
bon Dr. 23 ergpaug. 


mx.s 


41 


Hl^aga^tn för Äitieraiut:. 


9f?euouf(agen alter nieberbeutfd^er SBerfe, folgen einanber faft 
ohne Ünterbre^nng , , . , ben meiften ©tobten S^orb- 

beutj(ftlQnb§ — in Hamburg, ^onnorer, ©Iber- 

fHb, Seip 5 tg/ felbft in $rag, fmb plattbeutfd^e SSereine ge== 
grünbet tborben ; in Hamburg, ©Iberfelb, Berlin, fa, in Sonbon 
unb felbft in Slmerita erf^einen fi^on nieberbeutfd)e 3^^- 
tungen.'' 

' Unb Slang ©rot!) felbft fagt in ber oben bereitg er^ 
mdbnien 33rofd)üre (,,Ueber SERunbarten'O- 9^en)=^Dorf, in 
9^en)-DrIeang, in ©an grancigco, am ä^ilfiffippi, ^oma unb 
SSigconfin, in ben ©olblönbern ©alifornien unb Stnflralien, in 
©^ina unb felbft in S3an ©iemenglanb — überall mo ftd) platt= 
bentfd)e SInfiebler finben, tnirb bie SJJutterfprac^e mit einer 
n)äl)ven S3egeifternng gepflegt''. 

Unb in ber $at, alg im S^b^e 1875 bie 9^ieberbentf(^en 
ber neuen SBelt in SZcm^^Dorf gnjammen famen, um ibr etfieg 
großeg nationaleg g,eft ab^nbalten, „bat erfte plattbütfdje Soltg== 
feft/' tnaren mehr alg fünfunbPter^ig ©efellf^aften unb SSereine 
bort. Pertreten; unter biefen befanb ficb ein 9i'euter=, ein ©rotl)^, 
ein SIpItfe-, ein S3igmarct=SInb. Unb enbltd), last not Jeast, 
befi^t ^amburg ein S^bcuter, in bem töglicb Pon einer mehr 
alg breißig 2Ritgüebern ftnrfen ^'rnppe, SorfteHungen Pon aug^ 
fd)ließücb piattbentfcben ©tüden gegeben merben. 




priöcilla. 

@ine römifcf)c S’r§ä()tuiig. 

S5on 

®ictor Igcjjti. 

2(u^ feinem i>Jad)Iaffe |erQU§gege6en bon Slrc^iorat 

Dr. (Sdiiemann. 

_ (©d;Iufe.) 

(5’iiie itiiDeinii^le Slljinnig beffen, jvm§ fpäter ciutrof, 
irieb niid), bn§ ciiifl mir fo ücrlraiile fDiäbdjcit, btffcu 
(£d)öitl)cit unb cdjt ilalienifcije ©iinicjovt luid) einft jo 
imtiiberbar onge^ogcit, wteber oufguindjeii. 3d) trnt ciiic^ 
9 Jnd)uuttn(j§ in bn§ ntte befniiute §nu§, über bie olle 
©d)U'eUe. f)>ri?cillaö IDhitfer nu^erte eine etin'aS cie» 
giüuugene 55rt'iibe,. nod) jo longer 3eit mic^ tuiebergujeben, 
ober wie üeräubert foiib id) ffJriSciflo felbft! <Sie log in 
reid^em Slnguge onf bem (2opt)o, auf iprem feud}teu 
Sliigeufpiegel fdiwgmiu (Sclimadjteu mib Itebevbvufe jit- 
gleid;), fie warf bie Sippen bii'Weiteu mit bem 3 tu§bni(f' 
reij^euber SSerai^tuirg auf. ©iiiige SOtonote waren uer» 
ft offen unb fepon fanitie fie ba§ Sebeit unb bie IDcenfepen, 
fie wußte gu uuferfdpeibeu, 51t beulen, fiu wüiifdieu. :Sl)te 
Stimme war weiep, in anberu ÜJiomenten befepleub 
unb eutf^iebeu unb oon jenem liebenSwürbigeu $rop ber 
Sßeiber, ber uu§ lüd)elu mad)t, iubem er uu§ unterwirft 
„Sie pabeu uu§ fo lange uiept befmpl", fagte fie,’ 
al§ ipre fDiutter uu§ oüeiu gelaffeu patte, „weil ba§ SSer» 
pültniS, in ba§ icp mit einen ißriefter getreten. Sie un= 
wißig gemaept?".:^ f 

?‘ 4 ,Sa.©ignora;" , 

„So feib ipr Wänuer! @ucp ift atleS erlaubt, jebe 
Seibeufdpoft, jeber ©euitß, in bem ©efepbud), ba§ ipr 
gefeprieben, ftept bie loipenbe g^^fipfit füi' fUfp- bie ißflidft 
unb bie $prönen für uug; in bem 3tugenblif, wo ipr 
un§ benupt, Oeradptet ipr ün§. Unb wenn ein Sßeib, 


pingeriffen oon ber 3 Radjt, bie nufer $erg in bie §öpc 
treibt, betrogen oon ©iiifalt unb ^Jiubpeit, gebreingt oon 
$ilflöfigfeit, fiep ben äßüufcpeu eiue§ oon eudp ergiebt 
— bonn rupt ipr niept eper, al§ bi§ fidp bie Siebenbe 
oerblutet pat unter ben Streiepen eures itJeibeS, eurer 
aSerlaumbung unb 3Serad)lung. SDod) midp foHt ipr nidpt 
erliegen fepeit. Wieiue Söonue ift mein, wie mein Sdfmerg. 
SSeiin icp- liebe, wenn idp glüdlii^ bin, woS gilt mir eure 
SSeraeptuug?" 

„ißriSeißa," fogte id) erftaut, „Sie lieben fDionfiguore? 
SBenn Sie ipn lieben, wenn Sie woprpoft oon Sprem 
§ergen getrieben werben, in füßer ©rgebuug unter bie 
unwiberfteplicpe ©ewalt 51 t ftnfeu, mit ber er Spnen 
fiegeub unb mönnli.p enlgegentrat, wenn bie Sinne gpnen 
übergingen unb Sie uid)t wußten, waS Sie taten, Oer« 
bunfelt Oon bem (Slauje ber nopen ©oltpeitf ber gpnen 
gur Dladpt warb — ißriSctßa, bann tat icp Unre($t, bann 
finb Sie ein ($ngel, ber mir oergeipen mag,' unb id) be» 
wunbere Sie unb weine über Sie". — 

^Urifeißo warf einen langen 331icf ber Sepwermut 
unb beS iOiilleibS auf miep unb fagle bann: „ 3 Bo finb 
Sie bie geit über gewefen? SSaren Sie in 3iom?" — 

„ 3 n Jtom," erwiberte id), „nnb auf 91uSßügeu.in 
ber Umgegenb." — 

„Unb Sie ftöberu uod) immer in ben alten IDJouern, 
burep iBiguen nnb Uird)euV geiepnen uoep immer unb 
fcplagen alle .t)anbfd)rifleu auf?- Unb gefaßt eS gpnen 
noep in 91om?" — „ 2 tcp," war meine 2 tulwort, : „id) 
benfe mit Sdjaubern. au ben Stag, ber einft fommen 
wirb, au ben 2 ^ag, wo id) werbe fd)eiben müffen. Unb 
bin id) einft im Sßalerlonbe — wenn id) bann abeubS 
an ber glömme beS Std)teS fipe, unter 23üd)ern, in 
fünfilid)er Ofenwarme, unb mein ^ewuftfein trübe tobert, 
wie bie gtamme oor mir — bann werbe id) an 9 lom, 
an blaue Süfte unb weißen iöiarmor unb oor aßem au 
biefe Stube gurüefbenfen, wo icp Sie taglid) fop, unb eS 
wirb in meinem gnuern wieber bie Sonne aufgepen, 
bie tanfenb garben wedt, unb bie Sßelt, ein oerworreneS 
unb bleicpeS ©paoS, wirb wieber gu rupern SKenfepen» 
geflalteu, gu ftißeu ißpougenformeu, gu liebtiepen %birgS= 
proßlen unb arepiteftonifepeuSinien fidp orbnenb fepeibeu."— 

„S)ie Stube, _ wo i Sie miep töglidp fapeu! wie laug 
ift baS bodp per? " — 

„91cpt SlJonate, Signora. — " 

„9td)t ülionote! 35?a§ icp für ein i^iub ’bamalS war! 
®aS id) gebonfenloS war! ^üptig alles, woS id) fprai^ 
unb tat! güpteu Sie and), baß Sie ein anberer geworben 
ßnb?" — 

„Äüpler bin icp, ißriSeißa, bernpigter. gdp war ba« 
malS in einem ßtaufep beS ©ntgüifeuS, miep im Sübeu, 
in 9tom, auf peiligem SBobeu gu beßnben, neu loar mir 
aßeS. Unb wenn icp mübe ooii Slnfdpauuugen unb @c* 
nüffen meine Sinne fd)loß unb S:age, 9(benbe laug in 
meiner SBopnung aßeS ßifl um miep werben ließ, fo baß 
aus bem ©runbe ber Seele bie wepmütige SBonue, wie 
eine 9Uje auS ben gluten aufftieg, bonn war icp an 
gprer Seite, fpraep mit gpnen loie im Sraume, täfelte 


42 


SJJagagin für Sitterotur. 


9ix. 3 


über 3brr Sieben — rote glütflidb roar id)! fpri^cilld, 
©ie roaveii ein Jiiiib, ein reijeubeä, gebnnfenlofeS ^iub, 
in betn viel ©dbeit uiib föftüdbe ©cbü|e fdflummerten, 
bie mir auf einen giinbenben 3nnberj(|(Qg rodrteten, um onf» 
äublit()en niib benrorsntreien, ouf ben Qonberftblog ber 
Siebe. Unb roie ©ie felbft fogen, fßriScillQ, biefe Siebe ift 
gefominen, id) roeife e§, roie in ibr o£Ie§ ftbnell seitigt 
nnb reift. Unb ©ie finb ondb bnrdb bie ©rftarrung be§ 
©dbred» nnb ber 9tngft gegnngen, idb meine ben fDforb, 
ber 3bre« ©etiebten blöblicb iit bie einige bnnfte g^erne 
p ftürsen im 93egriff ftonb — roa§ buben ©ie fül}ten 
müffen, bu mir ber Sinblid unou§töfcblicb in ber ©eele 
bronnte, mir bem gremben. Unbeteiligten." — 

„®er 91nblid? 3bi<rn? §uben ©ie ben 3Serronnbeteii 
unf be^i ^runfenluger befudbt?" 

, „3cb f.ib ibiü giricb uudbbem ber Sotdbftofe gefcbeben 
rour, id) fab il)n notb in feinem SSlnfe tiegen." — 

,,©ie fubcn i()n? ©o ersöbten ©ie; genun, nniftönblidb 
füllen ©ie mir uüe§ ergüblen." 

„©cbonen ©ie ficb, 5ßri§ciflo, erloffen ©ie mir ben 33e= 
ri(bt. ©rnenen fie niibt fünftlicb utte bie Slngenblide be§ 
©ntfebeng, bie ©ie bnreblebt haben — " 

,,3d) roiflS," nntevbrncb fie niicb mit befebtenber 
Uiigebnlb, inbem fie ficb anfridiiete, nnb ilfve Singen 
fnnWten. „©ie füllen mir ergäl)Ien, idi roiil olle« genau 
erfabren." 

3cb beriibtete il)r barauf, roie id} ben 93erronnbeten 
gefnnben, roie roir bie SBunbe nnterfncbt, roie roir ben 
halb entfetten S^örper biaonfgetragen. ©ie lie^ ficb 
befcbreiben, roie tief ba§ SJieffer gebrungen, roie l}art e§ 
ba§ Seben geftreift, roie nnl) e§ bem bergen norüber* 
gegangen, ©ie fragte, ob fDconfignoreS ©eficbl§güge 
gerftört, ob bie f^iager feiner §anb frompfbaft gnfammen» 
gebrütft geroefen feien — icb begriff ba§ roollnfioofle 
©ranfen niebt, bo§ fie an ber ©vgöblnng nabm. SDenn 
bie italienifcbm 3^ranen feben einen ®ol(bfticb, eine SKnnbe 
mit gang bomerifeber ©claffenbeit an, fie fühlen in ©egen» 
roart be§ fßerronnbeten niibt ©ebred noch TOitleib, ein 
oerblntenbeS Seben ift ihnen ein ftiller SJatmoorgang. 
©ie fbmbatbifiren nnr mit bem ÜJiörber, ber ein Unglüd 
gebgbt l)ot, roie fie ficb ait§brüden ^ ein Unglüd, b b- 
ber 9iad)egoit, bie 3’arie ber Seibenfsbaft bot ihn gnm 
roitleiitofen Syerfgeug gerociblt, fein $anf)t ift geheiligt, 
roie ba§ be§ aSabnfinnigen, an§ bem ja oud} ber ©ott 
f|)rid}b ißi'iScilla aber hing an meinem 3)?itnbe nnb ein 


mir Miierflürlicbe^ ©efül)l fdjien in ihrem Innern gn 
arbeiten. ,,©o lief, jo lief," fugte fie rounberbar anfge» 
regt, „ein fo frifcb quellenber S3Iutftrom, nnb bennoeb ba§ 
\ jcharfe JDceffer fru(bttp§ in bet: rgf(b,en §anb gegüdi!" 

: „% .frnd}tlo§,,,,%i§g^^^^^ einig baut fei bem 

/.^eiligen, ^ @r ift ,^baen erhallen, worben. 3ch glaube, 
. er )d}on jebt bfe Dleife nn,(b ©inigaglia ohne S3efcbroer 
nnb ©efabr wirb oollführen fönnen, befonberS roenn ©ie 
^ ihn begleiten, ihn .pflegen — ober begleiten ©ie ihn nicht V" 
•J^ch bleibe inahrfcheinlitb in 9^om." 

^ ; ,3cb fob fie .forfchenb on, „^riScilla, ©ie finb noH 

bittrer Seibenfebnft, — ©ie bleiben in 3lom — mir gebt 


eine fnrdhtbare Slbaitag auf, er läfet ©ie hier, erbat©ie 
oerloffen — o iJ^riSciUa roie finb ©ie unglüdlitb!" — 
©ie warf einen ftolgen 331id auf mich nnb fogte: 
„©ie irren, er fiel}! mich wie um jein Seben, ihn gu be= 
gleiten, er wiE oon mir niibt loffen." — 

„9Utn beim?" — 

„^Begreifen ©ie§ nodh nicht?" ©ie fprong leibenjd}aft» 
lieh ouf nnb ging burdh§ äiaitaer. 

„SJicbtg, ©ignoro, begreife ich." — 

„Sb baffe iba/' rief fie mit bem Sione, roie wenn 
ein lang nnterbrüdteS gnälenbe» ©ebeimniS enblidh über 
bie Sippen bringt. — 

„©ie baffen ihn? — " 

„3dh baffe ihn, roie ben ^SÜob, jebe ^dfer ftreiubt fiib 
gegen ihn, wie gegen bie 93erübrnng einer ©iblange — 
unb ihm oerfauft, ihm oerroten, nnb bnreh bie erfte 
©eroöbrnng oerbinblicb gemocht für oEe folgenben! Äein 
S)ömon ber §öEe fonn bem ©ibnlbberou^ten mit feurigem 
Slnttib febouberooEer enigegengrinfen, al§ mir fein 33lid, 
feine ©tirn! 3Kit innerem S^obeSguden roinbe iib midh in 
feinen Slrmen." — 

„©0 reifen ©ie ficb Io§, i)5ri§ciEa, fo gebieten ©ie 
ihm nie roiebergufommen." — 

„®o§ loiE iib, bo§ werbe iep, bodp SSorfiept mu^ ich 
mir gebieten. @r ift mächtig nnb furchtbar — in feiner 
Elacbe, er ift ißrälat nnb pat fie uEe auf feiner ©eite. 
0, ©ie fennen nufere ^4^foffen niipt." — 

3d} fannte fie , iep fannte bo§ 3Serbältni§ ber 
lömifcpen ©eifllidpfeit gn ©itte, g^amilie, Dledjt nnb ©tont 
nnb miiBte ^^^riSciEa beiftimmen. — „Unb er pat nn§ mit 
©elb überpänft, roir müffen ipm banfbar fein — ipm 
bonfbar — fdjredlicp! 6lenbe§ SlZetall, woran fein SJauie 
flebt!" ©ie nahm bie golbetie 33rnftnabel nn§ iprein 
Sufentnd} nnb warf fie fort. „Äönnt id} ipn nnb bie 
©rinnernng an ipn fortroerfen, wie biefe Slabel!" — 

,,©ie fonnen e§, ißriSciEa, iep feproöre Spaen, ©ie 
fönnen e§." 

— „Unb loiffen ©ie, wen idp liebe, glüpenb nnb 
eingig liebe? 2Ben iep 2!ag nnb Sia^t in ©ebonfeit tröge? 
Spn, ben .gelben, ben Eletter, ber miep befreien rooBte, 
ber ben fiparfen STolip in bie oerpa^te 33rnft geflogen." — 

„SSermnien ©ie auf jemanb?" 

„Slnf nieinanb. @r ift mir nnbefannt, aber er lebt 
in meiner 5ßhantafie. 3ip fcpinüde ipn mit oEer ©d}ön» 
peil, oEer ^oippergigfeit, mein §erg fcplägt ipm entgegen. 
Unb geftepen ©ie, feig ift er niept, füpn innfe er fein, er 
roei^ ba§ 'ilieffer gn füpren. 2Sie oft fa^te iep felbft ein 
SReffer, fpiegelte Iränmerifd} mein 33ilb in ber pellen 
Älinge nnb brütete gitternb über einer entfd}loffcnen £ot — 
ein ©top, jagte iip mir, nnb bn bift frei, ^d} ftoip ben 
©topt rofd) nnb feft in bo§ Riffen, gerfd}iiitt e§, burep» 
roüplte e§, ober id} war nidpt mntig genug, eine lebenbe 
Slrnft gu treffen. ®a fain ber Unbefannle, nnb roa§ iep 
anSguführen gn feproaep roor, er tote! ©r roor ein Ü)ionu 
nnb iip ein SBeib, ein gitternbeg SBeib !" — .pier trat bie 
Üllntter wieber in§ Statiner, nnb iep potte nnr nod} Srtt 
gu fragen: '„SBann reift 33?onftgnore ob?" — „3a odpt 


9?v. 3 


®Q§ SKogojtn füü'ßiitemiut;. 


43 


5£ogejt, ^ war bie 9Iutraort, ,>bi§ bal^hi ift oHe§ 5 roif($eii 
un» ent[d)iebeu. @ott, ®ott> wäre er fd^ou tot!" 


?Jocb öoQ üou beu ©eftäubuiffeii, bie ein ebte§ unb 
leibenfc^ofllic^e» Snnete mir entIjiiEt l^atten, fiieg mir in 
ben näcbfien -Eagen ein feltjamer ©ebanfe oiif. Scb fnl^r 
eines 5Jcorgen§ nac^ 5ßaleftrina, um über ©tefgnrS jei^igen 
2lufentf)alt 1Rad^ri(|t: eingngie^en ober il^n fetbft oielleid)t 
gu fpred^en. 2l(S id^ nad^ ber SBoi^mtng bei Sitwe 
S)iinelli fragte, erl)ielt ii$ gur Stntwort: fie ift gefiern be, 
graben worbeiu „3ft il^r @of)n in 5ßateftriiia?" @r war 
geftern noct) ba itiacl^bem ici) biefe SluSfunft, wie e§ in 
Statien nii|)t anberS ift, mit einiger Sttünge betoi^nt Ijatte, 
trat id; in baS begeic|nele §an§ unb fanb ©tefano be= 
fd)aftigt, ben §anSrat gn unterfnd)en, ber baS, Eigentum 
feiner oerftorbenen SDintter gebitbet Ijatte. SJiit freubigem 
©rftaunen erfannte er mict) imb rief mir bann gn: @r 
lebt! SSoranf er teife Ijingufe^te, inbem er auf baS 23elt 
feiner SRutter wieS: unb fie ift tot! ergäl)lte il)m 
barauf afle», wa§ id) oon H^riSeiüa wnfete. iEac^bem i(i) 
geenbigt, batte bie iiiebe wieber fein gangeS SSefen aH» 
mädbtig nnterjodt)t, nnb UnwiOe unb aSeraditimg, bie fein 
§erg fo tief gef^tagen l)aiten, waren bem SEiileib ge, 
widmen, baS eS mit faiiften S!vänen überftrö.nte. @r 
batte aCeS oergeffen, er wiifete nur oon ber atten nnanS» 
löfcbtidbeu Siebe. ^riScillaS 23efib fdbien ibm noch immer 
baS böcbfle 3d) bot ibn, nad) 9iom gn 

iommen, waS er oerfpracb. 

SKenige S^oge barauf war id; wieber bei ^riSciüa, 
bie midb mit ^eilerfeit empfing. @ie evgal)tte mir, wie 
fie febt göngtidb mit 2)foiifiguore ©. gebrodjen habe, nnb 
waS für ©genen bobci oovgefallen. 2tud) il)re 3)iutter, 


jagte fie, bie immer boS gonge 93erl)ältniS begünftigt, l)abe 
ficb jebt f(bon bavin gefimben, eS aiügelöft gn jeben. 
Uebei'banpt fanb id}, bafe 5j3rif'Cifla, bie id) fonft als ein 
finbtid) abl)äugigeS SBefen gefannt batte, jebt ihrer 9)intfer 
gegenüber einen feften SöiEeii nnb ilpe eignen ©rnnbiäbe 
bebanptete. 2US ©egenentbedung flüfierle idi i()r inS 01)0, 
id): tonnte ben 9.l(onn, ber bitrd) feinen ®old) il)re 2tdbtnng 
anf immer gewonnen bobf. onb oerfpracb >bo unter ber 
tBebingnng gn nennen, bafe fie mk erlanbe, ibn baS 
nöcbfte mal, wenn id) wiebcrföme, mitgnbringen. ®ieS 
wnrbe gngeftanben nnb ©tefano befanb ficb fd)un ben 
näcbften Sag feiner ©ctiebten gegenüber, ©ie betrad)tete 
il)n anfangs mit ebrfnrcbtSooner 3Serwunberung, bie fid) 
gu immer gröBerem 9(nteit fteigerte. Sotb war ©tefano 
ein böufigercr ©oft als icb fetbft, nnb e§ fam fo weit, 
bob er mir eines 5EageS anfünbigte, ^ßriScitla fei feine 
33rant. ©r werbe jebt, fügte er büigu, mit aper ^raft 
nnb Ottern g'tfiß uo>b fiuem ©efd)äft, einem Stmte ringen, 
nm bann feine f^run beimgnfübrcn. 


Seiber lonnte i(b ©tefanoS weiteres ©d)itffat niept 
mit eigenen 3tngen oerfolgen, ba meine 9tbreife anS 9lom 
.wenige Soge boranf oor fid) geben follte. ®ie itieife» 
oorbereitungen, gu oEe:i jenen ©tfitten, bie mir fo teuer 
geworben waren unb bie iep nnn anf immer oertaffen 
mnfjle — - otteS nopm miep in ben lebten Siagen fo fepr 
eiiij.- bab id) ^riScida nur einen ffücptigen 93efnrp, madpen 


fonnte, bei bem idp ©tefano nidpt einmal bei ipr fanb. 
©tefano fetbft ober wor ooE nngepeudpelter Trauer, dts 
er miep fdpeiben fop: nodp in ben lebten 2lugenbti(fen 
woEte er oon mir nidpt taffen, er reiipte mir, mit Siränen 
in ben Stngen, bie ^anb in ben SBagen. greunbe, bie 
id) in Etom giirüdtgetaffen unb bei benen icp miep brieflidp 
nodp ipm erfunbigt patte, metbeten mir fpüter, er fei oer= 
peiratet nnb pobe in ber Sßia ©iulia ein ÄaffeepauS on» 
getegt, bem eS feineSwegS on ©äften fepte. 



^inc i&cale ^rau. 

©dpaufpiet in brei Stnfgügen oon dlSarto 

SJeutfet) t)on 2)1. bon 33 or^. 
(gtoeile gortfe^ung.) 


^weiter Jlufgug. 

(©olon im §anfe 23eInttS. ©tegante biftingirte ©inric^tung, bie 
bon bem guten ©efebmad eine§ Sunggejellen geugt . . . ©rofte ©in* 
gnngätbüf im E>intergrunb. - Sinfs eine 5bf)ür,' recpt§ ein §enfter. 
Sinf§ im SSorbeegrunbe ein Xifd) mit Süibern unb geitfebriften — 
@opt )0 unb fiel)nftülj(e. — 3ied)t§ im SSorbergeunb ein eleganter 
©ebreibtifef), boranf ^ortroitä in 3iof)men unb ein lünftlerifcf) oug* 
gefiibrter ©piegel, bor bem ©ebreibtifeb ein üeiner Sebnftubl. 

Sni ^intergrunbe, gu beiben ©eiteu ber Xür, SBaffen^Xropbüeu, 

©togeren mit 3iippe§ u. f: tu.) 

§!fwe 1. 

Suftao (unb; donftang. 

©nftaO (liegt in einem Sebnftubt in finftereS SBrüten ber* 
funten . 

©onftang (tritt no^ einer furgen tpoufe bureb ben hinter* 
grunb ein, in ber §anb trögt er ein tpodet Sriefe unb tjSapiere. 
©r bleibt einen 3tngenblid auf ber ©(bmette fteben). 

©uftao. Stp, bu ItftS, ©onftang! 

©onftang (Iegt§ut nnb tpetg ab unb trögt beibeS auf einen 
©tupi . ©lütftidp bie Eteidpen! Unb wer gu arbeiten pat, 
mad)ts furg! E^iept wapr? Bürger fann man fidp nidpt 
faffen, als bu in beinern törief oon peute morgen! 

(§olt einen ®rief au§ ber Xafepe unb lieft.) „Sefter f^’i'^unb, 
i^ bin nidpt wol, pabe feine Suft peute inS Stureau 
gu fommen. — ©d)itf mir bie Elften oom ^roge| ©an* 
baleri — ©epitf ben ESergteidp ^onti in bie Etegiftratur 
unb etwoige ©lienten gum teufet, ©uftao." — ®aS 
pobe id) aifo getan. — ^ier — bie Elften; ben Jßer= 
gteidp ^onti pobe id) in bie Eiegiftratur gefepieft unb . ! . 
©uftao. ... bie Sfunben gnm XeufelV 
©onftan§. ^nS ^arabieS — baS ift fidperer — oon 
ba fommen fte nidpt wieber. i5£ritt gu ipm.) Safe mal 
fepen. (güpit ipm fepr mieptig ben ißuB ) UnmerflidpeS lieber 
— ©efiept wie ein ^rätot — ECllgemeinbe^nben beffer! — 
gür biefeS mal brandpft bu alio beinen ©lienten nodp nidpt 
notpgugiepen. — (Jtimmt bo§ tpaefet, ba§ er auf ben 2ifcp getegt 
potte, unb bpet‘e§.) .^ier fiiib bie Slften ©orteEini nut 
bem gegnerif^en Slritrag. — SieS fie fdpneE bnrep; ber 
S^ermin ift nüf 12 Upr'angefefet. . ' 

©uftao. ©S ift nodp' immer falt? ' 

©onftang. ®aS wiE i(p meinen, eS fdpneit, (Somifep.) 
^eilige f^tJulpeit, oerloü mid) niipt! 

©nfeao. 2lcp, Oil ^rbeiiSluft feplt eS mir nidpt. 
©onftang. .gngegeben! Elber on SBiEen, ou’^raft 

ober wie bu eS fonff nennen wiüft. (Otimntt eine ©igaretie 
imn <S^rei6tifc| unb ^ünbet fie an.) ^ rr.' ^ 


44 


Ta. 3 


sSjogagin für ßüteratut:. 


; @uftao. SteBer g^rewnb, üerftcBere bid), ic^ bin 
feltfd) tranf, moralifd^ fierunter, unb wenn ini^ ni^t 
aus ber Sac^e befreie, in bie id^ geraten bin, fo Wei^ idt) 
nid^t, was barauS werben foU. 

, ©onftang (fielet i^n fc^arf on). ©0, ©o! 

. ©nftat). ®aS beißt: eS roirb bamit enben, bcife 
icb baS Bureau aufgebe, baS $anS gufdfiliefee unb aiif 
nnb batwn gef)e. 

©onftang. ©entadf), gemadt)! S)aS 33nreau auf» 
geben V 5Bon biefent SBnreau bin idt) bodt) audb ein $eif. 
^erbe icb mit aufgegeben? 

©nftau 3db trete eS bir ab. 

©onftang (fe|t M nekn ibn). ©biw ©cberg — was 
ift bir? 

©uftab. ©oft idb micf) bir anöertranen? 
©onftang. SBenn bu midt) beffen würbig bättft- 
©nftao. 3dt) bin in ber Sage eines ilRanneS, ber 
eine®eUebtebcitnnbficf) ftögernb) —fidboonitir trennen muß. 
©onftang. SfJuß ? — Slfretwegen ober feinetwegen? 
©uftao, , ©einetwegen. 

©onftang. ©einetwegen alfo... madbem er einett 
SlugenbM übertegt TOäU begafltt fie Utlb fdt)itft fie fort. 

©nftao. Unb wenn eS nun eine oon ben f^rouen 
ift, bie man nit^t begabtt? 

©onftang Sann tritt man fie einem g'i'fuobe ob. 
©uftob (ftetjt ärgeriid auf). ®a I)aben wir beiiten 
©ruft! Unb idb bebarf beS tRatS, ber §ilfe, icb mu^ 
mich anSfpret^en! — Sdf) bin ein iRarr, micti bir ongit» 
bertrdneu. 

© 0 11 ft a n g (ftebt auf tuib tritt fetjr luürbebott git ®uftaö). 
Tonern, fomni! (@uft 0 l) tritt nntje gu.ifon Ifsran, er fagt itßrt 

ins Of)t): ©omgiani? 

©uftob (berbtüpi. SSolfer wei^t bu bnS? 
©onftang (träOert'. 3tfle Sßett weiß cS! 

©uftob (ein wenig berad)(Iid)). 5llle SBett Weiß eS fct)On! 
Unb bu t}oft mir nie bobpn gefprocEien 

©onftong SluSgegeictjuet! ®a bn nicfit bobon 
gefprocßen ßaft! ©oS geßort leiber nid^t gu unfern 
gegcnfeiligen ©ogietötS=45ftict)len. 

©uftob (balb argerlid, batt für fid)- Sfber idtj t)Obe 
mit niemanb borüber gefprodben. 

•; ©onftong. gum ©eufel oitcb! — Unb troßbem! 
SBiinbert bid) boS? AÖör mol: Soß rmS beute gwiidjen 
brei nnb fedpS Ubr auf bem ©orfo fpogieren geben Unter 
ben ©omen, bie unS begegnen, will icb bir bie be» 
geit^inen,' bie einen Siebbaber hoben, unb boit ben Sieb» 
bobern will idb bir bie Diomen nennen. Unb bomit er» 
gobte ieb bir gor nichts neues boS finb ©odjen, bie bu 
■ weißt, bie olle SBelt weiß ... bie fcgor ber ©otte weiß . . . 
guweiten wenigflenS! — föei unferem guten ©ompioni' 
liegt boS onberS. 

©uftob. „Unfer ^iiter ©ompioni", boS ftingt beiuobe, 
als ob. bu bicl) über ihn luftig modjen wollteft. 

©onftong. Ufa hör einmol, itb weiß nicht, loer 
bon uns beiben fidb om meiften über ihn luftig mod}t. 

©uftob. Unb hoch — wenn eS einen betrogenen 
©otteit giebt, ber nidbt fomifch ift, fo ift er es. 
©onftong. jsirflid)? 

©Uftcib. ©ewiß! ©r Ijot feinen ©runb, on feiner 
^^rou gu gweifeln: ich woge fogor gu fogeu, er hot 
fein 9fed)t bogu. 

©onftong. 3lh! Soh! 

©uftoo. 3db fpred)e im ©ruft, ©iefe feltfome f^rou, 
bie fo unbegreiflich ift für jeben, ber fie in ihrem ^oufe 
fiel)t, fie (oft boS fßroblem, gWei ÜRonner gleichgeitig gu 
beglüden: beit einen mit bem Ipergen, ben onbern'mit 
bem fBerftonbe Sluf biefe SBeife ift fie bie hiogebenbfte 
g^reiinbin nnb gugleid) bie görtlidifte ©ottin, ünb ihr 


SRonn ift weit entfernt, on ihr gu gweifeln. — Söoher 
fommt eS, baß bei ben meiften treutofen gi'üuen ber 
llRann früher ober fpäter ben f^^lüU'itt entbecft? 3Sor 
ollen ©ingen, weil bie g^rau fid) felbft oerrät. — 9Son 
hem ©age on, bo fie einen ©eliebten h>tl' fie 
folthergig gegen ihren ©aiten, behonbelt ihn liebtoS unb 
glei^giltim unb bet gute IRfann, ber feine gtou fo er» 
fulten fielt," ‘benft felbftoerftänblich: Stgenb jemonb ift 
on^meine ©teile getreten, ©r fängt on gu gweifeln — 
er beobodhtet bie ^rou in ihrem ©un, in ihren äSorten 

— fein Sweifel wädlff — jeßt fängt er on gu forfdien 

— er fpionirt, er legt i|r eiue ©d)linge — unb wenn 
er nidht bie ©dimeiberin finbet, fo fiitbet er ben ©etiebten. 

©onftong. Unb bie anonhmen SSriefe? bie ©ienft» 
boten? ber 8nf<tü? SBo bleiben biefe mädhtigften ©le» 
mente ber ©ntbedung? ; 

©uftoo. ©taub mir, bie ßnbet man mehr auf ber 
33ühne olS im Seben ©ie fommen guweilen oor olS er» 
gängenbe, oerftärfenbe ©letuente, ober fie üben nur bort 
tl)re SBirfung, wo bergweifel fidh bereits eingeniftet hot 

— ©iel), wenn ©ompioni einen ononhmen 33rief befäme, 
fo würhe er ihn empört oernidhten, ober höchfteuS würbe 
er ihn feiner grau geigen, um mit ihr beim ©effert 
barüber gu lochen. 

©onftong. ©loubft bu? 

©uftoo. gd) bin booon übergeugt. — ©u hoft jo 
feinen 33egriff oon bem, woS gulio für ihren ©otteu ift. 
Särilich unb liebeooß loie ein ©ebic|t— in ihrer ©orgfolt 
für ihn uuermübtich — unb beituoch ift fie in i|rer 
Siebe fo mutig!.. . ©ie fd}recft oor nichts gurücf — 
fie compromiitift fich felbft, wenn eS nötig ift. — SScnn 
id) eiue 2Bod}e oorübergel)en loffe ohne fte gu befudieu, 
ift fie im ©toube unb fucht micl) im SSureou ouf; hört 
hoft bu fie fo felbft gefchu. ©obolb fie ober wieber gu 
$oufe ift unb gu ihrem URonite gurücff'ehrt, ift fie frcunb» 
lieh, unterholtenb unb gärtlich — fie loirb boS füßefte 
SBort erfinnen, um eS ihm mit einem Äuß ins Dl)r gu 
flüftern... Uub boher würbe er — ohne ein ©ummfopf 
gu fein — eher on ben Untergoug ber ÜBelt, olS on eiue 
Untreue feiner grou glouben. 

©onftong. Siebt fie bidt)? . 

©uftoo. geh weiß eS nid)t. ©ewiß ober öS boß 
feilt liebenbeS SBeib je mehr für einen 3Ronii Wogen 
fonii, olS fie gewogt hot. 

©onftong. . Üiibegreiflid). 

©uftoo. 9BiOft bu noch mehr hören?.., JSSenn 
bu bid) eriiinerft, mußte ich rm oor 'gen gohre n.'.dh 
35reScio wegen eintS ßJrogeffeS, beffen 3Serhoiibluug oier» 
gehn ©oge bouerte. ©ut. Ifoum wor ich einige ©fituhen 
bort, olS fie plößlidj oor mir ftel)t. ,,®etiebtef", fogt fie> 
„üh'itiobe hier eine oerheirotete ©oufine. — IR-Icht wohr.? 
ich burfte hie ©elegeuheit hoch ni^t oorübergehen toffeii, 
ohne ein poor'©oge hier gitgubriugeii?" — ©ie bleibt 
brei ©oge bort, uub loeiiit id) nid)tUm ©cridjtSfool wor, 
fo war fie bei mir. — 3lbcr weißt bu, womit fie ihre 
3eit oerbrocßle, wenn id) befdiäftigt wor? ©ie feßrieb 
bie gärttid}fteii 33riefe on ihren Sltouii, gehn ©eiten toiig 
uub ergäljlte iliiti hunbert reigeiibe grogiöfe gobeln. gut 
erfteii ergäl)lte fie ihm; „©enfe bir biefeit 8»foH! gd) 
bin 3Seloti hier begegnet. IRolürlich höbe id) il)u riteiiier 
©oufiiie oorgeftellt ;■ fie fiiibet ihn feßr fhmpolhifch. — 
gm 93eriroueit gefogt: ich gloitbe, eruiod}tihr ein wenig 
beit §of". Uüh im leßleit, om ©oge oor ber Slbreife 
fchrieb fie ihm: „geh fomme morgen, obgleid) ich i”üh 
omüfire uub micl) hier wohl füljle; ober id) fonn uid;t 
länger bleiben, ©it feßlft mir, unb .§änSd)en". 
©onftong ÜBitiiberbor! 

©uftoo. Unb biefer 3Rut in ber 33erflellung. — 
©ieS oHeS — boS beinohe wie bie rafßnirtefte gred)» 



9Ir. 3 


aWagojin für Slftcratur. 


45 


l^eit erfd^eiiit e§ etitfprinöt nid^t etoa ber 3Serberbt= 
beit ibre^ @emüt§. @te ift gut, oon ^erjen gut . . . 
Ünb ohne e§ 5 U merfeu. 

@onftan§. Sieber 3^reuub, idb frage mich irirflicb, 
ob bie§ uicbt bie ibeote §rou ift! 

©uftao. (Sin febr relotiüeS Sbeol! 
ß^ouftauä. 3tetotio — fa — loie aEe§ auf biefer 
SBett relatio ift, bie ©bi^örfeit inbegriffen. - S^enne mir 
bodb einmal ba§ 3bcal eine§ Sabmen! @tma ba§: ooU» 
fommen grabe gu merben? IJeine§meg§, benn er wei^ 
febr wot, bafe er bie§ Sbeat niemals erreichen fann. 

— ®ag Sbeot eiltet Sabmen ift einfach cw 
5ßaar ©tiefet gu finben, in benen er gehen unb gerabe 
fch einen fann. S)u mu^t ja hoch einfetjen, bafe ut ber 
©efeüfdhaft, in metcher mir leben, in biefer ©efcllfcbaft 
ootl anftecfenber Safier, in metcher febe f^rau bie ®er» 
fm^ung mit ber Suft einatmet unb atte§ fich gegen 
ihre ©hi'barfeit oerjchmört — ii^ fage, bafe in ber ®efet(= 
fchaft unfereS Sanbe§ bie oollfomnien gute nnb treue 
®atlin eine Stu^nabme ift, ein ©ötterbilb, bem man 
einen 3tttar errichten mü^te. 9Ber fie befi^t, ift ein 
33eoorgugter, auf ben bie ®efebe ber ©efettfchaft feine 
Sfnmenbung finben. ®ie grofee iOfebrbeit ber Statiener 
fiebt ba§ Sbeat einer grau fi^on in ber ©ünberin, bie 
menigften§ fcbonung^oott nnb gütig ift, bie trob eines 
SiebbaberS eine gute ®attin bteibt, bie baS ®tütf ihrer 
Jfinber nicht oefnichtet unb ben grieben beS _@aufe§ 
bemahrt. — ©inen mirflidhen grieben; einen aufri^tigen 

— nicht einen fonoentioneüen, eingebitbeten grieben, 
unter bem fidh nur Slbfcheu unb SSerachtung oerbirgt. 

©uftao. Dj, mit fotchen gbeen barfft bu niemätS 
heiraten. 

©onftang. geh benfe nicht baran! — Unb bu miüft 
über mufet biefe grau febt oertaffen? 

©uftao. ga. 

©onftang. Unb meSbatb? 

©uftao (ein toenig iwgebulbig). SBcit biefeSSSerbättuiS 
feit gmei gahren befteht nnb nidht unfer gangeS Seben 
fang bauern fann. 

©onftang. ©ehr einfach! — 3Jfi_ch bünft, mein 
greunb, bu bift in ^ergenSangetegenheiten nicht gang 
aufri(htig. — ©eftatte mir eine fteine Iforreftur; — 
®u mitfft bi(h oon ihr trennen, meit bu fie niifit mehr 
tiebft. 

©uftaO (ei'ijeßt ficfi, ein toeuig geeeigt). Uub meun bem 
fo märe? Xräfe-mich eine ©chulb? ®em .^ergen 
fann man nicht gebieten. — g(^ fie gmei gabre 
taug mit ber gangen ^raft meiner ©eete getiebt, ohne 
ihr audh nur mit einem ©ebanfen untreu gu merben. 

— gd) tiebe fie nicht mehr. — gft baS ein Unrecht? 
2Ser fann midh oerbammen? 

©onftang. 2 ßer oerbammt bidh? 3Ber fagt bir 
etmaS? 2 Bie aufgeregt bu bift! 

©uftaO (nähert ficb tbnt, febr emgt). ©S ift eine furdh^ 
bare ©itiiation. geh febmöre bir — idf fchmöre bir, 
©onftang, bie Ctuat, ber Ueberbru^, ber 3Bibermifle, an 
eine grau gebunben gu fein . . . 

©onftang. ... bie man nidht mehr tiebt . . . 
©uftao. . . . übermiegen um baS taufenbfache 
bie 28onne, bie einent bie erfte 9tnnäberung an fie ge» 
mährt bat. 

©onftang. g(h gtaübe eS mot. 

©uftao. Unb bann audh... geh brei^ig gobre att, 
habe feine gamitie . . . biefeS Seben im ^aufe eines ajibern 
taflet fchioer auf mir . . . fOfan mufe febr jung fein, um 
baran ©efaüen gu finben . . . geht habe ich oie ^ftidht 
an baS eigene $eim, aii meine gufunft gu beufen. 
©onftang. g^ oerftebe. — ®u mtßft heiraten. 

— ga, mein JBefter, eS tft immer fdhmer, eine ^ette gu 


^errei^en; — bei einer fotchen grau mu§ eS nodh 
idhmerer fein . . . fBießeidht märe eS am heften, SRut gu 
offen nnb eS ihr gu fagen. 

©uftao. 2SaS? 

©onftong. ®ah bu fie nidht mehr tiebft. ^ 
©uftao. Unb bu gtaubft mirftid), ba^ eS einen 9Rann 
giebt, ber ben 3)fut hätte ... geh hak meine töefudhe ein» 
gefdhränft .... ich habe mich ihr gegenüber fott ge» 
geigt . . . Umfonft! S^achbem idh fie adht ®oge geftoben, 
eitte idh grftern 5Ibenb gu ihr, feft entfdhtoffen, auf 
irgenb eine SBeife ein ©nbe gu madien ... 

©onftang. 9fun? 

©uftao. Unb ots mir nnS trennten, maren mir bie 
heften gremibe... Slber idj mufe, ich wiufe eine ©nbe mod)dn! 
— SBeiin fie audh meine Siebtofigfeit nidht oerbient! Skefne 
Mtte ift oietleidht graufamer ats ein eingiger entfehiebener 
©dhtag! §ätte i(h nur ben Üffut ihn gu führen! — ®iefe 
Stacht habe ich ^hr gefihrieben, tang unb ouSfübrtidh. 

©onftang. Um ihr gu fagen, ba^ bu fie nicht mehr 
tiebft? 

©uftao. Stber nein! ®aS fann ich ihr nicht fogeu 
. . . geh fdhrieb ihr, unfere Trennung fei notmenbig ge» 
morben. 

©onftang. ©ie mirb bidh auffiidhen, unb ihr merbet 
euch loieber atS bie heften greunbe trennen. 

©uftao. 3tugenbticfti^ gtaubt fie mich obmefenb 
. . . StuS bem ©runbe bin i^ oudh nicht inS ®ureou 
gegangen. ; 

®er ®iener (ecfiheint hn §intercjmnbe). ©ine ®ame 
fragt nodh ghnra- 

©uftao. fettiger ©ott! 35iS [inS §auS oerfotgen 
einen biefe ^tienten. 

©onftang (leife. ®ie ©tientin ift fie. 

©uftao. 3tdh nein, unmögtich. ( 3 um ©teuer). §at 
fie ihren fttamen genonnt? 

®iener. ?tein. 

©uftao. .^oft bu ihr gefogt, bah ich S3efuch Ijahe? 
©iener. ga mot. ©ie fagt, boS miffen fie. 
©uftao ( 0 U (Eonftouä'. ®aS ift fie nicht. — (ättm 
©teuer). Sah fi^ ciutreteu. (©teuer ob.) 

©onftang. I^önnte ich midh nicht auS bem ©taube 
machen? 

©nflao. ®urch metche gür? ®ieS gimmer hat 
feinen onberen StuSgang. Unb überbieS meih fie ja, 
bah hirr bift. (Sutto trttt etu.) 


§itne 2. 

^ Oorige. Julia. 

gutia. Honny soit qui mal y pense! (ilomutt toeiter 
bor 5 u (Eüuftfluä). 3Kein$err! (3u ©uftob.) ©uten $ag, ^e» 
tati — ©ie finb nicht mot? geh habe eS foeben in ghrem 
33ureau erfahren, gn ghrer 9tbmefenheit (breijt ftc§ uo^ 
egouftouä um) habe ich na^ ghnen gefrogt. fkir mürbe 
gefogt, ©ie feien hierher gegangen. jbomtfcb.V S)o fam 
mir ein ©ebanfe! geh hatte bringenb mit 3Setati über 
eine Sljigetegenheit gu fprechen, bie ihm am $ergen tiegt. — 
®a ich ewen gemeinfamen greunb bei ihm finben mürbe, 
fonnte ich ih« ja iu feiner SBohnung auffudhen! ®ann 
maren mir nicht gu gmeien. 2Bor baS recht ober nicht? 
geh meih reicht. Stber fdhliehtich .... finb mir greunbe 
ober finb mir eS nicht ? ®er greunbfdhaft muh man ein 
©hfer bringen fönnen. (3u ©ouftoua.) SaS meinen ©ie? 

©onftang gotout). ^bei'hier haben ©ie hoch nichts 
gu fürchten ... 

gutia (äu tßeiott). Unb ©ie finb nidht ngchi^^urin? 

(3u ©buftonj.) 5BoEeti ©ie auch hrn? (@e^t M tu etneu 
Sebuftubl, beu ©uftob t^r oubtetet.) 

©onftang. 9ttterbingS . . . baS heiht • • • mir mottten 
reifen . . . aber h^nte fkorgen fam eiet ®etegromm — 
ein Sluffdhub. 


46 


®d§ SWogajtn für Sitteratur. 


9?r. 3 


Sulta (f^eintifci). 211) .. . ein 2tuffdinB . . . (Selben 
©te . . . and) {(^ l)otte onf biefen 2tuffd)ub gevect)net nnb 
hoffte (irenbet fic| gu ©uftab) <2ie I)eute gu finben. 

©onftcing (fanimelt bie tritgebrndjfen ^af>iere äufaniineu 
unb nimmt feinen $ui). 

Sülia täu ©uftab). Sßie id) 31)nen f(^on jagte, 
tnufete @te burc^ou» fpredfen. igu ©onftana.) @te 
»nnllen ge^en? . . . 2Jein, lieber g'ieiitt^» woEen 
Eier ben"@d)elnt fpielen . . . ober beffer gefogt, ben ®i§= 
freien. ®o§ tft nic£)f i^ötig . . . 3d) jage 23elati, n)o§ t(E 
il)m gu fogen jiabe, unb bann ge^en joir gufammen fort, 
©inoerftanben ? 

©onftang. 2Sie ©ie befeElen, gnäblge f^rau. 

(gortfe^ung folgt.) 





IKonimenöe ^tiffüljruitgen. 

bon D^teinfel^ tft mit feiner Mage gegen ba§ berliner 
^oligeibräfibium , ba§ 5lnffü^rung§berbot feinet (Sd^anfpieB „£)ie 
©ilte" am berliner Dftenbt^eater auf^nl^eben, bom 23e5irf^au§fc^nfe 
foftenbflid^tig abgetriefen irorben. ,,^n§ äftl^etifcb^^^ b)ie etlöiröen 
©ritnben fei ba§ SSerbot berechtigt." 9^einfel§ hcit fehl 0ber^ 
bermaltung^gericht angerufen. S)a Inirb e§> fich ja bann heran^ftetten 
müffen, ob in ^reufeen bie %^eakx^cw^vit gu Riecht beft.^e. 


,,^a§ ift nodh garnid)t§", fagte bie (Stattbalterei gu öemberg in 
^ali^ien, ba nberlrumbfte fie bie berliner ^oli^ei, inbem fie unmittel** 
bar bor ber toph^^ung am |)olnif(hen ^Itationaltheater ein bom 
£anbe§^?ln§fdhuffe infolge S?anbtag^befchluffe§ — pei§gefröntc§ 
©^aufbiel berbot ^a§ ©tüif „Maj" iSanb), hat ben ^olen 
Or^ga (^feubonhm) gnm SSerfaffer unb foll 5lnfbielitngen auf 
ruffifdie Quftänbe enthalten, nnb U)a§ toürbe au§> bem Söeltfriebe'n, 
toenn bie lemberger ©tatthalterei ihn nidht maditboll toahrte! 
geht ber pftere ^eift ber Mtnftgenfur eben burdh alle Sanbel 


^bmonb be ©onconrt höt ein fatirifche^ ^rama in einem 
2lft „^lieber mit bem gortpritt" gefchrieben. 


^Tristi amori“, ba§ neue (Sdhaufpiel in 3 Elften bon ©iacofa, 
toirb in ber Ueberfehung bon Otto ©ifcnfchih öm 6tabttheater gu 
gronffurt a. M. gur Sluph^^ttg fommen. 

©a§ griedhifche ^h^^ter in Mnftantinobel toirb £effing§ 
„^milia ©alottt" in ber Ueberfepug be^ (Srbbringen bon (Sachfen^* 
3??einingen gur Sluphrung bringen. 


granci^ 0tahl ^^tn Sßattnertheater ein „SSolf^ftüd" über^ 
geben, ba§ im gebruar in ©gene gehen foE. 


(^in neueg ©diaufbiel bon ^peinridh §einemann, bem SSer^ 
faffer beg „(Sdhriftftettertageg", betitelt „grau D^idhael D^ömer" fommt 
tm gebruar am 0tabttheater gu 33remen gur ©rftaufführung. 


SSerbi h^il f^tne neue „galftaff" nun glüdllidh boEenbet, 
bereu Sibretto Slrigo 93oito nach ©hötefbeareg £)rama berfafet h^t. . 
S'Jad) 35erbig eigener ©rflärung foE bieg fein le^teg 33üpenU)erf 
fein. Sßährenb ber näi^ften Sl^aifefte foE „galftaff" in ber 6fala gu 
Hl^allanb gur ^uphrung fotnmen. 


^ramcittfcöe ^uff ügtungcn* 

gm „ 3ßallner»=3::h^oter" tourbe eine neue ^offe, „^önig 
Traufe" bon g. Heller unb 9ft. ^errmann gum erften Sb?ale 
aufgeführt, tofangg toar bag gange ^ublifum barüber einig, bafe 
feiten fo biele berunglüdlte Kalauer bie ©ebulb auf bte ^robe gefteEt 
hatten. 0elbit bie Mague pg gu ftreifen an. gn ber gtoeiten Hälfte 
fdhien bie h^hfche 3?iufif SSictor §oEänberg ober bie luftige ^atv 
fteEung einen Erfolg h^rbeiguführen, feinen bon ben großen, aber 
bodh einen . gang annehmbaren. „Mnig Maufe" tft eine freie 9^ach^ 
bidhtung beg „Mnig Sear", bei Seibe feine ^arobie, toenigfteng feine 
freimiEige. Sßennfeaufe bon feiner gtoeiten -Tochter berftopn toirb, 
unb in "biefem 5lugenblide ein (^etoitter logbrii^t, unb Maufe irre 


rebet, fo ift ber (Sibfel ber Sllbernheit erflommen; ioenn unmittelbar 
barauf bie §eibefgene £ear^ burdh eine Dtaufchfgene Maufeg erfe^t 
tüirb, fo ift bag bafür ein gang bortrefflidher ^offenHnfaE. gm 
übrigen erinnerten bie SSerfaffer bielfach ©hcifefbeare: fie ber*= 
fchmahten nicht Qoten unb Untoahrfdh einlichf eiten, ihre SSihe er^ 
fchienen oft breihunbert gahre all, fie blieben oft unberftänblidh, unb 
fie fchrieben ihr ©tücf leiber upt in beutfiher ^ieEeicht 

pben fich anbere (^igentümlichfeiten ©hölefpeareg fbäter. 

g. m. 


gm „berliner ^h^dter" h^^l bieraftigeg Suftfbter bon 
äöilhelm 3öolff „Etach SO^abrib" fehr gefallen. (Sg h^t feinerlei 
litterarifdhe Oualitäten, toietool ber ^erfaffer bie Sitteratur fennt 
unb fleißig 2??otibe unbMttelchen aug ©cribe, 33auernfelb, Sinbau^c. 
benu^t. ^Ig 2?Zitb er faffer beg ©chaufbieleg „33ilb beg ©ignoreEi" 
hatte er bie (Srtoartung erregt, bafe in feinen 33ühnenarbetten hoch 
immerhin einige moberne güge enthalten fein toürben; fein neueg 
Suftfbiel ober fpielt nur in ber ^elt ber ^omöbie, oberirt nur pt 
ben abgebraudhteften ©dhablonen, bie feine 35or.bilber, freilidh beffer 
gu bertoenben berftanben. ^r ift gufrieben, toenn er fein hörmlofeg 
^onfliftdhen mit einem luftigen ^offenfbafe löfen fann. 5lber eg meht 
boE) toenigfteng ein frifeber Qug burdh ^^tg @ange unb bor aEem hot 
ber SSerfaffer bag 33eftreben, im £)ialog nicht fo getoöhnlich gu fein, 
toie in feiner gabel. ^er Dialog ift, bon mancherlei Sängen unb 
Sßieberholungen abgefehen, fel)r getoant unb im gtoeiten Slfte fogar 
mitunter recht fein, toenngleidh eg faft immer nur ^ühnenbialog 
bleibt, bie Tonart beg ^erfafferg, ntdht ber berfchiebenen ^erfonen. 
5lber immerhin hot bag ©tüdt einen großen SSorgug: eg berftimmt 
unb ärgert nicht, unb bag loiE befanntlich bet 3^obitäten beg „^er^ 
liner ^h^oterg" fchon fehr biel befagen. ^h- ®l- 


cJ^eue t^5ücfier. 

$eing 3::oboteg ©rftlinggioerf „gm grühlinggraufdh" er^^ 
fcheint gur geit in bänifdher Ueberfepng unter bem ^itel (^Igfobg 
Dtug in ber geitung ^jöbnhabn. 


33ei (S, Sltittler unb @ol)n ift ber gtoeite 33anb ber „@e=^ 
fammelten (Sdhriften unb ^enftriir bi gleiten beg ©eneralfelbmatfdhaEg 
§elmuth bon SlJoltle" erfd)ienen. enthält u. a. bie erfte bon 
ä^oltfe beröpntlidhte (Srf)rift „^oEanb unb 33elgien", aug bem 
gahre 1813 ftammenb, eine gepichtlidhe Ueberfidht ber 9Heberlanbe 
bon ^hlPb n. big gum gahre 1830, für bie er nur mit ©chloierig^ 
leit einen SSerleger fanb, ber ihm ein §onorar bon brei ^ufaten 
gal)ltel gn einem Briefe on feine SJlutter, ber gleichfoEg in biefem 
feanbe abgebrudft ift, hot MoiÜt felbft feine SSerlegernot in ergöh^ 
lidhfter ^ßafe gefdhilbert. ©in giueiter 5luffah fchilbert ,,^ie inneren 
^erhältniffe ^oleng ; ein Sluffah „Üeber ben SSert unb bie Mage 
bon ©ifenhahnen" ift mit bag ^efte, toag über biefen ©egenftanb 
je gefchrieben ^en ©dhlufe ber (Sammlung bilben fünf Sufföhe, 
ben Orient fchilbernb unb bie orientalifdhe grage behanbelnb, aug 
ben gahren 1841 big 1844: „^eutfdhlanb unb ^aläftina," „Sanb 
unb SSoll ber Mrben," „£)ie militärifpholitifche Sage beg ogmanifchen 
9teidh§," „Dtefchib ggget" unb „^ie Pforte unb bie 'feonaumünbung." 


25 tlöenöc 

^ag Eltufeum, gu beffen 33au bie §ergogin bon ©alliera 
ber (Stabt ^arig ben ©runb unb 33oben im Sßertebon 1935000 grg. 
unb eine SBaufumme bon 4565000 grg. am 3 Oltober 1878 gum 
©efchenle gemacht hot, ift foeben aufg ^rädhtigfte fertiggefteEt toorben. 


(Cobe^fälle. 

9f^un ift audh bie 3lffociation ©ellier^=@ilbert, tneldhe ber 
lange bag englifi^e 3?tufilleben beherrfchenben girma (SuEibam 
©ilbert. gefolgt mar,, aufgelöft, biegmal nicht burch germürfnig 
gmifchen Mmbonift unb Sibrettift, fonbern burch ben Xob 3llfreb 
©eilt erg, ber am 28. '3)egember b. g. erfolgt tft. ©eEter hot eine 
^eihe in ©nglanb erfolgreidher Obern lombonirt, mie ^^Dorothy“, 
^Tlie Sultan of Mocha“ u. a. 9todh lurg bor feinem 5^obe hotte 
er eine neue Ober -The Mountbanks“ boEenbet, bereu ihux 
©ilbert geliefert. (Sie mirb im Shric==^h^oter gu Sonbon noch 3^^ 
^lupthrung lommen. 


©abriel ®entu, ber borle^te beg berühmten borifer SSerleger^ 
gefdhledhtg, ift in ^arig geftorben. 

,, Documents humains‘' bei SStetor §ugo. SSom 5ln=^ 
fang feiner Saufbabn an big gu feinen lebten nebelhaften ©icht^ 
merlen Ijot SSictor |)ugo auf feine ©elehrfamleil unb ©rünblich== 


Ta. 3 


S)?aga 5 in \nt Sitteratur. 


47 


feit fid^ ungemein t)iel gu gute getan. @d^on in ben tomerfungen 
gum „(Iromioen" (1827) rü^mt er fic^, a^tgig bi§ fti^nbert ^änbe 
BU feinen SSorftubien gebraudf)t gu b^ben; im Sn^ang gu ,,20^arie 
^ubor" (1833) giebt er fogar ein unl^eimlici^ gelehrte^ ÖueHen== 
ber^eicbn^^/ bei meld^em leibec ba§ erfte, genannte SBert eine ©e*» 
fd^icbte '^einricb^ VII bon „graue., Söaronum", ben gegrünbeten 
SSerbad^t ermeeft, at§ Raubte e§ fid^ um ben nicht fo fe^r unbefannten 
33a CDU. ®ie gelehrte Prätention fehrt bei „Angelo, tyran de 
Padoue“ mieber (1835), um fich bei „Ruy Blas^‘ (1838) 5 U ber 
feierlidhen 33erficherung gu berfteigen, bafe felbft bie geringfte 
ftatiftifche ober fulturgefdhichtliche ober anefbotenhafte Eingabe im 
®rama auf urfunbltche ^reue unb 3i^berläffigfeit 3lnfbruch h^^be. 

tiefer SSerficherung ift bor fur^er Seit ber gelehrte ^tomanift 
3WoreI^gatio (Etudes sur l’Espagiie, 1888) fcharf gu ßeibe 
gerüdt, inbem er§ugo§ gangen 33ücherapbarat gu „Ruy Blas“ auf 
eine 33earbeitung bon Hli'emoiren ber ©röfin b’^lulnop (Part§, 1690, 
2 33be.) unb auf einen 33anb be§ 3tbbe SSaprac (Pari§, 1738 gurücf:* 
führte, unb au^erbem an ber §anb be§ bon $ugo al§ QueÜe an^ 
geführten „Solo Madrid es corte“ bie Unrichtigfeit gar bieler 
Angaben be^ ^rama§ fchlagenb ermieg. SSictor §ugo h^^^ 
„renomirt", meü er nicht ahnte, ba^ nadh fahren bie (Stubengelehrten 
feine aU baare HlJünge umgehenben 33ehaupiungen fontrolliren 
fönnien ^a für SSictor ^)ugo bie gefommen flheint, in meliher 
bie Phi^i^^bgie ihn al§ 33bfuch§obieft gerfaferi unb unter ba§ 
Hltifroffop nimmt, fo möge anbrerfeitg barauf hingebeutet merben, 
ba^ Qola§ „raethode scieutitique“ auch i^nt bt^loeilen aU di\d)U 
.fchnur gebient, bah er bor bem S^ieberfchreiben ber eingelnen Oftomane 
,documents liumains“ gefammelt unb nicht aüeg au§ ber Suft 
gegriffen hat. 

^^ie ©chilberung be§ 5lnfchmieben§ ber ^aleerenftröflinge in 
33icetre hat bon jeljer bieSefer be§ „Dernier jour, d’un con- 
damne^- entfeigt ^ah SSictor ^ugo feine ©inbrüdle au§ ©elbfD 
anfehauung gefchöpft hat, geigt ber im teilen ^ahre beröffen: lichte 
33riefmedhfel be^ 33ilbhauer§ fcabib b’Slnger^. geht barauf 
herbor, bah $ugo mit ®abib am 22. Oftom* 1828 — ein 33ierteD 
fahr bor bem ©rfdheinen be§ 9toman§ — in ^icetrv’ ^inlah fanb, 
unb bah i^fibe greunbe ein Sahr gubor fi0 ebenfalls „le ferreraent 
de la chaine“ angefehen hatten, ^reihig Sahre fpöter hat §ugo 
bie bamalg gefammelten 3?otigen in „Les Miserables“ nodhmafe 
berloertet, inbem er im bierten 33anbe (III, 8) ben greuliihen SBagen== 

nn ^ean 33aljean unb (^ofetie borübergiehen lieh- 3ln ber §anb 
oer Xatfache, bah ^ngo la chaine gtoeimal genau fich anfah, ge^ 
minnt ber hanbgreifliche 9teali§mu^ ber betreffenben ©dhilberungen 
bolleret Sntereffe. ^n ben anfangs 1862 erfcl)ienenen Miserables“ 
finbet fidh ein umfangreidher unb entbehrlicher ^^jfur§ über bie (Sdhladht 
bei Sßaterloo. ©ah ber ©i^ter ^ube S)(?ai 1861 bie meltgefdjichD 
lidhe iföalftötte befugte, bemeift gioeierlei: erfien^ ift biefer ermübenbe 
^’)ccur§ erft nadbträglich eingeflidft loorben, tna§ bei berjenigeu über 
6^loftergelübbe, über Hrgot, über ba^ ^ahr 1817 etc. mö glich er meife 
audf) ber galt ift; gmeiten^ Ijklt e§ §ugo für nötig, au 0rt unb 
©teüe (Stubien gu madhen, - — - gang mie gola auf ben (SdhlachD 
felbern bon (Seban ba§ Sgtaterial gu feinem bemnächft erfdheinenben 
Dioman ..La Debacle“ geerntet hat. (genauere 3^a^forf jungen 
mürben fidherlich ^ntftehungggeit unb (Eigenart bieler feingelheiten 
au^ $ugo§ gigantifchen SSerfen in böEig neue§ Sidht rüdfen 

Prof. Dr. S. ©arragimgreiburg. 


^n 33rüffel hat bie „Maison du Peuple'S biefe^ ^ent aEofal 
für Me fogialiftifdhe propoganba in 33elgien, eine .,r.ectiou d’art“ 
eröffnet, gu bem Qmedfe, ba§ Proletariat auch an ber geitgenöffifihen 
äfthetifchen 33emegung teilnehmen unb ihm eine fünftlerifihe 
giehung angebeihen gu laffen bermittelft bramatif^er, mufifalifcher 
unb anberer fünftlerifdher 33orführungen, 2lu§fteHungen u f m. 
^'rfolgreidh hatte fich ber ©ireftor ber „Maison du peuple“, 33oIber§, 
gu biefem Pepufe an eine qrohe gahl bon (SdhriftfteEern, HlJalern, 
Mufifern unb fonftigen Zünftlern mit einem 2lufruf gur Beteiligung 
gemant ©er erfte BortragSabenb bot benn auch ein reichet pro^^ 
gramm mertboEer Borführungen: einige ber fdhönften partieen au§ 
S^agnerfcljen Opern, einen Bortrag bon ©eorge^ ©efhaub über bie 
Urfprünge ber litterarifdhen Bemegung in Belgien; bie beften 2lu^ 
toren ber jungen (Sdhule lafen (stütfe au§> ihren Sßerfen. ©er nädhfte, 
fehr balb folgenbe Bortrag^abenb mirb Borträge bon Sule§ ©eftree 
über gola, bon Berhaeren über Bictor §ugo unb bon SO^aeterlindl 
über ©hafefpeare bringen. 

©ie berftänbni^boEe ©anfbarfeit, mit ber ba§ Brüffeler 3lrbeiter*= 
publifum jene erften ©arbietungen aufnahm, bürgt bafür, bah 
„Section d’art“ ber Maison du Peuple eine bauernbe (Einrichtung 
bleiben mirb — ©a§ ift biefelbe ©aat, au§ ber in Berlin bie Bor=* 
traggabenbe be§ Berein§ für BolfSbilbung unb bie greie Bolf^** 
bühne, in Sonbon bie ^oncerte in The People’s Palace emporge^ 
fproffen finb, bie (Saat fünftlerif eher Bereblung ber ärmen unb 
(Elenben. Oh^^ irgenb eine politifche (SteEungnahme bürfte man ber 
^einung fein, bah guberläffigere Sßirffamfeit ben ^nftitutionen 
innemohnen mirb, bie bon ben ärmen felbft gefdhaffen morben finb 


^up be SEaupaffant mürbe am 8. Sanuar bon ^anne§ nach 
Pari§ in bie ^rren==3lnftalt be§ Dr. Blanche gebracht, ©er ^rrfinn 
ift in bergamilie SJ^aupaffant^ erblidh, fomol feinBater mie fein Bruber 
$erbe finb im :Srrenhaufe geftorben, unb feine in 9^igga lebenbe 
Mutter leibet auch an geitmeiliger ©eifte^ftörung. : (Sup be Maupaffant 
felbft hat fchon feit bem ©obe feinet Bruber§ gefürchtet, bah, er gleich^ 
faE§ bem 3öahnfinn berfaEen mürbe. 3lu^fidht auf ^peilung ift nicht 
borpanben; einer erneuten ^rifi§, fürchten bie 3lergte, mürbe ber 
Trante unterliegen müffen. 


©ie Sinbaufdhe Bearbeitung be§ „^aleoto" bon (Edhegarap ift 
nidht bie erfte, meidhe ba§ 0tü(f im 2lu§lanbe gefunben. 3ludh hmrin 
finb ihm feine Borbilber, bie grangofen, borangegangen; fchon im 
:3anuar 1884 hat ber bergeitige ©ireftor be§ BaubebiEe^©h^ater§ 
^harleg 9(lat)monb ba§ bamal^ neue 2ßerf beg fpanifchen ©ramatüterg 
in§ grangöfifche überfepen laffen, bann aber hoch gegögert, „ein über^ 
fehte^ (Stüdt auf einer fo eminent pariferif^en Bühne mie ba§ Baube^^ 
bitte gu geben." 


©ie junge, ungemein rührige „©eutfepe (SchriftftellerL 
(^enoffenfehaft" hat für 9ftedht§oerfolgung unb fEecht^bertretung 
ihrer Mitglieber ein (Spnbifat befteEt, ba§ an§> ben Herren Dr. jur. 
Sßerner Branbig, ^Imt^richter a. ©. al§ (Spnbifu^, Srnft bon ^oD 
gogen al§ ©aihberftänbiger in bramatifdhen, ^ermann §eiberg in 
beEetriftifchen, Tlai S^orbau in journaliftifchen unb §ofrat Sofef 
^ürfchner in rebaflioneEen Slngelegenpeiten kfteht. 3luher ber 2lu§^ 
führung ber praftifdhen B^tedhiSgefihäfte fteEt fich ^a§ 0pnbifat bie 
3lufgabe, einen ®efehentmurf au^guarbeiten, meldper bie einer 
Otegelung ober Befferung entfehieben bebürftigen Berpältniffe be§ 
(SdhriftfteEerberufe§ in einer bie ömtereffen ber ^lutoren fdhühenben 
3ßeife gemeinredhtlich orbnet. 


©ie naturforfchenbe ©efeEfchaft be§ Ofterlanbe^ gu 3lltenburg 
forbert gu Beiträgen auf für ein im §erbft b. S- in 3lltenburg gu 
enthüEenbeg ©entmal ber brei groben altenburger 9^aturforf^cher 
(Ehriftian Submig Breljm, beffen (Sopn 3llfreb Brehm (ber ,,©ier=* 
leben^Brefjm"; unb profeffor «Schlegel (in Sepben geftorben). 


3Senn§ ber für Oftober b. in (Epicago geplante internationale 
liiterarifche ^ongreh nidpt madpt, bann mirb§ nie ma§ DteEite^ mepr 
mit ber Eitteratur. 3lber naep ben bafelbft gur (Erörterung gelangen^« 
ben ©pematen fanng ja nimmer feplen. „feörterung einer gemein^* 
fcpattlidpen Sprache für bie — §anbel§begiehungen ber ctbxlifirten, 
3ßclt" fiept an ber Spipe, benn ber littcrarif^e Sföeltfongreh tagt 
im praftif^en toerifa golgt ein ©pema: „(Einfluh ber Sitleratur 
auf ben inbibibueEen »Xparafter unb ba§ Benehmen, auf ba§ päu§^ 
licpe Seben, auf bie ^rgiepung, auf bie Moral, auf bie ^unft, auf 
bie S^tegierung unb auf ben ^eltfrieben " Unb nadpbem „3lufgabe 
unb Qufunft'ber poefie" erörtert morben, merben bie „Elemente ber 
litterarifd)en Unfterblicpfeit" flargelegt unb mirb gegeigt „©ie ©ieptung 
aB ein Miitel gur (^lüdfeligfeit unb (Erpolung unb gur (Erlernung 
bon (^cfdpidhte, potitif u f m." Sdpabe um biefe§ jäpe „u f m ", 
benn bi§ mir ben ^ongreh erleben, mär§ immerhin f(hön gemef n, 
fcp' n jept genau gu miffen, ma§ auper (Slüdtfeligfeit unb politif bie 
©i(htung einen nodp aEe§ erlernen laffen fann. (Eingelaben aber 
um ^ongreh finb aEe „SepriftfteEer, Bibltotpefare, Philologen, 
itterari.ihe 3lrcpäologen u f. m." 


Sn 91r. 45 be§ hörigen Saprgang§ beröffentlii ten mir eine 
fleine fünfllerifdpe Sfigge bon ^ottfrleb ^eEer unter bem ©itel ,,^in 
befepeibeneg ^unftrei§^en" , bie un§ bon einem unferer gefipäpten 
fepmeiger Mitarbeiter mit ber Berfidperung eingefant mürbe, bap bem 
3lbbru(f berfelben niept^ im ^ege ftänbe. Sßir patten eine reine, 
ungetrübte greube an bem fleinen Meiftermerfe, unb mir ber^* 
öffentlidpien e§ fofort, übergeugt, bap unfere £efer fiip ebenfo baran 
erfreut paben merben mie mir. 9(^aE)bem bie Beröffentli^ung ge** 
fipepen, erhielten mir bon §errn profeffor Sdpneiber in güridp eine 
3 uf dir ift, laut melcper er al§ Kurator bon (Sloitfrieb ^eEer§ 3^adp=^ 
lap feinfpradpe gegen bie Beröffentlidpung erpob. 3®ir übergeugten 
un§, bap unfer Berner Mitarbeiter fiep tm Srrtum befunben patte, 
al§ er annapm, bap ber Beröffentliipung ber bon ipm aufgefunbenen 
Sfigge nid)t§ im Sßege ftänbe. ©anadp fönnen mir ^errn profeffor 
Sepneiber unb bem Kuratorium bon ©ottfrieb K^Üer§ ^ftadplap nur 
unfer Bebauern au§fgred}en, bap bie publifation ber trefflidpen 
fleinen 0figge in unferem Blatte erfolgt ift. Selbftberftänblich ftept 
un§ an ber Sfigge KeEer^ feinerlei Berlag^recpt gu. 

Brieftafdpe be§ Äitteraten. — ©a^ ©ümmfte ift ein §ieb, 
ber niept fipt. ©en, ber gemeint mar, berlept er genau fo, aB ob 
er gefeffen pätte, unb bagu fann er noep redpt§ ober linf§ einen 
Sefunbanten be§ tötlidp bermunben. 




®o§ I>Jo9aäin für ßitleraiur. 


«Rr. 3 


48 


^reie tiUexaxxf^e ^crcUfc^aff gu '^erl-in. 

gufd^riften für Mefe 9fiuürif finb mit bem ^ermerfe „^Ingelegen^ett be§ für Sitter atur" an §errn Dr. ^tbert ^re^bner, 

W., Sü^omftra^e 96, III. gu rillten. 


(Bebanfenaifötaufd). 


^itte $tülw9r(t))'^w 

, ^ie unter biefem Süitel angeregte grage bürfte einen großen 
^eit, ja ic^ möchte fagen, aHe Sefer intereffiren, benn e§ fef)it, ab^ 
gefeiten bon ben fritif(^en 33eric6ten ber geitfi^riften unb Leitungen, 
jeglicf)er Sßegtuetfer famoljl burct) ba§ ^icii(^t bec auffpioffcnben 
Sitteratur, mie burc^^ ben 2öalb be§ fcf)on bor^anbenen ^üctjerfc^a^eg. 
gu ber ^ibIiograb|^ies=grage liegen nun gmei Kenterungen bor, bon 
benen bie eine bie in Kngriff ^u neümenbe Krbeit auf ben D^eali§mu§ 
befcfiränfen, bie anbere fie auf bie gefamte fcfiöne unb fctömniffen^ 
fctaftUc§e Sitteratur au§bef)nen min. §err S)re§bner, ber legieren 
0tanb|)unft bertritt, menbet gegen ben bon §errn Robert geäufeerten 
Sßunfcf), eine 33ibIiograübie be§ iReali^mug gu befiten, ein' bat 
benn bodb erft entfctjeiben mütte, ma^ 9ieali§mu§ fei. liegt etrna^ 
3öatre^ in biefer 35emerfung, aber §err ®re§bner berfennt meinet 
©rad^ten^ ben Qmecf be§ bon $errn £>obert geforberten Unternebmen^. 
£)iefe§ foH bo^^ nid)t blot Katalog mit möglictfi bielen Kamen 
fein, fonbern eine rebigirte Krbeit, bie eben einen Sßegmeifer bar^ 
fte.üt, bem man Vertrauen entgegenbringen fann. intereffirt 
midb rnabrlicb nicht, gu miffen, bat grau g), ober grl. 8 ein 

gefchrieben höt, ba§ feinen litterarifdhen 2öert befitt, fonbern 
einfach ein ©dhablonem ober ^utenbmerf ift, mie e§ bereu ja 
taufenbe giebt. SBenn bie Bibliographie/ b:^ie §err ©re^bner bie:^ 
beabfid^tigt, alle foldöe Sßerfe aufnimmt, bann mirb fie ein Kiefen^= 
merf, ba§ feinem eüoag fagt. ^te bon §errn Robert angegebene 
Befdhränfung auf ben Keali§mu§ erfcheint mir aber auch nicht 
praftifch genug, benn e§ erfi^einen jährlich bieleSöerfe, bie nidht auf 
ba^ Programm be§ Keali§mu§ eingefdhmoren finb, unb bodh 
fünftlerifri^ fehr h^ch flehen, geh möchte mir baher erlauben, ben 
Borfchlag ^u machen, biefe Bibliographie müffe alle SSerfe 2 C. tnU 
halten, meldhe irgenb ioeldhen litterarifiten Sföert befiten. ^ie§ fett 
eine rebaflioneEe Bearbeitung allerbingl borau§, bermeibet aber bie 
mit bem Begriffe „Keali^mu^" berbunbene ©infeitigfeit unb mirft 
bor attem ben unnüten Ballaft h^^^ou^. glaube mit §errn 
Robert, bat ^i^i fbleher Sßegmeifer audh buchhänblerifd) ein geminn^ 
bringenbe§ Unternehmen fein mirb, benn jeber Käufer meit, bat er 
in biefem Kadhfi^lagemerf gugleidh einen Katgeber piibet ^an mirb 
bie ©renge, melüje ba§ ^ünfilerifche unb ba§ Unfünftlerifi^e fdheibet, 
natürlidh bei 5ßerfen ber Beftetriftif giehen, bei allen 

litteraturgefchichtlichen Krbeiten eine möglichfte BoEftönbigfeit erhielt 
merben mut. ®enn eine fritifche Krbeit fann, al§ ©efamtbeitrag 
behanbelt, fehr fchmad), ihre Seftüre refp. ba§ ©urdhblätteim trotbem 
nutbringenb fein, meil in bem 3ßerfe Koh=^Ktaterial, Ouettennach^^ 
meife 2 C. fich borfinben. ®at eine foldhe bibliographifche Krbeit eine 
ni^l geringe K?ühe berurfadht, bürfte nidht gu b'eftreiten fein, aber e§ 
märe anbererfeitg eine fehr anerfennen^merte Sei)tung ber „Berliner 
greien litterarifcljen ^efeEf^aft" refp. ber ©efamtheit ber ähnliche 
8medfe berfolgenben Bereinigungen, menn au§ ihrer SKilte h^i^bu^ 
eine fo nutbringenbe Krbeit entftänbe. ^em ^ublifum aber märe 
filier ein groter ^ienft bamit geleiftet, menn ihm ein Katgeber bei 
feiner Seftüre ober — ma§ aEerbing§ in nuferem lieben ^eutfeh^» 
lanb nur feiten borfommt — bei Anlegung einer Bibliotpef gur 
Berfügung ftänbe. g. Sangg. 

m 


Bei ben fonft tcefflidhen Kugführungen ber Herren Bölf(pe unb 
Berg gur mobernen Sprif fd^eint mir ein Umftanb überfehen gufein. 
SBenn bie Herren faft bie gange ©chulb an ber ^ungerfanbibatur 
ber Sprifer im ^ublifum fuepen, fo '^abm gu bem gleimgütigen Ber^ 
halten be§ ^ublifum^ nidpt am menigften bie gerren ^oEegen bom 
Koman unb ©rama unb bon ber ^umigiftif beigetrdgen. ift ja 
mapr, Sprif ift gum groten 5teil 0acpe be§ ®emüt§, unb ba ©emüt 
in, geringerer Quantität auf ber Sööelt borpanben gu fein fepeint al§ 
Berftanb (menigften^ bemüpt fidö jeber ^ulturmenfdp, biefen ©epetn 
gn ermedlen), fo mirb folgeridptig bie Iprifdpe Ktufe eine Heinere (^e== 
meinbe um fiep berfammeln aB ipre ©efepmifter, ma§ fi^on Opiaten 
burep bie Berfe au^brüdtt: 

(Stet§ am ©toff Hebt nufere (Seele, ^anblung 
gft ber Sßelt aEmädptiger ^uB, unb be§palb 
glötet oftmals tauberem Opr ber pope 

Sprifi^e finiter. 


tiefer ^atfa(pe aber paben fiep bie nidpt Iprifdp angepaudpten Herren 
Kollegen bon ber geber au§ bemutten ober nnbemutten Unteres 
brüefung^inftinften im Kampfe um bie aEgemeine Knerfennung be^ 
mäeptigt unb bei gaprgehnte langer ^ppnofe bem ^ublifum burep 
blutigen Spott eine fönnlicpe Kngft bor Sprif fuggerirt. So ift e§ 
aEmälicp Sitte gemorben, ben Iprif^en ©iepter gur 8i^lfcp^l^^ 
§opne^ gu madpen, unb e§ mirb förmlich al§ eine Sdpanbe betrachtet, 
ein Iprifdper ©iepter gu fein. B^arum giett man biefe platte Sdpale 
mäffriger Sßite niept auep über 4)ramatifer unb Komanfepreiber au^V 
Sicherlich giebt e§ eben fo biele fcpledpte Komancier^ unb ®rama^ 
tifer mie fcplecpte Sprifer. Seffing pat angefangen, (^r gerglieberte 
eine Mopftoefifepe Obe unb munberte 'fiep, naepbem garbe unb 
Scpmelg abgeftreift mar, bat boE Staub übrig 

bepielt. Kber fein Borgepen mar boep immer noep anftänbig unb 
nitfjt fepnurftradt^ au§ ^alau begogen. SBelcpe traurige KoEe pat 
bagegen greptag bem armen BeEman^ in ben „gournaliften" ge^ 
geben, unb mie fprang ^aul Sinbau, feligen Kngebenfen^, mit ben 
Sprifern um! Sepon grip SKautpner geigte in einer gelungenen 
parobiftifepen Befpreepung ber „SepiEerfdpen ®ebi(^te, 1. ^er’iobe", 
mie biEig, ein foldpeg Berfapren ift. 

(^ine gang banale Kuffaffung bon ber ^robuflion^meife fa.in 
ben SSitbolben beim ^iiblifum gu §ilfe. KZan pat in treffenber 
3Beife ba§ Urania einen gauftfampf, ben Koman Sitfleifdp, bie 
Sprif aber „©nabe" genannt, unb hierauf gept perbor, bat gur Sprif 
eine eigentli^e Krbeit im lanbläuftgen Sinne nidpt gepört. So ein 
mingige^ ^ingelcpen, ba§ mie ein bunter Schmetterling, mie eine 
f(piuernbe SibeEe bapinflattert unb ^^fepmirrt, ma§ ift ba§ gegen bie 
ppramibalen Seiftungen eine§ bicHeibigen Kornau^, eine§ raffelnben 
©ramag? Oie Sprifer fagen ja felber, bat ©aben mie Oau 
bom^immel faEen, ba§ fann aber jebem einmal paffiren; pat nidpt 
erft neulich Onfel ©ruft, ber fonft ein gang gefegter SKann ift, gur 
^odpgeit ein fepr Iprifcp burcpmepte§ ^oem berfatt? Unb bie Berfe 
maren gar nidpt fo opnel golglidp ift Sprif bodp etma§ Kebenfäcp== 
licpe§, e$ ift ein ©rgebni^ fepmaeper Stunben unb e§ al§> ^^unft gu 
betrauten ober gar gu begaplen, ift Unfinn. 

Klfo nidpt blot in ber ©leidpgiltigfeit be§ beutfdpen ^ublifum^ 
gegen Sprif ift aEein bie traurige Sage ber Sprifer m fuepen, fon=* 
bern au^ barin, mie bie mepr niit bem Berftanbe fepapenben ^oEegen 
berftanben paben, bie Sadpluft gu reigen. Oat gu lepterer bie 
Sprifer audp iprecfeilS Knlat gegeben paben, foE gugegeben merben, 
aber mer täte bie§ niept bi^meilen? 

8um Sepluffe nodp ein paar Sßorte gu bem Sape, „bat man 
unter Umftänben ein fepöne^ Stüdf ©elb mit feiner Sprif berbienen 
fönne." ^ol möglii^; aber babon leben, mie e§ Oramatifer unb 
KomanfepriftfteEer tun, fann bO(^ niemanb, unb barin ijt ber grote 
Unterf^ieb. Oenn bie Seiftiingen für gournale unb 8^itog^i^/ ^ibf 
bie e§ bodp pier anfommt, merben mit bem SKetermate gemeffen, unb 
ba ift ber Sprifer in einer jämmerlichen Sage, gdp miE annepmen, 
bat einem folcpen glüefliepen §errn gelingt, jäprlidp gmangig ©e=^ 
bidpte in gournalen gu beröffentlicpen, für jebe§ ©ebiipt mag er ein 
Honorar bon gmangig SKarf empfangen (icp pöre bie Herren Kidpt^^ 
Sprifer f(pon über biefen unberbienten Berbienft bie §änbe über bem 
^opf giifammenfcplagen), ba^ madpt^ jäprlidp 400 SKarf. Kun mag 
biefer Sprifer nod) einen Banb ©ebiepte perau^geben unb bafür ein 
Honorar bon 200 KJarf (mer lacpt ba?) empfangen — madpt 
600 Marf. Sd)lietlidp miE icp nodp ein übrige^ tun unb biefem be^ 
neiben^merten ^oEegen ben augSburger Sdpiuerprei^ bon 200 Kiarf 
geben (ma§ aber nur einmal paffiren fann), fo pat er e§ mit aEer 
Knftrengung bi§ auf 800 SKarf jäprlidp gebracht. Oamit fäEt er 
aber immer nodp ber Beradptung be§ §errn ginangminifter^ anpeim, 
bie befanntlid) erft bei einem gapreSeinfommen bon 900 K^arf 
aufpört. K^ag §offmann. 




Oie Beranftaltungen ber ©efeEfepaft merben in 
mieber auf ber brüten Seite be§ Umfcplag^ angefünbigt 
merben. 






SSeuntii?'.: Otto iReumflnn»-§)oür , Berlin. — Berlag ter Union, J)attfd)c BevIaö6-'©cfcHfcpaft, Berlin imb Stuttgart. — (Sebrudt bei K. @enfd>, Berlin SW 





1832 ^>eörünbet 
pon 

Jofepl; £el;mami. 


für cSiiffcrafur. 


ß)craus3e(3eben pon 5frit3 .ilSaitri^nßC unb o^ttD <!Scuniami=J|ofcr. 

^p6aMton: 'gÖcrCtn SW., §trt^6ric^rtra|c S07. 


iCniott 

I)eutfd)e PerlagsMSefcßfd^aft 
Berlin u. Stuttgart. 


:Srf(|)eitil jeöen Bomiabcub — prciö 4 IHart piertcljä^rlid;. ^cfteüungen rperben pou jeber Bud?f?anblung, jebem poftaint (Tür. 3389 
ber Ppff3ettunö5lifte), foipie Pom Perla^e bes „DTa^a^ins" ent^cgenöcnommen. ^Inseigen 40 Pf^. ble bxeiqc\paitene pettt^eile. 

Frei^ bei: €in 5 Clnmnmei:: 40 J^fg, ^ 


Cl. Jal;vgaui}. Berlin, öen Z5, Jammr iTr. 4. 

“3CiiljaIt: Unfere ©(^ulreform I. — S^id^arb 3K. 50iel)er: 5ßaiil be üagarbe. — $eing Sioöote; ©ierben 
— aKautljner: §mt§ $opfeii§ §elga uub'®erf)nvb $ou)3tmann§ ^Jollege ß^rompton. — 

aWarco ^raga: ®ie ibeale grau. ‘2. SIft. ©^ene 3 b‘i§ ©ct)Iu^. — ®ie l^unft int ^orlament. — Sittera» 
rifdpe ©pronif. — Sittcrarifdje aJeuigfeiten: Otto ©ngltfcpe ©idptimgeu, befprodpen üon @5. ü. — greie 

ßittevavifcpe @efeHf(|aft git Sertin. 


^Ius5iuj5rpcifcv llad^bnidi fdmmtltdper 2lrtikel, aufeer ben popclUftiftfien unb bramatifd?en, unter genauer (Quellenangabe geftattet. 

Unbefugter J^ncflönu'lt Inirb auf o5ninb der o^efetse und )^crträge derfolgt. 


Unsere 04>ulreformen. 


], ©ie pefuniäre Soge ber dtptnnofiaüeprer. 
ift t)ou nio^gebenber ©eite mit großer @nt= 
fepiebenpeit peroovgepoPen loorbeii, bo^ olle poUtifepen 
MoiBOttpmen oou ©eiten ber 9^egierung im §inbli(f ouf 
bie fo^iote ^roge getroffen werben. Sine ber wieptigften 
SSoffen, mit deren §ilfe ier ©tont bem Umfiepgreifen 
nniftürgterifcper 3been loepren gu fönnen glnnPt, ift bie 
pöpere ©cpule. Unfer l^oifer fproep in feiner "bentioürbigcn 
3lcbe bei ©röffnung ber ©eputfonfereng onsbrittflicl) ben 
©ebnnfen onä, bo^' er üon oen pöperen ecpulcn SKönner 
oertonge, loelcpc ipm im J?ompfe gegen bie ©ogiolbemo» 
frotie loirffomen SBeiftonb teiften fönnten, nnb fnüpfte 
boron ftrengen ©obet gegen bie biSperigen Seiftnngen 
ber Slnftotten onf biefeni (Bebiet. ©eit jener bebeninngg« 
ooHen iftebe finb in ber aSerwottung be§ pöperen ©cpul= 
mefen§ moiidpertei mieptige aSeranbernngen oor fiep ge= 
gangen, ^err o. ©o^ter, ber SSerfedjter ber SSorre^te 
beg',^laffigi§mu§, ift trop ber Slnerfennung, loetcpe lloifer 
SSilpetm feinem SBirfen noip onf ber ©egemberfonfereng. 
goQte, on§ feinem 3lmt gefepieben nnb bnrd) einen l^ultu§= 
minifter erfept worben, ber, wie e§ fdpeint, ben mobernen 
ateformbeftrebungen günftiger geftimmt ift. ©ie ©iebener» 
fommif^ion ift gufainmengetreten unb pot, leiber unter 
8ln§fcplup ber Oeffentlicpfeit, bie Umgeftoltimg ber ©cpnl» 
ptöne in Singriff genommen, ©er loteinifcpe Sluffop ol§ 
3ieEeiflung ouf bem ©pmnofium ift gefoEen, bo§ 
griecpifdpe ' ©friptnm befeitigt, bo§ Slbiturientenejomen 
pot bereits jept wefentlidpe äjereinfodpung erfopren, furg 
e§ finb fd)on jept mondperlei ^Reformen in Uroft ge» 
treten, weli^e auf ungeteilte Slnerfennung im 5ßublifum 
redpnen bürfen. EdeuerbingS bringen omp genouere 
Sdodpridpten über bie reformirien Seprplöne ber pöperen 
©cputen in bie Oeffentlicpfeit, unb wenn omp outpentifdpe 
Sdopriepten biSper nop nipt oortiegen*) — ben Seprein 

*) @oe6en finb in bem SSertage bon üSil^elm $er^ (®efferfc|e 
Suct)£|oi'b(ung) bie reformirien „Sefirgläne unb Sef)raufgaBen für bie 
Pieren @cf)ulen nebft ©riduterungen unb 2tu§fübrung§beftimmungen, 
unb bie Orbnungen ber Keifefirüfungen unb ber äofcblupfirüfungen 
naC^ bem feefiften Snlfrgange ber neunftufigen böberen ©ebnten nebft 
frlduternngen nnb ^u§fübrung§ßeftimmnngen" erf(bienen. 


ift omtlipe SSerfpwiegenpeit gur fßflipt gemopt wor» 
ben — fo oerloutet bop fo oiel über bie !Jenbeng ber 
gum 1. Slpril 181)2 geplanten Sdeugeftoltnng, bop man 
mit ©iperpeit onf eine fßerminberung ber wöpentlipen 
©pulftunben, eine weitere SJereinfopung beS Slbiturientem 
ejomenS, eine SSefprönfnng ber ^ouSorbeit unb fßer» 
meprung beS ©nrnnnterriptS repnen borf. ©ropbem 
biefe ^Reformen tpeoretifp oup oon oielen Seprern 
burpouS gebilligt werben, ftepn gerobe bie goplente ber 
gu erwortenben" Umgeftoltung beS pöperen UnterriptS 
wenig fpmpotpifp gegenüber. ®ie floffifpen fßpilologen 
fepen mit IRept in oEen SSefplüffen ber ©iebenerfom» 
miffion eine gurüEbröngung beS ©inftnffeS ber ölten 
©propen, eine Entwertung ipreS geiftigen föefipeS, eine 
©eföprbung iprer änderen ©teEung. SBenn oup bie 
jüngeren fDdönner unter ipnen nop imftonbe fein foBten, 
fip ben Slnforbernngen ber neuen fRiptung, Welpe eine 
größere SSielfeitigfeit beS SeprerS bet geringerer SSer» 
tiefnng feines SBiffenS gu begünftigen fpeint, ongupoffen; 
bie älteren Herren finb nipt mepr in ber Soge nnb oup 
fonm wiEenS umgulernen. Seiber finb foft oEe ein» 
flu^reipen unb oerontwortungSOoEen ©teilen in ben 
fProoiitgiolfpulfoEegien unb an ben ©pmnofien in ben 
§önben oou Slnpäugeru ber floffifpen Sdiptnng, unb ber 
.perr SJdinifter, welper fip bei ber ©urpfübrnng ber 
^eorgemifotion ber pöperen ©pulen fo oielfop ouf 
inner'lip übergeugte ©egner ber IReform unb ißewunberer 
beS floffifpen ©pmnafiumS, wie e§ biSper wor, loirb 
ftüpen müffen, bürfte jebenfoES feine leipte Slnfgobe 
poben. 

Ebenfowenig wie bie floffifpeti ^jjpilologen finb ober 
uotürlip bie entfpiebenen ©pulreformer oon ben SRo^» 
nopmen ber ^Regierung erbout. ©ie — oor oEen ©ingen 
bie ^ortei ber EinpeitSfpule — oerlangen mepr olS 
ipnen geboten wirb, für fie finb bie geplonten fReformen 
nngeniigenbe, polbe SRoferegeln, 

. Seiber erfpöpft fip bomit bie gopl ber Ungnfriebenen 
nop longe nipt: Slup bie onberen Seprer, welpe in ber 
g^roge nöp ber föebeutung ber floffifpen ©propen feine 
entfpiebene ^orteifteEung einnepmen, fepen ber Ein» 
füprung ber ©pulplöne im Stpril 1892 opne gro^e Er» 
Wortungen entgegen, ^pre S3ebenfen ripteu fip nipt fo 


50 


Sl^agagtTt für Sittetatur. 


yix. 4 


fe^r gegen einzelne SKa^regeln, wie bie ge^^Iante 
Doppelung be§ 3lbtturientenejaTnen§ buri^ bte @tnfüt)rung 
einer ^Prüfung in Unterfefunbc, al§ gegen bie Neuerung 
überbnupt: _2Ba§ pm 1. 3lpü eingefüt)rt werben joll, | 
trägt beutlidb ben ©tempet be§ ^rnbifnrinnxS cm ber 
©tirn, e§ ift nnr ber erfte ©dbritt, bem halb weitere 
folgen werben; in nbfebborer 3eit wirb bag l}öl)ere 
©(^ulwefen üoraugficbtlicb feine fefte ^eftolt gewinnen. 
Siefe gonge 2lero ber ^Reformen, ber wir enlgegenjel)n, 
wirb, mögen il)re ©rfolge oudj fonft fein welche fic 
wollen, minbefteng bie eine SSirfung Ijoben, bie Slrbeitg= 
loft ber Sebrer gn erböben. 3Benn bie 9iegiernngen re= 
formiren, bn&en bie Beamten gn tun. ®te fRicbtigfeit 
biefer 3luffoffnng berbürgt bie 3lenfeerung, bie toifer 
SBilbelnt am 17,_ ©egember 1890 in ber ©c^ulfonfereng 
tot, bop „erbeblidbe SRebrforberungen on bie Seiftungg» 
fäbigfeit ber gefomten Sebrerfcboft geftellt werben 
würben." 

Sßpn nun für biefe SRebrforberungen on bie ßei= 
ftunggföbigfeit ber Sebrer ein ongemeffener Sol)n in 
moteriean- ^infidbt in 5lugfid)t fiönoe, fo fehlte eg ficber 
in Sebrerfretfen nidbt an freubiger IBerettwiEigfeit gn 
neuer 3lrbeit; leiber aber bat eg gong ben Slnfdbein, alg 
foEte aud) bei biefer ©elcgenbeit wieber borguggweife 
auf ben „Qbealigmug" ber Sebrer gerechnet werben. 
fRun, bog SSertrauen auf feinen Sbeoligmug bnf ber 
Sebrer wie ber bveupifci)e föeamte überbauet noch nie gu 
©(hanben gemacht, aber ber Sbealigmug bnt feblieplich 
auch feine (Srengen. SebenfaEg fann ber Beamte, an 
beffen Sbealigmug bie ©taatgregierung ohheEirt, wol 
auch bon ihr benfelben Sbealigmug forbern, ben man 
bei ihm borougfeht. ©er föeamte ift auch nur SRenfch 
unb mup oor oEen ©ingen leben, feine g’i^milie er» 
halten unb feine Äinber ergiebn, unb bogu reicht ber 
Sbealigmug aEein nicht aug. IRun ift befonnterma^en 
feit Sohren fein afabemifcher fBeruf fo ungureichenb bo» 
iirt, wie ber ber Sebrer on höheren Sebronftalten. Unter 
ben gegenwärtigen wirtfcboftlichen fßerbältniffen ift ein 
©ebctlt bon 60o ©alern ni^t augreichenb, um ouch nur 
bie notwenbigften föebürfniffe einer gebilbeten 3'nniilie 
gu beftreiten. _ Sohr für Sohr ift bie IRotloge ber @bm= 
nafiallebrer ein ©egenftonb ber ©ebatten im hbeupifchen 
Slbgeorbnetenbaufe gewefen, Sabr für Saht hoben bie 
fBertreter ber ^Regierung unb oEe ^Parteien bie Sebrer 
ibreg befonberen SßoblwoEeng berfichert, ober in moterieEer 
^inficbt ift bwätidi wenig gefdjebn. iRoch immer giebt 
eg orbenlliche, ongefteEte Sebrer, welche nach Iffähtiger 
©ienftgeit mit einem Oebolte bon J8oO ERarf unb 300 
ERarf a^obnungggufcbup auf beffere geiten hoffen. 

©ie berechtigten gorberungen, welche fchon feit Sobven 
gefteEt werben, ©leichfieEung ber orbentlichen Sebrer mit 
ben Richtern erfier Suftong, ©leichfteBung ber Sebrer an 
ftäbtifchen Slnftolten mit betten an ftaatlichen ©chulen, 
ftore Drbnun^ beg Slboncementg unb ber Rnciennitätg» 
berhältniffe, finb immer noch fvomme aßünfche unb wer» 
ben eg noraugfichtlicb noch ^onge bleiben. Um aEe biefe 
fjorberungen gu erfuEen, würbe ber breufeifche f^'^fng 
nach guberläffiger ^Berechnung etwa 8 flRiEionen ge» 
brauchen, aber, wie mit groper fBeftimmtbeit berfidtei't 
wirb, werben nur circa 27 ? ERiEionen im näcbften ®tat 
für 3toecfe beg böbooen ©chulwefeng mehr geforbert 
werben.*) ©ag Slnfongggebalt ber Sebrer foE bon 
1800 SRarf auf 2100 3Rarf erhöbt werben, wäbreub bog 
Rnfangggebalt ber Richter fchon lept 2400 ERorf beträgt, 
bie ©lei^fteEung ber Sebrer an ftäbtifchen Rnftalten, 


*) Sn bent ingtoi)(ben ben breugifi^en Slommern gugegangenen 
Cgtat be§ SuIinSntinifteriuntg werben gnr ®nrd&fnbrung be§ KormaO 
etat§ öon 1892 pr SSerbeffernng ber Se|rergefiälier gange 1,4(X)000 SKt. 
geforbert, otfo mehr alg eine SWillion Weniger afe Wir berniuteten. 


fowie bie Regelung beg Rbancementg fteben bieEeicht er|t 
bann gu erwarten, wenn einmal bog län^ft erhoffte ©efep 
über bog böbooe ©cbulwefen ben hfeupifcboi^ Kammern 
gugeben wirb. 

Rber noch oib onberer befonberg trauriger fpunft 
bleibt gu erwähnen: ©ie Sage ber wiffenfd)oftlichen §ilfg» 
lebrer. ©urcb bie Reform ber ©chulplätte, welche gum 
1. 2lf)i‘it tn Ifraft treten joEen, werben nabegu aEe 
wiffenfcbaftlichen ^itfglebrer brotlog werben, ©ie 3oI)t 
ber ©tunben an ©biouafien wie an Reolgbmnafieti wirb 
etwa um 20 — 30 wöchentlich berminbert, b. b- etwa um 
fo biel ©tunben, alg bigber gewöbnlid) bon wiffenfchaft» 
lieben ^ilfglebrern erleilt würben, ©aburch wirb, ba, 
wie augbrücflich erflärt worben ift, bie 3obl ber ^fli^t» 
f unben ber angefteEten Sebrer eine fPerminberitng ni^t 
erfahren foE, ben §ilfglebrern, bereu 3obt itb breüpifchen 
©taate 1000 überfteigt, ihre obuebin färgliche %ifteng 
böEig entgogen. 

©iefen ©hfern unferer ©chulberwaltung feht bie 
gum 1. Rfii'tt P erwartenbe Reugeftaltung beg böbei‘«t 
©chulwefeng ben ©tubf bor bie ©ur, unb aEe fPerfud}e, 
welche beifbielgweife bie ^Berliner §ilfglebrer beim §errn 
Ifultugminifter unb anberen fBebörben getan 
fcheinen ohne ©rfolg geblieben gu fein. 

©ieg finb im REgemeinen bie Urfachen beg weit ber» 
breiteten ERiptraueng, mit welchem bie Sebrerjm höheren 
Unterricbtganftalten ber Reuorbnung unfereg cachulwefeng 
entgegenfebn. fBefonberg bwt ift bie Sage ber §ilfg» 
lebrer Sbben gegenüber trägt bie Regierung eine ernfte 
Verantwortung. SBenn unfer böb«e§ ©chulwefen mit 
einiger Rugfi^t auf ©rfolg auf fogialem ©ebiete ben 
£amhf gegen umftürgterifche ©enbengen aufnebmen foE, 
fo wirb' man bor aEem ©orge trogen müffen, bap bie 
©rgieber ber Sugenb fich unter ben beftebenben Verhält» 
niffen einigermapen wol fühlen fönnen. SBer fich ober 
bieEeicht 10 Sob^'^ t‘^b9 — benn bog bürfte in 3irfunft 
nicht gu ben feltenen f|äEen gehören — alg ^ilfglebrer 
mit ©tunbengeben, .^ouglebrerhlocferei, litterortfcher unb 
onberer Sobnorbeit fein färgticheg Vrot berbient bot, 
ohne an fich ^tß Sürforge einer wolwollenben unb mäch» 
tigen Regierung empfunben gu hoben, bem muffen fo 
oEcrlei (Sebanfe'n unb 3tt'«tfct on ber Vortrefflichfeit beg 
berrfchenben ©bftemg auffteigen, Sweifel, bie fd)tieptich 
auch ftoe RnfteEung mit 2100 SRarf unb enlfprechenbcm 
SBobnungggufchup aug feinem ergrauenben $anpt nicht 
mehr gu bannen bermag. ©cbuimann. 



Paul be £agavbc. 

^on 


I. 

UumütelOar t?or bem be§ leisten 

finb 5 tt)et bebeutenbe 3Kauner ba^mgef^ieben, bcren geiftigc 
fRtcljtung unb 2ätig!eit ber oHgememen Senbcn^ ber ©egen- 
inart im fdjrofffteu ©egenfa^ [taub. 3(m 22. SDe^emOer ftavb 
5ßnul be Sogarbe, am folgenben S^oge Sol)öi^ne§ $ 5 cner 

,,@e{ft ber ?(ufflärnng", beffen nufere bielleidjt aü^^n 

laut unb all^n an§fd)UeßIidi rnl)mt, berlor ätnet nngetr)Di)üd)e 
geinbe, ^met einf(u^re{c^e Kämpfer. Unb faft fcpeint e§ fpm^ 
boOfd), ba§ fie gletf^fom §anb in .^onb biefe bon ipnen t)iel 
gefdboltene SSelt berlteßen. SDenn immer näper mar ber (Stanb== 
pnnft be^ originelleren unb bebeutenberen ber beiben 9}(änner 
bem be§ fonfeqnenteren unb glüdlicperen gerücft. ^er 
lijcpe $ra(ut pat ade^eit mit geftigteit bie ^Infcpannng 

bertreten, aüe^ Uebel nuferer Sage ftamme bon ber 5(bmen- 
bnng bopt att^n ©tauben, unb bie ^Reformation fei ber @ünben- 



9Jr. 4 


Magazin für £itteratur. 


51 


fall be§ beutfd^en SSol!e§ getüefen. Sogarbe , bon au§ 
proteftantifd^er S'^eotog, teilte mit bem uttromontanett ©efd^id^t^' 
fd)reit)er ftetg bie Slbneigurg gegen bie auftlärerifd^en Sefire= 
bungen, gegen aKe^, man auf irgenb meld^em ©ebiet 
Siberali§mu§ nennen fonnte; aber auc^ ber fpegieHen Stntnen^^ 
menbung biefer SSernrteilnng auf bie religiöfen Seftrebungen 
feit Önt|er l^at er ficb mehr nnb mel^r genähert, ©ein Urteil 
über ben mobernen 55roteftanti§mus, über feine Urfprünge nnb 
prinzipiell, über bie Petfonlid^feit be§ großen 9fteformator§ mar 
fd^ließlidö bon bem Urteil eine§ fatbolifcßen Polemüer^ !aum 
jn nnterfdfeiben. 

SDennocb aber mar Sagarbe aucß äule|t meit babon ent= 
fernt, ein Parteigänger fo Ultramontani§mu§ merben. 
28ol l^at er mit entfcßiebener ©pmpatbie felbft fol(^er @rfd^ei= 
nnngen fid^ angenommen, bie bon ben proteftantifd^en Sßeologen 
fonft mit ber allergröften ©eftigfeit angegriffen merben: fo be§ 
Sefnitenorben^, ber romifcßen ®ircßenßiftorifer. Slber unter 
ein lanbläufigeg ©d)lagmort ober gar unter eine Parteiparole 
mar biefer feltfame nnb eigenfinnige Sopf nie p bringen. 

Sind) nid^t unter bie be§ Sn^^bibnali^mu^. SBol ßat ber 
eifrigfte nnb'' erfolgreidjfle Slgitator für bie ©manzipation be§ 
©inzelnen, ber Slutor bon „9?embranbt al§ ©r^ießer'', fid) 
mefentlid] ancß burcß Sagarbeg ©d^riften infpiriren laffen, mol 
bat biefer felbft an taufenb ©teilen ba§ 9tecbt be§ ^nbibibnumg 
gegen ba§ Unred^t ber SRaffentprannei berfocbten. SDennocb 
aber ift e§ eine eigene ©aibe mit bem S^^bibibuali^mug 
Sagarbeg. S)Zan tut ibm faum Unred)t, menn man fagt, fein 
Snbibibualtemug fei au^fcbließlicb ein S'ampf für ba§ Stedjt 
ber eigenen ^nbibibnalitöt gemefen. ^enn tanm bnt ber beftigfte 
®leid^ma(ber fidb in frembe ©igenart fo menig ^u berfenten ge^^ 
muft fo menig and) nur ^u berfenfen gefucßt, mie biefer geinb 
be§ 9iibeKtren§. ©infeitig ou§ ber eigenen ^öbe entnommene 
äRaßftäbe merben rüdlfid)t§lo§ bon ibm an feglicben .©bereifter 
angelegt ®a§ gebt bom ©roften bi» in§ ^leinfte; er berlangt 
gerabe fo unnacbficbtlicb bon jebem ©elebrten, baß er alle 
nötigen Püi^er felbft taufe unb eßer auf alle§ ber^iebte, alg 
baß er fie au§ ber Pibliotbef leiße — er berlangt ba§ gerabe 
fo unerbittlid], mie er feine eigene bödßft inbibibueße Sb^ocal in 
©emiffen^fragen ^ur aßeinigen ?Jorm mad)t Slm greßften tritt 
bieg auf bem religiöfen ©ebiete b^^bor. Sagarbe ift eine innige 
religiöfe 9?atur; aßeg lere gormelmer!, aße unmabrbaftige 
^leußerlidßeit ift ibm tieffteng berbaßt. Unb berfelbe 33?ann, ber 
bei ber 9^eligion nuferer 2^age ^erz unb Sinn augfdl)ließlidb 
maßgebenb finbet, b^it bic rüßrenb nnbebilflidben Perfniße 
früherer ißfem ©lauben ^ugbrud ^u berleißen, nur 

bitteren §obn — einen .^obn, ber fid^ big pr ätobeit beg ^ug:= 
brudg fteigern tann. ^a glaubt man plö^lid) ben Pater ber 
mobernen ^lufflärung, Poltaire, fpreeßen ßören. Unb §u 
mel(ßen praltifd)en Porfcßlägen fommt biefer ^nbibibnaliftl 
2öir finb ßeut nur p feßr überaß burdß Parteien unb Pro= 
gramme an freier 5lugbilbung ber eigenen SReinung geßemmt, 
bequem neßmen mir eine fertige Paragrapßenreiße an, ftatt aug 
eigener ^Irbeit eine politifd^e, fünftlerifcße, fo^iologifi^e 3ln- 
feßauung ung 5U bilben. ©ine glüdflidße ^ugnaßme bitbet nur 
bag ©ebiet beg religiöfen ^enteng. ^n platter 
ift Ueberfluß; mer aber überhaupt noeß ©inn ßat für bie 
ßödßften Probleme beg ^enteng, ber fdßafft gerabe ßier, ftiß 
unb anfprucßglog, fieß feine eigene Steligion unb lebt unb mirft 
in ißr. Unb bieg tut aueß, freilich meber ftiß nodß anfprud)g:= 
log, Sagarbe felbft. 9Zun aber, ftatt febem bag 511 bergönnen, 
berlangt er, bon ©taatgmegen foße bie ©efamtßeit ber ©ßriften 
in eine beftimmte ßaßt enger Sirdßen eingefi^loffen merben: 
nießt einfach Proteftanten, fonbern Proteftanten nadß bem Pe:= 
fenntnig ©cßleiermacßerg ober 9titfdßlg ober ber preußifdßen 
Drtßobojie foßen fefte ©emeinbetörper bilben unb feber ©ban== 
gelif(ße gelungen merben, für ein berartigeg frembeg Pe!ennt= 
nig fiel) einpfdßmören! Unb fo foß gerabe ßier bie greißeit ber 
Pemegung burd) reglementarifdßen ^^ßößt merben! 

fließt minber fd)manfenb atg bem Sti^^bibuum in ber 
©egenraart fteßt Sagarbe bem S^^i^tbibnum in ber ©e^^ 
feßießte gegenüber. Dft unb mit fi^önen SBorten ßat er be- 
tont, baß au(^ in ber ©efdßidßte ber ©eift ber ©reigniffe bie 
^auptfadße fei unb uidßt bag einzelne ©efdjeßnig ober feine zu- 
fälligen Sräger. „gür ben ©eift finb eg feine gafta, baß 

am 15. SJJärz 44 ©aefar ermorbet, am 1. September 1870 
Stapoleon III. gefdßlagen mürbe: bem ©eifte finb bag gafta, 
baß eßrlidße PJänner an bfe alte §errtidßfeit ütomg glaubten, 


alg fie nicht meßr zu feßen mar, baß aud) bie reinften SBißen 
ZU unreinen Pfaffen merben fönnen, unb baß ber befie ^iße, menn 
er bieg tut, bag fcßleditefte ©rgebuig zu 2^age förbert, baß er 
gerabe bag ooßenbg in ben pralenben $ag beg ©rfolgg ßer- 
auffüßren ßilft, mag zu bernidßten er bie Slbfidßt ßatte 
Unb boeß ift gerabe Sagarbe nidßt mübe gemorben, beftimmte 
®denfdßen unb feinegiregg bie gröften, beftimmte 2^atfadßen 
unb feinegmegg bie bebeutunggooßften, für ungeheure 2Sirfun= 
gen Perantmortlid) zu maeßen. sber ©d^riftgeleßrte ©gra ift 
ißm gerabezu ber ©dßöpfer. beg nad}ejilifcßen gubentumg unb 
ein SJütfdßöpfer beg ©ßriftentumg gemorben; bie Prüfungg- 
reglementg ber ©eßeimräte goßanneg ©dßulze unb feiefe finb 
ißm zu i^auptgrünben beg bon ißm behaupteten geiftigen Per- 
faßg SDeutfdßlanbg gemorben. ®er SRann, ber fonft in ber 
©ntmictclung ber ®efdßid}te großartige Sinien Poß göttlid)er 
Pebeutung fießt, erflärt fie für eine Sntrigenfomöbie, fobalb 
ißr ©inn ißm nidßt gefäßt. 

©g ßilft nidßt Piel, menn man jemanben infonfequent 
nennt: man muß perfud)en, ^onfequenz aud) im ©d)manfen 
aufzufinben. Su neuerer ßexi ßat man Piel Pon einem „@egen- 
finn ber Urmorte'' gefproeßen: ein unb baffelbe SSort foßte in 
älterer entgegengefeßte Pebeutungen geßabt ßaben. Slber 
faft überall ließen bclbe fid) aug einer gemeinfamen früßeften 
Pebeutung ßerleiten. SDag lateinifd)e ^ort ^^altus^^ bebeutet 
fomol „ßodß'' alg „lief“, meil eg urfprünglidß ßeißt „Pom SäPeau 
entfernt“ ; bag fonnte nun in ber Pid)tung nad) oben unb nad) 
unten angemant merben. 9^i(ßt anberg ift eg mit ©igenfdßaften 
ber Seele. 2Benn berfelbe 9D7ann ßier inbiPibualiftif(ß ift unb 
bort glei(^madßerifdß, für bie großen Stieben ber SBeltgef dßidßte 
ßier feinhörig unb bort taub, fo muß bag eine mie bag anbere 
in feiner geiftigen ©runblage bebingt fein. SBiberfprüdße finb 
nur ßiftorifeß zu erflären. 

iSSie ein ^iberfpru^ flingt eg fdßon, baß biefer geinb beg 
giationaligmug gerabe ein Perliner mar. Perlin ift für ben 
Dftembranbt-SIutor unb feine ©enoffen nodß immer, mag eg für 
Berber unb ©oetße mar: ber ©iß S^icolaig. Slße platte SIuf:= 
tlärung, aße boftrinäre S^edßtßaberei, aßer blinber Siberalig== 
mug ift ißneii „eeßt berlinijcß.“ ^nbeg mar Perlin nidßtg 
meniger alg bie öbe ©anbmüfte, in ber aßeg getrodnet auf- 
mädßß, alg am 2. S^oPember 1827 ßier bem ©ßmnafialleßrer 
Pöttidßer ein ©oßn geboren mürbe, ber fpäterßin, mit bem 
Pater z^icfußen, ben Familiennamen feiner Ptutter annaßm unb 
berüßmt madßte. ber liebengmürbigften ober Pießeidßt ber 
einzigen liebengmürbigen unter feinen zaßlreidßen !leinen©d)rifta, 
in ben „©rinnerungen an F- S^ödert“ ßat Sagarbe felbft bieg 
„Pormärzlidße“ Perlin eine Stabt Poß Poefie genannt. Unb 
fo menig mit biefem Slugfprudß über bie Stabt bie Pielberufene 
„Poefie ber ©roßftabt“ gemeint mar, fo menig mar eg eine 
profaifeße $albpoefte, meltße Perling *3)id)ter Pertraten. 5)ag 
galt nur für ben bamalg neu auftretenben ©ußfom ; aber meber 
ber PMrfer Sl^im-Slruim nodß ©. %. Sl. ^offmann ober ©ßamiffo, 
bie ßier ßeimifcß gemorben maren, fdßeuten zurücf Por ßö(^ft 
fantaflifeßen klängen feßr antirationaliftifdßer Poefie. ^^ie 
beiben leßteren Por aßem gehörten zu ben leibenfdßaftlidßen 
Perfedßtern ber Seßre, bie fie Pon §erber unb ber älteren 
JRomanti! ererbt hatten — unb bie Sagarbe mie ber berliner 
SDidßterfreig ber Pierziger Sußre mieber Pon ißnen übernahmen: 
beg heftigen ©egenfaßeg gegen bie mecßanifdße unb meeßanifirenbe 
Sätigteit beg aßmödßtigen ©taateg. ^offmann glaubte ben 
maßren 9J^enfd)en nur nodß im patßologifdß Perzerrten SKenfdßen 
entbeden zu fönnen, fo ßeiflog f(ßien ißm bei bem „gefunben 
SJdenfdßenPerftanb" beg „S^ormalmenfdßen“ aüß ~ Perzerrt 
unb patßologifcß; ©ßamiffo erneuerte SRouffeaug alte Seßre, nur 
außerßalb ber Mtur finbe fidß edßte SJlenfcßlicßfeit. ^en §aß 
gegen bie moberne, äußerliche ^albbilbung, ben ^aß gegen bie 
©rneuerung beg aufgeflärten $>egpotigmug im bureaufratifeßen 
©eifte, ben §aß gegen bag Pielregiren unb 9Ieglementiren ßat 
Perlin biefem ©oßne mitgegeben — eben bag Perlin, meldßeg 
furzfidßtige feineg ©eifteg alg bag Parabieg geiftlofer 

Flai^ßeit unb öber 9tegelmäßigfeit anfeßen. 

Slber freili(^ feßlte audß biefe feinegmegg in bem Perlin 
Friebridß SSilßelmg III.; ber §aß gerabe gegen bie §of- unb 
^egierunggräte , gegen bie „Seßreiber“ ßatte bie 9?omanttf in 
Perlin mäeßtig gemadßt: „Sieße bie ©dßreiber an, bie ©dßladen, 
auggebrannt, bie ©elfter, auggemergelt! ©g ift, alg ftreuten fie 
auf febe naßeube redßte F^^ube einen biden ©treufanb unb 
legten auf feben eblen ©ebanfen ein Söfdßblatt , . ,“ ©0 rief 


52 


S^agagin füt: SUteratur. 


TiX. 4 


einem anbevn berliner 9^omantifer, bem berü^mlen ©ermaniften 
SSilbelm SBacfernagel , fein älterer Srnber 51 t. SSacfernagd 
töpt fid) niannigfa(^ mit Sagarbe nergteicben: mie er ein ®e^ 
lebrter bon nngeljeurer Selefenbeit unb ^ugleid) eifrig in 
pDpnlärem SBirfen, mie er $^iIoIog ^ngleidb unb ^olitifer, mie er 
ein Siebter unb ein Seter. ©r aber ^eitlebeng mit Seib 
unb vEeele bem einen Säger angebört: er mar mit aden Sinnen 
ein Sd]üler ber „^eibetberger S^omanlif', ber Strnim unb 
Srentano, mehr nod) Ubianbg unb S^ifob ©rimm^. 9^i^t fo 
gtücflid), nid)t fo einig in fitb mar Sagarbe. S[)em ©inftug 
jener gentralifation , beren mäd)tige ^auptmafd^ine in feiner 
SSaterfiabt arbeitete, ber Stnftedung fener für ade (Eigenart 
blinben 3leglementirjudbt , beren SBirtungen ibm bmr überad 
begegneten — er Permoibte fidb ib^en nid)t Pödig 5 U entziehen. 
Unb mir bürfen Ijkx Piedei^t gleitb an^fpre^en, mag mir für 
bag ©ebeimnig biefer mertmürbigen Seele beiden: er fdbmürmte 
unb fod)t für ben SnbiPibuatigmug, nicht meü er fetbft eine^ 
^nbiPibnalitöt im großen Sinne beg SJorteg gemefen märe,; 
fonbern meil er eg gern bütte fein moden. SBadernaget, fünf= 
^ebn früher geboren, marb gteid^fam burd) einen geiftigen^ 
^ßan^er Por bem ©inbringen ber ringgumber ftiegenben Pfeile 
preußifeben SBefeng gefd)ü|t; bei Sagarbe mar ber 5{5an^er 
fd^mad) gemorben. Sbm Prangen bie Pfeile ing ^er§. So 
marb er fein 3D?ann beg großen ftarfen romantifd^en 
mng, mie eg ©rimm unb feine Sd^üler gemorben; aber er 
marb am^ fein 50Rann beg ernften ftrengen preußifeben $fUcbt= 
gefühlt, mie bie Scanner ber greibeitgfriege. S3eibertei mifebte 
fi(b in ihm. 3Kif(^nng aber, mag fie nodb fo origined fein, ift 
adtögddb; 9?einbeit ift feiten. 4)er nnr ift eine mabre 
biPibualität, ber aug einem Stüde baftebt, ein ganzer 3Kann, 
eine tppifd^e ^erfönlicbfeit, ber S^fadgfleden fehlen: ein ©oetbe, 
ein Seffing, ein Ubianb. Sagarbe aber fühlte in fid) felbft big:^= 
parate ©lemente, bie ihm mit tanfenben gemein maren. Sein 
bärtefter 2 :abel ift eg, menn er etmag ein „Snnftprobuft'" nennt; ■ 
fo bag moberne S^bentum, fo ben mobernen ^roteftantigmng. 
Soldb ein Snnftprobnft aber mar er an(b ficb felbft. „©in in 
frübefter frumm gezogener SSaum mirb nie gerabe,'" 

fagt er Pon ficb felbft. ©r b^^ßd mit einem perfönlidjen §aß 
bie Drganifationen, bie ihm bie „©rabbeid', bie Urmüebfigfeit 
Perborben batten : ben ©eift ber Qtii, bie Sd^ulen, bie 3Jtönner 
ber Stegierung. ©r fafteiete ficb felbft, menn er über Unur:= 
fprünglicbfeit unb §albbeit flagte; er fod^t für ein Steift, mo 
man ihm früh jeben ©ebrandb unmöglich gemacht hotte. 

Sludh bieg, baß er aufnebmen mußte, mogegen feine 92atur 
fi(^ fträubte Pon Sfinb an, ift ang feinem Seben p Perfteben* 
SDeutlicb genug flagt er oft, ohne ihn p nennen, ben SSater 
an, beffen 3^amen er ja fogar abmarf; biefer mirb eg gemefen 
fein, ber, molmeinenb piedeießt, aber ohne Serftünbnig unb 
ohne ßo^fb^d, bem Sohn bie berrfdhenbe SDoftrin aufpfropfte. 
9 ^ 0 (^ fehlte eg bamalg in Berlin nidbt an SSötern, bie SBidiWib 
Sllejig 5 um SD^obed beg SSaterg in feinem 5 U menig gelefenen 
Paterlönbifdhen 9ioman „©abanig'' bienen fonnten. So etma 
mögen mir nng ben SSater Sagarbeg Porfteden; unb fo fam 
eg, baß ber Soßn ein Stüd Pon ißm unb ein Stüd SUcoIai 
^nglei(b marb. 

Selten ^mar ^eigt fidh bei ißm eing biefer ©lemente in 
Poder 9teinbett. SBenn er in mehr fdhmürmerifcber alg tritifdher 
SSeife bie Sugenb nnb ©dhtbeit unb Originalität ber „Un:^ 
Perbilbeteid' ber Si^Iedbtigfeit unb Unei^tbeit unb S^riPialität 
ber ©ebilbeten gegenüberbält, bann freili^ Hingt noch SBertber 
unb feine Sdhnle na^. Unb mieber, meun er einige — ader^= 
bingg redht unglüdli^ geratene — Ueberfeßnnggproben beg 
}übif(ben ©elebrten 3 un§ mit mil^elnben 3 tuif^enfößdhen nnb 
böbnifeben Slugrnfen begleitet, bann fiebt man erftaunt, mie 
Piel Pon $anl Sinban in $aul be Sagarbe ftedt. (S<^h tneiß 
mol, baß Sinban fein SSerliner ift; aber mie Piele Pon ben 
fogenannten „tppifdhen SSertretern beg SSerlinertumg'' finb eg 
benn?) ©emöbniidh aber mifeßen ber Slomantifer unb ber 
9tationalift, ber Sultnrfeinb unb ber ^ritifer fieß nnauflöglicß. 
Unb beibe überbedt eine ©igenfi^aft, bie beiben fremb ift. ^en 
9ftomantifern eignet faft burdhgöngig ein Uebermut, eine ftür= 
mifeße ^eiterfeit ober Sad)Iuft; ber berliner Stationalift aber 
ift febenfadg adeg eßer alg SSeltfdhmer^Ier : ba^u ift er Piel ^n 
feßr Pon fi(^ erfüdt: Sagarbe aber jagt Pon fteß felbft aug, 
er fei Pon jeßer ein einfameg, tranrigeg 9Jfenfdhenfinb gemefen. 
SBeßinnt unb SSerbitterung liegt auf adern, mag er gef^rieben. 
^oßer fam bag? ©g mar nt(bt bie brüdenbe Sage adein, bie 


9^ot, bie feßmere 5Irbeit. Sd ad bem ging eg SBadernagel 
rod) fcßlimmer, ber lange 3^d pm Uebernad)ten feinen anbern 
8 ?aum batte alg — eine Segelbaßn. Unb bodh ift er ein fröß^^ 
lidier SRenfdh gemorben, ber SBeinlieber nnb Seßer^gebidhte 
Perfaßte unb in Podbefriebigtem SSirfen lange ^oßre beg ©lüdg 
erlebt ßat. SIber ißn trug Siebe nnb Sorgfalt feiner Slnge^ 
hörigen, bie mit ißm barbten unb litten. Siebe, ber Sonnen^ 
fd)ein marmer Teilnahme nnb ßer^lidher Sorge, treuer 8 tat 
unb milbe Sefferung — bag muß bem jungen Sagarbe gefehlt 
haben. SBie §erber, and) er in manchen SDingen ißm Permant, 
ober mie ^^xhn^ Siebling Smift ßat Sagarbe ben Summer 
einer freublofen S^genb nie Permunben. "S^aeß greube geßt 
feine ungeftidte Seßnfu^t im Filter: ,,^er 83knjd), bag ßeißt 
ber ©ßarafter, gebeißt an ber greube über bag ©öttlidhe"', 
feßreibt er. SDieje grenbe — lebenglang ßat er nadb ißr ge== 
rungen, feiten fie empfunben. „^udß an ©ott ßnb id) geßler'', 
fagte ein greifer 3Kenfdbenfeinb bem jungen ©oetße; amß an 
ßßriftug ßnbet ber gläubige $roteftant Sagarbe geßler, meil 
©rämlidhfeit ißm jebe reine greube trübt. Unb ebenfo 
fdhmad)tet fein §er^ nadh Siebe. Slber Pergebli^ fragt man, 
men er geliebt, ^unberte Pon 8 Zamen nennt er mit $aß ober 
ffieradhtnng, mit Sereßrung nur gan^ menige, mie bie gafob 
©rimmg, 8 tüdertg, Simrodg; mit ßer^lidher Siebe faum einen. 
Unb begßalb eben fonnte biefer SJiann ben ungeheuerlichen nnb 
entfeßlidhen Saß augfpredhen, fein S^be fönne lieben, ©r 
fonnte feinen ©ott mit ber Einnahme fdhmäßen, ^ahrßunberte 
lang bulbe er ein SSolf, bag feine Siebe fenne! ©r fonnte 
fold)en fcßredlicßen Saß augfpre(ßen, meil er felbft nießt mufte, 
mag bie Siebe fei; meil er felbft ^n leben permoeßte oßne ißren 
SSefiß, nur mit ber Sebnfueßt naeß ibr, glaubte er, gan^e ©e== 
mcinfdhaften fönnten ejiftiren oßne fie. greube unb Siebe — 
fie fehlten ber ©r^ießung beg Sinbeg, fie fehlten bem 33('anne. 
8 lde, bie ißn näßer fannten, rüßmen fein SBolmoden gegen 
jüngere; nidßtg Pon feiner ^erbßeit nnb Sitterfeit fei im Um^^ 
gang ßerPorgetreten. Um fo fcßärfer fcßlug eg fieß auf bag 
Sapier nieber. §at er einzelne jüngere freunblid)ft beßanbelt, 
fo ßat er um fo ungerechter, um fo härter, um fo Perftänbnig^ 
lofer bie junge ©eneration überhaupt Perurteilt; mar er im 
Serfeßr na^giebig, fo ift er um fo ßerrfd)jüdUiger unb uü- 
bulbjamer in ber Solemif unb Sritif anfgetreten. ©r fud)te 
5 u erließen, mie er er 5 ogen morben mar: in befter ^ 2 lbfid)t, 
aber ßart unb lieblog. ©r blieb ein Opfer feiner 3ngenb ^eit^ 
lebeng. 

c©in 3U) etter 5lrtifel folgt.) 



- öteübenl 

©timmungen 

böti 


war fitrj nod) bem Kriege, al§ ber ©eboitfe 
ober beffer biefe ©timmimg ftd^ pm erflen SRale bet mir 
einfteUte, unb ÜJJouote oergingeti, e!)e ict) oon biefem 
felt|omeu ©inbrutfe wteber frei würbe. ®obei wor id) 
mir gu jeber geit gong unb gor bewuft, bo§ ber @e» 
botife unfinuig wor, o!^ne bo^ idfi e§ jebod) t)ermod)te, if)n 
jtiebergufömpfen. 

3um erfteu 3)?oIe flieg er mir bei einem SRonöber 
onf, gong ftlÖ^lic^. 

wor am 9tonbe eines bid)ten fd)orfbnftenben 
Jonnenwalbeg. log mit etwo brei^ig SWonn on einer 
©fjouffee, onf ber, wie' mon bermntete, ber (Regner mit 
feiner §onf)tmad)t ben 3tngriff berfud)en würbe. 

.^ie unb bo frod)te in ber gerne ein moin^» 



rir. 4 


®a§ flogajin tür Sitteralttt. 


mal l^aftici Ijiniereinanber ein mt^IofeS J^natteru, @e= 
plänfel unserer ^orpoften imb 4^atrtnüEen. 

3watt3tg @i4>rttte üor uii§, an einer Siegung be§ 
2Bege§, ber l)tev bergab ging, ftanb nnfer ©oppelpoften. 

3n aEer 3^rül)e, nru^ bei ®unfeü)eit, waren wir anf= 
gebrochen, nnb ben gonäen SJlorgen im peilen @onnen=‘ 
branbe marf^irl, mupeooEe nnb anftrengenbe OebirgS» 
pfabe, wo wir oft EJlonn Ifinter iEJann gel)en nutzten. 

®ie Sente waren totmiibe. 

Unb bie tiefe fdfiwitle ©tiEe be§ tautlofen Scannen» 
walbe§, bie brennenbe ©onnengint nnb ber fcpwere um= 
nebeliibe ®nft ber fjic^ten, biefer wie parfümirte ^arj» 
gernd) beb 9iabeIl},ol5e§ .... afleS fam pfammen, mn 
eine bleierne ©d)läfrigfeit gn ergengen, bie reglob in ber 
©onnenlnft ping, bie' ©liefe git Xobe ermattete nnb bie 
Slngenwimpern fcpwer perabgog. 

3cp patte midp an bem fleinen moogburd)Wa(pfenen 
©raben unter eine fdpattenbe f^icpte gelegt unb fcplofe bie 
Singen. 

S'ab ©(piefeen in ber g^erne patte anfgepört. 

©ine ^olgtanbe girrte, bann warb eb gang ftiE. 

©0 tagen wir regungblob. — 

^ßlöpli'ip wie erfiprerft öon biefer ©tiEe, biefer toten« 
paften, beöngftigenben ©tiEe, rip icp bie Singen weit auf, 
jüpllngb weit, otb ob icp im Spanne eineb beöngftigenben 
Xraumeb fei. 

©b tag fo fcpwer onf mir, bap icp frampfpaft atmete 
wie unter einem Slip. 

Sliiptb rüprte fiep ringbum .... 

Unter ben Staunen, am ©rabenranbe, einige patb auf 
ber ©pauffee, bie anberen tiefer gwifepen ben ©ebüfepen 
lagen bie Seute, wie pingefaEen. ®ie einen auf bem 
58aucpe, bap bie ©onne auf ben gelbfeffetn gliperte, anbere 
auf bem fRüifen, bie llniee etwab poepgegogen, fiep auf ben 
2:ornifteru ftüpenb, wieber anbere patb auf ber ©eite, in 
unbequemer uunatürlicper ©teEung, atb ob fie fiep nidpt 
freiwillig pingelegt patten, fonbern geflürgt waren. 

S)ie §änbe aEe fo feplnff, faum bap bie f^inger am 
©ewepre lagen, bie §elme abgefallen, nnb bab alleb geifter« 
paft reglob . . . 

3cp blirfte über fie pin, feiner rüprte fiep . . . nur ein 
paar S^liegen fummten, unb bann pnfepte eine ©ibetpfe 
rafipelnb bnrd) bab bürre ©rab, nnb ba war mir mit 
einem mole; alb fei icp ber eingig üebenbe gwifepen all 
biefen ©aliegenben; eb war, atb oO noep einer ©cpladpt 
bie ©oten pier gefäet waren, ein erftidenb beängftigeuber 
©ebanf-*, ein gnalenbeb 63efüpl beb ©ntfepenb, bab fid) niept 
abfepütteln tiep. 

Stlb ob oEeb ftoefe, bob Seben eingefeptafen fei, nid)t 
nnr pier nm miep, fonbern in ber gongen iffielt, unb id) 
pier nnter ben ©efallenen oEein, in biefem ©onnenbiefiept, 
beffen brütenbe ©nnftatmofppnre eb mir nnmöglicp mnepte 
ouep nnr einen fjinger gu rüpren. 

3Bie gefeffelt |a^ id) ba, unb meine ©lieber waren 
fo fd)wer, alb fei mein SSiEe gebroepen, alb ftoefe er auf 
palbem Söege. 

3ep woEle bie §anb bewegen; aber iip füptte, loie 
bie ^raft niept bagu aubreid)te, id) fap wie bie f^inger, 
bie icp rüpren nwEte, im ©rafe liegen blieben. 

@0 faü i(p einen Sfugenblid, bewegungblob, oon 
©ntfepen gepaeft. 

©anii mit einem peftigen Etncf fdpüttette id) ben 
3)üang ob, polb ridptete icp miep auf nnb rief opne gu )oiffen 
)oebpatb: ©epmibbauer! . . ©(pmibbaner! . . 

©nbli(p rüprt er fiep , mei)i S3nrfcpe, palb fcplöfrig, 
fepwerföEig fiep oufquölenb, bib er oöEig enoadpt, unb id) 
rafdp einen SÖefepl für ipn gefunben pabe, mir bie SBein« 
flofepe gu geben, bie er im Brotfadfe trug. 

©onn bewegen fidp amp onbere. 


Slitb ber fjerne tönen wieber ©cpüffe, eine non mir 
abgefeinte ffel »''t fKelbung giirüif. 

Stuf ber Porten ©pauffee bab pnftig nöper fonrmenbe 
©eflapper eineb fDtelbereilerb, ber neue Sefepte bringt. 

Stuf! — 

SJfit einem Seplage fommt Seben in bie fleine ©dpar, 
bie eben noep wie ein §anfe ©efallener balag. 

Saftige ©riffe nadp §elm unb ©ewepr, ein 
rfiefen beb ©ornifterb mit ben ©cpultern, flüiptigeb 
©niibern ber Uniform unb bann unter leifen, aber fdparfen 
Homnuinboworten rafp unb fidjer georbneter SSormarfp. 

©ine SSiertelftnnbe fpöter finb tnir am Slubgange beb 
SBalbeb im peftigften ©efed)te, ein )uilbeb ©efnatter, ein 
lebpafter SSorflop mit ©tnrmtauf unb SSerfolgung beb ab« 
giepenben ©egnerb unter luftigem ^itrrap — — — — 


Hs 


H< 


ift iföinter geworben, unb icp bin nadp SJfitter« 
napt auf ber Sßape. 

©ab fleine Signier ift bepoglip, mepr alb nötig 
bnrpwörmt. SP flvctfe mip auf bob bequeme ©ofa 
nnb taffe bab Sfiicp finfen, in bem ip gelefen pabe. .Sp 
bin bamit gu ©nbe. 

©ie brei ©obflammen fnrren über bem ©ifpe; im 
Ofen fnifterii nnb fpringen bie ^olgfpeite, unb jener 
fend)te ©nft oon im SSer'brennen begriffenem 33upenpolg 
bnrpgiept bab 3Piti'fr- 

43or bem oergitterten f^enfter ber regelmöffig tap« 
penbe ©epritt beb im ©pnee auf« unb abgepenben Ißoftenb. 

Sd) öffne bob f^enfter . . . 

Stlleb ift )oeip, ber grofee qSlap unb bie qegenüber« 
liegenbe ^firepe, wie in einen f^Pffenfdrleier gepüEt. 

©in SBagen föprt langfam öorbei, bafe ber frierenbe 
©epnee fnirfepenb fd)reit. 

Srpt brid)t ber EEonb bnrd) bab ©ewötf, unb afleb 
erglöngt )oie ©über. 

©ie ©urmnpr fd}lögt langfam palb . . . palb einb. 

©er qilap liegt aubgeftorben, nur non ber popen 
5fnppel ber Ifircpe riefelt ein feiner ©treifen ©pneeftanb, 
ein wepenber weiter ©pleier, unb uerflüeptigt ftp in ber 
Parten Siift. 

Sep trete an ben Ofen giirütf. 

2ßie bepagtid) bob ift, unb babei merfe id) feine ©pur 
oon SJtübigfeit. 

©min gepe ip langfam in bab fleine SSerbinbungb« 
gimmer, wo bie SBafptoilette fip befinbet, unb öffne bie 
©ür gnm SSaplofnle. 

Sd) pobe peute geweitert, weil bie ©ür abfepenlid) 
quietfdjte. Sept finb bie Singeln geölt nnb fein Saut 
mepr, loenn man fie öffnet. 

©onft pflegen wir immer möglipft tont bnrd) bab 
3Sorgimmer gn gepen, föbelraffetnb, bomit man wiffe, eb 
fommt jemanb. ' 

SUemanb pat mid) gepört . . . 

Sei) fiepe in ber geöffneten ©ür unb bliPe in bab 
um fepb ©tnfen tiefer liegenbe 2Bad)lofat, mit feinen 
flobigen ©tüpinouern, feinen )oei^ geftripenen SSönben 
unb ben parten pölgernen 43riifepen, auf benen bie fDfann« 
fpaft im ©d)lafe liegt. 

Sei) gepe bie ©reppe pinunter, oorfid)tig. 

©er ©ergemit fipt auf feinem Seberfiupl nnb nidft, 
ein Unteroffigier unb gwei ©injnprige mit om ©ifepe, auf 
bem ein gufammengeworfeneb fepmnpigeb ©piel .fl'arten 
liegt, nnb wo fünf SEafjfrnge nnb bn'b ©d)reibgeng ge« 
rabe unter ber ©niepennpr fiepen, bie oon bau ©abarm 
an ber SaPelfette, ber ©rabition gemöff, perobpäiigt. 

Sm elften SlugenbliPe )oifl ip aufbraufen. 

©mm gepe icp gang in bab ©aiplofal pinein . . 

©ine erftiPenb fpioüle ©unftwörme, muffig unb 


54 


SKogogin für Silteratirr. 


9?r. 4 


mobrtg bie Suft öon lange gufomniengepfercfiten 

9iRenf($en. 

3luf einer ber ^rttfdien, bie bie gonse iJBanb ein= 
nimmt, liegen über ein ®i4enb öeute, einer bic^t neben 
bem anberen — mie in einer Seidjenfommer! . . 

Se^t läfet mich ber onfgetaudjte ©ebanfe niclit mehr, 
er . müf)lt unb mülflt, nnb er imtblt raieber jene ©m= 
pfinbung Ifernor bie id) fc^on einmal geljobt !^abe. 

S)a liegen fie nnb empfinben nid)t§ mepr. • 

©ie liegen ba wie bie Solen, fteif nnb bewufllo§, 
ein ©tüdf ^leifd) ol^ne ©eift, offne Seben. 

®a bronzen ereignet fid) etmaS großes, gemattige§, 
bie ©rbe tobt bol&in auf iprer föalfn, aße ©lerne freifen 
umeinanber, bie Seit ftürmt weiter nnb weiter, nnb biefe 
ba wiffen e§ nicpt; wenn fie erwadien, ift bie SKelt eine 
anbere, nnb fie ffaben gornidft ba§ ©efülfl bafür. ©ie 
finb tot. 

SBie in einer Seic^enfammer! — biefe§ wei^ gelündfte 
©ewblbe, biefe qnalooüe Santlofigfeit; nnb ber ef(e S)nnft 
umwittert mid^ plö^licf) wie Seij^engernd), e§ riedft wie 
oerwefenbeS iKenfdjenfleifd). — 

®a wirft fid) einer ^erum, anfftölfnenb, plö^lid), gaii 3 
laut, mitten Ijinein in bie >atitte. 

Unb e§ ift, al§ ob ba§ anftedt, benn bort murmelt 
einer im ©cßlof unb fängt an ju reben im Sraum. 

©a gerflattert andf) bie fßifion, i^ weifj, ba^ icl) in 
feiner Sotengruft bin, ba§ in aU biefen itörpern nod) 
Seben4Do|nt, baß fie nur fcblafen. 

werbe mir mit einem iOfale bewuft, baß e§ in 
meiner 9JZad)t fteljt, mit einem ßante biefe§ Seben gu 
weifen', unb im Slerger über bie fßfficl)toergeffenf)eit beb 
©ergennten braufe i^ auf, baß bie ßente ouftaumelnb 
erwadien 

©in Ifaftigeb ^bwerfen ber Stföntel, mit benen fie fid 
gugebetft, in bie fie fiep tief eiiigewicfelt ßaben, rajd) bie 
§elme aufgefeßt, ein blinbeb fcfiiaftappenbeb Wärmen unb 
bann jalfe ©title, in bie eine bonnerube ©tanbrebe ein- 
fdjlägt, baß feiner gu mudfen wogt, baß ber 9)iann 
oor mir an aßen ©liebem gittert, weit er weiß, wnb il)m 
wegen feiner fRad)läffigfeit beoorftelft. 

Unb wäßrenb id) dwd) mit ben Unierofßgieren fdielte, 
feße icf): wie bort bilden in ber ©de, wo bab 33rennbolg 
in einem 3Serfcblage aufgeftopelt liegt, ein aifaun benn= 
lid) feine ©tiefet angiebt,' unb jeßt bole id) ißn mir, unb 
id) bnbe meine fjreube baran, wie meine ©tinime in bem 
©ewölbe laut wieberfliiigt, oder Slugen auf midi) gerichtet 
finb, imb ba§ 93ilb toteiiartiger 9ful)e fid) fo gong oer» 
änbert böf- 

©ann gebe ieß wieber gu mir hinüber, günbe mir 
ooßer Snfriebenbeit meine ©igarette an, unb in einem 
©efül)le faft felbftgefoßiger ©enngtuung wonble id) auf 
unb ab, unb warte bi§ bie ©tünbe fd)lägt, ber ^often 
braußeu läuten wirb, unb nun meinem @trafbefel)te ge» 
mäß bie gange SRonnfebaft troß ber Äätte üor ber SBaeße 
im, ©eßnee antreten muß gur Slblöfung, ber ieß felbft bei» 
woßnen werbe. 


* 




* 


33on jeßt ab üerfotgt mid biefer feltfame Sobe§» 
geboufe oßne Slufbiiren. 

©inmat überaus beängftigenb im ©oupe, foboß ieß 
wahrhaft aufatmete, olS ber fRocßtfdneßgug enblicß in 
bie ©tation einlief, unb in bie unter ber ®ede gang form» 
lofe TOoffe, bie reglos ftunbenlang mir gegenüber gelegen 
hatte im §albbämmern beS oefßängteh i^iößteS, Sehen 
fam unb ein bieberer ©adßfe mit bem lebenSlufligften ©e» 
fid)te non ber Sißelt fieß ßerauS fdlälte. — 

* * 


- gür eine Sfü woi id ba geßeitt, unb aße trüben 
©ebanfen mußten gerflattern, als icß mi(ß getegeuttid biefer 
IReife oerliebte. 

©S war meßr als ein banales SSerßältniS. 

SSir liebten unS mit jener aße ©dranfen burd’ 
bredenben IftüdfidtSlofigfeit, ber man, fdeintS, nur einmal 
im Sehen begegnet. 

Sener SobeSgebanfe, oor bem ieß mid dft gefürdiei 
ßatle, weit eS etwas franfbafteS war, eine Ueberreigung 
meines fonft fo glüdlid normoten fRefoenfßftemS, fdien 
oergeffen. ^ber gang unerwartet fam er wieber, unb biefeS 
mal traf er mid madtlofer als je. 

TOitten in ber SZadt erwadte id- 
3d hübe bie ©ewohuheit unb ßabe fie Ümmer bei» 
behalten, baS Sidt bie gange 3fad)t brennen gu Igffen. 
©S ift mir unangenehm, wenn id, wie meift, feßr früh 
auffteßen muß, im ©unfein gu erwaden. 

©S war mir oößig ungewohnt, nadt§ gn erwadfn; 
id hatte immer einen urgefunben ©d)taf geßabt. 

Sd erwadt, unb bie blaue 3lmpel warf ißren 
faßten ©dein bureß baS ©dlafgimmer. 

©a fam er wieber, b.er alte jäße ©dved, biefeS mal 
tiefer, wie einfdneibenb, weil eS jemonb betrof, ben id 
lieb batte. 

3d) beuge mid ©cblafenbe, bin im 'Begriff 

fie oufguftören, weit id mid fürdte, ba fel)e id baS 
■bleide ©efidt, totenblaß, oon bläulidem ©deine über» 
l)aud)t, unb id) faßre gurüd ooßer ©ntfeßen. 

©ie regt fid nidf, id wage faum ißr näßer gu 
fommen; bann aber, wäßrenb mir bnS $erg wilb f topft, 
beuge id mid über fie unb id höre feinen Sftem, 

©S fteigt mir in ber ^eßte auf, unb mit gitternber 
gieberbanb faffe id nod drer ©dulter, um fie gu 
fdütteln, baß fie auffährt unb mit einem ©drei mid mt» 
ftarrt. — 

Unb bann, felbft nod ßüng aufgeregt, hübe icß 50iüße, 
bie ©rfdredte gu berußigeh, bie uidt begreift, was mir 
ift; bie fid ou mid ftammert, gaug iu ^ngj't, im $atb» 
fdlafe wie ein entfeßteS ^inb irre fragen fteßeub. 

©onn fonnten wir nidt wieber einfeßtafen, lange uidt. 

Sn ber folgenben ^adjt wieber — unb immer 
häufiger wadte ieß auf, oft brei», oiermat. 

fiUdt eßer rußte id, bis baß fie bie Singen auf» 
fdlug. 

Sie tag ftets fo rußig, id laufdte ouf ißren Sltem, 
aber ßörte ißn nidt, ißre Bruft fdien ßd oidßt meßr gu 
heben, unb wenn icß and nod rßrer §anb gegriffen hatte, 
unb gefüßlt, wie baS worme Blut barin fdlug — bie 
Slngft wid nidt — unb fo riß id fie benn ouS bem 
©cßlafe, nur weil id biefeS ftiße bloffe ©efidt unb biefe 
wie für ewig gefdloffenen Slugen nießt feßen fonnte, — 
weit id ißre ©timme wieber ßören mußte, ißren lieb» 
fofenben Slrm nm meinen §atS, unb ißre Sippen ouf ben 
meinen, bamit icß wüfte, fie lebe nod, fm fei mein, 
unb id hatte fie nidt oerlorem — 

SlnfangS, als id ißr alles ergäßlte, ladle fie; unb 
am Sage fproden wir baoojj, gong oernünftig, unb id 
lacßte mit . . . aber in ber ©tilte ber fRadt halfen oE . 
meine guten Borfüße nidts. 

Suweilen ßotte id ben iüRut gu warten, eine Biertel» 
ftuube lang — bann aber war eS gu ©nbe mit meiner 
Uraft, unb nun fdüttelte id fie auf, oßne Uebertegung, 
nidt meßr fanft unb beßutfam, fonbern foftroß, wie. man, 
einen SRenfeßen wetfen mag, wenn ptößlid O^euerruf burd 
boS totenftiüe §auS geEt. 

©0 würbe aud fie neroöS; fagte, eS fei finbifd unb 
töridt, unb tadte mid auS ! •— unb enblid oerbat fie eS 
fid, unmutig . . . Unb ßerbe SBorte fielen, bie erften in 
uuferer Siebe. 


56 


4 


®aS Sflogo^tn für SiitecoMr. 


Uitb eine» 2^age§ bn§ 2Bort: Db id) benn ner» 
rütft fei? 

®o§ war id^ tüci)t, nidit im ©iitfernteften. 

Sfm Xage war id) ber giwerläffigfie, oergnügtefie unb 
ueruiinftigfte TOenfd) non ber SBeti, — aber idf) wocf}te be» 
ginnnen, wa§ iif) woHte: über biefen einen ^^nnft fain ici) 
nid)t weg. 

©ie würbe feit sornig unb feierte pd) auf bie aiibere 
©eite ... 3(p folle fie in fftupe taffen. — 

®§ wnrbe immer unerträglid)er, id) fünfte e§ felbfl; 
bi§ fie eines S:age§ nact) einer peftigen ©jene, weit unfere 
23ejie()itng ja nnr anf SSergänglicbfeit gebaut war, ging 

— unb id) batte nicfit ben ÜJfiit, fie 311 batten, unb liep 
fie im Unnutt geben. 

(äine fatfd)e ©d)fu bWi wicb ab, einmat mit unferem 
©oftor jit reben, unb ibn gu fragen, was eigenlticb mit 
mir fein fönnte. — 

OÄonote nergingen. fDiand) bübfcbeS .fJinb fam mir 
in ben SBeg; aber icb wict) ihnen afien anS, icb wollte 
mich unb fie nidbt quöten; benn ici} war uod) immer nicht 
barüber binauSgefommen. 

©nbticb aber warb eine ©timmung bodb mödltiger, 
unb ich png wieber mit einer an. 

(£S giiig gang gut. 3db hotte mir bie gurcpt nur 
eingebilbet . . . Äeitie ©pur mehr, — bis eines Nachts. . . . 

3db wadbe auf; nodb botb im ©raume fcbteidbt fiep 
ber ©ebanfe tangfam, friedienb an mich b^on. Sep 
fiictje mich gu wehren. 3d) burfe unb winbe mich, als 
fönne id) ibtn fo entgehen, benn baS Stngftgefübt fteigt auf. 

5tber ba ftode ich, bin oöllig wad) unb tanfdje . . . 

Unb plöblidb eine jubelnbe f^reube: boS ^inb neben 
niir fd)nard)t . . . fdbnarcbt luftig unb laut mitten hinein in 
bie tiefe nnd)tlid)e ©tille, alS wolle fie mir ben über^ 
gengungSoollen 33eweiS geben, bap fie feineSwegS gewillt 
fei, bie tachenbe ©onne nicht mehr gu fehn, unb'bie hohen 
Sterge, auf bie wir bei meinem nö(|ften Urlaub fletlern 
wollen, bie grünen Sßiefen unb 33ufdje oor ber ©tabt, 
wo wir gefchwörmt hoben oon ewiger Siebe unb ©reue. 

3ci) hotte immer gebad)t, eS mitffe gang gräflich fein, 
wenn ein junges hübfdeS SUöbdhen fchnar>pe . . . 

Unb nun fd)nard)te meine fteine g'^'au, eine gange 
©onleiter hioouf unb hinunter; unb biefe fonft fd)red= 
ticken ©bne flangen mir fehr lieblich. 

Sd) hörte ihnen gu mit wahrem ©enitp, mit einem 
gufriebenen Sächsin, olS fei mir baS gröfte ®lütf guteil 
geworben. 

Unb bann fonnte id) midh nicht mehr holten, mupte 
fie Weden, h^ronS aus bem gefünbeften ©d)lafe, um ihr 
gu fagen, waS für ein rettenber ®ngel fie fei, wooon fie 
gar leine 2ll)nung hoben fonnte. 

2Bie fie erfepraf ! . . Slber als fie foh, bap ich lo^te, 
lachte fie mit; unb bann.ergäl)Ue ich thv, nnb eS war eine 
unfinnige Suftigfeit, bap wir nnS aüen ©dhlaf oerfcheuchten, 
gang wie früher, nur jeht in greube unb 3ubel. — 

©0 gewöhnte id) mir ben ©ebanfen an biefe feltfame 
©obeSfurdht ab, unb er fam nie wieber . . . niemals. 

SBenn ich je einmal erwadhte, laufdhte id) anbüchtig 
biefen etwoS feltfamen ©önen beS SebenS. 

Unb nur gu oft fonnte ich nicht loffen, fie auS 
ihrem tinberfd)lummer aufguweden; gang wie früher, 

— nur gefd)al) eS je|t ohne grob fonberlid) nennenS» 
werten ©runb. 



2: e a t e r. 

Jrits Äflutöuer» 


(Seffing=©l)eater: ,,.§elga", ©doufpiel oon §anS 
‘c^opfen. — ©eutfeheS ©heater: „College 
©rampton", ^omöbie oon ©erhärt $aupt» 
mann. 

©aS war eine gute Söodhe für jebe ©henterfritif; ber 
oöHig mißlungene ^erfudj eines nuferer erften ©id)ter, 
unb ber erfte oottfommen gelungene fßerfuch eines reif 
geworbenen Süngften. ©S löhnte ' enblieh wieber einmal, 
00m ©heater gu fpredhen. 

„$elga", baS fünfaftige ©chaufpiel oon $anS §opfen, 
fdeint aud) mir eine burd)ouS oernnglüdte Slrbeit gu fein- 
2Böre ber SSerfaffer talentlos, fo müßte bie ouf fo rötfeU 
hofte Sßeife oernnglüdte Jungfrau $elga, bie in ben 
gwifchenaften wiberftanbSloS „wie ©ott wiE" fagt, gum 
; @d)tuß ober ben alten ©heaterbold) mit oerfpöteter ©nergie 
i gu führen weiß, ben ©pott hcrauSforbern; wäre ber 3S'er» 
faffer ein begabter Slnfönger, ber auf falfcßen 3Seg geraten 
ift, fo müßte man fich bemühen bie fftofinen in bem 
: glitfchigen 5fud)en nachguweifen. ^anS Hopfen aber führt 
init 3fed)t unb feit langer jjeit einen berühniten flfamen, 
unb fo barf man ihm ohne ©dhaben ruhig unb fad)lidh 
mitteilcn: eS war bieSmal nid)ts, aber fd)on gorni^tS. 

Db §anS §opfen fieJ) bitrch ©ubermonnS „©obomS 
©nbe" hot reigen loffen, bie fßerführung eines 33ad= 
fifchchenS burd) einen SBüftling, auf bie löühne gu bringen 
ober ob biefe ©ewoltfgene in ber Suft lag, in ber be» 
rüdptigten Suft ber oberen ©dhidpten, baS ift wol einerlei. 
33ei ©ubermaun ift bie ©at bie leßte ©chulb im Seben 
; eines oerbummetten ©enieS unb ber Verführer bie §aupt» 

I perfon; bei Hopfen fängt boS ©tüd mit ber ©ot an, ber 
3Serfül)rer wirb nnr epifobifep oerwant wie ©amiel im 
, f^reifepüß unb §elga felbft taumelt als fogenannte ^elbin 
: b^nrep eine 3lrt fcpled)ten frangöfifepen ©ramaS. Sni erften 
i 3lfte geht pe gwar als pebengehnjährige höhere ©oepter 
i gur ^toüierftunbe, glaubt aber an ben©torcp; im gwetten 
; 3lfte jammert fie bereits über baS gefepepene Unglüd, läßt 
; pdp ober burep bie ©peorie eines berühmten 93ertetbigerS 
^ (bie ©peorie ift gum=-©taatSanwnlt=werben) jubelnb oon iprer 
I fitttiepen ffteinpeit übergeugen; im brüten 2lfte wirbt ber 
SSerteibiger um ipre §anb, unb fie überlegt, wenn man 
' fdparf in ipr ,§erg fiept, nnr eins, wirb eS perauSfommen 
ober wirb eS niept perauSfommen, b. p. wirb ber 93er» 

^ fitprer fd)Weigen ober nidpt? ©ie Sage f(|eint ipr günftig, 
fie heiratet, ber 9Serfül)rer aber fommt wieber, wirb unoer» 

; fdpämt, unb fo jtiept fie ipm beim, wie gefagt, ben ©peater» 
botd) in bie fdpwarge ^ruft, ein fßapiermeffer nämlidp, 
baS ber Sruber ipr eigenS gu biefem 3wed oon feiner 
^oepgeitSreife mitgebraept pat. 

©aS ©tüd ift wirftidp unhaltbar, gräulein fReifen» 
pofer bewies noi^ beutlicper als bisher, baß fie eine 
©ragöbin ift, baß fie ©reichen fpielen fönnte, aber eS war 
nidpt möglii^, bie brei ober oier fRollen (ben 93adpfcp, 
baS oergweifelte ©retd)en, bie büßenbe ÜRagbaleno unb 
bie glüdlidpe junge ÜRutter) gu einer glaubhaften SRenfdpen» 
gepalt gu oereinigen. 

©0 tpeatergemäß unb bretterpaft ift bie .^anbtung 
geführt, baß nur bitrdp ©arboufdie ^funftftüde ©paunung 
pineingubringen gewefen wäre, bafür ift ober .©opfen 
glüdlidperweife gu fepr ©idpter. @S gept gegen feine 
Pfatnr, er fann eS niept, fRur baß eS ipm letber auep 
nid)t gelungen ift, an ©teEe ber äußeren bie innere ©pon» 
nnng gu feßen. ajfan erinnere fid) nur an bie beiben 
leßten Slfte ber „fRora", wo in äpnlicper 9Beife baS 



56 


9Zr. 4 


®oS SiJagogin 


ber @I)e üom ©röffneu eines ^Briefes abpngi. 
2Ber 9Zora üergleicfien wiE famt baS ©tütf übrigens je|t 
in ber „S^reien 33olfSbübne" ?el)en, nnb bie ^onptroEe 
wirb non gräuiein 3ba ilJZüner einfach gut gefpieit. Su 
itJora aifo wirb ber ©ijemonn nieEei(^t toben, wenn er 
baS 3Serbrei^en feiner g^i'au erfährt. ®er 33rtef beS 
©enungianten fommt auf gang natürtict)e Sßeife in ben 
iörieffaften an ber $ür. ®aS iBnbtifnm gerat barüber 
in äufeerfte ©pannnng. f^ür fRora felbft aber ift bei aEer 
3lngft oon Stnfang an entfd)ieben, ba^ i!)r 9J?ann aEeS 
erfaiiren foE; nnb' tro^bem bie ©efapr nor ©röffmtng beS 
©rieffaftenS abgewenbet ift, liefert EtoraS befte fjrennbin 
ben Brief an ben @I)eniann aus , um ber 2Ba()rl)aftigfeit 
wiEen. Bei $opfen ift ber Berfüprer fetbft gegen aEe 
©rfalfmng ber ©eimngiant. Um ben Brief foinmt eS 
wieber gitni Etaufen nnb gum ©obfdtlng, nnb erft nad)l)er 
geftebt §elga ebenfo ttjeatralifcb bie 3Öal)rI)eit, nnb baS 
@tü(f enbet wie bie ^ora — ber ©beaterbireftoren mit 
einem fiiebeSbnett. Unb nur bie 3ubörer finb eS, bie bie 
©ür hinter ficb gufcblagen. 

@S foEte ein reatiftifebeS ©raina werben; bocb felbft 
bie @pracf)e ^opfenS ift bem binberlicb- 28enn §anS 
§opfen als (Srgabler baS SBort ergreift, fo erfreut er 
meiftenS burcb eine ©arfteEung oon plafttfcber ©cbönbeit 
nnb bnrcb ©inföEe eigener bicbterifctjer Brägung. 3n 
feinem ©rama ift er gegwnngen auf feine beften ^nnft* 
mittel gu oergidtten, mn^ bie mciften üeufe nücbtern 
reben taffen, nnb ba ber ©idbi^i^ '^opfen fi^ bocb nicbt 
immer fetbft ben Bhtnb oerbietet, fo ergiebt ficb eine gnng 
gefäbrlicbe ©tillofigfeit beS ©ialogS. 

©robaEebem wäre eS töriebt, onf bem früben ®rabe 
ber $elga einen Snbianertang gur größeren ISbre beS 
benif^en EiatnraliSmnS ouSgufflbren. SRan mag ja taugen, 
aber ol)ne ^nlluSgwetf. ©enn §anS $opfen war bodj 
febon gu einer 3eit einer nuferer beften Eiealiften, ba felbft 
ber Bater beS BaturaliSmnS nod) in feinen SBinbeln lag, 
ba gola nod) romantifebe ©enfalionSromane febrieb. EB'ir 
foEten nicbt oergeffen, bafe §anS §opfen, feefer unb frifd)er 
als Eiuerbacb, in glüdtid)en ©tnnben mit Balurtauten 
faft wie Elngengruber, uns moberne realiftifcbe Boefie ge» 
febenft bat; unb bafe er fotebeS mitunter in guten Berfen 
tot, ift bocb norlönfig no^ nicbt als Berbrecbnt angnfeben. 
@S wäre gum minbeftenS einfeitig, eS alS erfd}werenben 
Umftonb für ben §ftgn aufgufoffen, bafe il)r Ber» 
faffer bennoeb ein Boet ift. @r bat oor furgem in feinem 
„.^epenfang" eine fleine Bf^ie geliefert, ift wertlos. 
Werfen wir baS ©cbeufal in bie feolfSfcblucbt, unb fpredjen 
wir nicbt weiter baoon, — 

©ie fünfaftige IJomöbie „IJoEege l^rampton" oon 
©erbart ^ouptmonn l)ot im ©entfcbni ©bealer großen 
@rfotg gehabt, ©ie Berebrer beS ©iebterS waren giütflii^ 
über ben bübfeben ©rfotg beim anbern Bublifum, iinb baS 
onbere nnterftütjte unter gang leifem Jlopf» 

fcbütteln ben großen ©rfolg, ben baS ©tücf bei ben Ber» 
ebrern bade. S(| gäl)te mich gu ben Üebten; ba mich boS 
ober gn nicblS oerpflicblet, fo fonnte ich bod) nid)t ohne 
Weiterleit baS ©cbwanlen meines oEegeit l)od)gefi^äbten 
BremierenpubtilumS beobachten, ©ie Wei'i’fdiafteii fi»b bod) 
unüerbeffertid). Sßäbrenb fie unmerftidb unb unbewußt 
ihren ©efebmad mobernifiren unb feit einigen Sobr^ii ^fut» 
lieb einer ernfteren l^unftricbtnng nacbbinlät, botün fie ficb 
immer wieber für bie eigentlid)en f^örberer ber Boefie. 
©elbft wenn fie einen neuen ©iebter ftürmifd) entbeefen, ober 
wenn fie einem neuen Eiomen gögernb noebgeben, prüfen 
fie jebeS gweite ©tüdf boraiif, ob junge Wfi’r nucii broo 
bie 2Bürtfd)e beS BubtifnmS erfüEt, unb feinen bü'bterifcben 
©igenfinn abgelegt höbe. 3n nuferem goEe nun war baS 
nicht teidjt gn entfdbeiben. ©er fürd)terlid)e Wöiihtniödd 
mit bem ©äuferwabnfinn bot ein ßuftfpiel gefebrieben, ein 


filr Älttetate. 


ßuftfpiel für ©ngels. Brooo, er febeint oernünftig geworben 
gu fein, ©ieben EBaim üben im Unterfud}ungSgefängniS, 
bie nicht gerechnet, bie ber g^lufe oerfchlang. ©a wiE 
man unS fogar im ©beoter ©ragif oormeteben! Eluch 
noch! Woohlwtann fcheint ein gong gefcheiter Blenfch gu 
fein. ©ngelS tritt auf, unb eS oerfpricht febr luftig gu 
werben. SBo bie ftiEeren 3tiböi'ei* halb leife lächeln, ba 
lachen truf J?rebit biejenigen lout auf, welche in ben 
©beatern BebürfniSanftolten ber ßuftigleit [eben. Slber 
baS ßodjen oerftummt wieber, nur baS ßäcbeln bleibt. 
©S ift hoch nichts mit Wouptmann, er IjotS nid)t weg. 
Elber ©ngelS, baS mu^ man fagen, er macht anS ber 
Eloüe, was er lonn. 3« ^ong . . . gu breit.... enblid) loieber 
etwas gum ßachcn. ©S foE litterarifd) bebcutenb fein? 
Eia jo, infofern als nämlich • • ■ ■ ©trflich, bebcutenb, 

reigenb Unglaublich, bie Elugen wifchen gu müffen, bei 

©ngelS ERal waS anberS. Brooo ©ngelS! Brooo 

Wauptmonn! Brooo ©ngelS! 

Unb wenn ich WouptmannS Bruber wäre, id) fönnte 
mich über einen folchen BeifaE nicht freuen. EBeil fie 
glaubten, er holte fich um ibte ©unft beworben, oer» 
gieben fie ihm ben ©rnft, ben fie für Unfäbigfeit bicUeu. 

HoEege ©rampton ift baS bebeutenbe ESerl einer 
BoElroft, wenn man eS litterarifch prüft. Eiur ein ©enie 
fann baS, WoS bie 36ilfUömung forbert, fo reich ge» 
ftolten: ein ©borolterbitb. ©erbart Wauptmann l)ot enb» 
lieh geholten, waS er in ber wüften ©alentprobe „Bor 
©onnenaufgang" oerfprach. ©r ift ber eingige unter 
unferen Süngften, ber bie einfeitige Boi'teifteün'ng nicht 
aus Elrmut ergriff, ©em ©rnft feines ©choffenS febeint 
ber ©rnft feiner tbeoretifdben Uebergeugung gu entfprechen. 
©er EioturatiSmuS ift ouch ibtti oon ouhen gelommen, 
aber nicht olS etwas ©elernteS, fonbern als etwas Ber» 
wanieS. ©eine erften beiben ©lüde waren ©iubien oon 
erftaunlicher llonfec[ueng, unb wer fich föi' ibo intereffirte, 
mufete ungebulbig werben, enblicb ein ©tücf oon ihm gu 
feben, boS feine ©tube war. ©S giebt ja meifterbafte 
©tuben, aber ouch fie hoben noc^ einen funftfremben 
3med. ^oEege ©rampton ift enblich freie J^ompofition. 
Unb ber ©rfolg ift bei oEebem um fo höher angnfd)tagen, 
als Woithlmonn in einem Bonlte gerabegu mufterboft 
ift: in ber Bornebmbeit feiner ERittel. 

Eiun bot er oEerbingS ein wenig 3® off er in feinen 
naturaliftifchen SBein gegoffen, beoor er fein erfteS ßuft» 
fpiel fchrieb. ©em ©horalterbilb beS BwfefforS ift eine 
ßiebeSgefchichte ongeflidt, bie im ©on gar fel)r mit ben 
älteren BerlobungSfgenen Boul ßinbauS übereinftimmt. 
Eluch bie Elübrung om ©nbe beS gweiten unb beS lebten 
Elftes ift nicht gerabe fonfequenter ElaturaliSmuS. Seb 
glaube aber nicht, boh Wouptmann Hongeffionen mochen 
woEte: er war einfoch gegwungen, bie alten ©efebe ber 
Bühne anguerfennen, in bem Elugenblide, ba er ein 
ßuftfpiel f^reiben woEte. ERit ber ©edjnif feiner ©rft» 
lingSarbeiten wäre „SloEege ©rampton", trob ber ßächer» 
lidbfeit ber Wouptfigur, wieber eine g^amilienfatoftropbe. 
©S ift nicht anberS. ©aS reale ßeben fchofft Weber ©ro» 
göbim no^ ^omöbien; ber ©ichter muß on irgenb einer 
©teEe beS ewig flie^enben ©tromeS baS ßonb|chaftSbilb 
obfehneiben, wenn er [ich einen ©c^iöpfer nennen will, fei 
eS burch EBeinberge gur Blütbengeit, fei eS burch febred» 

• ©ie ßeb'enSfüEe ber ©eftalten, baS ©barafterifirungS» 
oermögen ift erften ElangeS. „^oEege ©rampton", ber 
oerbummelte, oerfoffene, immerhin geniolifche, pl)on» 
toftifche, f inblich gutmütige B^'ofeffor wirb leben bleiben 
ouf ber Bühne. @r ift eine ber wenigen ©romenfiguren, 
bie man beSbolb nicht mehr oergeffen fann, weil man 
fie perfönlich fennen gelernt hot- ©r ift fo grünbltcä) 
charafterifirt, bofe mon genau )oei§, wie er fi$ au^er» 



®as Koga^in für Sltteratur. 


57 


Tix. 4 


^olb be§ (5tü(fe§, in mtbern Sebengtogen benehmen n>irb. 
3)Jou müfete grofee ©id^ter gut aSergleid^ung jf)etangiel)en, 
um biejer Begabung ^auptuiauug geredet gu werben. 
Sluc^ einige «Rebenfiguren finb fc^avf d^arafterifirt nnb 
(eben. S)a^ ^auptmann aber fd^on iRebenfiguren eji“ 
ftiren lä^t, ba^ er [ie ber Oelonomie ber ©genen an» 
pa^t, ift wieber eine Slnerfennung alter a3üf)uenge}e^e. 

®ie ©prac^e wirb für bie ©^arafteriftif mei|terlid^ 
ge()anb^abt. geftefie gwar, bafe iä) midt) freuen 

würbe, wettn nicfit jebe ber gel}n ^erfonen i^ren eigenen 
SDtaleft nnb i()re eigenen fc^Ied^ten @ewoi)n^eiten ifätte. 
ajdein (Sott, eg giebt ja boc^ nod^ SKeufdEjen, bie nid^t 
auffallenb fd^lei^te ©prac^gewoI}nbeiten ()aben. ©eine 
3lbfi(^t aber füt)rt ^auptmann mit unbeirrter ©icperpeit 
aug. 2l(Ieg wirb gur Kparatteriftif benu^t, SBabrpeit 
nnb ßüge, patpetifc^e iftebe nnb üulgäre (Rebengarteu, 
3llbern!^eiten nnb fogar fdpled^te SBi^e. £ag ^nblifum 
beftanb fdtilecpt, a(g eg einige talauer beifällig aufnapm, 
anbere übet nermerfte. ^auptmann wollte garnid^t per» 
fÖnti(i wi^ig fein, fonbern nur einen gewöfinlidpen 
ajienf(^en etwag Siatäglicpeg fagen taffen; nnb SBi^e finb 
|a teiber aütagticp; Siewunberunggwürbig ift, bafe ^ro» 
feffor ©rampton fetber, ber aEertei geiftreidpe ©dplag» 
Worte gegen bag Stfabemiewefen fpricpt, babei niemolg 
oufpört ein 3Jarr gn fein. @ang tüdptige Seute patten 
fii^ ba oerleiten taffen ber 3Birfung wegen, beg ©idpterg 
«Meinung git fagen. ^rofeffor (Srampton fäCtt niematg 
aug ber 8floEe, weil er mepr alg eine ERoEe ift. 

®iefen pentid)en 3Sorgügen ftept mm ein SRanget 
gegenüber, ber oerpängnigooE werben fann, wenn er bei 
|»auptmann mepr ift atg eine btofee ©dpulineinung. 3dp 
wiE atfo oon bem tOiangel an §anblung fpredpen. S)a 
icp aber bocp nidpt gern für einen fjreunb oon .^oupt» 
nnb ©toatgoftionen gelten mödpte, fo ertläre i(^ oorper, 
bafe icp in mancpen berüdpttgten panblungglofen ©tarnen 
fepr oiel §anblung finbe; „©orgnato Slaffo" ift ooE oon 
ßanblung, aucp bie „«Reuoermöptten" oon ^förnfon, 
nnb beffen ©inafter „gwifdpen ben ©dpladpten"; ^aul 
ßepfeg „Sllfibiabeg“ pat $anblung nnb in §auptmanng 
„griebengfeft“ fogar gept nodp recpt oiel oor. Unfere 
E^eroen finb anbere alg bie Eieroen beg Elriftoteleg. 
2)Jan braucpt nidpt mepr gu morben ober gn fteplen, um 
ein aSerbre(|er gu fein, ein leifeg, parteg 2Sort ift unter 
Umftänben fdPon f(^were ©dpulb; nnb audp bie ©träfe, 
bie ber guporer immer nodp für bie ©dpulb oerlangt, 
ift fept oft ein leifeg Sßort, wo früper ber ©ob not» 
wenbig wor. Scp bin alfo nicpt gang unempfinbtidp 
für bie ©rö^e inuerlicper ©ramen, felifcper §anblungen. 
„College ©rampton" pat aber fo gut wie gar feine §anb» 
lung, audp feine innere. @g flingt oerwunberlidp, aber 
man fönnte bie Hauptfigur , bie faft nicpt oon 
ber ©üpne fommt, nicpt nur oon ber Süpne fort» 
f(|iEen, fonbern aug ber 3Belt fcpaffen nnb bag 
big^en f^abel bliebe unoeränbert befiepen. ©ie gaxtge 
gabel ift atfo nur bagu bo, um bie ?jJradptgeftalt beg 
Selben büpnengemaB gu madpen, unb in biefer Elbftcpt xft 
fie fdpledpt erfunben. ©g laufen feine pben gwifcpen 
ber aSerlobung ber ©ocpter unb bem ©cpitffat beg aSaterg. 
©er grofee ©ramatifer erfinbef and) djarafteriftifdp. Scp 
wiE gern gugeben, bafe bie ©parafterfomöbien EJfoliereg 
in iprer ©ecpnif altmobifdp geworben finb; aber immer 
wirb bort ber ©parafter in Hanblung umgefept. Sßemt 
ber Selb ber Sfomöbie ber ©eigige ift, fo ftept fein ©eig 
bem ©lücf ber Siebeuben im SBeg, nnb an feinem ©eig 
werben bie Hebel mtgefept. ERan pat in gefaprlicpem 
©ienjteifer Hauptmann mit ©pafefpeare oergltcpen; eg 
tut mir leib, beim Hcmptmann gepört bodp nidpt gu benen, 
für bie man Eteflame macpt. Sefagtem ©pafefpeare nun 
ift eg paffirt, ba^ eine feiner Efebenfiguren, ein gewiffer 


i^olftaff, ein unfterbticpeg ©parafterbUb geworben ift; unb 
©peaterregiffeure pabeii bag ©tiidf beim aucp ricptig fo 
weit gebroept, bap wir ein ünftfpicl f^otfloff befipen. 

; ©pafefpeare felbft aber pat bocp nur ein gewaltigeg 
©(paufpiel in 'gepn Elften gefd)vieben, (ober in elfen, wenn 
mon ben wunberbaren 33ericpt über fjolftoff^ S^ob pingu 
; nimmt), unb in biefer gewaltigen HiPorie oon einem 
föniglicpen oerlorenen ©opit ift bodp nur eine 

ooEeiibcte ^fpntraftfigur. ©ie Hfti'binng ift bog Halben» 
leben HfixiidP^,; f^pfn .^lingen guerft in ©efeE» 

• fdpoft oon uiiptigen Eleutelfcpneibern. ©o ein göttlicper 
: ©cpuft ift aber biefer galftaff, bo^ feine Intimität ben 
Erringen felbft dparaftertfiren pilft. ©g ift alfo im großen 
©rama bag E^ringip auf bie Hf»'blnng auggebepnt, ba^ 
ber glüefliepfte Eiertreter beg beutpen Efatnraliginng gur 
geidimmg ber ‘ißerfonen benüpt. ©ie Jfrad 
ift fo gröp, bafe aucp biefer fcpwere ERangel fein littera» 

: rifepeg ESerbienft nicpt eigentlidp minbevt. Elber gu einem 
; großen ©ramotifer gepört mifeer Honptmanng göpigfeiten 
; and) nodp ESpantofie ber ©rünbung. ©arin bin icp wol 
1 Efeaftionar. ©in ©rama foE nidpt Honblung paben, ein 
; ©rama ift Hönblung. Edid)t weil alle großen ©ramotifer 
' big peute Ptantofie ber ©rfinbung befaßen, beim wir 
: fönnteu ja oicEeicpt etwag E3effereg erfunben paben. Efid)t 
weil bag SKprt ©rama eben Hf‘''dtinig bebeiitet; beim 
; wenn bie ©tpinologie entfdjeiben foEte, fo wäre ein un» 

! oeränberteg Eiilb für bag ©peater, bag ©djoupaug, genügenb, 
Moenn bie ©tpmologie enffepeiben foEte, bann pätte bie 
ÄHrdpe wirflid) ein Eieept, ipve tote Ho»b noep ber ©dpule 
: angguftredfen. Eiein. ©og ©rama barf fiep begpalb mit 
feinem ftillftepcnbeu ©parafterbilb begnügen, weil eg in 
ber Seit oor fidp gept, weil wir ©tunbeü lang gupören, 
unb weil bie geit nieptg anbereg ift atg E^erönberimg, 
EBanblimg, Eöanblimg iw EJt'enfcpenleben ift aber Hanblimg. 
®ag ift näuilicp wirfliep wapr, id) bitte eg mir gu glauben, 
wenn eg mtep wie E^pilofoppie flingt. ©g ift nipt anberg, 
felbft ein ©peaterfvitifer fann einntnl in bie itage fommen, 
erfenntnigipeoretifipe 3“ berüpren. gelt ift H(i«b» 

lung, g’ortipreiten; Ifünfie, bie in ber geit wirfen, wie 
bag ©rama, wie eine ©pmpponie werben niemolg bie 
©epnif eineg ©emölbeg gn ber ipren mapen fönnen. Sluf 
bem Efilbe oon EEloj üiebennnim fipt bie alte f^^nu 
pnnbert Sopre unoeränbert oor bem gfi'ftfi' 'tub ftopft 
ben ©trumpf, ber niemolg wieber gang wirb; auf bem 
EEilbe oon ifnaug wortet ber E3ote gebulbig pmibert Sapre 
umfonft; tritt ber E3etrad)ter oor bag E3ifb, fo ift eg fein 
23ille, ber ipn baoor feftpätt, bag E3itb ift geitlog, nur 
ber Etefpnuer, ber feine Elitgeii bovüber pingteiten läpt, 
lebt in ber geit. 3m ©rama nmp bie E^oefie fip be= 
wegen. 

©g ift fd)on erwäpnt worben, bafe bag E^ublifum 
gum ©pluffe gnerft ftürmifep nap bem ©ipter rief, nnb 
bann bem ©arfieüer ber ©itelrolle, H^wi ©ngelg, eine 
förmliepe ©oation bereitete, ©g wor nipt eben nap« 
apmengwert, bap Hopfen log§ borper auf jebeg 
fleinfte EleifaEggeipen piii oor ben Eiampen erfpien; eg 
war aüp nipt gerabe erfrenlip, bafe ©eorg ©ngelg bem 
Hanggefep beg ©eutfpeii ©peaterg folgte nnb nnfiptbar 
blieb, bafe ber ©ipter im Eiamen beg ©paiifpielerg feinen 
©auf augbrüdfte. 3P wäre für bag mngefeprte ESer« 
pältnig. ©iegmal aber fam nop bagu, wenigfteiig nap 
meiner ©mpfinbung, bap bie Dootion für ©ngelg burep 
ein fleineg ERipoefftänbnig mit oeranlapt war. ©eine 
©arfteEung beg E^rofeffor ©rompion war freilip eine 
EReifterleiftung. ©ag ©lownpafte, bag oEen guten 
^omifern in aBen luftigen Eioflen anpoftet, unb wäre eg 
aup nur in einer wiffunggooEen, fomifpen ©rimaffe, 
war big ouf bie lepte ©pur oerfcpwunben. ^ein EBort 
ber EEcwimbening wäre gu oiel. 3p fürpte aber, Oiele, 



58 


Ko^oätn für Billerote. 


nx. 4 . 


bte fo (aut uad) @nge(§ riefen, glaubten i^m bamit fagen 
p tüoEeu, fie bewunberteu feine Seifimig hoppelt unb 
breifocp in einer unbanfbaren (Rode. @ie Ijatten .baä oiu 
genepine ®efül)(, einer ©rftguplfntng uon großer 33ebnu 
tung beigeiüoljut git paben, l)atten fidf) ni^t gan,^ fo recpt 
amüfirt, waren bafür aufgerniteit uiib meinten, bnrcp ba§ 
gute @pie( »on @nge(§ fei bie ©od)e bocp nocp fo gut 
obgelaufen. S)a» ober ift ein Srrtuni. S'Jidft ber SDicpter 
bat biefetn ©dbaufpieler gu banfen, fonbern ber ©cpaiu 
fpieler bem ©icpter bafür, ba^ er feiner SÖZeifte.rfdbaft 
eine folcbe fßrocljtaufgabe gefleilt pat. Unb wenn ber 
beutfcpe iRatnra(i§mu§ ancp 'mit panblung§(ofer @parafie’> 
riftif aHein fein grofeeS ®rnmo fcpaffen fann, fo fcpenft 
er bocp fcpon burdj bie blo^e ©pnrafleriftif ber ©cpaiu 
fpielfunft grofee 3ioHen. 



^ine ibeale 5rau. 

©cpaufpiel in brei Stufgügen oon jftSarta 

l)on t)on 

(dritte göitfe^iing.) 


Sulia. panbelt fidj um Spreu 93ruber, 3Se(ati. 

(©uftflt) tritt mit leijpaftem Sntereffe an fie ^eron). Stp — Oer= 

geipen @ie, icp pabe ba§ nidpt bebo(pt. 3?ieflept ba^ 
SRonticeEi .... 

©uftao. ©onftang ift niein ^reunb unb baper in 
alle- meine 3lngelegenpetten eingeweipt. 

Sulia. p alle? 

©uftao. Sn alle, bie man bem f^reunbe anoer» 
traut, wenn ber 'f^^’eunb gum Reifer werben fann. — 
3fber xä) bitte ©ie, fagen ©ie mir fept . . . 

Sulia.- 3Bie ©ie wiffen, pat mein ÜKann geftern 
Slbenb ©rfunbigungen eingegogen . . . Spnen fagte er, 
ba^ er nicptg erfapren pabe . . . Seboip . . . 

'©uftau (erfpoifen). Sebodp . . .? 

Sulia. jfein, erfcpreden ©ie nicpt! ©r wu^te nur, 
bag Spi' Sruber fiep in eine — etwas gewagte — ginang» 
Operation eingelaffen. — ®aS woHle er Spnen geftern 
Slbenb nicpt fagen ; er fürdptete, ©ie würben fiep gu fepr 
barüber beunrupigen. fDfir pat er e§ fpäter anoertraut 
unb pingugefügt, bafg er bereits oorgebeugt pabe. 

©uftao. Sn weldper Sßeife? 

Sulia. SDaS weig id} nicpt: icp oerftepe mi(p 
niipt auf ^örfenangelegenpeiteu; aber er pat miep oer» 
fi^ert, bafe ni(ptS pPffiren föhne, ©auf ben iOfahregeln, 
bie er fo fdpneu wie möglidp ergriffen. 

©iiftao. ©onn mUh icp fogleicp gu ipm, beim . . . 

((^r fielet auf.) 

Sulia. @r ift gar nidpt pier, er ift peute fOJorgen 
plöpticp nadp ©enua' abgereift ^ber ba mein DJiann 
peute abwefenb ift, woHte idp ©ie berupigen. (3u (Sonftona): 
9fi(pt wapr, SRonticeüi, baS war bocp eine ^ftidpt ber 
greunbfepaft? (Siomifcp.). ©ie iPerben miep oerteibtgen, mii^ 
re(ptfertigen, wertn eS nötig ift, nicpt wapr? Dp, babei 
hEt mir ein, mein ©ann woEte ©ie unb SSelati 
bitten, morgen mit unS gu fpeifen — ba ©ie feboep 
na^ ©urin woEten — nun finb ©te aber pier unb 
wir erwarten ©ie. Stuf SBieberfepen alfo, morgen um 
fe^S. 

©onftang (nimmt oBet:maI§Jho|iiere unb §ut). S(p bonfe 
beftenS — mit großem SSergnügen — (rei^t ipr bie $onb). 


Sulio. ©ie woEen olfo wirflidp gepn unb ni(pt 
auf miep warten? (©rpebt fi(^, gießt ipm bie §onb unb fogt 
ipm leife, poiß ernft, poiß fjperapoft): Scp bitte ©ie, gepen ©ie 
nicpt gu fürdpterli^ mit mir inS ©eri(pt . . . Dber wenn 
©ieS tun, bann wenigftenS mit einer gewiffen ©iSfretion. 
Sluf morgen alfo. 

©onftang. 2luf morgen, (gu ©uftoß): Ifommft bu 
nadpper inS Siureau? 

©uftao. Sa, fpäter. — Seb’ wol. (©ouftona ob.) 

^ctxte 3 . 

®ufta». Julia. 

©uftao (ärgerliep, fiept neßen bem ©(preißtifcp uub Ivnmt 
uuter fteptlicpem Uumilleu aWifepen SBücpeeu uub 'fßopieren). 

Sulia (fiept ouf ber oubern ©eite ber Büpne, ßlitft im 
gimmer umper, muftert jebeu ©egenftonb unb löpt inatoifepen ipren 
'petä auf eiuen ©tupl gleiten). 

©uftao (uoep einer langen ^paufe, geiuiffermopen um einen 
einfong gu modpen). fRuu? 

Sulia. Sip fepe mir beine SBopnung an — unb 
benfe, bah Pcote gum gweiten flRal pier bin . . . 8um 
erften Slfal oor gwei Supren • • • bann fiel bir ein, ba| eS 
unoorfieptig fei, pier gufammen gu fommen, im fDfittel» 
punft ber ©labt . . . unb wir finb weit pinouS gegangen . . 
$eute fomme icp wieber, nadp gwei Sapren... ©ettfam! 
(®ept umper unb ßetro^tet bie SWößct.) 3Bie reigenb biefe 
Sßopnung ift. (,®eutet noep lintä.) ©ort ift bein gweiteS 
8immer, nidpt wapr? (®eutet noep reepts.) ©a bie 33iblio= 
tpef. Unb pier baS SSorgimmer. — (Klocp bem §intergrunbe 
aeigenb . 3®ie beutlidp idp miep an aEeS erinnere! fRi(pt 
wapr? -- .§ier ftanben baS erfte 3Ral SonbonS — für 
mi(p! — Unb bort ^Blumen — auep für mi(p . . . §eute 
paft bu midp nidpt erwartet! . . ©iefer Sepnftupl ftanb 
bamalS noip nidpt pier. — (@ie fept fiep.) 9ldp wie perr» 
lidp . 2Bie bequem man pier fipU . . . ©iebft bu mir 
nidit eine ©igarette? 

©uftao (reiept ipr örgerlidp bie ©cpadptel). ©aS fftaucpen 
fepabet bir fa. 

Sulia. Su, boS ift wopr. (Stimmt eine Zigarette unb 
fiept ipn unberluont on — ®uftaß ftettt fiep unbefangen unb ßlictt 

nadp einer onbern Siieptung.) Scp güube fie nur an beS Sofal» 
loloritS wegen. e@uftaß entfernt fiep luieber.). ©iebft bu mir 
fein ©treidppolg? (®uftoß reiept ipr bie ©epaeptet. — ©ie fiept 
ipn maliaiö§ bem ber ©eite an.) 3)iein ©ott — fo günbe eS 
bodp an 

©uftao (gunbet eä an unb beugt fiep ein tnenig uieber, um 
fiep ber Sigarette gu nöpern, bie fie gtuifepen ben gingern pölt). 

Sulla (fentt bie ®igorette nodp tiefer um ipn gu atowgen, 
bap er fiep noep tiefer beugt — läpt bie Zigarette plöpliep in ben 
©^oop follen, ftredft fiep ein toenig empor unb Bietet ipm fo bie 
äBange aiun ®up.) 

©uftao (toirft bo§ ©treieppolg fort, fepleubert bie ©epaeptet 
ouf ben ©epreibtifep unb entfernt fiep.) 

Sulia. 9Bie böfe bu auSfiel)ft! SUft bu fcfilecbter 
Saune? — S^ü^lft bu bid§ immer noct) nic£)t wol? ©oll 
iih gepen? 

©uftao. §aben ©ie meinen 33rief nidpt befommen? 

Sulia (gteiepgittig', Slcp ja! Sd) pube ipn bei mir... 
idp pabe ipn nur gan^ flüdptig gelefen. (©ept fiep.) 

©uftao. ©S wäre beffer gewefen, wenn ©ie ipn 
aufmerffam gelefen unb barüber noepgebadpt patten, 

Sulia. ©agu ift immer noep geit, icp pabe ipn 
ja nidpt gerriffen (SBiU ipn. aus ber Safepe giepen) SSoEen 
wir ipn gufammen tefen? 

©uftao (gereigt). IRein, nein; ©ie pötten ipn ernfh 
poft burdblefen foEen, anftatt pierper gu fommen, 

Sulia. ©u bift ein föftlicper Sunge! Sip woEte 
midp übergeugen, ob bu nadp ©urin gereift. 

©uftao. ©a idp Spnen gefugt patte, bah i(p pin 
woEte 


• • • 


0lr. 4 


®aS OTogagin füt Bttiemlrtt. 


59 


3uHa. üöeräeugt fein, ba§ bu in 

3Raüanb geblieben. 

©nftaü. SßennSie meinen S^rief gelegen !^atten. — 

3ulia. Stber ja, ja, jo, iä) habe if)n gelefen. 
® 0 (^ ic^ ^obe il)m feine SBid^tigfeit beigelegt ... ®u 
fdireibft, bo^ mit nng trennen muffen. SSeS^oIbV — f^itr 
oue§, mo§ man auf biefet 2ßelt tut, mu§ man bodt) 
einen ©tunb Ijaben. — Sllfo? 3Be§l)alb un§ trennen? Sft 
benn irgenb etma§ §mifd)en un§ anber§ gemorben? 
liebe bicf) ... ®u liebft mid) ... ®u liebft midi) bodt), 
nid^t mal)r? . . . Ober liebft bu midi) nic^t mel)r? 

©uftoo (gereift), .^obe idf) bir bo§ ötellei(|t getagt? 

Sulia OTneE). 3tein, niemals! ®u liebft mid^ ! 3BeS= 
l)atb unS aifo trennen? (©telj auf, tritt gu uub umamt ifin.'i 
Set) uerseitje birSlEeS. — 2Bie gut idf) bin, nii^l malfr? 
©eit einigen Sagen gel)t bir etmaS burdi) ben l^opf — 
etmaS, baS bir §u benfen giebt . . . SBolon, ^be id^ 
mir gefagt, nm fo meljr bebarf (fiuftat) meiner f^urforge, 
meiner Siebe — unb beSljalb fam id^. 

@uftao (f)art) Somit begingen @ie obermalS eine 
jener ungelfeuerlid£)en Sorl^eiten , bie id^ Slfuen feit 
einiger geit 5 um fßormurf mac^e, bie Slfre unb meine 
Offulje gefoI)rben unb mir baS Seben uerbittern. 

Sutio (beru^tgenb). Sro^bem! — ^omm, fomm, lo^ 
uns ein menig uernünftig reben. Slber fe^ bid). 33arm' 
i^ergiger ®ott — berui^ig'e bicf) (fe^t pc§). I^omm, fe^ bicf) 
gu mir unb bann ta| b'iefeS falte unfgmpatfjifdfe ,,©ie!" 
(9lfitft ifiren ©effel an ben feinen.) 3Äein SUonn ift in ©enuo. 

(Suftoo. Unb? . 

Sulia. Unb? — 3Bie bumm bu bift? — ®eSl)alb 
fonnte id^ eben fommen . . . 

©uftaü. ^.. unb öergeffen, bei^ idf) im Zentrum 
öott iDdoilanb mo|ne , ba^ jemonb bi(^ möglidt)ermeife 
:^at fommen fe!^en — bo^ alle 2Belt unfere t8egie!^ungeh 
fennt, meil bu bir nie bie geringfte fOdülje gegeben l)aft, 
fie gu uer^eimfid^ert ; — ba| eS genug boS^ofte fOdenf^en 
giebt . . . 

Sulia. Ol) — menn e§ etmaS giebt, maS idf) nid)t 
fürdf)te, fo finb eS biefe. Sie boSfjaften Seute f)aben nur 
f^reube baron, baS duSgufunbfdf)aften, maS fie für ein 
©e^eimniS l^otlen; i|nen liegt nur baron, eine f^rau gu 
ruiniren, bie fidf) ÜJdüfie giebt, il}re ©dpulb gu oerbergen. 
Um ein 2Beib, ba^ feine fümmern fie fi(^ 

nid)t. 

©uftao. ©ine fd^öne S^eorie! — ISequem oor oHen 
Singen. 

Sulia. 3Sor atten Sincien rid)tig! — Unb bonn 
meipt bu fef)r mol, ba^ id) meinem fKanne ruf)ig 
ergäfflen fann, ii^ fei f)ier gemefen. 

©uftao. |)ier — in meiner Sßo^nung? 

Sutia. Sit beinern töureau... fogor Ijier, in bem 
geföl^rtidfiften oEer §öufer; furgum, ba^ id^ bidf), befudt)t 
labe. 

©uftaü. Unter meldiem SSormanbe? 

Snlia. Unter bem, meldf)en id^ SJionticeEi gegem 
über gebraudf)te. 

©uftao. Unb bü gtaubft, baS merbe iljm genügen? 

Snlia. EEonticeEi? 2Ser meife! iEein! - 3lber boS 
ift mir gleidfigiltig. — 9Jdein ÜJiann jeboc|, ber nid)t ben 
leifeften 3weifet legt, mirb nur aEgufe|r übergeugt fein. 

©uftoü. Unb fo fe^eft bn bein Seben, beine Qufunft 
aufs ©giet, nur um eine Sonne gn befriebtgen, nur um 
einer ©apriee nodbgeben gu fönnen?! 

Sulia. ^eil i^ bii| liebe! . . . SBeil idf) bidf) fepen 
mufete . . . meil bu mir einen fürdf)tertid|en ^rief 
gefdifieben paft. — Sdt) |ötte eS nid)t ertragen, gu §aufe 
gu bleiben, bid| ben gangen Sag nid|t gu fe|en, oon 
gmeifeln gepeinigt über baS, moS bu mir geftern gefogt, 
gemartert burdf) boS, moS bu mir gefdf)rieben. Se^t aber 


gel)e idf) gufrieben nad) $aufe. Sd) ^tit i'itf)tg unb 
glütflid- 

©uftao. SBeldf) eine Ouol, meld| eine Oual! 

Sltlid (ift aufgeftanben unb unterbrid^t i§n, tnbem fie Beibe 
Ime um feinen $at§ legt). Slrmes Opfer! temeS Opfer! 
2Seldf)e Qual, fo geliebt gu toerben, nidf)t mapr? bu pcift 
redt, id Itebe bid gu fe|r, id liebe bid oEgufe|r! 

©uftao (mac|t fic^ nac^ unb nad§ toieber Io§). ©ott! 
©Ott! 3BaS für ein ^eib bu bift! Slber gel je^t, bu bift 
fdon gu longe _f)ier. 

Sulia. §ödftenS eine SSiertelftunbe! Sa^midnod 
ein toenig bleiben! 8e|n SKinuten nod! Sünf! 

©uftao. Edein, nein, id mu^ ebenfoES fort,! Sd 
bitte bid, Sel), ge|, Sulio. 

Snlia (lö^ett i^n an, gebt bann, um il)n gu Berubigen, on ben 
Bebnftubt auf toeicben fie ihren qtelg gelegt unb nimmt biefen. @ie 
Befinbet ftd) in ber tltobe beg ©Cbreibtifcbeg, tuirft einen ©liif barauf 
unb plüblicb föbrt ibr ein ©ebante burd) ben Äo))f. ©ie läpt ben 
qSelg roieber fatten, unb fängt an gtoifeben ben qSapieren gu toilblm, 
bie auf bem SifCbe liegen). 

45uftoo. 2öaS madft bu ba? SBaS fudft bu? 
Sulia. ©igentlid uidts. (®ebt M an ben ©dbreiBtif^, 
fulbt nod) immer unb lieft einen SBrief naCb bem anbern). Sdf) )oill 
nur fepen, ob pier Briefe finb, ob bu mid betrügft. 
©uftao. So, fdou mieber ein neuer ©infoE! 
SuliO; SBaS beunruhigt bid ? Sßenn nidtS ba ift, 
jbraudft bu bid ju uidt gu öngftigen. (ginbet eine ber» 
ifcbloffene ©dbuBlobe'). fOiod ouf. 

©uftao. ©S ift nidtS barin. 

; Sulia. EiidtS, nidtS? 

; ©uftao. fReduungen. 

; Sulia. 3Rod auf! 

j ©uftao. iföirft bu bann geben? 

= Sulia. Sa, ja. Sd Ufilpvede (®nftab öffnet 

jbie Sabe — fie fuc^t batin unb öffnet berfd^iebene SSrtefe.) 

j9ded«ungen, nidtS als fEeduungen! Segoblte obenbrein! 
jSSie brat) bu bift. SBie rang ift! 

! ©uftao. ©enügt boS? (S©itt ioieber gufifftieffen.) 

1 Sulia 'bot einen rofafarBenen gufammcngefalteten iBrief ge» 
ifunben). ©inen 3lugenbliE nod ciuen SlugenbliE! 
Unb biefer hier? (Stimmt ibn ouf unb geigt ibn ibm.) Siefer 

diet? ; 

©uftao. ©ieb bod nod. 

Sulia. Sd t>orf nadfebfu? Sann fann eS nidi^ 
ilom|)romittirenbeS fein; (tuta ibn gurüdlcgen, Beben« ficb febo^) 
oieEeidt . . . (Sieft.) ©iuglianetti. 

©uftao. ©enügt baS? 

Sulia. So. — 

©uftOO (entfernt fieb Bon ibr). ©epft bu jept? 

Sulia. Sepl, jo. (§ält ben ©lief noch immer auf ben 
(Si^reibtifc^ geheftet.) 

©uftoo. 9dun? 

Sulia (ift oufgeftdnben unb nimmt eine iWappc mit ßöfcb* 
Blättern, bie fie aufmerffam Bon atten ©eiten ffruft). 

©uftao. Sulia! 

Sulia (mie oben).- Sie Briefe, bie bu befommft, 
ifannft bit oernidten. Slber an men fdreibft bu? Siefe 
Söfdblätter fönnten oiel oerraten. 

©uftao (madbt eine ärgcrlicbe ©emegung unb gebt on§ 
genfter, too er fteben BleiBt unb bmougBlic«). 

Sulia (öerfuebt gu lefen). Sid — lie^ben— ber — 
©U— ftOO. (S)rebt , bog ©lott noch otten ©eiten.) 2lb— 00 — ^fot 
— (©löbliib §Bt fie einen ©infatt, nimmt ben fleinen ©piegel 
Born ©(breiBtifd) unb büU bog ßöfcbBlott babor; auf biefe 3Beife 
tieft fie bie ©ibrift . SJiein — lieber — ©onftang — 
näd~füu — SonnerStag — 28 — Sie — lie — liebe 
(8u ©uftab.) Sieber ober liebe? 

©Uftao. Sd 6Wte biep, lafe bas. 

Sulio. @ag, beifei liebe ober lieber? 

©uftao piübiicb entfebt). Sulia!_ 

Sulio (febridt gufammen). 3SoS ift bir? 



60 


4 


®aS Sßagojtn für SUterote. 


©iiftau. Sein SRaim! 

SltÜCt. 311)! (SBirft ©Riegel unb Rapier fjaflig Ijin). 
©uftao. @ 1 ' fprtd)t mit ber ^ortievSfvau. 

Sulia. 3Kein ©ütt, er ift iiid)t gereift! (S8tei6t Bteid) 

mib öernidjtet ftetjen'. 

©uftttD (liegt gum gciifter ginauS). @ie geigt it)m bie 
S!re|)t)e. 

SuHo. @r meip alles! ®ie fReife mar ein SSor» 
manb — er mill unS überrafd^eii! — ©ott! — ©ott! 
(Biegt ben tpetj an;) - l?ommt er? 

©üftau. ©r fprid)t nod) immer. (®r iritt boin genfter 
fort unb badt fie geftig ant Strnt.) ©iel)ft bll il)li? ©ielfft blt 
il)n? SSerftetfe bid)! 

Sutia (berniigtet). 2Ö0? 

©uftaü (ftöpt fie öor ficg fort). ®ort, bort, in ber 
aSibliotpef. 

3ulia. 3tein, nein, bort fann er ffineinfommen . . . 
^ier, pier ift e§ beffer. (isenbet ficg nocg lints.) ©iet) — 
ob er Iferauffommt. 

©uftao (om genfter). Sa — je|t — 

Snlia. ©ro|er ©ott! — 2Bie fiept er auS? 
©uftan. S)a§ fann id) nidpt fepen — nur fdpneU! 
Sntia (ftegt bereits auf ber ©cgioelle gur retgten; gtögticg 
erntonnt fie ficg, igre Singen bligen ouf). 2BeI^ ein Söapnfinnü 
©ntmeber er mei^ eS . . . nnb bann mürbe er micp pier 
fndjen . . . Ober er meip ni(i)tS unb bann - ! 

©uftaö (beftürgt, erregt). Unb menn er bicp pier 
finbet — ? 

Sutia. Unb menn er blircp anbere ober burcp 

Qnfalt erfapren — mie foEie icp micp recptfertigen, menn 
er micp in beiner Söopnnng oerftecft fänbe? 93effer, er 
finbet micp pier, opne ©epeimniS. ©r mirb mid) fabeln 

— aber er mirb feinen 3lrgmopn pegen. — Stp btelbe. 
©uftaö. §ier? 

Snfia. Sa. — Sd) fam in ber 3tngelegenpeif 
beines SruberS. 

©uftaö. Sn meine SSopnung? — 5E3irb er baS 
gfanben? 

Sniia. Sa, ja, er mirb e§ glauben . . . Unter 

aEen Umftünben ift e§ beffer fo — . (©ie fegt fi^, nacg» 
bent fie bie Dtücfenlegne be§ Strniftugls fo gebregt got, bafj ber 
©intretenbe fie nicgt fegen tann.) $ier, pier, fep bid), fd)UeE! 

©uftaö (erregt'. ^ 33i_ft blt mapuflnuig ? 

Sulia fafjt ficg). 3ßie fepe icp an§?' 

S)iener (burcg ben ^intergmnb etntretenb'. $err 
©ampiani mnnfcpt (Sie §u fprccpen. 

©uftaö (gncft 5 ufanrmen, ineip nicgt, h)aS er tun foll, unb 
fcgweioi), 

Sniia (teife aber beftinimt). Safe ipu eiutreten. 
©uftaö (gang nteiganifcg). Scp taffe bitten. (®iener ab.) 
Sniia. ©ep ipm entgegen! — 

gmtc 4. 
öorige. 2tnbrca«. 

3fnbrea§. ©nten S!ag, SSetati. <Stör i^? 

©uftaö (gegt igm entgegen). 2Bo bettfen <Sie pin? 
3tnbreaS (fommtnacgnorneogne Sniia gubemerteni. ©ie 

)f?ortierSfran fagte mir, (Sie feien nicpt mol — icp mor 
im begriff mieber nmgufepren. (Steicgt ©uftab bie $anb.) 

©uftaö (igm bie tponb brüctenb). ©S gept mir fo 
giemlicp, 

Sniia (fap mit ftarren Stugen, angefgannt gorcgenb ba; 
mägrenb aEe ©rngfinbungen ficg auf igrem ©eficgt miberfgiegelten, 
garrte fie angftboE ber erften iBorte igres ©atten. SSacgbem biefer 
gefprocgen, gat igre SKiene fid) aufgetliirt unb nadg unb naig berugigt. 

— Segt gat fie ficg gefapt; ogne irgenb toelcge ©rregung gu berraten, 
ftredt fie ben Sinn aus unb reid)t StnbreaS bie $onb). ©Uten ©ag! 

SlnbreaS (beftürgt, ricgtet fiig ftraff empor, inbem er fie am 
fiegt). ®u!? Sniia!? 


Sniia mirft ficg ebenfaES eiii iöenig in bieiBruft unb blicft 
Stnbreas an). ©U bift iiicpt imcp ©euua? 

3lnbreaS. 3Bie fommft bn pierper? 

Sniia. Sdp? SSaprfcpeinlicp anS bemfelben ©runbe 
mie bn ©eine geftrigen Sßorte über 93eIatiS Srnber 
pabcn mir 3tngft gemadpt — fursnm, idp fagte mir, idp 
mnp aSelati benatpridptigm; barauf ging icp' nad) feinem 
JBnrean; er mar nidpt bort — idp ging pierper. 3Iber 
mie gept e§ gu, ba§ bn nidpt in ©enna bift? 

3lnbreaS (fortbauernb _ aufgeregt, unrugtg unb örgerlid;). 
33eöor iip onf bie 33apnging, begab icp mid) inSSnreau; 
mäprenb ber iRtnpt luar bort ein ©elegramm einge» 
troffen, baS micp bemog, meine 3lbreife oufgufcpiebcn. 
Um gepn Upr fom i(p nadp §aufe gnrnd ©n marft 
' fort. 

Sniio. Scp pabe ^änSdpen nadp ber Sdpnle ge» 
bracpt unb bann ging ii^ nadp SSelatiS 33urean. 

3lnbreaS. 9BaS mir anfS neue bemeift, ba^ man 
mit ben g^rauen öon nidpts anberem als öom SBetter 
ireben foEte . . . befonberS mit ben leicpt erregbaren f^ranen. 
Sniia (fteEt ficg unbefangen). SBeSpatb? 

SlnbreaS. SBeSpalb? — (©in inenig ärgerliig, jebocg 
megr rugig unb ftrenger.) ©S mar bodp gar fein ©runb 
:bafür öorpanben, bap bn mit SSelati über bie Sacpe 

fpredpen mu^teft. — (©r fgriigt teifer, als ob es igm toiberftrebe, 
;biefe SBorte gu fügen, tucnn bie Üniftönbe ign nicgt bagu groöngen.) 

-Unb öor oEen ©ingen burfteft bn nic^t pierper fommen. 

;(©cgneE gu sselati.) fBergeipen (Sie, 3Selati. 

Sniia (mod)t eine Sßeinegung, ols beftänbe fie barouf, meitere 
©rtlärungen gu forbern). 

3tnbreaS (fcgneE unb ernft). O Sniia, bn bift öiel 
■gn fing, ats ba^ icp nötig patte, bir nocp mepr gu fagen. 

! — ©u pätteft an SSelati fd)reiben nnb ipn bitten müffen, 
gu uns gu fommen 

! Sniia. Scp mar in feinem Sureau. 

; StnbreaS Unb nadpbem bn ipn bort nicpt geftuiben . . 

jtgäit inne unb mirft igr einen Slid gu, alS ob er leine ©rmiberung 
(bulbe unb nicgt geneigt fei, bos ©efgröcg meiter gu ffigren. ®nnn 

menbet er fid) gu ©uftab ) 3ltfo, lieber )8eloti — 

©uftaö (bietet igm einen ©tugl on). SBitte. — 

' SlnbreaS (fegt ficg). ©anfe Spneu. — Sulia pat 
iSpnen aifo gefagt ... 

■ _ ©uftaö (got ingmifcgenebenfaESfeinef^affungmiebergemonnen'. 
©ie gnäbige g^rau patte gerabe angefangen . . . Scp finbe 
jfeine Söorte, um Spnen gn banfen . . . 

. 3lnbreaS. Um ©otteSmillen! ©arnm panbelt eS 
ificp nid)t. ©S panbelt fid) barnm öorgubengen. — Sd) 
brandpe eine 93ollma(|t. 

; ©uftaö. 3tber panbelu (Sie bodp gang nacp Sprem 
:(£rtnc[fcti. — 

3fnbreaS. ©S ift nötig, bafeSie mid) fd)riftlicp beöoE» 
imädptigen. ©refe idp Sie fpöter im 3fnrean? 

©uftoö. Sdp gepe jept pin nnb bleibe bis fieben 

Upr. 

^ 3InbreoS (ergebt ficg). S(p merbe Sie oifo mabr» 
,f(peinlicp in einigen Stunben auffucpen. 

©uftao. ^ie fann icp Spnen banfen? — Stber 
fagen Sie mir, eS mirb bocp gemip ©elb nötig fein. 

3lnbreaS. 3iein, nur Spre Unterfdprift,' um ben 
aSerfaE * ©ermin bis gnm Sannar pinauSgnfcpieben; 
ingmifc^en . . . 

©uftao. Ifann i(J) Sie nicpt auffud)en? 

SlnbreaS. SBenn Sie moEen — um fünf Upr on 
ber a3örfe. 

©uftaö. Selbftoerftänblicp. 

3InbreaS. Sniia! (©r bregt ficg um unb fiegt, bap fie 
boS Xof^entucg on bie Singen brücft). SBoS ift bir? 

Sulia (ftegt ouf unb trodnet ficg fcgeinbar bie Stugen'. 
3lnbreaS. (@icgt fk einen StugenbEcf feft on unb fagt bann 



9 ?v. 4 


S)o8 J>Jag(i0in für Sltteratur. 


61 


in ernftem, a6er gütigem S'one): ^iub! — (reicht ißetafi bieJ&onb). 
§en' Slbüofnt — 

(5fuftaü. ?Jod) einmal meinen innigfieti ©anf! 

StnbreaS. Um ©otteSmUIen, reben ©ie nit^t mef)r 
baOOii. (,@i)riifit ein inenig leifer, geinifferma^en in getjeimnigä' 
öoaeniXmte.) S'lje idf)§ üeroeffe! wöiile qern ber erfte; 
fein, ber @ie benlütfmünfc^t. 

®nftaü. ®er mid) beqUidronnfctit? 

2tnbrea§. @§ ift nielleidt nerfrülfl; aber ein 
qewiffer UebeiiSwüvbiqer 5ßapa, ber mein guter g^rennb 
ift, ijat eg mir im 3Sertranen mitgeteiU. 

. ©nftao ärgerlich). Sßirfitd)? 

Sllliü reifet in ptfifter ©feannüng bieSlugen auf unb ftarrt' 
^uftot) — tion 5lnbrea§ unbemerft — uttöertrant att). 

^nbreag. Safe nng gefeen. 

Snlia. 3[i fr ürrlobt? 

S^nbreag. nicfet, aber wie eg fdirint ift irgenb 
etwag im SBerfe; gewiffe Stiiseidfeen taffen mid) öer» 
muten — 

©nftao. Slber icfe üerfidjere @ie — 

Sntia. Sie 33iand)i? 

Slnbreag. dßegfiatb benn gteid) itfamen nennen?! 
Sßenn er eg gefeeim fealten will . . . 

©nftaü. ^ber idj nerficfeere @ie , . . icfe bin nur 
ein guter g^reitnb beg .^anfeg, weiter nicfetg. 

Sutia. 2tf) — man weife, bafe (s?ie fid) fefet be= 
müfien .... meine befien ©litdwünfd^e! 

Onftao. ®ie finb fefer oerfrüfet. 

9tnbreag (rept ipt bie ^mnb). fefee ®ie atfo 

fgäter? 

©nftan. Unbebingt. 

Sulia (pt ingtoifcben ihren iWuff auf einen Sefenftuht fatten 
taffen unb nöffert fict) jep bem ^augteingang). Stuf SBieber» 

feljenl (3lüe brei gehen bnrch ben Jgintergrunb ab; »ont SSor» 
gimmer her bernimnit man nod) bie lepe SJernbfchiebung — 
blühlich ertönt Sulia§ laute ©timme.) Stt), mein ütiuff! (©ie 
tritt hiuler ©uftab toieber ein, ber fich beeilt ben iOtnff p fuchen. 

— ©ie bleibt auf ber ©chlnette ftehen.) 3d) gtaube,, er tiegt bort 
auf bem Sefenftufet 

©uftaö (finbet ihn enblich nnb reicht ihn ifjr). 

Sntia (hölt mit ber linfen $anb bie fportiere gufammeii, bie 
bie Xür abjchliefet; mit ber rechten nimmt fie ben SOtuff unb inbem 
fie ©uftab bamit iu8 ©eficht fcfjlügt, murmelt fiej ihm gornig inS 

Ohr)- wil'ft fie nicfet feeiraten! — ( 2 ib.) 

®er SSorhang föKt. 

(gbrtfehung falgt.) 



Die liunft im pai'Iament 


Snt 5Ret(J)§tnge fid) bet ber ©tat^beratung — beim 
Sleid^^amt be§ Innern mar§ — eine fleine Älunftbebatte ent= 
fponnen. SBenii in itnferen Parlamenten bon J^nnft unb 
P5iffen)cbaft gefprodben mirb, bann gicbt§ immer g(eid) ein 
!Ieine§ SJfalbeur. 9U§ Pur einigen Scibren beim prenf^iidjen 
Suttu^etat Pon ®ta^fenfter=9?eftaurationen bie Siebe mar, Per- 
medbfelte ein SIbgeorbneter ba§ mit ®lo^fenftern für S^eftau^ 
rant§. am testen ©onnabenb über 93emidiqiingen für bie 
@rforfd)ung ber !^tme§, be§ rörnijdien ©ren^maüg, bi^futirt 
mürbe, batte ein ©etebrter be§ traurigen Slh'ut, 

Sjiommfen einen Plagiator ^u nennen, nnb al^ tag§ ^uPor 
SJciiiiftcr P. Sjötticber Pon bcutfdjer ilunft fprad), ba nannte 
er ai§> SJteiflcr bec beutfd)nt ptaftif bie i^erren — 0 d)a per 
Hiib Öeffing. ©d)aper nnb Scjfing! ^m ftenograp()iid)en 
Perid)t ftcl)t§ mörtlid) 511 lefeii. ift. al§ ob man'bie ®iinft== 
tommtffion reben börte, bie bem preu^ifd^en ^ultugminifter ht- 


ratenb ^nr (Seite ftebt unb fo rübrenb bafür forgt, ba^ Pon 
ftaat^megen fein tPtrf(id) moberner ^3iföl}auer einen 9luftrag 
erl)(Ut. 

9lber mcnn§ and) immer ein tteineg Piaft)eur babei giebt, 
ein freubige^ @reigni§ ifl§ bgrum bocb, menn einmal in nuferen 
Parlamenten Pon iü'unft gejprodben mirb. grül)cr freUid] tat§ 
red)t ergiebig ber ®otifer Sieicbenfperger. (Seit ber alte 
mürbige .perr aber fein (Steefenpferb im Parlament niebt mehr 
tummeln faun, ift e§ nur noch §cir P. 9[)t'eper:=9lrn§malbe, 
ber fid) ber benlfd)cn Äinft ctma§ annimmr. Slatürlid) and) 
ein 9llter. "^enn bie jüngeren Polf^oertreter l)t^ben fo Piel SieaU 
politif nnb ^ntereffenPeilretung ^u treiben, baß il)nen für fold^ 
nberflüjfige Tinge, mie bie &uiift, nid)t^ mehr übrig bleibt 
§crr P. iPicper, ein cigenmilliger, otigineller SKann, ber fid) 
feine eigne, Pon il)m allein Pertretene fonferPatiPe (Sonberfraf- 
tion gebilbet b^t ift Pod) erfüllt Pon allerlei altmobi)d)en 
gbealen nnb Pon luimaniftifcber Pilbung: einer ber liebend- 
mürbigfleii Pirtieter b\§ Noblesse obligp. ®c magte e^ fogar 
jept nod) Pon ber Steid)etagMvibünc gegen bie 3Sal)l ber Scbloß- 
treil)ut ju polemifiren unb ben Parifer Plap ai§> ©lanbort für 
ba§ Sai|er=28ilb^'lm^'i)^attonaUTenfmal anf^ neue Por 5 U)d)lägen. 
Qmar maebte er, lieber @cmol)u[)eit folgenb, auch maneberlei 
0 päße — er mill ben Saifer nid)t tm mannen SJ^antel 
fel)en, menn allegorifd)c granengeftalten PöÜig nadt unter ber 
S^eiterftatiie boden — aber e§ mar bod) auep maneberlei Pe== 
l)er^igen§mertei5 in feinen 9 tu^Sfül)rungen. 9lui^ er ift ein 
(Gegner ber in biefem Platte fo einbrüdlid) befümpften „toten 
(Spmbole", er uerlangt ben Söegfad ber arcl)iteftonifd)en hinter- 
grünbe unb forbert einen Paninl)intergrunb, ein Tannenbicfidjt. 
"$err P. 9JZel)cr ift ein alter .^^')err, nnb be^b^ib fann man pon 
ibm nid)t Perlangen, bdf) er ben eiefalten J?unftfpeid)er am 
fentian^Plape auffuebt Tort l)alt^ Pdt ©d)aubern beob^ 
achten föimen, mie febr bie piaftif baburd) gefepöbigt mirb, 
baß ein genialer 9 lrd)iteft jept bei ben Sl'onfurrem^en mieber=^ 
polt ben erften Preis erpcilt. ^11 ben (Sd)mip^fd)en ©ntmiirf 
für baS Slpf fl) auf er=.??aifer -Ten final pabet^ nufere Pilb- 
pauer ipre (Sfi^^e ptneinquälen \m^ habet ipre (Selbftönbigfeit 
opfern müffen. Unb PoÜenbS für feine gorberung, baß in bie 
^uvl) ein faPalleviftifcp gebilbeter S?üuftler ober ein fünfllerifd) 
Peranlagter S'aPallerift bineinfontmen müßte, pcitte §err Pon 
SKeper in jenem ffiinfifpcicpcr Pemetfe in überrafepenber gülle 
befommen. ^n ben bort pramtiiten (Siitmürfen fil^t ber Sfaifer 
niemals rieptig ^u Pferbe — ■ baS piexüber gefällte fepr 
d)arafteriftifd)e Perbift Pon fepr poper Sette bürfen mir leiber 
pier nidpt mieberpolen .... 

S^aep ad ben böfen (Jrfaprungen, bie mau mit Sonfiirren 5 en 
unb Surp:=@ntfd)eibungen gemaept pat, fonnen mir natürltd) 
§crrn P. ^^eper niept ^ufiimnien, menn er nun noep eine 
brüte Stonfurren^ für baS ®aifer-®ilpclm=Ten!mal Perlangt 
greiliep finb mir auep niept fo optimiftifep, mie §err P. 93öttid)er, 
ber fdpon „in bem, biSperigen SSerlauf ber 9lngelegenpeit bie 
©emapr"' erblicft baß fepließlid) ein Tenfmal 51 t 0tanbe fommen 
mirb, „mie cS ben Slnfepauungen unb ben Üßebürfniffen ber 
Station entfprid)t unb bem Satfer ^ur ßpre gereiept't 9lber 
menn anep niept alle 9^lütenträume reifen — mir tröften unS 
mit §errn P. ^Dteper, bem (Srfinber beS (SapeS pöcpftcr SBefe 
meiSpeit: „@S gept auep fot' P. St. 




£itterartf4>c 


Mtiit 2 f^ücper* 

(^rnft Pon SßolgogenS in ber „Sl^obeinen ^unft" Peröffent^^ 
liepter Stoman „Ter ^ronfolgcr" erfcpeint in 33ucpauSgabe (2 33änbe) 
bei ©ngelporn. 33ei g. gontane & (^o. mirb Söolgogen eine Samnt=^ 
lung „^talienifcper ^^oPefien" erfepeinen laffen. 


§einä ToPote giebt bei g. gontane & ^ 0 . ein neues 9^oPetten== 
budp perauS, baS ben ^üel füpren mirb: „g(p. 3^erPöfe 9toPeEen." 



62 


für £itteratur. 


mx. 4 


^ie inbiefer Stummer be§ beröffentüd^te (Sftgge: ,,©d^lafen 

— 0 ierben" iüirb fid^ ebenfalls unter ben „Sd^"^9^oi)eilen befinben. 


(^enrg ©geftorff (^aron bnn Ombteba), ber SSerfaffer beS 
Romans „©itnbe^ gtebt bemnäcbft einen neuen D^oman heraus, ber 
in ben berliner liigh-life-^reifen fbielt. 


®ie gefamien boetifd^en Sßerfe bes fürglid^ berftorbenen ameri^ 
fanifcfien fed^riftftellerS unb Staatsmannes Nantes D^tuffell 
Somell finb foeben bei äl^acmittan & (^o. in £onbon erfcbienen. 


3llS (^rnft bon 33rüdte, ber gro^e iniener ^bbffnloge, ftarb, 
batte ec gerabe bie lebte §anb an ein neues 33u(b gelegt, „ 2 ßie be^ 
bütet man £eben unb ©efunbbeit feiner ^inber?" ©S tnirb nod) 
®nbe biefeS Monats bei 2Ö. ^raumütter in 3Bien erfcbeinen. 

^ramatlfcöe $Uuff üljrungrn* 

„^aufenb unb eine D^acbt", ein bramatifebeS Märd^en in fünf 
Slufgügen bon ^olger ^ratbmann b^t am ^obenbagener * 2 )agmar= 
tbeater auberorbentlicben (Erfolg gehabt. ®aS Märeben fd)Ubert bie 
Siebe beS ^iebterS 0Sman 0 U Suleima, ber (beliebten beS gemal=^ 
tigen ^parun al 9^afd)ib. Osman mirb febmer geftrgft, inbem er in 
ein 3Sefen, Ijolb Menfcb/ b^^^ berloanbelt mirb bermöge eines 
gauberringeS, ben ^arun al O^lafcbib befibt. Sn biefer M'ibgeftalt 
mub OSman bem §errfdjer als Hofnarr bienen, ohne ba^ bie Siebe 
gu ber fdbönen Suleima in feiner ^ruft erlifebt. Scblieblid) mirb 
§arun fo gerührt bon ber Siebe beS armen ^oeten, ba^ er ibm mit 
§ilfe beffelben gauberringeS bie menfd)lid£)e (Seftalt b^iebergiebt unb 
bie beliebte bagu. — ^ie 5luSftattung beS MärdJdnS gefebab mit 
berfd}U)enberifcber ^radbt. 


toSnaljuiSmeife ift baS wiener in ber Sofebbftobt" mit 

ber neuen $offe: „(^iner bon ber 33urgmufit" bon ^ 8 . (^bif^bacci 
nnb S. ^renn erfolgreich gemefen. 2öaS btlftS? D^aimunbS ©rb=^ 
fdbaft ift berberlaet unb berfbielt. 


Su ihrer lebten ^lenarfibung erteilte bie ungarifdbe ^fabemie 
ber 'Jßiffenfcbaften ben für oaS befte in ben lebten fünf Sabren 
erf^ienene ungarifebo Originalbrama auSgefebten §ertelenbl)==©ramem 
breis (50() fl.) bem Sebaufb^^^^ „Öröf törb nt)" einige ©efeb' 

beS fürglidb berftorbenen ©regor (^Sifb> ein gtneiteS Sebaufbiel 
„33öleS Salomon" (©er tneife Salomon) bon ^^arl SgäSg tnurbe 
bon ber ^fabemie belobt. 


Bcnnmenbe ^uffüörungcu. 

©manuel tReidberS eigenartiges Unternehmen, bie neue ber^* 
liner Oftealiftif in ©i^tung unb ©arfteEung bem erlefenen unb gu^ 
gleich biel gemifd^ten ^ubiifum ber Snternationalen 5lbeater^ 
unb Mufif^^tuSftellung gu Sßien im Suni unb Suli biefeS 
Sabines borgufübren, nimmt immer feftere ©eftaltung an. Mufter=* 
giltig miE ber fdiaufbielerifdje gübrer beS berliner B^ealiSmuS feinen 
mobernen fünftlerifcben ^reuggug in bie ^aubtftabt ber Ungläubigen 
geftalten unb nadb boEbradbter ©at nicht fogleidb tnieber feine 
Scharen auflöfen, fonbern fie an anbere Orte ^u neuer Sßerbe^ 
arbeit führen, nach 33reSlau, granffurt, Seip.^ig, Hamburg u. f. to. 
Sllfo eine toanbernbe realiftifd^e 33übne. Uno and) Berlin toirb 
nicht bie ©b^‘^ beS SSortritteS, bie ihm als ber Urfbi^mngSftätte ber 
neuen ^unft gebührt, entzogen toerben. 35ebor Dteid)er nadb SSien 
giebt, toirb er bie ertoorbenen Stüdte bem litterari)d)en ^ublifum 
35erlinS in „(S^eneralbroben'^ borführen bisher b^i Eieii^er bie 
©ramen „Meifter 0elge" OonSobauneS Sd^laf, ,,©ie bäuS^ 
liebe grau" bon § ermann töabr, fotoie ein ©rama, baS ein=^ 
gige, beS bor 20 Sabren als 24 jähriger Süngling berftorbenen, in 
gänglid)e SSerfdjoEenbeit geratenen rujfifcben ©i^terS 5tntropoto 
ertoorben. ©aS neue ©rama Hermann SubermannS unb ein 
©rama ^erbcirt ^aubtmannS bürften bagu fommen 


©ie 33efcbtoerbe gegen baS 5luffübrungSberbot bon Marco 
^ragaS Sebaufbiel ,,©ie ibeale grau", baS baS „Magagin" jebt 
eben feinen Sefern gur Kenntnis bringt, tombe bom Öberbräfibenten 
ber Marf 93ranbenburg abg etoiefe'n. Man ift entfi^loffen, bie 
greigabe beS StüdfS bureb aEe Snftangen btuburd^ gu berfolgen. 


,,©aS Sumbengefinbel", bie neue ^omöbie bon ©rnft bon 
Söolgogen, toirb am SöaEn er tbeater im gebruar in Sgene geben, 
unb gtoar in ftarf abgeänberter ^übnenbearbeitung (4 TOe), 


Diubolf Strab, ber SSerfaffer beS „33lauen 33riefeS", bot ein 
neues ©rama boEenbet, baS borauSficbtlicb noch im Saufe beS SßinterS 
am 33erliner 5luffübrung fomnten toirb. 


©aS müu(bener (^ärtnerblabtbeater toirb mit gtoei neuen SSolfS=^ 
ftüdfen beobortreten: „^Sergieb unS unfere Sdbulb" bon ^obolSft) 
unb „©er Sanbbfarrer" bon Maximilian Sebmibt. 


(^erbart §aubtmanns „(^infame Menfd)en" toerben am 
30. Sanuar in bänif(ber Ueberfebung am „greien ©bloter" gu Bobern 
bagen gur Sluffübrung fommen, an ber beooorragenbe Kräfte fämt^^ 
lidb^er ^ribattbeater mittoirfen toerben. — 5lucb (^rillbarger Wbnt 
ficb feinen 3Beg nach ©änemarf. Sm ©agmartbeater gu ^obenbagen 
toirb bie „Sabbbb" gum erften Male bie Sd)onbeiten ®riEbarger= 
fdber ^oefie unferen norbifeben Lettern erfd^lieben. 


(^ineS ber neuen Stüdle bon Sllbbbufe ©aubet unb Seon 
§ennequin, bie toir fürglidb angegeigt hoben, „La Menteuse*‘, 
toirb in furgem am (Sbmnafe^©beater in ^aris gur 2 lupbrung ge^ 
langen. 

25tlbcntir Bunft. 

Sm ©egemberbeft ber bom jüngft berftorbenen ^unfalbl) ^)ex^ 
ausgegebenen „Ungarifeben fRebue" beröffentlidbt MiibaelMunfacfb 
eine Sfigge ,,©ie Qualen beS erften (Erfolges." ©er berühmte Maler 
febilbert barin mit bübf(ber ^Inpaulicbfeit, toie er nach bem uncr= 
toartet großen (Erfolge feines 33ilbeS „Su ber ^IrmenfünbergeEe" im 
barifer Salon bon 1^70 unter bem glui^e ber 33erübmtbeit, ber er 
fi(b noch feineStoegS na(bboltig getoaibfen fühlte, an feinem können 
unb feiner ^unft gu bergtoeifetn begonnen; toie er, fid) unfähig 
füblenb, ben gefbannten ©rtoartungen eines großen, auf fein SSeiteiv 
feboffen aufmerffam getoorbenen ^ublifumS unb nicht gum minbeften 
ben bebeutenben SSorfdbu^gablungen feines ^unftbänblerS ©oubil gu 
entfbreeben, fcbliepib gang nerbös unb franf getoorben, bis ihm nach 
fecbSmonatlicber ltntätigfeit gelegentli^ eines ÖefuebS in (I^olbaib, bem 
§aufe feiner fbäteren grau, baS gang naib=unberbinblidbe ©rauf:^ 
loSbinfelnfönnen an ben nadten Salontoänben biefeS ©oufeS bon 
bem ©rüde jenes MiperbältniffeS gtoifdben unficberem können unb 
übertriebenem SCßoEen befreite. ©aS „Laissez-aller'S toie er biefe 
(^olbadber Sßanbmalerei nannte, fobnte ihn mit feiner ^unft toieber 
aus. — 


(Coöcjfälle. 

SouiS 3lrmanb QuatrefageS, ber bebeutenbe goolog unb 
^Intbrobologe, i|t am 14. Sanuar in ^aris im Filter bon 82 Soboen 
geftorben. 2llS goologe bot er in ber (^rforfebung beS 33oueS nnb 
ber SebenSbebingungen ber nieberen ©iere au^erorbentlidti 33e^ 
beutenbeS geleiftet. SSon ©ouloufe nadi ^aris an baS Alusee 
d’histoire naturelle berufen, begann er ficb bortoiegenb etf)nologifd)en 
unb antbrobologifcben gorfdbungen gu toibmen, bereu grüebte eine 
Oteibe bon toeitbin befannt getoorbenen 33ü(bern toar, toie ,,©ie ©im 
beit beS Menfdfien" unb baS au^ in beutfiber Sbracbe erfd)ienene, 
gu gang befonberer SSerübmtbeit gelangte 33udb „©er Menfd)". gu 
einer traurigen 33erübmtbeit gelangte fein unter bem ©rüde ber 
1870er ^riegSftimmung beröffentli^teS, ftarf dbdubiniftifdjeS 33ucb 
.,La race priissienne^' unb ber barauS entfbonnene, für 0uatre^ 
fageS mit bollftänbigfter iRieberlage enbigenbe Streit mit ^irdboto. 
Sein toidbtigfteS 2öerf ift bie .,Crania ethica“, 1875—1879 in 
©emeinfdbaft mit ©r. ©. ©. §amb bor 2 

Sabreu beröffentlicbte er eine „©inleitung in baS Stubium ber 
menfdflicben fRacen", in toeldbem er ficb ols übergeugten Monogeniften 
IjinfteEte unb gegen bie ©artoinfebe ©beorie Stellung nafjm. ©aS 
toar fein toiffenfcbaftlidjer ©ob. 


^arbinal Manning, ©rgbifcbof bon Söeftminfter, ber über^ 
geugungSinnigfte ^atbolif, ber „fatbolifeber als ber ^abft" toar, ift 
am 14. Sanuar in Sonbon an berSufluenga geftorben, im Filter bon 
84 Sabeen. ^roteftaut bon Geburt unb ©rgiebung, mürbe er in ben 
30er Saboen bebingungSlofer 3lnbänger ber „fReformibenen" ^ufel)S, 
unb in toeiterer ^onfequeng 1851 rbmifeber ^atbolif. Seitbem ift 
er in rafdber golge gu ben böcbften ^ird^entoürben emborgeftiegen. 
Sein ^irebentum, fein äufeerfter UltramontaniSmuS toar ibrn beiligfier 
©ruft, @emütsfad)e. SSäbrenb er mit mächtiger ©nergie für ben 
ortboboxeften ^atboligiSmuS fämbfte, toar er i)erfönli(b burebauS 
tolerant, liberal, fragte nach feinem 33efenntniS, toenn eS galt, feiner 
Uebergeugung, ba^ bie Kirche bor aEem eine fogiale 3fufgabe höbe, 
tatfräfiigen äuSbrud gu berleiben. ©bei unb ed^t toar er im ^erne 
feines ^efenS. ©r toar eS, ber 1889 bei bem großen Streif ber 
lonboner ©odarbeiter gtoifeben Slrbeitern unb Slrbeitgebern, bie gm 
meift ^roteftanten toaren, bermittelte. ©r toar eS, ber gegen ben 
^ofprebiger Stöder bie Silben in Schub nahm, als biefer feine 
ägitationSreife nadb ©nglanb in Scene fe^te. SSon ben gablreidben 
Sdbriften ManningS ift fein befanntefteS ^udb „Tlie Eterual Priest- 
liood'S baS 1883 erfebien. 


3lm 10 . Sanuar ift in 33erlin, §einridb ©orn ge*^ 

ftorben, als Mufifer, ^ombonift unb MufifpriftfteEer toeiten Greifen 



xr. 4 Magazin für Süteratut. 


Befannt. ©eBoren 1804 gu ^öntg§Berg, \vav ei* Bon 1819 Bi§ 1869 
al§ ^apeEineifter an ber Berltnec §ofoger tätig. ©dt)on 1826 Braij^le 
er am bamaltgeu .<s^öntgftäblifc^en ^^cater eine Oper ,,©ie S^olanb^^^ 
fnappen" gur ^2tuffüprung. (Sine anbere Oper ,,^er 0d)öpe Barn 
^ariö'' Innrbe eejt in 9tiga, bann 1838 aud^, in Berlin aiifgefitprt;: 
18^4 fein ^aupünerf „£)ie S^iBelungen", 1856 , ©in 3::ag in 
lanb." älJnfiffrilifer inar er na$ Bi§ Bor furgem tätig. 
Beacptengmert finb feine fed)§ §efte „©rinnerungen au§ meinem 
£eBen" unb feine ©elBfiBiograppie „©rgeBniffe au§ ©rleBniffen." 
Oorn foll aucij ber SSerfaffer be§ Befannten Ä^ouplct§ Bon 1870 fein: 
„94?ac==iB^aBon, S)?ac^iIJ?apon, gripe fommt nnb pat ipm fcpon." 

3^ermifcj)te^« 

^em 33erein ,,greie SSolf^Büpne" ioar Befanntticp Born 
OBerBermaltungSgerii^t eine SSerfügung gugegangen, bafe er aU 
poUtifcper SSercin angefepen toerben müffe unb infolgebeffen feine 
U)eiBlicpen iOZitglieber paBen bürfe. ^a fi(p bie 5luffaffung be§ OBer=^ 
Bertoaltung^gericptS auf ber ©inricptung Bon SSorträgen unb ii3e=^ 
fprecpungen üBer bie aufpfüprenben 0tüde grünbete, fo pat ber 
SSerein nunmepr Befcpfoffen, biefe au§ feinem Programm gu ftreicpen. 
gerner mirb bie SP^itgliebfcpaft ^ur „greien ^olf^Büpne" fünftig 
burcp 2fu§fertigung einer 3?^itgliebfarte unb tomelbung be§ ?^eueim 
tretenben Beim ^oli^ei = ^räfibium erfolgen. ^i§ auf meitere^ pofft 
bie greie ^olf^Büpne burcp biefe äl^a^napmen gegen Incitere 
fecptungen feiten^ ber ^oli^eiBepörbe gefid^ert gu fein. ^i§ auf 
ioeitere^ Bielleicpt. 

^ie 5fnffage ber mündpener «Staatgantnaftfdtjaft gegen Otto 
Suliug 33ierBaum, ©. ©onrab, O^far ^ani^ga, Subbiq ©cparf 
unb Svtliu§ ©d^anniBerger megen 3Sergepen§ gegen bie (Sittlicpfeit 
unb bie 9ieligion inurbe Bon bem guftänbigen ©ericpte unter gleidf)^^ 
geitiger greigaBe be§ Befd)Iagnamien 33ucpe§: „5B^oberne§ £eBen. 
©in ©ammelBucp ber müncpener H)^obernen‘ aBgemiefen. 

^rofeffor Bon ©prift, erft fürglicp gum Dfeftor ber mümpener ' 
UniBerfität geloäplt, pat in feiner 2fntritt§rebe geäußert: „5trop 
nmniper altertümlidpen gormen finb B3ir bie eigentli(pen ^träger be§ 
miffenfcpaftli^en gortfcpritteS: mir finb au§ Snftitutionen ber 3?littef:= 
altert perBorgegangen unb tragen in Reibung unb Barett bie 3m 
fignien be§ geiftlid;en ©tanbe^; aber innerlicp finb mir ^inber 
unfere^ Saprpunbertg unb in ber ©efamtpeit längft niipt mepr 
an bie Ocpranfen eines Beftimmten firdplicpen 33efennt^ 
niffeS geBunben". ^iefe 3feuperuua napm bie ultramontane 
treffe ^aternS bem „^ftpeiften" üBel uno Berlangte feine ©ntfernung 
aus bem oBerften (Scpulrat, beffen SO^itglieb ^perr Bon ©prift mar. 
Unb ber Bairifdpe ^uftuSminifter pat biefer gorberung nacpgegeBen. 
3^otiren mir biefen neuen ©rfolg ber ©unfelmänner gu ben übrigen. 
©aS 33ücpfein Bon ber „©eifteSfreipeit" fiu de siede fd^milft gu 
einem ftattlidfien 33anbe an! 

©ie flrafredjtlicpe SSerfolgung beS 35fatteS „^jöBnpaBn" in 
golge SfBbrudS beS 9iomanS „3nt 2ieBeSraufdp" Bon $eing ©oBote 
ift, mie uns unfer fopenpagener 3?titarBeiter melbet, megen einer 
eingigen ©te Ile Bon 20 geilen erfolgt! ©ie fiept auf©. 62.63 
ber erften beutfcpen 51uflage beS 33ud)eS. ^err ^riftian ©apl fügt 
pingu: „Ungmeifelpaft mirb bie Berliner Sefermelt erftaunen, menn 
fie erfäprt, ba^ eS in bem giBilifirten ©eile beS ©rbbatteS ein Sanb 
aiebt, in melcpern man aus 3lnlafe Bon §eing ©oBoteS Dfloman „3in 
ÖieBeSraufcp" eine friminede Mage erpoBen pat. SSieEeiipt aber mirb 
bie UeBerrafdjung geringer fein^ menn man erfäprt, bafe biefeS Sanb 
©änemarf ift. ©enn man meip, bafe in biefem fleinen ßanbe, in 
meldpeni bod) £itteratur unb ^unft intenfiBer als- in mancpen größeren 
Sänbern getrieben unb Berftanben merben, mir mit einer Dfegterung 
gefegnet finb, beren i'^urgficptigfeit auf fünftlerifcpen — mie auf 
änberen — ©ebieten an baS ^panomenale grengt. . . . ©a baS bänifdie 
©efep baS Sßerf als ©angeS gu treffen feine ^panbpaBe Bietet, fo 
ri^ man, gang mie Bei ber Verfolgung beS ^IBbrud'S Bon ©up be 
iWaupaffantS „Vel ami" in bemfelBen Vlatte, eine fleine ©teile auS 
bem 3uf.immenpang perauS . . . ©aS gange Verfapren ift fidperltcp in 
jebem anberen i^anbe unerpört." ... Seiber nein, §err ©apl, mir 
fennen eS audp, mir in ©eutfcplanb. V3aS mir aber nidit fennen, 
unb maS unS ebenfo unerpört Borfommt, ift, baü baS bänlfipe Vlatt 
ben fRoman unfereS SanbSmanneS abgebrucft pat, opne biefen gu 
fragen, ja, opne ipn nur anftanbSpalBer gu unterriditen. 

gum ©enera Unten baut n beS Mniglicpen §oftpeaterS in ©tutt== 
gart ift an ©tede beS ©epeimen §ofratS 3uUuS SSertper ber grei^= 
perrSoadpim gu ^utlip ernannt morben, ein ©opn beS Befannten 
©id)terS unb fdjmeriner, fpäteren farlSruper ©eneralintenbanten 
©uftaB §einrid) ©anS ©bUr Bon unb gu ^utlip. Varon 3oaipim 
pat feine bramaturgifdjen ©tubien als Offigier Bei einem Babifi^en 
Reiterregiment gemacpt. 


©er ©ircftor beS ftäbtif(pen4RufeumS in Sßien unb ViBUotpefar 
©r. ^tdrl 65loffp, forbert gur gufenbung midjtiger BiBliograppifdjer 
unb ifonograppifd)er Racpmeifungen auS ungebrudUen Katalogen, 
ans menig ober gar nidjt gefannten 5lufBemaprungS=^ unb gunb^ 
dtütten auf, gmedfs 5(uSarBeitung eines Katalogs für bie miener 
©peaterauSftellung, ber in "leBenbiger ^^nf^auung bie ©ntmidf== 
lung beS gangen beutfcpen ©peatermefens'geBen foU. ©S finb folgcnbe 
©nippen aufgeftedt: l. ©eifllidjeS ©cpaufpiel. II. V3cltlid)eS ©cpam 
fpiel beS XV. unb XVI. SaprpunbertS. llj. ©eleprtenbrama. 
IV. ^ofbramd. V. Oper (Sitterarifcper ©eil . VI. 25>anbernbe 
©ruppen (©tegreiffomöbie). VII.’ Von Opip Bis S.effing. ’ VIII. Von 
Seffing Bis gu ©oetpeS ©ob. IX. Reuere geit. X. ^offe unb ©ing^ 
fpiel. XI. HRimiüpeS ©rama XII. ©ramatifcpe ©arftedung. 
XIII. Mitif. ©in proBiforifcper ^auptfatalog^ mirb fdpon Balb gur 
3luSgaBe gelangen. 

©er ViBliotpefar ber ©orpater UniBerfität, Dr Mrbt, fanb in 
einem 9Ranuffriptenfcpranf. ber ViBliotpef eine Reipe Bon Vriefen beS 
©djmebenfönigs ©uftaB 3lbolf, beS ©rafen 3opann O^enftiern, fomie 
eine fepr auSgebepnte Mrrefponbeng beS fcpmebifcpen ©taatSmanneS 
3acqueS be Sa ©arbie. 

3n Sonbon pap bie ©peofpppie, bie in ber Befqnnlen geräufcp== 
Boden „Vefepruug" ber ©Rabame toUe Vefant eine, jener Vlüten 
trieB, mie fie nur im OIb^©nglanb, bem gefegneten Sanbe beS 
©pleenS unb ber Vigotterie perBorfpriefeen fann, ben Reig beS Reuen 
Berloren; jept ift man in gemopnter Racpapmung parifer Vfpd)o^ 
patpien auf ben VubbpiSmuS Berfaden, ber luftig, emporfcpiegt ©in 
fpefulatiBcr VcrlegeiP SRr. Vomben, pat alSBalb ein Vud) perauS= 
gegeBcn .,bie Radifolge VubbpaS" Betitelt, eine Rrt Rlmanacp, ber 
für jebcn ©ag beS 3apreS RuSgüge auS Bubbpiftifd)en Vüi^ern. enU 
pält. 3n ©ir ©bmin fcnolb, bem Vruber beS Berüpmten MilüerS 
R?aitpem Rrnolb unb Verfaffer beS firafBar langmeiligen SeprgebidjlS 
„bie Seudjte RfienS", b. fj, Vubbpa, pat biefer Rlmanadp au^ einen 
Bubbpiftifcpen ©icpter gefunben. 

Vrieftafd}e beS Sitteraten. — SRan tut Unrecpt, barüBer 
gu flagen, bafe bie ©(priftfteder adein Bon Orben unb ©iteln auS=^ 
gefcploffen finb. ©ie ©(priftfteder adein genießen bie RüSgeid^nung, 
feiner RuSgeicpnung g,u Bebürfen. 


£ittcrarifd;e Ucuigfeitcn. 


Otto Mtn^e, ^(uSgcmäplte eitglifdpe ©icptungen in bcntf(®er 
lIcBertragung. ©tettin. Verlag Bon griebr. Ragel (^aul 
Riefammer). 1891. 

©ie RuSmapr^SRilton, ©rap, Vpron, ©peOep, .^eafS, ©oleribge, 
Songfellom, ©ennpfon, 3apanefifdj nad) ©pamBerlain ift redjt püBfcp, 
menn and) BieleS fd)on Borper üBerfept ift, unb gmqr Biel Beffer. 
©enn ^unpe Berftept eS feinesmegs,- felBft mo er forreft BleiBt, ben 
©on beS Originals, feine eigentumlidje garBe unb M\ift gu treffen. 
RBer er erlaubt fid) fogar auep unglauBlid)e „^'reip eiten''. Rur je 
ein Veifpiel für BeibeS auS VpronS peBräifdjen SR'elobieen. VpronS 
ftiliftifepe ©igentümlid)feit ift eine gemiffe fepmere Häufung in ben 
fprad)lid)en R^enbungen, eine unerfcp'öpflidie SRannig faltigfett in ber 
RuSbrudsmeife. ©em UeB rfeper ift eS Bödigmerfagp baS mieber== 
gugeBen. 2ßo Vpron fagt: 

One sliade the niore, one ray tlie less. 

(©in ©epatten mepr, ein Sid)tftrapl meniger), ba löft Minpe bie 
feparfe ©egenüBerftedung auf in baS fcpaal unb frieblicp 2®eiter^= 
fliepenbe: Verlor nur einen ©tropl bieS Sidjt. 

3n einem anbern ©ebidjt peipt eS Bei Vpron: 

The cedars wave on Lebanon, 

But Judahs statelier niaids are gone. 

©aS üBerfept ^unpe: 

©ie ©eher fcpmüdlt ben SiBanon, 

©efädt liegt 3ubaS ebeler ©opnl 

©in Rtiitel, baS ©efdjlecpt midfürlid) gu Beftimmen, ift noep 
niept gefunben; aber auS englifepen 3Räbd)en einen beutfcpen ©opn 
gu madjen, fepeint möglid), menn eS bie Reimnot gebietet. 

©. S. 




64 


?Jr. 4 


®a8 3>Jagaätn für Sitteralur. 


^rcte fifferarifc^e 'gSerfin. 

3uf(j^rtflen für biefe D^iubrif finb init bem SSermerfe „3lTigelegenr)eit be^ für Sitteratur" an §errn Dr. 5IIbert ^re^bner, 

W., £ü^on)ftraBe 96, 111. gu rid^len. 


(SebawUmiiötmld). 


§[(t bott %mm\x. 

ber 6kfcf)nta(f be§ ^ublifutn^ eine Heine ^lufbeffemng er= 
fal^ren Ijat, inbein e§ fid) bon ben Werfen boll Unnatur unb @c|ün== 
färberei ah^ unb ben fraftbollen, naturnialiren Arbeiten ber ntobern 
emüfitibenben Uutoren gumenbet, i)t nicf)t gu leugnen. 31ber anber^= 
feitö ift aucf) nicbt gu berlennen, bafe im ^eut|cf)en Dieic^, mie anber== 
märt§, 33eftrebungen ini (Sange finb, biefem mobernen (Seifte einm 
D^iegel borguff^icben. ^ie le^te Stummer beö „SP^agagin^" entpit 
eine 3^otig über bie bielefelber ^rotefte gegen @ubermann§ „0cibom§ 
(Snbe". ^itnbere ^orfaEe finb ebenfaE^ befannt gemorben unb bürften 
bem £efer in (Erinnerung fein. (E§ ift nun gemife ba§ gute 9fiecl)t 
eine§ jeben ^eutfct)en, über litterarifc^e unb fünftlerifdje gragen unb 
^ringipien feine eigene iEJeinung gu pben, „tnat bem (Eenen fin 
i§ ben Hnnern fin 9^acf)tigaE" fagt ein alte§ 0prid)E)ort. Stber 
gerabe, meil immer mep ein ^ampf um bie Sitteratur unb ^unft 
entbrennt, bürfte e§ geboten fein, ba^ biejenigen, beren (Sefc^mad fic^ 
nun einmal ben neueren 31nf(^auungen guneigt, fii^ gufammenfc^aaren 
unb gufammenbatten. ‘S)e§t)olb begrüp ic^ ben an biefer 0teEe 
gemad)ten 3Sorf(^lag, litterarifc^e 3 t^^^ 9 bereine gu grünben, mit 
greuben; beftebt erft einmat in jeber gröpren ©taot ein fotdjer 
SSerein, fo mirb berielbe ein ©tübpunft für alle im mobernen (Seifte 
geleiteten 33eftrcbungen ber «SdbriftfteEer, Zünftler unb ^bt'ater- 
bireftoren fein. 3ßer ber Slnfid^t ift, ba§ ^unftfragen nid}t burd) 
^oligeibefrete gelöft merben fönnen, foEte feine tofdjauungen ba^ 
burcb ftärfen uiib Hören, ba^ er mit (Sleicbgefinnten unb — faber§=^ 
benfenben rubig bi^futirt. ©fanbale pben einer (Sadie nod) nie 
genügt, ba§ mögen nie fidf Herren, toeldjc gegen bieUnoberne fEid)^ 
tung mit nidbt fepr eblen SEitteln Io§meben, merfen. 

31. Traufe. 


(E§ ift oieEeidd nid^t gangüberflüffig nod) mit befonberem 3dadb== 
brud auf einen ^unft Ijinptoeifen, ben §err Robert nur eii passant 
ermöljnt. ©erfelbe fagt: ,,3(ud) märe eine furj^e (Efjarafteriftif fel)r 
gmedmöfeig.'' gcp meine, e§> fei gan^ unmöglid), bafe ein berartige^ 
Unternebmen in§ i^eben träte, ohne ben 3Serfu(^ in§ 3luge ^u foffen, 
ba§ Söefen be§ fEeali§mu§ unb ben SBert ber cingelnen 2Berfe 
5 U erläutern, ^ebarf bod) bie rcaliftifd)e Sitteratur gan^ befonber^ 
ber Erläuterung! ©cbon bevbalb, meil ber realiftifdie 4)id)ter fid) 
feinem Sßefen nad) nid)t bamit begnügen lann, bafe man ip 
„apt", bab gantafie. felig träumenb, fein ^d^affen nad^taftet, 
meil man ibn Oielmebr mit Harem $8lid erfaffen, il)n mabr^aft ber= 
fteben mufe, um ibn mürbigen gu fönnen. 3lber auch noch au§ 
einem anberen (Srunbe mürbe ba§ bon §errn Robert in 3Sorfd)lag 
gebrape Unternebmen ficb burcb PieEeidit nid)t aEgu furge 
Eprafterifiif ein b^b^^ 3Serbienft ermerben. 3lu§ bem Erunbe 
nämlicb, meil auf bem (Seöiet no(b äuprft menig gearbeitet ift. 
Unfere bi^b^i^ig^^^ äftbetifcben ^ated)i§men ermeifen fiel) bem EreP 
ber fEealiften gegenüber al§ gang ungureidienbe Sßegmeifer. “ü^a^ 
33efte, Eigenartigfte ber neuen ^oefie fidert unaufbaüfam binbureb 
burcb bie fteifen 2Pdafcben ber alten ©bfteme, menn ni(^t. überljaupt 
ba§ gange fEegelneb in geben geriffen mirb burdb ben böfen fEealiö^ 
mu§. ^oEeno§ aber jene eingebenbe biograpbifebe 'Bürbigung, bie 
unfere Maffifer OieEeiebt aEgii reii^lid) erfahren l)oben, unb bie ja 
bodb mol putgutage al§> bie eingig möglidje Erunblage für ha§> 
ooEe Erfaffen biperifdber Berfe gilt, ift bie Sitteraturgefebidbte ben 
SEobernen nod) faft gang fd)ulbig. 3dod)I Unb mk lange noch? 
Birb fie fi^ nicbi überhaupt oorläufig gal)lung§unfäbig erflären 
müffen? i)ie Erörterung biefer grage ift mol eine ber notmenbigften 
SSorarbeiten für biejenigen, melcbe gur 3Serbreituug unb görberung 
ber realiftifeben Sitteratur beitragen moEen. ®enn ber ©dfauplab 
be§ realiftifd^en 0cbaffen§ ift boeb im mefentlid)en ein ber 

Sebenben! Birb fid) baber bie b^ute für aEe Sitteraturforfibung al§ 
richtig eradbtete biftorifepe 3Pdetbobe ben fEealiften gegenüber burcb= 
führen laffen? Berben biefe bon ber SEiimelt „biftorifd)" aufgefap- 
fein moEen? Benn gr. ©pielbagen in Ta. 2 be§ „SEagagin"' fagt, 
ba§ ^ublifum 1)^^^^ (^üe Urfad)e, ficb bor bem 2)eteftibetum be§ 
mobernen fEonian^ gu befreugigen, fo mürbe er für feine ^erfon e§> 
ficb P E)ol berbitten, litterarl)iftorifd) analpfirt gu merben. gn 
ber ^!at bürfte in biefer grage ba§ gür unb Biber nicht leicht gegen 
einanber abgumägen fein i)ie biflörifcbe 33detbobe, bie fo gang unb 
gar bineinpap in ba§ realiftifebe ^ringip, ermeift fid) bod) bieEeid)t 
gerabe bem blutigen fEealigmiu:5 gegenüber al§ Unmöglicbfeit. 33i§ 
jebt freilid) h^^ben ficb fritifeben (^)Cl)riftfteEcr mol bie ^öpfe nod) 
nidbt febr gerbroeben über ber grage, ob bie Berfe ber lebenben 


dichter bem ^ublifum biftorifcb ober fonftmie gu erfcbltefeen feien. 
Ein braftipeg ^eifpiel mag biefe 33ebauptung erhärten. Um 
HEaterial gum ©tubium über einige moberne Siebter gufammen== 
gufteEen, buri^blätterte ich jüngft bie beiben lebten gabrgange be§ 
„ßitterarifeben Eentralblaiteg". derjenige ^oet, bon bem bort bie 
meiften 33eurteiler regenfirt maren, btefe — ®omer 3lud) über folcbe 
Poeten, bie — lang febon ift§ ija — in ©anMrit ober in Heilfcbrtft 
bie Einflüfierungen ihrer SEufe notirt baben,^ nb mir nach 
jenem Begmeifer eine ftattlicbe fritif^e 33ibliotbe! gufammen^^ 
fteEen fönnen — bon folcben, bie über Bilbenbrueb ober 33ourget ge^ 
febrieben plten, berriet ba§ „Eentralblatt" fein ©terbensmorpen. 
Unb fo ift man mol im aEgemeinen, um fidb über ba§ Seben ber 
£ebenben gu orientiren, auf furge geuiC(eton§ in Bochern unb 
3?donat§fdbriften angemiefen; *!E)ab niibt jepr, unb bafe bteueid)t 
überhaupt niemanb in allen göEen, burcb ein fo berfplittirte§, un^= 
überficbtlid)e^ SEaterial büiburcbfinbet, barin, ©err Robert, bann 
haben ©ie fEdpII g. 3bor. 


^cb nun gmar Buftmann^ „Dummheiten" nicht gelefen, 
meife baber auch nid)i ma§ aEe§ Buftmann gu „6pra(bbummbeiten" 
rechnet. Da§ mei^ ich: 3deubilbung bon Borten, felbft menn alte 
gleid)mertige borbartben, ift überhaupt feine Dummheit. Die gröfte 
0prad)bummbeit ift bieEeicht bie ^brafe,_ unb bie Erbe mühte febon 
bon 3l^iikrgefd)öpfen rnimmcln, menn mir ^ ben Reportern' glaubten, 
melcbe bei geftberiebten 2 C. mit 33orliebe bie liebliche fEebemenbung 
gebrauchen: „3unge £eute beiberlei CSefcbled)t§ tummelten ficb 
E§ trifft fid) olfo 'gut, bah fEeporter nid)t immer bie Babrbeit fagen. 

Um mieber auf bie „3deubilbung" gu fommen, jo ift am Enbe 
jebe unnötig, ba ber borbanbene ©praebfebgh genügt, um^ buip^ 
gufommen ' 3lber arme .^oeten, mie müht il)r eud) eigentli(^ bor=^ 
fommen, ihr, bie ihr für jebe SSibration eurer 3lerbenfafern, für jebe 
3lbftufung eurer Empfhibungen, für jebe 3^uance einer 0timmung 
ein Bort finben molli felbft menn e§ ficb fo menig bon einem bor=^ 
banbeiien uuterfebeibet, bah £euten mit bäurifd)=^gejunben beerben 
gleicbmertig gu fein febeint. — ©o etmaS mie „burd)queren", meine 
ich, mühte mau boeb fül)ien, unb „burcblängfen" ift noch nid)t ein== 
mal ein fd)led)ter Bip ©old)e Borte „fd)_euhlicb" gu rinben, fdbeint 
mir etma§ ftarfe ©ubjeftibität; unb babei leben mir bod) in ber 
3eit ber „ Ummer tung aEer Berte." Um bie „©d)euhiid)feit" bon — 
fagen mir — guerföpfig bargutun, mie mär§, menn mir „läng^föpfig" 
bilbeten?- Slufräumen unb fritifiren ift ja eine fd)öne ©adie, aber 
nid)t gu bipg. Buftmann! 3d) benfe mir ba§ etm.a fo: Ee== 
trieben bon ber '"ben Deutfd)en eigentümlichen ©ud)t „©p^^^’bie _ gu 
bereiten" unb „raiioneE borgugehen", b^t and) ^$err B. fpftematifd) 
aufgeräumt, babei bielleip mand)e§ gu Unred)t' mitgenommen. 

0ilbermann. 


fiib ntoPtn^^ in ^üutfkü* 

Bäl)renb biemobern litterarifdben SSereinigungen 33erlin§, Bien§, 
^aniburgg bereite in ihren 3damen bie 33efd)ränfung auf ein rein 
littcrarifd)e^ 'ItU’ogramni aikfpred)en, f)^i (Sefell)cl)aft, melcbe n 
SPHindben äbnlidie“ 3iele berfolgt, fid) einen Tarnen beigelcgt, ber 
auf ein meitere§ Programm beutet. Dah man in ,jlEünd]en bi^ 
bilbenben ^1)ünfte fd)ärfer in ben ^rei§ einer mobernen EefeEfcbaft 
einbegiel)t, erflärt fid) auö bem bormiegenb fünftlerifcben El)arafter 
ber ©tabt, bie 33efcbäftigung aber mit fonftigen gragen be§ mobernen 
£eben§, fo fel)r biefe and) ohne irgenb meld)e ^arteifärbung auk 
gefaht mürben, bat fid) aU eine (Sefabr für biefe EefeEfcl)aft berau§=^ 
gefteEt. iEicbt aEein, bah bie 33el)örben, meld)e nod) immer in jeber 
freien 33el)anblung gefeEfcbaftlicber gragen gemeingefäbrli^en 
<©ogiali§mu§ mittern, au^s biefem (Srunbe ber (Sef. f m £. aEerlei 
©d)mierigfeiten in ben Beg legten, fonbern e§ lag and) eine ^et^ 
fplitterung ber ^^räfie barin., 

Tn biefen Erünben l)(^t fP £eitung ber Eefellfcbnft, na(b^ 
bem ^err Dr. 3E E. Eonrab ben 3Sorfib niebergelegt l)öb cnt= 
fd)loffen, fid) mel)r auf if)r litterarifcb H’inftlerifd)e§ Programm gu 
befdiränfen 3lnbermeitige gragen foEen nur bann in ber Oeffenk 
lid)feit bebanbelt merben, menn aftueEe ^egebniffe bagu brängen. 
Da§ §auptgemicbt foE in bie gef(Eloffenen 3lbenbe berlegt merben, 
bie eine (Seftaltung nad) 3lrt ber SSortrag^abenbe ber greien litt. 
Eefellfd) in 33erlin erhalten unb b(iitptfäd)licb nngebrudte 3lrbeiten 
ftreng moberner 3(utoren bringen foEen. 

Die EefeEfd)aft ijat jep gegen 230 Mtglieber. Die 3Sorarbeiten 
für , bie „greie 33ül)ne" merben borau§fid)tlicb in biefem Slabre no(^ 
gu einem guten 3lbfdbluh gebradbt merben 0. 3 33ierbaum. 


^Eerantm,: Dtto iEenincinn»>^ofer^ SSerliu. — SBcrlag ter EgioU/ ^^^Ed)e SSevlvip^^EOcllfdaft, Berlin nnt> (^tnttgart. — (Sebrudt bet iE- ©enicb, Berlin SW 



! 


^xtlxxlxxtttxx^~M.xtttxtrt^x^ 



1832 begriinbet 
von 

Jofep^) i:et)nianit. 


(£. 


für c^xtiexatuv, 


e) 


ßievausgegeben pon jfrftj 3llSaut]|nec unb o^tta JSeimtaim^^Jlafer, Deutfc^c PerIag5=(SefeIIf(^aft 

^eöcißtton: '^erCin SW., §?ric6tri(#rit^a|e 307. 


eint jeöen Bontiabenö — preis 4 tHart rierfel|a^)rli0, 25efiefltttigen werben non jeber Bu(^>f)anbtunö, iebem poftamt (ITr. 3589 
ber pofüeitiinösUfte), fowie nom Periage bes „ITTaöagin" entgegengenommen. ^tnseigeu 40 pf^. bie brei^efpaltene petitjeUe. 


l^cei^ öcr Ciuselnummer: 40 pfg, ej>-o 


61. Jal^rgang. 


23ei'Un, 5en so. Clanuai' j$p^. 


Uv. 5. 


O. 5^euinann=^§ofer: 60^Q]§re SO^agagin. — griebrtd^ 9?ie^fd^e: Ungebrudfte 2l|)§ort§mett. — ^r. gifd^er: 

^a§> ilJfagagtn bor 80 ^o^^ren. — SJ^arie b. ©fd^enbad^: 5Hte <Bpxü^t in neuen ifleinten — g. Si^antl^ner: 1832—1892. ^in 
DfUirfMidf unb ein Hu^blidf. — g. (Bpie^a^en: ®aft. — ^orbeleg: go[ebb 2ebntonn nnb ^einrii^ ^eine. — £nbb)ig ?gulba: 

0innfbtüd^e. — ^arl (^. grango^: 31u§ ®oetbe§ %pe'akxMUtn. — D^ofeqger: ^ie gufunft ber bentfd^en Sitterafur. — i)etleb 
b. Siliencron: ^er tong. — 33rugf(b ^afd)a: ^etrfif. — (5 0tauff er^^ern: ^ebicbte. — (^rnft Sichert: ^ie beutfd^e 

^ertag^orbnung. — ^ermann 0uberm'ann: — ^rid^ ©d^mibt: ©b^elhngen^ ®ebi(bte. — ßitterarif^e 

S^euigleiten. — Sitterarifdb e — ^ro^e^ ^rager unb bie Sitteratur. 


6e4>3i0 Ja|>re 
Ulaga3in. 

SSon 

(0tta d^eumann^lßofer. 


I. 

©te erften gei^n 
Sa|re. 

3Son ÜJJlttood^, 
bem l.g^ebruar 1832, 
ift bie erfte iRummer 
be§ „iDlogagittS für 
bie Sitteratur be§ 
2l«§lanbe§ " batirt. 
3n ©erlin »urbe 
bie fRumnier bereits 
am 24. ^anuor auS» 
gegeben. @ine^ulbi= 
gung für g^riebrid^ 
ben ©ro^en, beffen 
dieburtstag baS©tatt 
fernerl^in in reget» 
müßiger SBieberte^r 
feierte, eine©efpre(^» 
ung ehieS nenen eng» 
tilgen SöerfeS über 
ben großen ^önig: 
,,The life ofFrederic 
the Second, king of 
Pnissia’‘ (bei Sorb 
©Ober 1832) eröffnet 
baS ©tatt. 

($in ©prod^en» 
tatent erften [Ranges, 
3ofe))l^ Befimann, 
3iebafteur ber „2111 



M’^feph $el|tniiitn, 

^egrunber unb Heba^teur bes Ytlaqa^in für Citteratur. 1832— 1873. 
(Seb. am 28 . Sebruar 1801 , gcft. am 19 . 5 ebruar 18 Z 3 . 


gemeinen [ßreu^ifcfien ©taatSgeitung" — wie frül^er ber 
„[ßreufeiftfie ©toatsangeiger " l^iefe — unb ueretbigter 
©ranSlator im auswärtigen 2tmt, begrünbete baS ©latt. 
©dt)on meljrere $jal^re borber t)iett Sofebb Sebmann 
in ber „2lEgemeinen 5ßreu§ifd)en ©taatSgeitung" eine 


Slubrif offen, worin 
er bie beiworragenb» 
ften ©rfdbeinungen 
beS 2tuSianbeS be» 
fbradb.©emattgegen» 
w artigen unb att» 
tiebenSwürbigen @in» 
ftu^ 2llejanber bon 
§umboIbtS gelang 
eS, ben fbarfamen 
ISönig bagit gu be» 
wegen, feine @in» 
wiiligung gu geben, 
baß biefe [Eubrif 
fetbftänbig gemadbt 
würbe, unb baß bie 
©taatSfaffe ein et» 
waigeS ©eßgit auf 
ibr 5?onto nehme. 

^umbotbt mad^te 
in feinem ßerfön» 
tidben ©ortrage get» 
tenb, baß eS ein ©or» 
gug ber beutfdben 
unb ber ßreußifdben 
©atur im befonberen 
fei, Wß fie fidb ein» 
geßenb mit bem 2luS» 
taube bef(ßäftige unb 
nußbringenbe llennt» 
niffe erwerbe über 
bie©erbättuiffe frem» 
ber Sauber, bie fa 
fipäterbin in etwai» 
gen^riegSgeiten,ober 
auch wenn eS ßcb 
barum bnnbelte, f om= 
mergieße ©egießun» 
gen angufnüpfen, bon 
©er §inbli(f ouf bie 


größtem ©ußen fein würben. .. „ , 

fommergiellen ©egiebungen gab bei bem bnuSbäterifdben 
Könige ben 2tuSfdbtag. ^r ermüdbtigte Sofepb Seb^’ 
monn, ber burdb feine tiefe titterorifcße ©ilbung unb 
außerorbentli(ben ©pradbfenntniffe bamoB ditein bagu 


















66 


®aS aWogo^in füi: Silterotur. 


9?r. 5 


h)ar, boä „ajjagagiu für bie Sitteratur be§ 
3tu§(anbeg" l^erauSgugebeii, beftimmle aber, ba^ ba§ 
23tatt mit ber „3UIgeuieiiieu ^reu^ifdjeii ©taatSgeitimg" 
bereinigt bleiben foHle. Swölf Sat)ie erfd}ien fo ba§ 
„iRagajin" al§ feuilletoniftifcfie Beilage be§ „®taai§= 
&ii5etger§", bie Sefcifaftigung mit freinben Sitteraturen 
gteidt)fam 51t einer ftaotlictien Stngetegenijeit ftembetnb: 
eine Snftitntion, wie fie im 3nf)i'e 1832, bem 2iobe§iaI)re 
@oett)e§, be§ ^egrünberb einer SBelititteratnr norbilbtid) 
ift. Oft gemtg nutzte Sofept) Sepmonn ben ©inftn^ 
biefeb ober jenes ©e^eimratS, gu beffen iReffortbie ,,SIÜ= 
gemeine ^reu^ifdie ©taotSgeitung" gehörte, oerfpüren. 
@0 würbe eS Öepmann gum Seit nnmöglid) gemacht, 
bebeutenbe geitgenoffen, wie ^einrict) .^eine, ©oriS, 8ung, 
fowie ben gangen ÄreiS ber bamatS aufgneltenben Sitte» 
ratnrftrömung, ber fiel) bei ;^enriette $erg berfgmmette, 
gur SRitarbeiterfdiaft bei’angngieljen. 

SSor allen ©ingen burfte baS 33tatt ni(bi§ foften, unb 
fo fepen wir benn, ba^ 12 :3at)re lang Sofepl) Sepmann 
faft ber eingige SRitarbeiter feines 93tatteS geblieben ift. 

®ie erften 23 ^a(bjaljrS=Sänbe tragen ben 95er= 
merf : ,,§erauSgegeben oon ber ©ppebition ber 3lltgemeinen 
^reit^if^en ©tdatSgeitmig, gebrntft bei § 2B. .^apn" 
Qofepl Seemann nennt ftd) erft in iRr. 13 beS Sal)r» 
gangS 1836 atS dtebafteur. Oer 5ßreiS beS StatteS ift 
ni(i)t nnbeträcbtlictr: prännmeranbo lojtet eS 22V2 ©Uber» 
grofefien oierteljöbrlid) ; in Slerlin abonnirte man in ber 
%pfbition ber „Sltlgemeinen ^renfeifdtien ©taatSgeitnng", 
SRöllrenftra^e 38. OaS 5Btatt füllte wöcpentlid) breimal 
erfd^eiuen, aber fdjon Üir. 34 nom 18. 3lpril bringt bie 
3?otig: „Oa fici^ ber für baS SRogagin beftimmte inter» 
effantere ©toff fo onpänft, ba^ bie regelmüBlQ fr» 
f(^einenben SRummern gur Slnfnaljme beSfelben ni^t auS» 
reicfien, fo werben wir Ijin nnb wieber, wenn eine 3Ser» 
anlgffung bagu ift, noc^ eine oierte fRummer wödientlid) 
ea’fd)einen loffen." , 3Rir fdbeint inbeffen Sofepp ßep» 
mgnri ber Söeigen ber Hoffnung gu üppig geblüt gu 
liaben. Oie 4. 3Bo(^ennnmmer ift tatfädjlid) nur 2 ober 
3 mal erfdE)ienen. ©er erfte Saljrgang, bei welchem ber 
fSRonat ^anufir fortfiel, l)fitte 145 IRummern, bie fpütern 
i^afirgänge dpben 156 ober 15? SRummern gepabt. 

@iu getreues 33ilb beS befdpeibenen guflanbeS, in bem 
fiep gu jeneu oormärglidieu SfHf« bie beutfipe 5j5ubligifttf 
befonb, liefert baS „flRogagiu für Sitteratur beS 3luS» 
laiibeS." Oie fRuiiimer entpält 4 ©eiten Ouartforwat. 
3luf biefen 8 fletuen ©patlen befinben fid) gewöpnlid) 3 
Slrtifel, nnb unter bem Oitel „SRonnigfaltigeS" eine fRubrif 
mit Keinen ÜRitteilungen. Originotarlifet finb wöprenb 
ber erften Sapre eine grope ©eltenpeit. Oie Sfngeige 
beS neuen euglifdjen 33uÄeS über f^riebriep ben ©rofeen 
felbft, _ mit welcher eine ^ulbigung oeS HönigS unb beS 
föniglicpen §aufeS beabfieptigt war, ift auS einer englifepen 
3eitung überfept. Oapintef folgt eine Sefpreepung eines 
frangöfifepen SieferungSwerfeS „Paris ou le livre des 
Cent-et-un“, bie auS bem Journal des Debats überfept 
ift; barouf unter ber ^^opfletfte „fßolen" bie Slngeige, bop 
in ber tSucpponblung uon ©rgegina it. @0. in Semberg 
fjSrgnumeratiouen auf ein 33iicp angenommen werben, baS 
bemnä(pft in Semberg erfepeint: ©pobeniefi, „Sepifon beS 
geleprten ^olenS". Oie IRnmmer f(ptiept ab mit 3 
„mannigfaltigen" IRotigen, bie fämtlicp auS ber Revue de 
Paris überfept finb. 

8lu(p bie ferneren Qaprgange palten an bem mintfteri» 
eüen Programm, fiep meift auf Ueberfepuiigen auSlän» 
bifdier Sitteratur gu befepränfen, feft. 2tuper ben Original» 
artifeln auS ber fjeber Sofepp SepmannS flpeiuen foldpe 
nur beffen perfönlicpe oon geil gn geit ge» 

liefert gu pabeu, bie gerne auf ein Honorar uergiepteten. 
Oem erften Originalartifel begegnen wir in fRr. 18. ©S 


ift eine fepr longatmige bitrip 6 fRummeru fiep pingiepenbe 
Oarfteflung beS ©aint=©imoniSmuS auS ber j^eber oon 
föiorip 3Seit. flRorip 3Seit pat fpnter noep gelegentliep 
einige immer burep übermäßige SluSfüprliepfeit fiep aus» 
geicpiienbe Stvtifel geliefert , fo über SerangerS lepte 
Sieber, über IRapoteonS 23riefe an Sofepne u f. w. 3SeitS 
Sßebeutung für baS äRagagin berupt niept in biefen ge» 
legenttiepen ©eilrägen , fonbern in ben unermüblicpen 
f^örberungen, bie er, ber reiepe 3)?ann, bem Slalte ange» 
bejpen ließ. IRacpbem fiep baS SRagagin 00m ©taals» 
Slngeiger getreniit patte, ging eS in feinen SSerlng über. 
3Som 24. iöanbe an erfepeint baS äRagagin im Verlage 
oon 3Seit u, 60. 9tuS SepmannS eigener erfdpeu 
nun in IRr. 48 beS QapreS 1834 ein eigener Strtifet über 
Ij’Europe litteraire. „gu ^unberttoufenbeu war üor 
mepreren äRoiiaten oon ^ariS eine 3lngeige oerfant 
worben, worin mit großem ^.jSomp eine noep nie bagewefene 
geitfeprift aiigefünbigt würbe. @in Journal warb oer» 
fprodjen, beffen aRittelpunft nid)t ^aris allein, fonbern 
alle europnifd)en .jpauptftäbte auf gleicpe SBeife fein füllten. 
Um biefen SRittelpunit aber füllte fiep bie gange übrige 
2Belt wie eine §ülfe um beu Sieptferu runben, beffeu 
äießej bie L’Europe litteraire fein wollte." 300 2lftionäre 
poben fiep je mit einer ©inlage oon 1000 jyranfen oer» 
einigt, um bem Unternepmen eine fefte SafiS gu geben, 
©ptpeftre be ©arciS, Dlotfcpilb, 3lrguabo unb ©pateaubrianb 
faßen im ©omitee. gofepp Sepniann ift für boS Unter» 
nepmen ooll geuer unb glamme, wenn er auep -bie erfte 
IRummer feparf fritifirt. 33oll ©ifer 1 oerfünbeE fr, was 
fiep über Oeutfdjlonb barin finbet. „§err .^eine giebt 
in 3 forlgefepten 3lrtifeln über bie beutfdje Sitteratur feit 
g'rau oou ©tael eine Ueberfiept beffen, was in Oeutfep» 
taub gefepepen ober unterblieben ift, feitbem biefe mäeptige 
f^rau ipren SanbSleuten guerft eine 3tuSfi(pt in bie nnbe» 
fannte Söelt beS benaepbarten OeutfcplonbS eröffnet pat. 
Oie oor unS tiegeuben 3 Slrtifel fcpeineti jeboep nur erft 
bie ©iuleitung gu bem ©äugen gu bilben, baS, wie bie 
geitung berieptet, bei ^eibeloff unb ©ampe in ^ariS als ein 
abgefcploffeneS SBerf in beutfeper ©praepe erfepeinen wirb." 

Sepmann fdpeut fiep niept, bie ^einefepen 3lrtifel 
einer giemlidp feparfen J?ritif gu untergiepen, obwol feilte 
feit feinen berliner Oagen unauSgefept bis gn feinem 
Oobe gu ben oereprteften.g’reunben SepmannS geporte. 
Sepmann ift entgüdt barüber, baß ber Oireftor beS neuen 
UnternepmenS feinen föUtarbeitern aHmonatlicp eine ,,eu» 
ropäifdpe ©oiree" mit „encpflopäbifcpem ©ffen" geben 
will. Oie geitfepriften bienen fo gewiß, fagt er, gnr 
SSerooKfommnung beS ©efipmadS, unb er fügt befd^eiben 
pingu: „3n ©eutfcplanb wirb biefe frangöfifepe äRobe wol 
fepwerliip fo halb nocpgeapmt werben. Unfere ^50urnale 
finb einfache f^ußgünger, bie langfam nur baS giel er» 
ftreben, wopin bie frangöfifepen gwar mit ©eepfen ga» 
loppiren, baS fie aber au(^ oft genug oerfeplen. 5laum 
wagt es unfer „äRagagin", fiip auep nur in bie iRäpe 
ber oornepmen „L’Europe litteraire“ gu rangiren. SBeit 
entfernt, fidp wie biefe gum Sournal oon unb für gang 
feropa madpen gu wollen, pat unfer „äRagagin" fidp bie 
befepeibene 3lufgabe geftellt, ber fleißigen Siene gleiip 
oon ben füßeften Slumen beS SluSlanbe's einigen .^onig 
für bie ^eimat gu gewinnen." Oie „Europe litteraire“ 
oerfeplte in ber Oaf ipr giel trop allen ©aloppirenS. 

©dpon in ber älummer bom 12. äRürg 1834 lefen 
wir folgenbe älotig: „L’Europe litteraire“, biefe geit» 
feprift pat nünniepr, naepbem fie ein Sapr lang auf jebe 
möglicpe äöeife, halb burep litterarifdp ©ebiegeneS, halb 
burdp politifdp ©ptraoaganteS ein ißublifum oergebenS gu 
erpafepen gefuept, gu erfepeinen aufgepört. 

(@in gtoeitei" SlftiW folgt.) 



5 


®o5 S^Jagajin für Stüergtur. 


67 


Itngebuuifte ^Hpl;oi?iömen. 

SSon 

jFriröricfi JSietsfcöe. 


3itt Seifte öom ©tü. 

]. 

®a§ erfte, ba§ not tut, ift Seben: bet ©iil foll 
leben. 

2 . ■ 

©er ©til foll btt angemeffen fein in §infic^t cmf 
eine gong beftinnnte Jßerfon, bet bn bic^ mitteilen loillft. 
(@efe^ bet bofogelten Ift e tot ton.) 

3. 

a)7an mnfe evft genou loiffen: „fo nnb fö würbe id) 
bie§ fprectjen nnb oortrogen" — beoor nion fcpreiben 
borf. ©(^reiben mu^ eine 97odfol)mnng fein. 

4. 

SBeit bein ©dpreibenben niete Sftittel be§ 33or= 
trogenben felften, fo imt^ er im allgemeinen eine fepr 
nugbrncfsnolte 8lrt non $ßortrog gnm 3Sorbilb hoben: 
bo§ 9lbbilb bonon, bo§ ©efctfriebene, wirb fcpon noü 
inenbig niet blöffer ousfollen. 

5. 

©er 97eict)tum on Seben nerrot fiep biirct) tfteictitum 
on ©ebörben. 3fton mit^ olle», Sänge nnb Mrge ber 
©ölje, bie Snterpnnftionen, bie 2Bofil ber SBorte, bie 
^onfen, bie 3teil)enfolge ber Sbvgnmenle — olS ©ebörben 
empfinben lernen. 

6 . 

SSorfii^t nor ber 5ßeriobe! ^eriobe poben nur 
bie S)7enfcpen ein tfteept, bie einen longen Sltem onep im 
©preepen poben. 33ei ben meiften ift bie if^eriobe eine 
3fffeftotion. 

7. 

©er ©tu foll bemeifen, bo^ mon on feine ©ebonfen 
gloubt, nnb fie niept nur benft fonberu empfinbet. 

8. 

3e obftrofter bie Sßoprpeit ift, bie mon tepren unft, 
um fo mepr mu^ mon erft bie ©inne gu ipr nerfiipren. 

9. 

©er ©oft be§ guten iprofoifev§ in ber 28opt feiner 
Sftittel beftept borin, bicpl on bie ©^oefie perongutreten, 
ober uiemolS gu ipr übergutreten. 

10 . 

©§ ift niept ortig unb fing, feinem Sefer bie 
lei(^teren ©inmänbe oorweggunepmen. ift fepr ortig 
unb fepr ftug, feinem Sefer gu überloffen, bie lepte 
Quinteffeng unferer 3Bei§peit felber ouSgufpreepen. 


Das tWaiga 3 in »on buei^ig 3al;rcn. 

aimi 

Ip. JFifcöer, 


ift nodp länger per ol^ breifeig Sopre, bofe idp 
Sftitorbeiter om Sftogogin würbe. Unb gwor opne mein 
SSorwiffen. ©eun mein ^reunb Seonpoi'b Sepfelbt, Sofepp 
Sepmon'ng ©cpwiegerfopn, potte einen Sirief, ben idp ipm 
im f^rüpjopr 1 86 1 ou§ ©otonio gefeprieben, im iOiogogin 
obbruefen loffen, weil ipm bie"33efdpreibung ber ©tobt 
unb ber Sonbfepoft befonberg gefoHen potte. 9ll§ id) ou§ 

' Stolien gurürffom, wor icp iöfitorbeiler be§ 3ftogogin§, 

©omol§ piefe e§ noep bo§ Sftogogin für bie Sitte» 
rotur be.» 3lu§lonbe§, unb e§ würbe üon Sofepp Sepmonn, 
' feinem Segrünber,, mit Umfi(^t unb Sinfepen gur f^örbe» 
ritng flor erfonnter', reiner gweefe geleitet, ©oetpe, beffen 
©obeSfopr bo§ ©eburtsfopr be§ i0jogogin§ ift, potte ipm 
oon Slnfong on bie iftidptung gewiefen: bie pflege ber 
Seltlitterotur in bem weiten unb popen ©inne, in bem 
■ ber greife ©idpterfürft biefe^ oon ipm felbft gefdpoffenen 
3Imteg gewaltet potte; ©idptung, ©ommlung unb 35er» 
breitung be§ ©üeptigen, grudptboren unb ©egrünbeten 
ou§ bem gefomten li'tterorifdpen ©dpoffen ber ©egenwort; 
bie Sfnnäperung ber noep ernften nno bouernben 3wten 
©trebenben unter ollen SSölfern; bie SluSgteiepung 
notiouoler ©egenfäpe unb 2lbneigungeu bei üoEer SBürbi» 
guug ber oolfetümtidpen 33efonberpeiten: bo§ woren bie 
2tufgoben, bie fiep bo§ Sftogogin unb feine Seiler geftellt 
patten, unb on benen mitguorbeiten oor breifeig Sopren 
fidp feber jüngere ober ältere Eftonn gur ©pre gerei($en 
loffen moepte. 

®em Slotte wie feinem wodferen ©rünber würbe 
mon bittereg Unre(pt ontun, wenn mon ipnen Wegen 
biefer unioerfeOen Iftidptnng Eftongel an 3Saterlonbggefüpl, 
on ^eimotgliebe, on tätigem ^otriotigmug gum SSorwurf 
modien woEte. Sofepp Sepmonn wor mit ooEem JBe» 
wufetfein ©eutfdper unb ^reufee; er roor oon ben popen 
Slufgoben, bie ißreufeen in ©eutfdplonb gu oollbringen 
potte, oufg ©ieffte burd)brungen , unb er pot fie, foweit 
in feinen Jiiräften ftonb, im üftogogin noeppottig unb 
unobläffig geförbert. 2lber _ er fowol wie ber S^reig 
feiner üftitorbeiter woren frei oon jener Uebertreibung 
beg iftotionolgefüplg, bie fiep, no(^ goEifepen Bftuftern, 
feit etwo gwongig Sopren oudp in ®eutf(plonb in ein» 
fettigem 3Sorfepren beg ©igenen unb bünfelpofter §erob= 
fepung beg f^^'emben geltenb gu modpen fuept. ©eutf(p= 
lonbg ©inpett gu erleben, ift bem löegrünber beg ilftogoging 
olg ©rfüEung feiner peifeeften Söunfdpe erf(pieneu: ber 
©pouoinigmug, ber fidp im nenen beutfepen ifteiepe unter 
bem jüngeren ®ef(pledpt pin unb wieber funbgiebt, pätte 
feinen fepärferen ©egner gefunben olg ipn. 

^reilicp pätte oor breifeig Sopren foum jemonb für 
mögli(p gepolten, bofe notionole ©egenfäpe bie Üftenf^» 
peit nod) einmol mit fold) onpoltenb trennenber ©ewolt 
ougeinonber reifeen follten, wie bieg mitguerteben unfer 
©dpidfol ift. ©dpon bomolg wor für jeben Unbefongenen 
erfennbor, bofe bie nnbebingt notwenbige SUtgeinonber» 
fepung gwifepen ben beiben 3Sormädpten ©eutfcplonbg 
niept tm SBege ber ©üte, fonbern biircp bie ©ewolt ber 
SiBoffen erfolgen müffe; fdpärfer SEidenbe moepten opneri, 
bofe ©eutfdplonb feine ©tnpeit bemnädpft oudp bem Slug» 
lonbe gegenüber mit bem ©dpwerte gu befräUigen pobeu 
werbe. 2tber ouf ben Slbgrunb oon $ofe, ber fiep noep 
bem beutfep = frongöfifepen ifriege gegen bog fiegreiepe 
©eutfdplonb im SBeften nnb im Dften oufgeton pot, ift 
niemonb gefofet gewefen, unb feiner oon ben üftitorbeitern 
unb ©efinnungggenoffen beg Sftogoging pot opne ©cpmerg 


68 


®oS IKagajtn fftt Siiteroittt. 


Rt. 5 


biefen 3lbgrutib fidp ouftun gefe^en. Sp S« fd^Iie^en, 
ol^ne bie gurten eine§ 9SöIferJriege§ üon neuem gu ent» 
feffetn, i[t bie groge, oon beren Söfung ber gortbeftonb 
ber eurotiaifd^ett ginilifation abpngt. 

3Bie ber ber SSötfer nntereinananber, fo ^at 
au(^ ouf bem (Sebiete be§ retigiöfen SebenS ber SBiber» 
ftreit ber ^onfefftonen eine ©d^orfe erreid^t, bie öor 
brei^ig gahren aEgemein §u ben glüifti(| übertnun» 
benen ©tanDt)unften gegäblt werben burfte. 9Bo ift bie 
©tabt, wo nodb @oetbe§ bebagtidbem SBort, 

Rarität 

in ber alten Orbung ftel^t, 
too fid^ nätnlij^ ^atl^oltfen 
Unb ^roteftanten in einanber fd^idfen? 

®ogma üon ber |>äpfttidben Unfeblbarfeit auf 
ber einen ©eite, ber Äulturtampf ouf ber onbern hoben 
eine ©radbenfoat oon Unbutbfomfeit au^geftreut, beren 
3lu§rottung ben greunben friebti(ber ©eifte^fompfe auf 
gabrgebnte hinaus fdbwer gu f(haffen giebt. Unter bem 
öerfdbämten ©ecfmontet beS SlntifemitiSmuS erhebt ber 
Elaffenhah, ber bie gubenoerfotgungen beS SttittetotterS 
entgünbete, aufS neue fein ftruppigeS ^aupt. ©ogor ber 
ganotiSmuS beS ^albmonbeS hat im 8lufftonbe beS 
3Kahbi eine (Erneuerung erlebt, beren tiefgreifeiibe 9tadb= 
wirfungert baS 3Sölfergewirr be§ fdbwargen (Erbteils, um 
beffen &f(hliehung unb 33efthergreifung bie ^Julturoölfer 
@urof)aS im Sföettftreit begriffen finb, oon einem Dgean 
bis gum onbern burdhgittern. 

@nbli(h bie fogiolen (^egenföhe. 9llS oor breifeig 
Sohren SoffoEe bie 2lrbeiterbotoiEone gu orgonifiren oh» 
fing, bo burfte mon hoffen, boh feine Srrlehren an bem 
gefunben ©inne ber orbeitenben Moffen fdheitern würben, 
©einen 5Eodhfolgern ift eS gelungen, bie J^luft gwifdt)en 
ben SBefi^enben unb 33efihlofen ouf boS IBebrohlidhfte gu 
erweitern unb einen ^toffenhoh gu entnommen, ber bie 
ßlrunblogen unferer 5?ultur geföhrbet. 

39ei fo tieferf(hütternben älenberungen beS holitifthen, 
beS religiöfen unb beS fogiolen guftonbeS — ift eS gu 
üerwunbern, boh bie öitterotur, in ber biefe guftönbe 
fidh wieberfoiegeln, feit brei^ig Sohren fich ebenfoES 
grünblidh oerönbert hat? 9Ktr ift neulich t« befreunbe» 
tem j^reife bie groge gefteEt worben, woS Sofebh Seh= 
monn wol gu bem heuEgen 3Kogogin unb feiner Etidhtung 
fugen würbe. Ohne gu wiffen, boh idh bolb _ borouf 
eingeloben werben würbe, noch fo longer 3eit midh wie» 
ber im aJiogogin oernehmen gü loffen, habe ich oEf« 
groge bohitt beontwortet, boh Sofeph Sehmonn fich 
foES bemüht hoben würbe, bie wirtlich oorhonbenen 
(Stimmen unb ©trömungen ber (Segenwort, ob fie ihm 
gefoEen mochten ober nicht, im fEtogogin gur StuSf^rodhe 
gu bringen. @r würbe, wenn bie neuen ober bie neueften 
bieS louter unb guoerfidhtticher geton hälE« als wir 
Olten, uns bomit getröftet haben, boh wir eben auch 
mol jung unb guoerfichtli^ gewefen finb. (Er würbe 
ebenfo treffenb ben SSortführern feber Etichtung, bie ouf 
WEeinberechtigung Elnfpruch mocht, gugerufen haben: 

^nx tnufe ber ^norr ben Knubben pbfd^ bertragen; 

3^ur muft ein ©tbfeld^en nid^t bernteffen, 

^a^ e^ aEein ber (^rbe nid^t entf^offen. 

@in beffereS 3®ort wüfte ich t»em fTOagogin on feinem 
heutigen eh^-'f^toge nicht gugurufen. Ecicht burdt) bie 
Vertretung einfeitiger Eiichtungen in bem (SeifteSleben 
ber Vötfer hat boS SElogogin fich 3W«, EKenf^enolter 
hinburdh (Sehör terfdhafft unb (Einfluß geübt, nicht burdh 
bie Vetonung beS brennenben, beS polemifchen (Elements 
hot eS fich fo tange geit hinburdh frifch unb bei Slnfehen 
erholten. Sn unferer Seit, in ber ouf ben widhtigften 
SebenSgebieten bie (Segenföhe fich fdhroffer unb unber» 
föhnter gegenüber ftehen otS feit longe, tut eS on einem 


Orgone ber Sitterotur, boS fich bie ©Ommlung beS 
bouernb S:üchtigen unb grudhtboren gur Etufgobe ftellt unb 
boburdh gur Ausgleichung biefer (Segenfohe beiträgt, 
hoppelt not. 



mte 6ppü(^e in neuen l^einien 

33cm 

Äan'e Ctiner^^fdjenüari). 

.^ötte ber Eteidhe ein gorleS (Sewiffen, 
(Schwerlich behogf ihm ein foftborer Viffen. 

¥ 

@in ^eiliger, wenn noch fo fEin, 

@r wiE fein eignes Äergelein. 

¥ 

©ich beS Unrechts wehren 
AEegeit bringt ©h^'fn. 

¥ 

@in SEgetftein, ber fliegt oom ®odh, 

®S Ewgt ein Vlümchen in ben Vodh, 

©in guter ©infoE in beu ^opf 
Auch mondhmol einem ormen Siropf. 

¥ 

3BoS noch fo fein ^h^ofophie gefponnen, 

S)oS bringt bie 5ßoefie onS Sicht ber ©onnen. 

¥ 

Sn biefer »oeiten SBett 
5?ein l^ünftler ift, fein ^elb, 

S)em nidbt ber eigne Eiuhm 
®oS hödhfte Heiligtum. 


I$5i— j$gr. 

io SöAMiÄ »o8 <t« 

SSon 

jFrUs Äflutfiner. 


®oS Vfogogin für bie Sitterotur beS AuSlonbeS 
brodpte feine erfte Aummer foft genou gur felbeu Seit, 
bo (Soelhe ftorb. Siurdh biefeS Snfommentreffen erholt 
bie groge oEgemeiue Vebeutung : wie ftonb eS um bie 
beutfhe Sitterotur etwo um boS Sohr 1832? SBeldpe 
©chriftfteEer oernohmen bomolS, bog ber wunberbore 
©reis geftorben fei unb ber Ä5elt bie orphifchen Etötfel» 
Worte beS gweiten gouft hinterloffen habe? 

2Ber ben merfwürbigen erften Vonb beS SKogoginS 
burchblöttert, wirb ouf fotdhe grogen feine Antwort finben 


69 



®o§ StJagajin für Sitleratur. 


9tuc^ barin seipt ftd) ber fefte ©ijarafter be§ $erou§ge£)er§, 
bafe er mit feiner Sinie non feinem $itel:pro 9 romm ab» 
wei(f)t. JRnr oon ber Sitteratnr be§ StuSlanbeS ift bie 
fftebe. Sßir lefen fc^on bie ?iamen ©ooper unb Söultoer, 
mir merben immer mieber an ®atter @cott, ©^nteanbrianb 
unb Samartine erinnert; mir erfahren oon ben großen 
©rfolgen SSictor $itgo§, nnb bo^ ©cribe feine Sljeater» 
flüife in smölf Sänben gefammelt Ifabe. lieber aEe§ 
lenktet ber S^lame Sorb' Sljron, beffen SBerfe erft 
bamat§ in einer ©efamtauSgabe erfd^ienen. ®er ®ng» 
länber, für melt^en ber greife ®oetf)e fcbmärmte, fo oft 
fein balb erhabener, halb biütomotifcfier Quieti§mu§ i^n 
3 um ©dtmärmen fommeii Iie§, Sorb Sti^on erfdtiien al§ 
ber 3)ieffia§ ber fßoefie. SBer aber im erften Sof)rgü6g 
be§ SHagagin aufmerffam lieft, bem tritt hinter ben litte» 
rariict)en Rümpfen bie neue üitdE) in fogialen Bügen 
entgegen. ®ie erfte ©ifenbatjn füürt gum ©taunen ber 
poetifcpen fTOitmeU aTfenfdE)en nnb SBaren oon einer eng» 
lifctjen ©tabt gur anbern nnb oerfprid)t bie ©leidftjeit 
gmifcften SSolf nnb SSolf, gmifi^en ©tabt nnb Sanb per» 
gnfteÜen; nnb gleii^geitig ift meftlidbe Europa erfüllt 
oon ben , fpmmnniftifdben ßepren be§ ©t. ©imoni§mn§. 
fBon beu 'folgen ber Sulireoolntion ift in ben flattern 
bie atebe, ' nicpt oon ©oelüeS 2:obe. 

aiod) ein anberer SRonn mar fnrg oorper geftorben, 
^egel, nnb ber patte bie ^öpfe bocp nodp gang anberS 
beperrfdpt at§ ©oetpe. S)enn ber fßoet ftiftet feine ©dpnle, 
bie ©taaföppitofoppie §egel§ aber mnrbe aüer £)rten ge» 
prebigt. ©o fepr anf fßolitif geftellt mar nnn aber bei 
©oetpeS nnb $egel§ Sobe bie SBelt, baü fomol bie 
bentfdpen ®icpter, bie fiep anf ©oetpe beriefen, atö au(p 
bie Senfer, bie mirfliep ^egel§ ©cpüler moren, balb in 
eine romantifepe, geitlofe, nnb in eine moberne liberale 
©nippe gerfielen. 3Kir paben e§ pier mit ben ©enfern 
nnb ©eteprien niept gn tun. 9lnr eine leife ©rinnernng, 
bafe bamal§ fRottetf nnb Sßelferö Sßeltgefcpicpte nnb bolb 
ancl) ipr ©taatslepifon fo fepr für ben Sürgerftmib 
©oangelium mar mie pente ber Seitartifel be§ fßart'eiblottö, 
nnb ba| bie .^egelfcpe ^pilofoppie ani^ ben beften iprer 
Beit al§ ber nnüberfteigbare ©ipfel menfcplicpen ©enfen§ 
erfipien. 0focp lebte ber fünfnnbgmangigjüprige f8if(per 
al§ aiepeteiit in ©cpmaben iinb fepmor anf $egel, nnb ber 
oierniibgmangigjäprige ©aoib ©tran^, menn er aiicp gerabe 
bamalS in Berlin beim alten ©dpleiermadper aufpordpte, 
oerliefte fiep atg .^egelianer in ba§ öeben Sefn. Seibe 
apnten nod) niept, bap fie fiep bereinft mit einem fßpilo» 
foppen namens ©epopenpaner au§einanbergnfepen paben 
mürben, ber eben oor ber ©polera, ber SDlörberin be§ oer» 
paßten fpegel, naep f^ranffnrt ciitflopen mar, beffen §aupt» 
merf, pente ein .^anptferment aEer enropüifcpen Sitteratnr, 
bamal§ oöEig nngefannt, feit oiergepn Sapreii ben Saben 
oon ©roifpanS pütete. ©oetpe mar tot, aber noep gang 
aiibere Seute al§ ©efermann maren am Seben. 

©in fKnfenalnianad) für ba§ 3opr 1832 liegt oor 
mir. 2lEe§ ma§ freitepl nnb fleiiept anf bem fogenannten 
fßarnap, ift ba bei einanber, mie in einer fitrglebigen 
ÜJfoiiatsfcprift oon pente. EHerfmürbig freiliep: ber fRaban» 
nmeper ift feiner oon ben jüngften, fonbern ber fünfimb» 
fecligigjäprige Stngnft 2öilpelm oon ©cplegel, ber mit aflen 
]üngeren B^iig^iioffen anbinbet nnb namentlicp gegen ben 
©cpütten ©cpiüerg niiblutige §iebe füprt. Regelet nnb 
Stlepanbrini§mng, gefcpaftlicpe nnb politifcpe ©epreiberei 
fommen fepon gnni ^nnbfiiü. 

©in par befonnte Flamen merben ein Silb ber B^ü 
geben aiütfert (44 Qapr alt) fdprieb feine geparnifipten 
©onette mepr, fonbern trieb ipinefifcpe ©pielereien, mie 
pente bie S^rüber ©onconrt noip Sopon flüepten. ©ein 
ailterSgenoffe ©iepenborff ging naep 33erlin nnb fang niept 


mepr oiel. Uplanb, nur ein Sopr älter, trieb ©ermaniftif 
unb erlebte bie feep^te Sluflage feiner ©ebiepte. Snftinn§ 
ferner, fecp§unboiergig 3apre olt, blieb bei feiner ©eperin 
oon ^^reooft. aSon äRöridfe fpradp noip niemanb, oon 
^laten pörte man langfam auf git fpredpen. Sngmifepen 
fpornte bie fronfelnbe fftapel jüngere ©idpter gu Sßerfen 
einer gang onberen ©onart. 

Bmei grope ©romatifer lebten in 2Bien: ©riEparger 
unb ataimunb. ©riEpargerS Slpnfrau erlebte eben bie 
fünfte atuflage. ©eine jüngften unb reifften SSerfe aber 
patten ipn unb bie SRitmelt entgrceit. ©r ergab fiep ber 
©infamfeit nnb blieb aEein; man fannte ipn niept. 
ataimmibs Boit^’wpoffen mnrben überaE gefpielt, bodp 
niemanb napm ben ©i(pter ernft; ben aSerfepmenber foEte 
er no(p fepreiben, beoor er fureptbar ftarb. 

©ie aEegeit biefelbigen patten anbere 

Sieblinge. ©a ©oetpe ftarb unb .^egel ftarb, la§ man 
ÜberaE bie gefammelten ©dpriften ber Sopanna ©ipopen» 
poner, ber grennbin ©oetpe§, ber SRntter 8trtpnr§; unb 
ber fßpitofopp ladpte fepr pietätlos. 3n§ Speater aber 
lief man gu fRaupaep. ERan nannte ba§ bamal§ §open» 
ftaufen=J!ragöbien. ©ie ERarf mar nodp niipt in ERobe. 

©a§ maren bie Slnerfannten, ba§ mar ber Sefeftoff 
für bie Snngfrauen unb für bie SRenge. aSer mit ber 
Beit fortgef^ritten mar, lag §eine nnb 5Bönie. Selbe 
maren näip 5ßari§ gegangen, ©er adptunboiergigjäprige 
Sörne foiinte bereits feine gefammelten ©epriften perauS» 
geben nnb feuerte feine fanatifepen ©pifteln mie Sranb» 
rafeten über ben fRpein perüber. §eine patte oor fünf 
Sapren ba§ Sitci) ber Sieber oeroffenttidpt; er ging bitrdp» 
ous mit bem Baprpnnbert, 1832 feprieb aiidp er parifer 
Sriefe. ©ein älterer Smmermann potte fiep felbft 

nodp nidpt entbeeft; im Qapre beS gmeiien g^üuft gab er 
feinen fanftifipen SRerlin pcraiiS. ©rabbe patte feinen 
fRapoleon gefdprieben. 

§eine unb Sörne maren oben auf. 3Ber aber genauer 
pinfap, ber merfte fidp fepon einige neue fRamen.' ©raf 
äluergperg (2lnaftofiuS ©rün) begann politifipe 5ßartei» 
Iprif gn biepten, ein Slnfünbiger ber eifernen Seripen. 
©er fedpSunbgroangigjäprige Sanbe fndpte bitrdp politifipe 
Sriefe oon fiep reben gn maepen, ber einunbgmangigjäprige 
©upfom burd) aEerlei ©prünge. ©peobor SRunbt, ber 
bemnäepftige OffigiofuS beS jungen ©entfdplonb, fipreibt 
für ben erften 3oprgang be§ SRagagin. Salb foEte ber 
SunbeStag ben jüngften gum Urange ber flRärlprer oer» 
pelfen; ftatt SnnbeStag fagen mir pente mol ©taots» 
anmalt. 

§aben mir fo baS Silb gegenmärtig, ba§ bie beutfepe 
Sitteratnr naep ©oetpe’S ©obe bot, fo begreifen mir beffer 
bie bebeutenben ERänner, meldpe bamolS einen großen 
Sunft pinter bie ©efdpiepte ber ©id)tung madpteii, ba§ 
©emomiene fammelten unb neue ©runblogen für baS 
bürgerlidpe Seben fuepten. aSaS Safob ©rimm für feine 
fßerfon tat, inbem er bie Sergangenpeit oon ©praepe unb 
äRptpologie biirepforfepte, ober gugleiip männlidp ben po» 
litifepen Äampf ber ©egenmart für bie Bitfwnft oitfnapm, 
baS madpte ©eroinnS gteidpgeitig in bem berühmten 
©eplußfapitel feiner an perföiilicper J^raft unübertroffenen 
Sitteroturgefepiepte gum ©runbfap. 3Rit ©oetpeS aSorten, 
ber in fidp felbft bie SoEenbitng fap unb barum ba§ 
©nbe münicpte, forberte ©eroiimS eine Sradpegeit für bie 
^oefie. ©er ©eminn ber fReformotion fei oerloren ge» 
gangen, meil burep, brei Saprpunberte anftatt eepter fReli» 
giofität tpeologifdper EReepanigmuS gepflegt mürbe, barüber 
merbe fein ©treit fein, „aiber noep öiel meniger foEte 
pente ein B®£(frf barüber fein fönnen, baß unfere 5J5oefie 
gang nnb oöEig anf bem aSege begriffen ift, auf bem 
bamatg bie aieligion ing aßüfte nnb aSSilbe geriet, ©enn 



70 


®aS SKagajin füt Sttteralut. 


97r. 5 


gang Ijalien wir !^i«r t>ie ©djwelgcrei and) im poetifd^en 
Sefien, gong bie SRigbröndje be§ 5)?eci^ani§nm§, gang bie 
nu^Iofe iftioalitat unb bie Oemcinbeit nnb iftobeit ber 
ftreitenben ©eften, unb unter ben §önben jener banan= 
[tfdiOT 2^od)männer, bei benen bie (Seniatitdt unb Drigi= 
nalitdt ba§ §anbwerf§geid)en ift, wetdbeS beniS3eruf eben» 
jo betätigen nnb i^enntnis, $erg unb ®eift ebenjo erje^en 
joH, wie' einjt bie Drtbobojie unter ben S;i)eotogen: unter 
ibreu ^änben gebt ber edbte |)oetij(be @i«n «nb ber reine 
^unfttrieb ebenjo oertoren wie bort bie ^Religion." ©er» 
oinu§ jebnt ficb nach einer Itmwätgung. ®er SRame be» 
jungen ®eutjd)Ianb jei gu einem ©felnamen geworben; 
ober ein j)oIitijd)e§ junge§ S)eutjd)lanb tue oEen inniglidb 
not. „SRon b<ib« ben SRut, bo§ gelb eine Sßeite brod) 
liegeji gu taffen unb ben ©runb unjerer öffentlicben SSer» 
bältniffe, auf bem oEe§ wurgelt, wa§ ein 9SoIf b^oor» 
bringen foE, nur gu befteEen, unb wenn e§ fein mu^ 
umguroben, unb eine neue ©idbtung wirb bann möglid) 
werben, bie audb einem reifen ©eifte ©enüffe bieten 
wirb." 

®ie 9Sorau§jebung be§ $iftorifer§ ift longft erfüEt, 
ber ©runb ift umgerobet. 2Ba§ audb bie Parteien oer» 
miffen mögen, ber Sutber ber Etegierungen t)f>t feine 
Strbeit ooEbraebt, 33i§mor(f bat genou wie griebridb ber 
©roge ein geiftige§ Seben mögticb gemad;t, at§ er nur 
botitijcb eingufei|en unb gu bauen oermeinte. 953er no(^ 
in ®eutj(5blanb fünftterijdbeS ©mpftnben befibt, wirb 
barum — unb mag er fonft gu äußerft auf ber redbteu 
ober ber tinfen ©eite fteben — ot§ @jel§buftritte erfennen, 
wa§ bie oermeiutticben ©treitroffe ber Parteien gu ©taube 
bringen. iRocb ba^en 'i’W feine neue nationate 23tüte, 
aber wir haben jeit mehr atö gwangig ^abren einen 
nationalen 58oben. ®ie i^er ^ro(be fönnte oor» 
über fein. 

jffioEeu wir nun bie Kämpfe ber ©egen wart oer» 
fteben, an benen wir un§ oft lebhaft, noch öfter mit einiger 
©fepfi§ beteiligen, jo tun wir gut , ber geit noch ©oetbeS 
$obe gu gebenfeu. $atte ©eroimtS etwa ui^t re^t, oK 
er bie ßaube unb ©u^fow für recht mittetmä|ige Siebter 
anjab? $otte er etwa nidit recht, at§ er bie 'tommenbe 
©eneration auf politifi^e Sätigfeit biawieS? Stber auch 
er war wie jebermann in feiner Seit befangen, ©r obnte 
nicht bie 93ebeutung ©riEpargerS, er wufete ni(bt, bog 
^eine bem eblen Ubtanb gum minbeften ebenbürtig war. 
So ftanben fie oEe nebeneinonber auf bem Südbermarft, 
Sörne unb jRütfert, @. %. 91. §offmann unb 9tlejanber 
oon §umbotbt, iRaubacb unb ©robbe. 9Serjcbiebene ©ene» 
rotionen nebeneinonber, gong wie beide. Ünb ba§ gelb» 
gefdbrei war bei ben einen bie ewige Uunftform, ba§ 
©ejeg unb griedbifebe Morbeit, bei ben onbern, ben 
güngften: ^rojo, 953obrbeit, ©mangipation, ©mangipation 
ber Golfer unb ©mongipotion be§ gteijd)e§, ber ber Subeu 
gang gu gefebweigen. ©bae S'aeifel waren bie oom jungen 
Seutjf^tonb bie SRoberneren, für nn§ bie stöberen. 9Bir 
haben fie noch perjönticb gefonnt ober mit ihnen in 93rief» 
wedbjet geftanben; bodb tejen wir beute noc| Ubtonb mit 
reinem ©enug unb ßaube längft nidbt mehr, ^einridb 
§eine aber, weit er eine 5ßerjönli(^feit wor, wirft faft 
noch wie ein ßebenbiger. 953er ift beute uider ben 9f(ten 
edbt wie Ubtanb, wer oon ben Süngften ein ©roger wie 
§eine? gm S:age§ftreite oerwerfen wir wot ben einen 
unb beben ben anberen auf ben ©dbitb; ein jRüdblicf 
aber ma(bt oorfidbtig im 9ln§blicf, unb onftatt ein ^ro» 
gramm on einen 9famen gu fnüpfen, wirb e§ bejonneu 
fein, ben ©egenfag ber 9ltten unb ber gungen in grogen 
Sügen feftgubatten, um bann rubigjogen gu föunnen: in 
biejem ©inne gobten wir un§ gu ben gungen unb erwarten 
ba§ junge latent, ba§ ber toft ber litten minbeften§ 
gleicbftebt. 


3u ben 9llten gehören gewig auch bie banaufijeben 
gadbmönner, bie bie Si^tfmift gelernt haben wie mittel» 
mögige 3Rater ba§ 3RoIeu. Soeb gu ben 9llten gehören 
au(^ äRänner, wetd)e bie beutjebe Sidbtfunft mit neuem 
ßebenSgebalte füEten, welche entweber ba§ ^j^biliftertum 
ober bte geigbeit au§ bem beutj($en 93ürgertum mtggu» 
treiben fu(^ten, unb welche biftorijeb oom jungen Seutjdj» 
lonb gum 3feati§mu§ unjerer S5age beräberfübrten. Sa» 
gegen gibt e§ unter unfern güngft^i eine lörmenbe ©cbor, 
bie eine neue 95tüte3iperiobe bwaufgufübreu glaubt, wenn 
fie in teebnijeben grogen unb in ber 953abt ber poetijeben 
©toffe fidb pebantijcb für eine neue 9lrt entjdbeibet. ©8 
giebt eineu pebantijd)en 9labifali§mu8, e8 giebt eine pebon» 
tijebe Unanftänbigfeit. Sie ©ebutübungen ber einen, wie 
bie langweiligen Säten ber anberen werben nid)t longe 
auf ber ©berfläcbe bleiben. 95Bo8 aber bie bebeutenbften 
■Ealente, bie jegt etwa breigig gagre alt finb, oon ben 
©eeb^gig jährigen unter jdbeibet, unflar noch unb mit nn» 
glei^er ©tärfe, bo8 ift eiii8: in ©toffwabt unb !Jed)nif, 
in ©timmung unb 2!enbeng wiE fidj eine ©inl)eit unjerer 
953ettanjibauung Ißabn bredien. 

9Beltanjcbaiiung ! ga, wer fie in fegen Umriffen 
barreiegen fönnte wie man ein ©lo8 93ier oorgejetjt be» 
fommt! ©ie ift nicht fogbor. ©ie trägt un8‘, nnb fie 
brüdt un8, fie umgibt un§ oon oEen ©eiten, nnb fie 
ftrömt ou8 un8 b^raug, fie fegt fid) ang 9Biberjprücbeii 
gitjammen, unb bod) empfinben wir fie ol8 ©inbeit- 955er 
wiE ber mobernen 9Beltanjcbauung bie eiiblicbe gorm 
geben? Sie geit ber i^irege ift oorbei. Sie 953iffenj^aft 
fann bie gorm niegt geben, beim fie ift igrem 9Bejen nadg 
formlos; waS fieg in gabrgegnte tanger 9Irbeit gum 
Sarwini§muS gu oerbii^ten jegien, ba§ iöft ficb buvd) bie 
güEe beS ©toffeS langjam wieber auf. Sie 95Biffeiijcbaft 
bat noch nie bie legten grogen beantwortet; fie bat bie 
grogen nur immer feiner unb ftüger gefteEt. 9tudb bie 
Glitte ber 953iffeuji^aft, bie ^bitojogbie ig ogiimäditig, 
unjere gange 953ettanjdbauung gu formen; beim in ber 
SSeltonj^auung ift ©timmung entgatten, unb bie ifsgilo» 
jopgie mit igrem fdgwaegen iföerfgeug, mit ber ©prad}e, 
foim immer nur ©inS auf einmol jo'gen, ba§ 0beu ober 
baS Unten fann nur auf einem ber 5ßole geben. 9lud) 
ber aEmädgtige ©taat ift unfähig, feinem 955ejen nodg 
unfähig, neife 95Beltanjdjauung gü formen. Ser ©taat 
bringt eS fertig, ben 9luflöjer oEer Sogmen on feine goge 
©egute gu berufen, unb ben ßinberuntm'idbt an ben alten 
©tauben auSgutiefern. Söcg aueg ber rabifalfte ©taot ift 
nidgt im ©tanbe, mit ben breiten SRoffen bie ©praegen 
ber oberen S5aujenb gu reben. 

Sie neue S53eltnnji^auung fann nur oon ber 5funft 
ber Safunft geformt werben, in ©pradge geformt nur oon 
bem fommenben Siegter. ©in froger ©rüg gebügrt jebein, 
ber bie Hoffnung auf fein balbigcS ©rjegeineu neu belebt. 
9Bir fönnen jebm eingelneu neuen 9Rann fritifireu, niegt 
aber unfern ©lauben an ign- 0b wir in unjeren $off= 
nungen irrten ober nidgt, wirb ein fünftiger iegter mit ber 
Ueberlegengeit eines neuen ©eji^tedgteS gu entjdgeiben 
gaben. Unb baS gwangigfte Sabrgunbert wirb, baS 
toffen bie jungen 9Sortäufer jcgoit agnen, furdgtbar über» 
legen fein. 



5 


®o§ SMaga^tn für Eitterater. 


i 

i 1 


2i)V (Baft. 

^on 

jfrieöriL'ö ^jpielö^igen» 


@0 bin ict) benn nun anä) tbr ®aft gcn)e}en! 

3nm erften SRaH bieß „in fleinein Sreife'' — 
ffion SDoincn nnb bon Herren an^erlefen. 

©ie mad}te bie §onnenr§ in ihrer SBeife: 

©0 lieb nnb l)oIb, fo gütig, nedifcbf sierlid), — 

SDer ^tnrnnt (Göttin U)ürbe fie beneiben; 

Sbr ©pred^en, Sücbetn, gätbetn fo maniertid), — 
SDran tonnen 9 tug nnb öbr nid}t fatt fid) tneiben. 

©ie ijinQQn micb ön it)r mit 2tug nnb Dbren, 

^ie bietgejd)öftgen inngen SJaoatiere; 

(£§ ging fein 2Bort, fein 93 fid bon ibr berloren; 

©ie tninfte einem, nnb e§ tarnen biere, 

®ie DIotenblätter eifrig ibr 51t tnenben, 

^t(§ fpäter an ben gfügef fie fi^ fe^te 
Unb fnnftbott mit ben fteinen meinen ^änben 
^ie Saften rnbrte nnb bie $iörer lebte. 

fte geenbet: braba! bitttntfifcb gotftkb! 

©rfcboEt e§ ba becent bon allen ©eiten. 

©ie banfte gnabig, {uft ein menig fpöttfid), 

Unb bat ben §errn S 3 aron fie ^u begleiten 

3fnf feiner Siofine. Sa§ ftang prcidbttg: 

®n funger SRann bon ^meifeffofen ®aben. 

Unb bann, mie oft tnof mod)t er tagg nnb nöcbtig 
Sag ©tüd geübt für biefen Sbenb höben ! 

Unb itbl 9 )fein ®ott, ich ftanb ba in ber ©den 
Sroftlog berfaffen, mie ein ©tein am SBege; 

9 lnr bab ben ©tein nid)t böfe Srüume fcbreden, 

9 ^nr baß ein ©tein nid}t ^abtt beg ^er^eng ©d)füge, 

©0 bitmpf nnb bang. 5 Id) böfe, füfse Sränme, 
SSarnm fnd)t if)r mid) beim an biefer ©tefte, 

^ier, too mir atteg prebigt: it)r jeib ©d)öume, 
Ser^ilternb in ber Sranbnng füber ^elle. — 

Ser lebte Sön beg Sno mar berffnngen; 

Ser Steuer tarn mit Sbee nnb Butter fd)uitten. . 

3dj glaube andb, eg marb bann nod^ gefungen; 

SWicb aber bat eg länger nicht gelitten. 

gd) trat ^u ihr, nnb fähfingg fie erbleid)te, 

Unb fd)mer^ficb pdte eg um ihre Sippen, 

5 (tg fie 5nm ^(bfdbieb mir bie §anb nun reidbte. 

5 fRir hämmerte bag §erj mitb an bie Stippen, 

Sod) ruhig fagte fie: SBegbatb fo zeitig? 

Sebanbetn ©ie fo fühl ftetg bie SSefannten? 

Sod) ftnb ©ie mof Perfagt nodb anbermeitig. 

Au revoir beim mffifcb^^ ©efanten! — 

Au revoir! — Sa ftanb ich auf ber ©affe 
Unb bin in mifbeg äBeinen anggebrod)en. 

Son oben batg ber 9 Konb gefebn, ber blaffe, 

Unb bat in fdbmar^e SBolfen fidb Perfrod)en. 

@r moHte nidbt gemahnt fein an bie ©tnnben, 

Sa frennblicb er gelendbtet nnferm ©lüde; — 

Sie felgen ©tnnben, bie babingefcbmnnben, 

Unb bie fein gütger ©oft nng bringt prüde. 


3ofepl; fcl;wattn unb 1)Cine. 

SSon 

«ßuttflü lUflrjjelEg. 


l?olleciiitm be§ 5ßI)ilofof3l)en §egel ift i^ii @nbe. 
Unter ben ©d/nrcn innger ©tiibPnten, bie ben .^pörfnl 
üerlaffen, feffetn nu§ nor allem ^wei (Ivfclfeimthgen, ein 
fleiner blonber nnb ein mitfelgrofeer fdiniarjlforiger 3itng» 
ling, bie befonber§ 'eifrig über bie Sflfefen biSfiutiren, 
weiche ber große ^IfilofopI) eben mieber aufgefteEt ßot. 
©in Silj be§ fleinen blonben beenbigt bie ©igpntotion. 
®ann fcßntteln fie ficß frennblicß bie §änbe nnb geßen 
anSeinanber. ®er eine biefer beiben f)I)ilofof)ßiebefIiffenen 
Snnglinge ßeißt — $orri) kleine, ber anbere — Sofepl) 
üelfinann, öon bein bente, ba feine §anf)tfcbopfnng tbren 
fed)gigften ®ebnrt§tag feiert, ba§ weitere bie 3lebe fein 
foE. iDiancljerlei Ijaben biefe beiben Jünglinge gemein« 
fam: ba§ religiöfe 93efenntni§, bie gleiclje Siebe nnb ben 
gleicfjen Slbneignng gegen' ba§ Comptoir, bem 

fie eben entlaufen, nnb bie gnneignng für bie SBiffen« 
fcfioft, ber fie gugefcfimoren, enblid) bie ’ftiBe Siebe gn ber 
^^oefie, ber fie in oertranten ©tnnben ipre Dpfer bar« 
bringen. 9tber ma§ fie trennt, ift biefe?: ber eine ift ein 
latent, ber anbere ein ©Ijorafter. ^•t’ür ift bie ©cpeibung 
non Talent nnb ©pnrafter bamol? nod} nid)t an?ge« 
fprocpen; aber jeber, ber bie beiben Jünglinge ngl)er 
fennt, ol)nt fdpon ißre ffmftige ©ntwidetnng nod) biefer 
ober jener 9lidptnng l)in. 

ber ölten fcplefifepen f^eftungSftabt ©togan ift 
Sofepl} Seemann al§ ein oiergepnjäljTiger Änabe im Sciljre 
1815 nad) SSerlin gefommen, nm gnerft in einem 
93anfgefd)aft tätig gn fein, ber ©efi^er efe? 

95anfgefd)äfte? Ijieß ®aoib 93 eit. ©? mar berfelbe ®aüib 
9Seit, üon bem mir bie geiftooEen 93riefe on Etaßel be= 
fitjen , berfelbe ®eit , be'ffen ©oetpe = tnltu? im ba« 
maligen 93erlin berümt gewefen ift. ®a§ mar eine gute 
©cpule für ben jungen Sepmonn. ®ie ein Äinb be§ 
§onfes mnrbe er bei SSeit gepalten. Unb ein intimer 
grennbegfrei? fammelte fiep bolb itm ben jungen, begabten, 
fingen nnb lerneifrigeil Jüngling. 

®a§ Seben in 95erlin bot bamal? monnigfaepe 9ln« 
regnngen. ^odp blüten bie ©olonS, nnb ber J?nltn? 
©oetpeS unb §egel§ gepörte gnm guten ®on. 3lEe?, ma§ 
auf 33ilbnng nnb ©^ongeifterei Slnfprncp maepte, fanb 
fid) in ber gemeinfamen Ißereprmig biefer beiben gelben 
gnfommen: Stbelige unb 3uben, Öffigiere nnb tciuftente. 
Unter ben Silben perrfdpe befonber? ba§ eifrige ©treben 
nmp 93ilbnng nnb 9(nfftörnng ©ie moEten fiip fo bie 
©manigipation oon innen perait? ergmingen, ba ber ©taat 
fie ipnen noep immer beparrlidp borentpiett. 58on biefem 
©ebanfen auSgepenb, grünbeten einige junge aKänner, 
©buarb ©an§, Slfofe? tOtofer nnb S'eopolb gnng einen 
„IJnltnruerein", ber bie geiftige nnb fogiale §ebnng ber 
Silben fiep gur Slnfgabe ftellte. Unb in ber 9lrbeit für 
biefen 9Serein fanb fiep Sepmann mit ^einriep §eine gn« 
fammen nnb fdploß mit ipm einen grennbfcpoftgbiinb, ber 
bi§ gnm ®obe, jo bi? über ba? ©rab pinan? mäprte. 

9Senn man Sofepp Sepmonn näper fennen lernen mill, 
muß moii $eine? 93riefe an ipn an? ben breißiger Sapren 
lefen. ©? finb oEerbing? mir no(p fieben berfelben er« 
polten - - aber jeber eingelne oon biefen iß ein mertooEe? 
©ofnment für bie ©rfeiinini? feine? SKefen? nnb feine? 
©paratter?. ,f3eine mar ein SRenfipenfenner. SBenn er 
Sepmann gnm f^rennbe mäplte, fo miifte er fepr genau, 
marnm er bie? getan. Unb er pat e? anep mmmmiinben 
au?gefprocpen. 

,,©ie finb faß ber erfte in Berlin gemefen, 
ber fid) mir liebreiep genopt nnb bei mei'ner Un= 



72 


®oS 3>lago0in für Sitteralur. 


S«r. 5 


I)ef)olfen{)eit tn üielen ®tngen ficf) mir auf i 

bie uuetgetinit|tgfle ^ffieife freuiiblidf unb bienft:= 
fertig ermteS." ©o fc^rieb $eine äroei 3al)re, uod)= 
bem er bie ^Befonmfctiaft iJetfmauug gemactit Ijatle, qu 
biefeu. Unb ein aiibereS f0iat: „5?ün 3l)neu wer» ' 

lange idf), baß @ie mir gemogen bleiben; oielen 
ajjenfdjen bin ii^ jetit befannt, aber wenige finb mir gut." 
Unb ein brütet SOfal: ift bocl) Ifüb'fd): bei fo Dielen 

g^atalitaten, bie micf) bebriingen, fann id) boc^ ficlier auf 
meine g^rennbe red)nen, nnb unter biefen haben ©ie mir 
immer bie fcliönfteu 33eweife Don f^rennbfchnft gegeben. 
Unb fellfom! ift mir in biefem Slngenbtid gn Stinte, 
ol§ fönnte e§ nii^t anberS fein." @in anber SJial: „2öa§ 
machen ©ie? .^aben ©ie nod) mit ber ütfnfe gu tnn? ätiit 
f^olgen ober Srfolg? 2öiffen©ie, bofe id) für Öh^f^rofa 
fel)r Dielen Slefpeft höbe, nnb ba§ will Diel fogen, wenn 
man wei^, wie hoch idf 9 ote fßrofa achte. Sieben ©ie wot, 
behalten ©ie mi^ lieb. 2Bir werben noch jd)öne S^age gu= 
fammen leben." 

S)er ®i(hter wor fein ©eher. 2>eiin ba§ 8nfammen= 
leben fchöner Xoge blieb nur ein Sironm. Sofebh 
iiehmann Heinrich §eine gnm erften Stint noch foft fünf» 
unbgwongig fahren wieberfah, war biefer ein gebroch^iw^ 
Stiann, ber auf ber Stiatrahengrnft ben 2iob hcrbeifehnte. 
9lber wie eine ©rinnentng an fcljöne, frohe nnb h^itfr 
angeregte Sugenbjohre wirfte bie (ärfdieinung be§' alten 
grennheä auf ben ©ichter, nnb bie f^rennbfchaft gwifchen 
beiben erlebte nodh fiiw fpcite ober fchöne Sia^blüte. 

©iner ber lebten nnb intereffonteften ©riefe feines 
ift an Sojeph Sehmann gerichtet; ba berfelbe feinem 
halt nach nur wenig befönnt, nnb auch nirgenbä wörtlich 
abgebrntft ift, fo laffe id) it)n hier iw anthentifchen SBort» 
laut folgen. 

^ai'i§, 6. ©fWücr 1864. 

Siebfter Seljimimi I 

^Ijren freutiblti^en 33rtef ^)ah^ id) geftern euljcilten, mtb beeiie 
mid) um fo mei)t, 3 I)neu 511 fc^teibeu, id) Sf)uen auaeigen muB, 
boB bie ^ikeu, bie @ie mir ^ugefdiidt r)aben, mir burc^auS nid)t 
§äuben gelommen finb. ^afet mit biefen fleinen ©rnef^ 

fc^riften, ba§ ©ie ma^rfd)einli(j^ auf bie ©ifenbnl)n I)ier()er gegeben, 
ift bi§ 0 U biefer ©tnnbe nii^t angefommen, n. idi bitte ©ie gefl. 
barnber an bie 33eprben ein D^innofi^r ei ben 51 t erlaffen, ii^ ^offe, 
auf biefem iföege mirb mir ba^ ^afet halb gnfommen. habe 
meine Sßo^^nnng geänbert, n. mofme jefet: aux Batiquolles, 51, 
grande me, Paris, ^iefe neue Sßo^nnng, bie ic^ comforiable eim 
rii^tete, merbe id^ bennod^ g^gon (Snbe biefem HIJonatg b er! affen muffen, 
ba bie barin l^errfdienbe genc^tigfeit mir eine §al§entgnnbnng bereits 
gngegogen f)at. Sd^ bin ^^)ntn fe^r berbnnben für ^()re SlJitteünng 
in SSetreff ber OTgemeinen geitnng. 253enn nii^t bnrd) gnfatt, erfal)re 
i(^ je^t gar nid^tS, ba ii^ gänglii^ ifolirt lebe, n. an^er meinen 
beiben ©efretären, bie beibe gn anftänbig finb, um fid^ mit bentfe^em . 
Matfc^ 0 U befi^äftigen, fe]^e ic^ feinen einzigen 4)entf(^en. 9J^ein 
33 nd^pnbfer fi^reibt mir nur, maS eben feine eignen Sntereffen 
trifft. 5 fnS ©i^onnng mirb mir and^ oieEeic^t mand)eS bon bortf)er 
berfi^iniegen, maS fe§r läd^erlid^ ift, ba ic^ bereits frü^^er gegen aEe 
ä^ol^^eiten abgeprtet ioar, n. je^t gar ben meiften meltUi^en ^iitU 
feiten abgeftorben bin. Steine grau pt bie meiften ^entfe^en bon 
meinem §anfe berfd^end^t, mand^en fogar im map^en ©tnn beS 
Portes pnanSgefdbmiffen. 3fnd^ finb biele in ben Iel 3 ten Sapen 
teils bnri^ ben ^ob fortgerafft ioorben, teils abgereift, ober filjen in 
^rrenpnfern ober Sn^tpnfern, fo baff id^, toie iiff Offnen fage, bom 
^aterlanbe nieffts erfahre, inaS mir boeff mandhmal notffmenbig märe, 
in gäEen, mo idh einer beftimmten Süge miberfprecfien muffte, n. in 
biefer ^Begiepng märe eS mir fep lieb, menn ©ie mir pnfiger 
fi^rieben; ffmerlidh fann midh nid^ts berleffen, n. mand^eS fann mid) 
fogar amnfiren. ®ann au^, ba id), fobalb ich E)ieber gur ^fuffe 
fo'mme, micf) gang in meine SD^emoiren berfenfen merbe, fann irgenb 
eine SlUtteilnng über ©pdfale n. ^ranSformagionen lanbSmännifdher 
alter grennbe'für miiff bon einigem ^^Inffen fein. SlJand)en glaube 
i^ lebenb, ber längft tot ift, n. mam^en glaube ii^ tot, ber nnter^ 
beffen bloS bnmm gemorben ober fi^lecht. — ©ie pben feineidei 
^Begriff babon, meldh ein gnrore beS 33eifaES mein 3fnffaff in ber 
Revue des deux Mondes gemacht pt. Sn einigen Sßoehen foE er 
gang gebrndt in meinem 33ncb de rAllemagne erfiffeinen, für meldjeS 
berfelbe als ©d)lnff ^ (Kapitel gefeffrieben morben. Sdh gebe meine 
5föerfe auf grangöfifdh bei Michel Levy freres pranS, bie man mir 
als Verleger cmpfaffl. .Sch hotte bie seBahf 5 E)ifd)en iffnen n. einem 


anbern SSerleger, ber ein ehemaliger 33onnetier, b. h- banrnmoEener 
^adhtmüffenfabrifant mar, n. ii^ gab erfteren ben SSorgng, bieEeicfft 
- eben meil fie bom ©tamme £ebl). Sd) glaube, baff §r. &bp barnm 
nid)i minber ein ehrlicher ^ann ift n. mein SSertranen berbient, n. 
menigftenS idh, foEte id) midh auch gn meinem gröfften ©dhaben irren, 
id) barf bom alten ^ornrtf)eil gegen bie Snben midh nip leiten laffen. 
Sd) glaube, menn man fie (^elb berbienen läfft, fo merben fie menigftenS 
banfbar fein, n. nnS meniger überbortheilen, als pro chriftlidf)en 
(^oEegen. ^ie Snben überhaupt finb geiftig gurücf, aber nidht 
moralifd) gurücf. (Sine groffe 3^bilifagion beS ^ergenS blieb bnrd) 
eine ununterbrochene ^rabigion bon gmei Sahrtanfenben. Sd) glaube, 
fie fonnten beShalb and) fo fd)ueE teilnehmen an ber enropäifchen 
(Snltnr, meil fie eben in betreff beS (5^efül)lS nid)ts gn erlernen hotten, 
nnb nur baS Sßiffen fich angneignen brand)ten. ©od) baS miffen 
©ie aEeS meit beffer mie iih, n. eS mag Sh^en nur als ^inf bienen 
gnm SSerftänbniS beffen maS id) in meinen „(Seftänbniffen" gefagt 
pbe. ^ber menn id) auch (Samp ben Auftrag gebe, basfelbe Sh^^^^ 
gn fenben, fo befommen ©ie eS gemiff hoch erft an bem ^age, mo 
auch ber ^effiaS eintrifft, menn er ber alten ^rabigion nad), auf 
einem ©fei fommt n. nidht bie ©ifenbahn bennffen miE. 

©S ift mir nnenblich lieb, baff ©ie baS, maS ich Sh^^^ti über 
bie ©aSbelendhtnngS=^glonerie beS maderen §errn grieblanb gefagt, 
nicht bergeffen hoben; er l)ot meinen 33rnber ©nftob mirflid) bnreh 
bie obgefeimteften Sügen bon feiner SSerfolgnng meiner Sntereffen 
obgnftel)n bermod)t, n. er fpefnlirt auf meine ^ranfheit, bie ihn bon 
jeber 5lhnbnng eines D^orpnS befreien mürbe, ©r irrt fich ober fehr. 

Sch meiff fanm, maS ich biftire, fo fdhläfrig mocht mich nämlidh 
ber Uebergennff beS OpinmS, n. ich fih^mffe, inbem idh Sh^^^^ tmdh^ 
mals für ©üte banfe n. ©ie frennbfcl)aftli(^ft grüffe 

$einri(h §eine. 

Tlan erfenut einen 3Jte^^(^hen an feinen g^reunben. 
@0 lautet ein alte§, aber barnm noä) nic^t abgenu^te§ 
(Sffri(j^n)ort, U)el(J)e§ ic^ mol snr ®ntf(f)nlbigung bafür 
anfüffren barf, baff ic^ per fo oiel oon §einri(i) §eine 
gefpro(j^en, mdf)renb id) boi^ über Sofepl) Seffmann fpre(iffen 
moEte nnb follte. 3lber ffaben mir nicl)t bereite ben 
©(j^lnffel git bem Seben biefeg 9)ianne§ in ber §anb, 
menn mir miffen, mie ber bebentenbfte unb launerpaftefte 
feiner g^reitnbe über ipt gebadit unb gefprieben ffat? 

3(1^ §eine unb Seffmann in 33erlin ba§ Kollegium 
§egetö befnd)ten, maren fie beibe faft gleichaltrige Snng^ 
linge. 311» fie oon einanber fdjieben, reifte ber eine gnm 
ajtanne, ber anbere gnm S)id)ter heran. 3hir menig miffen 
mir oon biefem SBerbegange Sofepl) iiehmanin». ift 
eine ftifle, ernfte 3Irbeit, bie ipi au^fnUt. 3(ber ba mir 
mieber oon ihm erfahren, ift bie SJJetamorphofe bereite 
ooEenbet. 3ln^ bem }ungen Kaufmann, ber nebenher 
poetifd)e ©d)erge treibt nnb gelegentlich (unter bem 3tamen 
,p. 3lnfelmi) felbft feinen g^reunb fo glü(fl(h perfiflirt, baff 
biefe 5ßerfiflagen breiffig 3al)re fpdter 'felbft oon ©annern 
für ®ebi(üte ^)eine§ gehalten merben, a\i§> biefem jungen 
Kaufmann ift ein reifer ©chriflftefler gemorben, bem man 
auf (ämpfehlnng 3tlei*anber 0. §umbolbt§ bie geiftige 
iieitnng eine§ Unternehmend anoertrauen burfte, bad be^ 
rufen mar, in ber ©ntmiifelitng ber innern prenffif(ih^^^ 
3Serhültniffe eine füh^^^be 3iolle m fpielen. 

®d mar bied bie ,,^renffifd)e ©taatdgeitung", 
bie bamald auf 3lntrieb bed Eronpringen oon ^reuffen, 
bed naiih^^taligen fiönigd griebrid) SBilhelm IV. gegrünbet 
mürbe. Sehmann madffte ber ©mpfehlnng alle @hre. 
Unb hi^i* f(i)on begann er fein Sebendprogramm aufgn= 
roEen. ®ie Segrünber bed 33latted hatten nicht entfernt 
baran gebadfft, bad oon l)i^i^ EUd ein Söerf feinen beginn 
nehmen merbe, bad länger bauern follte ald ihre politifchen 
Sbeen, baff frndhtbringenber für ben bentfehen ©eift fiijh 
entmirfeln foüte ald ihre fogialen träume. ®enn ^Efrph 
Sehmann fchuf fich ^^tn Feuilleton ber „©taatdgeitnng" 
einen ©pre^fal, ber audfchtieffli(ih ber Sitteratur bed 
3lndlanbed gemibmet mar unb gnm erften 3)?al mjn^ meljr 
ald einem IjElben Sahrljunbert eine freunbfchaftliciffe 3 Iir 
fnüpfnng mit ben Sitteratnren anberer ^nlturoölfer angu** 
bahnen oerfudhte. 

Unb bad mar fein Sebendprogramm. 3Utd bem 
FeniEeton ber „©taatdgeiluirg" ift bad „3J?a gagin für 



^X. 5 


73 


Kogajin für Sitteratur. 


bie Sitteratnr be§ 8lu§Ianbe§" eiiiftanben, nac^bem 
bie SitUreüoluttou ein foldje g^Iut non litterarifcöem mib 
)) 0 ltttf(^em (Schrifttum be§ 2tii§tanbe§ in iljrem ©efotge 
no(^ ®eutfd)lanb braute, ba^ bng f^euilleton eines 33(atte§ 
fte nicht mehr bemältigen fonnte. ©iefeS „iöictgagin" aber 
war iinb blieb baS SebenSwerf Sofepf) ßet)mannS. 

S3ie üiel er auch fonft gebic^tet nnb gefct)affen, auf 
wie oerfdhiebenen ©ebieten er fict) auch fbäter erprobt nnb 
anSgeseicfinet , waS er anfeerbem inS Seben gerufen, ge» 
förbert itnb unternommen pat: Ijier liegen bie Söurgeln 
feiner eigentümlichen l?raft nnb bieS ift bie gro^e !Eat, 
bie ihm nnoergängliiüen S^faiüruhm fidh^fi- 

©S ift nnhöfiiiii, femanb in feinem eigenen ,^anfe 
§n loben. Unb id) woKte, e§ wäre mir baS äRanbat gu» 
gefaßen, an anberer Stelle bon biefen 33erbienften Qofeph 
'ßehmannS gu fpredhen. 3lber bie SBahrheit tnan 
fd)lie^li(^ überall nngefchent anSfprechen. Unb wenn biefe 
SBahrheit ein nneingefdhränfteS ßob in fidh birgt, um fo 
beffer für ben IBelobten wie für ben Sobenben! 

wirb ja bodh wol niemanb wagen, bie S!at» 
faihe in 8lbrebe gu fteßen, ba^ ba§ „iOiagagin" Sofeph 
ßehmannS iireigenfte Sd)üpfnng gewefen, unb baü biefeS 
„äliagagin" in ben fecügig fahren feines 93eftanbeS ber 
wichtigfte unb nmfaffenbfte Sammelpmift für aße Sleftre» 
bungeit im Sinne nnb Sittereffe ber äBeltlitteratnr ge» 
worben ift. 

SBeltlitteratnr ! baS SBort fcpreibt fich fo leicht hin 
amb fpriaüt fiih fo fchön anS. 8lber aoieoiele li'eime 
geiftiger ©ntwitfelaing mnften gepflegt werbeat, ehe ein 
älZenfch oatf beai ©ebanfen niab baS äSort gefommen ift! 
Uaab baaan: 35iel(h eine güße bon Slhmtngen amb $off» 
natngen, laon Sbeen amb ©ebanfen mufteaa bor bem geiftigeai 
8latge biefeS ©enferS anfionchen, ba er ben ©ebaaifennnb 
beai 33egriff gngleich gefambeai hotte! Unb eaiblich: 2Bie 
galt nnb hitttwn mitü 3)?ilieat gewefen feilt, aatS bem 
biefer ©ebanfe herborgeI)en fonnte, ber bie Stienfchheit im 
©eifte gu einigen, ber ein ^^arabieS ber ßiebe, ein ©ben 
ber 5Dichtnng gn fifioffen berufen war amb ift! 

97un benn, eS ift flar: ©in fold)er ©ebanfe foamte 
aaaar im aditgehnten, bean Snhihmtiiffi §itmanität 
feimen. Unb atatr in bem weltnmfaffenben ©eifte eines 
§erber, ber bie Stimmen oller 3Sölfer gn einem IJongert 
gat oerbinben auaafte, fonnte er enlftehen. Unb nur gleich 
freie, gleidh eble, gleich il)m über bem ^rennenben ber 
SSülfer amb l^onfeffionen ftehenbe ©eifter foamten biefen 
©ebonfen weiter führen amb ihm eine bauernbe ^eimftötte 
in ber 9)?enfd)enwelt grünben. So barf man wol ohne 
bie geriaagfte Uebertreibamg fogen: Berber hut 3it£ffl 
So ben für bie Sbee einer äBeltlitteratnr atrbar gemacht, 
©oethe hat ihm gaterft SfuSbrnd' oerliehen; amb Sofeph 
Sehmanat hut biefem weltannfaffenben ©ebanfen als ber 
©rfte ein §eiligtaim erbaut! 

©in .^eiligtatm, in bem feber ©ingong fanb, ber 
reinen §ergenS'amb lauteren Sinnes war amb ber teil» 
nehmen wollte on ben S'ragen amb Seftrebamgen, an ben 
Sorgen nnb .Sümmerniffen, an ben Siegeai amb ©rramgen» 
fdjaften beS mobernen äulturtebenS. §iel)er brad)te baS 
aiforgenlanb feine golbenen Schüpe, hißt' evgählte ber 
bunfle ©rbteil feine ©eheimniffe, hiei’ oerfünbete baS freie 
Stmerifa feine (aiegeSbotfi^aften, hi^r fammetten fich wie 
in einem Srennpunft alte (Strahlen ettropäifther Ifaaltnr» 
orbeit. §ier fang 3^ranfreich feine ©honfonS, hür berichtete 
©nglanb oon feinen ©enfern amb Sängern, hi^K feimten 
gaterft bie fchüjüterneai IfnoSpdjen ffaaibiiwoifchen ©eifteS» 
lebenS, amb hier gog ber ©eiftergatg ber beaitfchen ßtomaiitif, 
baS frohe $eer beS jungen ©eütfchlonb, bie l^ämpfer» 
fchar ber 9ieoolattion amb ißeaftion, bie (Sängergilbe beS 
beaitfchen ©iaaheitSfriegS aoie in eiat gemeiaifaaneS Heiligtum 
ein. Sffiieoiet ©eift nnb SJiffenSfüße, U'ieoiel !Sieffiaiai, 


Sdaarffinn unb ißoefie, wieoiel 353elierlöfenbeS ataib Se» 
freienbeS, beaa ©eift ©rhebenbeS, baS .§erg ©rgniifenbeS, 
aoieoiel, aooS tröffet, abelt amb befdhaoingt, warb Iper ^efagt 
amb gefuatgeaa, entbedt nnb oerbreitet! ©S ift ein ßliefeaa» 
©eifterchor, ber an amS oorübergieht in biefer fedhgigften 
©eburtSftauabe beS „SUagagin;" bie SRüaiaier amb bie 
SBerfe, bie Sbeeat amb bie ©rrnngenfihaften biefeS langeai 
geitroatmS. 

Unb on ber Spipe biefeS ©eiftercporS ftept ber ÜKann, 
ber baS 2Berf gefchafen, ber eS erholten amb gweiunb» 
oiergig Sohre lonß mif nnermüblicher Sorgfolt, mit nie 
oerfiegenber ©eifteSfraft , mit einer Eingebung ohne 
gleicheat geleitet hol- Sofeph Sehmonn wor eiat ©harofter, 
einer jener ©haroftere, aoie fie boS beutfipe ©eifteSleben 
gn oerfchiebeaaen SPÜrn amb unter oerfchiebenartigen Se» 
bingungen, ianmer aber mit bemfelben 3ug ouf baS ©ro^e, 
Rumäne, 8lßgemein=menfchtidhe hin erftehen fah. ©r war 
ein moberner .§umonift amb ift eS gebliebeai in aßen 
SBanbluaigen ber geitläufe. 37iiht in bem, aoaS er felbft 
gefchaffeat, befteht fein eigentümliiheS Serbienft — obwol 
in ben erften 42 Sohrgängen jebe fRnmmer minbefteaaS 
einen aoertooßen Slrtifel auS feiner geber brachte — fonbern 
iai ber 8lrt amb SBeife, aoie er feine Sdhöpfatng erhalten 
amb wie er fie fteiS ooai neuem gu beleben aoufte. Sofeph 
Sehmann aoor eiaa Sitteroturpäbagog. ©r hnt fi(h f^ine 
Scitorbeiter ergogen. Uaab mondher, ber uaiter ihm laufeat 
gelernt hat, ift fpäter felbft eiat g^ührer geworben. 9lber 
aoieoiel Umficht unb füadhfidht, aoieoiel ©ebulb amb Sor» 
ficht, ja wieoiel SUeiSheit gehörte bagtt, atm biefeS ©eifter» 
fdhtff batrih oße ©efahren bem erfehnten 3ifle gatgatführen! 
„©iii ebler SDfenfch gieht eble iOfeaifchen an." Sofeph 
Sehmann hat eS oerftanben, um fein „ÜJiagagin" bie er» 
laudhteften ©eifter ber beutfchen Üiation gn fammeln. So 
ift baS „Sfagogin" eine freie Unioerfität ber SolfSlitteratur 
geworben — unb attdh geblieben, nachbem fein Stifter im 
gaoeiunbfiebgigften SebenSjahre — am 19. g'^ÖToar 1873 — 
baS Heiligtum oerlaffeat mußte, baS er mit SRitbe amb 
Söolaooßen, mit ©eift uaab Siebe fo lange oerwaltet hatte. 

„3SaS einer fcpafft, eS ift fein anbreS Sch, oeraoanbelt 
in ein Stüd ber Außenwelt — er aoar ein ebler SRanai, 
fo fihuf er ©bleS!" ©r ift ataiS ooraatSgegangen in baS 
Sanb ber Sdaatten, aber feine (Sdhöpfatng lebt fort, unb 
ber Stern feines ©eifteS ftept über bem $anfe, boS er 
aufgeri^tet. 

^tgönauienfafjtgcug, lieit öeiuäfjut, 

(Segiinmert feft \)on feiner fid)ern §anb, 
fe^t gu feiner ©l^re, feftlid^ l^eut 
^eflai^gt, iDefingelt fort bie innige gaf^rt, 

SSertrauen^ooE be§ beutfc^en SSoIfe^ ©unft 
gai}rn)inb erftef^enb für fein ©eget, 

2luf ©ee, bie ^Hüpen Ijinter fid^, 

^or fi(^ al§ giel ba§ gotbne SSIie^ be§ ®eifte§, 

^en golbnen §ort be§ Sßofjren, Schönen, ©Uten!" 



6 i n tt f }) t! ü e. 

SSon 

Xttöling jFulija. 

3Bie fchlimm, baß wir erft baarn anfangen, Hünftler 
amfereS SebenS gu werben, aoenn ber £on, ber uns g’Oa'm 
giebt, bereits hart geaoorben ift. 

aUan anaiß bie aKenfdhen erft paff cu lernen, wenn 
man fie förbcrnb lieben aoiß. 


74 


®aS SMagajin tür Sitteratm;. 


mx. 5 


97td)t oße S>iiiferi fhtb .^imnielSlö^ter. @iue ooit 
ifjuen — iijib nid^t bie fc^lc^tefte — ift ftaubgeboveii; 
Ser @(|mer 5 ift iljr SSater, bai? iöitUeib ü)ve >Diuttev. 


@hi ©perUiig fc^napple iiaci) einem Stbtev. mar 
ober nnr eine nplifdje 2tinfd)nng. Ser Slbter fd^mebte 
fo t)oc^ über il)in, bo^ ber ©periing if)it für eine 
Diüde Kjielt. 


Sem Soient faßt nße§ iöiöglicfie ein, bornnter oft 
oud) bo§ 9itct)tige. Sem @enie faßt überlfanpt nid^tö 
onbere§ ein, oi§' nur bo§ ßUdjtige. 


(53efpräci^e mit f(üci)tigen Sefonnfen finb fiäufig nur 
ein Söeggoß — ein Sribnt, ben man gaptl, um an ein» 
anber norbei§itfümmen. 


Siße fe^wadfien ©Ifaraftere tieben ben 23ip, weit er 
bie teidjtefte 3trt ift, onberen p imponiren. 


^ße§ 3KögIi($e wirb irgenbwann nnb irgenbwo ein» 
mol wirftict). Sie ©efcpicfite ber Statur nnb ber IJimft 
ift in gewiffem Sinn bie 2et)re non ben evfcpöpften 3}fög» 
ticpf'eiten. 


Sefinitionen finb 37orbpol»@};pebitionen nacp bem 
unerreichbaren Sing an fiel),— nnb sepn ißieter weiter nörb» 
lidh im @ife fteden git bteiben, ba§ nennen wir eine neue 
Sahrtjeit. 


2(uö (Boet^efd;en (£l;eater*:Hften. 

aSm; 

Marl €mil jfraiiäo^. 


I. 

Sie ergnidtictifte @5abe, bie bei ber tepteit ä^erfamm» 
tnng ber @oetl)e»@efeßfcf)aft ben ißiitgtiebern geboten 
wnrbe, war befannttiih ber SSortrag 23efnljarb @npl)an’;o 
über einen f^nnb, ber niiüt planmäßigem ©ncf)en, fon» 
bern bem bonfen ift. Sn einem wenig be= 

tretenen ißanm be§ ©roßhergogtidpen ©cptoffeS ift fnrg 
nor SBeipnocpten norigen Snpreg unter einer biden 
©tanbfcpidpt ein großer Speit be§ weimarif(hen Speater» 
2lrcpin§ anfgefmiben worben; faft alte ©(hriftftüne be» 
giepen fii^ onf bie 3eit non 1791 bi§ 18!7, otfo bie 
©oetpefdpe Seitnng. war bornm bnrdpang gwecfgemöß, 
baß ba§ nnnerpoßt ©ntbedte bem ©oetpe» nnb ©diißer» 
Strcpin gngewenbet wnrbe; bort pakn ©nppan nnb 
feine ©etrenen ingwifdpen geficptet nnb bearbeitet. Ser 
töonb foß im iOiärg erfdpeinen. 3Ba§ ©nppan in jenem 
33ortrag an ©Hdpproben geboten pat, berechtigt bie @r= 
wartnuij auf ein ebenfo tebenPoIteS, al§ beteprenbeg 
Sncp: bie ÜKüpennnb ©cpwieri^feiten, unter benen ©oetpe 
fein Speater fcpnf, wie ber ©eift, ben er ipm einpandpte, 
werben erft bann bi§ in§ eingelne ftargefteßt fein. 

3Sießeidpt wirb nn§ ©nppan mtdp fägen fönnen, wie 
fi(p ba§ f^nöbe ©cpicffal biefe§ 3trcpin§ erflärt; wa§ 
biSper barüber befannt ift, fann wot ftannen mancpen. 
SSäprenb fonft jebe§ größere ©tobt», gefi^weige benn 
jebeä .^pftpeater feine Sitten in gnier ©rbniing pött. 


fdpeint gerabe biefer Seit be§ weimarifdpen StrcpinS fcpon 
fnrg nad) ©oetpeS Sobe at§ eine nnnüpe Saft betracptet 
worben gu fein, bie man oerfdpenfte, oertröbette ober 
beftenfatts in irgenb einem nngngängticpen SBinfet auf» 
fpeidperte. ©§ fi^eint fo, benn wie pöttc fonft SBilpetm 
Soroio, ber Strcpüotog, 3)iemoiren»©cpreiber nnb Stnto» 
grappen»©ommter, mit nieten biefer §efte non .^aße an§ 
fcpon in ben niergigerSnpren einen jcpwnngpaften Scrnfcp» 
panbet beireiben fönnen? Slt§ tßaSgue I85ß bi§ 1859 
— er war bamafö 0pern»3iegiffenr in Sßeimar — bie 
iDtaferiatien gn feinem amüfanten, wenn andp nid)t immer 
png nertäßtid)en Sndfe über „©oetpeS Spealerteitung 
tu SSeimar" (Seipgig 1863) gnfammentrng, tonnte er 
offenbar nnr an§ emem Seit ber Sitten jcpöpfen, ttnb 
and) biefeä SKateriat war batb baranf nerfcpwnnben; 
nocp im Segember norigen SnpreS ttagte ber Strcpio» 
birettor Dr. ©. St. töurfparbt, baß e§ nid)t wieber 
gum 5ßorfdpein getommen. 0b e§ ingwifdpen aufgefnnben 
worben ift, weiß idp nicpt; jebenfaitä entpatten jene Sitten» 
bünbet, an§ benen ©nppan nun fdpöpft, bi§per nnbennpteä 
iDtaterial. ©ine SKöglidpteit, ba§ Sirdjin andp nnr an» 
nöpernb noßfiünbi^ gnfammengnbringen, beftcpt jebenfaßS 
nid)t mepr; bafür paben bereits Sorow nnb feine 
weimarifdpen g^reunbe anSgiebig geforgt. 

Sn SorowS SSefipe befanben^ficp jebenfaßS and) bie 
beiben Stttenpefte, bereu Snpcilt id) im fotgenben mit» 
teile, ©ie würben im Dttober 1890 bnrcp eine pieficje 
Stntograppen»j5irma öffentlicp nerfteigert; ba nnr ein 
©ammter baranf bot, ber — eine nnrupmlid)e SinSnapme 
non feinen meiften Jtoßegen — baranf nerfeffen ift, btoS 
„UngebrnifteS" in feinen SKappen gn paben, nnb baper 
nie eine Sibfcprift geftottet, fo erftanb idp bie beiben 
©tüde. Spre 33ebeutung gu überfcpäpen, liegt mir wapr» 
tidp ferne, aber itp gtanbe, baß fic immerpin ben Srnd 
nerbienen würben, om^ wenn bie weimarifdpe SSeröffent» 
licpnng f(^on erfolgt wäre. Senn fie geben im Steinen 
einen leprreicpen ©inbtid in bie begrenglen, ja bürftigen 
SSerpältniffe, mit benen ©oetpe recpnen mußte, nnb taffen 
nnS ben ©efcpäftSgong beS SpeaterS, bie ungemeine 
©orgfatt nnb bie ‘©ewantpeit ©oetpeS als prattifd)en 
Speatermann ttar ertennen. Sie alte SSaprpeit, baß fidp 
baS Sidpt im eingelnen Sropfen nacp^ benfelben ©efepen 
bridpt, wie etwa im Sßettmeer, bewäprt fiep andp pier. 

SaS eine ber ^onüotute betrifft baS ©aftfpiet beS 
©pepaarS §aßtodp onf ber weimarifepen SMlpne. Ser 
Itünftler nttb feine ©attin*) waren, — in jener 8rit öe» 
tanntlid) eine fepr pänßge ©rfepeinnng — gngleicp 
©änger nnb ©epanfpieter, beibe tücptig, brandjbar, aber 
niepp peroorragenb. Sie Jtorrefponbeng eröffnet fid) mit 
bem fotgenben Slnerbieten .^aßtoeps an ©oeipe: 

©uer ^j:celfen3l 

^näbtger §errl 

Um ©uer ©^ceHens md)t bei ©ei*o iütc^ütjen (^efc^äfteu 
mit einem burd) ^ntfcfjnlbigungen über meine grei^eit axi^^ 
gebel^nten 33riefe gn biel geit p rauben, bin ic^ fo frei, oijiie 
breiteren (Eingang ^oc^bemfelben fot^Ieidj ben @et]enftanb 
meinet 0 d^reiben§ nnb refbeftiben @efud}e§ 5 U eröffnen. 

bin nebft meiner grau nad^ 33er(in berufen, um ba^= 
felbft mäfjrenb be§ guniu§ ©aftroüen 0 U fpielen, bon ioo au§ 
U)ir fobann 0 U unferem (Engagement nad) Hamburg gefjen. 
3^un U)itnf(^ten ioir ben 9J^onat 3P^al) gu benuben, um un§ bei 
bem bon (Euer (Ejeetteng fo bortreffUd^ eingei*id)teten ^tjeater 


(Ebrifttane ä)^agba(ene ^lifabetf) Mtf)oIti, 1764 gu ^irna 
geboren, ein ©d)aufbieterUnb, bebütirte fd)on im Sttter bon fünf 
gafjren, heiratete um 1795 in Raffet ben länger ^afetod), loorauf 
fid) bie bisher bon if)ren Ottern geleitete ^rubpe nad) bem Spanten 
if)re§ (Satten nannte. Ueber biefen fonnte id) nur bie biograbhifd)e 
S^otig auffinben, bab er gutetji §offapedmeifter in ©armftabt )oar ; 
beibe (Baikn ft^einen ngd) 1809 ni^t mei)r axifgetreten gu fein. 


3?r. 5 


S^aga^ttt für Sitteratur. 


76 


gu geigen; irir üiiten halber (^uer (^^ceEeng um bte (^nabe; 
m§> intBen gu laBen; ob c§> §oc^bem)elben nid^t entgegen 
U)äre, trenn mir im Slitonat bei bem ^ergoglid^en §of*= 
tfjeater einige (^aftroften in «SdiaufBiet nnb 0per fb^etten. 
2ßir mad^en feine großen ^reeten firnen, ba nnfecm SBunfc^e 
nur infoferne (i^igennufe unterliegt, al^ mir fmffen, un§ ba^ 
bnrc^ einen 2Beg bafjuen, bafe, menn ^ner (^jceüeng un§ ge^ 
fefjen fjaben, einft ^oc^biefelben bei borfattenber SSafang ©id) 
nnfrer erinnern merben. ©oftten ©uer i^^ceffeng unfern 
2öunfd) genef^migen, fo merbe id; eiten, bie D^totten gn be^ 
ftimmcn. ät^it SSerfic^erung unfereS beiberfeiten O^iefpefteg 
pabe id} bie (^^re gu fein 
©uer ^gcedeng! 

ergebenfter Wiener 

E §a§tod^. 

(Gaffel, ben 17ten St^ärg 1800. 

(Seiner ^rgelteng 
bem ^odjmotjtgebotjrnen §errn 

©efjeimen 9tatf) bon ©oetpe 

gu 

SSeimar. 

C£y i[t gctinjs kgeid^ucub, bcife ®oetl)e gtoar bie 3liU^ 
tiHU’t fetbft feinem ©efreftär biftirte, anc^ ha§> 
bann fornüd) biirdt)faf), ben 33vief aber in ber Söeife ab^ 
fa^te, bajg niclit er felbft, fonbern ber §offaimner=3tat 
fiinnv il)ii 51 t geid;nen batte. @0 nmä)k e^^ [i^ mürbe^ 
uofler nnb mar angefid)t§ ber „eingefcbränften 9Ser== 
bdltniffe'' mot ancb gef(^öftUd) ftüger. ®a;3 S?oii 5 ebt 
(antet: 

5fn §errn ^abtod) in Straffet. 

Sogern man bon geit gu ßeit frembe berbienftbotte 
Äiftter auf unferm S^peater bemunbert, fo erlauben bocf) bie 
eiugefdjränften QSerpätiniffe nid)t immer fie nad) Sßürben gu 
Jietofmen, unb man magt e§> baljev feiten, fie gu einer 9^eife 
tjierper anfgumnntern. ^od) ift bie 5leubentng St)re§, an 
$errn (5^ bon (^oelbe gefcb^’iebenen 33riefe§ bon ber 2lrt, 
bab e§ nid)t unmat)rfd)einliib ift, (Sie unb öfjre Baltin gu 
eigener unb be§> ^ubtifnm§ Qufriebentjeit auf bem biefigen 
§oftt)eater in einigen (^aftroEen gn fetjen. 

(Ertauben Sie mir batjer einige bortünfige fragen: 

SPöürben Sie mopt in ber gmepien ^ülfte be§ 3??atj’^ tjier 
eintreffen fönnen? 

Sn mctcpen OfoEen münfditen (Sie aufgntreten? nufere 
Oper ift megen 5tbgang ber Söepraudpifdmn (^Ejeleute gegen=^ 
müriig nid)t burdpanS befept. 

Sobann münfdpt man megen be§ §onorar§ gum borau§ 
gu fontrapiren. SßoEten Sie mir piergn ein nt tbfaa^ftab 
opne Olüdpatt angeben; fo mürbe man fiep gefepminber ent^ 
fepeiben nnb bepbe ^peite in ben gaE fepen mit mepr Sid)er^ 
peit nnb gufriebenpeit biefe§ fteine (Sefdjäft abgufdjlieben 
unb gu beenbigen. 

^er icp bie ^pre pabe miep gu nntergeiepnen 
Oero 

ergebenften 

(Unterfdprift fepit.) 

SSeimar, am 28. 3}?ärg 1800. 

S)ie SSorftd^t, bte ein &edot eiuforbcrte, ftatt git 
mad)eii unb ber §üimei§ auf bte fpärtidfien ^Wittel mareu 
befauutU(^ mol begrüubet; bie SSorfteEuugen in Sßeimar 
trugen mäl]reub ber ad)tmonatUd)eu ©fiielgeit rmib 4000 
Scaler, bedteu alfo faum bie (Sagen ber ©dnger unb 
©d^aufpieler; nur bie (Saflf^iele in Saud^ftdbt unb 9luboE 
ftabt ermöglii^ten bie g^ortfü^rnng he§> $l)eater§, unb ge^ 
rabe ba^ lebte Sabr li^^tte fdfitimmer geenbet, atö bie 
früfjeren, meil ba§ (Saftfpiel in 37aumburg (Suni 1799) 
ni(^t§ eingetragen, al§ biel 5ßerbru^ unb ein arges ©e= 
fijit bagu. 


S)ie „Söedraud^’fd^en (Sfieleute", beren beoorftei^enber 
Slbgang baS (Saftfptel beS t'affeler ^ünftlerparS befom 
berS ermünfdjt mae^te, gehörten gu ben begabteften Wik 
gliobern ber meiniarifi^en 33ül)ne; freitid^ maren fie nid^t 
leidjt gu bel}aubelu. Sn ber £)per bie f)eroorragenbften 
^rdfte unb gugleid) im ©d^aufpiel fel)r oermenbbar, aber 
„im fünfte beS ©brgeigeS fiplidb" nnb nnfteten SBefenS, 
ftanben fie mit ÄirmS faft immer auf bem ^riegSfu^, unb 
(Soetlje, ber fie noef) oon g^ranffurt f)er fannte nnb 

fd^dpte, mu^te immer mieber eingreifen unb begütigen. 
Einige @tid)proben auS biefen furiofen SSerljanblungen 
mag man bei ^aSque mn^lefen. §ier nur fo oiel, .ba^ 
bie 'beiben bamals bereits gum brüten SJiale oon 3Beimar 
9lbfdt)ieb nat)men; im 8^rül)ling 1785, mo fie guerft in 

ben SSerbanb beS J^peaterS traten, maren fie nur einen 
3Konat geblieben, bann maren fie 00 m gebruar 1793 
bis Oftern 1794, enblid^ 00 m 0ftober 1794 bis Dftern 
1800 engagirt gemefen. 33ei ^aSgue mag man aud^ 
nadtflefen,*^ mie fie fi(^ furg barauf um ein oierteS ©ugage^ 
meiit in SBeimar kmül)ten, boep oermoc^te il)r ^ür== 

fpred^er, a^ajor Strang oon SBeber, ber 3Sater ^arl 

SröariaS, fein günftigeS ©rgebniS gu erreidjen; (Soetl)e 
batte ben Slerger fatt unb blieb uubeugfam. 

2)ie SSerbanbluug mit ben ^aff eiern ging glatt; auf 
bie oben mitgeteilte Slnfrage gab Qa^loS) feine Sebim 
gnngen befannt, mie folgt: 

SSopIgePoprner ^errl 

3luf Spre gütige ^ufi^rtft paüe icp bie (^pre gu ermiebern: 
Unfere Oleife ift gur §ülfte be§ 30^onate§ St^ap beftimmt; fo 
ba^ mir bi§ gum 16ten nngefüpr eintreffen fönnten. 3ööre 
e§ Spnen bann nii^t unangenepm ; fo münfepten mir folgenbe 
D^loEen gu fpieten. 3??eine grau: SD^^ebea nnb ^iana; ober 
auep ^onna tota in ^on Suan; ober Sopanna bon Mont^* 
faucon; Sep S^amino ober benSnfanten; ^on Snan ober ben 
jungen MingSberg. ginben biefe SSorfteEungen einigen Sln=^ 
ftanb, fo fönnen mir naep ber möglicp gu maepenben (^inridp=^ 
tung auep anbre [EoEen nepmen; foEte e§ fiep aber bei irgenb 
SSorfteEungen an eine 91oEe ftoben, bie (Sine§ bon nn§ ge== 
fpielt pat; fo merben mir gerne meepfetfeitig an^pelfen. ^a 
Sie megen eine§ §onorar§ beftimmte geftfepnng paben 
moEen; fo nepme idp mir bie greipeit (fo gern icp e§ audp 
Sprer ©i^cretion überlaffen pütte, nnb bto§ um Spnen gu 
geigen, bafe unferm SSnnfdpe nidpt^ meniger al§ ^igennnp 
unterliegt), Spnen ben SSorfcplag gu madjen; für hier @aft= 
roEen nn§ bierunbgmangig £oui§b’or gu geben. Sie merben 
pieratig fepen, bap idp nur baraur redpne, bie Unfoften meiner 
detour nnb nufere^ 3lufentpalte§ gu erpalten. Sinb (Sie 
mit biefem SSorfcplage gufrieben, fo müßten mir nur nodp 
bitten, e§ fo einguriepten, bap bie DfioEen gefdjminbe auf=^ 
einanber folgen fönnten. Sßir mürben un§ beibe fepr freuen, 
Spre unb fo bieler mürbiger SEünner 35efanntfcpaft bei biefer 
©elegenpeit madpen gu fönnen. 37ebft borgüglidjer ©mpfep== 
lung meiner grau pabe idp bie (^pre gu fein 
SSoplgeboprner §err 

Spr ergebenfter Wiener 

ga^lodp. 

Gaffel, b. 13ten ^Ipril 1800. 

§errn 

^offammerratp ^irm§ 

Sßeimar. 


(godfe^ung folgt.) 



76 


®a§ SKogagitt tüt SittetatiH;. 


5 


Die Sufuttft bet? 5eutf(|)en Uitteyatut?. 

aSon 

M. Hofegjet. 


2öci§ {ft bie gufunft ber beutfd^en Sitterotur? 
— 2ßer lann barauf eine anbere Stntwort geben, atö 
bie, weld^e fic^ auf biSl^erige ©rfal^rung begrünbet? 3(^ 
mü^te weit auSl^oten, ntü^te non ben ©igenfc^aften ber 
3Jtenf(ä)en im aßgemeinen, nom ©^arafter ber ©eutfd^en 
im befonberen, non ber 3BaI)rf(^_einlid)fe{t ißrer weiteren 
©ntmißetung fßred^en itnb enbtid) nod^ ba§ SBefen ber 
^unft unb Sitteratur erörtern. ®ut, über te^tere ßabe 
ie^ tatfäd^tid^ etwag auf bem bergen, ba§ bei biefer 
©etegenßeit angubringen ift. 

fönnte teilet einfe^en unb fagen: biel^unftunb 
Sitteratur ift ßujugfadf)e unb als fol(^e ber 3Robe unter« 
morfen. ®aßer fann eg fein, ba^ abwediifelunggmeife 
bag religiöfe ©pog, bie @(|äferibßße, ber ßlitter« unb 
ßiauberroman, bie f^riebßofgpoefie , bie ©alonnoöeße, 
bie ®orfgefcE){ct)te ober enblidp bie „naturaliftifcEie" 
S)id^tung ben ©efd^maff ber ÜKencje geitweilig beßerrf^t. 
Stß biefe unb onoere 8tid)tungen finb fdßon gewefen unb 
werben mit ber entfpre^enben ÜJtobernifirnng wieber« 
tommen. — Ober idß fönnte beßaupten, bei bem in ber 
manntidßen beutfdßen Sugenb eingeriffenen §ange gum 
ajtaterießen, bei ißrer ^auftuftigfeit unb bei ißrem 
^effimigmug in 93egug ouf etßif^e Siele fei bie $err« 
fdßaft einer Sitteratur oorougfidßtlidß, weldße ber 23rutali« 
tat, ben finnlijßen ©elüften unb bem ßtißtligmug frößnt. 
Sdß Würbe mit foldßen Söeßauptungen einegteilg nif^tg 
0teueg fagen, anberegteilg überg Siel fdßie^en. 

Sdß wiß lieber baran erinnern, wag bie Ifunft be« 
gweßt unb wag bie fßienfcßen oon ißr woßen. 

S)ie ^unft begwetft na^ meiner SJfeinung ni(^t fo 
feßr bie 3Bieberßolung, alg oielmeßr bie aSerooßftänbigung 
beg ßebeng. ®er ÜKenfdß madßt größere Slnfprüdße an 
bag Seben, alg biefeg in ben meiften Späßen gu erfüßen 
oermag. ®a fpringt nun bie J^unft ein, um bag 
f^eßlenbe gu beffen. ©amit ift bag SBefen ber ^unft 
angebeutet — fie ift ibealifdß; berfßtenfdß braudßt fte fo, 
begßalb ßat er fie fo gefdßaffen. ®ie ^unft wurgelt im 
©rbreiiße beg Sßirfli^en wie feber Saum, aber fie wäc^ift. 
über aße anberen Säume ßinaug, fo baß ißre ^rone im 
Sidßte beg ^immelg fteßt. Stuiß bie ibeale ^unft ift 

eine SBirfli^feit, benn fie ift unb fie wirft, bie IJunft 
oerwirfti^t bie menfdßl{(^en SBünfcße, bie bag ßeben 
nidßt erfüßt. @ie oerwirflidßt gwar nur in ber ©in« 
biloung, bocß wenn ber Söeife fagt, baß audß bie fo« 
genannte reale 3Belt nidßtg anbereg ift alg Sorfteßung, 
fo fteßt bie ibeale ^unft mit ber realen 3Belt ja in gang 
gleidßem ßBerte. 

SBag für bie ^unft im aßgemeinen, gilt für bie 
©idßtfunft im befonberen. (Sie fteßt bie ' 3Belt nidßt 
genau fo bar, wie ße in ißrer 3lßtägti(ßfeit, Sufäßigfeit, 
ifnbebeutenßeit unb Unfauberfeit fdßon bargefteßt ift — 
fie wiß feine ißlagiatorin fein; fonbern fie geigt, wie 
öeroorragenbeg bafteßt unb anbereg oermöge gegebener 
Serßältniffe bafteßen fönnte. ßßan mag biefe'g ©afein 
nO(^ fo feßr oerleumben, fo lange wir bie f^äßigfeit 
ßaben, in unferer Seele eine f^önere, ooßfommenere 
^elt gu ßegen, fo longe finb Wir nidßt oerloren. ®ie 
Seßnfudßt beg fßienfdßen nadß bem ßteidße ©otteg geßt 
nidßt fcßtafen, unb je feltener wir auf unferem bunflen 
Sebengwege ben Sßuren beffelben begegnen, befto leb« 
ßafter oerlangen wir banadß. Sllfo fönnte man fagen, 
ber fDiaterioligmug fei ber Sater oeg Sbealigmug. 

S)ie Sitteratur mag Supg unb fßiobefadße fein, bie 


f)3oefie alg fol(ße ift menfdßlidßeg Sebürfnig. Unb fie 
ift eg nur barum, weil fie in unfer ®afein Harmonie 
bringt unb alfo für bie Serfdßönerung beg Sebeng einen 
wirflicßen 3Bert bebeutet. 

Solange bie ßßenfdßen eine ^ßantafie ßaben, burdß 
bie fie mandßeg, wag bag reale Seben perfagt, genießen 
woßen nnb fönnen, folange wirb bie ibeatiftifme S)i(ßtung 
nidßt abfommen. — ®ag Seben ift elenb unb bie opti« 
miftifdße 3){dßtung ift unwaßr! fo ßöre idß fagen. 
antworte: 2Boßr ln budßftäblidßem (Sinne fei bie SSiffen« 
fdßaft, fdßön fei bie ©icßtung. Se größer im Seben bag 
©lenb ift, befto noiwenbiger braucßen wir eine labenbe, 
tröftenbe ©icßtung. 

Sowie bie ^unft feine f^reunbin ift ber feelenlofen 
ißadßaßmung, fo ift ber ©eutfdße fein greunb beg 
pebantifcßen Slbflatfcßeg. ©r will ein woßl fomponirteg 
Silb, eine ^ongentration beffen, wag fdßön, intereffant, 
bebeutenb ift. ®aßer wirb bie beutfcße ^unft unb Sittera« 
tur nadß wie oor ibealiftifcß fein. Sießeidßt ift fie eg 
gur Slbwedßfelung einmal na(ß unten ßin. ®ocß bag 
wirb nidßt lange bauern. ®ie einfeitige, baßer meift 
übertriebene Sdßllberung lebiglidß beg Unangeneßmen unb 
.^äßlidßen wirb für bte Säuge nidßt f^reunbe ßnben, 
wirb bem „naturaliftifdßen" Slütor enblicß felbft guwiber 
werben, unb bie Sadße wirb aßgemacß in Saßnen ein« 
lenfen, bie nng oon ben Ifloffifern oorgegeidßnet worben 
finb. 

3Bag bag äußere S(ßi(ffal ber beutfi^ien Sitteratur 
anbelongt, fo wirb biefelbe arm bleiben, wie fie eg big« 
ßer gewefen. 3a, bag Sudß alg foldßeg wirb nocß ärmer 
werben. ®ie S^iütiig oerbrängt bag Sncß, unb ber 
Stauftrnmpf oerbrängt ben ®i(ßter. Son ber froftigen 
®adßftübe aug wirb ber beutfcße ®idßter feinem Solfe 
ßodßgemut bog Sieb ber Sdßönßeit unb menfdßli^en 
©röße fingen. ®ag Solf wirb an bem Sange gering« 
fcßäßig oorübergeßen, aber wenn ber ®idßter tot ift, wirb 
eg mit Segeifterung fein Sieb nacßfingen, wirb gnrücf« 
feßren unb einen fdßönen Sorbeerfrang nieberlegen auf 
bog frifcße ©rab. 

So war eg, fo wirb eg bleiben. 



Det? 

Getieft tion Xüiencron. 


©ie irat unru^iö- 33ernf)arbtner 
(Sd^lugen gutoeUen an. 2ßa§ ]^abt il^r benn? 

Unb meine (^orbomtSelter==§itnbin 

feine 3^afe me^r al§> einmal 
^n meine $anb, bie übern SSettranb ^ing. 

irälgte mid^, id^ l^atte inirre träume, 
gUi§r au§ ben Riffen, bie klugen irieber. 

SBenn bacf) ber iradfre §a!^n fii^ pren lie^el 
Unb bann — nid^t länger trag id^ biefen Qtoieftanb — 
^ beiben ??ü^en au§ ben “iDedfen. 

D^af(^ angeUeibet, nal^m id§ meine 

^om ^perme^fobf, bem id^ fie geftern Stbenb 

(Sd^ief anfgefe^ü aU xd) md) §anfe fam. 

gi^ einen (Cognac fine (^l)amf)agne unb borluärt^I 


77 



S^aga^tn Sitteratur. 


Qum 3Balbe \üili i^. Uw bal^in 5 U !owwen, 
einen Uetnen ^ird^l^of ic^ burd^fd^reiten, 

£)er einem ©orfe meinet iantd§en§ eignet, 

^er alten guten :Sungfer, Gräfin H)^imi. 

S)^ein ^antd^en ift fo Heb unb fromm, fo fromm. 

©ie ]^at ein grofee^ toei^eg D'^armortreug 
inmitten auf bie grieben^ftatt geftiftet. 

ift in frül^fter ©ommermorgenftunbe, 

^om ^age bröcfelt toeg ba§ erfte @tü{f, 

£)ie «Sd^toalbe fd^toang fid^ fd^on bom 33 alfen ab, 

Unb le^ter ^raum, in gaf^ing^gügen, gauMt 
Vorbei ben ©df)Iäfern. 

greife au^. ^lenbenb bon ferne gleißt 
gm ©onnengli^ern fd^on ba§ breiig l^erüber, 

©a§ einen ^ran^ mit taugen 33änbern trägt. 

Unb id^ betrete nun ben ^otte^adfer 

Unb jtu^e: ma§, fpiett bort ein Heiner 5tffe 

§oc^ oben auf bem ^reu^e mit hem Drange? 

2ßal^r!§aftig I ge^t burd^fpringt er, gteid^ bem ^toton 

gm Qirfu^, il^n toie einen Ofieifen, je^t 

SSefröngt er fi^ ba§ eble ^paupt: gu b)eit, 

ge^t l^ängt er um bie (Sd^ultern i^§n abb)ed^felnb, 

Unb nun beried^t er i^n, unb fd^b3ingt ipn bann, 

2tt§ toär’ ein geuerrab er, um bie £)]§ren. 

3^un, unb . . . toer biegt bann um ba§ ©todtentürmd^en? 
^a§ ift, nein bod^, ba§ ift ... ha§> ift ber ^ob. 

^r fd^tei(^t ^eran toie eine ^a^e, flettert 
2ßie eine ^a^ am ^reug l^inauf, entreißt 
£)em ^teffcfien triump^irenb, toitb ben ^ran^ 

Unb 5cift bu nid^t gefe§n ^erab, baboni 
guerft btidft goto i:^m bertounbert nad^: 

^ann j^interi^erl Unb über ®rab unb ©tein 
Unb D^iafen gel^t bie broKIge gagb. ^atb ]§at 
^en tong ber 5tffe, halb l^at i^n ber ^ob. 

Unb lautlos, Joie 3 b)ei ^ögel, bie fii^ ]^af($en, 

Sßie junge §unbe, bie fi^ übertollen, 

3?Ht Kapriolen ber ©ebatter^mann, 

^er 5tffe, nun, b)ie 3lffen jad^tern tonnen, 

Unb je|t U)ie ^inber, bie SSerftedten fpielen 
Unb rufen, fo ftellen fie fi^ oft 

2ln ^(fen auf, bie ^öpfe borfid^tig 
SSorbiegenb: ob er midi) mol finben mirb? 

3^un fd^aufelt in ber ^rauerefc^e gmeigen 
^er 5iff’ fid^ bin unb al§ fäfe im ©eit er. 

Unb mieber pöt ber 2^ob ben ^rang erobert. 

Unb meiter burcb (^ebüf(b unb Duanten gebt 
^ie mitbe §epe, juppl unb über§ ©itter 
^e§ alten ^rbbegräbniffe^, mie rafenb. 

^a bbr’ i^ einen lurgen ©d^rei: e§ '^at 
§an§ ^lapperbein genug be§ (Spafeeg; fd^neü 
§at er ben $al§ be§ ^iercbeng umgebrebt. 

^r mürbet ftorcbartig bem Äreuge §u, 

Unb fteigt hinauf, unb fteüt ficb oben bin: 

^ie ^no^enarme ftredtt er feitmärt^ au§, 
gu feiner D^ieibten bängt ba§ arme 5leffcben, 

^ie Einte bölt ben arg gergauften ^rang. 

©a tommt ber Lüfter, um gu läuten, i)ev, 

Unb mie ein 33lenbmert ift ber ©put berfibmunben. 


^jittttentngen an 5cn 
niot>amme5 tofit non neg^pten. 

9lu§ meinem Seben. 
ason 

l^citiricij 2Snigfclj. 

tritt ber S^ob beii arjeufi-ten ö»- ift it)wt teiiie 
f^rift gegeben," fingt ber ®i(|ter. ®ie 2Öal}rl)eit feiiieS 
^ngfprm^eS fiiibet afltäglict) if}re 33e[tötiguiig, aber biefe 
S5ot)rl)eit wirft erfd)ütteriib, wenn bie ©roften nnb $ö^fteu 
ber @rbe mitten im SSoUgennfe i'^reS ®afein§ |)lö|lidf 
bie Singen fdblie^en nnb ber irbifebe Seib in bie bunfle 
©rube fa^rt. 

®ie jüiigfien ®age Ijaben bie Xrauerbotfi^aft ge= 
melbet, ba^ fern öom Slbenbtaiibe ber ©f)ebiw 5Kot}ammeb 
®ewfif öon Slegt)t)ten in SlnfaHc§ üon Sn» 

ffitettja bai3 geittictje gefegiiet l)ot. ®er erft öiergigjäOrige 
S^ürft, wel(^er fid) bi§ bat)iu im SSoHbefi^ einer fi|eiiibar 
mwerwiiftlicfien ®efnnbt)eit befaiib unb in bem mitten in 
ber SBüfte in ber Siätje ^oiro§ getegeiien Suftfurorte 
^etwon @rI)o(nng uiib fRufie gefuct)t l)otte, fiel nadt) fnrgem 
Äranfeiitager bem ®obe anheim. ®er S§lom tröftet fiel) 
über ben l)erben SSerluft mit ben SBorten: @o ftonb e§ 
gefd)rieben ouf feinem Stotte am SebenSbaum, aber er 
iü^t bie S'roge unbeantwortet: SBarum mu^te e§ fein? 

Sd) botte ba§ ©tücf geljabt wäbreub meinet uiet» 
jöbrigen 2lufentf)nlte§ an ben gefegneteu Ufern be§ füileS 
ben bamaligen ^fronprinäen oo'u feinem selfnteu Sabre au 
ju fenneu uub im Saufe ber geiteu feine förper* 
lidbe wie geiftige ©utwicflung ju oerfolgen. ®er bilbfeböne, 
befdieibeue unb febüdbterne lüuabe wiicb§ gu einem au= 
mutigen Süngliug bemn, ben bie tiebeuSwürbigfteu ©igeu= 
febafteu febmutften, trobbem er oom 93ater wenig beachtet 
uub nod) weniger beoorgugt lourbe. ©eine ©rgiebuug be» 
fanb fid) in ben $anbeu ber SJeutter unb arabifdber 
9teligiou§febrer, bie fein ftiHe§ frommes ©emüt für Oie 
©lanbenSfa^ungen beS SSIom im böcbften ÜKage empfängt 
lidb gu mnd)en oerftanben unb feinen ©eift ooii ben irbtfd^en 
®ingen abtenften. ©rft fpüt würbe feiner ©ntwitfluug 
baS ^Pfropfreis beS enropüifcben Unterrichts aufgefe^t unb 
ber Sehrplau nach frangöfifdiem 3ufd)uitt entworfen. 

®er junge '^Jriug, oon allen ©taatSgefchäfteu fern» 
gehalten, führte in feinem@chloffe, ber fogenanutenl^ubbeh, 
auf bem SBege oon ^airo na(^ ber untergegangenen 
©onnenftabt §eliopoliS gelegen, ein freubeleereS, einfameS 
©afein. ©eine Unterhaltungen befchräuften fidh auf ben 
Umgang mit wenigen geifteSoerwanten SSertrauten, aber 
er empfanb eS wie eine SBoltat, ber großen SSelt fern gu 
bleiben, bie an bem §ofe beS prunffüchtigen, oerfc^wenbe» 
rifdien unb ehrgeigigen ©h^biwS S§waet, feines SSaterS, 
bie fefttidhfteu ©elage feierte uub fich wie Patuppre oon 
bem SBlute ber Slegppter mäftete. ®er ^roupring mieb 
gefliff entlieh febe ©elegenheit, mit jenen SSlutfaugeru in 
nähere 3?erührung gu treten, unb eS beburfte jebeSmal 
eines befonbereu SßefehleS feines SSaterS, um ihn gu oer» 
anlaffen, fidf ben eingelabeuen ©öften öffeutlid) gu geigen. 
Sn folchen gäEen pflegte er fiep mögtichft halb nach einem 
einfam gelegenen gimmer in einem ber oigeföuiglidjen 
fßnläfte gurud gu giepen uub mit biefem ober jenem ber 
oon ihm gefannten uub gefepähten ©uropäer ©efprüdhe 
über ernfthafte ©egenftänbe gu führen. ©S lag in feinem 
gangen Söefeu, mepr gu pöreu um gu lernen als gu 
fpreepen, um felber ein Urteil gu fäüen, ober feine 3Äei» 
nung gu öu^ern. ©eiten flog ein Sädpeln über bie gü^e 
beS fd)öuen, jungen l?ronpriugen, benn er pagte ben SBip 
mie ben SBipbolb, unb baS ©eioopnlicpe war ipm in ber 
©eele guwiber. 


78 


5 


®aS 3Wagaäin füt; Sitteratuf. 


®ie miöliiifjelige üage be§ SaiibeS in ^olge ber ger» 
rütideii nub liibevli(^en g^iiiaiigwivtfdjaft unibreiib ber 
(erteil 3al)re ber S^cgieruug feines SSnicrS entging nimmer» 
mel)r feinem i)rü[enben edjarfblicf, nnb btiS 'Slcnb, nnter 
metebem bns ^otf fenfgte, gerrife fein §erg. 3US3Smnel 
bie febmergenSreiebe (S’rfabrnng umebte, bofe bie enropaifeben 
Diatten, melcbe bnS 3Karf beS SembeS nnfgefogen bfitten, 
eine nach ber onbern fein finfenbeS (gebiff 'nerfief3en, nm 
ficb itnb i()re gefcmimetlen ©ebnbe nnf enro|)(iifcbem 93oben 
in ©idjerbeit gn bringen, ntS feine 9iotlüfigfeit auf baS 
.^öcbfte geftiegen mnr, bn mar e§ fein ebrlii^er nnb redht» 
lieber @01)11, ber uon ibm berfnnntelJronpring 'Di ol) am meb 
Semfif, ber ibm bie letjte $ilfe nnb llnterfliitjnng bei 
ber [teigenben 9iot leiftete. 

®er Ibronpring, gnm Diinifter=i|5räfibenten ernannt, 
entmidelte anf feinem 5ßofien eine nngemöbntidie (Energie 
nnb er marf fid) gnm 9iäcb« feinet 35olfeS anf, bem'er 
in ber ifJerfon beS Diufettifd) baS erfte Opfer feines 
barbraebte. Ser bamatige ginmiiintiiiifto S^macl $'afd)a, 
metcbei-' ben eben genannten Sitet fiibrte, bagn ein äWitetj» 
brnber beS (ibfbimS, galt als ein 9iänfefcbmieb nnb 93c= 
trüger, ber feines gleichen fnd)le. Snbcni er alle Diittel 
nnb 9Bege bennlgte, nm ber Seobtfernng nnb bor allem 
bem IBaner baS lebte ©elbftittf anS ber Safebe gn giet)en, 
angeblid) anf 33efebl beS berfd)nlbeten ©bebimS, ftat)l er 
Diillionen gn feinem eigenen ißorteil. Ser SnjnS feines 
^anSmefenS erinnerte an bie Diärcben oon Sanfenb nnb 
einer 97acbt. 9iicbt meniger atS tanfenb ifierfonen gcljörten 
gur S3ebiennng feines ifjatafteS, nnb feine g^ranen ftrotgten 
bis anf bie ©cbuMP'^f'i bon ißriltanten nnb fonftigen 
S’betfteinen. 

Sn einer @ibnng beS ©taatSrateS trat ber Ibronpring 
als Slnfläger gegen ben Dinfettifcb anf, über ben er 
fürcbterlicb (Seridit bielt- Ser fonft fo fcl)nd)terne ^ring 
fcblenberte mit Sonnerftimme bem gitternben Dcnfettifcl) 
bie Slnflogen entgegen, ja er patfte iljn mit eiferner f^anft 
nnb fpie ibm in baS 9lngefid)t. Um ben Dcnfettifcl) mar 
eS gefebeben. 97ad) menigen Sagen mnrbe fein plötjlicber 
Sob gemelbet, ol)iie ba^ bie grofee SBclt eS erfahren l)ot, 
in melcber Sßeife fein tleben geenbet. 9hir ben ©in» 
gemeil)ien ift eS befannt, mie fid) baS granenl)afte Sranm 
in aller @tiHe abgefpielt b«t. 

9lm 26. Smü 1879 l)atte DJobammeb Semfif als 
©bfbim, ben @d)mcrg, oon bem abgefctjten ®atcr anf bem 
33al)nl)ofe bon ibairo 9lbfd)ieb nel)men gn nutffen. 
SSmael ißafcba berliefe anf 93efel)l ber l)ül)cn ißforte fein 
£anb, nm an^erbalb bcffelben fein iteben in ber iUer» 
bannnng gn befdtließen. .fbein 9tnge blieb tränenleer, alS 
bie ©olbaten gnm letjtcn Duile bor bem febeibenben ©1)^^'^ 
baS ©ernebr präfentirten, bie fid) feuften, bie 

Dtiififfaperien bie 9tationall)l)mne ertönen liefen, nnb ber 
©oI)n bem ißater bie §anb gnm 2lbfd)ieb anf emig reid)te. 
©ie foHten ficb niemals mieberfel)en. 

Sem neuen ©bebim foHte baS ©liid nid)t lnd)eln, 
beim bie erften Sal)re feiner Slegiernng mnrben burd) 
febmere ^rnfniigen eingeleitet. Sie Orbiiang ber f^i'iangen 
bernbte gniüicbft anf 9iegntirnng ber nngebenren ©ebntben» 
maffe, melcbe S§maei bem Sanbe anfgebnrbet bntte. 
3meif^inangfoiitrolenre, einSnglänbernnb eiuf^rnngofe, be» 
forgten baS eigentlicbe ©efebäft gn ©niijten ber enropäifeben 
©länbiger, ol)ne ba§ eS bem jnngen ©bebim oergönnt mar, 
feinem 93olfe bie anferlegte ©tenerlaft gn erleicbteVn. ©eine 
©etöftänbigfeit fnl)lte er bamit erfdinttert. tic'ad) bem 
Sobe beS frangöfifeben SireftorS beS ögbptifeben DenfeumS 
oon 33nlaf, D?ariette i)5afcba, mn^te fiA ber ©bebim 
bm f^orbernngen beS frangöfifeben ©enefalfonfnts be» 
bingnngSloS nhtermerfen nnb gegen feine eigenen ffiitnfcbe 
einen grangofen gnm 9tod)folger ernennen, ©in mit 
ögbptifdbem ©etbe gegrünbeteS nnb oom ögbptifeben ©tagte 


nnterbalteneS miffcnfibafilicbeS Snflitnt mnrbe mitten in 
9legl)pten in ein frangöfifd)eS D'Jnfenm oermanbelt. Ser 
©bebim mnbte fiil) gegen feinen SBillen in baS Unoernieib» 
lid)e fügen. Ser Dhlitörnnfftanb in l?airo nnb bie ©m» 
pörnng 'beS berüd)tigten ©arbeoberft Slrabi ^afepa gegen 
ben itnnbeSfürften nnb fein 31eginicnt überlieferten 
2legbpten ben ©ritten. ©ngtifd)e Srnppen befebten baS 
i3anb nnb cnglifd)e ©eaiiite übernabmen bie 2citnng ber 
aiegiernngSgefcböfte. ©s ninfe gngeftanben merben, bofe 
man bem ©bebim nnb feinen Dtiniftern ben anderen ©lang 
ihrer ©teflnng bereitmilligft gönnte, aber bie ftrammen 
©rniibfätge nnb Dtabregetn' ber brittifd)en ©efebübev raubten 
ben oberften ögbptifeben ©ebörben auch ben leigten ©cbein 
oon ©elbftönbigfeit. Su ©itombnl rührte ficb feine §anb 
für fie. 

Sem ©bebim, meldjer miS ber ibpriifdien ©infamfeit 
feines SafeinS im ©cbloffe ber Unbbel) ficb iit bie natfte 
Söirflicbfeit ber fdjmierigften ©erböltniffe oerfebt fab, fonnte 
nichts anbereS übrig bleiben, alS fid) in bie anfgegmnngene 
Sage gn fügen liiib angemeffen ber ©brlicbfeit feines 
©barafterS ben beliebten morgenlönbifcben 3tönfen ooH» 
ftönbig gn entfagen. ©cbon bie Sanfbarfeit gegen bie 
Dletter feineS SroneS legte ihm bie Pflicht anf, bie ge» 
fteflten ©ebingniigen millföbrig aitgnnebmen nnb fid) ber 
gübrnng ber' brittifeben ©el)örben im ©iltbale angnoer» 
tränen. 

S8er bem oerftorbenen ©bebim ben ©ormnrf ber 
©d)mnd)e nnb 3fad)giebigfeit eiitgegenfd)lenbert, bepnbet 
fiel) in ooflftönbiofter llnfenntnis feiner Sage, ©iebts in 
ber SBelt l)iitte il)n oor bem eigenen ©erberben reiten 
föniien, pötte er ben 3Beg beS enffdbloffenen SBiberftanbeS 
eingefd)tagen, am meiiigften fein eigenes ©olf, beffen 
SBanfetmütigfeit nnb Diangel an fo'lbatifcben Sngeiiben 
meltbcfnnnt ift. Ser ögbp'lifcbe gfllfib ‘fl Äl'icger, 
nnb felbft ein Diobammeb tili mar mir im ©taube 
mit igiilfe niacebonifd)er Strnanten nnb eepter Drnber nnS 
bem liebfcpaS jene Säten gn oollbringen, bie feinen Damen 
mit lenebienben ©nepftaben in bnS ©nep ber neneften ®e» 
fd)id)te 9legi)ptenS eingetragen haben. 

Sa§ es bem ©pebim nid)t an Dint nnb pcrfönlid)er 
©mfcploffenbett gebraep, bafür liefert ein ©organg 3eng» 
niS, ben iep bie ©pre patte ans feinem eigcncirDinnbe 
gefepilbert gn pören. ©S mar im Sapre iS84, als icp 
yiegppten beinebte nnb bei meiner erften Slufmartnng in 
feinem f|5alafte ipni gegenüberfa^. Dad) füiif]öl)riger 9lb» 
mefenpeit fgl) icp ipn mieber nnb patte reicplid) bie ®c» 
legeiipeit, gnnöcbft in feiner önperen ©rfd)einnng bie auf» 
falleiibfte ©crönbernng maprgnnebmen. 9tnS bem inngen 
^roiipriiigen mit feinen frcnnbliipen liebenSmnrbigen 3iUlf>i 
auf bem bnrttofcn @efid)te mar ein fröftiger Dcann mit 
bicl)tem fepmargen ©oEbart gemorben, ber ein ©rbteil 
fömtUeper 9iact)fommen Dtopanuneb 9lliS gn fein 
fd)eint. ©in tiefer ©ruft prögte fiep in feinen Diienen 
ans nnb bie ©cbmermnt fprad) anS feinen großen brannen 
Dngen, bereit ©laug mid) früper fo oft bezaubert patte. 
Sie Unteri)altnng mnrbe gmifepen nnS in arabifdper 
©praepe gefüprt, beim er liebte fein ©olf nnb moüte micp 
mir gegenüber bicS in ben münblicpen DJitteilnngen gnm 
DnSbrnef bringen. 

,,©ie merben Slegppten, fo pob er an, feit SPvem 
leigten ^ierfein oerönbert finben, aber mie icp poffe, 
niept gn feinem ©cpabeit, beim mir gepen einer nenen 
3eit entgegen, menn anep ber Uebergang fepmere Ifömpfe 
erforbert. 

„Sep habe perfönlid) oielerbnlbenunb leiben müffen, 
aber baS fipmerglicpfte für micp mar bie ©mpörnng 
2trabiS, ber biir^ feine nnfiimigen Säten baS ©egen» 
teil oon bem gegeigt pat, maS er fein moflte, nömlicp 
ein ^Patriot, 



mt. 5 


®a§ SKogoäin füt Sitfemtur. 


79 


bei' mi(it(ivifct)e 9(iifftaiib feinen ^öf)epunft 
evreicf)t f)nlle. befnnb ici) micl) mit meiner ciangen 
milie in meinem (Srfjloffe in Sinmlel) om l)ol)en Ufer 
b?§ atbecrev. 9 cur meine 9lbjutonten nnb menb.e mir 
treu ßrbiiebene DfpUere beun}i)iitcn mit nnb bnS Sdjlü^. 
6 ’ineb 9iod)mittngb, e» mnr im Ijei^en 3)Jünnt 3nli, 
uernolimcn mir bie Söne eineb ©iflnolljürneb, nnb e§ 
bauerte nid)t taii(]e, bafe ein SJotaiOon ägl)ptifc(;er Sn= 
fanterie fid) auf ber breiten S^erraffe nor meinem 2 ßohn= 
fiii in 3UÜ) nnb ©tieb anfftedte. 

„"Sie 9tbfid)tcn, me(d)e ber f^üttrer ber Sirnppe, ein 
blnt|nngcr Offizier, im ©d)ilbe fiil)rte, mnren mir mi= 
befannt, ober i^ mnr entfd)(offen, il)ni perfönlid) gegen» 
nber,^utretcn, nni ben gmeef feiner 9lnfnnft 51 t erfahren. 
ü)ieine ©cmnlin befdjmor mid), bnuon ab^ufteben ober 
menigftenb bie 93egleilnng meiner getreuen Dffigiere 
nid)t gnrürfjiimeifen, nm im öu^erften 3totfotl bitrd) 
il)re iteiber nnb Stoffen gebeeft ^n fein 9 cb leljnte 
beibeb ob, liefe bn§ grofje portal öffnen nnb ging tnng» 
fnmen ©cliritteb nnb init oder Seelenrnfje ber nnfftön» 
bifefeen Sirnppe entgegen. 

„9Jieine ptötjtidte ©rfc^einnng oerfefette ifere 3öirfnng 
auf bie ©olbnten niefet. (sie prafentirten opne ^^om'» 
manbü baö ©emefer, il)r f^iiljrer trat oor nnb fatntirte 
mit bem ©äbet. 

„Sn metdjer 9tbfict)t bift bit ()ierl)er gefommen? 
rebete id) i()ii an. Seine Stimme jitterte, citb id) mein 
9tnge feft onf ii)it geridfeet pnite, nnb feine Stntmort 


lantete: 3Bir finb gefommen, nm ©ffenbina (b. I). nnfern 
fperrn, ber gemöfentidje $itef beb ©feebimb in ©gfepten) 
51 t befcfiüfeen 

„©mpörer gegen iferen §errn moden il)n befefeittjen! 
®ab flingt fettfam. Unb bejdjü^en gegen men? fiel 
id) ein. 

„©egen bie ©ngtönber, rief er anb, bereit S?riegb» 
jd)iffe oor bem §afen uon 9Uepnbrien bie 2 lnfer ge» 
morfen fjaben nnb meli^e bereit finb, bie Stabt §n be» 
fd)iefeen. 3Bir bitten nnfern .^errn, fofort biefeb Sefetofe 
gn oetlaffen nnb feinen 9tnfent()a(t in SUejanbrien gn 
nefemen. atiiilen unter nnb mirb nnfer .^err gefepüfet 
fein nnb feine 9[rmee mirb naep mie oor feinen Öefepfen 
©eporfam (eiften. 

„©b tote not, bafe icp oor end) gefipüpt mürbe nnb 
mid) im eigenen Üanbe ber brittifepen i?rieg§mad)t an» 
oerlrante. Sept bort bab englifepe IJriegbfcpiff! — nnb 
icp mieb mit ber 6 ^anb nnep bem 3 )ceere pin, auf beffen 
§üpe ein ^]?angerfd)iff unter engtifdjer g^tagge bem 
Septoffe gegenüber Stednng genommen patte. S}er 
Jlommanbant pat oor einer Stnnbe ein bemannteb 
93oot an bie Äfifte gefant, nm mir nnb meiner f^amilie 
eine .3»ftncpl§fdiUc onf feinem Sepiffe angnbieten. Unb 
bod) pabe id) eb abge'epnt, feine ^ilfe in Stnfprncp gu 
iiepmen, fo tange id) no(p ber ©Pebim Sfegpptenb pcifee. 
Sd) bin bereit bib gnm fepten 33tntblropfen Pier mein 
öeben meinem 3Sotfe gn meipen nnb füge miep in ben 
5K>iden beb SIderbormerb. 

„9i5ir erfennen mit öen SBiden nnfereb 

.^errn, ermiberte ber ©elbfcpnabef ®ocp erfnd)e icp 
©ffenbina, fofort ben 2Beg und) 9Uej;anbrien eingn» 
fd)iagcn, mibrigenfadb icp ben Sfnftrag pabe, nnfern 
.§errn gefongen gn nepmen. 

„So fei eb beim, ermiberte id) gefaffeii, nnb begab 
mid) in bab Sd)tofe giirüd, nm bie erforbertiepen St'afe» 
regetn gnr 3ieife natp SUejanbrien git treffen. 

,,9Zad) fnrger Serntnng mit ben SReinigen oertiefeen 
mir bab Septofe oon dinintcp. Sn ineinef 93egteitnng 
befanben fiep meine ©ematin nnb nufere oier Ifinber, 
oon beiten bab jüngfte noep in ber 3Biege tag. ^ferbe 
niib 3Sogeti ober bie ©ifettbapn, mefc|e, mie Sie miffrn, 


oon Olamlep nnb in einer fnrgen ißiertelfiunbe tiud) 
i’tleranbricn füprt, fianben nnb niept gu ©ebote. 2 Bir 
maren genötigt, unter inilitärifeper ©edorte ben meiten 
Seg git ff^iife unter bem peifeen 'i)vanbe ber Sidifonne 
bttrd) ben tiefften Sanb gu maten. tfeieine ©ettialiu 
fcptncpgte mit lauter Stimme, bie Uleineii meinten gnm 
©otterbarmen, eine ©ienerin trug itiifcr Süngfteb auf 
bem 9 trme, unb erfepöpft bib gnm 2 obe erreitplen mir 
enblicp bab Siobigebiet. 

„©in oorneptiter 9üej;anbriiier, meteper in feinem 
tföngen an nnb oorüberfupr, errannte iiticp unb nötigte 
mid) unb meine f^atnilie, feinen SBagen gn bemtpen, 
nm bab §afenfd)lofe oon 9 iab=e(»'iin gn erreid)en. ©in 
Solbot napm feinen ‘’fJtop auf bem Sod neben bem 
^iitfcpcr ein unb mir eilten nuferem SBanbergiele ent» 
gegen. 

„S)ie IJanonen ber brittifepen Ifriegbfcpiffe oor 
JUejanbrien fingen gu bonnern an, nnb feber Sepufe 
niacpte meine ©ematin uiib bie lUnber erbeben. fRoep 
moi^eidang fpöter patte mein Ueiiiffeb Söcptercpen ben 
Scpred'en beb llanoiienfnodeb niept oergeffen fönnen. 
Seibft im Scplafe träninte fie allnncptlicp oon ber 
bnriplebten geit. Sie fnpr jöp gnfaminen, fing taut 
gu meinen au unb ipre bebenbe Stimme fällte pinter 
eittaiiber 93um, 93ntii!" 

Ser münblicpen ©rgnptnng beb ©pebimb pabe icp 
nieptb pingugufügen. Sie geigt bab ©efäprlid)e feiner 
2 age an bem fffienbepunft ber nenflen ©efipicpie Stegpptenb 
unb leprt ,fri»c poeppergige ©efinnung feinem 3Solfe nnb 
feinem Snnbe gegenüber, ©r mürbe beii Sob oorgegogen 
paben, epe er fein §eit unb bab feiner gamitie ben eng» 
lifcpen f|5angerfcpiffcn nnoertrant piitte. Unb gerabe tu 
ber ©efapr geigt fiep bie mapre Seelengröfee 

Sni SRörg beb oerffoffenen Sapreb patte icp gum 
tepteu äffale bab ©lütf, oon bem ©pebim empfangen unb 
cinmaf au feine Safel gegogeii gu merben. Sd) patte 
mid) bei meiner Stnfnnft in 5 dairo gemelbet unb g(eid) 
baranf eine ©intabiing erpatten, bie miep feinem piinb» 
üepen IJreife nöper füprte. Sd) mar ber eingige ©nropner 
unb ©Prift, ber fiep bei Si)d)e befanb. Sie übrigen ©nfte, 
fämtlicp Sfegppter, gepörteu bib gu ben_ Seibiirgten piii 
feinem uninittelönred $offtaate an. Sie Unterpattuug 
mürbe miebernm in ardbifeper Spraepe gefüprt unb be» 
rüprte pmiptiftcplicp meine eigene ^Biffenfepaft, bab Sfufeitm 
oon ©igel) unb meinen Idjteii 9fnfentpalt in fUerfien. Sie 
Speifen mnren biircpaub imcp europaifeper 2Beife gubereitet, 
mit Sfnbfcptiife aller {euer Singe, melcpe und) bem ©efepe 
beb l^oran alb oerboten angiifepen finb. Ser ©pebim 
fd)ergte über miep, nlb id) eb abtepiite, SSein gu trinfen 
unb fpöter eine angebotene ©ignrette gu ranepen, ba er 
feine d)rifllid)en 3 a'e’>iiibe niept gmingen niöcpte, feinen 
eigenen ©emopnpeiteii gu folgen. 

Sn atleiii, mab bab veligiöfe ©febiet nnbetraf, mar er 
ber ftrenge dJfublim geblieben, olb ben icp ipii in feiner 
Sngeiib bereitb gefannt patte. 9fnr in einem ffJunfte 
lepiite er eb nb, ben ©ebrauepen feiner fürfttiepen ©taubenb» 
genoffen gu folgen, benen bab ©efep bie f 8 ielmeiberei bib 
gnr 3 apl oon oier gi'aitrn pin geftattet. ©r lebte mit 
feiner eingigen ©ematin ©iiiinep , einer ©nfelin beb 
früperen St^igefönigb 9tbbab, meld)e fiep bitrd) ipre enro» 
pöifd)e töilbiuig unb ipre ©jeiftebanlagen aitbgeid)iiele, in 
ber glürfliipfteu ©pe, unb ipr fparfameb $anbmefen galt 
alb bob Wiifter eineb molgeorbiieten unb molgeregelten 
f?amilienlebenb. 93 eibe erfaniiten eb alb eine 9litfgabe 
ipreb Safeinb, ben äffofipeen nnb frommen Stiftungen, 
ben Scpitlen nnb bem 9lrmenmefen ipre iritfe unb Unter» 
ftüpnng in ber tatt'räftigften SBeife gu mibmen unb bab 
erfte ©efep beb Sloraiib, bie ^Uarmpergigfeit, in umfaffenb» 
feer ^eife gu erfüCeu. 



80 


®ii?' SJJagagin füt Siüecaüa'. 


3 Jr. 5 


®em (Jfiebtu) leuchtete e§ atö eine feiner i)ödf)ften 2iitf» 
gaben nor, 5111 3 lnäbilbung ber Sngenb feine§ ünnbeS 
nod^ allen träften beiautragen itnb bte enro|)ätfct)en Sin» 
fdjamtngen auf aiien ©ebieten ber wiffenfd^aftUcben ©r» 
fenntnig in <£(f)uie nnb §an§ fjineinaniragen. ©eibft ben 
jungen S:i)eoiogen enipfal er ben ®efticf) ber pljeren linier» 
ridjlganflaiten, iüelrf)e unter feiner Siegierung einer ifteform 
unteraogen worben loaren, um i^re geifiigen Siniageu ni 
üben nnb il)ren Slnfctjnuunggfreig über bie SBelt nnb bie 
Singe barin 51t erweitern. Sie Siebe, we!ci)e er für biefe 
aSeftrebungen an ben Sag legte, nnb ber @ifer, mit weicbem 
er ficö feiner Siufgabe unteraog, fauben eine befonbere 
Unterftü^ung burd) bie loeife ®ntI)oilung ber brittifeben 
a?ermattung oon allem, wag bie DMigion'nnb ba§ öffeul» 
liebe Unterricbtgwefen in Slegbpten betraf, ibier war bem 
©bebiw Itnb feinem Hultiigminifter ein freieg »Selb für 
il)re unbefebrünfte Sätigfeit geblieben. 

Silleg in allem genommen mub eg ber gerechte nnb 
unparteiifebe Seurleiler bem oeritorbenen ©bebiw nacb» 
rübmen, ba§ er eg mit großem ©efebief nnb in richtiger 
©rfeuntnig feiner 3eit oerftonben bat, ben mobammebaiii» 
fdien ©eift mit beji ©rrungenfibaften beg europciifdjeu 
tultnrlebeng 51t oerföbnen nnb gur ©mpfänglicbfeit bafür 
31t gewinnen, llnb gernbe bie Singbilbunq ber Sngenb 
erfcbien_ ihm olg bag geeignelfte SJiittel, biefen hoben äweef 
gn erreichen. Sie SSontrteile oerfebwinben bamit nnb bie 
Hulturgegenfäbe gwifeben Orient nnb Occibent werben 
immer geringer, ©elbft ber Sinblicf ber heutigen ©labt 
llairo liefert ein bereteg geugnig für bie ©eneigtheit 
ihrer Sewobner giir ginfübrung abenbläubifcber ©ewobn» 
beiten auf bem ©ebiete beg .g)nuferbaueg uiib ber inneren 
Slnlagen big gu ben aBafferleitungen nnb fonftigem Slomfort 
bin. Unter ber Dlegierung beg oerblicbenen ©bebiwg fiiib 
gerabegu SBunberbinge nadb biefer Dlidbtung gefebeben, nnb 
bie ehemalige ©baüfeiiftabt ftebt auf bem'^fjunfie, ficb in 
gro^artigftem 3 )?abftabe gu einem gtanguoHen europäifeben 
38 interfurort umguwanbeln. Sie pracbioollften S)nufer, 
an ihrer ©pitje oornebme ©aftbofe, waebfen wie° SUlge 
mtg bem_©rbbobeu, nnb ber S^'embeiwcrfebr nimmt eine 
unglaubliche Slngbebnnng an. ©cbon jeljt barf ,^airo alg 
bie eigentlidbe SBeltftabt beg iDcorgnilanbeg betrachtet 
werben, nnb eg ift nur gerecht, angtterfennen, bag 311 0» 
bammeb Sewfif ber oolle Sauf bafür gebührt, bureb 
feine aufrichtige Seilnabme für bie aSorgüge beg europäi» 
fdben aSefeng nicht nur ber aiefibengftabt, 'fonbern feinem 
gangen Sanbe bie auggegeid)netften Sienfte erwiefen gu 
haben, ©r bat babureb ben tatfäcblidjeu ajeweig geliefert, 
bag man ein frommer SKuglim fein fonn, ohne ‘ficb ben 
aüBoltaten beg cbriftlicben 5 lulturlebeng gu oerfcbliegen. 
aSeiben, bem oerftorbenen ©gebiw unb ber überlebenben 
oerwitweten ©bchiwa, gereichen biefe neuen Slnfdtauungen 
gum boebften Sßerbienfte. 31 ur ber rohe SciwtiSmug ber 
Orientoien 00m gewöbnlicheu ©cglage fann ficb biefen 
Sorberungen ber neuen geit oerfcbliegen. ©in fortgefegter 
^ompf bogegen würbe ben eigenen Untergang ber morgen» 
lünbif(^eu ©toaten nnb asölfer oorbereiteu nnb befd)lenntgen 
helfen. Unb bag möge ber Fimmel oerhüten. Sie ^oefie 
beg Orientg würbe bamit oug ber aSelt gefchofft werben 
nnb bie ißrofo beg Slöenblanbeg an ihre ©teile treten. 



^ine t>et?Ia00Ot?b««ng. 

^on 

Crntt 


©ine für .qan^ SDentjcl^laub ein()eit(id) geftaltete unb mu 
betiUd) al§ ©efd^ geltenbe SSerlaggorbnung märe gemiß eine 
fdjöite @ad)e. )öet bem SBunfe^e i^re§ äuflattbefommeng be- 
teüigen ftc^ mehrere taufenb beutfdbe ä 5 er(og§bu(^bänb(er unb 
eine nod^ gröBere gabt bott Saufenben beutjd)er ©dbriftfteßer. 
Sie mürbe, fei e§ ba^ fie in ba§ bürgerlicbe ©efe^bud) für 
ha§> beutfdie Dietcb 9lufna[)me fänbe, fei e^ bo§ fie atö hz- 
fonbere» §Reid)§gefei^ ^ur ^ubüfatlon fäine, in biefen für ba§ 
geifttge Seben unb (Streben ber Station feljr miebtigen Greifen 
bte febr bebauerlidbe §Redbt§unficberbeit befeitigen, bie 'je^t baroug 
entftebt, baß gragen be§ materiellen SSerlag^redbtS nur an§> 
bem Sanbeggefe^ beantmortet merben fönnen, biefe§ SanbeB= 
gefe^ aber für bie ©eutren be§ beutfd)en Sudbbönbelg : SSerlin, 
ßeip^ig^^regben, Söln, granffurt a. Stuttgart, SJJündjen 
2 c. ein berfebiebeneg ift. ^äbrenb bie mirtfdbaftlicbe 0 rgani== 
fation be§ beutfeben ®ucbbönbet§ meit über bie ©renjen be§ 
9teid}§ ttub fi(^ am menigften innerhalb berfetben 

Sebraufen felgen tagt, möbrenb feit einem bie 

beutfdben Sdbriftfteller gemobnt finb, ihren SBobnfii^ unabhängig 
t)on ihrer Staaigangehörigfeit 51 t nehmen unb ^vl med)feln, 
mährenb lange fchon bem ^n:= unb Suetanbe gegenüber nur 
bon einer beutfeh^Jt (nidb^ preufeifdjen, fächfifdben, bairifchen k .) 
^ßrobuftion unb bon einem beutfdben ^udbhctnbel bie ^ebe ift, 
fann ein Serlag§bertrag, je nad)bem er ht^t: ober bort gum 
^bfchlug gefommen, eine fehr berfchiebene ©rgänjnng burdb ba§ 
©efe^ finben unb baher im Streitfaß eine fehr berfd)iebene 
richterliche ©ntfdbeibung offen laffen. SBährenb mir ur\§> eine§ 
9Mdb§gefe|e§ über ba§ Urheberret^t erfreuen, ift ba§ X?erhält= 
iii§> ^mif^en bem Urheber unb bemfenigen, meldber mit Urheber- 
redbten ©efebäfte betreibt, alfo ^mifi^en bem Sfutor unb Ser- 
leger nod) immer nicht einheitli^ geregelt, ©ine beutfdie Ser= 
laggorbnuug fehlt uu§. 

Sebürfni§, enblidb auch auf biefem Serfehr^gebiet 
SSaubel ^u fchaffen, minbeftenS bie 9ftegeluug burdb bie geft- 
leguug bon grunbfäljtichen ©efidbt^punften bor^ubereiten unb 
51 t erieidbteru, erflarfte ^iemlidb gleidb^eitig in beiben Sägern 
511 bem Serfuch einer praftifdben ßöfung ber Siufgabe. 
bergaugenen S(^bt^ mürbe er unternommen unb fräftig burdb- 
geführt — leiber mit bem ©nbergebnig, bajä ftatt einer Ser- 
Inggorbuuug bereu 5 m ei au§ ben Serhanblungen ht*^^bor- 
gegaugen finb. ®er beutfdje Schrif tfieller - Serbanb 
beröffentlidhte in feinem Organ ,,‘5)eutfdbe S^effe" S^r. 19 bom 
30. 1891 ben bon feiner ©eneralberfammlung angenom- 

menen „©ntmurf eine^ ©efel^eg über ben Serlagg- 
Sertrag", ber Sörfenberein ber beutfehen Sndhhünbler im 
Sörfenblatt bom 30. ^e^ember 1891 Seilage ju ^r. 301 ben 
ihm am 15. ©e^ember erftatteten „Serii^t feinet au^erorbent- 
Iid]en Stu§fdhuffe§ ^ur Sln^arbeitung einer Serlag^orbnun g 
für ben beutfehen Suchh anbei“. Sor ber enbgittigen 
Sefchlußfaffung über bie legiere foß ber öffentli(hen SJteinnng 
©elegenheit ^ur 51euherung gegeben merben. 

SRan foßte meinen, * e§ liege auf ber $anb, bag eine 
bnitfdie Serlag^orbnung mit 31u§ficht auf Serücffichtigiing burd) 
bie gefehgebenben gaftoren nur ^uftanbe fommen fönne au§> 
einer Serftäubigung ber beiben beteiligten, auf einanber an=^ 
gemiefenen ©nippen ber Serlcger unb (^d}riftfteßer. SSunber- 
lidhermeife ift Pon einer foldien Serftänbigung bei gemeinfamer 
Slrbeit Slbftanb genommen. S)ie Sd)ulb merfen bie Suchhünbler 
in ihrem Serid)t bodh faum ernftgemeint auf bie Sdhriftfteßer. 
©§ fd)ien fich Pon felbft 511 Perftehen, bof] ein gufammen^ 
arbeiten nur benfbar mar, menn fidh bie S?ommiffion au§ 
Sertretern beiber $eile ^nfammenfehte. ®ie§ moßten bie 
Suchhänbler Pon Slnfang an nidß. Organifirt maren bie 
bentfdhen Sdhriftfteßer ^ur geit lebiglid] im beutfd}en Sdhrift- 
fteßer-Serbanbe. ©§ lag für ben SörfenPerein ber beutfi^en 
Sudhhänbler nahe, menn berfelbe, mie gefd)ehen, auf einen 
Slntrag Sobert Soigtlänber^ bie S^^itiatiPe ergriff, ihn ^ur Se== 
teiligung bnrd) gemähße Vertreter anf^uforbern. gd) felbft 
habe — e§ mag mir erlaubt fein, Iß^t: Pon mir 511 fpred^en, 
ba ber S 3 erid)t meinen SJamen in biefer Serbinbung ermähnt 
““ $errn Soigttänber, ber fich Pertraulich an midh maute, 



5 


SD^agagin für £itteraiut. 


81 


briefüä) unb münbtl^ ctuf btefen mä) meiner 3 luffaffung ollein ' 
5uiäfftgen ©tanbpunft p führen gefud}t, unb auf meine (Bin- 
mirfnng (^at bann and) ber gefd)öft^fuf}renbe ^ngfc^uB be§ 
©diriftfteHer^^Serbanbeg bie 33 ereiüniüigfett ^nr gemetnfamen 
5 lrbeit unter bem jc^on jelbftrerftanbltcb^^^ Sorbet)aIt au^ge- 
fprod^en, ba§ bie ©d^riftftetter al§ g(eid)bered}tigte^$artei 
5U ben SSerbanblungen ^uge^ogen mürben, ^err Soigtlänber 
felbft ijat feine SKeinnng babin ju erfennen gegeben, er glaube, 
ba^ man gut tue, „in bie entgegengeftredte §anb ein5ufcblagen 
unb bie Serftänbignng mit bem @c^riftfiellerberbanb gu fud}en'' ; 
auf feinen Antrag mürbe bem gemailten Sln^ü’c^ug „bie @r= 
mcid)tigung 511m Raubein in biefer 9 ?ic^tnng txkiiV'. S)er 
2tu§fcbu§ ber Snd)l)änbler b<^t febod) bon biefer Sottmat^t 
feinen ©ebraiid) gemacht, fonbern befd]loffen, fid) erft im engften 
©reife über bie bndibünbferifcben gragen 51t einigen, bann 
ben erhielten ©ntmnrf furiftifdjer Segntad)tung 511 unter^^ 
breiten, enblicb in Beratungen mit fcbriftfteüerifcben @ad)= 
berftünbigen 5U treten. SDa§ Borgeben blieb alfo ein burd)au§ 
einfeitigeg, and) menn bie ingmifdien ^nr Sfngarbeitung eine§ 
®efcbentmnrf^ über Berlag^recb^ Antrag bon Dr. 3 ffobert 
©eil born ©(^riftfteßer := Berbanbe eingefel^te ©ommtffion bon 
ben 9lrbeiten be^ Bucbbönbler ^ 9 ln§fd^nffe§ bertraulid) 
teilnng erhielt nnb ^ur SlenBerung aufgeforbevt mürbe, ^ie 
511 biefer ©ommijfion gebörigen ©cbriftfteüer galten bem Slu§== 
fd)uB lebiglid) olg ©acbberftanbige, bereu ®ntad)ten münfcben§- 
mert mar; 511 einer gemeinfamen Beratung bot er fie nie ein- 
geloben nnb nach ber an^brüdlicben ©rflarung be§ Berichte 
au(^ nidbt einlaben moden., 

^ie Brüfung ber für biefe gurüdbaltiing angefübrten 
©rünbe fann bem Berbanbe überlaffen bleiben. $ier intereffirt 
nur ber eine, ba§ ber Börfenberein al§ eine }uriftifd)e Bei^lon 
feine TOtglieber mangels anbermeitigen Borbebnlt§ and) in 
ihrem ©efcbäft^gebaren an bie burd) bie ^auptberfammlung 
angenommene Berloggorbnung binbe, mübrenb ber 0cbxift= 
ftefier^Berbanb . bieje ©inmirfung auf feine Slcitglieber nid)t 
habe, morang ficb (itad) gemeinjamer geflftellung) bie Sl^öglicb- 
feit ergeben fönne, ba^ älHtglieber be§ Börfenbereiim bei . 
©treitigfeiten mit ajcitgliebern bey ©d)riftfteOcr:^Berbanbeg bie 
Berlagöorbnung gegen fidb gelten laffen müßten, möl)ienb bie 
©cbriflfteller fie, menn ihnen ungünftig, al§ für fid) nnberbinb^ 
lieb bezeichnen tonnten. ©§ intereffirt belljolb, mcil fpäter ber 
©ab folgt: fei nod) bemerft, baß beffen (be§ ^chiiftfteller:^ 

Berbanbe^) ©efebentmnrf lebiglid) ben l)ot, bem 

?ieid)§fanzler nnb bem 9Md)§tage zur Berücffid)tignng bei 
gefebgebertfehen wirbelten übermiefen zu tperben. i)k Berlag§= 
orbnnng be§ Börfenberein^ hot bie meitergehenbe Beftim- 
mung, in fofortige praftifche SSirfjamfeit innerhalb be§ Xeutjd)=^ 
lanb§ ©renzen meit überragenben ©ebieteg be§ beutfehen Bnd]== 
l)onbcl§ zu treten." 

SDiefer ©ab geht nid)t nur bie SKitglieber be§ Berbanbe^, 
fonbern fümtliche ©chrijtfteHer an. ©r ift mir nur bann 
berftönbli(h, trenn ich ihtu einen bereu Sutereffen anf§ Bebenf:= 
lichfte gefeihtbenben ©inn gebe, Buchhönbler ftellen banad) 
einfettig bie nad) ihrer 5lnfd)anung für ba§ Berlag^gejchöft 
geltenben nnb gelten fodenben ©runbjabe zu einer Beilage- 
orWing zufammen, xxxdjt um bie geßblidie Sicgclmig ber 
terie in ihrem ©inne herbeiznführen, fonbern um biefe 
Berlaggorbnung in ihrem ©reife ^xxm ©efeb zu 
machen. 9cnn föhnen fie ztror unter fi^ feftftellen, ma§ 
ihnen beliebt. ®a aber feber Berlag§rertrag ein Bertrag 
zmifchen einem Berleger unb einem © d)riftfteller (nid)t 
bon Berlegern unter einanber) ift, fo laft fid) gar nicht er^= 
fennen, mte ihre Berlag^orbnung in praftifche SBirffamfeit 
anber§ treten fann, al§> menn fie ben mirtfdiaftlicl) fchmöcheren 
2^etl baburdh bergemaltigen, baß fie in jebem befonberen gad 
ben 50Jitfontral)‘vnten zur ^nerfennnng nötigen. ,^ic§ tönnte 
etma burch einen ©chlußparagraphen be§ Bertrag§formiilar§ 
gefchehen, ber lautete: fo meit biefer Bertrag nid)t entgegen== 
gefegte Beftimmnngen enthält, untermerfen beibe $eile fid) ben 
Borfdhriften ber Berlag^orbnnng be§ Börjenbereing; benn bie 
adgemeine Befiimmung be§ § 6: „©omeit ber Bertrag feine 
Beftimmnngen enthält, fommen bie Borfchriften biefer Berlag§^ 
orbnnng ... zur Slnmenbiing", reid)t bafür nid)t au§. ©^ 
bebarf 'mol feiner meitlänpgen Slu^führnng, baß e§ fid) hier 
in ber $at um einen ©emaltaft honbeln mürbe, ber be§ Ber- 
tranen^berl)ältniffe^> Berlegern nnb ©chriftftedern nn- 


mürbig märe,^ unb gegen ben um fo mehr proteftirt merben 
müßte, al§ feine Jragmeite ben lehteren beim Bertrag^abfcßluß 
in ben feltenften gäden zur ©rfenntniS fommen mürbe. S<h 
fann nicht glauben, baß fiep bie Berichterftatter biefe ©onfequenz 
fiar gemacht haben, bie ha§> gute ©innernehmen ber auf eim 
anber angemiefenen Sntereffenten unrettbar zerftören müfte. 
^äre e§ benfbar, baß ebenfo einfeitig bie ©chriftfteder fidh 
Perbünbeten, um ihre Berlag^orbnung gelten zu loffen, fo 
mürbe ein Berlag^Pertrag überhaupt nid)t zuftonbe fommen 
fönnen. 

^enn bie beiben Berlag^orbnnngen gehen in fehr mefenf- 
lichen Bouften meit an^einanber. 

(©chfuß folgt). 



Sioei 

Bon 

Ift Ctrl ^tauff cr^Bern.'^) 


9lu§ ber ©inbheit. ■ 

I. 

3Sie liebf id) bid), mie blidte id) fo gerne, 

SDu flugeg ©inb in b, einer Singen ©ferne, 

3u beine braunen Singen, liebeg ©inb! — 

©g ift Porbei, mir finb einanber ferne. 

©in ©inberföpfchen, braun unb ernft unb ftid, 
©teigt traumhaft auf ang meiner ©inbheit Sagen 
Unb blidt fo ernft, alg ob eg fagen mid: 

©ei rußig, ©arl, iinb bleibe treu unb gut, 

SBie jene B™zen, mo bie SKäreßen fagen. — 
®er mag eg fein, bag ftide Sljägbelein^ 

Sag große, braune, ftide SKägbelein , 

Slug ferner ©inbßeit miggeflungnen Sagen? 


SSie gingen mir einft ^anb in ^anb 
Sag Sorf hiuanf, hinab. ■ 

2öie liebb id) bi^, mie liebt^ft bu mid) 
3m fernen Baterlanb. 

SBie marft bu mir fo: gut unb treu, 
Su ftideg, großeg ©inb, 

SBie zog eg ade Sage neu 
ßu bir, zu bir mich hin. 

2Bie gingen eng Perfihlungen mir 
Sag Sorf hinauf, hiuab. 

Sßie mamheg ©üßlein gabft btt mir, 
äßie maneßeg ©üßlein gab ieß bir, 
Sanb auf, Sanb auf, Sanb ab. 


*) SßSir erhalten bie beibetf^ebiißte beg nnglüdlicßen ©ünftlerg 
Pon einem feiner ßiefigen greunbe, mit bem er in üntimem Berfeßre 
ftanb. SBenn fie amß niißt augreießen, um ein poetifeßeg Solent 
beg genialen Manneg zu betoeifen, fo bürften fie bod) ein menfd)^ 
lihßg unb biograpßifcßeg gntereffe in Slnfprucß neßmen 


SUfiörttdi tc^ ^räma^ tijcale jFrau“' 
taitti in 5 tacßcn Il5aimiinan0cl^ unteclCtcDdißii. 
üFoi'tfetsung imtj .ficljlufi in Mt, 6 ff. 



®oS SWogagin für Sitteratur. 


5 


@ i u 2S i u t e r m ä r d) e n.' 
Bon 

Igrnnann iSuöerniann. 


I. 

Sie ift eine ^ee itiib ift aitcf) feine .... boc^ meine 
^ee ift fie gewi^ — 

iRnr wenige Siole wäijvenb meine» Se6en§ ift fie mir 
erfdjienen in ^ngenbliden, ba id) fie nm wenigften er- 
wartete. — 

aSenn ic^ fie Ijolten wollte, war fie oerfd)wnnben. 

Unb bennod) weilt fie oft in meiner 3^äl)e. — 
fül)te fie im ^aitcf) be» SBinterwinbeS, ber über fonnige 
©^neefelber bnt)inflreid)t — id) atme fie im ®nft be§ 
a}torgenreif§, ber gtitjernb in meinem Starte t)öngt, — 
id^ fel)e ben ©djatten it)re§ öeibe§ riefengrofi über ben 
bnnftig fi^war^en 3öinterl)immel ftreiefien, ber frieblid) wie 
bie ^offnungStofigfeit über ber nadimiitäglidjen ®ämme' 
rnng° kr glangtoS weiften ©efitbe l)ängt — ict) t]öre _ba§ 
3Bi§pern ii)rer ©timme in ben Siefen be§ fnbfernen lfeffel§, 
ben bie bläntidte ©piritngflamme wie ein l^rang oon 
^rrti^tern nmtangt. — 

Slber oon ben wenigen ’Dt'aten, ba fie teibl)aftig oor 
mir ftanb — immer wed}fetnb an ©eftatt unb bennod) 
ftetg biefelbe — mein ©d)i(ffot, meine 3itfit»ft« wie fie 
werben foilte unb nic^t warb, meine SIngft unb meine 8>i= 
oerfii^t, mein gnler unb mein böfer ©tern, •— oon biefen 
ajtalen will ic^ eud) er 5 ät)ten. 

II. 

©g war oor swanjig 3al)ren an einem ©fjälabenb 
gut ©pip'^ania§äeit. 

©rauben wirbette ber ©d)nee. — 5Bie enblofe iOioiten» 
fc^würme famen bie f^^otfen an bie 3=enflerfet)eiben ge= 
flattert, ftiefeen tanltog gegen ba§ ®la§ unb glitten bann 
feufredjt, al§ I)ötten fie beim Slnprall il)r 
brod^en, sur @rbe nieber. 

®ie Sampe, bie alte Slugenoerberberin , mit bem 
btanfen ÜReffingfufee unb bem grünen, auggefranjten 
©i^irme, ftanb auf bem Sifdie. ®a§ Del in il)mn üeibe 
gurgelte in el)rbarer ipflid)terfüf[ung. — Stuf i()reni^®od)te 
fammelten fid) bie ©^laefen, wie ein anggebrannter iad)eiler= 
baiifen an 5 ufel)n, über bem ein mübeg f^ener langfam 
einf(^läft 

®rüben in bem 5 erfct)liffenen ^olfterftul)le war meine 
Skutter gemad)ti(l) eingenitft. ®er ©tridftrmubf,,. 
ihren ^änben entglitten, lag auf ber blaugebtümten 
©chür^e. — ®er iBollenfaben fchnitt eine tiefe gurdfc in 
bie geborftene §aut ihre» — ®<>w ber IRabetn 

wiphte in fühnen ©d)wingungen hinter bem Oh^'^- 

®er ©amowar mit bem runben Stauche unb bem 
blihbtanfen ©chornftein war auf bem Stebentifjhe ftehen 
geblieben. — Ston Seit gn Seit wirbelte eine fleine, bla^= 
bläuliche ®ampfwotfe oon ihm empor unb ein garter 
§otgfol)lenbunft umfbiette fihelnb meine 9lafe. 

SSor mir oufgefchlagen log beg feinen ©attuft fatilü 
norifche Sterfd)wöriutg. Slber wag ging ©oiluft mich an? 
®ort fteht er fchon bereit — brüben auf bem Sücherbrette 
lad)enb unb locfenb in feinem golbgefchmücften ©ewanbe, 
er, TOündjhaufen, ber erfte Stoman meineg itebeng. 

S^och gehn Setten, bann war id) frei. — Sd) wühlte 
bie beiben gäufte in bie $ofentafd)en hinein, beim mich 
fror. Stod) gehn Seilen! — 

©ehnfüchtig ftorrte ich meinem f^rennbe entgegen. 

Unb fiehe ba! SBag bie ©tümperfunft beg Stud)= 
binberg gefchoffen, — plumpe Slrobegfeu oon SBeinblättern, 


bie fich um geborftene ©äitlen ronfen, eine aufgehenbe 
©onne in ber StZitte mit einem ©pinnenneli oon ©trahten 
ringgherum, eg begann plötgtich fi$ auggubehnen in ^öpe 
unb Streite, würbe größer unb größer, big eg bag gange 
Simmer erfüllte. — ®ie SBeinblätter fchüttetten fi^ im 
SOtorgenwinbe, ein leifeg Sliefeln lie^ bie ©äuten erbeben, 
unb höher unb höhfr ftirg bie ©onne oom Stoben empor. 
— gf’wig fchoffen ihre Strahlen burcheinanber, ein Steigen 
tangenber g^acfetn, immer weiter ftrecften fid) bie flimmern» 
ben Sinne, olg wofiten fie bie SBett erfoffen unb on fid) 
giel)n, fie im ©onnenfd)o^e git begraben. — ©in Straufen 
erhob fich i>i Süften, bumpf unb hergerfchütlernb wie 
ferner Drgelflong, eg fchwofi auf gum ®onnergetön, grell 

anfgucfenbeg ©i)wbalflingen mifchle fid) barein. 

®a fpringt ber ©onnenteib weit auf — eine f^tamme 
in bläulichem ^^thogphorgtange gifht hrwug unb auf biefer 
gtamme fteht hocfiaufgerihtet mit ftiegenbem ©l)iton ein 
weigeg, gotbt)aorigeg Söeib, ©chwanenftügel im Stachen, 
eine $arfe in ber §anb. — — 

Sllg fie mid) fie!)t, lacht fie l)efi cmf- ®öricht, finbifch, 
ungegogen flingt bieg Sad)en, unb wahrlid)! ein llinber» 
miinb ift eg, bem eg entquillt. Sn heraugforbernber Soll» 
heit guffen bie blauen Unfchnlbgougen mich on. ®ie 
prafieh astangen erglühen in fed'er Sebengfreube ! — Slfie 
guten ©eifter, wie fommt biejer Hinbgfopf auf fold)cn 
©ötterleib? — Stun wirft fie bie §arfe ouf bie SKotfen, 
hocft auf ben ©oiten nieber, pulgt fiel) mit bem linfen 
^’lügel gefchid't bog Stägehen unb ruft mir gu: 

' „Äomm, fd)littre mich !" — 

SJZit offenem SJtoule ftarr id) fie an. ®onn roff id) 
all meinen ifiiut gufammen unb ftammle: 

„SBer bift bu?" 

,,Sd) hetfee Shea," fichert fie. 

„Unb wer bift bu?" frag id) noch einmol. 

„aster ich — o>h öummeg Seng! — fomm fchlittre 
mich ~ ober nein, bu fannft ja nid)t fliegen — ict) werbe 
bid) fd)littern — bag gel)t fchnefier." 

Unb fie erhebt fich! §err beg §immelg, welche 
formen! Söie ftolg bie §üften fid) wölben über bem läffig 
gefunfenen ©ürtel, wie ebel §olg unb Stufen fid) oer» 
niählen, in ßinien, wie fie nie ein Hünftler gu erfoffen oer» 
mocht. 

@ie ober ergreift mit ihren fd)lanfen S'ingern bag 
blaue, golbgewirfte Sanb, bag ben §alg ber §orfe um» 
jd)iingt, unb mad)t eine ©eberbe, alg ftelle fie fiel) gum 
Siel)n bereit oor einen ©d)litten. 

„J^omm," ruft fie noh einmal. 

Sch woge nicht, gu wiberftehn. öinfifch l) 0 (f id) auf 
ben Saiten nieber. 

„Sei) werb’ fie burd)treten!" ftammle ich. 

„®u ^nirpg," lacht fie „Söag glnubft bu wol, wie 

leid)t bu bift! Unb nun holt bid) feft " 

,flaum hob id) Seit, mit beiben §änben bag golbene 
©elänbe gu uml'lommern, ba l)ör id) bid)t oor mir ein 
Slanfchen. -- ®ie mächügen glüget falten fid) aiigeinonber, 
mein ©d)litten fchwebt nhb fhwanft in ben lüften — unb 
oorwärt? — oufwärtg gel)tg in faufenbem f^luge. 

©d)on liegt tief unter mir bie ©Iternhütte. — ^oum, 
bafe il)r üicht ben SBeg gu meinen ^öl)en finbet. — f^locfen» 
gewirbel umfreift meine Stirne. — Sm nächften Singen» 
bliche ift eg oerfchwunben. — SKorgenrot britht burd) bie 
Stacht. — ©in warmer astinb ftreicht mir entgegen unb 
weht burd) bie ©oiten, baß fie leife gittern unb flogen, 
wie ein fd)lofenbeg Hinb, an beffen ©eie ein ahnenber 
Sraum oorübergieht. 

„©chau hinab," ruft meine f^ee, ihr lochenbeg Jhöpf» 
chen gu mir umwenbenb. 

®a fei) ich,, in f^rühlinggglang gebabet einen weiten 
Seppich Oon SBälbern unb §ügeln, oon Sttotten unb ©een 



Magögin für Sitterato. 


enbIo§ imter mir oit§gebrettet. — ßJrihtgolben 51 t 

mir empor — faum ba^ mein 93li(f bie g^iiHe ber 3 Bunber 
gu ertragen üermag. — 

„@§ ift ja ^rüpling geworben!" fag ic| bebenb. 
„SKiHft bu pimmter?" fragt fie. 
ja!" 

®a gleiten wir aucfi fd^on pinab. — 

„3lat, wa§ ba§ ift?" fragt fie. — 

S’in alte§, IfalbüerfalleneS @(|lo^ bebt feine granitnen 
Wanern bod) oor mir empor. S!aufenbjäbriger ©pben 
wölbt ficb über ben ©iebeln — fcbwargioeibe ©cbwnlben 
fcbieben Iäng§ ben ©äcbern bin unb l)or'. — 9ling§brnmt 
erbebt fid) in liebli^em ©ieficpt blübenber Söeibborn mn 
webenbe ©piräenbüfd)et gefcplnngen. — Sißitbe Stofen 
taucben au§ bem ©nnfel empor, fromm leucbtenb, wie 
l?inberougen, nnb fcbloftrnnfen labt ein §oflnnberbamn 

feine Swftge anf fie nieberfinfen ^ 

8 lnf ber alten !Eerraffe, bort wo in gerbrorbenen 
Urnen breitblöttrige Kletten wucbern, wirb eg lebenbig. 
(£ine SUabcbengeftätt, fcplanf nnb biegfam, einen groben 
altmobifdben ©trobbut anf bem .^anpte, ein f^tortüdjlein 
frengweife nm §al§ nnb .^üfte gefcplnngen, ift an§ bnn 
morfdben, eifenbefd)lagenen i)]ortale getreten, ©ie trögt 
ein weibeg Sßünbelcben unter bem Sinne nnb fcpaut 
prüfenb nacp recptg nnb linfg, wie einer, ber anf bie 
SBanberfdjaft will. — 

„©iel) fie bir an", fagt meine — 

®a fallt eg wie ©ctinppen oon meinen Singen. 

„®ag ift Sigbeil)!'' fnble icb auf, „bie nacp bem 
©bei'bofe gel)t." — 

Unb raitm boö icp ben Dberpof genannt, ba bringt 
eg licbliib wie 93ratenbnft in meine Dtafe. — Slaucbwotfen 
wölgen ficb wir entgegen, trübe g’tommen gitcfen baraiig 
empor. ®a bröteltg nnb ba fo^tg, nnb bocbanf fpritjt 
bag fiebenbe g^ett! Sßnnber ancp! 3Wan wiH ja $ocb= 
geit feiern." 

„irööcbteft bn ancb bag Slicptfcbwert fepn?" fragt 
meine f^rennbin. ©in gebeimnigooöer ©cbanber rinnt 
mir über ben öeib. — „ 3 cb mö<bt fcbon," ftüftre icb 
angftlidb. — 

©in §nfcb — ein leifeg l^lirren — nnb eine enge, 
fable l^ammer Ipt fi^i iwt nng gefcbloffen. — ^ Slnf ben 
granen ©retterwönben flimmern nnb langen bie OJtonb» 
iicbter. 

" „©cpau b^t,“ flüftert meine f^rennbin nnb weift anf 
eine plumpe, alte ®rnbe. 

3 bt locbenbeg ©eficpt ift ftreng nnb feierlidb geworben. 
Sbr i^eib fd)eint nodf) git wocbfen. $ebr nnb berrlidj, 
eine Sticbterin, ftebt fie oor mir. 

Scb «de ben §olg, idb fcbiele in bie ®rnbe. — 

®n liegt eg — lencbtenb nnb ftilt, bog alte ©cbwert. 
©in ÜJJonbenftrabl gleitet on ber ©ibneibe entlang — eine 
longe, ftorre Sink giebenb. ®od) wag bebenten bie 
bnnfetn ^lede, bie fii| wie $öl)ten in bag glatte ÜKetall 
bineingefreffen hoben? — 

„®ag ift Slnt," fogt meine g'i'cwtbin nnb frengt bie 
Sinne über ber 33rnft. — 

SKicb fröfteltg, aber meine 23lide finb wie feftge» 
warfen an bem fd)auerlicben ©ebitbe. 

„S?omm," fagt ®bfO. ‘ 
fann nidbtl" — 

„Sßillft bng hoben?" — 

„iffiie — bog ©(bwert?" 

,,^ber barfft bng benn üerfcbenfen? ©ebört eg bir?" 
Sd) barf olleg nnb mir gehört olleg." 

®ag ©rauen padt mii^ mit eifiger g^anft. Slber ich 
fonn nicht anberg: 

„@iebg mir" rnf icp fcbanbernb. 


Ser eherne 93lilj gndt empor nnb legt fiep fall nnb 
fenept in meine Strme. SKir ift, olg begönne bag 33lut 
baran anfg neue gn fließen. — 

fOieine Sinne erftarren, bog ©cl)wert entfinft ihnen 
nnb fönt auf bie ©oiten nieber. Sie fangen flagenb gn 
flirren an. — gaff )oie Slngftfcbreien Hingt' ipr ©etön. — 
„SUmm bidb in Sicht," ruft meine gvennbin, „bag 
©cbwert fann fie gerreihen. ®ag ift fd}werer alg bn!" — 
2 Bir fliegen in bie SÄonbnacht hinong. Slber eg gel)t 
lange nicht mel)r fo fchnell wie fnrg üorher. SJteine 
grennbin fend)t, nnb bie tparfe fchwanft onf nnb nieber 
wie ein ijSapierbraihe, wenn er in ©efapr ift, nmgn* 
fiblagen. — 

'Slber ich achte nicht baranf. ®enn etwag fel)r 
®rolIigeg nimmt meine ©inne gang gefangen. 

Sin bem SKonbe, ber otg golbene ©cheibe in bem 
wotfentofen girmamente fd}wimmt, ift etwag lebenbig 
geworben, ©tioag ©dpoargeg, gwiegefpalteneg gappelt on 
feiner unteren ©eile bin nnb her. Sch f^bo fchörfer bi» 
nnb entbede ein ißar befpornter Sleiterftiefetn, in benen 
gwei mößig gerabe, bünne Seine fteefen. ®ag Sleitleber 
onf ihrer Snneiifeite ift alt nnb abgefebenert nnb fchimmert 
in ftnmpfem, mißfarbenem ©lange. 

„©eit wann marfchirt ber iOlonb auf gwei Seinen 
bnrd} bie Sßelt?" frag ich wiep nnb fange gn lachen an. 

Unb plötjlich erfeijeint auf ber entgegengefeljten ©eite 
ebenfollg etwag ©chwargeg — bag wadelt gar broKig nach 
redjtg nnb nach linfg. — geh ftrenge mein Singe an nnb 
erfenne — erfenne meineg alten grennbeg Sltünchbonfen 
oergwieften ©chnaiig» nnb IHnebelbart. — @r pot mit 
feinen langen, bürren gingern bie Honten ber SKonb» 
fdjeibe mnflammert nnb lacht, lacht, baß ipm fepier ber 
Sltem anggngeben bropt, — 

„Sch will hinauf," rnf iep meiner greunbin gn. — 
©ie wenbet fiep nm. SPr Hinberantlip pat fi^ mm 
oollenbg in ernfte SJc'abonnengüge nmgewanbelt. Um 

Sopre fepeint fie geoltert. Söie Hlönge oon ge» 

borftenen ©loden palten bie SSorte mir ong Dpr: „Siki 
ein 9Ucblfd}wert bei fid) trögt, fann nidjt gnm Slconbe 
empor." 

SJlein Hnabentrop empört fiep. „Sch will ober gn 
meinem grennbe Slünchbanfen." 

„SBer ein DUeptfehwert bei fiep trögt, pat feinen 
grennb." 

Sep fpring’ empor, will an ber Seine gerren — ba 
fcplögt bie .^orfe nm ■— id) ftürg’ ing Seere — bog 
Slicptfchwert über miep — fenfreept boprt eg fiep in meinen 
Selb — iep ftürg, iep ftürge — — 


„Sa boep," fagt meine SWntter, „warum rnfft bu fo 
öngftttep? S<h waepe ja fepon!" Unb gemöcplich nimmt 
fie bie ©trief nobel hinter bem Dpre fort, ftid)t fie in ben 
Hnönel nnb wicfelt ben angefangenen ©trumpf forgföltig 
brnm pernm. — — ^ — 

(gortfetjerag folgt.) 



Del' M 

SSon 

1 1 n c m lit 11 1 ü e r f 1 1 fl t § X e ö r 1 1% 

gong bir ein Sröpflein ang bem tief nnb rafep 
fließenben ©trome ber gfü, brbigg itnterg SJJifroffop ge» 
naner Setroeptnng, nnb bn wirft "barin ein gut ®eil beffen 
erfennen, loag ber große ©trom mit fiep ‘füprt. ©ogar 



84 


®oS SKagagin für Sitteratur. 


m-. 5 


bie öielbefpotteteii ©türme in ben SBaffergtöfern fiub be= 
lelfrenb, mte fo[t olIe§, roa§ befpottet wirb; man fann 
barauS fi^liefeen anf bie ©igenfi^aften be§ betrejfenben 
SBafferS wie be§ belreffenben @iafe§. SBenn icp mit foidiem 
i'ergleicf) einen fnrßen 33eri^t über ben ,,^oE ©prift" ein» 
leite, fo mog e§ fcpeinen, al§ nerleugnete icp bie $ocpacp» 
tnng, welcpe graöüätifd)e SO'tenfdfieh nnb ®inge bean» 
fpnti^en. Unter granitätilcpen atJenfcpen nerftepe i(^ nicpt 
ben ^rofeffor o. ©prift, berseitigen Eieftor ber mündpener 
Uniüerptüt; beim er ift nicpt ein granitätifcper, fonbern 
ein bernünftiger 9J?ann. Unter ben grabitfttif(|en Singen 
öerftepe icp nicpt bie SBiffenfcpaft. ^t§ wel(^e e§ nii^t 
nötig pat, ©prfnr^t gu peifcpen, fcpon epe fie ipren 3ln= 
fprncp auf (Jprfnrdpt erwiefen. 9^ur ba§ grauitatifcpe 
Sogma pat ba§ nötig, nnb bie granitätifcpen Sente, welcpe 
bn§ Sogma nerteibigen mit ber gansen begeifterten Hiebe, 
bie ber 3JJenf(p 51t bent emppnbet, wa§ ipm nüpticp ift. 

Siefen pat 3Bitpelm ü. ©prift fcpweren Slnftop ge» 
geben, f^otgenbermapen: am 21. fEooember 1891 pielt 
er beim 3tntfitte be§ fReftorateS ber Subwig»S’(aj;imilian§» 
Unioerfität eine 31ebe über .,9ieform be§ Uninerfitötl» 
UiiterricptS". 3n rupiger, wolbebacpter SBeife, gau3 snr 
©acpe, trögt er feine Oebanfen nor über bie SSerbefferung 
beä Sepreii§ nnb Sernen§ an ben §ocpfcpnten. Sie ©tu» 
beuten foEen nicpt auf ba§ ?tnpören non SSortefungen fiep 
befeprönfen, fie foEen ben ©toff lebenbiger aufnepmen: 
„33orlefungen bilben einen' wefentUepen nnb notwenbigen 
Seit ber Uniüerfitötsftnbien; aber in feinem gftpe öarf 
mit bem §ören non ^orlefungen ba§ UnioerfitötSftnbinm 
al§ obgef^toffen gelten; e§ muffen ptnäutreten: Uebnngen 
im ©i'perimentiren nnb in ber prafiifcpen Stnwenbnng be§ 
©eiernten, afiine Ulnteilnapme an ber SBefpreepung wiffen» 
fepafttieper ©ontroberjen nnb anfgefteEter Spefen, feprift» 
litpe Stearbeitnngen einzelner fcpwierigerer f^öEe, fclb» 
ftönbige SBerfnepe in Söfnng wiffenfepafttieper ^.fJrobleme. 
SLton biefen nier Slnfgoben ift bie ajieprgapt berart, bap 
fiep ipnen fein ©tnbent in feiner gafnllöt ent^iepen barf; 
aEe inSgefamt müffen ba§ öe,§ 2Betteifer§ nnb beB 
ibealen ©trebeng ber afabemifepen Sngenb fein." — 93ei 
ber 3ln§füprung uub S3egrünbung feiner 3Reinnngen ift 
c§ mm bem SSortragenben begegnet, einige ©öpe an§3u» 
fpreepen, weldje fo gebeutet werben fönnen, al§ ermangle 
er ber regten fircplicpen ©länbigfeit; als befipe er biefe 
©lönbigfett wenigftenS nicpt in bem erforberlicpen ©rabe 
— fo 3u fogen:' in bem erforberlicpen önanlnm. Sa 
peipt cS 3. ®., bop „in nuferer geit ber .§ancp eines 
nengeftaltenben ©eifteS bnrep bie Seit gept nnb auep bie 
cilteprwürbigen ©inrieptnngen nuferer Uniberfitöt erfrifepenb 
nmwept." 9cun finb aber bie fRecptglöubigen fepr em» 
pfinblicp gegen gugluft nnb beSpalb bnrepanS abgeneigt, 
fiip bon irgenb einem §ancpe, befonberS wenn er frifcp 
ift, nmwepen 31t laffen. 9ln einer anberen ©teEe: „ERit 
ber 3nrütfbämmnng metapppfifeper ©pefnlationen nnb ber 
Befragung ber 9?atnr bnrep baS ©jperiment pat fiep anep 
bie Sepanblnng ber iRatnrwiffenfepaften auf ben Uniber» 
fitöten gennbert." ©0 fepr aber bie Ultramontonen im 
aEgemeinen für baS gnrütfbömmen eingenommen finb, fo 
wenig biEigen fie eS, wenn eS gegen SRetapppfifepeS fiep 
rieptet. 2tnct) lieben fie feiiicSwegS, bie iRatnr 31t be= 
fragen, weil fie borauSfepen, bap fie bon biefer eigenfinnigen 
altäi Same, welcpe Heute wie Sarwiii 311 Seieptuötern 
pat, nur uiiangenepme Stntworten befommen. f^olgenbe 
Sorte büllenbS paben boS ©türmepen, woraus bie 33er» 
pnfternngSfrennbe gerne einen ©türm maepen würben, 
perborgernfen: „Srop nmneper altertümlicpen f^ormen finb 
wir bie eigentlicpen Sröger beS wiffenfcpaftlicpen 
fepritteS: wir finb anS Snftitutionen beS SRittelalterS per» 
borgegangen nnb tragen in ^leibnng nnb töarett bie 3n» 
fignien beS geiftlicpen ©tanbeS; aber innerlid) finb wir 


Ätnber unfereS SaprpunbertS nnb in ber ©efamtpeit 
löngft ni^t mepr an bie ©epranfen eines beftimmten firep» 
liepen ^efenntniffeS gebnnben." 

©ie fepen, §err b. ©prift ift fein g^anatifer moberner 
Slnfcpaunngen. ©r pat pep nicpt als ein Sinfelrieb beS 
mobernen ©eifteS ben ©piepen ber frommen HonbSfnecpte 
oorbringenb entgegengeworfen. Um ipn 3U fapeü, mnpten 
fie ipn auf bem feiiieSwegS epponirten ffßlape anffnepen, 
wo er ftept: 3US Sieftor einer Uniberfitöt, bie 3War als 
eine fatpolifepe ©tiftnng in bie Seit getreten, biefem 8»= 
ftanbe ber ^inbpeit löngft entwoepfen ift, fpraep er ans, 
bap bie ©efamtpeit ber §o^fipule nicpt mepr einem 
beftimmten ©efenntniffe angepört. ©ine Satfaepe, gans 
einfaep eine Satfaepe Stber auep waS (opne SSergletcp!) 
©aEilei gefagt patte, war gans einfaep eine Satfaepe; nnb 
eS patte bennoep für ipn bie befmmten unangenepmen 
folgen. 

$err b. ©prift ift infolge beS UmftanbeS, bap bnrep 
ben ©ang ber Seltgefepiepte feit ©aEilei bie feurigen 
metapppfifepen ©pefnlationen ber 5flerifalen ein wenig 
Snrüefgebömmi worben finb, nicpt berbrannt worben, nnb 
baS ift boS ©rfreulicpe an ber ©acpe. 

Unerfrenti^ ift eS, bap bie Siegierung, b. p. ber 
^nltnSminifter, fiep 31t ben ©egnern beS ©eleprten gefteEt 
pat. Samit berpölt eS fiep fo. Sie Steferenten beS ^uttnS» 
minifterinmS in kapern finb nicpt f^oeplente. ©ie erfepen 
bie ifenntniS ber ©acpe bnrep ipre 8ugepörigfeit 31t bem 
SRinifterinm, welepeS über bie ©nepe entfepeibet. (Senn 
ber Hefer biefe ©inrieptnng nicpt berftept, fann ip niptS 
bofür, ip berftepe fie onp ntpt.) Siefer oeran» 

lapte im Sapre 1872 ben iDcinifter Hup, onS SSertretern 
ber TOittel» nnb ^opfpulen — einer babon war §err 
b. ©prift — ben „oberften ©pulrat" 31t bilben. 1876 
würben bie SRittel, wiE fogen: baS ©elb, für ben ,,@pnl» 
rat" bon ber flerifalen SReprpeit, welpe bamatS ipre 
©egnnngen über SSopern anSftraptte, berfagt. Sfpt nun 
patte boS SRinifterium wieber 8000 3Rarf für ben ©pnl» 
rat in baS 93ubget eingefept — ber Sieferent beS ginans» 
anSfpnffeS wollte wieber nipt. Sa erfupt $err b. 
©prift, ber feit 3wei Saprsepnten bem ©pulrot angepört, 
ben SJUnifter am 6. 3amtor um feine ©nipebnng bon 
jener ©teEnng. 2lm 8. Januar — bis dat, qeii cito dat 
— giebt ber SRinifter in pöfliper Seife biefem ©rfnpen 
ftait'. Saranfpin wirb in bem ginon3anSfpup bie gorbe» 
rnug für ben biSper beftrittenen „©pnlrot" einftimmig 
bewiEigt. 

SJtan ersöplt, bap nop über anbere Singe SReinungS» 
berfpiebenpeiten swifpen §errn b. ©prift nnb bem 
SRinifterinm beftanben paben. 3- über baS im S^pte 
1874 eingefüprte „©pesialejamen" , . eine Prüfung , bon 
welper baS SSorrürfen im ©pmnofiolprofefforot abpöngig 
ift. ©prift gilt als ber „SSater" biefeS ©jomenS, nnb baS 
ERinifterinm foE bie Stbfipt paben, baS 5finb anS bem 
Sege 311 rönmen. 3ebop bie ^ouptfope ift, waS ber 
SRinifter felbft mit ber Slenpernng, „ipm würbe es lieber 
gewefen fein, wenn baS ERiSoerftanbniS ber RefloratSrebe 
nid}t möglip gewefen wöre", gort ongebentet nnb bie 
nltramontanen güpTer SoEer nnb ©rtefer fröftig anSeje» 
gefpropen paben: „Sie Uniberfitöten foEen baS fßeifpiet 
priftlip»fonferbatiber Rnfpaunng geben," bie f^Teipeit ber 
Siffenfpoft bürfe nipt bis gur Unpriftliepfeit gepen n f. w. 
Sie nltramontane 8filitng jubelt: „SaS ©pftem ©prift 
ift gefoEen!" fjSrofeffor fBolfelt in Sürgburg, gegen ben 
in ber Slbgeorbnetenfammer gletpfoES eine luftige (^agb 
eröffnet würbe, pat am 20. Januar feinen §örern erflört: 
Heprfreipeit fei notwenbig, übrigens bienten feine SSor» 
tröge, rept berftanben, gnr Unterftüpnng beS ©lanbenS. 

' ©0 ift ber ©tnrm im Safferglofe 31t ©nbe. SaS 
Sröpfpen, baS wir anfgegriffen paben, 3eigt eine reipe 


srjr. 5 


aHoga^in für Sitteratur. 


85 


95etmiid)iing fcf)äöUi|er @itb|tcin 3 en. 2f6er wir finb tro^= 
bem fvol)er ^offmtncj imb indfelii ber ©türme. Unb imr 
mlffeii au(^, warum wir löi^cln ..... 


fittei'aiHf4>c neuigtciten. 


®ebi(^te Don ?yricbnd) 0viell)aocn. (Staadmann, 

1892. 253 ©.) 

SSor ein Sal)ren ^at ba§ Iitterarifcf)e Berlin ©ptel§ageu§ 
fedjaigjten ©eburt^tog feftdcp begangen, ^n hex. 9lebe be§ Snbilar» 
iDar ni^t§ Don 30^übigfeit au fpüren, Inol aber eine lelje ^erftim^ 
nxung, irie fie bte ältere nnb bie jüngere Generation leicpt gegen 
einanber empfinben. fomnit „ber neue ^l^arao" ber nid)t§ nxel^r 
bon Sofep^ iniffen toiH; ein junget SSolf bringt bor, nur au geneigt, 
bie eilten nac§ Snbianerart in ben Söalb au fi^leppen xtxxb abautun, 
3lber bie Sllten, xoexxn e§ a\x^ fdjon gruelt, xnai^en nxit gefamnielter 
^raft i^r Seben§.red}t geltenb unb nxanifeftiren, bxa^ fie bxollen, ina§ 
fie föxxnen. ©piel^agen ging, opne abaxxbanfen, baran fein §au^ 
au befteden. Gr f^rieb auux ^bfd)luB energifcper, gielbetnxxfeter 
©tubien über bie ^peorie ber Gpif bie GntmidelxxngSgefcpicpte feines 
großen diontanioerfS in „ginber xxnb Grfinber", perfönlic^e ^ebenS^^ 
heif^te nxit adgenxeinen aeft^etifd)en ^etradjtxingen berfnüpfenb, xxnb 
ftedte ben 33anb „Ins nxeiner ©tubiennxappe" aufamnxen, beffen 
Secnftüd nid^t ben bon ibnx nxit xingleic^er Gegenliebe gel^egten 
Gattungen ber Graäljlxtng xxnb beS ©d^axifpielS galt, fonbetn ber 
Sprit. ©pielpagenS ^peorie ber Sprit liegt bor in benx gropen; 
pöd^ft intereffanten toffap „Gbgar ^oe gegen £)enrp longfelloto." 
Fiat applicatio! 2ßir finb Sapraepnte lang ben b)eiten Sßanberxingen 
beS GpiterS, ben fepnfü^tigen Mänfen beS ^raxnatiterS gefolgt — 
nun tonxnxt au(p bie bapinten gebliebene, nxinber gefeüige ©^mefter, 
bie Sprit, peran. ^a ©pielpagen als Mnftler ftreng barauf aus 
ift, bie Gattungen rein au palten, alfo xnit einer 2luSfiplie6lxd)teit, 
bie ben 2öibe,rfpru(p bxedte, bexn 9tonxan jebe Scpbicpterei böUig ber=^ 
fagte, lernen b)ir ipn jept aunx erften 9Jdal als Spriter texxnen, oblrol 
eiina feine getoaltigen ©eefcpilberungen ober baS §erbftgefüpl beS 
5llternS in „Ouififana", bxie gefliffentlid) aucp bie ^erfon beS SSer^ 
fafferS fxcp aux:üdpielt, ber Sprit nap berlrant finb. ©pielpagen 
fiept bie Gigentünxlid^leit ber Sprit barin, bap in ipr baS bid)terifd)e 
Genxüt nxit §ilfe ber gantafie fiep nidjt an anberen unb burd^ anbere, 
fonbern birett auSfpreepen fod: baS einaelne Iprifipe g^robutt tann 
eS nur inxiner xnit einer ©tixnmung au tun paben. Unfer ^peoretiter 
übt aucp pier bie ^'ritit inx eigentliipen Sßortfinne beS ©iiptenS, 
inbenx er jeben frenxben ©toff, jebe ^eScription, jebe ^etradjtxxng 
berpönt. $ldun ift eS nii^t blop eine läplicp baS f(parfe Gefep 
xnilbernbe SßeiSpeit beS ^nnftleprerS, trenn biefen gorberungen 
Kämpfer aufgefept trerben, fonbern augleiip ein natürlicpeS Gefitpl 
für bie eigenen tleinen Gefepöpfe, bie in feiner Sßertftatt a^^iffp^u 
ben gropen Gebilben ipr ftittereS Sßefexx treiben. Gr tritt benx 
^idpter bie SSertiefung in bie ©petulation bodp offen laffen, ba ber 
Sefer axif ber Gebantenpöpe ni(^t barüber grollt ober eS rietteidjt 
nid^t einmal mertt, bap fein GeleitSnxann fxdp aus bem ^oeten in 
ben ^pilofoppen rertranbelt pat. Sßenn alfo ber Spriter Sleupe^ 
rungen ber reinen ober prattifepen SSernunft ber Sprit opne©dtaben/ 
iprer ibealen ©timmungSreinpeit unb poetifepen gorm eixxberleibt, 
fo ift „ber Unterftrom in bem glup ber Sprit tein frembeS Glement 
nnb ber ©i^ter bei aller 5lepxxli^teit mit bem ^pilofoppen freige^ 
fprod^en. '^amit finb trir burd^auS einberftanben. ^ie ©törte nnb 
bie Dfteiae ©pielpagenfcper Sprit liegen ni^t im Siebe, trorin ^p. 
(Storm allein Sprit, Iprifcpe Sprit pnben trollte. 2ßir pören feine 
botte 33ruftftimme. 3lm meiften nnb ergreifenbften finb elegifcpe 
^öne angefdplagen, in benen fpäte Seibenf(paft branbet, um in Gnt^ 
fagnng au berraxxfdften: „§era, i<^ trollte, bxt aucp trürbeft alt!" trie 
33ürger auf beS SebenS 5lbftieg gefenfat pat. ©oldje Mmpfe, peftig 
eingeleitet, mit ©orbinen auSgefpielt, bringen pier reid^ bon ^pera 


au ^eraen. Gine betregte ^ialettit beS GefüplS baut fxd^ in 
«Sonetten auf, bereu manepe einen romanpaften GptluS runben nnb 
bxxrd) bie klammern gleicper Gnb^ unb knftxngSaeilen aufammen^ 
pängenbe betten bilben. SRonologifdje pub eingeboprt in 

bie grübelnben Hl^onologe beS ^änenprinaen ober. a^^f^P^u ein 
„Problem" mit lauter „SSexxn" unb „3Bexxn", bie nidpt ber 2öep^ 
ftein beS talten ^erftanbeS, fonbern bie peipe Unrupe ber Gmppn=^ 
bung gefpipt pat. ®em einfamen „35efdptrörer" — nnb bie Gixx^ 
famteit trirb pier in langtrattigen als Genius gefeiert — 

napen bie ©diatten xxnb begepren ben roten SebenSfaft. gu güpen 
ber ^laftit fällt ein fepmüdenber ^rana, ein altes ^iipter^ ober 
^entertrort gnillt in moberner GefüplStrelt auf; aber bistreilen 
bringen ftatt IXrtlänge blope 5lntlänge au Gepör xxnb ©pieipagenS 
gebilbete Dfpetorit trirtfdjaftet pie xxnb ba mit trabitionellen 33epelfen. 
gu feptrer für bie tänbelnbe Graaie, au betrxxft für bie einfättigen 
Dieimpaee beS naiben SegenbenftilS, berftept eS ber ©id)ter, erft in 
ironifcp gefärbten ^on == gnan ^ ©tanaen toerita nnb ©eutfcplanb 
tripig au nmfprüpen nnb bann ben ^att in baS DXeicp ernfter 
Spmbolit pinüberaufcplageix, fo bap trir niept mepr in Hamburg au 
fcplenbern glauben, fonbern bie tt^Xarienbaber Sßeipe beS ^öpern, 
DXeinen, Unbetanixten nadjfüplen. Slxxf feines ©pur, bod) mepr im 
^on ber älteren poffirlicpen tttomanae, bergnügt fid) ber Siebpaber 
Römers, ben ©amen ^falppfo, Sfirte, ^rifei'S nnb ipren §eroen 
bie ^föpfe burleSt naep moberner ttXicptxxng au beepen; ba er aber 
xxnterlaffen pat, gleid) bem HtXeifter beS ,,^tta ©roll" aixdi rüdträrtS 
in bie irnnberbolle 3[)därcpentrclt au fepauen, fepidt er aur ©üpne 
feines ©empelraubeS an ber totite einen ^oraa xxnb einen toalreon 
nad). ^peine trar noep unter Glementargeiftern au §axxfe; in ©piel== 
pagenS romantijdjeS Glfengefäufel fdjnaxxbt ber ©ampftragen pinein 
xxnb a^t^malnxt ein nnfelig liebenbeS ^ar. ©aS etrige Meer treip 
er biel mäeptiger au befingen als bie gepeimniSbotten ©epaner beS 
SföalbeS, bie tttefibenaen ber Ülomantif. 5lxxS ber Ginfamfeit tritt 
biefer moberne Menfep gern auf ben openen Marft ber geit, fagt 
finge, tüdjtige ©enffprüdje, in patiiotifcpen ©onetten trol and) eine 
p^alinobie älterer ^arteipolitif, ergöplidje dteinxe panen bie ,,^ano^ 
ramenfunft" ber Maler xxnb 33üpnenfabrifaxxten in bie ^faxxne, bis 
bor ein par GelegenpeitSgebicptexx an grexxnbe eine Gruppe a^pmer 
36enien ,,tin de siecle'^ fid) tumxnelt xxxxb, opne anbere Mepbefxxiper 
als ben ^rofeffor GberS perfönlidf angepadt au paben, launig ber^ 
abfepiebet: „©cpütteln bie §änbe toir nnS." ^tiept tnie ein 33ud) beS 
Unmuts fottten bie Iprifcpen SebenSxxrfxxnben griebridj ©pielpagenS 
fct)liepen. f 


Sttlixrgarcte bon Gbner==Gfd)enbad) ©txxttgart 1891. Verlag 
ber g. G. Gottafd)en ^ncppanblxxng 9Xad)folger. 

GS tnlrb attgemaip in immer tx)eiteren Streifen befannt, bap 
Marie bon GbnervGfdjenbad) einer nuferer erften ©d)riftftetter ift. 
gpre neuefte 9Xobette, xxnfern Sefern tool befannt, bebarf feiner Gm^= 
pfeplnng, xxnb xxnfer ^latt müfte fid) felber loben, txxottte eS „Marv 
garete" naep Gebüpr tnürbigen ^xxr auf eins barf tnol opne ^er^ 
lepung ber Q3efcpeibenpeit pxngetniefen tnerben. ©ie meiften neueren 
Graäplungen ber Gbner a^iepnen fiep, auper burep bie GeftaltxxngS^= 
fraft beS tnapren ©iditerS, befonberS bxxrip eine getoiffe gütige gronie 
ans. Gin fd)arfeS Slxxge für bie ©djtnäcpen ber Meniepen nnb 
Menjcpenliebe fdjeinen einanber fonft an tniberfpred)en; bei ber Gbner 
tnirb bie MenfepenfenntniS gerabe burd) tiefe Güte erft aur fröplidfen 
poben SSeiSpeit. SSon ber ©arftellung totbringenber Seibeixf^aften 
nnb tnilber ©ramen pält fiep biefer Geift päupg fern. „Margarete" 
ift bie Umbidjtung einer älteren genialifeperen SXobette, xxnb bie 
Seibenfdjaft eines fepönen unb einfadpen SßeibeS fomnxt au iprem 
Dollen ttfed)t. Gerabe pier, tno ein 2[Seib aus bem ^olf ben erften 
5lbelSf reifen gegenüber geftettt tnirb, a^^ÜG^ pifi ^tber tnieber, nod; 
petter als fonft, bie rupige 3ßaprpeit, mit tnel cp er Marie bon Gbner== 
Gfdjenbad) flaffifdfe Porträts tniener Slriftof raten au a^tdinen tneip. 
Selbft in granfreidj ift biefe gäpigfeit nid)t attan tneit berbreitet. 
gn ©entfcplanb aber, tno felbft im bepaglidferen ©üben bie alten 
gefettfdjaftlidpen 5lbfperrungen feftgepalten tnerben, fann man nur au 
päupg erfapren, bap bie ©iipter an ber ©dpilberung poepgeborener 
§errf(paften fepeitern. Man liefert enttneber gxxtgemeixxte bemofratifepe 
gerrbilber, tnelcpe xxnter allen Umftänben tnenigftenS bie Gleid)peit 
bor ber ^oefxe berlepen xxnb bie gxxten gönnen ber Gefettfepaft niept 
tnürbigexx, ober maxx a^tepuet in fenntnislofer ©epnfucpt Gräpxxnen 
nadp bexn Mobett einer reidpen 33ädlermeifterixx ober einer jungen 



86 


fur|Stlteratur. 


5 


(S(^auf:^tererin. H)^arte bon (^Bner^^fd^enbad^ gei^net bornel^m it)ie 
£eu6a(^, gxebt itn§ au§> (Eigenem ftefe tfjreu abgeflärtext ^rnnor 
unb fpt bte^maf gu aEebem nod^ em E)tlbe§ geuer axi^* 
ge^imbet. ' —r. 

* 

But Swbenfrage. Seitgböffifdöe Orighmraugfprüc^e. §erau§^ 
gegeben bon (^b. .S^JloEfer. Mtt einer Siorbemerfung bon 
g^rnfeffor, Dr. (Srnft §aEier. Mlnd^en 1891. g. g. Se^ntann^ 
Verlag. 

Derartige ©antntelbxerfe finb ttntner 5E, entfcbElbigen, inenn fie 
einem U)oIiätigen'3b:^^<^^ bienen. ©0 finb 3. 0. gnm heften ber geriem 
foionien fc^on bie pbfdfeften 5lulögraEbenfammIungen in bie 2©elt 

B [angen. ^enn nmn aber gur (^ntfcbeibung einer ernftljaften grage 
an aEe Sßelt um Heine :3ntbtobifättonen bxenbet, fo mufe man 
fE)on ^ufrieben fein, bxexm bie ^Inünorten geiftreicb au^faEen; 
erfd^öbfenbe Belehrung b)irb man nicfi't fnben, felbft menn fämi== 
liebe „geiigenoffen" ber Slufforberung niacbgelammen fein foEten. 
^a§ barliegenbe ^üdblein.. ift febenfaE^ efri^r: guten ^2lb[i0t enH 
fbrungen. foimnt ein eingiger . ionf.equenter 5lntifemit gum 

SSort, bagegen galilreicb^ ^b^M^btiten ; bie, meiften finb unbarteiif(b, 
unb am biibfebeften ift mobl ber folgenbe ©b^ud) bmx goljanne^ 
irojan: 

. b^^be xixan(^eu,SEbexx gefa^nE 
®en i(b bbE dbtiftlid^en ©inne^^^ 

Unb bin mit manebem 9^E)anbeIt, 

^er Jübif(^ b^^i EU mir gebanbelt 

@ött, benf icb, fiefjt bei einexn ElJann 

^ag §erg mehr al§ bie 9^afe an." — r. 

^ *K* 

^Ar 

Ottmann’^ ^ücberfd^ab. 9^r. 3— 5 ®ie ^i^'=moE *= konnte imn 
(^erbarb ron Ämbxxtor. . ßeibgig SSerlag bon Victor Ottmann. 
(SdbneE fertig ift ©erbarb bon ^InUjntor mit bem 2Sort. 0o 
bat er l)kv offenbar in befter Slbficbt gegen ^olftojg berübxxxte 
„^reuberfonate" eine febr ernftbafte ^arobie beröffentlid)t, xoeld}e 
freüi(b nxxr bebxeifb E)a§ nicht gu betoeUen tnar: ba^ l^raf ^olftoj 
ein ungemöbnlid^er @eift ift. fea§ bei bem ruffifi^en Grafen — 
ob e§ nxxn begrünbet ift ober nicht — au§ ber itefe einer ftarfen 
gnbibibualität fommt, ba§ (^rlöfung^bebürfni^ mit aEen fernen 
^onfequengen, ba^ fann ober miE ©erbarb bon Stnxqntor garnidbt 
beriteben xxnb b^lt fid) frambfbEft an Xolftoi^ a^fetifebe, bEtaboje 
unb eigentlich finnlofe Sleuberuxxg, jebe äJiutter fei ein gefaEeneS 
SSeib. *^a§ El^enfi^engefible^t ift big b^Ete anberer El^einxxng ge== 
luefen, unb ©erbarb bon 3lnii)ntor brmübt ficb, bie allgemein geltenbe 
Meinung gu berteibigen. gn ber ©rfxnbxxng biefer fleinen 
fobbtf^en S^obeEe f)Elt er ficb fHabifd) au Solftoj 9^ur am (£mbe 
überrafebt er ung burd) ben Söib, ba^ ber ©egner 3^olftojg Snfaffe 
eineg grrenbaxifeg ift. Ob ber SSerfaffer ioobl genau xouf3te, ba^ 
er nxit biefer ©(^lu^loenbung feine gange ^etneigfübrung felbft über 
ben Raufen loarf? ~i’. 

45 ' 44 

* 

Les Contemporaiiis. Jules Lenxaitre. Etudes et poitraits 
litteraires. Cinquikne Serie. Paris, l.eceue, Oudin 
et Co., Editeurs 1892. 

9Ud)t ohne 3^eib fann ber beutfd^e ©djtiftfteEer bie Umfd}lag^ 
feiten einer ©ammlung bon £emaitreg gexxiEetong betrachten. £emaitre 
ift ein xxngeloöbnlicb fenntnigreicber Mann> ift gered)t xxnb bEt einen 
meiten ^licf. to^erbem febreibt er ben leid)teften unb büb(d)eften 
^laxxbertoxi, E)ie ihn bie ^arifer erfunben IjEben unb lieben 3lber 
mir bEben boiS in ©eutfdblanb brei ober hier ^ritifer, melcbe Semaitre 
an b^^ibfobhtfeber SSilbung, übertreffen, ihm an ^'enxEniffen xmb 
SBabrbeitgliebe nid)t nad)iteben xxnb ben beutfdjen Otil ebenfo leicht 
beberrfi^en mie er ben frangöfifeben. 9ffegenfexxt ift fein SSerefjrer 
grengelfdjer ^oefie xxnb nodb meniger grengelfdjer ^b^Erie; aber eg 
fann fd&merlii^ geleugnet toerben, bap g- ^ ^Erl grengelg geuiEetong, 
litterarifd^ genommen, xxiebt fdjloäcber finb, im ^xxrcb[d}nitt alg bie 
berühmten ^Jtxxffäbe £emaitreg. 2öo märe eg aber in Oeutfcblanb 
jemalg erhört morben, bafe ein gexxiEetoxxift fünf ^änbe feiner ge^ 
fammelten ^ritifen nacbeinanber oeröffentlid)t , xmb ba^ jeber 33anb 
10 big 15 Sluflagen erlebt. 3£ie bag eroberte ©riedjenlanb bie 
römifeben Oieger geiftig uxxterjodjte, fo bEbe graufreicb immer nod) 
feine |>anb axxf ^eutfcblanb! (So bie grangofexx gu fbreeben,, 

xxnb eg ift etmag Söabreg an biefer ftolgen 33ebaxxptxing. (So lange 
bag aEgexneine ^lUbeaxx bexxtfeber £itteratxir tief unter benx beg fran=^ 
göfifebexx ftebt, fo lange ber gexoöbnlidje bErifer Jteborter feine Tdf)v^ 
mxxtter, bie (Sbx:acbe, mit xnebr Hditung bebanbelt, alg biele fübrenbe 
beutfebe (Si^riftfteEer, fo lange bag frangöfifebe ^ublifxxm in aEen 
^unftfragen gefebmadEoEer xxxxb anfprui^gboEer ift, alg bie allgu bc^ 
f^eibenen beutfeben £efer, fo lange mirb man bie glängexxbe 3lxxg== 
nabmgfteEung ber frangöfifeben (^dbriftfteEer mol bcflagcn bürfen, 
bie meftli(ben ^oEegexx aber axxguflagen fein jfeebt bEben ^er bie 
geiftige 33emegung Eon ^arig fennen lernen miE, ber mirb inxmer 
mit (grfola unb mit ^anf für bag Vergnügen gu Semaitre greifen. 

g. M. 




J^eue 25ücTur. 

(Soeben ift ixn ^Serlag Eon Oggrob, M’glEaixxe & (Eo. eine exxg=^ 
lifebe Ueberfebung Eon ^ermann (Subermanng „grau (Sorge" unter 
bexn ^itel J3ame Care'* erf(bienen. ®ie Ueberfetgerin ift 33ertba 
OEerbed. „grau (Sorge" ift bag eingige ^ud) ©ubermanng, bag 
big febt mirflicb ben 2ßeg über ben ^anal gefunben ©egen bie 
Eerbält fi(b bag englifebe ^ublifuxn bauernb ablebnexxb. Um 
fo begeiebnenber ift bie ^ritif, xnit ber bag meitgelefenfte felatt ©ro^^ 
' britanxxieng , ber Glasgow Ilerald, bie Ueberfebxxng beg Dfomaxxg 
exnbfieblt. ©r nennt bag 33udb „einen ber beften xnobernen bexxtfiben 
Jfomane" xxnb fährt bann fort: „grau (Sorge" ift eine £eiftxxng erften 
Jfangeg. ©g bebeutet einen Jlealigmxxg bödöfter Orbnung. ^ag 
33ilb axxg bexn bexxtfeben ^orfleben, bag eg entroEt, ift lebengEoE, 
obmol bie ^olorirxxng büfter ift, bie ©bE^^Eftere finb B^id)nungcxx Eon 
^ünftlerbanb. 5fberoexx eigentlichen Dfeig unb ben befonberen'SSorgug 
Eon (Subermanng 33ucb bxlbet bie mufterljafte felifd)e ^fnalqfe, mit 
melcber bie ©ntmidelung ber ^anbluxxg in grieben augxxxünbet. 
■ (Selten begegnet man in oer Sitteratur etmag fo SSoEenbetem mie ber 
©barafterentmidlung ^aulg, beg ipelben Eon „grau (Sorge". 


„©rgäbluxxgexx uxxb Segenben", bag ^xxdb Eon ^arlSpitteler, 
aug beffen geber mir bemnöcbft einen Sluffab über ^olfgfi^riften in 
ber Sebmeig Eerö ff entliehen Xoerben, ift foebexx in fraxxgöfifcber lieber^ 
febung bei ©ebr. toinger in 3^eu(batel erfd^ienen. ®ag 93ucb ift xnit 
ben brä^tigftexx ^e^iExxftrationen auggeftattet, feinen Miniaturlanb=^ 
f(baften Eon munberbarer Stimmxxng. 


^on Jfubolf Eon ©ottfdball erfebeint binnen fixrgem ein 
neuer Jfoxnan „^erfüxxxxnerte ©liftengen" in ber fdjlefifcben ^ud)== 
brxxderei, ^xxnfH nnb SSerlaggÄftalt, Eorxxx. S. Sibottlänber. 


^rofeffor Eon ©brift in München, ber neuefte 5fxxticbrlft ber 
Sdbmargröde, l)Et feine Eteftoratgrebe, bie an ber biglang gebräueb^ 
lidfien XDHtbobe beg UxxiEerfitätgxmterricbtg fo übelEermerfte ^ritif 
übt, nun Eeröff entlieht. Unter bexn ^itel „Dieform beg UniEerfitätg=^ 
unterriebtg" ift fie in ber M. D^ingerfcben UniEerfitätgbmbbEnblxxng 
in München erf(bienen. 


©er geiftEoEe loxxboner pauberer gerome be gerome, ber 
SSerfaffer einiger ungemöbnlidf) erfolgreid^er 33üdber, mie „Tliwee Men 
in a Boat“ unb ,.ldle Thouglits of an Idle Fellow for an Idle 
Stolidar^, giebt eine iEuffrirte Monatgfd)rift ^The ldler‘‘ b^^Exxg. 
©er „gauEenger" foE nur amüfanter ©efeEfdjafter fein für ben Mann, 
ber, feine pfeife rauebenb, feine b^^^fönlicben 5lxxgelegenbeitexx gu Eer^ 
geffen Xuünfd^t xxxxb gerabe feine beffere ©efeEfdbaft bEt. ©ie erfte 
Xl^uxnxxxer ber fo reflaxnebaft befdjeiben angefünbigten neuen 3eitfd)rift 
enthält 35eiträge ber erften ^xxxnoriftexx: au^er bexn ^perauggeber 
felbft finb Sret §arte, Marf ©maixx, Slnbrem £ang, gaxneg ^aqn 
xnit Beiträgen Eertretexx. 

^rnmatifclje $duff üljrxuxgeix. 

©gfar^Iumentbalg Scbaxxfbiel „§exxte unb ©eftern" ergielte 
bei feiner ©rftaupb^’^^^9 Exn bEmbxxrger Stabttbeater eine beifäEige 
Slufnabme. 


to bexxtfd^exx Sanbegtbeater in ^rag ift ein Eieraftigeg Sd}au=^ 
fbiel „^agarg Sohn" Eon g. g. ©aEib, bie bramatifdje ©rftlixxgg== 
arbeit beg" Xoiener E^beEiften, erfolgreii^ aufgefübrt morben. ©ag 
Stüd bebanbelt ben Untergang beg *eEangelif(^exx ©lixxxbexxg in £)ber=^ 
Defterreicb im 17. gabrbunbert. 


• ©raxxxa ,,©a‘g alte £ieb^* ift xxnter bem ©itel 

„L’eterno dramma‘‘ am Teatro dei Filodraramatici in Mailnnb 
erfolgreich axifgefübrt morben, mäbtenb bie ^ritif gxxxxx ©eil bag 
©rama alg „unmobern xmb foxxEexxtioneE" Eerxtrteilt. 


©ag T(‘ati’o Valle in Jtoxxx brad^te ein nexxeg £xiftf|)tel beg 
befaxxnten 9ZoEeEiftexx 9^oEelli ,.In Corte corrizionale'" („^eixn 
^l)orreftionggericbtgbofe") mit großem ^eifaE gur erften Sluffübrxxng. 


Sarboug ©berxxxibor" ift xxunmebr enbgiltig in ^arig Eer^ 
boten, mäbrenb bigber bie Slxtffübrung nur fugpenbirt mar. 


©g febeint, alg ob man in ^arig bie berliner „greie ^olfg:^ 
bühne" naebabmen miE; natürlich Exirb bie geplaxite parifer ©rün^ 
bung Eon Eorn rabifaler, meil fie fi^ offen beixn $)^axnen 

nexxnen barf. ©in .Tlieatre d’art sociaP' mirb gegrünbet. 
5lEe fogialiftifd)exx lEünftlei, unb SebriftfteEer Xuerben in einem 5luf^ 
ruf um Unterftübuxxg gebeten. 



5 


SRagagtn für Sitter atur. 


87 


M 0 m m e n b e Aufführungen. 

folget ^£)ract)ntann§ S^Zärihenbranta ,,"£aufenb unb eine 
bon beffen ^'of3enf)agener ©rfptg mir in ber Porigen ^htrnmer 
be§ 3??aga^in§ berict)leten, (ft bon Dr ^etnriih Qfc^atig, bent lieber^ 
fe^er ber i)ract)mannf(hen erb Uber'' in§ bentfc^e überlrajen unb 

bereite an eine D^tei^e beutfi^er 93üt)nen berfant morben. 


,,£)ie Xragöbie be§ ^enfc^en", ba§ bramatifc^e @ebicbt a la 
gauft II ^eit be§ 1864 berftorbenen Ungarn (^m,ericb IiUbaih 
mitl ba§ tjamburger (Stabtt^eater in ber beutfi^en „Ueberfebung bon 
Submig ^ocgi unb ber 33übneneinricbfung bon ^Sudjbolg 
SIZitte gebruar gur ^(uffübrung bringen. 


gran^ unb ^aut bon @cböntt)an haben einen neuen bieiv 
aftigen (Schmant gelobte Sanb" boUenbet, ber am fmmburger 
XhaUatheater pr (Srftauph^i^^iiÖ fommen mirb. 

Änfiü. 

Unt einen britfanten Söal^er bor^uführen, mag fich äl^eifter 
Straub :fjchon grobe teiften, er nur eine Operette: 

Wm 20. mar bie (^rftauffüh^’^otg bon MHorfer^ neuer Operette in 
3 TOen ,,©in Sonntag^finb" f^ept pon ,ber girma §ugo SßitU 
mann unb guUu§ Raiter) im berliner griebrich Sßilhelmffäbtitpen 
!^heciter. Oiefe§ ©onntaggfinb gehörte nicht 31t ben glüctlichften. 


^fchaifom^^fp § nad) ^ufchtin§ berühmtem Dtoman gearbeitete 
Oper „^ugen Onegin", bon ihm übrigen^ ebenfo befjp'eiben mie 
richtig nur „Sbrijch'e Sgenen" gubenannt, mürbe mit mübigem 
folge aut h^mburger Stabttheater gum erften S)?ale in Oeutfdjlanb 
auf geführt. 


.Le Reve“, bte Oper 33runeau§, bereu ^eptbuch nach 3ofa§ 
gleid)namigem 9toman gearbeitet ift, ift am 19. gcinuar gum erften 
äl?ale in Oeutfchlanb am Stabttheater gu .tönig^berg aufgeführt 
morben unb günglich burdhgefatlen. 


(S^atalanig neue Oper VtSeiermalU)", bereu !^ept bom güica 
nadh bem gleichnamigen Ütouidn ber ^^ilhelmine bon Ridern ge== 
arbeitet ift, errang bei ihrer ©Pftaupthrung an ber Sfala in Tlau 
lanb einen guten ©rfolg. 

(Coöe^fäUe. 

(Emilien ®raf bon 5lcieum entbrfe, ber bielbemunberte unb 
bielgefchmöhte ©eneralintenbant ber fd)önen Mnfte möhrenb be§ 
gmeiten i^aiferreidhe§. ift am 18. ganuar geftorben. 33ilbhauer bom 
gad)/ er einige hübfcpe ^Irbeiten geliefert, mie bie 33üfte ber 
iMferin, bie bapialS noch ©rüp ^eba mar, unb bie 9ieiterfigur 
3Bilhelm§ bon Oranien für ben §aag. Seine Jtünfllerfdjaft erfcljänt 
unbebeutenb neben feiner Stellung al§ Oirettor be§ Soubre, in 
meldjer er ba§ ^l^unftleben be§ gmeiten ^1)aiferreiche§ gu einem ©lange 
ohne gleidien erhob. SSon feinen berühmten ©mpföngen, bie er am ; 
greitag im Soubre gab, unb bie alle§, ma§ in $ari§ ^nfprud) auf 
©eift unb ©efchmad machte, berfammelten, äußerte einft 3^apolon: 
„Oer öof ift h^iUe nicht in ben Ouilerien, ber |)of ift im Soubre." : 
Ohne fie ift bag glangbolle ^ari§ ber fünfgiger unb fed)gtger galjre 
gar nicht bentbar. llnbergeffen foE ihm jene’§ fonft nur ben burch^ ' 
reifenben Souberänen im Soubre beranftaltete 3auber^=9^ad)tfeft fein, 
ba§ er einft bem franfen 5llfreb be SlJuffet bereitete, unb in meldienx 
biefer bei gacfelbeleuchtung einfamen 5lbfchieb nahm bon ben S)^eifter== 
merlen be§ Soubre, furg bor feinem Oobe. 


2lm 20. ganuar ftarb in §3ari§, 94 gapre alt, .^enriquel== 
Oupont, einer ber größten ^^mpferfteeper aEer geiten. 5ll§ fein 
fbU'iftermerf gilt ber Stid) be§ griefeg bon ^aul Oelarodje in ber 
Slula ber Scpule ber fepönen Mnfte gu ^ari§. 


gn Sonbon ftarb am 22. gaxxuar ber ungaiifcpp Opernfompouift 
unb ehemalige gntenbant be§ bubapefter JPtibnaltheaterS gelip 
Oregb, 57 gapre alt. ©r Ijotoläpt gmei neue Opern „^anbora" 
unb „(SifbppuS". 

genfett^ öer o^rengc. 

0)ie gefamte beutfepe Ournerfdjaft (51. O. ©.), über 2000 S)?ann 
ftarf, ift bem aEgemeinen beutfepen (Scpulberein kigetreten. 

Oie bon ^rofeffor ^ol be SO^ont, unferm ^eridfterftatter 
über bie nieberbeutfepe 33emegung in 95elgien, in ©emeinf^aft mit 
^rtpur ©ornette unb §. Oemmerman in ©ent perau^gegekne QeiL 
feprift „Oe Ooel'omft" befepdftigt fiep gang bormiegiub audp mit 
ber neubeutfdpen Oieptung. So ber borige gaprgang mit ben ©e^ 


bidpten Opeobor gontane§ unb Oetlem bon Siliencron^. ©ine 
ftepenbe O^ubrif „Oiepter unb SepriftfteEer ber ©egenmart" giebt 
^Cbpanblungen über ©buarb ©riefebaep^ „9^euen Oannpäufer", 
Etobert §amerling§ poetifepe 5öerfe unb griebrid) bon 53obenftebt§ 
„S)?irga Sepaffb".' 5iocp bie lepte. gapreSnummer , braepte eine um^ 
fangreiepe 5lrbeit über Mau§ ©rolp au§ ber geber ^ol be H)Zont§. 
gm neuen gaprgang' mirb ^ol be Tlont aufeei^ einer größeren 
Spafefpeareftubie 5luffäk über bie jüngften beutfepen Sprifer: §olg, 
ikadap, ^endell, 5lrent, 5Diaurice bon Stern beröffentlid)en. Oie 
fEubrif bei* „Oid)ter ber ©egenmarl"’ mirb fiep mit 51lbert 3?iöfer, 
^arfdj, gud)§, ©. ©laar unb ^aul ^pepfe kfepöftigen. Oa§ Öe== 
muptfein ber Stamme§berrnantfd}aft nuferer flamifdjen ^Settern 
fepeint ja nun in erfreulichem Steigen begriffen. 

l^ermifcßte^. 

Oie erft fürgli^ begrünbete „greie 53üpne" in Sßien pat 
al§ folcpe bereite mieber aufgepört. gn ber lepten ©eneralberfamm^ 
lung mürbe befcploffen, „bie SSereinigung al§ Opeaterberein auf=^ 
gulaffen" unb' fie in einen „SSerein für moberne§ Seben" umgu== 
manbeln, ber für „mobernen ©eift, .^unft unb Sitteratur" tätig fein 
foE § ermann ^apr begrünbete bie Urnmanblung bamit, bap in 
5ßien opnepin audj an ben ftepenben 53üpnen nufere HEobernen gum 
Söort fömen, eine freie 55üpne fei alfo überfUtffig Sei bodp felbft 
bie ^pofburg bon ,'oauptmann erobert morben: naep ben „©infamen 
EEenfepen" tolgt im gebruar „Sl’oEege- ©rampton" (mit Sepöne in 
ber Titelrolle)." 


gn bem Komitee gur SSeranftaltung ber miener Opeater== unb 
SEufifau^ftellung ganft man fiep bereite. Oer Oireftor be§ 53urg:^ 
tpeater§', fomie Sonnentpal, gapn, 9tid)ter, ©eride unb ^remfer 
finb aug bem ^omiRe ausgetreten. Sin bie 9tegi:rung fteEen bie 
SSeranftalter ber SluSfteEung niept geringe gorberungen: fie foE bie 
9^otunbe beS Kraters pQCptfrei überlaffen, fomie bie gaplung ber 
gang bebeutenben SSerfidjerungSprömie für bie SluSfteEungSgegem 
ftänbe übernehmen Sb weiter, unb bie gange SluSfteEung fommt 
gar nod) niept einmal gur ©r Öffnung. 


Oie gebruatmunxmk'''’bk gEörip Slm^rican gEebiem mirb eine 
fcpmerbegaplte'SlrtR'ey^^^^^^ bk g.eber ©labftoneS bringen. 


Oie berfuepsmeife Slüfpebung ber 'Opeater=©enfur für bie Oauer 
bon 2 gapren pat bie Kammer in ^aris befcploffen, gegen bie 
Stimmen ber fEeepten, melcpe fiep für bie SSeibepaltung. ber. ©enfur 
äußerten. •. . 

gn Scpottlanb. gept juan mit bem ^lane um, eine grope 
53urnS==Societp gu grünben, bie äpnlid) ber ©oetpegefeEfdjaft 
ober ber 53romning == So'cietp aEeS auf JBurnS ^kgüglid)e fammelt. 
3unäd)ft foEen all bie beftepenben Reinen 53urnS==SocietieS burd) ein 
gemeinfameS 53anb einpeitlicp berfnüpft. merben. . Oaran mirb fiep 
Dann bie Organifation ber großen Socieip fdpiefeen. " 


gn ©laSgom pölt ^rofeffor SEap SSUtller auS Opforb gegen^= 
mürtig ben britten gaprgang feiner ©ifforbborlefungen über iEatur^^ 
religion Oie ©inrid)iuTig biefer SSorlefungen berupt aüf einer 
Stiftung beS Sorb Slbgm ©ifforb auS bem gapre 1887. gür jebe 
ber 12 ^orlefungen .erpält ber SSortragenbe 1000 lEarf ^oxiorar. 


gn fEom, 23ergamo, gerrara, Sorrento unb anberen italienifdien 
Stabten beginnt man an eine nationale geier beS SOOjäprigen 
OobeStageS Oorguato OaffoS gu benfen, ber am 25. Slpril 1595 
im ^lofter S. Onofriö auf bent ganiculitS geftorben ift: §ier, mo 
;aud) feine ©ebeine rupn, foE ein Oenfmal errieptet m.erben; bie 
fämtlicpen Sßerfe beS OidjterS foEen in einer gubiläumSauSgabe 
perauSfommen. 


Oie bbn Rr. 51. 53auer perauSgegebene „Sßiener Sitteratur=^ 
3 ,eitung" erläßt ein ^reiSauSfdmtnben über folgenbe brei gragen: 
1) 5BaS foE man ber gugenb gu lefen oeben? 2) gft SepiEer noep 
’lebenbig? 3V ©iebt eS ein fEepertoire für eine miener SSolfSbüpne? 
5llS ^reiS für, bie befte 53eantmortung jebeS OpemaS finb 10 Oucaten 
befilmmt.. OaS ^reiSricptkamt beftept aus ben Sperren Dr. •Sllfreb 
greiperr ,b. löerger, Di\ ®orip Sieder unb Dr. fEubolf Sotpar. Oie 
näheren 53ebingungen über biefeS ^reiSauSfepreiben enthält bie 
ganuar 57ummVr ber „Söiener Sitteratur ^3('^tog" .^Ibminiftration 
5ßien, T , SßoEgeile 2,). , . 


53rieftafcpe beS Sitteraten. — Oie Reinen 53 erft immun gen 
töten oft bie großen Uebereinftimmungen. 


«.Wv* 


88 


9?r. 5 


®oS afJaga^in füi Sitlcrotur. 


^tro2«| «ti6 — 5tc 4tltcrdtit'- 


X>te tnoberne 33ül^netibi(^tung foE je^t gar ftf}ulb fehl an bem 
S^orbanfd^fag ber grau fraget gegen i^ren ©alten. gu lefen, 
ni^t int „9^etc^§böten", nic^t int ©Ijriftlidö^^önferbatiben 2Ö0(^en= 
blätlcpen, fanbern — in ber „^affifc^en gdtung''. ^a§ 33Ialt ent== 
betfl in einem SeitartiM bont 21. b., bafe bie grau ^rager gang ein 
SSßeib nac^ bem bergen ber mobernen ^ramatifer ift, „ein ©egen=^ 
ftanb (I) pi^erer feemunberung ibert benn Sucretia". — „©ine 
^elbin ber echten ^ugenb, ber ed^len ©itilicbfeit, gang fin de siede", 
meint hex fonberbare ^eilige ber „SSofiipen Qeitung", mu^ bie 
grau biefen £euten fein, „bie um jebe S^effalina einen geiligenfc^ein 
getüüben ßaben." “S^er £eitartifler ber „SSoff. gtg." treife gang genau, 
E)ie bie bÜfen Dflealiften bie 5lat ber grau ^rager beurteilen. „3lelj, 
bäß! fagen fie, fie pt eine grop freie ^at uoEbraibtl" ^te ©e^ 
pmorenen aber, bie bie grau ^rager berurteilt pben, unb aEe 
braben £eute, trelc^e fo trie bie ©efc^morenen benfen, nennen fie 
„^plifter" unb „Sertiärmenfd^en". Unb ba§ gcigU be§ 5trtifel§ ift, 
fotoeit au§ biefer fonfufen 2tnljäufung unberbauter (Sd^lagtobrter 
überpup ein logifi^er ©(^^^u^ fi(^ giel)en lüfet, bafe bie mabernen 
©ramatifer in ipem ^eftreben, ba^ moberne £eben bargufteEen, an 
ben Uebelftönben biefe§ £eben§ pulb feien, in^befonbere aber an 
bem ^erbrec^en ber grau ^rager. 

S^an fiep, npt nur im bietiftifc^en Säger giebt e§ *;£)unfeU 
mönna*.^ 2öie fidf pute bie ,,^off. gtg " bagtt prgiebt, bie iungen 
©ramatifer bau pute gu berleumben, ba^ fie ben ^orbanfd)Iag ber 
grau ^rager auf bem ©etüiffen pben, fb gab fid) bor pnbert 
gapen eine berliner ^oEegin ber „SSoff. gtg." bagtt pr, ben jungen 
^ramatifer bön „^obale unb Siebe" gu beiieumben, ba^ er D'ieligtbu 
unb ©ittli(bfeit mit güpn trete. 51Ee§ fibon bagemefen. 3ßenn 
pute ein ^ramatifer einen mobernen ^artüffe auf bie 33üpte fteEte, 
ber bffentliib bie Ete(bte ber jübifd)en (Staatsbürger in frembmörter^ 
freien Seitartiteln berficbt unb pimlic^ 5lntifemitiSmuS treibt, fo 
toürbe bie ,,^off. gtg." ipt bermutlicö für baS ^tegime auf getoiffen 


Otebaftionen beranttoortlic^ mad)en. Unb bie ,,^off. gtg." b3eife bp 
genau, ba^ baS eine Umfepung bon Urfai^e unb 2öir== 

funq toöre. . c. v. 

^iefelbe „^offifpe gtg." pt jüngft ben gürften 33iSmarf für bte 

^aten eines £)rbenS=^ unb ^itelf^b3inblers beranttnortlp gu mapen 
gemagt, fie pt bann (aEerbingS nur in einer ^arifer ^orrefpnbeng) 
bie SepiftK^t nad) einer ^oUgeigenfur 3bta’S auSgefpo^en. Unb nun 
entbcdt fie in ber neuen Utterarifd^en Sd)ute eine Schule beS EllorbeS. 
SSir finb dn biefer (Stelle immer unb lebpft gegen aEe ^erfucöe 
aufgetreten, fcbmupge 33eftrebungen unter bem “iedmantel beS fEea^ 
liSmuS gu bringen; mir finb ttnS bemup bon lürmenben ^affepus^^ 
gröpn unter ben „güngften" fogar reaftionür gefpoltp gu toerben. 
2öir geftepn nur bem epen Mnftler bie freie (Stoffpap gu unb 
befömpfen franfpfte SSorliebe gu erotifpen ober mibermärtipn©egen=^ 
ftänben rüdfipsioS. Um fo mep glauben mir bie^fUP gu pben, 
öpntlid) ^roteft eingulegen, menn ein 331att bon bornepmer 
gangenpit opte jebe ^eranlaffuug unb ope JebeS JRep (ober auS 
perfonlicper ^eranlaffung) eine ernfte litterarifdje pipung benungirt. 
So lange bie „^offifdje geitung" rid)t nad^meift, ba§ irgenb ein 
nampfter Sij^riftfteEer ber neuen 9U(|tung bie grau Prager (bie 
Uebergeugung bon iper Sd^ulb borauSpfeP) mit einem p^orte ber^ 
teibigt pbe, fo lange mu^ bie ^arfteEung beS plattes für erlogen 
erflart merben. ©S ift baS gute dtep ber „SSoffifd)en 3^itung" ober 
ihrer S??itar beiter, ben D^ealiSmuS als eine falfpe EUd}tung gu be^ 
lämbfen. gür bie 3meifeeIentl)eorie aber, bie borne neben ben ofp 
gieEen ElUtteilimgen über OrbenSberleipngen mütenb angreifen 
Idp, maS hinten bon fämtlii^en fachl'unbigen SlZitarbeitern mehr 
ober meniger in feiner ^ebeutung anerfannt mirb, für eine fope 
3b3eifeelentheorie h(xt ber Spai^gebraud) ein h(^deS Sßort ^er 
^rtifel ber „SSoffifchen 3dtung" beruft fidh gum Sdjlupgegen bie un=^ 
felige grau Präger auf ein meifeS Söort ber ©harlotte ©orbah- 
3^ur baS SSerbrepn fchänbe, nip bie Strafe. poShafte 3[Renfchen 
fönnten barauS ben Schluß giepn, ba^ bie „poffifdhe 3^itung" um 
jebe ä)?örberin einen geiligenfd)ein mebt, menn fie nur etne, bblitifche 
Äörberin ift. 3leb 


§\xexc fifferarilc^e ©epEr#aft gu Serbin. 

3ufpiften für biefe fEubrif finb mit bem SSermerle „51ngelegenheit beS El^agaginS für Sitteratur" an §errn Dr. Sllbert ^reSbner 

W., SühomftraBß 96, III. gu ripen. 


^as gahlreidje publifum, baS ber bon ber ©efeEfc|aft am 
12. ganuar beranftaltete ^iSfuffionSabenb in ben geftfälen beS 
Vereins junger ^aufleute bereinigte, bemieS bie erfichtlich fteigenbe 
Teilnahme an griebrid) EJiehfd^e $err Dr. 9tubolf ^ögel 
gab ein mit bieler Siebe unb geinljeit auSgefüljrteS 33ilb beS merf^ 
mürbigen ElJanneS als 5JJenfi|en, philofopen unb Zünftlers unb 
erntete bafür bie lebhafte Slnerfennung ber aufmerffaiiten 3uhürer^ 
fchaft. gn ber (5)iS!uffion mürben einige ©rgängungen gu biefem 
33ilbe gegeben, bod) geigten fid) aud) diidjtungen' bie ber F^iepdjefcheu 
Sßeltanfchauung fchnurjtrads entgegenliefen. £>er ©efeEfdiaft brape 
biefer 51benb mieberum einen ni(ijt unbetrftd^tlichen 3uma(^S an 
gliebern. 




3u biefer mit offenbarem gntereffe aufgenommenen grage er^ 
laube ich uiir noch ^u ifürge baS golgenbe gu bemerfen: 

^aS ^ebürfniS fdieint aEfeitig anerfannt. 31EerbingS I)ütte 
.&err gbor in ber „®eutfd)en Sitteraturgeitung" einige, in ben 
„blättern für litterarifdje Unterhaltung" gapreid)e unb fortlaufenbe 
Pefbrechungen über ©rgeugniffe ber mobernen Sitteratiir finben 
fönnen; aber maS not tut, ift auch ^urch bie fargen ^ilfsmiitel 
noch uifht geleiftet. ^ie 93efchränfung, auf ben „ElealiSmuS" mivb 
auch bon anberer Seite als nicht ernpehlensmert begeidjnet. ©af] 
bie erfdpnenen Arbeiten boEgäpig gufammengefteEt merben, mirb 
für bie fritifchen Sdjriften jebenfaES unumgänglich fein, ba eben 
in ber ^oEftünbigfeit ber 3öert einer berartigeri Sanimlung gum 
guten S^^eile liegt'; für bie fünftlerifchen ©rgeugniffe ift fie um 
mplich unb gmedloS. §ier ift 51uSmal)l unumgünglidh. Sl^an hcit 
mip aber miSberftänben, menn man annaljm, 'ba^ ip einfap eine 
bibliograbhifPe 3ufammen|teEung bon ^üpertiteln münfpte, unb ber 
§inmeiS auf bie „gahreSberidp ber ©efdiiptsmiffenfdjaft" hält' bieS 
ERiSberftänbniS beipüten fönnen. SDod) ift burch furge Pemerfungen 
über ben gnhalt unb ben 3Sert aller bebeutenberen wirbelten ein 
gührer burp bie riefige Sitteratur gefpaffen, mäl)renb bie minber 
michtigen Sßerfe einfach: iht'eS Orts aufgefüpt. merben. ,©a^ bie 

T' Z : ;; 7'"^ 

5$erantn?.; Dtto 'Jleumann*<^o f er, Berlin. — Verlag ber Union, 2)entime 


fritifpen 9^oten im borliegenben gaEe feljr borfiptig abgefap fein 
müften, ergiebt fip auS ber bei ber 33eurteilung beEetriftifper SSerfe 
befonberS ftarf mitfbielenben Subjeftibität. 

Ob fich greimiEige gufammentun, um nap Hl?apabe ihrer 
Kräfte an bie Sammlung unb Siptung beS Stoffes gu gehen, ob 
bieEeipt ein buphänbler'ifdieS Unternehmen barauS ermapfe, — - 
menn irgenb etmaS entfteht, fo mürbe ip baS als ein 
banfensmertes ©rgebnis ber auS ber SlUtte unferer ©efeEfdiaft her*= 
borgegangenen Slnregungen betradjten. 21. S)r. 


§opgeehrter §err! 

gn biefen blättern ift mit ^inblid auf eine „23ibIiograbhf(^ beS 
DIealiSmuS", jüngft bie grage „eines „galjteSberiptS für 
fpöne unb fpönmiffenfchaftlipe Sitteratur" erörtert 
morben, ber nap bem SSorbilbe ber gaftromfpen „gahreSberip e für 
bie ©efpiptsmiffenfpaft" gu begrünben märe. SRit 23egugnapne auf 
biefe 21nregung erlaube ip mir mitguteilen, bafe ip, im SSerein 
mit ben Herren Dr. Ellaj; §errmann, pribatbogenten an ber UnD 
berfität gu 23erlin, unb Dr. Siegfrieb SgamatolSfi, feit 
ängerer 3^^^ ^ttter bem Xitel „gahreSberipte für neuere 
beutfpe Sitteraturgef pichte " ein Unternehmen borbereite, baS 
gum großen Xeile mit ben gorberungen XreSbnerS unb EiöfelerS 
gufammenfäEt, unb in ber erfreulipen Sage bin, bereits in ben 
näpften SSopen ein Probeheft borlegen gu fönnen. X)ie litterato 
gefd)iptlipen ^efbrepungen foEen unmittelbar bis auf bie ©egem 
mart fortgeführt merben, unb fogar ein ^SergeidjuiS ber ©rfpeD 
nungen auf bem ©ebiete beS fUealiSmuS mirb gegeben, melcheS 
profeffor Dr. 9Hparb ibZaria SSerner bearbeitet, ber SSerfaffer 
bon „Sljrif unb Sljrifer" (Phhfiblogie ber Sl)rif) unb ber $erauS== 
geber ber „23eiträge gur 21efthetif. gür bie eingelnen Xeile unferer 
gahreSberipte, bie gmar mit auSbrüdliper Berufung auf baS 
gaftromfche gal;reSbup, aber unter bem 2Serfbrechen größerer 21uS^ 
führlipfeit gefpaffen merben unb im SSerlage bon ©. g. ©öfpen gu 
Stuttgart erfcheinen, haben mir bie h^^borragenbften gachoelehrten 
gemonnen. ghr u. f. m. 

Dr. guliuS ©liaS 

Herausgeber ber „gahreSberipte für neuere beutfpe Sitteratur^* 

©efpipte^- 

Ua0§«=®efeEfcbaft, SSerlin unb Stuttgart. — (Sebrudt bet 3^. ©eufch, SSerlin SW 



1832 bcötunbet 
von 

Jofepl; £d;tttaitn. 


für c^iffcrafur. 


ßierausgegeben üon 5frit3 JllSautönec unb o^ttn 45ciimami^I|ofEr. 
■glcbaRtion: "Per Kn SW., §trte&vic^p[i^a||e 307. 


IKition 

J>eutfd?c X)ertag5:(SefeIIf(^aft 
Xferltn u. Stuttgart 


^rfd cirl jcöni 0otuiabcji5 — freiö 4ülarf Diertcliä^)rli($. ;Sefteümtgen trerben von jcber Budpl^anblunö, iebem poftamt (1tr. 3589 
ber poftgcitimöslifte), foTPie vom Vevia^c bes „Ttlai^a^in*' entö^öcnöcnommen. 2tti3eigen 40 Pfö- bte bretgefpaUene pettt^eite. 

öer Cmselnummti:: 40 ]^fg, 


61. Jaf^rgang. 


25ci'Utt^ ben 6. cSebvuau 


\lx. 6. 


Siiiijalt: Unfere @d)uU'eform: S)er IJampf um bie SSolfSfc^ute. — 3lid^orb ©relUjig: ®te 3Ka^= 
refleliiiig ber ^ueieu 58olf§MiI)ue I. — Sltd^arb 3)Z. SKeljer: ^flu( be Saprbe TI. — STJautl)uer: Sljeoter 
( 63 rill))ar 5 er, @-tu Ircuei' ©ieuer feiue§ .^erru — ©c^egaral), ber Unevbitttici^e — 9 Äau^ 3 a[faut, 3JJufotte — 3Bol= 
i^ogen, ba§ Siimpeiiciefinbel). — @rnfl SSidjert: @ine beul[ct)e 3SerTag§orbuuuc( IT. — ^ermann ©ubermamt: 
Ifjea, ein SBiuterniävdjen III. — Sliarco ^ISraga: @iue ibeafe ^uau. 5tft III. ©gene 1. — Süterarifc^e 
©[)touif. - greie öitterarifd^e @efe'IIfd)oft gu Berlin. 

2lus3iiösipetfer llad^brudi fdptmtUdper 2lrttkcl, außer ben nopelltftifcfien unb bramatif(^>en, unter ^cnauex (Öuettenangabe geftattet. 

ütnöcfugtcr JSacjjörucß Inirb auf aE^ninb öer (iB^efetse unö l^erträge öerfolgt 


Xlnfeve 6d>ttIrcfoi»m. 

2. S)er l?am|)f um bie 93olf§fd)ule. 

5m preufeifdieii 3Ibgeorbueteul^mtfe wirb gegenwärtig 
ber Entwurf gtt einem ©efe^e beroten, ber alle SBelt gu 
Icibenicbafllidien ^Debatten anregt, ®ie g^üljrer ber ein» 
geluen politifctieu Parteien im ^^"artament, bie gewiegtefteu 
S?itarbeiter ber großen S^ageSgeitungeu Ijabeu bereits ißreu 
©tanbpnnft gu ber DIegierungSoorlage flargefteüt; e§ Hegt 
baßer bie 53efürd)tuug naße, baß jtcß faum nodß biel S'JeueS 
über biefen ©egenftaub wirb oorbringen taffen. ®aS bürfte 
wirf ließ gntreffen, wenn man baS 3SolfSfeßutgefeß lebiglicß 
mit ben iltngen beS ^ßarteißolitiferS anfießt, b. ß. eines 
iOfanncS, bef nießt in erfter Sinie feine fubfeftioe Sbeeinung 
uertrilt, ionbern ben ^arteiintereffen, benen er nun einmal 
bient, älecßnnng tragen muß. @S giebt aber aucß für bie 
ätenrteilnng ßölitii(^er fD^aßnaßmen, wie aller anberen 
menfcßlicßen §eroorbringungen einen ßößeren, id) mödßte 
ftigen äßßetifcßen ©eficßtSßunft, nnb biefer ift ber, baS SBerf 
na(ß jeinem, ißm eigentümlicßen, uon feinem ©dßöpfer ge» 
wollten 3we(f gu beurteilen. Siefen ©efidßtSßunft wollen 
wir im f^olgenben ber 3SotfSfd}ulgefe|gebung gegenüber 
einneßmen. 9Bir werben öerfutßen möglicßft objeftio gn 
oerfoßren, nnb nidßt fo feßr bie ©ßßäblicßfeit beS 
biefer ßolitifcßen SRaßnaßmen betonen, als ißre oöEige 
Unwirffamfeit. 2ßir ßatten bie 3iele, benen bie älegierungS» 
oorlage gnftenert, für oerberbli^, aber wir finb feft über» 
gengt, baß biefe 3ifj£ f>uf l*«« eingefdßlagenen SBege nidßt 
erreidjt werben fönnen. 3Ber mit nnS nidßt in ber 9Ser» 
werfnng ber Qkk übereinftimmt, ber wirb eS bieEeii^t 
bocß berüldüße für wert eradßten, gu ßrüfen, ob , auf bem 
oorgefdjtagenen 2Bege baS errei(^t werben fann, waS er 
für ein erftrebenSwerteS 3^ anfießt. 

Söenn wir bie in ben leßten Saßrgeßnten bem 31eid)S» 
tage nnb. bem ßreußifcßen Slbgeorbnetenßaufe gugegangenen 
©efeßoortagen prüfen, fo werben wir ßnben, boß oiele oon 
ißnen nidßf fo feßr faltblütigen, auf flarc @infid)t in bie 
©efeße ber potitifdßen IDiecßanif bernßenben Serecßnnngen 
ißre ©ntfteßnng nerbanfen, als blinben, leibenfdßaftUcßen 


3lntipatßien nnb ©ßmpatßien. SiefeS §ineintragen leiben» 
fdßaftlicßer Swpulfe in bie ^otitif war ein SlJerfmal beS 
©ßftemS SiSmarcf. Sie beiben bentlidßften 33eifpiele 
folcßer, einem bnnflen, innerlidßen Srange entfprungenen 
3lfte ber ©efeßgebnng finb bie SJdaigefeße unb baS 
©ogialiftengefeß. Seibe flftaßregeln follteh bm oerabfdßeu» 
ten ©egner gerfcßmettern, nnb be'ibe oerfeßlten ißre UBirfnng 
fo ooßfommen, boß faum bie oerboßrteften Sbeologen ßeute 
nocß geneigt fein bürften, bie alten ©efeße in berfelben 
©eftait wieber ßergnfteEen. 9Indß ber neue ©ntwurf gu 
einem ißolfSfdßutgefeß ift ber SlnSbrmf leibenfdßaftticßer 
©efüßle nnb gtüßenber SlJitipatßien. fKan befämpft einen 
f^einb, ben man ebenfofeßr ßaßt wie fürdßtet, nnb wößtt, 
wie fo oft, in feiner SIbfidjt, ißn nur recpt halb gn oer» 
nid)ten, Waffen, bie ißn gor Jiidßt treffen, ober bojß nur 
fo leicßt treffen, baß bie ^nnben ißn teigen oßne ißn gn 
fcßwäd)en. 

Sie neue SSortage ift ein ©tüdt aus bem Slrfenal für 
ben Äampf gegen bte ©ogiatbemofratie, anS bem 3lrfenal 
ber fog. geiftigen äSaffen. Sie SSorgefdßidßte nnb Senbeng 
biefeS tienen @d)utgefeßeS wie beS ©oßlerf^en ©ntwurfS 
ift gang ftar. 3ßr Urfprung ift in einem foiferlidßett ©r» 
laß oom 1. SPdai 1889 gn fudßen, ber fotgenbermaßen 
beginnt: 

„©cßon längere 3^1 ßal 3Jdidß ber ©ebanfe be» 
fdßäftigt, bie ©dprle in ißren eingelnen 3Ibftufnngen 
nnßbar gu mo^en, um ber SlnSbreitung fogialiftifi^er 
unb fommnniftifdjer Sbeen entgegenguwirfen. 5« erfter 
Sinie wirb bie ©dßiile burcß pflege ber ©otteSfnrdßt 
unb ber ßiebe gnm SSaterlanbe bie ©runbloge für eine 
gefunbe Sluffaffnng oudß ber ftoatlicßen unb gefeEfdßaft» 
iidßen 3Serßältniffe gu legen ßaben. 3tber 5cß fann 
ißtidß ber ©rfenntnis nii^t oerfdßließen, boß in einer 
3eit, in weldßer bie fogialbemofratiftßen Srrtümer nnb 
©ntfteEnngen mit oermeßrtem ©ifer üerbreitet werben, 
bie ©dßule gur f^örbernng beffen, moS waßr, waS wirf» 
ließ unb was in ber &elt mögli^ ift, erßößte 3ln= 
ftrengungen gn madßen ßat. ©ie muß beftrebt fein, 
fdßon ber 5ugenb bie Uebergengung gu oerfeßaffen, baß 
bie Seßren ber ©ogiatbemofratie nidßt nur ben göttlitßen 


90 


Stflaga^tn füt Siitetaittt;. 


6 


©eßotett unb ber cbriftlidben (Sittentebre wiberfpredben, 
fonbern in SBirflicbfeit unausfubrbar unb in ihren 
^oniequengen bem ©ingelnen unb bem ©angen gleich 
Derber bli(^ finb." 

®er jehige ^ultuäminifter, ©rof alfo nur 

im engfien tinfdhlufe an bie faiferliche J^unbgebung ge» 
hanbeit, wenn er ber ©eifitidhfeit einen roefenllid) höhfwt 
©influg auf bie ©eftaltung be§ aSolföfchulmefenS eingu» 
raumen öerfudht. ®ief)t man bod) bie ^Religion al§ ein 
mefent(i(^e§ ^Kampfmittel au, um bie politif^en f^ortfijhritte 
ber ©ogialbemofratie aufguhalten, unb fieht man boct) 
ebenfo bie Dieligion öerförpert in ber üom Staate an» 
erfannten ©eiftiii^feit. ®ie neue SSorlage gemährt ber 
proteftantifchen unb fathoUfdhen Hierarchie eine reidje 
Slumenlefe »on neuen Siechten unb Siefugniffen, non 
benen mir bie mii^tigften hier anführen motten. Sie be» 
ftimmt in § 18: 

„®en [Religionsunterricht in ber [ßotfSfdhule leiten 
bie hetreffenben [ReligionSgefettfchaften. — ®er Don ben 
betreffenben [ReligionSgefeilfdhaflen mit ber Seitung beS 
[Religionsunterrichts beauftrogte ©eiftlidhe oberSietigionS» 
biener hat baS [Red)t, bem [Religionsunterricht in ber 
Schule beigumohnen, burch S^gen fich Don ber fach» 
gemäßen ©rteilung beffelbeu unb' Don ben f^ortfcbritten 
ber ^inber gu übwgeugen, ben Sehrer nadh Schlug beS 
Unterrichts fachlidh gu berichtigen, fomie bementfprechenb 
mit SBeifungen gu Derfehen. ®ie firchliche Oberbehörbe 
ift befugt, im ©iuDernehmen mit bem [RegierungS* 
präftbenten, eineu SrtSgeiftlichen gang ober teitmeife 
mit ber ©rteitung beS UnterridhtS gu beouftrogen." 
Sobann merben ouch burch i^ie §§ 107, llö u. 112 
ber ©eiftlichfeit anbere, meitgehenbe [Rechte gugefichert: 
bie ©iiiführung neuer Sehrpläne unb neuer Schulbücher 
für ben [Religionsunterricht mug im ©iuDernehnien mit 
ber guftänbigen Oberbehörbe erfolgen, biefe SSehörbe ift 
befugt jebergeit Don bem [Religionsunterricht an ben 
Seminaren burch einen ^Kommiffar Kenntnis gu nehmen, 
fich öurch einen Beauftragten mit Stimmrecht an ber [ßrü= 
fung ber Seminariften gu beteiligen. ®iefe SefugniS 
mirb burch öie Seftimmung ergängt, bag benfenigen 
Seminariften, bereit Seiftungen in ber [Religion bem Be» 
auftragten ungenügeub erfcheiuen, menn ein ©hmernehmen 
beS Öberpräfibenten als SSorfihenber beS Br'ODingtalfchul» 
fottegiumS unb ber firchlichen Oberbehörbe nicht erreicht 
mirb, baS SehramtSgeugniS nur mit BuSfchlug ber [ße» 
fähigung in [Religion gu unterrichten, erteilt mirb. 

®iBeS finb bie Beftimmungen beS ©efegentmurfS. 
Sie befchränfen fich gwar auf ben [Religionsunterricht, 
aber eS ift flar, bag ihre ^onjequengen gu einem ©influg 
ber ©eiftlichen auch auf bie übrigen gächer beS Unter» 
richtS führen. 2öir haben in Beengen 19 627 Sanbfchulen 
(66 p©t. ihrer gefammten gahl) mit nur einer Maffe unb 
einem Sehrer. ©iefenigen SehramtSfanbibaten, benen ber 
[ßefähigungSnochmeiS für [ReliBsn Derfagt ift, fönnen alfo 
an biefen 66 p©t. ber Sanbfchulen eine Slnftettung nicht 
gnben. ©S mirb baher baS [ßeftreben ber Sehramtsfanbi» 
baten fein muffen, unter allen Umftänben bie Befähigung 
für ben [Religionsunterricht gu erreichen. ®aS im § 18 
ben [ReligionSgefettfchaflen gugebittigte Becgt, ben [ReligionS» 
unterricht felbft gu übernehmen, mirb augerbem gu ber 
^onfequeng führen, bag bereits amtirenben Sehrern ber 
Unterricht abgenommen mirb. 2Ber bie einfchlägigen Ber» 
hältniffe auf bem Sanbe fennt, mirb miffeu, bog ber 
Sehrer mit ber ©ntgiehung beS [Religionsunterrichts boS 
Bertrauen ber ©Itern Derliert unb ©efahr läuft, fich en 
monchen ©emeinben unmöglich gu machen. 

®ag man ber 5Kirche biefe SRachtbefugniffe nur ein» 
geräumt hat» um fie als SBaffe gegen bfe Sogiatbemo» 
fratie gu gebrauchen, ift nach öem Obengefagten felbftDer» 


ftänblich. SRan Derlieh biefe tttechte in gleicher Söeife ben 
beiben chrifllichen Hanptfonfeffionen, ba man mol bei 
beiben gleich menig Spmpathien mit ben Beftrebungen ber 
Sogialbemofratie DorauSfegte. Oie proteftantifche ©eifl» 
lichfeit hat fich menigftenS in ©eutfchlanb Don Jeher fchon 
Dermöge ihrer mirtfchaftlichen 8lbl)ängigfeit Don bem 
Oberhauple beS Staates unb feiner [Regierung allen bemo» 
fratifchen Strömungen abholb gegeigt, unb für ben fatpo» 
lifchen ^Klerus ift bie gang auf 'bem Boben ber beftehenben 
fogialen Orbnung ftehenbe le^te ©nchclica beS BabfteS 
maggebenb. 

'SBaS bie l'atholifche ©eiftlichfeit betrifft, fo barf man 
ihres BeiftanbeS atterbingS feineSmegS immer fo ficher 
fein, mie eS Dietteicht heute ben Slnfchein hat. Sie erhält 
ihre Snftruftioneu dou einer augerbeutfchen 3Racht, bereu 
Sntereffen fich wiit benen nnfereS SanbeS burchauS nicht 
betten, unb biefe SRacht hat fich im. Saufe beS lebten 
t'^ahrhunbertS nicht feiten im ^KriegSguftanbe gegen bie 
preugifche Regierung befnnben. SBenn auch öie fotholifche 
©eiftlichfeit auS eigner SnitiatiDe Dietteicht ben fogialiflifchen 
Sbeen nicht näher treten mirb, fo hat ber Stuhl Betri 
hoch immer eine fo meilfchaitenbe Boütif befolgt, bag er 
im i^atte bie Sogialbemofratie übermiegenben ©influg 
auf bie BcDölferungen ber ^ulturlänber geminnen fottte, 
qemig geneigt fein mirb, auch ber 8lrbeilerpartei gegen» 
über eine entgegenfommenbere Haltung eingunehmen. ®ie 
Sehre ©hrifti pagt gu bemofratifihen unb fogialiflifchen 
©efettfchaftsformen nicht fchlechter als gu militärifch» 
monarchifchen. ®ie gegenmärtige Haltung beS 3entrumS 
im prengifchen 8lbgeorbnetenhaufe fottte bi’ [Regierung nicht 
gu Srriümern Derleiten. ®ie ultramontone Bartei begeht 
aus SRenfchen, bie nicht bloS iKatholifen finb, fonbern 
nicht minber SRitglieber beS lanbbefigenben 8lbelS nnb 
beS Unternehmertums. 8llS folcpe finb fie nicht bloS 
©hriften, fonbern auch 9lnhänger ber 3Ronartt)ie unb ber 
beftehenben SfBirtfchaftSorbnung. 2Benn einft baS fotholifche 
Broletorint auf ©runb beS attgemetnen BJohlrechtS feine 
Bertreter in baS HanS om ®önhofSplah entfenbel, mirb 
boS gentrum eine gang anbere Bhhgognomie geigen. 

Bei beii proteftonlifchen ©eiftlichen ift bie ©efahr 
einer f^ronbe atterbingS meniger ernft; aber aud) hier hat 
fich bie [Regierung Dietteicht burch beu ©inbrutt täufcheu 
laffen, melchen bie ©eiftlichfeit ber eDangelifchen Hirche 
heute macht. Bon ben alten H^iani in hohen geiftlichen 
Bfrünben ift atterbingS feine Oppofition für eine bürger» 
lich»fonferDatiDe [Regierung gu befürchten. Stber eS mä^ft 
unter ben proteftantifchen Oheologen eine Junge ©eneration 
Don SRännern h^ran, melche eS mit miffenfchaftlichem 
®enfen ernft nehmen unb eine ftreng fritifche Beurteilung 
ber geheiligten Orobitionen mit einem marmen H^Wa 
für bie orbeitenben ^loffen unb tatfräftigem Biitte Der» 
binben. ®ie [Regierung fcheint ben Berhanblungen beS 
eDangelifch»fogialen ÄoilgreffeS nicht bie gebührenbe 3luf» 
merffomfeit aefchenft gu haben, in meldhen legthin ein 
[Rebner auSführte, bog auS ber Bibel bie ©rünbe gu einer 
Befämpfung ber fogialiflifchen Sbeen nid)t entnommen 
merben fönnten. Sollte augerbem ben Beratern beS 
ÄaiferS baS meitDerbreitete Buch beS Jungen fampfmutigen 
®hcologen Baut ©ö_hre, „®rei ttRonate f^abrifarbeiter" 
unbefannt geblieben fein, in melcgem ber Berf. morm unb 
offen erflärt: 

„®er IKirche unb ihren ®ienern ift eS gleichgiltig, 
ob fie in einem f^eubal», IRan^efter» ober Sogialflaot 
mirfen. Sie finb nicht um biefeS, fonbern um ber 
SRenfchen mitten bo, bie in ihnen leben. Unb bcirum, 
menn in ferner ober naher Qufnnft felbft ber.rabifolfte 
fogialiflifche Staat heraufgiehen, menn bie aRobilifirung 
aller SlartSbürger in Slrbeiterbataittone aSirflichfeit unb 
aSahrheit merben mürbe — maS tut baS itnS? So 


m-. 6 


®a? Magöäin für Süteratur. 


91 


ireteit mtd) >ntr „eocmdelifctfe Pfaffen" in ilire Steüjeit, 
fo arbeiten aitc§ wir nufere uier ober feci^§ ©fnnben in 
ber g'fiöfif, im ©ergmerf, auf beni ?lcfer: nnb bie 
übrigen gwangig ©tnnben beg S^ageS uerfünbigen wir, 
ben SIpofteln gteicf), frei nnb ftarf oor aüen, bie e§ 
l)ören wollen, bo§ ©onngctinni nnfere§ §errn. — 

Sein Qiel beutet ®öt)re folgenberma^en an: 
muß ber ©runbfaß bnrd) nn§ §nr Xatfaeße werben, 
baß aitcß ein ©o^iatbemofrat (St)ri|v nnb ein ©ßrifl 
©oi^ialbemofrat fein fann." 

®a§ ift, wie e§ nng fcßeinen wiH, eine nnenbticß 
ßößere Sluffaffnng be§ @ßri[tentnm§, al§ wenn man ben 
©ienern ber ^ircße nur bie ©teCe ber ^otigiften be§ 
©ßftem§ 35i§mar! im ^?amüfe gegen bie ©osialbemofratie 
gnweift. ®a§ ftingt allerbing§ anberS al§ bie 2lu§füß» 
rnngen ber faiferiicßen Drbre in bem ©ntwurf gnm 
SSot'fefdßuIgefeß, ba§ ftingt wie Morgengtorfentänten, 
jugenbfrifcß unb fräftig, nnb e§ ift gang nnbenfbar, baß 
biefen Sbeen bie eoangetifcße Ifraft auf anbere Oemüter 
mangeln fotite. Sfucß bie nationalöfonomifcßen ©tubien, 
benen ficß mit anerfennenSwerter @rünbtidt)feit jüngere 
Sßeotogen ßingeben — wir benfen ßierbei oorgnggweife 
an ba§ oerbienftoolle 33ncf) oon ®r. Hermann ßofcß 
„^Rationale ^robnftion nnb nationale SernfSglieberung" 
— werben bie fDroteftantifcße ©eiftticßfeit feßr batb §u 9ln= 
fi(f)ten füßren, bie ficß mit ben Sutentionen beS iDfinifteriumS 
3ebliß aiict)t meßr oertragen. ®ie ©rwägung, baß ond) 
bie ©eiftticßfeit beiber ^onfeffionen oietleicßt nicßt immer 
ein fügfameS Söerfgeng ber monarcfiif^donferoatioen 9lb= 
fid^ten ber fRegierung fein wirb, baß ficß gerabe an§ biefen 
treueften ©ien'ern be§ bürgerlichen ©taateS eine Dpßofition 
gegen benfetben nnb feine Organe entwidfeln fann, fcßeint 
itnfern ©taatSmännern feine ©orge gn bereiten. SBfe eS> 
fdt)eint, rechnet man in ^onftiften 'mit ber ©eiftlicßfeit auf 
bie Uneinigfeit ber £onfeffionen nntereinanber. 2Benigften§ 
äußerte fi(h, wenn bie geitungen itn§ recht berichten, in 
ber ©ißung be§ pr. 2lbgeorbnetenhanfe§ oom 29. 3an. 
ber Dfeichsfangter @raf ©aprioi gegenüber ben 33eforg« 
niffen 93ir(howB baßin, baß ein ©taat, ber einen parita» 
tifchen ©harafter hübe, unb mit gwei ^riefierfchaften 
rechnen fönne, ber ,®efahr ber Sh^o^fütie nicht fehr au§= 
gefeßt fei. ®aß man fchon heute nach ^em ©runbfaße 
divide et impera gu Oerfahren gebenft, unb in einer Sßer» 
fchärfung ber fonfeffioneüen Unterfchiebe ba§ §eif be§ 
Staate^ erbticft, erfieht man au§ ben 23eftimmnngen be§ 
§ 14 beS @efeßentwurf§: 

Sei ber ©inrichtung ber SolfSfchuten finb bie fon» 
fefßoneEen Serhättniffe möglichft gu berücffichtigen. ®er 
Sieget ua^ fott ein Ifinb ben Unterricht burch einen 
Sehrer feines SefenntniffeS empfangen, ©oweit nicht 
an einem Ort bereits eine anberweite ©chuloerfaffung 
befteht, foEen neue SolfSfchulen nur auf fonfeffionefie'r 
©runbtage errichtet werben. 

Unb bann in § 17: 

2fn fonfeffioneE eingerichteten ©chuten bürfen nur 
Sehrer ber betreffenbeu Ifonfeffion befihäftigt werben. 
®iefe gweiteitung h^t oieEeicht in ben 91ugen 
unferer mititärifchen ©taatSmänner bie Sebeutung, bie 
gefamten ftaatSerhattenben Kräfte in gwei SlrmeecorpS gu 
teilen, wenn man nicht etwa bie jübifche ©eifttichfeit als 
britteS antreten laffen will, um nach bem Sorgange 
ERoltfeS, getrennt gu marfchireu unb oereint gu fchlagen. 
9lEerbingS hüt befanntlich biefer große ©chlachtenbeufer 
bie ©(hlagfertigfeit feiner Gruppen feineSwegS boburd) 
gu erhöhen oerfucht, baß er jebeS SfrmeeforpS mit bem 
glühenben Sertangeu erfüEte, über bie anberen 2tb» 
teilungen feiner ERitftreiter hei'gufüEeu. 

©taatSmönnifch ftüger bürfte eS fein. Uneinigfeit 
in ben Seihen beS f^einbeS gu fäen, bem ©egner feine 


SunbeSgenoffen gu entfremben unb feine 3Kacht gu ger» 
fplittern. ©iefen ©rfolg wirb aber ber ©chutgefeßent= 
Wurf ber ©ogialbemofratie gegenüber wol faum hüben, 
fonbern eher geeignet fein, bie gaßl ber Ungufriebenen 
burch neutrale ©lemente gu bermehren, unb Heinere taf= 
tifcf)e ©ifferengen in ben Seihen ber ©egner anSgu» 
gleichen. Söenn ^roteftanten uiib J?atholifen fich hwtte 
in ben .paaren liegen, gewinnt eingtg ber unparteiifche 
©ritte, b. h- ber Siann, bem retigiöfe f^ragen überhaupt 
gteichgiltig finb. _ Unfere geit iß nidjt mehr geeignet, 
©iSputotionen wie ber ^ontrooerfe gwifchen bem Sabbi 
unb bem SSönch in ber 2tuta oon ©olebo mit Sntereffe 
guguhören, wir haben wahrlich ernftere ©inge gu tun. 
Unter biefen Umftänben wirb eingig bie ©ogialbemofratie 
bie Soße beS tertius gaudens fpielen. 

Sbgefehen oon biefer folfchen Suffaffung ber taftifchen 
aSerhältniffe trifft bie Sorlage aber onch ber Sorwnrf ber 
Snfonfequeng. ©ie fteEt in § 17 ben ©runbfaß auf, baß 
jebeS Ifinb ben SeligionSnnterricht burch einen Sehrer 
feines SefenntniffeS erhalten foE, feßt aber einen Unter» 
fchieb feft gwifchen ben ^inbern, bereu ©Itern einer oom 
©taate anerfannten SeligionSgefeEfchaft angehören, unb 
folchen, bei benen baS nicht ber ^aE ift. ®ie leßteren 
nehmen an bem SleligionSunterrichte ber ©chitle teil — 
in welchem SefenntniS'f baS bürfte ber SegiernngSpräfi» 
bent gu entfcheiben hüben — wenn fie nicht feitenS ber» 
felben Sehörbe oon bem Unterricht gang befreit werben. 
iffiaS fich üuS biefen Serhältniffen ergeben wirb, ift flar. 
©er SegierungSpräfibent wirb höchftenS bie ^inber ber 
anberSgläubigen chriftlichen ©eften, oieEeicht noch bie 
l^inber oon freireligiöfen ©Itern oom SeligionSunterrichte 
biSpenfiren, bie Äinber ber Sltheiften aber niemals; bafür 
bürften bie SBorte beS IfultnSminifterS in feiner ©rwiberung 
anf bie SlnSführungen beS lEbgeorbneten OUchter am 
26. Sütmar entf^eibenb fein. Söenn wir aber auch oon 
ben SUheiften abfel)n, fo müffen ßch auch bie nid)t oom 
©taate anerfannten chriftlichen ©eften unb bie freireligiö» 
fen ©emeinben eine Seoormnnbung in Segitg auf bie 
©rgießung ihrer J^inber burch bie Organe ber Segientng 
gefaEen laffen, eine Seoormunbitng, bie biefe Seide um 
fo fchwerer oerleßen wirb, weil gerabe fie einen hohen 
SBert auf ihre religiöfen Uebergeugungen legen. ©aS 
©roS ber ^atholifen unb noch mehr ber ^roleftanten 
bleibt im gufammenhange mit feiner Ifirche, weil eS ein» 
mal in biefer Äonfeffion geboren unb ergogen ift. She 
©loube ift nicht bie grucht eigener Prüfung, felbftftänbi» 
gen SochbenfenS. 2Ber [ich oon ben anerfannten SeligionS» 
gemeinfchaften trennt, unb fich um feines ©lonbenS wißen 
fo manchen SUßheßigfeiten unb Verfolgungen anSfeßt, 
bem muß eS ernft mit feiner Uebergengung fein, ©oldje 
Seute brängt mon aber auch feineSwegS burch gwangS» 
maßregeln unb behörbliche Seauffichtigung in bie Sinne 
ber allein felig mochenben ©taatsfonfeffionen. ©aS ge» 
lingt nid)t einmal in Sußlanb, wie wir feßn, nnb wirb 
nod; oiel weniger in bem ©taote griebrid)S beS ©roßen 
gelingen, ©erabe biefe oereingelten biffentirenben ©emein» 
ben werben jeben ©ewiffenSgwang mit ©ntrüflung gurüd» 
weifen unb burch eiu unbeugfameS SSärthrertum bie öffent» 
liehe aSeinung gegen bie SRaßregeln ber Segierung er» 
regen. Unb bie ©ogialbemofraten, bie übergeugten Stl)c» 
iften? Sun, man mag ihnen oorwerfen was hian will, 
aSangel an ©atfraft fann man ihnen nicht nachfagen. 
©ie werben bem ©ewiffenSgwang, ben man gegen Ihre 
Äinber anSgnüben gebenft, burch ©egenmaßregeln be» 
fämpfen. ©ie werben ihre Sfgitotion auf bie Üinber üuS» 
behnen, auf ißre eigenen fowoßl als auf frembe. Soch 
oor wenigen ©ogen würbe bereits in einer fogiolbemofra» 
tifchen Verfammlnng im fünften SJahlfreife berVorfcßlüg 
gemacht, burch Sfugblätter fich öireft an bie Äinber gu 


92 


9Jr. 6 


TOogogin für Sttterotur. 


»eitben. SBetcfie ©eftalt btefe Sfaitatioii oitd) amie^nteii 
mag, [te mirb nidjt inigefä()r(i(i^ fein unb (funbevtmol meliv 
©^riflentmii gerflören, " al§ bie gange 3Sor(age, wenn fie 
gum ©efe^ erffoben wirb, gii ergengen im ©tanbe ift. 
SRan I)at ben ä)Jini[ter barmtf nnfmerffnni gemacht, bafe 
burcf) ben gwnng§weifen JleligionSnnterridft gegenüber ben 
l^inbern ber ©iffibenten ber iliefpeft üor SSater nnb 3){ntter 
erfdiüttert werbeai fonne. ®aS fc^eint nn§ in ber ©at 
weniger gu befürditen. SBeitn jemanb an ?(c!)tnng bei ben 
l^inbern einbü^t, fo ifi ba§ ber Selfrer, b. I). ber erfte 
ä^egröfentant ber ©taatögewait, gu bem ber junge ^Bürger 
in Sfegieüjuug tritt. SSätn jemanbeS 8lnfel)en burc^ bie 
©c^utgefe^uortage erfd)üttert werben fann, ift e§ tebiglid) 
ba§ Slnfe^u ber ©taatSgewalt, fie aHeiu wirb bie f^otgen 
biefer ftRo^regetu gu tragen üüben. 3lef)ulic^ wie bie 
ajJaigefe^e uub ba§ ©ogialiftengefelg wirb aud) ber 9Ser» 
fud), bie 33otf§fct)ute im J^omgfe gegen bie ©ogiatbemo= 
fratie alg SSaffe gu gebraudjen, mit ööEigem 9Jii^erfo(g 
eubigen. 5Ric^t flare @iufid)t in bie nerwidelten ^fl)d)0« 
logif^en ©efeige, wetdje bie ^anbtungen eingelner OJcenfdjen 
unb gonger 33ötfer beftimmen, fonberu teibenfd)afttirt}e 
3tntipatt)ieu unb bunfle Swgutfe Ijaben bie Sfa^n uor^ 
gegeict)net, weldje bie greu^ifc^e ^Regierung eingufdilageu 
im begriffe ift. 2Ba§ fie beab fic|tigt, wirb fie nimmer« 
mel)r erreicfieu, bafür aber gro^e 33eüötferunggftaffen, 
wetd)e gegenwärtig noc^ auf bem Soben ber bürgerlicfieu 
©efeCfciiaft ftetfu, in ba§ Säger ber ©ogiolbemüfratie 
brängen, ben ©Ijaratter be§ SeljrerS unb bie Stutorität 
ber ftoattic|en 33el)örben erfci^üttern, ben ©egnern fD?är« 
Üjrer unb taufenb neue SBege ber fj^ropoganba f(t)affeu. 
©iefeS naljer nadfguweifen, foK bie 3lufgabe eiue§ gweiten 
9lrtifel§ fein. 



Sie iHa|i'egcIung öei* ivcien Polf$l)ül;ne. 

Soni 

9tect}t§omuaIt Kicjjarb aürrninB, 

©ie „fjr'eie 93ülf§büf]ue" ift unter bo§ SSereinSgefetj 
gefteEt — ba§ ift bie neuefte tDZetbung umi bem 5Ürjcg§« 
fcpauplatj, auf wetdjem bie Kämpfe ’gwifdjen lJunft unb 
^oligei au§gefod)ten, werben. 3tlfo ridftig, bi§ in il)re 
(&(^lnpfwinfet wirb fie oerfülgt, bie böfe Äunft: um ber 
geufur gu entgelten, nerf'riec^t fie fid) in fj^riuatuereine; 
aber ber ©pürfinn ber ^otigei weif; fie auct) f)ier gu 
faffen, finbet fDiittel, fie aucp I)ier ber orbnenbeu uub 
fül)renbeu §aub ber ftaatticit augefteEteii ©itteuwädjter gu 
unterwerfen, ©ie freien 33ül)neü finb befanntlid) wefent« 
lid) gu bem gwerfe gegrüubet worben, ©tütfe gur 9Iuf« 
fül)rung gu bringen, gegen bereu 9'tuffül)rung auf öffent« 
iidljeii ^ül)uen bie f|5oIigei au§ angebtii^eu ©ritnbeu ber 
©ittticfifeit über öffeutticEeii Drbnung einfd)reiteu würbe. 
Ob e§ richtig war, ba§ Siifütut ber geufur ol)ue weiteret 
at§ gegebene ©rö^e anguneljmeu, ob e§ fid) uid)t oietmepr 
empfopten pätte, guuädjft mal mit alten iDiiiteln be§ ©e« 
feije§ biefer ©inricptung gu Seibe gu gepeu, wiE icp peut 
nicpt näper unterfucpeu. Scp pabe bereits in einem 
früpereu Strtifet in biefer 3eüfd)rift (Eir. 44 Don 1.890) 
bargulegeu oerfucpt, baff meines ©rarptenS bie 
5Berorbuuug oon 1851 gegen bie SSerfnffung oerftöf;!, unb 
bop es empfeplenSwert fei, pierüber im fBerwaltungSftreit« 
üerfapren eine ©ntfdjeibung beS OberoerwattungSgericptS 
gu prooogiren. 3cp bin ingwifdfen barüber beleprt wor« 
ben, weSpalb biSper lein ©peaterbireflor biefen Stiftangen« 


weg befcpritten pot. 5Rabp § 32 ber EieicpSgewerbeorbuung 
bebürfen ©cpaufpielunternepmer gum Setriebe ipreS ©e« 
werbeS ber poligeilicpen ©rtaubniS. ©iefetbe wirb ipnen 
oerfagt, wenn ipnen bie erforberlidpe „^uöerläffigfeit, inS« 
befonbere in fittlicper, artiftifcper unb finongieEer ^infi^t" 
feptt; fie fann ipnen eutgogeu werben, wenn ipnen biefe 
3iwerläffigfeit fpöter abpanben fommt ober fiep fpäter er« 
gibt, bo^ fie fie nie befeffeu pobeji. ©er ^PotigePißräpbent 
oon Serliu erteilt nun ©cpaufpielfongeffioneu nur unter 
ber Sebingung, baß bie Unternepmer fiep auSbrütflicp ber 
3enfur«Serorbnung oon 1851 unterwerfen, ©olcpe be« 
bingie Ifongeffion ift meines ©rodpteuS ungulöffig — bie 
©enepmigung fann nur erteilt ober oerfagt werben, 
letjtereS nur aus ben oben ongefüprten gefepli^en ©rün« 
ben — aber tntfacplicp betradpten fiep bie ©peater«©iref« 
toren als an obige Sebingung gebnnben. 3<P poUe biefen 
©tanbpnnft gwor für fepr oorfieptig, aber niept für riptig. 
©ine ©ntgiepung ber Ifongeffion wegen IRiptinnepaltung 
ber fraglidpen Sebingnng, alfo wegen fRiptbeaptung ber 
3enfur=Sorfpriften, ift nur bann möglip, wenn biefe 
lepleren wirflip gu 3iept beftepen, ntpt aber ouS bem 
©runbe, weil fie in ber J?ongeffionS«Urfunbe ols gn Eiedd 
beflepenb angenommen worben finb. SlEerbingS muß 
ip geftepen: wenn ip ©peoterbireftor wäre, würbe iep 
oieEeipt nipt weniger oorfiptig panbeln, alS biefe Herren; 
ipre gange fünftterifpe nnb wirtfpaftlipe ©jifteng pängt 
oon ber Seantwortung biefer IReptSfragen ab, nnb eS 
bleibt immerpin ein gefäprlipeS ©piel, auf ©ruub ber 
reaftionären ©ewerbenooeEen oon 1880 unb 1883, benen 
wir biefe fautfpnfartigen Seftimmungen gu oerbanfen 
paben, beu Sfämpf mit ber aEmäptigen 5ßoligei aitfgu« 
nepmen. 253er garontirt bafür, baß bie Serlepung ber 
^ongeffionSbebingung, bie bop eine ^rt SertragS=2Ib« 
fommen gwifpen ^j3öligei unb ©ireflor barfteEt, nipt als 
eine „Unguoerläffigfeit in fittliper §infipt" anfgefaßt nnb 
baranfpin bie Hongeffion entgogen werben fonnte? 253er 
fiept bafür ein, baß bie fünftlerifpe ober ßnangielle 3w=’ 
oerläffigfeit beS ©ireftorS mit bemfelben wolwoEenben 
2luge betraptet wirb, wie bei ber HougeffionSerieilnng, 
wenn biefer ©ireftor fpäter bnrp Verleugnung beS 
EieptS ber 5ßoUgei ©pwierigf eiten .bereitet? Vipt gu 
oergeffen ift aup, boß bie Voligei aus beu @efid)ts« 
puuf'teu ber f^euer« nnb fonftigen ©iperpeit einem ©pan« 
fpieluuternepmer — natürlip im Sntereffe ber ©ape — 
bie gröften ©pwierigfeiten bereiten fanii. 9Rit einem 
25>ort: ber Seiler einer Süpne ift bnrp unbeflimmie @e» 
fepe imb nop unbeftimmtere 23erwaltungSpraj;iS berarlig 
an tpänben unb Süßen gefnebelt, baß man nipt ben 
VtanneSmut oon ipm erwarten fann, auf feine Eleepnuiig 
uub ©efapr intereffante unb wiptige EleptSfrogen gur 
©utfpeibuug gu bringen 

©aper fommt eS beim, baß bie ©peaterleiter fip ge« 
wöpnt paben, bie 3eiiß>^ was brnm nnb brau 

pängt; alS ein uoli me tangere gn betrapten ©ie 
übrigen Ifunft« uub ©peaterfrennbe aber waren gnfrieben, 
in ben freien Süpneu baS SRittel gefunbeu gu paben, ber 
Voligei«21uffid)t gu entgepen, ba fip bie 23erorbnuug oon 
1851 nur auf äffeiitlipe 3lupprnngen, nipt mif'Sar« 
ftellnngen in einem gefploffenen Verein erftretft. 

Slber nun fommt bie Voligei mit bem VereinSgefep 
unb erftreitet bei bem OberoerwoltungSgericpt ein ©rfennt« 
uiS bapin lantenb, baß bie „Srew VolfSbüpne" im ©inne 
beS § 2 ein Verein fei, welcper eine „©iuwirfung auf 
öffeiitlid)e Slngelegenpeiten begwetfe", unb beSpalb aEen 
23efpränfungen foiper Vereine unterworfen fei. 

lieber bie ©ragweile biefeS Urteils finb bie oerfpie« 
beuflen SReinungen lanl geworben, unb beSpalb empfieplt 
es fid), bie ©ape reptiip flarguftellen. ©aS Vereins« 
gefep oom SRärg 1850 — eine jener gefepgeberifpen 



9?r. 6 


®o§ ®?ago5in für Äitterotitr. 


93 


i3ei[tungen, weldfe bagu beffimmt woreii, im fDZiii'ä bte» 
jenifleit g^reilfeiten mieber guriufguueijmen , bie man im 
Sanuar bem fBolt'e gewöi)rt Ifatte — nnterfciieibet gwifdien 
Sßereinen, meldje eine „(äinuiirfnng oiif öffentlicfie ?lnge= 
tegenlfeiten beäwecfen", unb fo(cE)en, weld^e baßii beftimmt 
finb, „politif^e ©egenfiänbe in ^erfammtungen gn er= 
örtern". Sie erfteren — nennen mir fie öffenlU^e fßereine 
— merben nidjt at§ gnns fo geföl)rii(^ angefeifen, mie bie 
(enteren, bie politifcifen Seibe ©orten non ^Iffogiafionm 
miiffen it)re ©tatnlen nnb a}?itgtieberüer 3 eiif)ni[fe ber DrtS» 
polijeibelförbe einreicf)en, berfetben jebe gemnnfc^te 3 tn§= 
fnnft erleiien, muffen if)re fßerfommtnngen anmetben, fict) 
bie Uebermndiung burdf einen ober mehrere ^oliseibenmte, 
benen ein ongemeffener $ln^ einguränmen unb auf fßer» 
langen 3ln§fnnft über bie fßerfon ber fRebner 311 erteiien 
ift, gefallen taffen, — miiffen ber 3 tnflöfnng gemürtig 
fein, menn „5lntroge ober SSorjclfläge erörtert merben, bie 
eine 9lufforbernng ober Slnreiäitng 31 t ftrafbaren §anb^ 
tnngen entbalten", ober meint 5Bemaffnete in ber 3Llerfamm= 
Inng erfclfeinen ?c. 2C. S)ie gefährlicheren — politifcl)en — 
fBereine (§ 8 be§ 3Serein§gefehe^) merben nocl) bnrd) bie 
meitere ©efdhrönfnng au§ge 3 ei(ünet, baß fie feine 
@(f)öler ober Sehrlinge al§ 3Rilg(ieber anfneljmen ober in 
ihren 58erfommtungen bulben, nnb baß fie auch nicht mit 
anberen SSereinen gleicher Strt 31 t gemeinfamen gmecfen 
in SSerbinbiing treten bürfen. S5ie ,,?Vi‘eie fßolfSbuhne" 
ift oorberhanb nur für einen öffentlichen 3Serein erflärt 
morben ; e§ ift ihr alfo oorlänfig nicht oermel)rt, grauen 
al§ DJcitglieber ober in ihren f 8 erfammtnngen 311 b^nlben, 
fo bof 3 nod) biefer IRichtung hin bie in ber fßreffe on§ge» 
fprodhenen Sefürdftnngen fiir ben SBciterbeftanb ber 3fül)ne 
oorlänfig gegenftanb§lo§ finb. immerhin ift onch bie 
önalififation al§ öffentlicher 3Serein feine Slnnehmtichfeit, 
fonbein mit mancherlei 33efchmerlichfeilen oerönnben. S3e» 
fonberS ba§ baran§ fotgenbe 5tnflofung§red)t ber ^f^olisei 
fann 31 t ben intereffanteften Ifomplifationen fßeranlaffung 
geben. ®afe eine in einem iEh^ntergebänbe bereinigte 
iötenfchenmenge eine „3Serfammtnng" im ©inne be§ (Se= 
fehe§ barftellt, ift 3 meifeflo§. @ine folche 3Serfammlnng 
fann nnfgelöft merben, menn Einträge ober 35orfchläge er» 
örtert merben, bie eine 9tnfforbernng ober 3 lnrei 3 nng 311 
ftrofbaren ^ranblungen enthalten. 5Dabei ift e§ natürlich 
gleichgiltig, ob fol^e ®inge im giifdhauerronm ober auf 
ber Sühne 3 ur (Srörternng fommen, beim beibe Sofali» 
täten gehören in ben Dfahmen ber Serfammlnng. 
märe leicht möglich, ^>«6 eio eifriger nnb gemiffenhafter 
Soli 3 eimann eine Serfammlung ber „greien 3Solf§bühne" 
in bem 5fngenblif auflöft, mo* äRephifto bem ganft rät, 
eine DJfinberjährige 31 t oer» ober entführen, ober mo ber 
Slforb 2 öalleiiftein§ geplant unb oorbereitet mirb, ober mo 
§err Jjälbe ben Dleooloer auf ben Sdboofaten Serent an» 
legt. @ine 3lnfführitng hifiorifcher ®ramen märe f^on 
gaii 3 nnmögliiü, meil ja barin Semaffnete 31 t erfdh^i“^*^ 
pflegen, bie mögli^ermeife fich meigern fönnten, auf 5tnf» 
forbernng be§ anmefenben Soliseilientenantö fid) auS bem 
Sofal 31 t enifernen. Sch fann ber „greien SolfSbühne" 
nur auf§ S)ringenbfte empfehlen, bei ber 2ln§mahl il}W' 
©tütfe forgfältig baraitf 31 t achten, bnfe nichts ©trafbare§ 
ober nichtö SemoffneteS barin oorfommt. 

(®in äiueiter Stetifel folgt.) 



paut be tCagarbe. 

SSon 

iüicöarti M. Meim, 


II. 

tüar ein Seben boff SUli'äje nnb 9?ot. alter 

Wirten — @tubienfat)rten, ^nlbbibtomatifcbe Sertnenbiingen, 
SSaÜfaf}tten an Orten getfliger ©rbniinng ined^fetn; nnb immer 
if)m auf ben gerfen bie 9?ot. 9^id)t bie äußere bloß, ancß bie 
innere ®ebrängni§. SSon feiner „Obßffee bnreß bie ^ird)en'' 
fpridjt er fetbft: mand)er(ei ©tanbpnntte Don mand)ertei fßarteien 
bat er eingenommen; eine Dbßffee freitid) mar e§, bi§ er bon 
ber Drtbobo^ie ber ^nttiitberaner §nr beftigften SInfeinbnng 
ber üleformation Sntt)er§ fam. llnenbtidie Arbeit bleibt ißm 
auf aften SBegen tren. @in großem Problem b^ti^ tbn früb 
erfaßt. toar eine ber gröften 9lnfgaben, bie auf pbftotogi- 
fd)em ©ebiet iiberbanpt mögtid) finb: bie ®efcbid)te ber ®ibet. 
®ie ®efd)id)te be^ienigen ®nd)e§, metd)e§ für bie ©ntmidetnng 
ber 9Jtenfd)beit ben nnberg(eid)tid) großen ©inftnß gemonnen 
bat, follte ^ bnreb alte ßeitatter berfotgt merben — eine Stnß 
gäbe, bie eine nngebenre Setefentjeit, gröften @d)arffinn, eine 
nnermnbücbe 9trbeit§fraft erforberte. ©baratteriftifd) genug 
^eigt and) bie^ $bt^ma bie eigentnmlid}e S^Mfebung ber "fRicb- 
tnngen in Sagarbe^ ©eete. ®er ©timmnng ber 9Iomantif 
entfbrad) eg, mit fdimer^tidjer ©ebnßicbt ben ätteften ©puren 
orientaIifd)er SSeigljeit naebpgeben, bon ber ©ibitifation beg 
Söefteng immer tiefer b^i^t^b^nfteigen ^n ben ©poeßen ber ein- 
famen SDenfer nnb ^eter beg Öfteng. 9Iber biefe 9trbeit marb 
^ugteid) unternommen im ©eifte beg fritifdjen ^Sroteftantigmng, 
ber SJtänner mie 9Jtid)aetig in ©öttingen, ©emter in ©atfe, 
ßeffing fetbft ^nr flreng btßorifd)en 'fßrnfung ber b^ttigen 
©d)riften geführt batte. ®er SSereßrer griebrid) 9iüdertg, beg 
Stntorg ber „5Seigßeit_ beg Sraßmanen'' nnb nnermübltd)en 
Ueberfeßerg attorientattfd)er Seßrbidbtnng, ßatte bod) aneß atg 
Sinb auf ben fi^nien ©eßteiermadjerg gefeffen, beg ^egrünberg 
ber mobernen Sßeotogie. Unb gan^ ‘ang bem ©eift ber 9Ie- 
formation ßoß biefe fetbft gemäßtte 3tnfgabe, bereu Önreß- 
füßrung ißn 511 ben Stnßängern ber ^Reformation in immer 
entfi^iebeneren ©egenfa| braute. ®enn bag eben Perfünbeten 
[a bie 9{eformatoren alg fßrtn^ip, auf bie atten ©rnnbtagen 
^nrüefgeßen 511 motlen, auf ben SBorltaut ber Zeitigen @d)rift 
fetbft bnrd) atte 9Serbunfetnng ber S^rabition nnb ber S5)ogmen 
btnbnrdß. 9hir baß fie biefen tritifdßen ©ebanfen fetbft noeß 
in ber nnfritifdjen SBeife beg SRittetatteig angfüßrten. ®en 
93ibetteid, ber gerabe Portag, naßmen fie atg bie teßte 9tntorität 
an; eg ßet ißnen nid)t ein, fieß p fragen, ob niißt auf ißn 
fetbft fd)on Ambition nnb Dogmen gemirtt ßätten. SDag ßatte 
bann bie ^ibetforfd)itng beg aeßt^eßnten Saßrßnnbcrtg nad)- 
Eilboten begonnen; aber Sagarbe mar ber erfte, ber in großem 
©lit an bie 9Irbeit ging, 511 ber Onetle ber Ouetten ßerab^u:^ 
graben. Uralte Ueberfeßungen mußten geprüft merben, bie auf 
ben nrfprüngticßen SBorttant ber nng in jüngeren Uebertiefe- 
rungen Portiegenben Se^de feßtießen taffen; bie ^^erföntießteit 
ber mießtigften Blagen mußte auf ißre SaPertäffigfeit, ißren 
9?arteiftanbpnnft, ißr eigeneg äBiffen geprüft merben, bamit bie 
©taubmürbigteit Perfeßiebener Slugjagen abgemogen merben 
fonnte; ang fießeren Stenberungen nnb gätfeßnugen in fpäterer 
3eit mußten auf ben früßeren guftanb 9Iüdfd)Iüffe gezogen 
merben. ©0 eröffnete fid) ein nngeßeuereg ^rbettgfetb: atg 
^ßitolog mußte Sagarbe bie attßebräifd)e, bie fprifeße nnb 
anbere ©praeßen fieß PöUig aneignen, atg .^iftorifer in bie ®e= 
fd)id)te ber Sireße nnb ißrer Vertreter, atg Sßeotog in bie ©nt= 
mictelung ber ^ogmen fieß Pertiefen, ©r mar }icß ftot^ be- 
mnft, biefen fßfticßten mit S:rene nadßgefommen p fein. SSie 
meit feine fRefuttate fotd)en Stnflrengnngen entfpraeßen, barüber 
finb mir 5U urteilen nießt im ©taube; bie gaeßgenoffen eßrten 
feine ©eteßrfamteit, maren aber geneigt, ißm atl^n inbiPibuette 
Stnffaffungen §nptranen, bie feinem Sebürfnig unb feiner teb^ 
ßaft tätigen miffenfdßaftticßen gantafie meßr atg bem metßo^ 
bifeßen ©rgebnig ber fßrüfung entfprodßen ßätten. Stn marmer 
^nreßbringnng nnb SSerbinbung beg nnüberfeßbaren ©toffeg 
mar er aber mot fdßmertidß ^u übertreffen. 

©0 Pergingen in maneßertei SSed)fet unb Slot tauge Saßre, 
big enbtidß feine Dbßffee ißr ©nbe fanb. ©r marb atg orbent^^ 
tidßer fßrofeffor nadß ©öttingen berufen — an biefetbe Uni^ 



94 


6 


S^aga^in für Bitterate. 


üerfität, an ber 50?i(^aelt§ bie bibltfcl^e ^Irc^äologie begrünbet, 
an ber 3nbrect)t b. .Raffer getnirft batte, ©etebrter unb 
^idbter, 5ßoIiti!er nnb Solföbübagog tnte er nnb rate er ein 
frommer nnb trauriger SJfann. Biber and) an biefer (Stätte 
mar ibm feine boße ^ebagüdbfett bc§ äBirfeng nnb Sebent 
gegönnt. Bteibereien nnb SerbriegHi^feiten mit ben Soßegen 
bannten tbn immer mehr in bie Sinfamfeit ber Stubirftube. 
3 lt§ er nad) ©öttingen fam, größten bie Blnbänger ber alten 
melftfdben ßeit bem „breu|tf^en ßinbringßng", ber ben bon 
ihnen afö BRärÜ)rer berebrten Drientaliften nnb ^roteftabge== 
orbneten @malb erfe^en foßle; e§ mar mieber ber ,, berliner", 
ber Btngebörige be§ großen ftramm organifirten @robernng§:= 
ftaate§, ber ibm im BBege mar. Unb in ben testen fahren 
geriet er mit bem einftu^reii^ften Sebrer ber ^odbfcbafe, bem 
?^b^a(ogen 9?itfdbf/ in Sonßift, meil beffen „B?ermittetung§- 
tbeotogie'' ibm a\§> nnbiftorifcbe» „Snnftprobnft'' erfdbten, unb 
autb an bem 3J?ann fetbft bieteg ibn ärgerte; Sagarbeg ®ut- 
achten, bie Uniberfität t)abe fein dhijt, bag Sntberfubitänrn 511 
feiern, fcbtug bem ga§ ben 93oben aug. SDa mar eg mieber 
ber geinb beg B^ationatigmng nnb ber mobernen Stufftärung, 
ber Slnftoß erregte. So mar er bernrteitt, mit ben beiben 
Seiten, bie er barmonifdb m bereinigen nidbt bermocbte, immer 
mieber Streit ^n erregen, mlbft menn feine fampjtuftige B^atur 
ibn nicht begehrte. IXnb immer mieber mar er ein geheimer 
^Parteigänger feiner geinbe. Ueber bie neuere ©ntmictetung 
beg beutfchen D^eidbeg ba^te er fetbft nidß biet anberg atg bie 
SBelfen; nnb feine retigiöfen nnb potttifdben ^Programme maren 
mit fo bößiger Sera^tnng unb Serfennung ber treibenben 
Sräfte ber ®egenmart berfaßt, mie nur irgenb eine rational 
tiftifdbe S3ermitttnnggtbeotogie eg fein fonnte. 

Biber biefe nnaufbörticben Sämpfe übten nicht btog auf 
feine änderen Serhättniffe berhängnigboßen ®tnftuj 3 . Sie 
mehrten auch f^^ae SSerbitlernng; fie berfchoben ihm aße ®e== 
fid)tgpnnfte. Smmer ftärfer artete ber theoretifd)e Sampf beg 
©teetnen gegen bie uniformirenbe BRoffeniprannei aug ^um 
praftifd^en Sampf eineg ©in^etnen gegen aße. BSo eg fich 
irgenb nm feine ^erfon banbette, ba fat) er fid) fofort atg bag 
Opfer ber motorganifirten 2Kenge nnb fchtng heftig brein. 
S^ägtid} mehr bergaß ber Sabibibiiatift, baß eben bie BTcenge 
hoch minbefteng an^ bag Btei^t beg ©in^etnen, bag Btecht in== 
bibibueßer ©igenbeiten befit^t. Sie mar ißm immer im Un^ 
recht; nnb immer berrfebfnebtiger, immer enger erflärte er fid) 
pm aßeinigen BJ^aßftab ber ^inge. Unb nur mo bag ®roße, 
bag Bißgemeine in Setradbt fam, ohne baß er fetbft eine Btoße 
babei gefpiett batte, ba bauerte no(^ immer fein Sinn für bie 
großen nnb emigen ©rft^einnngen fort, gaft fhmbotifdi beutete 
er fetbft bieg ^ebeneianber an, menn er an bebeuifame Btb= 
banbtnngen im Sonberabbrnef perföntid)e Streitereien fteiu:= 
tichfter Btrt anpbinben pflegte, ^er feine tefengmerten ©r== 
innernngen an ^üdert befi^en moßte, mußte bie bäßticbe Streit^ 
fchrift mit in ben Sauf nehmen, bie er bem neunzigjährigen 
3anz in bag ®rab marf; mer feine fi^öne Btbbanbtimg über 
bag Bßeibnad)tgfeft genießen moßte, bem Perbarb eine ßanferei 
mit ber gamitie BtÜfehtg, bie er an ben SSeibnachigbaum ge= 
hängt, bie greube. Sotmer geringer marb ber Sreig berer, bie 
er nod) neben fid) ertrug; immer teibenfchaftßcher mürben bie 
Sebenben auf Soften ber SToten gefchotten nnb befchimpft. Unb 
fo ermndbg nnb mu(^g in ihm, meßr ang tbeoretifchen ®rünben 
atg feiner erften Blntage entfproffen, eine Pertepenbe ©itetfeit. 
Um bag ®röfte nnb bag Sleinfte in SaPaier ^\i Pereinigen, 
fteßte nach S(^ißerg SSerfion bie BZatur bie ©itetfeit mitten 
hinein. äSag für ben ztt^eifetbaften fProfeten beg aihtzebnten 
^abrbunbertg bie Btatur getan, bag tat für biefen neuen fpro= 
feten bag Seben. Bitg er zmif(^en bem ®röften nnb bem 
Steinften fettfam fchmanfte, ba fanb er zuteßt einen 5Pun!t beg 
®teichgemichtg in ber Setbftbemnnbernng. SSerbiente Btner== 
fennung mar ihm Permeigert moxben; barum zu bettetn mar 
er zu groß, baraiif zu Perzid)ten nidbt groß genug: er erfeßte 
fie auf eigene Soften. BJZan möchte ben Sagarbe ber teßten 
^abre and) hierin eine Bereinigung beg fettigen ber B^omantif 
nnb beg SireßenPaterg ber bertinifi^en Btnfftärung nennen. 
Böie man eg Pon B^icotai fagte, fo mußte auch er aßeg, mußte 
aßeg beffer nnb mußte aßeg am beften. Böag er nidbt Perftanb 
ober nidbt Perfteben moßte, bag xoarf er mit §obn fort; nnb 
menn BUcotai überaß Sefuiten roeß; \o fpürte er aßüberaß „bie 
graue Snternationate" : ben Siberatigmug , nnb atg feine 


Bfgenten bie Suben. Unb menn Btonffeau einen nidpt ganz 
grnnbtofen Berfotgunggmabn big zur Sranfbeit anfnäbrte, menn 
er aßer Sritif immer mieber bag Setbfttob feineg ebten ^erzeug 
nnb feiner reinen B^atnr entgegenfeßte, menn er unermübtidh 
feine Berbienfte anfzäbtte, Pon bem &mpf gegen bie ®ebrechen 
ber ©ipitifation angefangen, big zu bödhft zteifetbaften bipto^ 
matif^en Bemühungen b^i^ab, fo mar in aß bem Baut be 2a- 
garbe fein Spiegetbitb. Böie B^icotai nnb mie B^ouffean über= 
febäßte er auch feinen ©inftuß. ßeidbte Btnftänge genügten ißm, 
nm einen Btrtifet ober eine (Si^rift atg Pon ißm enttebnt an== 
Zufeßen; feßr groß fcßtng er feine Böirfiing auf bie ^ngenb 
an. S^h gtanbe mit Unreeßt. B^nr feßr fetten habe ieß feinen 
Bdamen außerßatb ber geteßrten Botemit citirt gefnnben, eße ein 
aßerbingg. Pon ißm ftarf beeinftnßteg SBerf, „^embranbt atg 
©rzießer'', auf ihn ßinmieg unb ptößtieß bie Btnfmerffamfeit 
meiter Sreife auf feine Schriften aßgemeinen Snßattg teufte. 
Biber in Pietern traf nnzmeifelbaft Sagarbe, gerabe mie Btonffean 
ober Bdicotai, mit einer mächtigen Strömung ber zufammen; 
fie trug ißn, mäßrenb er fie zu tragen gtanbte. 

SBag nun biefe Seßriften teßren, bag fann man, oßne ißrer 
Bteichßattigfeit Unreeßt zu tun, feßr furz augbrüefen: fie be== 
zmeefen eg, SDeutfi^tanb in ein B?eidß Pon fünfzig BTxißionen 
Sagarbeg nmzumanbetn. Seiner biftorifeßen ©nimiefetung Per= 
fließt er, feiner örtUeßen ©igenart miß er geredßt merben ; aber 
ebenjomenig benft er baran, einfach in irgenb einen nrget^ 
manifißen Status quo zurüefzufteuern. „®ezmungen mobern 
ZU fein, ondb mann mir nießt moßen, and) mann mir ßaffen 
mobern zu fein'', fagt er fetbft. „©eboren bann unb bann, 
aber jeßt feßon meifleng naeß bem nnfeligen 1848, beim Stanbeg^ 
amte angemelbet, geimpft, fd)nlpf(icßtig, rePaccinirt, ©injäßrig^ 
greimißige beim 90. Bfegimente, Bizefe'tbmebet ba nnb ba, noeß 
nießt be)4raft, aber ber B^eicßgfeinbjcßaft Perbäeßtig, meit mir 
SBoban [ben attgermanifeßen ^auptgott] Ueber haben atg 3aß= 
me [ben ®ott beg alten ^eftamentg], Siegfrieb Ueber atg 

SDaPib, ©nbrun Ueber atg Btebeffa, ©rmin Ueber atg Satomo , 

nie mir fetbft. nie ©inftuß neßmenb auf bie B5ett um nng, 
fonbern beeinflußt Pon ißr, nnb barum außer Staube auf biefe 
BSett zu rnirten", fo f(ßilbert er ben ^entfd)en ber ©egenmart; 
nnb tränen im Btuge gebenft er ber 3^iß grau Pon (Staet 
bem ^eutfd)en bxei ©igenfeßaften nad)rüßmte: bie Unabhängig^ 
feit beg ©eifteg, bie Siebe zur ©infamfeit, bie ©igenartigfeit 
beg einzetnen BJdenfdeu. Unb bod) miß er nießt zurücf zu bem 
*3l:eutfd)en ber 3^ß ©oetßeg unb ber grau Pon Staet, mie 
Piete Pon nng eg mot gerne möchten, ©r fann nießt zurücf 
moßen zu biefer Qnt, ’meit er feine eigene Blatur zu ißr im 
©egenfaß füßtt. ©oetße mar ein geraber Baum unb eine greube 
ber Bttenfcßen; Sagarbe „in früßefter Sugenb frumm gezogen". 
Sßm aber mar Bebürfnig, biefe gubiPibuatität zu behaupten. 
Bon Sagaxbe zu ©oetße zu geßen Permod]te er nießt; fo Per^ 
taugte er, baß aße Pon Bigmarcf zu Sagarbe gingen. BIß feine 
Borzüge unb aß feine Scßmädßen prebigte er eßrtieß unb über= 
zeugt ben SDeutfeßen. BBie ec, foUten fie unabhängig ißren 
BBeg manbetn, bie ©infamfat Heben, avbeitglam unb fparfam, 
fromm unb ftotz fein; ober and) mie er fotten fie bie Siebe 
unb bie greube ßintanfteßen, jebe gemeinfeßafttieße Sätigfeit 
perßorregeiren, bie Sbeate nuferer gföften BBtänner ignoriren. 
BSeit er fetbft in enge unb fürnmertieße Berßättniffe gebrängt 
xnar, Pertongt er Pon bem beutfd)en Btcid) eine Setbfterzießung 
in Btermticßfeit; feine potiti(cßen Btufgaben großen Stitg foßen 
ertaubt fein, feine Bß^Ö^ Snnft fei ben nationaten Btdittetn 
geftattet; ftiß foß bag B^eid] im Sämmereßen fißen, beten unb 
arbeiten. Unb bazmifeßen ftanben bann mieber "bie fettfamften 
Btäne aug feinen jüngeren Saßren auf, bie er mit eigenfinnigem 
Sroß feftßiett gür eine ^ieberPereinigung Pon SDeutfcßö)der= 
reid) mit nuferem B?eidß fönnten ja and) ßeut nod) Piete fid) 
begeiftern; menn er aber in ber naiPen SBeife ber 2Settfarten== 
Perbefferer früßer 3^tten Pon Btußtanb einfach Pertongt, baß eg 
„meiter rüeft", um nng meßr Blaß zu maeßen, fo ift foteßer 
Btan benn bodß aßzu inbiPibueß. ©r münfeßt eine Bieform 
beg Btbetg unb regtementirt fie mit bureaufratifeßer B^banterie: 
fogar moßer bie neuen Btbetgnamen zu neßmen feien, rairb Por=: 
gefeßrieben; er fiid)t feine Blbneigung gegen bie Suben in ge- 
feßgeberifeße BRaßregetn umzujeßen. — ^ag fönnte ben Son- 
ferPatiPen reeßt fein; aber mieber ßat er biefe Perteßt burd) 
fdßärffte Sritif ißrer BoHtif, burd^ energifeßeg Bertangen nadß 
ftrengerer Sontrote über bie Beamten unb größeren S^uß beg 


6 


SJJagagtn für Sitteratur. 


96 


5ßu6It!um§ bor Uefiergriffen berfelben— bte Siberalen tDüreti fidler 
einberftanben. 28öre nun bieje Unabhängigkeit bon ben ®tanb:= 
punWen nuferer Parteien an§ ®iner großen Stnfdhauung, ßiner 
originellen S^^ee fönnte fie nur beraiinbern; 

aber fie ift immer nur bie i^^b ber. ®u§brucf feiner 
innern Smiefpöttigfeit, fie ift immer nur bie imperatorifd)e Ser^ 
berrlidbung feiner eigenen 5f?atur. Unb be^balb !ann fchtoer^ 
lieh iemanb au§ biefen @d)riften mehr fich aneignen al§ ein= 
^elne tiefe ®ebanfen nnb biete geiftreid^e 5iu§fprüdhe. ^ ^ie 
@rö§e einer mahrbaft inbibibueöen SBeltanfcbauung fehlt biefem 
bunten ^unftprobnft einer frühen ©reu^ung entgegengefe^ter 
©inftüffe nnb eine§ einfam biirdbgetämpften Sebent. ^J^an fann 
nidbt ©dhüter ßagarbeg in bem ©inne fein, in bem man 
©(^üter ßelfing^ ober ©oethe^, Jt'antg ober 9^ie^fdbe§ feinlann; 
ja nidit einmal in bem ©inne, in bem man fid) mit Sangbehn 
bon Stembranbt erziehen taffen fann. ©eeten nm^ufchaffen ift 
ber nnermübtidhe nnb tiefe ^ßrebiger nicht imftanbe; er hüU^ 
bie eigene 5uerft umgefdhaffen, märe biefe Sraft ihm gegeben 
morben, er hätte fidh ^u einer botlen nnb geraben Snbibibuatität 
umgeformt. 

©0 fann man nidht ohne SBehmut biefer Saufbahn nadh- 
btidfen. ©o biet Segabung, fo biet tiefinuerfter ©ifer — unb 
immer tieblofe^, freubtofe§ SRühen. Sludh an ihm fann man 
greube fdhmertidh armen ^rebiger 

in ber SBüfte liebt, ber fid) in ein tjäreueg ©emanb hüllte unb 

t euf(^reden a§, ba§ begreife ich tool. ^enn man feine 
(Triften lieft, fo fiubet man feine§meg§ bie g^eube, melcpe 
9^ie|fdhe§ ©üi^er burdh ihre boUenbele gorm bem SJunflfenner 
bereiten; Sagarbe, fo oft er auf ba§ Seituug^beutfd) f(hilt, 
f(^rieb hoch felbft p h<^fii9^ enblo§ bermirrte ©ä^e, fchlecht ge= 
glieberte Slbfd^nitte. ^ber man trifft überall ba§ Siiugen einer 
ernften ©eele, bie Slit^e eine§ fd^arfen ©eifie^, bie ©dhläge 
eine§ fampfgeübten gechter^. Unb mie Santalug fcheiueu biefem 
Kämpfer bie golbenen grü(bte immer bor bem ?ORunbe p 
hängen, immer berfagt ^u fein, ^eber ©a^ ift ©ifbphn^örbett; 
mächtige^ ^InroHen ber ©ebanfen, bie bann glüdlich mieber 
herabf^tür^en. Unb iKitleib berbrängt iebe§ ©efühl ?il§ er 
nodh lebte, fühlte ich Gegen ihn faft nur heftige Slbneignng. 3m 
^ejember 1891 ereignete fidh ein ©efd)ehni§, ba§ mich 
mal§ heftig gegen ihn empörte, ©r h^rtte in feinem ^a§ gegen 
einen ©eiehrten, ber ihm feiner ©rfolge nicht mürbig Jd)ien 
unb il)m fo ^u einem ©egenftücf ber eigenen nid)t genügenb 
belohnten Slrbeit marb, fid) in ben ©lanben eingearbeitet, ber- 
felbe l)öüe fogar feinen “^oftortitel nnberechiigt geführt, ^er 
SÖlann, ber feinen ^ntor älterer 3^üen anführte, ohne fich 
mit ihm näher befannt p machen, fteHt faft fribol biefen ©ab 
über einen berbtenten ©eiehrten ber ©egentoart auf nnb hält 
ihn für bemiefen, meil man e§ nicht ber SRühe mert gehalten 
hatte, 51t miberfpredhen. „Qnx ©hrenrettnng eine§ ^erftorbenen'' 
berfante barauf bie feuern ©eiehrten §n ©hren begrünbete 
3nn5=©tiftnng eine ©rflärnng, bie Sagarbe^ grnnblojer "än- 
klage einfach ba§ Saturn ber Promotion gegenüberftellte. 
©oldher Sef^hämung hölte ben überheftigen SRann ber ^olemif 
feine Seibenfdhaft an^gefebt! trmr entrüftet; ich toollte 

meine ©eben, einen alten ä)^ann an^ngreifen, in einem ^ilrtitel 
übertoinben, ber biefe 2atfad)e auf ihren §intergrnnb ftellte. 
-- ^m 24. ‘^e^ember erhielt id) bie ^ttfenbnng; bie nächfte 
3eitnng§nnmmer brachte bie 9lad)rid)t bon Sagarbe^ £ob. ©0 
hatte ba§ ©d)icffal, granfam bi§ ^nlebt, einen S^^ann, an bem 
fo biet 511 rühmen toar, mit fo toenig rühmlichem ©inbrnef 
fcheiben laffen. 91üd) h^tt bie§ 3^if^tnmentreffen erfchüttert. 
©0 ftreng haben feine ©chtnächen fiel) beftraft, bie hoch nur 
bie ffiirfnng unglücklicher Umflänbe toaren! ^em SBeihnad)t§- 
feft galt feine lebte ^llrbeit, bor ber ©chtoelle be§ äl^eihnad)t§^ 
fefte§ ift er geftorben. ^er frennblidhe ©lan^ be§ ^ hoepften 
beutfch-d)riftlid)en gefte§ ftanb oor ber Slür, er fal) il)tt nicht 
mehr; jnm lebten 3J?al fd)manben bie golbenen grüdpte bem 
unglüdlidpen ©opn ^toeier 3^^talter bor bem 59lnnbe. 




^ e a t e t?. 

SSon 

jFn'ts Jaautlinet. 


g^raug @rin^)arger: „@iii treuer ©teuer feiue§ 
§errn", ©rauerfptel tu 5 Slfteu. — Sofe 

d(^egarat): „©er UnerMttUetje, Suftfpiel tu 
3 äfften. — @ul) be SRaupaffant: „töJufotte", 
©itteubilb tu 3 Slfteu. — @ru[t u. SSotgogeu: 
„©o§ Suinpeugeftitbel", Äomöbie in 4 Slften. 

ift fd^iner, fi(^ über eine gange 3leit)e (itterorif(^er 
©rfotge in ben ©agen gu freuen, ba um met)r ol§ bie 
l^unft, ba um bie ©dbute ber ^ampf entbrannt ift 

groii(üen Staat nnb j^tre^e, unb bie IJirdfie gu fiegen 

fdjeint. 3d} mugte immer mieber an ba§ ißfaffen» 

gtjmnafium benfen, in mel(üem i(ü fünf Sat)re lang nicl^tS 
gelernt I)abe. Unb bort |atten mir aufeer unfern @d)ul= 
flunben no^ allgemeine ^rmatftunben beim Orbiuariu§. 
©a l)alf iüct)t§. mö(|entli(^ blieben mir eine 

Stunbe über bie ©(^ulgeit in ben oben ^Räumen be§ 
^UtariftenftüfterS, ot)ne 9tu§na’^me bie gange lUaffe, bie 
bafür ejtra gai)len mu^te, unb ber gro|e, fette, brutale 
DrbinariuS biftirte uns bie Slrbeiten in bie 
un§ felbft aufgegeben t)atte. 2Bar er bann am ©am§= 
tag guter Saune, fo fugte er uns mol aiicf) gang un= 
befangen: „©iefe SBodben l)abt’S ibr alle @mineng!" 
Smineng mar bie befte fRote, unb ber §err unterridt)tete 
uns in ber beutfeben ©p’^acbe. ®ir bnüfn oEe ©mineug, 
aber mir fonnten uuS nidbt freuen, mir mußten, baB unfere 
Sdbule fdblecbt mar. 

„©iefe Sßoeben böbt’S ibr aEe ©mineng!" Unb nur 
ber ©ruft ber 3eit oerbiubert einen luftigen ©on. 9lber 
mabr ift eS bod). ©er fßeffimiSmuS in ber ^rittf mu^ 
oerflummen, menn an oicr ©beatern au oier aufeinanber 
folgenben 2lbeuben oier Stütfe oon bebeuteubem litterari» 
fd)en 3Bert gegeben merben fömten. Unb mol gemerft, 
nur eines ber ©romen ift alt, nur groei fommeu auS bem 
SluSlanb. 3Bar Ulricb oou -Jütten nicht oon ©unteü 
männern umgeben, olS er auSrief: @S ift eine Suft gu 
leben? ©rüden mir unS oorfiebtigter auS. ©S ift für 
einen Sitteralen immerbin unb tro^ aEebem, menn er bie 
gebrecblidfe ©inriebtung ber SBelt ermügt, einige ©oge 
laug für einige 9Cbenbftunben einige Suft gemefen gu leben. 

iRun märe eS oieEeiebt fing, bie oier ©iibter biefer 
Sßodbe, ©riflborger, ©cbegorab, SRaupaffant unb SBolgogen, 
recht unfritifcb in ben .^immel gu beben unb bureb ftarfe 
9tuSbrüde beS SobeS gu förbern, beim ^ublitüm menig= 
ftenS gu förbern. ©ie J^ritif aber b^it meiner 9JUinung 
uad) nidjt bie ©efebäfte beS ©beaterbireftorS gu beforgen, 
unb eS ift eine feltene g^reube, IJriti! gu üben mit bem 
.g)Ute in ber §aiib. SBie fo bnnÜ9 im iÖmtfe eines SabrS 
lüirb au ©beaterftüden l?ritif geübt, bie fo febr unter ber 
llritif fteben, ba^ ein berber gufetritt ber Sage ber ©inge 
beffer entfbreeben mürbe. Unö mie feiten bol man bie 
.^örte folcben gelten SSerfaff er grob unb beutfeb auS bem 
^öereidb ber i^unft beranSgnmeifen. .g)eute bonbeit eS fi(b 
um oier l^ünftler unb eS ift nicht gong gerecht, fie in 
äbnlicber SSeife gu fritifireii mie §ing unb J?ungeu. ©er 
oeränberte ©ou mu^ eS fein, ber bie S^ritif macht. 

3m foiüglidjen ©chaufpielbaufe mürbe ©riEpargerS 
©rauerfpiel „©in treuer ©teuer feines §errn" gum erfteu 
SRale aufgefübrt, ooEe 64 Sabre nach ber erfteu SKiener 
9luffübrnng. ©amalS mar ber gute l^aifer fjrang oou 
bem „hoben Sieb beS ©eroiliSmuS" fo erfebredt, bofe er bem 
©iebter bie mehr alS noioe 3omutung fteEte, baS ©rama 
gegen eine ©elbentfcbäbigung oerfebminben gn laffen. 3d) 
habe oor SobveSfrifl bie Segenbe gerftören geholfen, ba^ 



96 


6 


®al SUago^ttt fut Sütcrotur. 


©riüparserS 33flnc6an ein ©efcpöpf be§ 33l)3antini§mu§ 
fei. Sä) öuf eine 3luferftel}nng be» wunberbaren 
SBerJeS gel)offt. S^legiffeur ©rnbe l)at nun ba§ SSerbienfi, 
in ber neuen ©rillfjarserftobt, in 33eriin, Qucf) biefe§ 
SKeifierbroma an§ iiid)t ber Siompen gebracbi 5U i)aben. 
($S »irb fi(| im ©pielplon erhalten, wbm and) auf einen 
großen populären ©rfolg faum 51t rectinen ift. Sie ©dfulb 
liegt guni Seil an ber Sluffüprung, gum Seil an ber 
©ieptung felbft. ®ie ®arfteltung mar nic^t intim genug. 
§err ©rube al§ 8ancban mar 51t meid^, unb §err a)?at= 
bm§fli, ein fe^en§merter $erjog non ÜKeran, fpielte ein 
bi§c§en mie ein 3Sirtuofe. Unb ^irtuofenroEen l)at ©riE= 
parger nid)t gefd£)rieben, Iro^ fKebea. 

©riEparger ift l^unbert Soi^re nad) feiner ©eburt 
mieber auferftanben, meil er, einfam in romantifcper Seit, 
ein großer 3Sertreter germanifd)er Dramaturgie, meil er 
ein ©Ijarafteriftifer mar. Mon oergleidje einmal feinen 
SSancban, ber ba§ perfonifigirte 5ßpii|tgefül)l ift, mit bem 
fategorifi|en Smperatio, ber ficE 3Äap Piccolomini nennt. 
33ei ©(piEer bie glöngenben [Reben eine§ begrifftidfen 
Sbeafö, bei ©riEparger ba§ lääielnbe ©tammein eine§ 
bur(| Pfti(EtgefüEl üernic|teten 9Renfct)en. Unb menfdjlid) 
in febem SußC, burd^auS nicpt ©ngel, aber audp nicEt burdi)» 
au§ Seufel, ber [8öfemid)t oon äKeron. ©0 bietet ©riE» 
parger ber mobernen ©cEaufpielfunft perrliEie 9lnfgaben. 
3lber ber ©efa^r be§ ©parafteriftiferS ift audt) er nicEt 
entgangen, ber ©efapr, für bie $anblung nicEt öiel [Roum 
übrig gu 011 ^anbluug 

feElte, e§ ift genug ba für eine ©taat§aftion. Der 
DicEter aber E^ti W pfpdiologifcEen 3lu§malnng 

fo lange auf, ba^ er bie micEti^ften l^iioten be§ Drama§ 
mit ©pinnenfüben fnüpfen gu fönuen glaubt. [RamentlidE 
in ben beiben lebten äften gleitet er über fOforb, ©m= 
pörung unb [Rettung mit leifen Eolben Sßorten Eiitmeg, 
unb bie SuEörer oerfteEen bie grabet ni(Et meEr bequem 
genug. ift ©Ecifefpeareä SedEnif oEne ©EafefpeareS 
Preite unb ©innfoEigfeit. — — 

Sind) „Der UnerbittlicEe" oon ©cEegarap (im Seffing== 
SEeater) Eöt feinen lärmenben ©rfolg errungen. §offent» 
ti^ mirb e§ ober nicEt an einem publifum feElen, ba§ 
an biefem Snftfpiel oon nnb für Sitteroten ©efcEmad 
finbet. 3Ran bat ben fponifcEen DicEter, al§ er oor eini» 
gen SaEren plöEIid) ing Deutf^e überfeEt mürbe, unter 
bie Poturaliften Eioeiorubrigirt. Da§ mar gang unge= 
möEnlidE falfdE- SBeil ©cEegaroE niiEt aufeerEolb ber 
[Bilbung feiner S^ü EfEi- >oeil er oftuefle Probleme auf» 
greift, barum ift er nod) lauge nicEt bei ber füngften 
©^ule eingefcErieben. SBeun ic| nocE ben menigen über» 
feEten ©tüden urteilen borf, Eängt ©(Eegarap nacE ber 
[BaEl feiner ©toffe mit bem jüngeren Dumag gufammen, 
nacE feiner gangen SecEnif mit bem alten fponifcEen 
Drama unb ber alten frangöfifcEen 5?omöbie. „Der Un» 
erbittltcEe" fönnte, icE Eof’^ Uii'c 5lngft oor großen [Romen, 
ein leicEtereg Sßerf 3Roliercg fein; mobei oEerbingg gu 
ermägen möre, boE mon. SRotiere nicEt gang ebenbürtig 
ift, menn man gmeiEunbert SaE^^c oacE iEm in feinem 
©eifte fiEreibt. Die gäbet ift faft finblicE. ©in brama» 
tifcEer Dieter mit einer oerliebten SodEter; ein gmciter 
Dromatifer befiegt burd) eine lobenbe Ifritif bog SSiber» 
ftreben beg Poterg, ein britter, ber ©oEn beg gelben, 
reifet ben geliebten 3Sater oEnungglog Eerunter. Die §anb= 
lung fefet ficE alfo ang J^teinigfeiten gufammen, ang 
SEeaterf ritif en ; unb aucE fonft mirb eingig unb oEein 
oon Sitteratur gerebet, oon alter nnb neuer ©cEule, oon 
©(^ulben unb §onororen, oon l^unft unb publifum unb 
oon öEnlidEen ©egenfäfeen. ©g ift foum gu glauben, bafe 
bobei bodE ein Eübfifeeg ©tüd Ewaugfommt, unb nocE 
merfmürbiger ift eg, bafe biefer ^offeeEaugflotfcE aug 
ERabrib in Perlin feEr gut oerftänbticE ift. ©g fcEeint 


bodE alg ob nidEt nur bie ÜRenfcEen, fonbern fogar bie 
©cEriftfteEer überaE biefetben finb. 5öag aber bem Dia» 
log ©dEegarafeg feinen EoE^o 3ßert giebt, mag fein ©tüd 
EeraugEebt aug ber Sitterotenlitteratur beg leEteu SaEreg, 
bag ift bie Steife beg §umorg unb bag ©EarofteriftifcEe 
ber ©precEmeife. Die giguren finb nidEt ©ingelmenfcEen 
im ©inne ber neueften ^unft, fie finb Sfepeu im ©tile 
ERoliäreg; aber alg Sfepen meiftertidE feftgeEalten. Unb 
ba icE immer beg ©laubeng bin, bafe ber ^innor bie 
redEte ^öfee beg ©eifteg ift, nidEt aber bog tragif^e patfeog, 
fo fteEe i(E bag Suftfpiet oon ber „erften Hritif" über bie 
oiel bemunberte Sragöbie „Perrüdt ober E<^ili9"- 
Ueberfefeung fcEeint gut gu fein, bietet aber unobficEtlicE 
eine EöfetidEe ERifdEung oerfdEiebener beutfcEer [Dtunbarten. 
SdE benfe bocE, man foEte ein ouggefprocEeneg Sitteroten» 
ftüd iiig §0(Ebeutfd)e überfefeen. — ' — 

Sm StefibengtEeater mürbe bie „ERufotte" beg armen 
ERaupoffant gefpiett. Die Ueberfefeuug mar jämmerlid), 
fo jämmerti(fe, bofe man fid) mancEeu ©afe ing gran» 
göfifdEe gurüdüberfefeen mufete, um ifen gu oerfteEen; 
bie SluffüErung mar unglei^ unb namentlid) im erften 
unb brüten mk mar bie ernfte ooiueEme ©tiuimimg 
gönglidE oerfeEU. Der gmeite Elft ober, in melcEem 
gräulein Perteng faft fo lange nnb fo gut ftarb mie 
©aroE PernEarbt alg Äamelienbame, nnb mo §err 
[Rittner iEr mit unfertiger ©infocEEeit fefuubirte, mirfte 
fo erfdEütternb mie lange fcfeon feine ©gene. 

EReine grofee S}teinung oon SRoupaffaiitg Did)ter» 
fraft Eabe id) erft fürglicE augfprecEen bürfen. ©ein 
Drama fann biefe EReinung nur beftärfen, meuu ond) 
eine frembe §anb bag Prettergerüft für bie PüEne 
guredEt gegimmert Eat. Der ©toff ift mit genialem ©riff 
oug bem ooEen parifer EReufcEenleben EcrauggeEolt. 

Slm Etbenb feineg §odEgeitgtogeg erEolt ber ERaler 

Scan bie EtOiEricEt, feine in aEer Drbnung abgefunbene 
©eliebte liege im ©terben unb rufe il)n. ©r oerläfet 
feine junge grau unb bie §ocEgeitggäfte unb gefet gu 
ERufotte. Der gmeite 3lft geigt ifer ©terbegimmer. 
Die Umgebung ift eine S^iEnaoö fofeca ^angeg. 
ERufotte Eat ein 5finb geboren, bie EBiege ftefet neben ber 
©terbenben. gm gtamer feüftert eg bonal, friool, 
gefEäftliiE unb albern. Die ^ebeamme; bie EXmme unb 
ber Elrgt finb unoergleidElicE : gutmütige, gemöEnlidje, 
egoiftifd)e ERenfd)en unb bocE für bie Sragif beg Sobeg 
ein ^intergrunb oon milbem §umor. E)iufotte empfieElt 
bem ©eliebten fein Äinb unb ftirbt; fie ftirbt nidEt gang 
ol)ne ^ofetterie, aber eg ift eine g^'^obe im SEeater 
mieber einmol orbentlid) fdEIudEgen gu Eören. 

Sm britten Elfte erfüErt bie junge grau mag oor» 
gefoEen ift, oergeifet bem ERaler unb nimmt fein Ifinb (am 
§ocEgeitgtage!) gütig auf. Diefer brüte Slft mürbe oon 
einer ©eite um feiner §anblunggloftgfeit miEen getabett, 
oon ber anbern ©eite EöEoifE benen unter bie Elafe 
gerieben, bie and) Oom Paturatigmug $aublung 
oerlangen. Unb i^. fürdEte, gmei geeferte IfoEegen 
näEerten fidE bebenflicE meiner eigenen Efafe megen meiner 
Peurteilung beg §ouptmonnfcEen ©tüdeg. [föir moEen 
ben ©treit auf eine ftiEere SEeatermocEe auffporen. 
.^eutf nur fo oiel, bafe ERufotte ooE ift oon innerer unb 
äufeerer §anblung, unb menn ber lefete Elft an EBirfung 
naEliefe, bürfte eg oor oEem baranliegen, bafe bie junge 
grau nidEt fdEarf genug gegeicEnet ift, bofe bie Sßanbluug, 
bie fidE i« iEr ooEgiel)t, mit etmog gu oberflöcEtidEer 
PffecEologie blog angebeutet ift. 

Efid)t bag befte, ober gemife bag intereffantefte oon 
ben brei neuen ©tüden ift bag „Sumpengefinbel" oon 
EBotgogen, bag im EBaEnertEeater mangelEaft aber mit 
grofeer Siebe aufgefüErt mürbe, unb bag einen recfet leb» 



9?r. 6 


SMagajitt für Sitteratar. 


97 


t)ofteu l?anit)f öon Seifntt nnb ciitfeffelte. ®er 

®rfo(c( be§ 2 tbeiib§ war bcbculenb bei bcii Si’uiiftgenoffcn 
bc§ ®id)ter§, redft Cffrinci beim ^itblifitm. ihib audf 
wir Ifatteu beim Sefen be§ ©tücfeS iwcif mel)r geincljt alS 
bei ber 3[itpf)ntiig. 

©ruft ooii ÜBoijogeii l)at )eüiem föftUdien §iimor im 
„Siimpengefiubel" bie gröfte Sfitfgabe geftelll @iiie tief= 
enijie fpaiibiimg folite biircf) faft biirieSfe iperfoiien ogivt 
werben. 9Jebeübci folite bie offigielk SBelt, ba§ @e()eim= 
rntlfsoiertet erfal)ren, baf; wal)re toitttidffeit mitcr bem 
yumpengefiiibel fidjerer jii fiiibeii ift nl 8 in ben ^^nlaiS 
be§ S;ih'garten 8 . Hub um gang gerecht 51 t fein, l)nt 
SBol^ogen ba 8 Bumpengefinbct iiiclft mir äufferft fomifd) 
borgefiellt, fonberii ber Smibe uon formlofen jungen 
^ünfflern nnb @d}riftfiel!crn (bie Sngenb fel)ltc in ber 
31nffnl)rnng) einen anSgemadften luftigen ©djnft beigegeben, 
©in bi 8 d)en nie! nnf einmal, nnb mir ^nr §iilfle ifl e§ 
bem SMdfler gelungen. S)af 5 ber gd)riflfteHer fyriebrid) 
ilern feiner g'i’fi't fdjlidft nnb einfad) oer§eil)t, ba er ben 
g’elfltrtlt nn§ ber iDcäbcIfcnäcit erfabri, bas ift ba§ bnrd)= 
geljcnbe ernfte 5fsroblem be 8 ©liitfe«, nnb biefeS 5)>robleui 
ift anfangs nidft bentlid) genug nnb ginn (Scblnfg nidjt 
red)t' gtanbl)oft belfanbell. ,^')ter bat ber S)i(^ter ber 
5poffe cbenfo arge l^ongeffionen gemadft, W'ie in einer 
gweiten iiiebe§gefd)id}te, bie gang regelrecht mit einer a>er= 
lobnng fdjlie^t. ^erftofenng' etnc§ (S)cl)eimraifDl)ne§, weit 
er Zünftler werben will, Verlobung be§ armen SfenfelS 
mit oielen Sltillioncn nnb einer jungen SBittwe, baS finb 
oerftnnble $Bül)nenregnifiten. lleberbieS bat SBolgogen in 
feiner Sönbnenbearbettnng auf maneben feinen Bug üer= 
giebtet. ®oi'b and) fo fiiblt man ba§ ©cbaffeii einer 
reichen Stroft, nnb andf bie atcenfdjen ber ©efeflfdjaft 
finb noch fo lebenbig gegeiebnet, bafg wir fie mehr ober 
weniger lieb gewinnen. ®n 8 „Önmpengefinbet" aber bade 
oerbient, mit einftimmigem Bnbel begn'ifjt gn werben. 
2 Bie ber ©i^riftfteller griebrid) Ij'ern mit feiner oer- 
ängftigten gro» nnb feinem guten 33rnber SBilbelm in 
einer ©tnbeutenbnbe häuft, wie bn bie junge iBittwe cr= 
febeint nnb für bie hohen fogialen B'oeefe ber 93rnber eine 
SRillion gnr ißerfügnng ftellt, wie bie iBritber baS 
gabelhafte anfnehmen, wie fie in ber erften f^eenbe ein 
g^eft improoifiren, baS ba§ arme junge grnnchen fchltcf;» 
ans bem fponfe treibt, baS ift wol ^Hoffe- ober eine 5ßoffe 
erften DlangeS, nrwndjfiger, benlfcber .Junior, bem bie 
®räne nidjt fehlt, ftnbentifdjer Ulf, ron einem ßnnftler 
geformt, ffinre c 8 bem Siebter gelungen, 5tnfang nnb 
&ibe biefer 5poffe, alfo bie ernfte (Seite, ebenio fieijer gn 
geftnllen, wie ben milderen Seil, ibir wiiren um ein 
bleibenbeS Sönljitenwerf reidjer, wenn e§ and) bann bem 
^ißnbtifnm beS erften 2 tbenbS oielleidjt nodj weniger bc= 
Ijogt Ijäde. 

Ütod) gn einer 33cmerfnng giebt ber Sieidjtnm ber 
letzten tBodjC S^eranloffnng. Si'ie eS fogenannie l?enner 
giebt, bie alles für fdjön halten was edjt ift in ber alten 
Ibnnft, fo giebt eS ber neuen J!nnft gegenüber ©djulcn, 
bie mir baS für fchön hallen, waS fdjuigeredjt ift. äiUr 
hoben eS nun aber erlebt, ba^ wir binnen wenigen Sagen 
mit gleicher ®anfbarfeit bie Sßerfe eines halbflaffifcijen 
aiteifterS, eines gragiöS fpielenben Spaniers, eines frai> 
göfifchen Otealiften mtS bem ©cfdjlecbte ber Siberot 
nnb iöalgac nnb eines bentfehen §nmoriften anS ber 
naturaliftifeben Scpnle genoffen hoben. Sinb wir barnm 
töridjt wie Slinber? Sep glaube nein. @S wirb wol an 
alten biefen ©idjtnngen irgenb etwas UnnnSfpredjlicheS, 
bis jept 9?amenlofeS fein, baS moberner ift als bie 
mobernfte Schule, etwas ©emeinfameS, wofür bie 8 'd'nnft 
baS erlöfenbe Söort finben wirb. ®ir leben eingefcbloffen 
oon ber geit wie in einer tiefen Sdjtndjt nnb feljen oom 
Ipimmel über nnS mir bolb einen blouen giecf, bolb einen 


SBolfenftreifen, halb ein Sternlein in ber 9iacht Um boS 
ÜBctler oon morgen beftimmen p tonnen,_ müßten wir 
hernnS nnS ber (Schlucht nnb müfjten allwiffenb fein in 
ben Singen beS CiimmelS nnb allwiffenb finb biSper niiht 
einmat bie Sbritifer. 




)Siue 5etitfd;c Pcrlag$oi'5mmg. 


^on 

€ r n \l 1)^ 1 efl t r 


^Ulerbtiin^ ßieOt and] ba§ @efel3 feine abfofut binbenbe 
Sor|d}vifh ®urd) SScrtrng fonn jeber^eit, fo tücit nid]t ba§ 
C^ecjenteil nii§ bem ^jefej} felb[t ()crl)orße()t bie bon bemjelben 
nufoefiedte Siegel gcbrodjeit nnb ettnag nnbereg bernbrebet 
tnerben. 9 Jdin fönnte banad] bem (Sd}fu§ gefangen, ba§ 
e§ 5iem(idi gleldigiftig fei, tna§ ba§ (^efcl^ (ober bie ai§> (^efe^ 
geftenbe Seriagcmrbnnng) aU diegef anfftefle, ba ja jebem nn-. 
benommen bleibe, für }id) fontrafdid) bie ^^fiiSnal)me an^^n^ 
bebingen. (Bin folc^er Sc'bfnfj märe aber bod), fo rid)tig and] 
bie 3 latf(id)e, biird]aii§ irrtnmlidi. ßuiuidjft änf^ert jebe gefeit- 
lid)e Siegel ein ftarfeS morafifd)e§ ©emid)t: bie ‘J?(n^nal)me 
loirb crfof)rnng§m(1fdg eben nur an§naf)m§ii)cife gemadjt. ®ann 
aber berfdft fid) jeber baranf, baf] ba§ C^efef^ lool bn§ im all- 
gemeinen ^dffige nnb Siegel l)inftellen loerbe, 

fo baf] eine genauere Sfenntnlg beyfelben ntd)t erforberlid). ®er 
S^^ertrag un'irbc mit 33 efttmmnngen, bie U)a()rfdieinlid] eine 
braftifdje ^ebentnng für ben bejonberen gad nie erlangen, 
nbcriaftet inerben, inenn jebe übeil)anbt benfbare Sontronerfe 
im boran§ fontrafdid) befeitigt inerben fodte. (Sr mnß fid) 
bamit begnügen, bn§ inbibibiiell 2öefeiitlid)e außer ßineifel p 
fteden, in adern übrigen bie gejefdidie Siegel gelten 51t laffen. 
S^e§l)alb l)at fie bie 5 ^aerrjd)aft. äJenn nid)t^^ ineiter gefd)iel)t, 
(\i§> baß ein (2d)riftfleder einem SSerleger ein SDIannffrilpt 
bietet nnb biefer ncröffentlid]t, muß bie gefeblicßeSertrag§=^ 
orbnnng bie SSibglid)feit ber (Sntidieibniig über ade offen ge= 
laffenen geben. Ueberod ba, ino ber fd)riftlid)e ober 

münblid)e S3erirag eine Süde läft, tritt fie ein. (Sie inirb be§=^ 
l)alb and) bie Slnfgabe baben müffen, ben inirtfd)aft(id) fd)lncicberen 
i^eil 511 fdjüßen. SJ^ag ber, metdjer für fieß befonbere SSorteile 
beanfprnd)t, fid) biefelben fontrahlid) an^bebingen; iner aber 
nadjgiebt, fod an§ bem SSertrage felbft iniffen, ino^n er fid) 
l)erpflid)tet nnb in ineldjem Umfange er fein Sied)t einfd)rünft. 

^ie S 3 er(ag§orbnung be§ ^örfenbereing entfprießt meinet 
@rad)ten§ biefen S?oran§feßnngen nid)t bnreßmeg. ^d) bin 
freilid) S^nrtei, nid)t mir aB ©d)riftfteder nberßanpt, fonbern 
and) ineil td) bei bem l^uftanbefommen be§ bom Srtbanbe 
piibü^irten (Sntinnrfg mitiötig gelnefen bin nnb bort meine 3 ln== 
fd)annngen bon bem, ina§ id) im Sert)altni§ bon Verleger nnb 
S 4 )riftfteder für rcd)t nnb billig ßalte, bereite formnliit ßabe. 
5 lber id) ()alfe mid) gleid)lnol nid]t für berart befangen, baß 
id) eine Sritif ber gegnerifd)en ^eftrebnngen ableßnen müßte, 
gd) barf ßin^nfügen, baß id) perfönlid) bon ber ®efd)äft§flede 
be^^ ®brfenberein0 ber bentfd)en ^ncßßanbler ^ur Slenßernng 
anfgeforbert bin. Si^aß meine Slenßernng öffentlid) erfolgt, 
liegt in ber Statur meiner ©tednng. (B§> fommt ja and) inefent^ 
ltd) auf bie 33 egrünbnng eine§ Urteilt am «Selbflberftänblid) 
tonnen ßier mir einige .^anptpnnfte ßerborgeßoben tnerben. 

®ie Serlag§orbmmg be§ S 3 örfenberein§ inid einen prin== 
^ipieden llnteijd)ieb feßm 5inifd)en fd)riftftederif(ßen (Sr^eug:^ 
ntffen, bie an§ freier S^^ütigfeit ßerborgeßen, nnb fold)en, bie 
auf ^eftednng be§ S 3 erleger§ geliefert inerben. (B§> ßeißt § 3 : 
„SDaS ^erlag§red]t gilt al§ bom ffierfaffer bem SSerleger iiber* 
tragen, inenn biefer ben S 5 erfaffer beauftragt ßat, ein litterari- 
fd)e§ Unterneßmen nad) einem bom Verleger gegebenen 
an^5iifüßren.'' Slad) ben S^^otiben fönnte feßeinen, afe ob 
ßier mir bnrd) ben acceptirten Sfnftrag ber förmlid)e Sertrag^- 
abfd)lnß ßabe für überflüffig erflürt inerben f ollen. 5lber ab= 
gefeßen babon, baß nun ol)iie ineitereg bie SSorfd^riften ber 
Serlaggorbnnng in Sraft treten inürben, ergiebt ft(^ aud^ au§ 
anberen fßaragrapßen bie beabfießtigte materiede Sebeutung 



98 


für Sitteratur. 


6 


fe^r beutltciö. § 26 ber SSerlecjer im gtDeifd nur 

ba^ $ßer(og§re^t au einer Sluftage. ®ei Werfen iebo(^, treidle 
ber SSerfaffer im Aufträge uub uad) bem ^laue be§ S5erleger§ 
berfa^t, ber Verleger ba§ 33erlag§red[)t ou aßen Sfuffageu 
uub 5lu§gabeu eiufd)lte6Iic^ aller ferneren Steile uub gort== 
fet^iiugeu! $ier ift augbrüdlid^ auf § 3 SSe^ug genommen. 

fo § 35: „93ei ©ammeltnerlen gilt ba§ Serlaggred^t an 
einzelnen beitragen al§> für ade ?luflagen unb Slu^gaben burd} 
bie einmalige ^onorar^ablung ermorben," unb § 37 : „Ueber^ 
trögt ber Verleger einem 25erfaffer ... bie ^^Jlitarbeit ... an 
enct)flopöbifc^en Unternehmungen . . . , fo bat ber Verleger 
baran ba§ unbefcbranfte 3Serfügung§red)t. ßu ihrer (folcher 
3lrbeiten) S 3 erbielfaltigung unb Verbreitung ift er nid)t ber= 
bflid}tet; bei neuen Auflagen ber betreffenben 2Ser!e barf er 
folche Veitröge nach eigenem ©rmeffen and) bon dritten um:= 
arbeiten laffen.'' SBirb enblid] bfe mcitere VertragSerfüdung 
auf (Seiten be§ Verfaffer^, toenn audh ohne beffen Verfi^ulben, 
unmöglid), fo barf ber Verleger nach § 45 ba§ nad) feinem 
Vlane unternommene SBerf burd) einen anberen Verfaffer fort^ 
fe^en laffen. Stiefe Vorfchriften, mie fie h^^^ formulirt finb, 
geben bem Verleger tnahrhaft ungeheuerliche Vefugniffe. 2Ba§ 
hei^t: @tn bom Verleger gegebener ^u einem litterari^ 
f(hen Unternehmen? ©emeint bürfte ein bud)hönblerifche§ 
Unternehmen fein, ba§ freilich ftet§ auch dnen litterarif^en 
Snhalt h^^t. ^er bezieht fid) auf bie SSahl unb 

orbnung be§ Stoffel, auf bie Sufammenftellung bc§ fchrifi^ 
ftellerifd}en ^ 9Jdaterialg, auf bie ^rt ber §erau§gabe. Stiefe 
Umftönbe finb aber ohne mefentlid)e Vebeutung für bie fchrift= 
ftederifche Seiftung felbft. ift 5 . V. un,^toeifelhaft ein buch= 
hönblerifdber Vlan, eine V5elt- ober Sitteratur= ober Sunft= 
gef(hid)te in Viographien ober ©in^elbarftellungeu mehrerer 
Verfaffer h^^ciu^^u geben. Ster Verleger, ber il)n fa^t, erteil 
berfchiebenen ©eiehrten „ben Sluflrag", bie eine unb anbere 
Vartie 511 bearbeiten. Sie nehmen ihn an unb liefern bie in 
fidh abgefchloffenen V5erfe. V^e^balb joden fie baburch ^u mehr 
berpfliditet fein, ai§> bem Verleger bie Aufnahme in fein ge^= 
plant Sammelmexl ^u geftatten? 2 Ba§ macht e§ für einen 
prin^ipieden Unterfchieb, ob ber ©eiehrte bem Verleger ein 
biographijehe^ 28erf über griebrid) ben ©rofen anbietet, ober 
ob er e§ auf ©rfuchen beg Verleger^ berfaht? toare eben= 
fo ein buchhönblerifcher '^ian, eine Sammlung bon S^^obeden 
ober bramatifchen ©r^eugniffen einer befonberen Stichtung h^^^- 
au^^ugeben. ftton ber Umftanb, ba^ ber Unternehmer bie 
9(utoren au^roöhlt, bie ihm Veitrage biefer beftimmten 9lrt 
überlaffen foden, irgenbmeld)en @inftu§ auf ba§ übertragene 
Verlagsrecht h^^hen? Scljlie^lidh ift aber febe fde 

geiiung, jeber ©alenber ein bom Verleger geplantes „litterari^^ 
fcheS Unternehmen^', ein „Sammcltnerf". Sod id) beShalb, 
toeil ich bem Söunfeh beS VerdgerS freunblidb entgegen fomme 
unb meine fchriftftederifihe Sötigteit feinem fpeyeUen Qmd 
bienftbar mache, an meinem Ü^echt etmaS einbü^en, ober beShalb, 
meil mein Veitrag neben anberen Veitragen fteht, mein toeitereS 
VerfügungSred)t berlieren? ^er § 10 beS ©efe^eS bom 
11. 1870 giebt eS mir fa na^ ^toei fahren ^urüd, unb 

eS fönnte nur boS ©ine froglidi erfdjeinen, ob biefe grift nicht fd)on 
über baS praltifdje VebürfniS bud)hanblerifd]en Sdjul^eS hin= 
auSgeht; feber borfid)tige 9iutor bebingt fie fich fürder auS. 
Unb felbft bei SonberfalionSle^ifonS unb ähnlichen ^Berten 
fann man bod) unmöglich behaupten, baß ber Verleger einen 
größeren 9lnteil an ben einzelnen 9lrtifeln beShalb 1)^5 b)eil er 
ein äBerf in fo unb fo biel Vönbeu unb Sieferungen, in biefem 
ober jenem gormat unb Strud geplant h^^d laffen fid) 
aderbingS zahlreiche gade ben!en, in benen ber Verleger ben 
bere(htigten 9lnjpruch erhebt, baS Vt^obuft eines beftedten unb 
angemeffen bezahlten 9lrbeiterS als fein ©igentum betrad)ten 
ZU fönnen, aber bann ftel)t ihm ja frei, fid) burch S?ontralt 
ade gemünfehten ätechte fießern. ©S fdheint burd)auS mehr 
in ber Vidigfeit zu liegen, baß er gefeßlid) genötigt ift, fieß 
eine ^luSnaßmeftellung bureß Vertrag zu berjeßaffen, als baß 
für ben Schriftfteller bie S^^ötigung gegeben mirb, fießborzu- 
feßen unb 3iechte borzubel)alten. SÖiefer ©efießtSpuntt aber 
entfeßeibet. 

®er feßon ermahnte § 45 enthalt noch ein anbereS, and) 
fonft mieberfeßrenbeS reeßt bebenllicßeS Vtinzip. ^ie tatföd):= 
ließen VorauSfeßungen finb bie, baß ber 9tutor baS berfprocl)ene 
äBerf nur teilmeife brudferttg abliefert (§ 9), ober fieß meigert 


bezm. außer Staube beßnbet, an neuen 9luflagen beS SBerfeS 
Veridßtigungen unb Verbefferungeu borzuneßmen (§ 31), ober 
baß nai^ feinem $obe ber zu neuen Sluflogen berechtigte Ver= 
leger eine Umorbeitung ober ©rgönzung beS äBerfeS erforber- 
li(| ßnbet (§ 38). 3u biefem gade fod beim Slfangel anberer 
Verabrebung ber Verleger befugt fein, bie gortfeßung unb Um= 
geftaltung beSSBerfeS bureß einen ©ritten naeß feiner 9luS- 
maßl bemirlen zu laffen, unb nur berpflidßtet fein, benfelben 
namßaft zu ma(ßen. ©S mag für eine gemiffe Sorte bon 
litterarifd)en gabrüaten ztemlicß gleidßgiltig, biedeidßt audß für 
meßr ßanbrnerfSmüßig ßergeftedte miffenfd)aftlicße SSerfe oßne 
befonbere Vebeutung fein, mer an bie Stede beS VerfafferS 
tritt; Überad ba aber, mo eS fidß nm ein inbibibued-geiftigeS 
Vrobult ßqnbelt (unb bteS muß hod) olS bie 3tegel ßingeftedt 
merben), mirb ber 9lutor berechtigt fein zu berlangen, baß oßne 
feinen 9Biden an feiner Slrbeit feine Verönberung borgenommen 
mirb. ©iefer ©runbfaß muß felbft bann gelten, menn bureß 
feine Sdßulb bie Vodenbung unterbleibt: eS fann für ißn bann 
nur eine Vfließt zut ©ntfi^öbigung entfteßen. Sut übrigen 
fonn baS 9^ecßt beS Verlegers auf meitere Sfuflagen nur feine 
VefugniS auSbrüefen, baS ermorbene SBerf in berjenigen gorm, 
in meldßer eS zum erften 9lbbrud gelangt ift, bon neuem auf^ 
Aulegen. SBid er ein meßrereS 9tecßt ermerben, fo muß er eS 
fieß 'fontraftlicß fiCßern. ^m meuigften fann eS lebiglicß in baS 
Velieben ber Verleger gelegt fein, mer mit ber gortfeßung, ©r== 
gönzung ober Umgeftaltung beS SBerfeS betraut merben fod. 

97ad) § 4 fod ber Veifaffer bem Verleger für aden auS bon 
ißm berurfaeßten Verftößen gegen preß= unb ftrafrecßtlidße 
Veftimmungen entfteßenben Sdiaben ober entgangenen ©eminn 
haften. So meit nun aber für Vreß^ unb Strafbelifte ber 
Verleger mit berantmortlicß ift, berftößt bieS gegen ben adge= 
mein gefeßlidhen ©runbfaß, baß ein ©ntfcßäbigungSanfprucß ber 
Slitfcßulbigen gegen einanber nid)t befteßt. S3aS ftrafbar ift, 
muß jeber miffen. ©er Verleger, meldßer bie Veröffentlichung 
eines Vi(^^ 6 ^^^ugniffeS übernimmt, muß felbft zu prüfen haben, 
ob baffelbe fieß nad) Sußalt unb gorm in ben gefeßlidßen 
Seßranfen ßölt. ©iefe 9lufgabe ift für ißn feßmierig, aber oft 
nicht f(ßmieriger, als für ben 9lutor felbft; fie fann ißm jeben== 
fadS nießt erfpart bleiben, ©aß ber Slutor ißm bei einer Ve= 
feßlagnaßme beS SBerfeS ober bei einer Verurteilung zu ©elb^ 
ober ©eföngniSftrafe für ben ißm barauS entfteßenben Seßaben 
unb fogar für ben entgangenen ©eminn ßaften fod, ift eine 
gorberung, bereit moralifeße Veredßtigung felbft fi(^ nur in 
bereinzelteu göden mirb bartun laffen. 

©S ift an fid) rießtig, baß bie geftfeßung eineS Honorars 
nießt einen mefentlid)en Veftanbteil (ein ©ffentiale) beS VerlagS= 
bertrageS bilbet. ©arauS redßtfertigt fidß aber bodß nod) lange 
nicht bie Veftimmung beS § 16: ,,^ft fein Honorar Pereinbart, 
fo hat ber Verfaffer ein folcßeS nidßt zu beanfprudßen." Vied 
leicßt geßt ber ©ntmurf beS SeßriftftederPerbanbeS zu meit, 
menn er nur einen f dßrif tlid)en Verzidßt auf ßonorar für 
mirl'fam erflört, aber für baS VerlagSgefcßöft muß bodß, mie 
für lebeS anbere ©efeßöft, bie Vermutung gelten, baß jebe 
berufsmäßige Seiftung auf Vezaßlung zu red)uen ßat. sbaß 
eS Seute giebt, bie fidß unter aden Umftönben gern gebrudt 
feßen möcßten unb bcSßalb oft nießt nur bon febem Honorar 
abfeßen, fonbern audß noeß bie ^erftedungSfoften übernehmen, 
fann bod) nid)t ben berufsmäßigen Sdßrtftfteder berpflicßten, 
fid) jebeSmal bann, menn er eine 9lrbeit (zumal bei 3^Wd)riften) 
anbietet, auSbrüdlicß bieV^^ß^ung eineS ^onorarS auSzubebingen. 
©ut er eS nießt, fo überlaßt er bie Veftimmung ber $öße beS^ 
feiben bem Verleger ober im Streitfall bem Sad)berftanbtgen 
unb bem 9Jid)ter. ©aS ift überad befteßenbeS 9tedßt; babon 
abzumeießen liegt nid)t bie geringfte Veranlaffung bor, and) 
feine praftifeße 9Kdigung. ©S ift nidßt erfid)tlid), marum ber 
Vetleger nid)t feinerfeitS in ben befonberen göOen, in benen 
feine ©cgenleiftung in ber Uebernaßme bon Soften, lleberlaffung 
eines ©emimianteilS, ^ergäbe bon greiejemplaren ober „lebig^ 
lid) in ber Verbreitung beS SBerfeS" befteßen fod, zu ber= 
pflid)ten möre, fid) bieS fontraftüdß auSzubebingen. 

97adß § 15 fteßt bem Verleger bie geftfeßung, nacßträglid)e 
9lbönberung unb 9lufßebung beS SabenpreifeS unter Venacß= 
rtd)tigung beS 9lutorS zu. SDiefe Veftimmung, meldbe adeiii 
baS faufmönnifdße Snl^t:effe beS Verlegers im 9luge ßat, geht 
entfeßieben zu meit. ©in faufmönnifeßeS Sutereffe ßat ebenfo 
ber 9lutor bann, menn fein Honorar in einem ©eminnanteil 



6 


H)?aga 3 tn füt Sitteratur. 


99 


fiefte^t. @r l)at aber unter affen llmftänben ha§> fe^r riel er= 
bebtt^ere Sntereffe, ba§ bte Verbreitung jeineg ^erteg nid)t 
bnrd) eine übermäßige Vrei^forbernng beßinbert tnirb. 3 n 
biefen gaffen muß ißm ein ®infprnd)gred)t ^nfteßen. SJian 
menbe nid)t ein, baß ber Verleger fid) ja nid)t felbft jcßäbigen 
merbe. ^bgefeßen öoti ber S)^öglicb!eit eine^ nnrid)tigen (£alciU§, 
fann feßr mol fein erjcßöpft fein, meim ber ^itiitor 

nocß bie ®rgiebig!eit feinet meiteren Verjügimg^recßt^ nnb ba§ 
^nfeßen feinet ^erfe§ ^n bebenfen beredffigt bleibt. SSiff ber 
Verleger ben ganzen 9teft einer Auflage für eine V^^iiW)oIfnmme 
Pertanfen, fo jcpeint e§ nur billig, baß er bem Slntor ba^ Vor== 
tanf^recßt 511 gemäßren ßat. SBirb ber Slntor, um eine neue Sluf= 
läge beranftalten gn fönnen, genötigt, bem Verleger ben 5Reft 
ber Porigen abäutanfen, ober fauft er fouft jein eigene^ SBerf 
Pom Verleger, jo genügt nicßt ein Slabatt Pon 25 p(£t.; ber 
Slntor tarnt Perlangen, baß ber Verleger Pon ißm nicßt meßr 
forbert, al§ Pon bem Sortimenter. i[t betannt, baß bem- 
jelben oft bi§ 40 p(£t. bemitligt merben. Sll§ ©rnnbfa^ barf 
nur gelten, baß ber Verleger biircß bie an fid) berechtigte Verfü- 
gung be^ Slntor^ nid)t gejcßabigt merben barf. 

@an^ nene^ 9^ed^t fcßafft ber § 36 mit ber Vorfdßriftl: 
,,^ie Ueberfebnng eine§ SBerfe^ barf meber Pom Verfaffer 
nod) Pom Verleger oßne ©eneßmigung be§ anberen 2eil^ Per- 
anftaltet ober gejdattet merben.'' ^ie SJ^otiPe geben al§ nn- 
^mdfelßaft 5 U, baß ba$ tleberfeßung^recßt ein ^eil ber Siecßte 
be§ Verfaffer^ an feinem Söerf ift. ®aran§ folgt bann eben, 
baß e§ ftet^ au^brüdlicß übertragen merben muß, menn e^ auf 
ben Verleger übergeßen foff. SJcit bem Verlaggrecßt ßat eS 
an ficß md)t§ 511 tun, benn biefeg fann ficß feiner Statur nad) 
nur auf ba§ Pom Slutor ßergeftellte ©cßriftmerf in feiner nr- 
fprünglidjen gorm (ancß ©prad]form) beließen. ®ie Ueber^^ 
feßung ift ein burd) einen dritten, ben Ueberfeßer, ßergeftellte^ 
SBerf, melcße^ für ein mejentlid) anbereg Slbjaßgebiet ßergeftellt 
mirbl ^aß mitunter ou(^ mol Pon ^entjcßen fran^öfifdje nnb 
englifcße Ueberfeßnngen eine§ bentfd)en Viertes gefanft nnb ge- 
lejen merben, fann nnmöglicß meber an§ recßtUcßen nocß praf= 
tijcßen ©eficßt^punften ben Stnfprncß be§ Verleger^ begrünben, 
ber Slntor muffe bie Venußnng be§ lleberfeßimg^red)t§ Pon 
beffen ©eneßmignng abßöngig macßen. 

SBenn § 38 ber Siegel: „bie 9ied)t§nad)folger be§ Ver- 
faffer^ treten in beffen Stecßte ein," ben ßufaß gtebt: „fomeit 
fold)e nicßt bnrd) perjönlicße Seiftung be^ Verfaffer^ bebingt 
erfd)einen," fo barf bemjelben nicßt, mie in Slbjaß 2 gefcßießt, 
bie Vebentnng gegeben merben, baß ber Verleger nun bie per- 
fönlicßen Seiftungen burcß einen dritten beinirfen laffen bürfe. 
SDa§ Siicßtige ift, baß folcße Siecßte mit bem STobe beg Ver- 
fafferg erlöid)en nnb über bie Vrrfon beffen, ber fie beßujg 
meiterer Slugnnßung be§ Verlag§recßt§ ergänzen foff, eine neue 
Vereinbarung gmijeßen ben Siecßt^nacßfolgern unb bem Verleger 
ftatifinben muß. 

Vielumftutten ift ber ©runbfaß be§ §39: „ber Verleger 
ift in ©rmangelnng gegenteiliger VereinParnng ^n S 8 eiter= 
Peränßerung be§ Verlag'gred)t§ befugt." ift 511511 =^ 
geben, baß berjelbe bnrd] ha§> Sieid)^gertd)t in bem in einer 
Slraffacße ergangenen Urteil Pom 6 . Slpril 1888 gebilligt ift. 

©eine ©cünbe erfeßenen feßr anfecßtöar; eine ^ipilrecßt- 
licße ©ntfeßeibnng fteßt nocß au§. allgemeinen fiiib frei- 

lidß alle Sted]te übertragbar, fomeit ißre Sluenbung nicßt bitrcß 
perjönlicße Seiftnngen be§ Vereeßtigten bebingt mirb, für melcße 
eine ©teffpertretung nicßt angenommen merben barf. ©y fragt 
fii-ß eben, ob nicßt ber Verlag^pertrag gerabe jolcße bnrd) per- 
fönlicße Seiftnngen bebingte Sfed)te tonftituirt? l^ie V^rfon 
be§ Verleger^ ift für ben ©d)riftfteffer nicßt gleid]giltig; bie 
Uebertragnng be§ Verlagsrechts ift ^um großen Seil eine Ver- 
tranenSfad)e nnb erfolgt unter ber VoranSfeßnng, baß gerabe 
biefer Verleger bem SSerfe bie ermartete Sorgfalt ^nmenben, 
bnreß fein bucßßänblerifcßeS Slnfeßen in befonberem äl^aße ge- 
eignet fein merbe, bem Söerfe Verbreitung §n fdßaffen. Sie 
Vorfeßrift: „ber ©rmerber beS VerlagSrecßtS tritt in affe Ver- 
binblicßfeiten beS Verlegers gegen ben Verfaffer ein," fießert 
ben leßteren in ber §anptjad)e gar nicßt, benn eS ßanbelt fid) 
hier nur um bie fontraftli(^ fijirten Verbinblicßleiten, nid)t um 
bie ans bem VertrauenSüerßältntS ßetPorgeßenben moralifd)en. 
Saß ber erfte Verleger bem Verfaffer haftbar bleibt, Perfteßt 
fidß gan^ Pon felbft; menn aber § 39 fogar nocß ben Verfaffer 
Perpfließten miff, Pon feinem gefeßlicßen äöaßlrecßt ab^ufteßen 


nnb „feine Slnfprücße anS bem VerlagSoertrag in elfter Sinie 
gegen ben ©rmerber beS VerlagSrecßteS geltenb ^u mailen," 
fo ergiebt fi(^ baranS mol am bentlid)ften , mie feßr bie Ver- 
lagSorbnnng beS Vör jenPereinS gan^ einfeitig ^ bie ^i^tereffen 
ber Verleger im Sluge ßat, nnb mie menig fie geeignet ift, 
fcßriftftellerlfd)e Sreife 511 befriebigen. Ser ©ntmnrf beS 
©cßriftfteüerPerbanbeS nimmt Piel billigere Stücffid)ten. ©r er^^ 
fennt baS prafttfeße VebürfniS einer Uebertragnng Pon Verlags- 
rechten bnrd) ©tbgang nnb Veräußerung beS ganzen bneß- 
ßänblerifdjen ©efcßäftS an 281e bie SJtotiPe ber VerlagSorbnnng 
gau 5 rid)tig bemerfen, breßt fid) ber Streit im mefentlidßeu 
barnm, ob einzelne SSerfe ohne ©inmiffignng beS VerfafferS 
einem anbern Verleger übertragen merben bürfen, ob baS 
einzelne VerlagSrecßt übertragbar fein foff. §ier fprießt 
minbeftenS ebenfo Piel bagegen, als bafür, nnb eS ift fd)on beS= 
ßalb in ber ViÜigfeit begrünbet, baß eßer ber Verleger ficß bie 
Uebertrngbarfeit iontvaftlict) 51 t fid)ern, als baß ber Slutor fie 
lontraftlid) anS,^ufcßließen ßat. 

hiermit finb bie ©iumenbungen gegen bie Veftimmnngen 
ber VerlagSorbnnng bcS VörfenPereinS MneSmegS erfeßöpft. 
©pe 5 ialitäten ^n erörtern ift aber ßier nid)t ber Drt. Seß 
muß mir and) ben StaeßmeiS Perfagen, baß ber ©ntmurf beS 
VerbanbeS fonft nocß gragen berüßrt, bie in ber VerlagS- 
orbnnng übergangen finb. lieber biefe Vimlte märe eine 
Verftänbigung mol bentbar. Sie überhaupt ^u Perfnd)en, fann 
icß leiber jeßr mit Piel meniger ,^offnung auf ©rfolg anraten, als 
in ben Slufäugen ber Vemegung. So Piel ift für mieß fießer, 
baß bie bentjeßen ©eßriftfteffer tßr nicßt beneibenSmerteS SoS 
Perbienen müi ben, menn fie fid) biefer VerlagSorbnnng unter- 
merfen moffteni 



($ i u 3B i n t e r m ä V cf) e it. 

Von 

l^enimnn J>ubennann. 

(gorlfeljung.) 

iir. 

@ecf)§ SoI)ve üergtnoen — bann begegnete mir S;f)ea 
lüieber. ®ie§niat war fie fo gnäbig geioefen, i()re §eimat 
9lun(nn gn oerfaffen, nm auf bem $f)eater ber U)iioer= 
fitntsfiabt, in ber ict) ftnbien()a(ber foff unb pauftef ba§ 
fjact) ber fRaioeu gu uberuef)iuen. 

?tuf il)reu roten 5ßantöffefd)en büpffe fie uaef) 33ad)= 
ftefgenart über bie 35retter — fie ließ bie furgeu S)Zull= 
fäf)nd)en in ben ocrioegenften <Scf)ioenfungen um fidb berum 
meben, — fie trug fcbioargfeibene bie fi^ 

über bem garten i^nöcbet in einer böcbft angenebmeii 
Sogenünie fcbioetlteu unb unter bem Äüie in einem golb» 
kbuppigen ftieifen ein atlgitfrübe» @nbe nabmen, — fie 
brel)te fiel) gioei brätle ©acfßfcbgöpfe, ou bereu blauen 
©eibenfebteifen fie gn faueii liebte, manu bie il}rem Sttter 
angemeffene @cbücbternt)eit fie übermannte — fie fog on 
ben giiigei'x- fie ftreefte bie 3unge an§, fie quiefte, miaute, 
rümpfte bte S^afe, — unb wie fie erft lacbte! — war 
feiieä füße, gegierte, tafterbafte ©oubrettentacben, ba§ mit 
einer tjonleiter beginnt nnb in einem Xurtettaubengurreu 
enbet. — 

®en will icb fef)u unter uw$, ben fie mit all ben 
trabitioneflen fKäbcbcii if)re^ f5ad)e§ iiicbt in einen ’Qiu 
ftanb oerliebteii SBabnftnug oerfeßt bfiüe .... ®eu witt 
ii'b feunen, ber in ben S:iefen feiner ^ollegieumappe uidbt 
ein ©nbenb beifebtütiger ©armina oergrabeu b^itte. wer» 
groben wie ben gigantifcf)en ©cbmerg in feiner .gelben» 
feete. — 

Unb eineg nacbmittagg erfebien fie plötgticb auf ber 


100 


®a§ SKogagin für Sttteratur. 


9?v. 6 


©^littf(|itr)ba[)ii. — @te trucf eine glänsenbe ^^Jlüfdfjopfje 
mit ©eafeüu befciumt uiib eine Utanfa, bte fetf oiif bem 
linfeit 0l)te fa^. — 21uf bem rotbtonbeu SBinf)cior, ba§ 
iiire Sßangen itmrabmte , tfoite ficf) ber 91 eif mie ein 
©emantftanb feftgefel^t nnb an bem gerötelen S'JnSdfen, 
ba§ nnmivfc^ in ber ^älte fcf)nnf)perte,' fjiiig ein liditeS 
S^röpffein. — 

3^acpbem fie bem ©dfUttfc^iilffi^nnner eine fteine 
©^ene gemacht t)atte, in ber bie l^ofeiiamen „S^rotlel" nnb 
„gra^" ilfren fügen Sippen entftopen, l)iib fie gn ianfen 
an. — @in IHnb, ba§ aflgufrül) bem ©ängeibanbe ent» 
taffen würbe, famt e§ beffer. — 

2Bir bnmmeii jungen ftanben böfig nmijer nnb 
glogten fie an. — 3n nu§ fcf)wo(l bie ®ier, ipr ^n tfelfen, 
^nr Diaferei empor, aber al§ fie mit einem ©cpmoUmäntcpen 
t)itfefud)enb bie 9 trme nad) nn§ miSflredle, wiegen wir 
gurücf wie nor bem böfen fyeinbe. üiiegt ©iner fanb ben 
iWut, ba§ nnergörte, nbermeiifegUcge ©tiuf, naeg bem ign 
gnngerle feit iöionaten bei Sag nnb bei 9 iad)t, feglieglweg 
in (Empfang 51t negmen. — " 

Unb bann plögtieg bei einer furegtfnmen ©egwenfung 
oergafte fie fieg, ftoiperte, fippte naeg uorne nnb bann naeg 
ginten über nnb fmif bem ©egüegfernften nnb SSerliebteften 
»on biefer 93 anbe gerabeSwegS in bie ?trme. 
llnb ber war 'Seg! 

^n, ber war ieg! ifJoeg geiite baden fid) mir bie 
günfte üor ÜBnt, wenn ieg bebenfe, eS gälte ein anberer 
fein fönnen. 

3 Son benen, bie j^nrüdblieben, otd id} fie im Srinmpg 
oon ginnen fügrte, war nidft ein einziger, ber mieg niegt 
faüläcgenb gatte ermorben mögen. 

Unter ber SBnegt ber SSorle, bie fie täegetnb an 
mieg Unwürbigen uerfdfwenbete, fdftng i(g ftnmm nnb er» 
rötenb bie Singen nieber. ®ann tegrte i(g fie bie (^-üffc 
fegen nnb probiijirte mieg feibft in meinen fügnften Sogen; 
ond) erjüglte id) igr, bag ieg ©Inbent im gweiten ©emeflev 
fei unb fügte flüfternb gingii, wägrenb bie ©Int mir 
mtf§ nene in bie ^angeit fd}og, bag ieg iSidiler werben 
wolle. — 

„Sieg wie nett!" rief fie ait§. „@ie biegten gewig 
and) fegt fegon?" 

^cg bejagle eifrig, öd) gälte fogar ein ©rrnna unter 
ber f^eber, welcgeS bie ©cgirffnle be» Sroiibabourd Sernarb 
be Sentaborn beganbelte. — 

„öft ba audg für mieg eine ÜloUe brinV" fragte fie. 
„Sein" erwiberle ieg „aber bo§ fegabet nirgU'. öd) 
niaege eine rein." 

,,D wie lieb uoii öguen!" rief fie „unb wiffen ©ie 
wa§?'ba§ müffen ©ie mir uortefen. öd) fann öguen 
bann mit meiner Sügnenerfagntng gur ©eite ftegn." 

©ine SBoge uoii ©iüd, unter ber id) gu erftid'en 
brogle, ergog fieg über mid) . . . 

„öeg gabe aueg — an ©ie — ©ebicgie — gemaegt" 
ftammelte ieg, oon jener SBoge fortgeriffen. 

„©u(f mol ba!" fagle fie gang freunbtirg, anftattmid) 
gu ogrfeigen. „®ie müffen ©ie mir fdjiden." 

,,©egr wot" 

Unb bann geleitete ieg fie bi§ oor igre Sür, wagrenb 
in angemeffener'©ntfernung meine f^reunbe )iüe ein 3 Uibel 
SBölfe ginter nn§ ger ftriegen. 

®ie erfte §älfte ber Slad)t bradge ieg äugelnb oor 
igrem 3^enfter, bie gweite .^nlfte biegtenb an meinem 
Sifege gu, beim iig wodte bie ©ammlung rafd) noeg um 
einige !|Jerlen oermegren. — SJit S^orgeugrauen fegob 
i^ ba§ ^oiioert, ba? prall war wie eine Srommel, in 
ben Soflfaften, bann fügrte id) meinen brenneuben llopf 
auf ben SBäden fpagiren. 

Slm Saegmittage fam ein oeilcgenfarbeneS Sriefegen, 
welcgeä ftarf buftete unb [tatt be§ ©iegelS eine oon einer 


gaefet bnregbogrie golbene Sgra trug. — ©» entgielt 
folgenbe 

Sieber g^reunb! 

ögve Serfe fiub gar uiegt fo übel, nur eiwa§ gu 
feurig. — öcg möegle nun gang eilig and) ba§ ®rama 
gören. STt'eine alte S)uenna gegt geute Slbenb au§. 
öig werbe allein gu gaufe fein unb mid) langweilen, 
®rum fommen ©ie um 7 Ugr gum Sgee. Sl'ber ögr 
©grenwort, ba^ ©ie§ uiemaubem oerraten, fonft gat 
©ie nidjt megr ein fleiu loenig lieb 

ögre 


Sgea. 

©0 gatte fie gefd)rieben, id) fanu§ befegwören, ge, 
meine f^ee, meine iütufe, meine ©geria, fie, gu ber ieg 
anbetenb emporfd)anen wodte bid gu meinem legten 
SUemgug. — 

öcg reoibirte unb foirigirte unb regitirte rafd) einige 
©geneii meines ©ramaS, idg ftrid) ein galbe» S)ugcub 
übevflüffiger 'ißerfonen unb erfanb ein neneS ®ugenb 
gingit — 

Um 147 mad)te ieg mid) auf ben SBeg. — Slilcgiger 


©iSbnuft lag in ber Sufi. Sor jebem ber mir Se» 
gegnenben ftutete eine Sßolfe gefrierenben SttemS bal)er. — 
Sin einem Slumenlaben blieb ieg ftegn. 

Slde ©dgäge ber SJiaiengeit logen bort auSgebreitet 
auf ber fegwargfammetnen Serrnffe. ®a waren Seilegen» 
beete unb SJiaiglöefegenbüfege, ba war aueg ein ©traug 
(anggeftietter Sgeerofeu, tnffig oon einem oiotetten ©eiben» 
banbe gufanuuengegotten. — 

öeg feufge lout auf — ieg weiß fd)ou warum. 

Unb bann gägl ieg meine Soarfegaft: 

Siegt SSarf unb 70 ^.f^fennige. — 7 Siermarfen bogu, 
aber bie flegcn ja leiber nur im Sereid)e meiner Kneipe 
in gutem Äurfe — 16 ^sfenuige bnS ©tüef. 

©nblid) fafe ieg mir ein §erg iiiib trete in ben Saben. 
„SSaS foflet ber dlofenftrang bort?" flüftre iel), beim 
laut gu reben wag ieg nid)t, teils aiiS ©egücgterngeit, teils 
beS ©egeimniffeS wegen. 

„gegn SKorf" f'agt bie bid'e, alte Serfäitferin, lägt 
bie ©tcegpalmblätter, bie fie auf bem ©egooge gält, ge» 
mäcglieg in eine irbenc ©egüffel finfen nnb fegieft fieg on, ben 
©trmig aug bem f^enfter gn golen. — 

öeg werbe btag oor ©egreden SSeiii elfter ©ebanfe 
ift: Sauf gitr JUneipe unb fud) bie 3 )?arfen in baor ©elb 
gu weegfein, beim gu pumpen giebtS geute niegtS, gwei 
S!nge oor bem erfteii. 

®a gott eS 00111 Xiirm ger buiiipf gum ©eglage aiiS. 
„^aiiii id) ign niegt etwas billiger gaben?" ftninmle 
ieg mit gatb erftiefter ©timme. 

„Slanit — and) noeg!" fagt fie barfd), „eS fiub 10 
3 loieii brinne — bie foften jegt eine Üliarl baS ©tü(f. 
®aS ©eibenbanb iS fegon gar uiegt gereegnet." 

öeg will troftloS ben Saben oerloffeit, aber bie alte 
Serfänferin, bie igre l^iinben fennt unb ginter meinem 
©tammein unb meinem f^düflern fegon läiigft ben .Siebes» 
roman gat geroorgnd'en fegn, füglt ein menfdgliegeS 


3 lügren. 

„SJtan faim ja’ii paar oon be 3 lofen raitSitegmen," 
fagt fie; „wieoiet möd)teii ©ie beim fdiliefglieg brau 
wenben, junger §err?" — 

„Siegt ISarf unb fiebgig Pfennige" wid ieg Unbe» 
baegter antworten, ba fällt mir giir redgten Seit iiod) ein, 
bag ieg ja ein Xrinfgelb für igre Sofo — ©amen 00m 
Sl)eater gaben gitr Sebieimiig immer Sofeit — übrig be» 
gölten mug, falls bie mieg fpäter giir 2 !üre gerauSlägt. — 
„©iebeit SÄarf" erwibere ieg brum. 

9 Sit rugiger Sßürbe nimmt fie oier oon ben 3iofen 
gerouS, nnb ieg, beinütig unb eingefegüegtert, wage niegt, 
mieg gu wegren. — 



mx. 6 


S>aä SMagagin föt: Sitteratur. 


101 


3l6er mein ©traufe ift ttod) immer üpptcj unb öotf, 
itnb id) barf mir fac(eii, ba§ ein roerbenber ißring feinen 
fcpöneren 51t fpenben üermöcpte. 

g^ünf ä)finnten nm^ fiePen fiel) idf) nor iprer Sur. — 
®üfe mirber Stiem bnfe idp nid)t mape nnäitfiopfen, 
bafe ber ülofenftranß meinen gitlernben ^änben p ent» 
finfen bropt, ba§ brmtcp id} nid)t ^n erääplen, bn§ ift jebem 
[elbftnerftänbticp, ber in feiner SuQenb jeinatg mit geen 
non Xl}ea§ Strt 51t tun patte. — 

Sföie id) bennodp in ibr Qimmer gefommen bin, ift 
mir bi§ pentigen i£oge§ nnftar geblieben, aber f^on fep 
icp fie mir lacpenb entgegeneiten unb ipr Slnttip opne 
3Beitere§ in bem Stnmenfcpwall öergraben. — 

„£), @ie 93 erfd)wenber!" rnft fie nnb rei^t mir ben 
©tranp an§ ber ^anb, nm bamit nor bem ©piegel anf» 
nnb nieber» 51t töngeln, nnb bann nimmt fie plöplicp eine 
ernftpafte 'Dtiene an nnb, micp an einem Knopfe meinet 
UeberrotfeS näper an fii^ peransiepenb, fagt fie: _ 

„©0 — nnb gnm Öopne bürfen @ie mir einen 
geben." 

Scp pör’g unb faff e§ nicpt. 50 iir ift, al§ mode 
mein §er§ mir 511111 $atfe emporfteigen, aber bii^t uor 
mir blüpen ipre IMppen, unb icp bin tapfer unb fflffe 
fie. — 

„ 93 rr" fagt fie, „ 3 pr Start pängt ja gans uoft Steif." — 
Stein Start! 3pr ©ötter im §immel pabt’g gepört! 
@au5 ernftpaft unb mürbig pat fie oou meinem Start ge» 
fpro(|en. 

Sn mir erwacpt eine unftare ©mpfiubung, fo eine 
Strt uon Üoüetace ober ®on Suan 51t fein — mein ©elbft» 
bemuftfein nimmt ungepenerlicpe ©imenfionen an unb 
mit einem gemiffen bninonifi^en §umor fcpnn icp fommen» 
ben (äreigniffen entgegen. — 

®er Stebel, ber bislang mein Stuge umflorte, oer» 
fd)ioiubet — icp bermag um micp 51t fcpaueu unb 511 er» 
fennen, mo icp micp befinbe. — 

g'Veilicp, ba§ ift eine neue, ungeapnte SBelt! — Ston 
ber rofigen ©eibeugase, bie oou 5wei fipmebenben $ciubeu 
gepalten über bem ooalen lEoiletienfpiegel pcingt bi§ 51t 
ber Steipe füfjer, fteiner ©dmürftiefeldpeu, bie in ber ent» 
gegengefepten @tfe aufpoftirt ftepen, üon ben Stonbonniereu 
in 3 ltla§,@olb,©piegelgIa§, ©affian, Stobbenfell, ©tfenbein, 
S3or5eltan unb £)lioenpol5, loelcpe bie Ifommobe sieren, 
bi§ 51t bem ©eioötfe oon meinen, rätfelpaften Stöcfen, ioeld)e§ 
fi(p oor bie Sür be§ bunflen 9teben5immer§ gefcpoben 
pol, fdjan icp nicpt§ al§ Söunber, nicpt§ ot§ SBitnber! — 
(äin polber, per5beflemmeuber ®uft umgaufett mir bie 
©inne, berfetbe ei'olifdje ®uft, ben fcpon ipr Strief au§» 
atmete. ®od) jept ift e§ ipre sarte, sierlicpe ©eftalt in 
bem btapgetben, rotkpleifigen ^ijtrinseffinf leibe, ber er 51t 
entflrömen fcpeint. 3 ll§ fpielte fie ben Stmf im ©ommer» 
uacptSlraum, jene StoOe, in ber fie fiep snerft mein .^ei'5 
511 eigen macple, fo gauflerifd) unb elfeupaft tcinselt 
unb flattert fie im 3imnier uniper. 

©ie lüiä ben IJpeetifcp beforgen. 

„Stun waö ftepn ©iefo fteif ba, ©ie abfipeulidjer Stenfep 
- - oorwartg! — §ier paben ©ie ein Slifeptuep — pier 
finb Steffer unb ©abel - icp will nnterbeffen ben ©pirituS» 
brenner ansunben." — 

Unb fie pnfd)t an mir oorbei, iiibem fie mir einen 
fleiuen, fofenben Staefenftreid) oerfept, unb oerfcpwiiibet in 
bem gepelmnwoollen bitnfeln Stebensimmer. — 

S'cp wiE ipr folgen, aber au§ _ber f^infterniä pör icp 
ipre locpeube ©timme: „SBerben ©ie wot bableiben — 
©ie Sopfguefer, ©ie!" 

.Scb bleibe alfo auf ber ©cpwelle flepn unb fepmiege 
meinen Jtopf an ba§ bewupte weipe ©cwölfe. ®a§ ift 
frifip unb füpl unb lut meiner glüpenben ©time wol. - 
©tei(p barmif fep icp in bein ®itnfel ba§ Siept eines 


©treicppol5e§ aufblipen, baS für einen Stoment bie fließen» 
ben galten ipreS il’leibeS grell beleucptet uub bann oer» 
lifept. — Stur eine fpwaipe, bunfetbloue glömme ift übrig» 
geblieben, ©ie 5Üngelt unb ledt an einem btanfen ^effel» 
d)en pinan, mit mattem ®ömmerfipein bie gepeimniSooUe 
lllaufe erpelleub. S<P fepe and) bort pelljcpimmerube 
SBolfen, icp fepe ©traupe unb Stlätterfräii5e mit langen, 
feibig fpimmernben Stnnbern. — ®aun — unb bann 

plöplidj lopt bie glömme poep empor 

■ „Stun ift ber ©pirituS übergelaufen" pör icp ipre 
©limme lidjernb in ©pobenfreube uub Uebermut, „baS 
wirb ein geuerwerf werben!" 

Unb pöper unb pöper fteigt bie glömme — 

„^ornrn, fpring piueiu," ruft fie mir 51t, uub aufiatt 
51t löfdpen, giept fie neuen ©pirituS in bie anffteigenbe 
öope. 

„Um ©otteSwiflen" fprei ip — 

„Söeipt bn nun, wa§ ip bin? tiepert fie, „eine Ipepe 
bin ip — jup!" — 

Unb fie löft baepantifp ipr rotgolbeneS $aar, baS 
nun felber wie eine glammengtorie fid) um fie auSbreilet — 
fie seigt mir ipre weipen, fpipeii Söpne uub mit einem 
wilben Sup5en fpriugt fie mitten in bie ©Int pinein, bie 
peE ouf5ifcpenb ßur ®ecfe emporfteigt — baS gonse ©emap 
in einen geuermontet püEenb. — 

SP wiE um ijilfe fepreien, aber meine ^eple ift wie 
5ugefpnürt, id) ringe nap 3 (tem — icp brop’ 51t erftitfen 
in ®ampf uub in glammen — 

Stoep einmal pör ip ipr Hipern, aber jetjt tief unter 
mir wie auS oerborgeuen JUüften — bie ©rbe pat fip 
geöffnet — neue glammen fteigen borauS empor unb 
preden taufeub Sinne nad) mir anS. 

„Stomm, fomm!" fliugt e§ peE wie ©peEenlöuten 
barein — unb bann plöplicp wirb eS Stadjt um mip. — 

®er ©put ift oerfpwunbeu unb arg 5er5onft finb’ 
ip mip auf ber ©trape wieber. Steben mir am Sfoben 
liegt mein fd)öne§ ®rama. 

„.§oft bit ba§ nid)t oorlefen woEeii?" frag ip mip. 
©iue weipe, laue .öuft füpl mir baS fiebernbe ©efipt. 
Ueber mid) neigt fiep ein btüpenber glieberbufp, unb 
aus ber gerne, bort uw baS Storgeu» rot 511 leupten 
beginnt, tönt peEeS üerepeugewirbet. ... 

Sd) iröitme nipt mepr . . . ®op warb eS grüpliug 
berweilen. (gorpe^ung folgt.) 



Mnc ibeale eSvau. 

©paufpiet in brei Stuf5Ügen Oon .ilgarco Jf’raita. 

^eut[c^ i)on 3??. t)on 33ord^. 

(ßkxk gortfe^ung.) 

(0alon .tat §aufe ^itr iat Jinttergruab. %nven 

bexben (Seitexx. — boxi ber ^ixr be^ §xxxtergrxtxxbeg eixt 

gexxfter, ixx beffexx SSertiefxxxxg exxx 3lrbeit§lxfc^ xtxxb exxx tiexxxer 2efjxx^= 
ftxxljl flefjexx. Oflexc^e elegaxxte 3(u§ftattxxxxg.) 

§m\c 1 . 

3iüia, (baxxxx) ^oxxftan 3 . 

(SSüxx brau^exx Ijer berxxtxxxaxt ximxx bexx 2aut ber eleflrxfc^exx ©lorfe. 
3uUa, bie bor bexxx 3(rbeU§tifcbct)exx fibt, ftel)t auf xxnb gebt an bie 

^itr ixxxx gu fefjexx iaer fonxxuf.) 

Su(ia. SU], ©ie §err yibuofat? ((^onftana 

tritt ein.) SdleiuV llnb \o fiiil)? 

©ouftan^, SBie geljt 3()nen, gndbide grau? 



102 


®o8 S^Jagajin tör Sitteratur. 


6 



Sulia. <S>ef)x gut. — Uitb @ie fommeii oHeiii? 
©oiiftanj. SSmlöiificj. — 3SergeiI)en @ie — n 6 er 
Sie fc^eiiien fo nnru()ici — fo erregt 
Sutia. ?teiit, bitrc|nit§ iiicbt. 

©oiiflang. 9^td§t? — 3 cb würbe e§ feuft o(§ eine 
groge ©iinft noii 3 I)iwit erbitten, nüc^ ritljig nnl)t)ren 511 
wollen. 

Sulta. 5K5fl§ Ijaben ©ie mir gu fagen? — l^onunen 
Sie nidjt gitm SKittngcffen? £ommt Si^eloti nidjt? 

(So II ft an 3 . 3c^ i)obe »w ein wenig 31n!)e gebeten. 
3 ulia. 3 d) bin ja gang rnbig. 

©onftang. ©o§ fiel)t man 3i)ncn niefit an. — 3ft 
3l)t $err (Semal)! aitSgegangen? 

3ntia. 3fl — 

©onftang Unb? — 

(Sonftang. ' 3ft nid)i§ poffirt? 

Snlia. ^a§ foHte . . . 

(Sonftang. S^adb bein wa§ geftern borgefaden — 
Sitlia. 2 ßa§ foÖte beim gefd)el)en? 

(Sonftang. 3d} wei^ niefit — ein StrgwoI)ii — ein 
3weifet — 

3it(ia (fetje fubig.) 3Keiit Sliann Ijat nieinat^ an wir 
gegweifelt. 

(Sonftang. ©nftoo ift in großer 3tng)t unb Unrnbe. 
Sutici ©aiig unnötig — ba§ 33enebnien ineine§ 
ä)tanne§ war geftern . . . 

(Sonftang. ©erabe ba§ war e§. ©nftao fngt, er 
fei fel)r aufgeregt gewefen. 

3 nl ia. lieber bie Uiworficfiliöf'^it bie icf) begangen, 
fonft nict)t§. 

©onftaiig. @r fürdjtet, baß (Sampiani, fobatb er gn 

rubiger Ueberlegnng boinmt 

3ulia. Sieber f^rennb — e§ ift ©acbe ber S^'an, bem 
SJJanne feine ©ebanfen eingngeben. 

©onftang. 911)! — 9lber er fnrdbtete ancb, baß 3bi' 
eigenes SSerboUen fpäter .... ©ie waren in fo großer 
9lufregung — @r fürebtete, baß ©ie niebt mehr im ©taube 
gewefen, fidb nod) tanger git beberrf^en. 

Sntia. 3 b^ g^rennb fennt mich fel)r wenig, 
©onftang. 3 ni ©egenteit, er glaubt ©ie fel)r gut 
gu fennen. 9Xber eine 9tngetegenbeit, wie bie geftrige, ift 
bodb fcbtießlidb wieber ein iienä' f^all. 

3nlia. 3i^ oeigeffe inid) niematS. Unb bann be= 
barf es mehr alS eines eingigen gwifcbenfatleS, wie ernft 
er andb fein mag, um ein SSeriranen gu erfebüttern, wie 
icb eS mir gn erringen gewußt b^be. ©eSbatb fürebte icb 
nichts, itiib beSbatb fann icb wagen, wenn eS fein 
muß. — 9lber wie ängftticb 3bi^ (tider f^rennb ift! — 
©er ©ebanfe on einen "©äbelbieb, flößt itf^ni wot großes 
©ntfeßen ein? 

(Sonftang. D, gewiß iiicßt feinetwegen. ©r ift ein 
©entleman! Unb ein 9J?ann oon öwg- 

3itlia. ©in SRann oon $erg? ©tauben ©ie baS? 
3«t ©ruft? . . . 3ci, jo; fbreeben wir ni(|t mehr baoon. 
— .^aben ©ie meinen ©rief erbatten nnb ibw fDiitteitnng 
baoon gemad)t? 

©onftang. 3fl- — 

Sutia. 3d) febrieb 3t)iwo, weit icb gtoube, baß ©ie 
in aüeS eingeweibt finb (SBetoegimg (Smiftaiig’.) ©b- ieß 
moeße ibm feinen ©orwitrf baraiiS, baß er ftd) 3boen an- 
oertrant bat ©S ift ein ©tiitf, baS il)r itJicinner hobt, 
wir muffen eS entbebren! — boß il)r eiid) einem g’rennbe 
onoertrauen nnb oon ißm 9iat nnb .^itfe oertangen 
fönnt! — (ironifeb.) — Unb er bebarf ber guten ©ntfcbliige 
fo febr. — ©r wirb atfo fommen? 

©onftang. 2Benn ©ie eS oertangen — 

Sutici. ©ewiß oertange i(ß es — 9Jiir tiegt feßr 
oiet baron, boß er nidbt auSbteibt. ©fein Stfann bot ibn 


beute — gitfammen mit 3biwn — gttm aJUltageffen ein» 
getaben SBenn er nad) bem, waS geftern gefeßeben, nid)t 
fäme, fo würbe bie ©ad)e ein fetlfameS 9tiifebcn gewinnen. 

— ©>enn mein fDtann ißn iiid)t fäiibe . . . fttrg unb gut, 
eS muß altes feinen gewot)nten ©ang geben; nidjts borf 
bie ©ebnnfen meines 9J?anneS auf ben geftrigen ©og 
gnrüdtenfen. — ©r muß fommen, wie wenn iiicßts oor» 
gefalten wäre. 

©onftang 0b> würbe fid) feßon eine gute 
©ntfebutbigung ßnben taffen, — um eine nntiebfame ©e» 
gegnnng glt oermeiben. 

3ütia. Untiebfam? SBeSbotb? 

©onftang. Unb überbieS befißen ©ie fooiet ©iaißt 
über 3bren ©emabt . . ©qS fagen ©ie ja fetbft. 

3ntia. 9tt)! — Sflnß ieß beim ftetS oltein fninpfen? 
9tl(ein oltem ©erbrnß entgegen treten? 9iein, nein! ©r 
foll fommen nnb mir ßetfen! ©aS ift feine ißftießt! 3iß 
bin feine ©etiebte gewefen! ©r oerbonft mir gtüdticße 
©tunben! Seßt foÜ er andj bie fd)mergticben mit mir 
bitrcßmacßen! — D, icb oeifteße ißn. (Sr fommt nießt 
gern ßer — wie? ©S wiberftrebt ißm, mir gegenüber» 
gutreten? ©aS faß idj ooranS. ©eSßatb ßabe id) Sßiwit 
beute ©iorgen gefäßrieben . . . ©ogen ©ie ©etati, baß 
er iiicßt fortbteiben barf, nnb weße ibm, wenn er nießt 
fomint. 

©onftong. SBeße ißm? — ©ie ongftigen miiß — 
2BaS würben ©ie tun? 

_3ulia. ©aS weiß icß nid)t . . ©S fönnte gefeßeßen, 
baß icß oufS §öcßfte gereigt nnb angewibert — nießt oon 
feiner 9lbneigung, fonbern oon feinem ©goiSmuS — iiiißt 
meßr im ©tonbe wäre, eS oor meinem ©atten gu oer» 
bergen. — Unb bonn, biefe ^onfeqnengen — ift 3ßr 
3'reimb geneigt fie gu tragen? (Sr wirb boeß iiiißt fo 
noiö fein' gu gtaiiben, baß er aiifßören barf, ein ©oft 
nnfereS .^aitfeS gn fein, weit er nießt meßr mein_®e= 
tiebter fein fann? 3d) ßobe wäßrenb ber ©alter biefeS 
©erßättniffeS fo oiet geton, um jeben ©erbaut gu oer» 
metben . . . 3cß witi mieß niißt jeßt fomßromittiren, wo 
eS gu ©nbe ift. 

©onftang. 9lber ... 

3ntia. ©5enn man ber ©etiebte einer g'fou wie icß 
gewefen, fo muß man ainß bie IXonfegiiengen tragen! — 
©r wirb fi(ß oerßeiroten ! — ©in neues Seben! — ©r wirb 
mir feine f^rou nießt oorftetten, barouS mniße icß mir ni^tS! 

— naeß nnb noeß werben feine ©efneße weniger ßäiipg 
werben — er wirb gar nißt meßr fommen — wir feßen 
uns nißt wieber! — ©S fei! g'i'k ben 9lugenbf icf jeboß 

— nein! (©teöt-ifctie JHinget braußen.) Slfaßen ©ie ißm 
bieS begreiftiß : oortäußg wirb er feineg'ürforge noß gwifßen 

feiner ©ront unb mir feiten müffen! 3ß fann 

ißm nißt ßetfen, mein ©efter! (gonfeßimg folgt.) 



fitteraiüfd;e 


$öuff üjjrungen* 

£)§>tax 33Iutnent^aI§ ,,©ie ©ro^ftabtluft" ift in 

!^oEänbif(i)er Ueberfeipng unter bem ^itel „©tabludft" in ^trn^eim 
nnb D^otterbani mit 33etfatt gefpielt toorben. ^ie ^uffül^rung in 
tofterbam fte^t bebor. 


^n (^mglanb ^at SJ^aurice ^aet erlingf, bmt bi^^er nodj 
ni(b)t einmal bem S^camen nai^^ befannt, fiegrei^en (^ingug gehalten. 
5lm Imiboner ^at)marfet=^^]§eater tnurbe „l’Iotruse“ in englifc^er 
Ueberfebung (tiie Intruder) gegeben unb anfangs mit Ueberrafebung, 
5 um ©(|luffe mit lautem ^ elf dH aufgenommen. 


6 


iRagagin für £ittetato. 


Sm ^artfer 0beon=*^]^eater ^at bte 5Iuffü]^tung 
„9J?ocbet|" ftaltgefunben, in ber ,,33earbeüung" bon ©eorgeg (Elerc. 
3n ,5 Giften unb 15 Silbern" gog baB ^rama beB großen brüten 
an ben ^arifern^ borüber, benen i^tnierl^et SuIeB Sentailre im 
„Journal des Debats‘‘ eine auBfübrlidje iSn^altBbarftedung nach 
ber älteren ^uleB ßacroijfc^en Ueberfe^ung ]§at geben gu muffen ge=* 
glaubt. ®er Tlacheti) beB §errn ©eargeB (Here, urteilt Semaitre, 
fei „bie Slrbeit eineB gang talentboEen S)^enfcl)en, ber gegeigt liabe, 
ha% er im (Gebiete ber — fentimentalen ^oefie giemlicb gefebidte 
SSerfe fd^miebel" 


Slngeflagten, ba bie 3lbfidit ber 33efd^imbfung ber Oieliguienbere^rung 
alB foli^er nidbt erliefen, ber (^ininanb ber ^Ingeflagten, bie nur 
bte jal^rmarltö^nlid^en Quftänbe bei ber 5luBfteHung beB ,,l^eiligen 
JiodeB" ptten geißeln U)ollen, nidfit loiberlegt iuorben fei. ©B ift 
faft feßabe um bie g^reifbredßung beB D^ebafteurB unb beB QeicßnerB, 
inetl baburdß bie Kernfrage, b)elcße baB gefamte ^refetoefen intern 
effiren mu^te, garnidßt gur S^erßanblung fam, nämlicß bie, ab ein 
sj^afeßinenmeifter ober fonft ein beim "^rud eineB infriminirten 
ä[rtifelB tätig geioefener ^anbiuerfer für ben Snßalt beB ^ebrudten 
berantlaartli^ gemadßt laerben fonne. 


^aB fäniglidße ^ßeater gu ^abenßagen ßat einen norbifd)en 
ib^aBcagni entbedt. ^ie bieraftige ©rftlingBober bon ^uguft ^nna, 
einem IbiBßer giemlicß aber an^ gang unbefannten, bret^igjäßrigen 
^ambaniften, „Reffen" betitelt (bie ©e^e), beren Xe^t ban älfreb 
itctcß ^rtßur gitgerB gleidßnamigem ^rama gearbeitet taarben, 
tnurbe hart mit 33egeifterung aufgenammen. 


IKommrnöe Stuffüörungen. 

(Bin ©dßaufbiel in brei Elften ban (^bbarb^ranbeB ,,©t ^rub" 
(ein 35rudß); fantie S)^aurice Hl^aeterlingfB ,,^er Ungebetene" 
(„ben Ubebne") taerben Slnfang gebruar int „greien ^ßeater" gu 
^abenßagen gur luffüßrung fammen. ®ie SSarfteKung ban ^erßart 
§aubtmannB „(^infame ib?enf(^en" ßat na(^ biB Einfang TOrg betv 
feßaben taerben muffen. 


Safe ©dßegaraß ßat ein neueB Urania in gb)ei Elften „El 
hijo de Don Juan'* (ein (Saßn ^an SuanB) baEenbet. 


gala ßat Seabalb H^ugnane bie ^utarifatian erteilt, auB ber 
„Xßerefe Jlaguin" ein gu maeßen. ©timmlafe (5änge^= 

rinnen fännen ba eine gra^e Partie — fdßbteigen. 


(Cobe^fälle» 

Sn 5ltßen ftarb am 28. Sanuar 5lle^anber Jtangabe, einer 
ber ßerbarragenbften ©^riftfteüer beB neuen ®riecßenlanbB, ber 
namentlidß bureß feine Ueberfeßungen ber H)^eiftern)erfe anberer £ittera^ 
turen in bie neugrieeßifeße ©ßraeße taeit über bie @rengen feineB 
SanbeB gur ^nerfennung gelangt ift. (E^r ift 1810 in ^anftantinaßel 
gebaren unb ßat in SP^üneßen feine (Stubien gemadßt. (Seit 1*^83 im 
griedßifcßen (StaatBbienft, tnurbe er 1841 ^ireftar ber (StaatBbruderei 
m 3ltßen, 1844 ^rafeffar ber ^Ir^äalagie an ber atßener Uniberfität, 
unb feit 1867 ßat er fidß ber (Dißlamatie gugetaenbet. (^r taar (Se^ 
fanter in Sßafßingtan, S^anftantinaßel, ^ariB, 1875 in 33erlin. 5lußer 
einer Jieiße ban arcßäalagifdßen unb litterarßiftarifcßen Slrbeiten unb 
ben ^Bearbeitungen ber antifen grieißifdßen Dramen für bie maberne 
23üßne ßat er namentlicß (SßafefßeareB SuliuB (^äfar, @aetßeB gauft 
unb Sbßigenie, (SeßiEerB ^eE unb EeffingB P^atßan inB ^rie^ifeße 
überfeßt. 


Sm TOer ban 70 Saßren ftarb am 30. Sanuar in ^ariB §enri 
SSaubrillart, ber flaffifcße E^atianaläfanam, geiftbaEe bßilafaßßifiße 
(S^riftfteEer unb glängenbe Jiebner, beffen Jieben über SSaltaire, über 
Surgat unb über grau ban (Stael fdßan gu 33eginn feiner Saufbaßn 
ißm breimal ben ^reiB ber 33erebfamfeit in ber Academie frauQaise 
eintrugen, ©ein „Manuel d’ecouoinie politique^S unb fein 33ucß 
über bie „33egießungen ber il^atianaläfanamie gur 9P?aral" gelten alB 
flaffijdße ^erfe ßalitifcßer ©cßriftfteEerei. ^leidßbebeutenb ift feine 
^Histoire du luxe prive et public depuis Tantiquite jusqu’ a 
DOS jours.“ gaßlreicße Heinere 5lrbeiten ßat er im y, Journal des 
Debats“ beröffentlidßt. 


^ßeabar ^ammf en ift ban bem gentrumBabgearbneten §errn 
Dr. Sieber in ber JleidßBtagBfißung baut 16. Sanuar befdßulbigt bjarben, 
bie ©renginaEflubien beB §errn ban (^aßaufen aßne Quellenangabe auB^ 
gefeßrieben gu ßabeu. 4)er SSarnmrf erregte fafart im gangen ge^ 
bilbeten ?)eutfcßlanb ein ungläubigeB Sälßeln. 9^un beräffentli'dßt 
SP^ammfen (in ber „P^atian" bam 30. Sanuar) feine (^rflärung, auB 
ber fannenflar gn)eierlei ßerbargeßt: baß baB (^aßaufenfeße ^udß bei 
aEem SSerbienfte laiffenfdßaftlidß unguberläffig ift unb baß SP^ammfen 
ben Obeift ban (I^aßaufen meßr alB einmal gitirt ßat. 0b eB taal 
im frangäfifdßen Parlament mäglidß Inäre, baß ein (Belcßrter ban 
euraßäifcßem Piuf, ein PiußmeBtitel ber Pdatian, auB ^arteißaß fo 
feßiner beleibigt mürbe? 


^ie ©eridßtBberßanblung gegen ben beranünartlicßen Piebalteur 
beB ^labberabatfcß, SaßanneB ärajan, famie gegen ben geidßner 
grang Pllbert Süttner unb ben PP^afißinenmeifter grang ^eter megen 
kB ÖilbeB „ber graße (^imßelfang in ^rier" unb ber beiben Plrtifel 
„3luB 5^rier" unb „§äßere ^alitif" in P^r 33 beB Mabberabatfdß, 
meldße „äßentlicße ©inrießtungen unb (S^ebräudße ber fatßalifcßen PtelD 
gtan befcßimßft" ßaben faEen, enbete mit ber greifßrecßung ber brei 


Gegenüber ben ßaEenfer unb bielefelber ^ugenbbereinlern ift eB 
überauB erfreuliiß, maB ber ^ßealage ^rafeffar Dr. §arnad 
in ben ßreußifeßen Saßrbücßern auBfüßrt. ,,©B ift^ ber ^aefie", fa 
füßrt er auB, „unb ber .^unft überßaußt an fidß nicßtB berfdßlaffen 
unb berfagt, unb eB ift nicßtB unbarfteUbar, menn fieß bie barfteEenbe 
^raft bagu ßnbet. Hudß fage man nidßt, baß fieß bie Seiten geäm 
bert ßaben! (^emiß, eB ift eine gräßere gurüdßaltung im gefeEfdßaft^ 
ließen SSerfeßr eingetreten, alB man fie früßer gefannt ßat; aber ben 
^idßter ban biefer abßöngig maeßen, ßieße ja, ißn nidßt garberungen 
ber ©ittlidßf eit , fanbern blaßer ^anbenieng unterfteEen maEen. 
Sßenn beB PP^eßßiftaüßeleB Pöißroort ban feuf(ßen Qßren unb teufdßen 
bergen gur ernftgemeinten SSarfdßrift für ben ^idßter^ merben faEte, 
fa mürbe ber 35eruf beB ^i(ßterB gum maßren ^inberfßatt." — 
33raba ! 


®ie erfte Plummer ber ban grau P3aranin P3ertßa bau ©uttner 
ßerauBgegebenen PP^anatBfeßrift gur gärberung ber griebeuB^Sbee 
,,^ie '3ßaffen nieber" ift am 1. gebruar bei Pllfreb §. grieb 
& ^ie. gur HuBgabe gelangt. ®ie Pdummer mirb burdß ein (Sebidßt 
ban (^onrab gerbinanb PlZeßer eingefüßrt. 33ertßa ban ©uttner felbft 
ßat „Pdadßflänge bam griebenB^^angreß" gegeben, gerner ßaben 
^ariß Plbler, Dr. ^ingeng Knauer, Seb ^araffabitfdß, ®unbaccar ban 
©uttner unb Piubalf (i^raf §aßoB an ber Plummer mitgearbeitet. 
Piuggera ^angßiB (^räßnungBrebe beB rämifißen griebenBfangreffeB 
feßit nidßt. Unter ber Plubri! „griebenBftimmen" finb „33riefe ßer=* 
barragenber geitgenaffen", bieBmal banPl^a^; P^arbau, P?^ (^. ^anrab, 
greb. ^affß, bem berftarbenen Semennier, ^gibß unb d^anrab 
gerbinanb $D^eßer, geiammelt, meldße fieß gegen ben ^rieg unb für 
bie PP^ägließfeit unb P^atmenbigfeit beB emigen griebenB, ber aEge=* 
meinen Plbrüftung äußern. — (S'in ^raßfen auf ßeißem ©tein, aber 
immerßin ein ^faßfen. 


Sßeaßßrafte Pienaubat, bem P3egrünber ber ^GazeUe de 
France, beB älteften frangäfifeßen 58latteB, mirb in ^ariB ein ^enH 
mal erridßtet. 


PSan ^errn Sß. b. ^aleng^*0reBben erßalten mir falgenbe gu^ 
’dßrift: „Pir. 4 beB PP^agaginB für Sitteratur braißte bie Piatig, baß 
)er ©aßn beB berftarbenen ©idßterB (^uftab gu 
Seneralintenbanten beB ^aftßeaterB in ©tuttgart ernannt marben 
ift. S)abei mürbe 'be()anptet, ber neue ^ßeaterintenbant ßabe „feine 
Dramaturg ifdßen ©tubien alB Ofßgier bei einem babifdßen Pteiterv 
Regiment gemaeßt." gunädßft ift öerr gu pSuttliß ni(^t ^abaEerift, 
fanbern Snfanterift; aber baB ift in biefem gaEe belanglaB Pßidß^ 
iiger erfdßeint, baß ^err gu ^uttliß biB gum barigen Pßinter gur 
i^riegBaiabemie in Berlin fammanbirt mar. (Bt mar einer ber 
eifrigften Sßefudßer ber berfdßiebenen berliner Xßeater, §auBfreunb^ bei 
S)ireftar S’Plrrange, PPUtglieb ber freien unb ber beutfdßen 93üßne, ßäuß^^ 
ger PPefueßer ber PSartrdgBabenbe ber freien litterarifdien (^efeEfdßaft, 
beB etßifdßen MubB unb anberer litterarifcß^fünftlerifdßer PSereine. 
Sdß benfe, baß auB biefen ^atfadßen gur Genüge ßerbargeßt, baß 
gerrgu ^uttliß feine bramaturgifdßen ©tubien mit (^ifer betriebe 
ßat." — Pßir finb nidjt fa unßäflidß, bie ban unferm bereßrten '^iU 
arbeiter, @errn b. ^aleng, angefüßrten ^atfadßen alB faldße gu be^ 
geidßnen, ban benen man eB begmeifeln bürfte, ab fie eine genügenbe 
^arbereitung gur Seitung eineB beutfdßen §aftßeaterB begrünben. 


PPrieftafdße beB Sitte raten: — PßaB ben ßaußtfäcßlidßften 
Pieig beim ©tubium ber graßen ^ßilafaßßen auBmadßt, ift, baß, menn 
man glaubt, fie berftanben gu ßaben, man bemerft, baß man fidß irrt. 


9TnberfI)oIB mal fo ftorf loie eine öctoößttlidpe SKmnmcr 
loar unfere oorige ^nBiläum^mmtmer. ®er 9?oum mangelt 
nn§ aff bte gafilretdßen in jener 9?unmter angefßonnenen 
®^emata in btefer P?ummer fortgufe|en. Sßir Bitten ba^er 
unfere Sefer um (^mtf(^ulbiguttg, menn mir ben 5ffücf6ticf 
,,®e<^^gtg Salßre PJiagagin" oon Otto 9?eumann!? 
§ofer unb bie oon ^larl ©mit f^rango^ mitgeteilten 
®l^eateraften @oetBe§ in biefer SJummer unterBrec^eu 
unb bie f?ortfe$ung erft in ber uädßfteu folgen taffen. 


104 


®a§ SWaga^tn für Sitieratur. 


9^r. 6 


^rete fiffcrarifc^c ^efcITfc^aff gu '§3erfin. 

Qufc^riften für btefe 9^u6rif finb mit hem SSeniterfe gelegen!) eit ht§> iD^agaginS für £itteratur'' an §errn Dr. 5Ubert ^re^bner, 

W., £ü^an)ftraBe 96, IIL gu rictjten. 


*§otrdufi^c ^iftBeirttncs. 

©er näcBfte ^ortrag§^3fbenb )nirb liüran§firf)tlicf) einen SSortrag 
über ben in fö tragifdjer 2®eife. an§ bem £eben gefcfjiebenen ä)tater 
nnb 33itbBauer ^i^arl (Stauffer^^ern bringen, geriiei* i[t ein (Serljart 
^au|)tmQnn4(benb in ^in^ficBt genommen. 

¥ 

fibUotr^eü. 

5(n nnfere geeljrien H)?itglieber ergefjt bie ioieberljolte bringenbe 
^itte, bie ÖibliotBef ber ®efellfcf)a"ft burcf) 3^^^^^'^^Bnnge'n gn 
nnterftü^en. a)!ancBe§ 3Berf, ba§ in ber ^ibliotljef be^5 (Singelneu 
ober ber gamilie ineri(o§ ift, fönnte in einer für bie Ceffentlicbfeit 
beftimmten (Sammlung eine nubbringenbe (Steüe ftnben. 33efonber§ 
t)ötten_e§ bie Herren ©'cBriftfieUer nnb ^d^erleg er in ihrer <panb, 
bie 33ibliotf)ef burrf) 3^ünenbung ihrer SlVrfe begin. ber ä£erfe 'ihve^S 
^erlageg erfjebtid) gu förbern. ©ie Stbfidjt ift, in nnferer ^ibliotfjet 
bie moberne fdjöne unb fiitifdje Sitteratur admäHg in möatidjfter 
33oüftänbigfeit gu bereinigen; fie ftet)t unferen atütgliebern föftenfrei 
gurJ8erfiigang._ ^fuBerfenbitngen bitten Uür mit bem SSerninde 
„gür bie 33ibliothef ber g^reien litterarifdjen (^efeüfdjaft^' an bie 
„Union^ ©eutfdje 3Sertag§^(SefeIifchaft, 33erlin S^V., griebeid)flr. 207, 
richten gu inolten. 

¥ 


6er f'rcleit fifferartfefKU Sevltu 


©er lehte SSortrag§=^benb führte ein gaf)treiche§ ^-]3ub(ifum in 
bem (Saale be§ 3trd)iteftenhaufe§ gufammen. 5(uf bem Programm 
ftanben eine Jöoilefung, ein (Sebid)t==33ortrag unb eine fritifdje 
Sföürbigung eineg mobernen Stutorg. ®err g^ritj ät^aulhner machte 
ben Slnfang; er lag bag er[te ^dapitet feineg neuen Dtomaneg 
„§l)patia" bor. Einige ^emerfungen über ben ^Man beg gangen 
Sßerfeg gingen bor'her. ©ag an (Schönheiten ber (Sprache unb ©iefe 
ber ©ebanfen reiche SSerf, bem eg auch C^umor nicht fepft, er= 
inedte einen nachhaltigen ©inbrud. ©ie 'gioeite @abe bot $err €bei::= 
regiffeur ®rube bar; er trug mit bodenbeter d)ieifter)d)aft ein 
längereg, ungebrudteg Ojebietji (Srnft bon 3®i(benbrudjg „Sn ber 
(Stjlbeiternad)t'^ bor. ©er ©ichter fchilbert bie ä3'egegnungen eineg 
Sdanneg mit einem jungen ddäbchen; • bag eine ä^tal'ioeift fie feine 
ftürmifdjen Bewerbungen um ifjre £iebe mit ber berftänbigen ^d’age: 
„Bor ber $od)geit?'' gurüd — bag anbere Wiü fie ihm ge=^ 

Währen, Wag fie fonft 'berWeigert, unb auf feine ?S^’age „Bor ber 

^od)geit?" entoegnet fie „$od)geit mach’ id) nimmer!" B3etd) tiefe 
Söirfung ber Bortrag h^^^borbradjte, geigte fief) in ben tauten Beifaflg^ 
ftürmen, mit benen bie guhörer ben Borlragenben überfd)ütteten 
gugteid) War biefer BeifciU eine (Shrung für ben ©ichter, ber fein 
^erf ber „freien litterarifchen (Sefetlfchaft" gur Berfügung geftetlt 
gatte. 

©er ©chlufebortrag braepie Slbalbert bon ^anftein auf bie 
97ebnerbühne, unb biefer bortreffiidje ^tebner eniWarf ein fcffelnbeg 
Bitb bon bem (Schaffen beg ©iepterg ©etteb bon £iliencron. ©er 
dtebner fd)itberte ipn atg ben bottenbeten, /eigenartigen Sprifer, 

atg ben ib^eifter ber ©timmunggmaterei, alg ben origineüen, 

fetbftbeWuften ©eift, ber fiep feine eigene dBetianfepauung gureepü 
mad)t, ber ben SO^ut ber eigenen dtteihung befipt, ber btahirwiffen^ 
fepaften unb — Sepifter gteich fritifd) gegenüberftept. ©ag mit Be:^ 
geifterung gefprodjene ^ort beg biebnerg rip bie Stnwefenben eben^ 
faüg gur Begeifterung fort unb ber reiepe Beifatt geigte, wie glängenb 
ber Bortragenbe feine 5(ufgabe getöft. 


®e5aineuaiiötaufdi. 



©a id) bie gu'age angeregt pabe unb jept eine aditteitung bor^^ 
panben ift, Weld]e eiwag f)3ofitibeg gu bieten fepeint, nämlicp bie 3(n^ 
fünbigung ber ,,Sapregberichte für neuere beuifepe £itteraiurgefcpichte", 
fo erlaube id) mir, noep einmal auf bie ^tngelegcnpeit gurücd 
gufommen. Bon allen ©eiten ift ja anerfannt ioorben, baff ein Be^ 
bürfnig nad) einem ^ilfmnittel ber Orientirung, foWol für ben £efer, 
alg auch für ben ©tubirenben, borliegt. 2Sag iep mit meiner 31n^= 
regung begWect'te, War bie bibliograppifcpe girammenfaffung ber 
realiftifdjen (Srfepeinungen. 9tun pat man mir borgepallen, ' bagu 
müffe man bod) erft beflimmen. Wag Otealigmug fei. g^reilid), Wer 
immer gleich ^^ringipien reiten Will, ber Wirb fiep über folcpe fubtilen 
fragen jahrelang ^ perumftreiten. 3Jcir fepeint eg leicpter gu fagen, 
Wag ift fein Ofealigmug? ©od) biefe gange ^ringipienfrage ift für 

^erantw,: Dtto ^leumann er, 23erliu. — Berlag i?er Union, 2)euttd)e 


nieptg gu eradften, Wenn man fiep auf ben Boben ber ^rarig fteüt. 
ddir fcpWebte ein 2öer! bor, beffen ^tugfüprung unfere berliner (3e^ 
feUfcpaft allein ober im Ber ein mit anberen litterarifdjen ©efellfdpaften 
gu übernehmen pätte. 2öag bie aug biefer S^örperfd)aft perbor=^ 
gepenbe Dtebafliong^^Wmmiffion für realiftifd) anfäpe. Wäre auf== 
gunepmen. 2Bir Wollen ja feine Stritif üben, fonbern nur ginger^^ 
geige geben, Wo moberner (Steift unb moberne S'tunft fid) befinben. 
äöirb maf baneben gepauen — Wag fcpabet’g. (Sin fofeper güprer 
burd) ben Bücpermar'ft fepeint mir ein gang bottreffliepeg 3fgitationg== 
niiltel gu fein, beim nur eine flehte 5fngapl bon ^erfonen fann fiep 
burep bag'Sefen bon ^dritifen, burd) 9tüdfprad)e mit ben Befannten 
bor bem ^aufe ober bem £eipen eineg Buepeg über beffen 3Berf 
orientiren. Sa, id) Wäre bafür, biefm güprer maffenpaft gu ber^ 
breiten, um ^ropaganba für bie Beftrehungen gu maepen. Um nun 
bem ^(ßublifum bon 9tupeu gn fein, müpte biefer güprer eben alleg 
bag enthalten. Wag burep ©enbeug ober ^7)unftart mobernen (Sparafter 
geigt. Sn ben fleinen (Sparafteriftifen ber Söerfe — ober auep in 
ber (Sinteilung beg ©toffeg — liepe fiep ja jeber gweifef an bem 
Bealigmug beg Sßerfeg gum 31ugbrud bringen. 

Sluperbem foll bag geplante 2öerf aber aitcp bem ©tubirenben 
nüplicl) fein, eg foll baper bie litteraturgefcpicptlicpen unb fritifd)en 
äßerfe, bie fiep mit bem Otealigmug ober ben diealiften befd)äftigen, 
enthalten. Unb pier Wäre bie (Srenge beg Stuf^^gunep men ben unb 
beg Ueberflüffigen ebenfalfg leiept gu giepen. 

_ döenn nun §err Dr. (Sliag in jener IDUtteilung, Weld)e bag (Sr=^ 
fepeinen ber „Sapregberiepte" anfünbigte, bie SCnficpt augfpiacp, bnp 
bie. bon mir angeregte pSublifation burep fein Unternehmen gefepaffen 
Werbe, fo befinbet er fiep bod) fepr im Srrtum. S'cp Will feine ^ro=^ 
fefforenWeigpeit, feine Cßeleprtenfritif, in bem SSerfe paben, unb bei 
bem ©ebanfen, baf] ^^rofeffor döerner, ber Berfaffer eineg riefigeu 
Banbeg über „£prif unb Sprifer", bie realiftifepen (Srfepeinungen oe=^ 
panbchi foll, fann iep miep eineg gelinben ©d)auberg ni'cpt er^ 
Wepren. Sebem bag ©eine. Sd) glaube, bafg eine folcpe grage. Wie 
id) fie geftetlt pabe, nur oon £eufen gelöft ioerben fann, bie mitten 
in ber Bewegung fiepen, unb feine Btegeln unb ^ringipien auf=^ 
ftetten, fonbern naep iprem (Sefepmad urte'len. ©ap <^perr Dr. (Sliag, 
ber übrigeng boep nur bie beutfepe Sitteratur berüdfieptigen Will, be^ 
tont, er pabe bie perborragenbften gm cp gelehrten gewonnen, erfepeint 
mir cparafteriftifcl) für bie Slrt, in ber bag Unternehmen geleitet 
Werben Wirb. (Sr )oill gacpgeleprfamfeit — Wir Wollen mo'berneg 
£_eben, moberneg f^mpfinben." Sdj glaube, nufere B^ege finb niept 
biefelbeit. ' 'j3aul ©obert. 




iC 


pidit Begug auf bie Beuperung, 9tiepfcpe fei ber ^^pilofopp beg 
^'apitalignuig, bie füngft in ber ©ebalte über ben Bortr g beg 
.^errn Dr. ^f:ögel fiel. Wirb ung eine Buglefe bon Uugfprücpen beg 
f.7piiofoppen niitgeteilt, bon benen Wir bie folgenben perborpeben : 

Unb ben ^errfepenbeu Wante iep ben DUiden, alg iep fap. Wag fie 
jept perrfepen nennen: ©epaepern unb marften unb ddaept. 


©ie gange Bergangenpeit ber alten Stultur ift auf (53eWalt, 
©f laberet. Betrug, Srrtum aufgebant; wir fönnen aber ung felbft, 
bie Serben aller biefe_r guftänbe ... niept Weg befretiren unb bürfen 



9(icpt geWaltfame neue Berteilungen, fonbern allim’ilige Umfepapungen 
beg ©inneg tun not, bie ©erecljtigfeit mufs in allen ©ingeu gröper 
Werben, ber gewalttätige Snftinft fcpwäcper. 


(SinftWeilen wenigfteng fiept alle militärifepe ^tultur nodj poep 
über aller inbuftriellen Kultur. £eptere in ihrer jepigen (Jnptalt ift 
überhaupt bie gemeinfte ©afeingform, bie eg big jetjt gegeben pat . . . 
eg ift feltfam, bap bie Unterwerfung unter mäd)tige ... ^erfonen, 
unter ©prannen . . . bei Weitem niept fo peinlid) einpfunben Wirb, 
alg biefe Untertoerfung unter unbefannte unb iinintereffanie ^^erfonen. 
Wie eg alle 6)vöpen ber Snbuftrie finb: in bem Arbeitgeber fiept ber 
Arbeiter geWöpnlicp nur einen liftigen, augfaugenben,"nnb auf aüe 
Biot fpefulirenben §unb bon dAenfd)en, beffen Aante, (Seftalt, ©itte 
unb Buf ipni gang gleicpgiltig finb ... bie AbWefenpeit ber pöperen 
gorm unb bie berüchtigte gabrifanten^Bulgarität mit roten, feiften 
0änben bringen ipn auf ben ©ebanfen, bap nur gufall unb ®lüd 
pier ben einen über ben anbern erpoben pabe: Sföolan , fo fcpliept 
er bei fiep, berfuepen Wir einmal ben gufnll unb bag ©lücf! Werfen 
Wir einmal bie 3£ürfel ! — unb ber ©ogialigmug beginnt. 

( „ g r ö 1) 1 i cp e SS i f f en f cp a f t ".) 




Aevlaö^-=(Se)ellfd)aft, SevUu imb ©tuttgart. — (Sebrudt bet A. (Seufd), Berlin SW 



(D i ($_ 





1S32 beövunbet 
von 

Jofep^ £e|)tnann. 


für cSltf f ör af ur. 


^erausgcgcbcn t)on ifritj JlSautlntei: unb d^tto j®cumann^J|afer. 
^eöa&tton: ’SSerCtn SW., §trte6ric^ftva|c 207. 


X)cutfcf?e pertaö5=®efeßfc^aft 
23ertiu u. Stuttgart. 


|e5en 0otitiaben5 — freiö 4 Wiavt i?ierteliä^rli4>. ^Sepeüungen werben ron iebex Bud;>f?anblunö, iebem poftamt (Tür. 3589 
ber poft^eitungstifte), foipte rom Vexlaqe bes „Dta^a^in" entgegenöcnommen. ^nseigen 40 Pfg. bie breigefpattene petitseUe. 

Frei§ btt Cinselmimmer : 40 ]^fg* ^ 


61. Ja1?rgang. ^Serlin, Öen J3. cSeÖrimr |$0i. 


TTr. 7. 


3inöfllt: Otto 9?eumann:=§ofer: Sa^re SKaga^tn I: ®ie erften S<^^t}re (©c^tug). — Unfere ©d^ulreform 3t 

®er ®ampf um bie ^otföfd^ute II. — Slid^arb ©relltug: ^te SKa^regelung ber greten SSolföbü^ne II. — ®arl @mil granjo^: 
3Iu§ ©oet'^efd&eti $^eateraften I (©d^Iug). — 5|Jaut ^er fd^lefifi^e SSäeberaufftanb tu ^ic^timg unb SBirfltd^feit. — 

^ermann ©ubermann: Sl^ea, ein SBintermär^en IV. - SKarco $raga: ®ie ibeate S^au III. 9lft. ©^ene 2, 3. — ßitte= 
rarifd^e K^rontf. — Öitterartfd^e D^euigfeiten: Hagues le Roux: Portraits de Cire, befprod^en Oon -r. — Oscar 
Metenier: Zezette, befprod^en bon F. — ®te Sitterarif^en ®e{eUfd^aften: Unter Slnfiage be§ ©itttid^feit^Perbred^en^. — 
3um SSortrage über ®etteb bon Süiencron. 


2 lus 3 ugsn)cifcr ITad;>brudi fammtlic^^er 2lrtibel, an^cr ben noneüiftifd^en unb bramatif(^en, unter genauer (Sineiienanqahe geftattet. 

Ulnöefugter JSacöörucn Inirö auf o^runb ber o^efetse unb l^erträge berfolgt 


Se4>03tg aa^re tUagagin. 

SSon 

ßtto JBeumann^l|ofer> 

|I. ®te erften gelju 3a!)re. 

mm-) ' 

t)erül)rt uu§ t)eute fettfam, bafe man ben 
cjong 1832 be§ 9Kagagtn§ non einem ©nbe gnm anbern 
bnrtt)blättern fann, ot)ne OoeiljeS S!ob mit einer Seile 
erroäl)nt gn finben. @o ftreng ^ielt ber .^erauSgeber an 
bem ©barafter feineg 33Iatteg feft, ba^ er nic^t einmal 
foicber inlänbifcben Katfoeben gebaebte, bie eine tiefe 
SBirfitng unb ficberlidb audb einen litterarifdben Slugbrutf 
im Slugtanbe bei'öorrufen mußten. 3llg bie .Diadbricbt 
non ©oetbeg 5lobe bie SBett erfüllte, bringt bag „9Kaga= 
gin für Sitteratur beg 5bnglanbeg" bie ätJeinnng ber 
Foreign Qaarterly Review über bie litterarifeben ©efell» 
fdboften Sglonbg, bie 5lnficbt ber Revue encyclopediqne 
üoer bie bie belgifibe IReüolution bebanbelnben @rf(^ei= 
nungen, bie Slngeige ber Antologia di Firenze oon einer 
ilatienif^en Sluggabe ber Uerfe SBinfelmanng, aber mag 
bie englij'üien, frangöfifdbe« nab italienifcbenSeitfcbriften 
über bag SSerfebminoen einer meltlitterarifcben Srfdbeimntg, 
mie bie ©oetbeg, gu fagen miffen, filmen mir üergebeng.. 
Stuf oben ©ebieten begegnen mir biefer ©ntbaltfomfeit 
beg ^erouggeberg oon inlänbifcben ©ingen, bie oielleicbt 
feine gang freimiEige mar. ®ie bamalg ben Seitgenoffen 
in ihrer blenbenben Sfenbeit gemaltig entgegentretenbe 
@rf(beinung ber (äifenbabnen nimmt '3ofepb Sebmanng 
gange Slufmerffamfeit gefongen. SJfau füblt bie eifrige 
®U(bfrenbe nodb, mit meld)er er aug bnnbert blättern 
unb Slättdben beg Slnglaubeg bie Efoiigen über ben 
geringften f^ortfibritt beg ©ifenbabnmefeng in ©nglonb, 
granfreicb, ^Belgien, Slmerifa gnfammentrögt; blottern 
mir ober bie Efnmmern oom ©egember 1835 bnrdb, in 
meldjem SJionat ber erfte oon einer Sofomotioe bemegte 
beutfebe SnS öon Efürnberg nach Snrtb ging, fo fmben 
mir oergebeng nad) bem Snbelrnf, ben mir ermartet 
batten; unb prüfen mir bieEfnmmern oomDftober 1838, 


um eine ©pur baüon gu finben, bafe Sofepb Sebmann 
felbft enblicb mit eigenen Singen einen ber tielbefproibe» 
nen SBunbergüge fob. felbft oon einem booongefübrt 
mürbe, oon bem erften ber preubiftb^n 5Dfonar(bie, ber 
oon 33ertin nach ^otgbom ging, fo merben mir entläuft; 
bie bamalige Seit ertaubte noci) einem ßerauggeber, über 
b'ie bringen'bften Slnfprüdpe ber heiligen Stftualität binmeg, 
ficb ftreng an fein Programm gu palten, ©amtliche 
Suninnm'mern beg Sabreg 1840 erfepeinen mit ©rouer» 
ronb; aber feine Seite fünbet ben ®rnnb: ben ©ob 
f^riebri(b SBitbelmg III. Sn ber lepten Sfummer beg 
©emefterg bagegen erfdbeint ein anonbm eingefanteg 
frangöfifebeg ©ebiept „Le penple etait sa Garde Royale“, 
bem Sebmonn eine bentfepe Ueberfebung beigiebt. ©o 
mirb bag ^ringip felbft bem poben ©önner unb oberften 
©pef beg Slatteg gegenüber feftgepatten: bie Seitoge beg 
preufeifdpen Slegierunggblatteg nimmt oon bem ©obe eineg 
preubifdjen Ifönigg nur bur^ eine fbmbotifcpe Umrapmung 
Sfotig. ©inmat freilidp mürbe ein SSerfud) gemoept, bie 
ftarre Sieget gu bitrcpbredien; aber er fEilug fept, fo felbfO 
oerftänblidp er ung ou^ erfepeinen moepte. ©peobor 
SRunbt mar ber Sieuerer; er füprte eine Siubrif ein: 
beutfepe Sitteratur imSlugtanbe. Oioi^ 1832 feprieb er über 
©oetpe unb Bürger in Stolien, über ©ied unb f^iepte in 
(^ranfreiep, SJiit bem Sapre 1834 übernimmt Sepmann 
biefe Siubrif unb bringt 2 gufammenfaffenbe Strtifel über 
beutfepe Sitteratur imStuglanbe. ©epon im Sapre 1835 
aber mit^ er biefe Siitbrif gegen heftige Singriffe Oer» 
teibigen. SDiau madpt ipm ben peute fepmer oerftönb» 
liepen SSormurf, „ba| eg leidpt alg eine fleinlidpe Äo» 
guetterie erfepeinen fann, fiep naep beutfeper Sitteratur 
im Stuglonbe, no(p auglönbifepem Sobe beg ©inpeimifepen 
fo begierig umgufepen, bap für bie ©rgebniffe foliper 
gmrfcpungen eine eigene Siubrif gemoept mirb." Sioep 
bringt er" im Sapre 1835 brei Iteberfiepten. Slber fepon 
im Sapre 1836 fepleu fie gang, opne mieber aufgu» 
taudpen. Sn ber Sieufahrgbetraeptung beg Sapreg 1840 
fagt Sepmann, bap er bie ftepenbe" Sfubrif „©eutfdpe 
Sitterotur im Stuglonbe" aufgegeben pütte, „meil man 
biefe für eine ©etbftbefpiegelung pielte, bie einerfeitg 


SKogojttt füt Sütetottt«. 


9^r. 7 


106 


eine fieinlti^e ©itelfeit unb anbererfeitö p niel Stürffic^t 
auf ba§ Sob be§ 9lu§ianbe§ oerrate." SSie feltfam ftid)t 
biefe fieinftaatlic^e beulfdie @m:pflnblt($feit ab öon ber 
unermüblic^en unb gro^prallerifi^eu iftegiftrirung be§ 
geriugften SobeS ber frangöfifd^en Sitteratur, bie man 
in ben int „iTOagagin" überfebten Slrtifein frangöfifdber 
8eitfc^riften finbet! 

ifeit gutem 9Sorbebad)t Ijatte Sef)mann feinem 33Iatie 
ben S^amen „SJJagagin" gegeben, biefe SSegeic^nnng, 
bie, bem ©tiglifcfien enilel^nt, gum erften unb eingigen 
2Kal in ber l)eutf(^en 5preffe eine ntterarif(|e Sebeutung 
eri)iett. ÜJiit bem SBort nal^m aberSetjmann nicE)t au(^ 
gugieicp bie ©ac^e au§ ©ngtanb herüber. ®ie englif^en 
Magazines maren bamal§ fdbon ma§ fie i)eute finb; 
S)?onat§fci)riften buntenSnI)aIt§', me^r ober weniger gufättig 
gufammengefteEt je na(^ ben ©iiifenbungen ber SÄitarbeiter. 
Sn Se^manng @(^ö|)fung flang ein ®on bon ber beutfd)en 
^ebeulung be§ SBorteS „ÜKagagin" Jjinein. foEte ein 
SEagagin fein, in bem \iä) aufgefpei^ert, aufmagaginirt 
finbet, aEe§ wa§ in ber Sitteratur be§ 9lu§tanbe§ 33e» 
merten§werte§ an§ Sic^t ber ©onne fommt. ®amal§ 
entfprac^ ber Sn^alt be§ StatteS fe^r oiel mel^r feinem 
®itel afö feilte, ^eute |at bereitet nur eine t)iftorifdi)e 
®ebeutung, bamafö war er eine ifteatitat. ©ie ^ufgobe 
be§ SDiagaginirenS würbe oon bem SJegrünber ber 
©d^öbfung mit einer einem ^leife unb einer 

Umfict)t feftgebatten, bie bewnnberung§würbig finb. Sn 
bem faft eigenfinnigen f^eftl)atten be§ Steffi wät)renb ber 
erften 5ßeriobe liegt aber gugleid), ba^ ba§ EJiagagin ba= 
mat§ nidt)t§ weniger atö eine litterarif^e 8eitf(^i'ift im 
mobernen ©inne war. 33or aEen ©ingen waren bie 
Driginalarbeiten faft gang au§gef(^Ioffen, unb wo fie er» 
fdf)einen, geben fie fi^ nid^t etwa atö befonbere 2lu§» 
geid^nung be§ 33latte§, fonbern atö 9Jotbe^elf. giebt 
23änbe, in benen fidt) nic^t ein eingiger Driginatartifel 
befinbet; aEe§ finb Ueberfe^ungen. fam ni(^t barauf 
on, bie SKeimtng biefeS ober jenes gufäEigen SJiitarbeiterS 
über irgenb eine litterarifctie ©rfd^einung git pren; fon» 
bern barauf fam eS an, oie bie litterarifd^e Bewegung 
in ben eingetnen Säubern beS 5fuSlanbeS am fdjilagenb» 
ften (fiarafterifirenben fremben Sfeu^erungen gu maga» 
giniren. Heber einen neuen tRoman ber (üeorge ©anb 
braiüte Seemann gunädift einen frangöftfcüen 35eri(üt, um 
ba§ geiftige ERittel gu fenngeieünen, auS bem bie ©(^öpfnng 
erwa(üfen war; bonn fammelte er englif(üe, italienifdfie, 
EoEänbifi^e ©timmen, nidt)t aber, um weitere ©aten gur 
Beurteilung beS tRomanS ^erbeiguf(üaffen , fonbern um 
©ofumente gu bringen über bie Berfaffung beS engtifdiien, 
italienifc^en, J^oBänbifdEien ©eifteSlebenS , wie eS fi<i i« 
biefem befonberen g'oE im Ber!^äItniS gu einem l^eroor» 
rogenben ©ictiterwerf ouSfbradE). 3lnf eine beutfd}e 
©timme fonnte baS SRogogin tiergid)ten, ba bie ^enn» 
geicE)nung beutfdben ©eifteSlebenS nid}t in feinen Boomen 
gehörte. ©oS SRagagin war eine Diegiftrir» eine ©ammet» 
werfftatt, fein ©ummelj)la^ felbftfdt)ö|)ferifd)er Sonrnaltftif. 
©arin liegt ber funbamentale llnterfd^ieb gwifd^en feinen 
3lnfängen', bie auS einer fdfiarf inS Singe gefaxten, 
energifdi) burdE)gefüI)rlen, feft umgrengten Bbfidjt ent» 
fprangen, nnb feiner mobernen Beriobe, bie mit einem 
notgebrnngenen Homüromi^ gmifjüen ber ©rnbition unb 
ben Slnfofbernngen ber neuen Qeit begann. SlEen Bact)» 
brnef unb aEen wenbete Seljmann gur @rreidt)ung 
beS einen gieleS auf: bie ERagaginirung ber Sitteratur 
beS SluStanbeS fo öoEftänbig wie moglidt) gu machen. 
Sm erften Sal^r fcüon wirb fegtanb, S^ranfreidf), Boten, 
©änemarf, Stalien, tRufetanb, §oEanb, fRorbamerifa, 
©d^weben, Boi'tugal, ©ganien, Oftinbien, SCegggten, 
@ried)entanb, S^lanb gewonnen. SeI)monn felbft überfe^t 
aus fieben .§au|)tf|jrac^'en@uroj)aS; unermüblidt) unb unter 


©dfgoierigfeiten, bie l)eute gu ben Segenben bon ber ©attung 
ber Boftfutf(^e gegäf)(t werben. @S Ijat ein luftfpiel^afteS 
Sntereffe, wie baS f)i^iliftröfe Snterieur ber beutfdien 
gamilienflüde aus bem Slnfange beS Saf)rl)unbertS , gu 
bören, wie Sebmann fi(ü baS Biertelbnnbert anSlänbifcber 
Qeitfcbriften gufammenfndben mu^te, baS er gu feinem 
BJerfe brandbte, wie er allein, oljne jebwebe $ilfe, fie in 
§aft unb ®ile, an ben berfdbiebenften Orten, burcb=’ 
ftöbern unb bie wertboEften, fenngeii^nenbften Slrtifel 
überfe|en mu^te. Unb immer a(^t bis gehn bie Sßodbe 
für fein breimal wocbentlii^ erfdgeinenbeS Blatt, benn 
bie Beiträge auS fremben fiebern waren feiten, unb neben 
ben Slrtifeln noch bie SluSlefe intereffanter fRotigen für 
bie „mannigfaltige" iRübrif. bie fleineren europäi» 
dben Sitteraturen unb bie afiatifeben beburfte Sepmann 
wember §ilfe; l)ioi' treten bon geit gu geit Original» 
artifel auf, bie aber, wie gefagt, faft nur wie fRotbeljelfe 
erfd^einen. ©arunter begegnen wir mand^enBamen, bie 
fpater in ber 3Biffenf(|aft leucfiien foEten ; fo ben Barnen 
Sil^elm ©d^ottS unter ben dtiinefifdljen iRebuen, ©peobor 
ÄinbS unter ben neugriecüifdiien; S- Botermann f(|reibt 
über armenifd^e, Otto SBilmannS nnb Sfune über fan» 
ffritif(üe, Biopniefe über norbif(üe, Bui^fwio über tf(^e(^i» 
fdt)e, Baron bon Sforff über perfifdje, S- S. Sbeler über 
foptifi^e, S- ^ofil über ruffifdje ©egenftänbe ; bon ber 
$agen, bomalS fcf)on berüf)mt, fteEt fidf) oEe Sapr ein» 
mal ein mit einer fummarifdEjen Ueberfid^t über bie 
©ätigfeit ber ®efeEfdt)aft für norbifc^e SlltertumSfunbe, 
einmal audt) mit einer Etebue über probeu(?alif(^e unb 
norbfrangöfifdtie BolfSpoefie. ©od^ baS finb aüeS nur 
gelegentliche SwifchenfäEe; bie $auptfact)e bleibt Seemanns 
gewaltige ©ätigfeit als ©idpter unb Ueberfeher. granf» 
reich unb ©nglanb aber ftehen obenan; fein Söunber — 
benn ihre litterarifche B^'offo übertraf bamalS bie aEer 
anberen Bölfer gufammen. 

©ine gro^e europäifdhe Berfchiebung , ein geiftigeS 
©eplacement, baS fich nicht nur allein auf litterarifchem 
(Sebiete boEgog, fpiegelt fich in i^on erften gehn Sahr» 
gängen bcS „BlagaginS" in überrafchenber ©reue wie» 
ber. ©aS ift ber Uebergang ber geiftigen Borherrfchaft 
bon ©nglano auf g^ranfreich- ©iefer Uebergang boEgog 
fich int bierten Sahtgehnt beS SahvhunbertS in gang 
@uro|)a, guerft in ©eutfchlanb, bann in Stalien nnb gu» 
leht in Boten unb tRufelanb. ©ie Beobachtung biefeS 
SBanbelS berleiht bem ©tubium ber erften SebenSperiobe 
beS BfagaginS einen faft bramatifdhen Beig. Sm Sin» 
fang leuchten bie großen berehrten Barnen Bpron, ©cott, 
©heEeh über bem SRagagin, wie über ber gangen euro» 
päifdhen Sitteratur. Bpron befonberS ift beS SRagaginS 
Slbgott. Sebe Bummer weih etwas BeueS über ben 
fürglich gefaEenen §eroS gu melben, unb aEeS hot ben 
©on bewunbernber Eingebung, ©hoteaubrionb unb 
Beronger treten in tiefen ©dtjatten. ©ie SBorte eng» 
lifdher Staatsmänner ftnben ein lauteS, ja begeifterteS 
©cho; gegen ^ranfreidi) macht fich oitte teife, aber wohl 
merfbare — bieEeicht offigieE geforberte — Berftimmung 
geltenb, bie Berftimmung gegen ben ©rbfeinb unb gegen 
ben Beunruhiger ©uropaS, "ber eben wieber eine Bebo» 
lution gemacht holte- ©iiglanb hot unbeftritten ben 
©hrenplah on ber ©pi^e beS BlotteS. Bon bem Uampf 
ber Bomantifer gegen bie ^loffifer in Boris nimmt boS 
SRogagin anfangs nur gögernb Botig; eS beborgugt in 
fein« SluSwahl ber Slrtifel unb Botigen auS frangöftfehen 
Blättern (bie Revue des deux mondes unb baS Journal 
des Debats werben am meiften herbeigegogen) ein wenig 
bie ßlaffifer, nicht aber entfdhieben genug, um ben Bor» 
Wurf ber Borteilidhfeit gu berbienen unb um nicht fpäter 
gwangloS in bie romantifdhe Sinie einfehwenfen gu fönnen. 

I ©S beröffentlicht eine lahme ©atire BiennetS gegen bie 



107 




Dlomantifer, bod^ auc^ 3SiÖor §itgo^ leibenfc^o^tHcbe 
Entgegnung; nt(^t o^ne Sefiagen aber ^itirt e§ ein in 
Saitfdg unb söogen tier»erfenbe§ Urteil über bie gange 
neuere frangöfifc^e ßitteratur, ba§ bie Ebinburgl) ifteniew 
brad^te, biefetbe 3eüfd)rift, gegen bereu fritifi^en §oci^= 
mut 33i)ron feine wilbe ©atire toSgelaffen j^atte. .^ugo, 
Satgac, @ue, Sanin, Eeorge ©anb, ^aul be iJof n>er= 
ben burd) einanber gert)orfen unb atö ber 3lu§bnnb aller 
geiftigen unb moratifd^en 3Serfommen!^eit, einige at§ t)Qib 
fBtöbfinnige, bei^anbelt. @ie feien angefüüt mit „Ueber= 
treibung, gefuc^tem 3Befen unb ßüge“, fie fudfien bie ge= 
meine SSirfung, neracf)ten bie 28al[)r|eit, fjrebigen eine 
tbrid^te fTOifantljrofiie; fie merben balb uergeffen fein unb 
üon bem fommenben Eefdi)(ed§t nur at§ eine feltfame 
Erinnerung an eine gefeüfc^afttid^e J?ranfi)eit angefei^en 
merben. ®ie geiftige ÜBarte, non ber au§ ber englifdiie 
^ritifer bie frangöfifi^e ßitteratur überfii)aut, fenugeidfmet 
er gteict) gu SCnfang. ma§ ba§ $erg tröftet," 

finbet er in ber ffangöfifd^en S)i^tung ber jungen 0!o= 
mantif, „nicbtö, ma§ bie gefeEfdf)aftlicf)en SJanbe fefter gie!^t; 
fein matirljaft moraUf($e§ Sßerf, meines barauf t)inau§tiefe, 
bie Erunbtage be§ d^riftlidtien ®(aüben§ gu befeftigen, an 
ben fid^ boc^ aEe Eemoijntjeiten, aEe Eefü^le, aEe 
neuere ©itten fnüfifen, unb ber fo niete Etenotutionen 
überlebt ^at." 3^ biefem Sfrtifet mad^t bie Efebaftion 
eine Efnmerfung, bie fnft fdjon bie fonft fieintict) eim 
gehaltene Erenge ber Unparteitic^feit überf(^reitet: „3Bir 
glauben, eine ffeitteilung biefer intereffanten, nur l]ier 
unb ba etma§ feplgreifenben 33emerfung_en um fo meniger 
gurüdpatten gu burfen, at§ biefelben in f^ranfreidp um 
gembpnlidieS Sluffegen unb — ma§ mol boS ©afein 
eines munben f^lecfeS, ben fie getroffen, um fo mepr an= 
beutet — großes Eefdirei in ben öffenttidl)en äHättern 
erregt paben." S)aS mar Enbe 1833. Slber fd)on im 
nädtiften beginnt baS Silb fidp gu änbern. ES er=^ 
fcpeint SulmerS Slpologie auf bie junge frangöfifdpe 
ßitteratur, bereu Eieidptum an genialem EdatureE, er, 
ber ©icpter non größerem 3öoE.m als können, beffer 
nerftanb als feine enggeiftig fritifdpen ßanbsleute, aber 
aud^ neibnoEer empfanb als fie. Einen @d)mal)erguß 
ber „Quartertß Eteniem" gegen bie frangöfifdtie Etonmn» 
bid)tung, ein Elaborat non reinftem bornirtmnglifanifdjien 
3®af^fer, begleitet bie Efebaftion mit einer tabelnben ^n= 
merfuug unb fie neröffentlid)t ©t.^SeuneS Ermiberung, 
ein EJieiftermerf non ßogif, Elnalijfe unb guter ßoune. 
ES mirb ber Eieboftion nii^t leidßt, fidp bie ESorliebe für 
Englanb abgugemöljnen. ES bleibt ißr aber ni(^tS on= 
bereS übrig. Sm Soßre J837 begleitet fie einen neuen 
^urgelbaum ber „Edinburgh Review“, bie alS ben eingig 
beadßtenSmerten ©dßriftfteEer g'nnnfreidßs — ^aul be ifoa 
auSruft unb ißn, mit §ogartß nerglei^enb, befonberS im 
Eegenfaß gu ber „fuolimen 3iw'erei" §ugoS, Eeorge 
©anbS unb iöalgacS als bie EElüte frangöfifdßen 
EeifteS erflart, mit einem erftaunten Eldifetgudfen. 
©eitbem ßat Englanb im „ERagagin" litterarifiß auS» 
gefpiett. ®ie engltfißen _ 3cWfd)i'ififti merben nocß 
ejgerpirt, aber feiten auf litterarifdße ®inge. Englanb 
liefert faft nur nocß etßnograpßifcßeS EJdaterial: Eleife» 
befdjireibungen, ©tatiftifen, ©ißilberungen non ©tabten 
unb ßänbefn; ferner moralifiße Siraftätdßen non epent» 
plarifdßer ßangmeiligfeit. S)er litterarifdße Sieil _ mirb 
immer meßr non g'tunfreidß beftritten, faum baß einmal 
eine Erf(ßeinung mie Eiulmer ober Eliangoni bie Efeiße 
ber frongöfifdien Edamen unterbrid)t. 2)ie frangöfifdie 
Ißreffe liefert baS mertnoEfte EUaterial; aEmölig beftreitet 
fie audß bie Efübrifen Elegßpten, ©fanoinanien, ©panien, 
©übamerifa. 3a, fogar bie 3ußreSüberfi(ßten über bie 
immer fpörlidßer fließenbe englifdie ßitteratur fommen 
aus f^ranfreid; fie finb unparteiifdß, einbringenb unb 


fär Siitcrotur. 


glüngenb, ßeißt ißr Etutor bodß ESiEemain; fpäter freilidß 
nur ißßitarete EßaSleS. Eegen Enbe ber breißiger 
3aßre ftammen gute gmei ©rittet beS gefamten EldateriatS, 
baS baS „EJdagagin" neröffenttidit, aus frangöfifdßen 
öueEen. EBir ßnben aEe tarnen non EEebeutung bei» 
fammen, aEe jene Edamen, melcße in ben breißiger 3aßren 
baS UnterßaltungSbebürfniS, baS ©enfen, bie ©fepfiS, 
ben greißeitSbrang Europas anregten: ©t.»©imou, ßa= 
martine, ^ugo, EeorgeS ©anb, ©t. »Seltne, Salgac, 
Seranger, 3nleS 3anin, EßarteS Edobier, ©umaS, ©ue, 
Eapeßgue, Euigot, ©ßierS, E^lundße, Edifarb, Eltpß. Ifarr, 
Eoglan, Sderß, EEduffet, be Signß, SiEemain, Eidarmier, 
Eourier, ©uigot, Eaffagnac, ©t. EEdarc^ ©irmbin, ©iS» 
monbi, ©t. .^iloire u. f. m. ES ift bie 3ciß mo non 
der frangöfifdßen ßitteratur unb 5ßreffe auS ber ©eift ber 
Etenolutton über bie ßänber Europas flutet, ber in ben 
niergiger Süßre aEer Orten gum EfuSbrudß fommt. Ser» 
fößnung, Ueberbrücfung ber Sölfergegenfäße im ©inne 
einer iffieltlitteratur mar bie Elufgabe, in bereu ©ienft 
baS „EEdagagin" fidß gefteEt ßatte; ben ©eift beS SlufrußrS, 
ber IfriegSbereitfdßaft uadß innen unb außen mußte eS 
miberfpiegeln, eben meil eS ein ©piegel mar. 



Unfm öd)uIi?efot?m. 

3. ©er Ifampf um bie SolfSfEpule. II. 

Sngmifdßen ßaben ßdß bie aufgeregten 3Bogeu beS 
neuen ifulturfampfes im Elbgeorbnetenßaufe ein menig 
geglättet, ©ie ElegierungSnorlage ift in ben ftiEen §afen 
ber IfommiffionSberatung eingelaufen, unb bie ßeiter ber 
ßoßen Solitif finb unter ber §anb eifrig bamit befdßäftigt, 
^ompromiffe gu fdßließen, um bem Entmurf eine EJda» 
joritöt in ben preußifdßen klammern gu ficßern. Som 
29. gum 30. Scmuar fdßeinen fidß bie erften grontoeränbe» 
rungen gmifdßen ber nationalliberalen f^raftion unb ber 
Etegierung üoEgogen gu ßaben. ©on unb Sußalt ber 
©ebatten am 30. 3miuar maren auf beiben ©eiten me» 
fentlidß entgegeiifommenber als oorßer. ©iefe freunblicße 
Slnnäßerung ßat maiuße ©emüter mit ©orgen erfüEt. 
Subeffen ift niißt irgenb eine parlamentarifdße f^raftion 
ber f^aftor, meldßer möglidßermeife bie Etegierung in 
ißrem Seginnen aufßalten mirb, fonbern bie gefamte 
öffentlicße Eideinung in gang ©eutfdßlanb. ©elbft' nufere 
Etegierung mirb oermutlidß gegen ben ©türm ber Ent» 
rüftung, ber gegenmärtig aEe Streife in unferem Sater» 
tanbe oon ben fogialbemofratifcßen bis gu ben gemäßigt 
fonferoatioen burdbrmift, nidßt ' gang gleidßgiltig bleiben 
fönnen. ^Korporationen, ©emeinben, SolfSoerfammlungen 
unb eingelne ßeroorragenbe Eldänner aEer Eticßtiiugen er» 
ßeben marnenb unb broßenb ißre ©timmen. itm bie 
©ogialbemofratie totgufdßlagen , alarmirt bie Etegierung 
bie gefamte Sourgcoifie gegen fidß felbft gum Kampfe. ES 
ftßeint, mir recßuen anSfdließlid) auf Eöuuber uub 3eidßn 
üom §immel, um baS, maS man bie befteßenbe Eßelt» 
orbnung getauft ßat, b. ß. Kapitalismus unb SIdonardßie, 
aufreißt gu erßalten. 

©er Kampf, bem mir entgegenfeßn, mirb, menn bie 
Etegierung feft bleibt, eins ber fpannenbften ©dßaufpiele 
fein, melde unfere an Elufregungen fo reidße 3eü 
bargubieten oermag. 3m Elbgeorbnetenßaufe, unb maßr» 
fdßeinlidß audß im ^errenßaufe, mirb bie Etegierung ben 
©ieg ergmingen fönnen; aber — maS bann? ©teEen 
mir uns oor, mir mären einige 3aßte meiter unb foEten 


108 


mx. 7 


®o8 S^Jagajtn fut: Sütcrotur. 


bereits unter bem neuen ©efe^e leben unb arbeiten. ®ie 
©eifttid^feit mü§te wirftic^ ni(|t aus 3JJenfd^en non g^teif^ 
unb ©tut beftebn, wenn fie ni($t etwas eilet würbe über 
bie 8lufgabe, bie i^r bie leitenben ^erfäntid)feiten guweifen. 
©S gab eine geit, wo man bie beftet)enbe ©efeEfd^aft in 
le^ter §infid^t auf Bajonette, ©übet unb Kanonen [tü^en 
gu müffen glaubte. wiE nidbt behaupten, bafe man 
biefe 3luffaffung gängti(| aufgegeben t)at, aber gef|)roct)en 
wirb gegenwärtig mehr oon einer ibealeren Siaftif gegen 
bie ^Parteien beS UmfturgeS. S)ie f0lenf(^Eeit foE, wenig» 
ftenS in unferem ^Satertanbe, auf tfieologifdiier SaftS 
neugeboren werben, bie ©efeEfdfiaft l^at neue, unb wie 
man tiofft, feftere ©tü^en in ber ©eifttid^feit gefunben. 
©em t)offnungStofen iJranfen wirb nic()t met)r ®tut unb 
©ifen oerfd^rieben, fonbern man ift bereits bei geiftUd^em 
3ufpruct) angetangt; ba liegt ber ©ebanfe nal^, bafe man 
i^m üieEeid^t in furger geit fogar bie te^te Oetung wirb 
geben müffen. 

©ie ©eiftti^feit ift burd^ ben SSolfSfd^utgefe^entwurf 
gut ©rägerin unb §üterin ber SSoIfSmoral geworben, ja 
ber §err _.^ultuSminifter t)at bie ©jifteng jeber onberen 
SKoral oöEig in Slbrebe gefteEt. ©ewi| fann niemanb 
ouS bem Greife leiner ©rfa^rungen t)inauS, aber wer oon 
ber (^rifttid^en SJtorat fo tief buri^brungen ift, ba^ er 
eine anbere gar ni^t anerfennt, ber foEte fidf) bod) am|) 
barüber ftar geworben fein, in wieweit biefe ©^riftenmorat 
fid^ im mobernen ©toat praftifd) oerwirflidfien läfet, unb 
in wieweit fpegieE unfer f)reufeif^er ©taat fdE)on je^t auf 
diriftlid^er 33afiS begrünbet ift. gebenfaES legt ein ©taats» 
wefen, baS mit einer gewiffen ^ßrätenfion d^rifttidö ge» 
nannt wirb, feinen erften ©ienern unb Beamten au(| im 
böc^ften fDZaBe bie ^ftic^t auf, nodi) ©brifti SBorten gu 
banbetn. Seiber ift bie ©rfüEung biefer ^ftidbt feines» 
wegS leicbt. 3SieEeicbt hält einmal ein mutiger ©bwfog 
bem $errn ^ulluSminifter unb feiner fonferoatio»uttra» 
montanen ©efolgfdboft über biefeS ©b^nia einen SSortrag unb 
wählt als Sejt bie Sergprebigt. ©dbon baS alte mofaif^e 
©efeb oerbietet ben Sotfdblag. 9?o(b beute lernen bie 
^inber in ber ©dbute baS fünfte ©ebot: ,,©u foEft nidbt 
töten." ©briftus gebt in feiner g^orberung weiter, er oer» 
bieiet feinem 33ruber amb nur gu gürnen. „2Ber feinem 
^ruber gürnet, ber ift beS ©eri^ts f(bulbig", „@ei wiE» 
fäbrig beinern SBiberfadber, bieweil bu nodb bei ibm auf 
bem fföege bift, auf bafe bidb ber 2Biberfa(ber nidbt ber» 
maleinft überantworte bem Stidbter u. f. w." ©aS finb 
©otteS, baS finb ©brifti ©ebote; waS aber gebietet ber 
dbriftli^e ©taat, ben man mit §ilfe dbriftli(ber 3Koral 
ftüben WiE? ©r fagt: ,,©u foEft auf Sefebl beineS mi» 
litätifdben SSorgefebten betnen 9tä(bften töten, ja, eS fann 
ber gaE eintreten, bap bu oerpflicbtet bift, auf fein 5?om» 
manbo 3Sater unb SEutter niebergufebieben". ©en gröften 
©eit aEer feiner ©innabmen oerwenbet ber dbriftlidbe ©taat 
gur 3lnfcbaffung oon 9Korbinftrumenten unb gur SluSbtl» 
^ng oon 2Jtännern, um fie möglidbft gefdbidt gu machen, 
ihren S^ädbften im IJriege umgubringen. ©briftnS ge» 
bietet: „gdb aber fage eudb, ba^ ihr nicht wiberftreben 
foEt bem liebet; fonbern, fo bir jemanb einen ©Ireidb 
giebt auf beinen rechten Stadfen, bem biete ben anberen 
auch bar", ©o fbriebt ©briftuS — ber moberne ihrifttidb» 
ritterlidbe ©brbegriff, bem muh nufere ©taatSmänner als 
alte SJtititärS unb ©belleute bnlbigen, fpri^t anberS. ©r 
tagt: ,,©o bir jemanb einen ©treidb auf ben rechten 
Saefen giebt, fo warte nicht erft auf ben gweiten, fonbern 
erwibere ben erften fo fchneE olS möglich, jebenfoES aber 
fenbe beinern Siächften einen guten greunb als ^arteE» 
träger, unb räche ben angetanen ©chimpf burdb ein 
paar goE ©ifen ober- eine ^iftolenfuget". ©aS b^ifei 
cbrifllich=rittertiche aJJorat. Unb biefer SBiberfpru^ wäre 
wabrtidb leicht gu befeitigen. ©in 2Bort, ein gebergug einer 


mafegebenben ^i^erfönlidbfcit würbe biefen g^tedf ouf ber 
©bre eines chriftlicben SSolfeS oerfchwinben moeben. ©briftuS 
gebietet: ,,©o jemanb mit bir rechten wiE unb beinen 
Eioef nehmen, bem tafe auch ben ?Jlantet". 9^un liegt bie 
©ache beute wirflich fo. SKiEionen unferer trüber, benen 
Elocf unb aJiantel fehlen, woEen mit benen rechten, bie 
ätödfe unb SJläntel im Ueberflug buben; aber ber chrift» 
liehe ©taat hält fdbübenb feine §anb über bie glücflichen 
33efiher unb fteEt feine geiftlicben unb weltlichen ©iener 
an, um ben ^efiblofen mit .^ilfe einer febr berben Sogif 
flar gu machen, bap fie nidbt boS Eiecbt haben, ihre gtücf» 
lieberen 58rüber an ©brifti 3Borte gu erinnern, ©brifti 
SEßorte buben bie Seit erobert, aber fie buben biefe Sunber 
nur burdb SJtänner ooEbraebt, welche wirflich ben ©Imtben 
im §ergen trugen, ©ie Sorte oermögen nichts, wenn 
ihnen bie ©aten ber ©briften nicht entfprechen. ©eib ihr 
©briften, gut, fo ^eigt eS burdb eure ©aten. Ser aber 
mit ben fog. 23ebürfniffen beS mobernen ©taateS, mit 
feinen guchtbäufern, ©taatS»Sotterien, göEen, Slrfenolen 
unb ^riegSbeeren ^ompromiffe fdb liefet, unb bem ©eift» 
liehen bie ©teEe beS ©dbubmouneS guweift, um feine 
berfönlichen 3Sorrechte unb gntereffen gu fchirmen, ber 
mag ein ©brift im mobernen ©inne fein, ein günger 
©brifti ift er nicht, ©ie SJladbt Sunber gu wirfeu fehlt 
ihm, er ift, wie febr er auch weit ©brifti Sorten umher» 
wirft, nichts mehr als ein tönenbeS ©rg, eine flinaenbe 
©cbeEe. 



Bie iWaftregcIung 5ee ^ecien BoI(öb«l;ne. 

SSom 

9flec^t§anU)alt Kicöarb a^rel^^^g^ 

IL 

gn einem erften Slrtifel bube ich auSgefübrt, welchen 
Unterfdbieb unfer 3SereinSgefefe oom 20. 3Jiärg 1850 gwifeben 
öffentlidben unb bolitifchen Sßereinen macht unb wie 
ber ^oligeibräfebent oon Söerlin einen erften fchweren ©dfelog 
gegen bie ihm oerbofete greie 3SolfS bühne geführt but, 
inbem er beim OberoerwaltungSgericbt ein ©rfenntniS er» 
ftritt, worin bie „fjreie SSolfSbübne" als ein SSerein im 
©inne beS § 2 beS 3SereinSgefefeeS erflärt würbe, als ein 
herein, ber „eine ©inwirtung auf öffentliche 2lngelegen» 
beiten begwedft". 

ßlber man fürhtet niht mit Unreht, bafe bem erften 
©treih halb ber gweite folgen fönnte, bafe baS Urteil beS 
OberoerwaltungSgerihtS bie ^oligeibebörbe ermutigen 
fönnte, in ber ^Befhränfung ber freien 33ül)uen — eS 
banbeit fih nämlich niht um bie „g^reie 93olfSbübne" 
aEein, baffelbe ©hidffal fann auh anberen freien tBübnen 
erblühen — noh einen ©hritt weiter gu geben, biefelben 
für bolitifhe SSereine gu erflären unb ihnen fo burh 
ben ^uSfchlufe beS ©wig»Seiblihen ben ©obeSftofe gu Oer» 
fefeen. ©iefe ©efabr ift in ber ©ot reht nabeliegenb. 
SaS finb „öffentliche" Angelegenheiten? waS finb „poli» 
tifhe" Slngelegenbeiten? ^ein SEenfh ift imftoube, eine 
flare ©heibeiinie gwifhen beiben Gegriffen gu gieben, 
auh f^tn ©erihtSbof but bieS bisher oermodbt. 3Son biefer 
Unterfheibung büngt aber eingig unb aEein bie Ciuali» 
fifation beS betreffenben tBübnenoereinS ab: beim bie 
weitere ©iftinftion beS 3SereinSgefebeS, gwifhen ©Inwir» 
fung auf öffentlihe 3lngelegenbeiten im aEgemeinen unb 
©rörterung politifher ©egniftänbe fpegieE 'in 3Serfamm» 
lungen — biefer weitere llnterfhieb iutereffirt für bie 


7 


SKagflätn für SUieratur. 


109 


33üf)jienüerehie ba ilfre ©tmoirtung ja immer nur 

in ber g^orm bramatifcfier Erörterung in 5£t)eoter'3Ser» 
fammlungen gefd)iel)t. 

5)ie uerf^iebeuften ©eri^tgpfe !^oben fic^ itjre ^öpfe 
gerbroct)en, um bnbiuterpfommeu, ma§ eigentlich ber @e= 
jehgeber cil§ nuterfcheibenbeS iKerfmal 3 roifd)eu „öffeut» 
li^eu" uub „politii^eu" ©egenftänbeu fid) gebodt)t 
Deffentliche Slugelegenl)eiteu foEeu no(h ber SKeimtug be§ 
preu^ifchen 06ertribunal§ alle bie Oefamtheit berühren» 
ben allgemeiuen Slugelegenheiten fein, alfo olIe§, moS über 
ben 9techtl= uub Sntereff euf rei§ ber einzelnen ^riuat» 
perfon hinouSgeht; bounct) ftub Äuuft, SBiffenfdhaft, IRe» 
tigiou, fojiate Sutereffeu, alle ftaattiihen uub gefehlichen 
@iuriä)tuugen — öffeutliihe ?lugelegeuheiteu. ®ie poli» 
tifdhen joOeu geunfferma^eu öffentliche ?lugelegeuheiteu im 
engeren ©iiiüe fein, b. h- berjenige Seil ber lehteren, 
welcher unmittelbar mit bem ©taot in praftif^e 
33e Ziehungen tritt, welcher unmittelbar burih bie Ein» 
richtuugeu be§ @taaie§ geregelt uub geförbert wirb. SRan 
fiept: nach biefen 33egripbeftimmuugen fann jebe S’^'^gc 
allgemeinen Sntereffel jofort einen politifchen Eparafler 
annehmeu, wenn au§ ber Erörterung berfelben praftifcpe 
l^onfeguenjen für bie ftaatliche ©efepgebung oberSSerwal» 
tung gezogen werben. 2)ie allgemeine S)arftefiuug ber fo» 
Sialen Änechifchaft gewiffer SSenölferuugSfchichteu ift eine 
öffentliche Slngelegenheit; bie 23efürwortung ftaatlicher 
3Waüregeln gur Sefeitigung biefer SRi^ftanbe eine poli» 
tifcpe; ba§ ^laibopcr für religiöje S)ulbung uub ©leich» 
berechtigung bewegt fiep auf bem allgemeiuen ©ebiet ber 
öpiülicpen Sntereffen, bie Sefämpfuug antifemitifeper Die» 
formuorfcpläge ober ortpobojer ©chulgefepentwürfe auf bem 
©ebiet ber ^olitif; bie Erneuerung ber l^unft non innen 
heraus ift eine öffeutli^e, bie ftaatlicpe Uuterftüpung ber 
neuereii IJunft eine politifcpe Slngelegenpeit. ®iefe Unter» 
fepeibung flingt tpeoreiifch fepr fepon unb gutreffenb, in 
ber fßrajis aber pat fie faft gar feinen ffiert, ba baS 
Oefentliche unb baS 5ßolitifcpe beftänbig in einanber über» 
gepen. 

®ie „fjreie 93oIfSbüpne" pat nad) ergangener Ent» 
fepeibung beS £)beroerwaltung§gericpt§ befchloffen, bie 9Sor= 
träge über bie aufgufüprenben ©tücfe eingepen §u laffen. 
®iefe DSorträge fugten nalurgemop ben geiftigen Snpalt 
ber betreffeuben SBüpnenbicptungen auS ben gur 3«t iprer 
Entftepung norpanbenen üulturftrömuugeu gu erflären unb 
nermiebeu eS auch niept, ©eitenblicfe gu werfen unb 3lna» 
logien gu giepen auf bie föewegungen ber heutigen Seit, 
hierin, fo füreptet man, fönne bie ^oligei bie Erörterung 
potitifeper ©egenftänbe unb eine ^anbpabe gur Dtnwenbung 
beS § 8 beS SSereinSgefepeS finben. 2öie baS ©efep ein» 
mal ift — iep palte eS für eines ber fplecpteften, bie wir 
haben — bürfte biefe SRapregel wenig ©epup bringen, 
bie DSorträge finb eS niept allein, fonbern oor aüem bie 
®ramen felbft, welcpe bie ©efapr beS § 8 peraufbefcpwören. 
®aS moberne ®rama ift nipt nur mobern wegen ber 
neuen f^orm unb Sepnif, fonbern wefentlip aup wegen 
beS neuen 3upoltS. Sille Pie fogialeu ^^robleme, Welpe 
aus ben SDegiepungeu ber ©efplepter, auS bem DSerpältniS 
non Sinn gu Dieip, non §ocp gu ©ering erwapfen, finb 
„öffentlipe Stugelegenpeiten" im ©iune beS ©efepeS; jebe 
einem ®rnma, welpeS fogiale ffßrobleme beponbelt, gu 
©runbe gelegte Xenbeng fupt mit geiftigen SRitteln ouf 
bie betreffeuben SSerpältuiffe einguwirfen, fupt eine 33er» 
änberuug’ beS beftepenben SufiünbeS perbeigufüpren. 

®äs moberne X>roma wäre nipt baS, woS eS 
fein will, wenn eS nipt fogialreformatorifpe 
Slbfipten pätte. ®ie frangöfifpen ©ramotifer poben 
folange bie uupeilnoüen llonfeguengen ber UnouflöSbar» 
feit ber Epe an bem ©piPfal iprer SSüpnenmenfpen ge» 
geigt, bis bie ©efepgebung fip gur Einführung ber Epe» 


fpeibung beguemte. ®ie nom DRarguiS ffJofa geforberte 
©ebonfenfreibeit ift non ber Süpne in bie SBirflipfeit 
überfept worben. fOienfplipfeit unb ©nlbnng finb nipt 
umfonft non Rotpon bem Suben unb ©alnbin bem ©ara» 
genen geprebigt worben. „®ie ©paubüpne ift mepr olS 
febe onbere öffentlipe Stnftolt beS ©tooteS eine ©pule 
ber proftifpen SBeiSpeit, ein SBegweifer burp baS bürger» 
lipe Seben, ein unfehlbarer ©plüffel gu ben gepeimften 

Sugängeti ber menfcplipen ©eele Epe nop 

Sofepp II. bie fürpterlipe §pber beS frommen paffes 
befämpfte, pflongte bie ©poubüpne DRenfplipfeit unb 
©onftmut in unfer ^erg, bie abfpeulipen ©emälbe peib» 
nifeper ^faffenwut leprten unS DleligionSpap ner» 

meiben DRit ebenfo glüeflipem Erfolg würben 

fip non ber ©paubüpne Stvtümer ber Ergiepung be= 
fämpfen laffen; baS ©tücf ift nop gu poffen, wo biefeS 

merfwürbige Xpema bepanbelt wirb SBenn 

wir eS erlebten, eine SJotionalbüpne gu paben, fo würben 
wir aup eine Station. S5aS fettete ©riepenlanb fo feft 
an einanber? SBaS gog baS DSolf fo unwiberfteplich 
nap feiner Süpne? RiptS anbereS, als ber nater» 
länbifpe Snpalt ber ©tücfe, ber grieepifpe ©eift, baS 
grope überwältigenbe Sntereffe beS ©taateS, ber befferen 
^enfppeit, baS in benfelben atmete." 

klarer unb fpöner alS eS ©piUer in biefen SBorten 
tut, fann man bie Slufgabe ber ©paubüpne auf baS 
Stationafleben einguwirfen, nip; bartnn. Slber leiber: 
jebe 93üpne, bie biefen ibealen S'c^c napftrebt, 
bepanbelt — öffentlipe Slngelegenpeiten; wenn fie 
fpegieü auf ftaatlipe DIeformen bringt, fogar politifpe, — 
unb bamit ift fie ber Sitptfute beS SSereinSgefepeS unter» 
worfen. ®er juriftifpe Ipnmor bringt eS hierbei mit fip, 
bafe ber eingelue ^rioattpeaterleiter non biefer Slrt poligei» 
liper SSeanffiptignng freibleibt: er ift eben fein herein; 
fowie aber meprere gum Setriebe eines ©paufpiel* 
Unternehmens, gleipoiel, ob gu ErwerbSgweefen ober 
nipt, fip gufammentun, — olfo beifpielSweife bie epe» 
maligen ©ogietäre beS „©eutfepen XpeaterS" — bilben 
fie einen Serein unb müffen ftp allen Sefpränfungen 
eines folpen unterwerfen. 

Sp jage alfo : ®ie ©renge gwifpen öffentlipen unb 
politifpen Slngelegenpeitcu ift fo wenig beftimmt, boß 
bie ,,gici6 SolfSbüpne" trop ber Sefeitigung ber 
Sorträge leipt fpon wegen beS EparafterS ber aufgu= 
füprenben ©ramen in bie ©efopr fommen fann, für 
einen politifpen Serein erflärt gu werben, ba jebe 
Sepanblung fogialer S^ragen im ^inblicf auf beftepenbe 
ftaatlipe Serpältniffe nach einmal beftepenben Snter» 
pretation beS SereiuSgefepeS eine politifpe Erörterung 
ift. ©er SegirfSauSfpup alS erfte Snftang pat feinergeit 
ben Soligeipröfibenten gnr Slufpebung ber Verfügung, 
welpe bie „greie SolSbüpne" für einen öffentlipen 
Secein erftärte, öerurteilt. DRan merft bem Urteil beS 
SegirfSauSfpuffeS baS löblipe Seftreben au, bie unflaren 
Segripbeftimmungen beS SereiuSgefepeS gu flären unb 
gu begrengen. ©ie erfte Suftang pielt nur eine birefte 
unb unmittelbare Ein wirf ung auf öpntlipe Slngele» 
genpeiten für erpeblip, ber fßoligeipräfibent bagegeit 
meinte, bafe man aup mittelbar unb inbireft einwirfen 
fönne, inbem man bie Siifpülter unb Sipör^i^ für 
gewiffe Sorfteüungen unb Slnfpauungeu gewinne, bie fie 
bann gur Diiptfpnur ipreS Raubeins mapen follen. 
©aS DberoerwaliungSgeript fpeint ben ©lanbpuuft beS 
Sräfibenteu fip gu eigen gemapt gu paben, ba eS 
opne SeweiSaufnapme bie Sflage beS Dr. aßiHe 

abgewiefen pat. 

Sntereffant finb bie SluSfüprungen ber beflagten 
Sepörbe, burp welpe fie bie Einwirfung auf bic 
©eifteSriptuug ber SRitglieber ber „f^veien SolfSbupne" 



!Rr. 7 


®as S^lagaätn ffit Sittctato. 


borgittim fu(^t: »ceit eilt iRebner gefögt I)at, bte brama« 
i\\^t l^unft ber ©egemuart folle ber Seit einen ©b^gsl 
üorMlten — ober weit ein onberer gejagt !^at, bie SBabr» 
l^eit unb @eredt)tigfeit fotle gnr ©arfteÜung gebradjit 
werben, bo§ 3SoIf foKe aufgeflärt unb mit wol^ren 
SebenSintereffen oertrout gemad^t werben — weil ein 
2>ritter barouf |inwie§, boß bie ^Snnft ben SRenfdjen git 
großen Xaten begeiftern jolte — weil ber bei Dr. 2ßiEe§ 
Vortrag über ben „SSotföfreunb" onwejenbe ^otigift ben 
@inbru(f geWonn, e§ fei bem iRebner mel)r auf eine 
abfällige ^ritil ber l^eutigen politifdtien Suftänbe, al§ auf 
eine Sjeeinfluffung be§ Äunftgefct)ma(fe§ feiner Sw5)ö^er 
angelommen — weil Dr. ^ral)in (aud^ ein ©ogial» 
bemofrat!) au§ „Kabale unb Siebe" bie Hoffnung 
I)erteitete, bö^ auct) bie S^ü oierten ©tanbeä etnft 
fommen werbe, wie oor 100 Snl)ren bie S^ü 
brüten — au§ biefen unb äl)nlict)en Kenterungen, ferner 
au§ ber 333atl ber aufgefu^rten ©tücfe unb au§ ber 
5ßerfönlic^feit ber 3Sorftanb§mitglieber leitet ber ißoligeü 
|)räfibent bie Kbfidfit l)er, auf „offentlid^e Kngelegenljeifen 
einguwirfen". ©er Umftanb, bat Steferent au§ 
f^ulbag „SSerlornem 5ßarabie§" ben Sel)rfat gog, bie 
Krbeit fei bie aKeinige öueEe alle§ @egen§, erfdiieint 
ber Seborbe b^<^)fi üerbäd)tig, ba „jener ©ajb eine beut« 
lic^e Stegugnabme auf baä fogiatbemofrotifdbe 5ßartei« 
:programm »errate". 

Sn foldben @f)i|finbi^feilen wirb eine 3Serwaltung 
gegwungen, wenn man bie §anbbabung eines ©efe^eS 
»on ibr »erlangt, welches ebenfo unflar im ^uSbrutf, 
wie f^äbli(^ unb freibeitSfeinblicb in feinem Snbolt ift. 
@S entwidfelt ficb bto baffelbe ©cbaufpiel, welches wir 
»or @rtat beS ©ogialiftengefe^eS bei ber 23el}anblung ber 
©ogialbemofratie burd) ^otigei unb ©toatSanwalt erlebt 
haben, SO^tan benubte alle bie IJautf^ufbeftimmungen 
beS 3?ereinSgefe'beS , um biefer geiftigen Bewegung gu 
Seihe gu geben. ÜRan tat nicht oHein ber ©ogial« 
bemofratie, fonbern andb bem ©efe^e Swong an. ©inen 
SSorgug b^ii ©ogialiftengefel wenigftenS gehabt: 
es h»l llnterbrüifung einer .beftimmten »olitifchen 
5ßarlei ftar unb auSbrüdlich olS feinen Swetf hingeftellt. 
®aS ift immer noch beffer als bie SRethobe »or 1878, 
bie buri^ ungleii^e Knwenbung eines allgemeinen 
©efeheS ben gleichen S>»ftf P erreidfen irachtete. SSürbe 
baS ©ogioliftengefeh hciü^ beftehen, fo hätte ber 
$oligeihröfibent, »orauSgefeht, bat f^i»e Behauptungen 
über bte „Sreie BolfSbithne" tatjächlii^ gutreffenb finb, 
biefelbe einfach »'iih § ^ ölS fogialbemofratifdljen SSerein 
»erbieten fonnen. §eute »erfudht man ber Speien BolfSbühne 
auf bem Umwege beS 33ereinSgefeheS ©dhwierigfeiten gu 
bereiten — ein 3?organg, ber aEerbingS weniger ber 
auSführenben Sehörbe, als ber äRangelhaftigfeii biefeS 
längft tobeSreifen ©efeljeS gnm SSorwu'rf gu machen ift. 

©S wirb nach allen SSorgüngen ber lehten Seü nichts 
anbereS übrig bleiben, als baS 5£hecüerwefen, einfchlietlich 
ber Strogen ber ilongeffionirung, berSenfur, ber ©teHung 
ber freien SJühnen u. f. w. einer felbftänbigen gefehlichen 
Dlegelung gu unterwerfen, womöglich »on iReichSwegen, 
bnmit enblich einmal bem unerträglichen iRaffeln beS 
©chleppfäbelS im Bereiche ber Ibunft ein ©nbe gemocht 
werbe. 



2(U0 @>oet^ef(|en ®^eatet?*^ften. *) 

5!JJitgeieirt “oon 
Barl €mü jfranso^» 


I. 

((Sdilufe.) 

fRach ©rhalt biefeS Briefes, ber baS ©aftfpiel fidherte, 
gin^ ©oetl)e an bie SeftfteHung beS ElepertoireS. ©S ift 
gewit für bie ftrenge Orbnung, aber ouch für bie 58iel* 
thretberei, bie an ber weimarifdhen SBühne herrfchte, be« 
geichnenb, bat ©oethe auch bie Berhanblungen mit ^irmS 
f^dhriftlidh betrieb, obwol er ben 3Rann faft täglich fah 
unb fproch- Suttäf^fl fülKe^ er an ihn: 

SSegen het ©aftroHen bon §errn unb S^ab. 
tuoEte id) folgenben ^orfrf)(ag t^uu. 

Don Juan 

fönnte man geben menn Dem. iSagemann bie (SJefäHigfeü pite 
bie (^Ibire 5u übernehmen, (Bpii^chtx ben Se^joreü nnb ^aU 
lolmi ben @eift fbielte. 

Johanna bon H)Zontfancon 

lie^ man bi§ ba^in einlernen, gäbe bie ber Johanna 
ber Dem. Welche gnleht geharnifiht fiih gang gut 

an^nehmen mürbe, man gäbe aber ba§ ©tüd gnm erftenmale 
mit S^ab. §a^Iöd^. 

gür §r. §a^Iad^ fännte man ben Snfanten beftimmen 
bieüeii^t liefe man S 3 enba einmal ben ^abageno mad^en nnb 
\o fönnte bie ganberflöte amh gegeben merben. 

SSieKeidit finbet fii^ no(h ma§ beffereg. 

Söenn aüe§ mahl ermagen ift, miü ich ön 

§errn §afeladh anffe^en. 

SBeimar, am 18 . %pxil 1800 . Goethe. 

SBie man fieht, hwlt fidh ©oetl)e ftreng an bie 3Sor= 
fdhläge ^atlochS. ®ie Biogartfche Dper, welche am 

3ü. Snnuar 1792 guerft aufgeführt worben war, hotte 
früher 34 Sßieberhotungen erlebt, gehörte alfo gu ben 
§auptftühen beS ^Repertoires ; währenb ber ©efamtgeit ber 
©oethefdhen ©ireftion würbe fie an 68 Slbenben gegeben, 
alfo nur »on ber „Souberflöte" on Sohl öer Slufführungen 
(82) übertroffen, ©ie le^te SBieberholung »or bem ©oft« 
fpiel hotte om 2. fRooember 1799 ftattgefunben. ©ie 
»onftänbige fReubefehung wor baburdh nötig geworben, 
weil SBeprouch bis bohin ben SeporeKo, feine grau bie 
©l»ire gefungen hotte. — ^ohebtteS ©chaufpiel ,,3o« 
hanna »on äRontfaucon", war, wie ouch ouS ©oetheS 
Brief erfichtlich, bis bapin in SBeimar nicht aufgeführt 
worben, ©ie ©emoifette ©aSperS, welcher noch ©»etheS 
Slnficht ber ^arnifch gut ftehen würbe, wor wol bie 
ältere ber beiben ©chaufpielertnnen biefeS 3RomenS, bie 
bamalS (feit wenigen SBodhen) in SSeimar wirften. 

©ie ^leinlichfeit ber Berhältniffe, mit benen ©oethe 
gu ringen hotte, wirb burdh bie folgenben ©egenbemer« 
lungen »on ^irmS fepr onf^aulich iEuftrirt: 

SBenn ®on Suott, 3oh<uino ben SHoittfaucoit unb bte 
gauberftöte beut §ct;rn unb SKabont ©ahIo4 50 ©aftroffen 
0ugeftanbcn Würben, fo fragt fich§ Wobt guerft, too§ fott ihr 


*) ®er in 31untnter 5 abgebruiJte erfte fleit biefeS Stuffa^eS 
Weift teiber, ba bie itorretturen beS StutorS burch ein t8erfel)en un« 
auSgefübrt blieben, einige finnftörenbe gebier auf, bie wir int 
golgenben ridbtig ftetten. ©oetbe bat bie Sbeaterleitung unter 
„IKüben unb ®ef(b Werben" gefitbrt, unb baS ©cbitffal beS SlrcbibS 
fann „ftaunen nt a eben". 3lucb finb bie nun bon ©upban bearbeiteten 
SWaterialien uicbt „bor SBeibnaebten hörigen SabreS", fonbern bor 
SBeibnaebten 1890 aufgefunben Worben, unb ebenfo bat ber Stribib« 
bireftor Dr. Ißurlbarbt tut ®egentber 1890 borüber geitagt, bap biefe 
SWateriatieu nicht Wieber gunt Ißorfcbein geiotntnen. Sn bem 
erjten ©riefe bon §a|locb an ®oetbe feplt in bemSape: „. . . als 
Wir bbffcw uns babureb einen 3Beg bahnen" bor „bahnen" baä 
SBort „gu"» 



7 


fut Slttetate. 


111 


^onorartum fe^n, unb a\i\ ixja^ für Uxi föü ba§ (^elb bagu 
geüjonnen ü)erben? 

geü)öl^nlic^em ^bonnemettt fann man btefe SSor^* 
fteüungen nid^t geben, ü)enigften§ nid^t aüe, fonft fann man 
nid^t anf bte haften fommen. ^5)ie So^anna müfete aüenfaE^ 
im 3fbönnement boran^gel^en, mn^te am gre^tag ben 16. S)^at) 
gegeben merben; (Sonnabenb ben 17. 1)^ab fönnie bte 3auber=* 
flöte, (Sonntag ben 18. ®on Suan fe^n, benn loenn man 
be^be le^tere Opern Suspendu geben miü, fo mn^ e§ an 
biefen bepben ^agen gefcpepen, fonft nimmt man nid^t^ ein. 

3Benn nun Söpanna bon El^ontfaucon einftubiert merben 
foEte, fo mü^te SO^acbetp prüdf gefcpoben merben, ^em. 
per§ mü^te aber bie ^opanna etnftubiern unb bie groben 
mit abmarten. SSieEeii^t ift £)em. ^anitfcp in ber ©Ibire ein=* 
ftnbiert: id^ bermutpe e§, bann märe btefe Oper, menn 
map! §r. ^paltenpof bep biefer ©elegenpeit ben ^on ^uan 
einftubierte, $r. Spipeber aber ben SeporeEo nbernäpme, 
mieber im ®ange. ^on ber Sagemann fönnte man bie Uebers* 
nepmung ber ^Ibire nicpt berlangen: nur müfete man fie, im 
gaE e§ mit ber Sanitfdp fdpief ginge, barum bitten. H)?it 
§errn ^enba al§ ^apageno mü^te man borlieb nepmen. 

33epbe ^ufammen mürben in obgebadpten 3 (Stüdfen 
4 9ioEen liefern. SSieEeii^t tpäten fie e§ für 16 (^arolin^ 
bi§ 20. 

3u jener 3^^i E)irb mödpentlidp nur 2 mapl gefpielt, ha^ 
per man ben Hldontag, ^Dienftag, SP^itmodp unb ^Donner^tag 
5 u groben anmenben foEte. ^er ^ourtag am Sonntag 
mü§te unter biefen Umftänben megfaEen. 

g. 

SBä^tenb ®oetI)e 6 e 5 Ügti(^ ber §ö^e beS §onoror§ 
fein Sebenfen ^at — unb tatfäc^Uc^ ift ja bie f^orbe» 
rung, ba bie SReifefoften mit itibegriffen [inb, für ein be= 
fannte§ ^ünftlerpaar aud^ ncid^ bem äRafeftab jener 3 rit 
feine befctieibene — , fitest e§ ^irm§ öor adern um ein 
©rittet ober boef) wenigftenS um ein @e(^ftel gu fd^mö» 
lern. 3 l 6 er audb 16 ober 20 ©arotin finb feines @r= 
odjtenS — unb oermutticb ^tte er ^edE)t — nur bonn 
bereingubringen, wenn man bie beiben Opern an ben 
bej^ten ©peater=9tbenben ber SBodpe, einem ©onnabenb unb 
«Sonntag, unb gwar mit aufgehobenem Stbonnement, 
gäbe. ^Im^ ma(^t er auf einige oon ®oethe nicht oor» 
gefehene ^efehungSfdhwierigfeiten aufmerffam; bie be» 
fonbere iftücffidhtnahme auf ®em. Sugemann, oon ber man 
bie „Stoire" nidht oerlangen, fonbern nur, wenn eine 
anbere Sängerin oerfage, erbitten müffe, ift nidht ohne 
pifanten SSeigefdhmaa — hß^belt eS fiih bo(^ um bie 
mächtige ^reunbin beS §ergogS! ©em. Sonitfdh war 
wot eine bamats engagirte, aber nodh nidht angelangte 
Sängerin; in bem oon ^aSgue gufammengefteHten 3Rit= 
glieber=3SergeichniS finbet fich ihr fRome nicht. Unter 
„fröaebeth" ift bie Schillerfche Bearbeitung ber 2!ragöbie 
gu oerftehen. 

©oethe loar fonft finangieHen Bebenfen nicht ungu» 
gänglid) unb felbft ein guter iftedhner; mit 3ftedht rühmt 
ihm Burfharbt in feiner fleißigen Sdhrift*) nach, bafe „er 
eS oerftanb, unter aden Umftänben mit ben gegebenen 
Berhältniffen gu re&nen. (£r h«il meifterlich fertig 
gebradht, oafe, foweit nodh redhnerifdhe ©runblagen für 
bie Beurteilung feiner ©ätigfeit oorliegen, nie ein ©e» 
figit in feiner Berwaltung obwaltete, felbft nidht unter 
Berhältniffen, welAe bie ^uflöfung beS 35ßeimorer ©h^’ 
aterS — nadh ber «Schladht bei Sena — befürdhten liefen. 
Sn ben meiften f^äden bedien bie ©innahmen auch bie 3tuS^ 


*) ®o§ Btepertoire be§ toeitnarifc^en Sleaterä unter ©oet^e^ 
Bettung 1791—1817. Sßearfieitet unb berauSgegeben tum Dr. ®. 

§. Surtbarbt. Hamburg unb Setpäig. Seopolb S3op 1871. — ®ie 
tuepertoire^älngaben ber obigen ©arftellung finb gleitbfalts biejer 
©cbrlft .entnommen. 


gaben; baS ißluS minberte bie ^ofeS 

ab, ber aber audh ebenfo bereitwidig bie urfprüngli(^ 
normirten Beiträge anfchlagSmä^ig erl)öhte, nicht aber 
etwa hinterher fidh herauSftedenbe ©efigits beefte. §err» 
fdhenb war baS gerobe umgefehrte Berfahren, weldieS 
|ept bei ©heateroerwaltungen üblich ifi-" Stuf ein fo 
bereitwidigeS ©ingehen aber 5tirmS auch (>61 ©oethe be= 
güglidh ad feiner finangteden Bebenfen rechnen fonnte, 
bieSmal erjdhien bem ©idhter ein §erabbrüaen beS ,§o» 
norarS nidpt ftatthaft unb biefen ^unft beantwortete er 
ablehnenb. Sm übrigen gab er — wol münblidh, eine 
fdhriftliche Berftänbigung liegt wenigfteiiS nidht oor — 
ben Borfdhlägen begüglicp ber Sluphi'itwt^löge feine 8 m 
ftimmung, unb beauftragte ÄirmS, bie ^uftimmung beS 
§ofeS gum 5tuSfad beS ©ourtagS einguholen. Sluch be* 
harrte er habet, ba^ „SRacbeth" nicht oertagt unb baS 
^fopebuefche Sdhaufpiel gleidhwol einftubirt werben müffe. 

9lu§ bem fchrtftli^en Berichte beS J?ammerratS 
fönnen wir erfehen, wie fich ftedte. ©ie 

8 uftimmung beS §ofeS hoHe ein; bie 5tufführungS^ 
tage ber beiben Opern würben feftgefept. Slber gegen 
bte „Sohanna oon SRontfaucon" gab er ben SBiberftanb 
nidht auf; er berief fi^ auf bie „SBödhner", bie 9ie= 
giffeure, bereu Uebergeugung gufolge baS Stüc! neben 
bem „SRacbeth" nicht geleiftet werben fönne, unb be= 
tonte, bap bos Sdhaufpiel auch grope „©epenfen" für 
SluSftattung machen werbe, ©er für baS gange Ber=> 
hältnis gwifjhen ©ireftor unb fröitbireftor fepr chorafte« 
riftifdhe Bericht lautet in jenen Steden, welche ftdh auf 
©heaterfadhen begiehen: 

©ereniffima finb e§ gufriebcu, bap ciumabl ein C^ouetag 
ouSfalle. 

SKenn om 10. HUat) SKacBet^ fepn foll, fo loirb Sobnnna 
non SKontfoucon nic^t geliefert toerben tonnen, fagen bie 
SSäoepner, Inenn auep ß«orbemonn bie 3tüUe be§ SSop üBer^ 
nälfme. ®ie ®epenfen, Ineicbe bie ®ecorationeS unb ^tlei» 
bungS«@tüife gu biefer SSorfteKung erforberien, mürben nietet 
eingcBraC^t merben. SBeftepen ®m. §ocpmoptgeB, ouf biefem 
©tuet, fo tonnte ej ben Mtmoep naebper, als ben 21. SWal) 
fobann ©onnaBenb ben 24. bie QauBerftöte unb ©onntog ben 
23. ®on Suan gegeben merben. 

®ie Sßefebung fotbaner Öpern mirb mabrf^cinlieb ftott 
haben tonnen. 

SSietCeiebt mäbtte ficb S>1. .^aptoeb ein anber ©tuet. 

ipring griebricb tömmt iü ber nädbften 3Bocbe pieber, bo 
mirb nton boeb mobl 33abarb berlongen, unb bonn märe mott 
auch ben 2ten $bcil i'ct Abonnenten loS: icb bo^c ibu Bober 
gum ©ounobenb ongefebt. 

Säenn bie Sonitfeb niebt beftimmt einireffen follte, fo 
müpte mon ouf eine Oper gum 3ten 3Rob beuten, meicbe Za» 
rore fepn tonnte. §r. IBenbo müpte boper borerft ben SBife.* 
romo bornebmen. 

„Baparb", baS feinergeit oiel aufgeführte Sdhaufpiel 
oon Äopebue, würbe erft am 5. ^pril 1800 gum erften 
3Rale gegeben, „©arare" war eine Oper oon «Salieri. 

©oethe beharrte ouf feinem SBiden: 24 ©arolin unb 
bie „Sohonna". Sn biefem Sinne biftirte er einen Brief 
an §a^lodh, ben ^trmS geidhnen fodte. ©er Begleitbrief 
an ^irmS, ben Wartung in einem ^rioatbruef 
(„©ini^e Briefe oon ©oetpe." Seipgig 1879. S. 7) guerft 
mitgeteilt pot, beweift übrigens, bo^ ©oetpe bereits onf 
ein weiteres fRodpgeben Oorbereitet war; er fenbe „oor» 
läuftg baS ^ongept eines Briefes"; baSfelbe rönne „oiel» 
leidpt noch geänbert werben". 

^irmS erwiberte: 

S3er Bonbtog mirb om ©onntog ©ontote, ben 11. 3Wob 
eröffnet. ©S märe oifo febön, menn om ©onnobenb borper, 
mo bie Sonbftänbe einfreffen, SKoebetb febn tonnte. 


112 


mx. 7 


H)^agaäin für^:iiliteratur. 


£)iefe§ Stüif xtpeiitie man am 14. 3}^alj, gäöe am ©onn^^ 
aöenb ben 17. SP^a^ So^^anna bmt H)Zontfauccm im 51bonne- 
ment. (Sonntag bie Suspendu; bieCteicbt norf) 

ein Stücf am iD^ontag nnb am BP^itmod) ®on Snan. ' 

^ocl^ biefeg lie^ M tegnliren. ^ 

Unter biefen Umftänben fönnten §a^Iod}§ gni IG. BP^atj 
t}ier eintreffen. 

BPian mü^te nun in beljUegenbem Briefe e^ bal)in ab^* 
änbern, ba^ man ifpien nic^t für jebe einzelne B^tode, fonbern 
für 4 BSorftelUmgen, (fie mö(^ten nnn barinnen eine ober 2 
dioden füielen) 24 :^oni§b’or geben mürbe. 

BSon Soijanna fagte man, fie fei) nod) nid)t einftnbiert, 
man mode aber berfnc^en, ob fie nod) einjtnbiert merben 
fönne — bielteic^t. 

©oet^e krücffict)tigte alle biefe S^orfc^Iöge, »te au§ 
fülgenber befinitiüer Raffung be§ ömt ibm biftirten, bann 
eigenbönbig buri^fonigirten S5riefe§ bei'öorgel)t: 

Btn ®r. $a^loi^ nad) Gaffel, 

BSon (Seiten fürfil. ^f)eater l^omiff. acceptirt man 
mertl§efter §err ^a^od), Sfire Offerte nnb mirb mit BSer^ 
gnügen für hier Bleüräfentationen bie berlangten 24 grie^ 
brid)§b’or entrid)ten. 

(£§ mirb nn§ angenehm fel)n Sie entmeber gu ^nbe ber 
Bßod^e (i:antate ober 51 t Blnfang ber Bßocbe Biogate gn felgen. 

BBa^ bie Stüde betrifft fo mirb ^on ^tan nnb bie 
ganberpte eingnri^ten fet)n. Sol^anna bon BPiontfancon fann 
biedeid^t bi§ bortfiin nod^ einftnbiert merben. 

B3et) Sper Btnfnnft mirb fld) überl§an|)t ba§ Biä^ere be^ 
ftimmen laffen. 

^er §err ®el)eimbe Biat^ bon @ötl^e trögt mir, an Sie 
nnb : 5 pe mertl^e Gattin, biete (^mbfe^lnngen auf. 

Btn ©etegenbeit bie intereffanten ^erfonen unfere^ (i^irfelg 
femten 3 U lernen fod e§ Spen nii^t fehlen. 

^n ^opung balbiger näherer B3efanntfchaft f)dbe id) bie 
^l)t’e mid) gu untergeid^nen 

®ero 

ergebenfter 

Bßeimar am 23. Blp 1800. 

2ßie man fielet: ber non ^irm§ norgef(^Iagene Seit» 
punft nnb ^onorar»2Kobu§, fotnie ba§ einfcpvänfenbe 
„nieUei(^t". ©igenfinnig alfo mar ©oettje aui^ in %t)e= 
aterfad^en ni(^t, fofern e§ fid§ nidjt um prinzipielles 
panbelte. 

Sludp begüglid^ ber „Sopanna" gab er fcplie^Iicp 
nadp; boS ©tüif mürbe norläufig nidpt einftubirt unb 
i[t er[t am 24. Dftober 1804 ouf ber meimarifdpen 
35üpne erfdpienen. 

®ie „ifteprüfentationen", bei bcnen baS Äaffeler 
S^ünftlerpar mitmirfte, maren bie folgenben: 

27. 3Kai 1800. „®ie iftäuber." PJab. §afeiocp — 

CIY" w» /** Y -r /V 7 / 


to 

oo 

• 

„ 1800. 

„®on guan." $r. §a§lodp 

— „®Ült 



guan". P7ab. ^afelocp — 

„®onna 



änna". 


3). 

„ 1800. 

„SauPerpte." §r. .^a^lodp 

— ,,®a» 



mino". P7ab. §aülodp — 

„J^önigin 



ber Pacpt". 



@S mürben aifo f(pließlicp bocp nur brei Por» 
fteEungen, aber fünf iRoIIen. Sti bem panbfcpriftlidpen 
Perzei(üniS ber ©aftfpiele nnter ©oetpeS ©ireftion, 
meldieS paSgue abbrutft, finbel fid) febem ber ©aftfpieie 
ein furgeS Urteil beigefügt. §err ^a^lodp erpielt bie 
Pote: „Pran", feine grau; „©ut“. 


Del' f4)lefif(t)c Ibebettaufftanb in Di4>tnng unb 

mirfU4)feit 

äSmi 

IP iUt I s I V. 

P>er über ©cptefienS Sanb ober 13eute fdprieb, fonnte 
bis nor fürgem bei gebitbeten Sefern nur bie eine Slotfacpe 
olS allgemein befannt norauSfepen, bafe auf ©(ülefienS 
33ergen ein Söein möcpft, beu nur ein geborener ©dplefier 
trinfen fann. Ungunertäffig, mic bie meiften Slnfdpauungen, 
bereu eingige öuefle baS ^ommerSbitcp ift, genügte biefe 
Kenntnis bocp, beu geitgeuöffifcpen ^ilbungSbrang inbegug 
auf bie gröfte, ^ aber utei git öftlidpe Proning beS preufeif(pen 
©taateS gu befriebigen, bis baS fcplimme ©rntejapr 1890 
peranfam unb bie §unger5cpreie aus beu fcplefifdpen SSergen 
bitrdp gang ®eütfd}lanb fcpallteu. ®ie SSefanntfdpaft mit 
fdptefifcpen SSerpoltniffeu mitrbe bamalS in betröcptiicpem 
Umfange ermeitert,, man erfupr, ba& eS in ©cplefien ein 
©uleug'ebirge gäbe unb fonnte auS Slnbeutungen befonberS 
gut unterrtcpteter 53lätter fogar entnepmen, bap biefeS mit 
bem aitefengebirge uiib mit bem ©taper ©ebirge, meld)e 
ebenfalls in ©cplefien liegen, nicpt ibentifcp ift, unb mau 
erfupr ferner, bop auf all biefen ieplefifcpen Sßergen Seute 
mopiien, raelcpe frop mären,, menn fie beu auf ©^(efienS 
Pergen mact;ifenben 2Beiu git trinfen befämeii. ®iefe jept 
beinape gmei gapre alte intime Pefanntf(paft beS gebil» 
beten ScüungSleferS mit bem 2Beberlanb ©dplefienS pat 
nun fettfamermeife bem PerftönbniS beS neuen ©dpau» 
fpieleS oon ©erpart .^auptmann: „®ie SSeber" mepr 
gefcpobet als geuüpt. S)aS gept fo gu. Diaep ber Slngobe 
beS ©icpterS füllen bie Pegebenpeiten beS ©tüdfeS iu'ben 
oiergiger Sapren fpieleu. aSenn ein asaprpeitsfanatifer mie 
^auptmann baS auSbrücflicp oerfirpert, fo foEte mau eS 
ipm auf fein epvliepeS ©eficpt pin glauben. ®er Scitio>!l§“ 
lefer aber ift gu gut unterricptet unb fagt baper: „®aS 
mit beu üiergiget gapren ift eine ginte, um beu ©toff 
meniger oerfängliip erfcpeinen gu laffen unb um bie Poligei 
gu berupigen. gn 2Bgprpeit ift eS ein moberneS ©tücf 
nnb fpielt im gapre 1890. ®aS meip idp am beften, ber 
icp bainolS bie SeitungSberiepte gelefen pabe, beiten ber 
®icpter aüe ©cpitöerungen beS SßeberlanbeS entnommen 
pat." — 

aSürbe boS ©tüd in beu oiergiger gapren fpieleu, 
fo müpte audp ber ©eift ber oiergiger gapre barin mepeit, 
ber politifcp=reoüliilionäre, oormärglicpe ©eift, ber g. P. 
aus bem ^einefcpen ©ebidpte: „®ie SBeber" fpficpt. tpaupt» 
mannS ®eber aber fpre^en unb panbelit nicpt mie 9lcpt» 
unboiergiger, fonbern mie moberne Proletarier, bie aWarp 
unb ©ngelS gelefen paben. ©olcpe llrteile pabe i(^ mepr» 
facp gepört unb audp gebrudft gelefen, unb icp fann fie 
begreifen; beim um genau gu miffen, mie falfcp fie fiiib, 
nui^ man ein geborener ©cplefier fein. . 

©erpart ^auptmaim aber ift nicpt nur ein geborener 
©cplefier, fonbern aucp ber Patpfoinme einer 2öeber» 
familie. ©ein ©ropooter nocp mebte tägliiü gmölf ©tmibeii 
unb pungerte täglicp oieritiibgmangig ©tunben, mie eS 
gerecpter fcplefifiper PJeberbraud) feit mepr olS punbert 
gapren ift. ©einen Urfprung pat ^aupttnann nie oer» 
geffen, unb im llnaben fdpoii ermacpte bie ©epnfudpt, bo^ 
ein ©Ott ipm geben möge, gu fagen, maS im gangen Um» 
freiS beS füilefifdpen ©ebirgeS bie ®aufenbe litten, bie in 
iprer £luat oerftummt maren, terftummt maren feit beu 
guiiitagen beS gapreS 1844, ba bie l^unbe üon mierpörten 
®ingen, bie im ©ulengebirge gefcpepen maren, oon 
ftÖrung unb plünberung unb glintenf^üffen, burdp ©eutfcp» 
lanb flog, gn einer punbertjäprigen §ungertragöbie mar 
bieS ber' eingige fKomeiit, in melcpem bie leibenben per» 
fonen aucp einmal panbelnb auftraten, unb als ©ramatifer 


7 


®o§ SWni^aäin für SUieraiur. 


113 


t)on bem ^miblung »erioitgt wirb, l^at §auptuiaim bie[eu 
einen 3D?oment erfaßt. 

@ut war e§ ben fd^Iefif($en SBeberu nie gegangen, 
auc| nidfit in ben Seiten ber gröften ®iüte ber jc^lefifc|en 
Seineninbuftrie unter S^riebricf) bem ®ro^en, at§ biefe 
nodt) bie erfte Snbuftrie be§ t^reufeifctjen ©taate§ war unb 
atte Söiärfte ber Söett be^errf^te. ®enn biefe Stüte baute 
fi(^ auf ben §ungerlöbnen ober, wie man fic^ eupbemiftifc^ 
au§brü(fte, ouf ber ©enügfamfeit ber fc^iefifctfen 3Beber 
auf. SBie jebe auf ber niebrigften (Stufe ber Seben§l)cii= 
tung fte^enbe 33ebötferung§fc^id)t litten bie Sföeber 9^ot, 
jo oft bie ©rnte fc^te^t au§fiel unb bie ißreife ber Seben§= 
mittel ftiegen. 2Benn bie fRot gu grofe würbe, erlfietten 
fie Unterftu^ung oon ben 33et)örben, unb oudt) bie preit« 
|ifd)eit Könige oon g^riebrid) bem ©rofeen bi§ gu g’ricbritf) 
^il^etm IV. haben oft herjönlicE) gur ©teueruiig ber 
Säebernot beigetragen. Slber bie öffenttid)e SReinung be» 
gann erft im Sa^re 1844 fi(^ mit ihnen gu befdhäfttgen. 
©inige ^rtifel, wetdhe breStauer Seituogen über ihre iteiben 
bradhten, erregten mit einem «Schlage ba§ gröfte Sluffehen 
in gang ®eutf(hlanb, unb balb war bie SiageSpreffe ooH 
oon (Sdhilberungeu ber 3Seberuot. ©in S^i^ca ber ba= 
maligen ©rregitng ift ba§ g«r^iligrathfche ®ebidht: „91u§ 
bem fchlefifdien ©ebirge", ba§ im S^rühling 1844 in (St. 
@oar entftanb, wie überhaupt in ber äHjeiuprooing bie 
Seilnahme für (Schienen befouberS lebhaft war. 3n 33re§tau 
bilbete fidh fia S^erein gur llnterftühuug ber SBeber, an 
beffen ©pihe ©uftao S’^ehlacj, ©taf S>hvhn, ©raf gort 
unb ©raf Stelen ftanben, währeub ber Dberprüfibent oon 
©chlefien, ÜRertfel, ber ber SReinung war, baß ein iRot= 
ftanb nii^t ejiftire, bie 93eteiligung ablehute. ®ie Stegie» 
ritng flellte fich auf ben (Stanbpuutt StcerefeB, erflörte 
einen fRolftanb für nidhl oorhanben unb mißbilligte bie 
Sätigfeit ber SSereine, bie biefem fRotftonbe fteuern wollten, 
f^riebrid) üBilhelm IV. iubeffeu unterftühte biefe oon feiner 
fRegierung getabelten 3Sereine perfönlich mit ©elbbeitrögeu. 
®a§ gröfte ISerbienft, ba§ ber breSlouer fßerein fii^ erworb, 
war, baß er feinen ©efretär, fRegierungSaffeffor ©epneer, 
beauftragte, eine ©tatiftif ber ftjotleibenbeu aufgunehmeut 
©epneer pat gegen 50 S)örfer unb Heinere ©tübte in ben 
353ebergegenben befuept unb bie ©rgebniffe feiner Semüp» 
ungen'in einer IBrofdpüre: „lieber bie fRot ber Seinem 
Weber, 1844" oeröffenllicpt, bereu Seftüre allen benen 
empfohlen werben fann, bie ba§ ^auptmannfepe ©cpau= 
fpiel auf feine piftorifepe Sreue pin prüfen wolleu. flia^ 
(SepneerS ©epilberungen gab e§ in ben meiften Orten, bie 
er befuepte, feine Krämer mepr, beim bie Sente befaßen 
fein ©elb, etwas gu fanfen ; auf ber ©tfaße fpielten feine 
Äinber, fie mußten ben ©Itern bei ber 9lrbeit helfen, 
©elbft baS ©ebett ber §unbe, baS fonft in feinem S)orfe 
feplt, ertönte hier ni(jpt; mau patte bie treuen ©öepter als 
wiflfommene fitaprung oergeprt. Sie Käufer waren niept 
feiten palb oerfallen, oft fehlte ipnen fetbft ber ©;porn» 
ftein, unb ber fRamp fndpte bnrep ein Suftlocp feinen 9luS= 
weg. ©eit fieben unb mepr Sapren patten oiele ber 
3lrmen fein ^leibungSftüd mepr fanfen fönnen, bie ^inber 
gingen teitweife gang natft. Sn ipren Sumpen fcpämten 
fiep bie Sente gür Üirepe gu gepen. ®a bie Kartoffeln 
mehrmals mißraten waren, beftanb bie tögliipe fRaprung 
aus ben fogenannten wilben (^iep=) Kartoffeln unb bem 
fonft gu 3Siepfutter oerwenbeten (acpwargmepl. 
fopen bie meiften g'iwiilien nie. ©in 67 Sapre alter 
äßeber ergäplte ©ipneer mit f^reubentränen, baß gu feinem 
©lüd in ber fRäpe gwei ^ferbe frepirt feien, bie tpm unb 
ben ©einen eine ©peife geboten. 3Siete ®eber 

oergeprten ouS junger bie faure ftinfenbe ©dplicpte. ©ine 
t^amilie pot in ber jfot ein ©tütf 3Srob gegeffen, baS fie 
einem ölten Srouip gufolge feeps Sopre oorper bei ber 
§0(pgeit im .&aufe oerftedt patte. ®S mag übrigens pier 


bemerft werben, boß ber §ungertpppnS, ber brei Sapre 
fpftter fo oerpeereub in ©djlefien wütete, bamalS noep niipt 
anSgebro(pen war. Smmerpin war bie Sage troftloS 
genug, um bie ©reigniffe begreiflidp gu maipen, bie fidp 
im Suni in ben ®örfern ^^eterSwalbou unb Sangenbielau 
im ©ulengebirge obfpielten. ®ie fRot war gwar in biefen 
®örfern niipt größer als in ben anbern Orten beS fiple» 
fifipen ©ebtrgeS, gnm Seit fogar geringer als in ben 
Seinenweberorteu beS fRiefengebirgeS; aber eine ber ©e= 
mütSart beS fcplefifipen 3BeberS fonft frembe ©rbitternng 
patte fiep, bnrep meprere befonbere Urfadpen peroorgerufen, 
ber 9Beber beS ©ulengebirgeS, bie pauptfad)lid) ^aum= 
woRenweber waren unb oon ©roßinbuftrießen befipöftigt 
würben, bemüiptigt. fRomentlicp waren eS willfürli^e 
Sopnperobfepungen unb 9lbgüge unter allerlei SSorwönben, 
bie in ber S^lt fcpWerften fRotftanbeS hoppelt erbitternb 
wirfen mußten, unb unter oßen gd'&idlonlc« war bie 
S’itma Swangiger unb ©öpne in ^eterswalban wegen 
iprer .(pärte om meiften gepaßt. Sn ©d;müpreben unb 
®ropungen, bie oon SRimb gu SRunbe gingen, patte fiep 
biefer §aß fipon feit längerer Seit Suft gemaept, olS plöp» 
liep ein Sieb auftauepte, baS in ungelenfen unb holprigen, 
aber bem ^erftänbniS beS einfachen SRanneS genau ange» 
paßten fReimen fo erfüllt war oon wilber SSergweißung 
unb fo erfepütternbe Söne ber 9lnflage fanb, baß mon 
aiKp heute noep beim ®nrcplefeu begreift, wie eS imftonbe 
war, einen fonft gutmütigen ÜRenfcpäifdilog gum Sleußerften 
gu bringen. ®oS SSerbienft, biefeS ©eberlieb auS bem 
ßtftenftanbe anSgegraben gn paben, gebüprt Sllfreb Stwmer» 
monn, beffen trefflidpeS ©erf: „35lüte unb SSerfall beS 
fcplefifipen SeinengewerbeS", fept in neuem ©ewonbe er= 
fipieuen ift unb poffentlicp bie 3Serbreitnng ßnben wirb, 
bie eS oerbient, ©ingelne 9Serfe beS giemliip langen Siebes 
mögen pier folgen: 

§ier int Ort ift ein ®eri(pt, 

SBeit fd^Iintmer als bie iße^nten, 

SBo man niipt erft ein Urteil fprid^t, 

(Das Seben fd^nett ju nehmen. 

§ier toirb ber 3Kenf(5 langfam geqnätt, 

$ier ift bie golterfammer, 

|)ier merben ©enfger biet gegäptt, 

^tS Sangen bon bent Santmer. 

®ie Herren gmanjiger bie Center finb, : 

®ie (Dierig iore (acbergen, 

®abon ein jeber tapfer fc|inbt, 

Slnftatt toaS berbergen. 

S^r ©c^urfen alt, i^r ©atanSbrut, 

Spr pEifeben ®önione, 

Spb frept ber Slrmen §ab nnb @nt 
Unb glud) toirb enct) pm Sopne. 

SP feib bie OneEe aEer 3tot 
®ie pier ben Strmen brütfet, 

Spr fetb’S, bie ipm boS troitene 33rob 
(Eoip bon bem ÜKunbe rüdet. 

aSaS tümmert’S en^, ob arme ßeut’ 

Startoffetn fatt tönn’ effen, 

S®enn iljr nur fönnt p jeber Seit 
®en beften ©raten freffen. 

iltun bente man fidj biefe Ütot 
Unb (glenb biefer Ermen, 

3u oft teinen ©tffen ©rot, 

Sft ba§ niefjt jum ürbnrmen! 

(Erbarmen, pa! ein fcpön ©efüpt, 

(£ucp S!annibnlen frembe, 

©in jebe§ fennt ftpon ;ner Siet, 

’© ift ber Ermen §ant unb §embe. 

®aS Sieb, nadp beffen ißerfaffer niemanb fragte, flog 
bnrep alle ©ePerpütten. 91m 3 Snni 1844 gog ein 
^aufe oon ©ebern unter 9lbfingung beS Siebes ou Swon» 
gigerS ©taPliffement oorüber. 

Sente greifen unb übergab ipn ber ßSoligei. 9lm folgenben 



il4 


®aS Stagojin füt Biiterato. 


9^r. 7 


S^age 50 g »üieber ein §aufe öor ba§ §ait§, watf mit 
(Steinen bie g^enfter ein unb brang in bie ©eböube. 
gmangiger unb feine Sente flüi^teten. Sie ©ingebrimgenen 
begannen fofort aKe§ wag fie norfanben 31 t gerf(ftlagen 
unb gu gerftören. S)er ^oligeiberwefer würbe bei feinem 
Sßerfu(i^e, Drbnung git f(|affen, , uerwnnbet. ®er f)erbei» 
get)oIte Sanbrat üerfmi^te uergebeng, bie Sente nom 3p 
ftöntnggwerfe abgut^alten, man t)örte if)n ntl)ig unb l)öf» 
lidf) an, aber gerftörte weiter. ®em Sanbrat blieb nid^tg 
übrig, al§ 3)7ilitör au§ ©(i^weibni^ git reguiriren. Slnt 
fDJorgen beg folgenben ®ageg gegen bie Seber, etwa brei» 
Üunbert Sliann ftarf, -nact) Sangenbielou, einem ®orfe bon 
etwa 10000 ©inwobnern, weld}'e gum großen ®eile fiel) ben 
^etergwalbauern anfc^loffen. ^br bag 

dtabliffement ber 3 ’wwa $ilbert unb Slnbrebfi, nnb brang 
in bag §aug, bag bon ©rnnb aitg berwiiftet würbe, bann 
würbe bie f^'bbrif bon 3 ’- ®iwig gerftört. 31tg bie SBeber 
[i^ ■ ber ®ierigfd}en Sacqitarbweberei gugewenbet 
ijatten, rüiften gerabe 2 gompagnieen Infanterie mig 
(Sc^weibni^ ein. @ine Slufforberung fi^ gu gerflreuen, 
würbe bott ben SBebern berla^t. ®er gölpr ber ®rup» 
pen, ein 3)dajor, ließ über bie Hopfe ber SBeber feuern, 
wag bon biefen mit einem ©teinpagel erwibert würbe. 
5 ltun feuerten bie Gruppen frparf unb berwunbeten unb. 
töteten eine Slngapl Singreifer, ©in heftigerer ©teinpagel 
war bie Slntwort, unb naep mepreren Salben, burep weltjpe 
bie SBeber niept eingefipinptert würben, entfeploß fiep ber 
Sröajor gum 3tü(fgug. SSon ben SBebern waren 11 5ßer» 
fonen getötet unb 20 berwunbet, bon ben ©olbaten gwei 
Ünteroffigiere unb ein ©emeiner bur(p Steinwürfe berlept. 
simp bem Stbgng ber Solbaten würbe no(p bie 2B. ®ie»; 
rigfipe gabrif gerftört, unb bamit patte ber SöePeraufftanb 
fo giemlicp fein ©nbe errei(pt. Sltg am Slbenb beg 5. Snni 
ein SBataiEou Infanterie im reidpenbaeper Hreife eingog, 
begegneten bie Gruppen feinem ^iberftanbe mepr. 33innen 
wenigen ®agen war bie Drbnung bollftanbig wieberper» 
gefteüt. ®ie IRabetgfüprer würben berpnftet, SO^perfonen 
würben gu längeren f^eftuugg» unb Sneptpaugfirafen berurteilt. 

®ag ift in furgen 3 ngen bie @ef(picl}te beg Sßeberauf» 
ruprg im Sapre 1844. ®og Sluffepen, bag er erregte, 
war um fo größer, olg fi(p bie Oeßentlicpfeit unmittelbar 
oorper mit ber Slot ber SKeber befepäftigt patte unb nun 
in ben filacpriipten aug bem ©ulengebirg'e eine Seftätigung 
ber fdptimmfteii S^itnnggberi^te fnp. ®ag fOlitleib über» 
wog baper ' giemlicp allgemein bie ©ntrüftiing. ®ie Die» 
gierung aber, bie ben S3erftcperungen beg Oberpräfibenten 
oon (Siplefien, baß ein Siotftanb niept epiftire, ©tauben 
gef^enft patte, gtanbte in iprer SSeftürgung gunädpft, baß 
bie SBeber bur(p gepeime reuolutionäre nnb fogialiftifcpe I 
Slgitatoren oerfüprt feien unb fanbte gu weiteren ^aep» 
forf^ungen ben ^oligeirat ®mufer nub ben 9ieferenbar 
Stieber ing fdplefif(|e ©ebirge. Slber bie S^atfaepen ergaben 
nidpt ben geringften Stnpalt für biefe SSermutung, unb fo 
mußte fi(p aßmätig and) bie Siegierung baoou übergeugen, 
baß ber ^eberaitfrupr mit politifcp=reuolntionäreu, fogia» 
liftifepen ober fommuniftifepen Slnfdpauungen nieptg gu tun 
patte. ®rei Sapre fpäter fam biefe Uebergeugung in ber 
erften ^errenfurie beg erften oereinigfen Sanbtagg gum 
öffentliäen Slngbrucf. S'ürft Sicpnowgfp ftellte bamatg 
einen Slntrag auf tKeoifioit beg SSereinggoßtarifg, ben er 
pauptfädptiep mit ber Sdotlage ber Seineninbuflrie be= 
grünbete, ©r fam auf ben SBeberaufftanb gu fpreepen 
unb äußerte: „97icpt fommuniftifdpe Sbeen, nein, bie 
bitterfte Slot pat bie SBeber gu Slugfepreitungen oeranlaßt. 
So lange fie fatt gu effen gepabt, paben Slnfwiegler bei 
ipnen nie ©epör gefunben." gür ben Stntrag traten mit 
5Bärme ein ^ring SBilpetm, ber fpätere erfte beutfipe 
Haifer, unb ©raf Scpaffgotfdp aug ^armbrunn, ber bie 
Sßeberüerpältniffe genau fannte. 


®ie Hunbe oon ber ©mpörung ber fdplefifdpen SBeber 
brang big naep ^arig unb begeifterle ^einriep §eine gu 
feinem befannten büftern ©emälbe ber pungernben SBeber: 

„Stn büfteni toge feine 5^räne, 

<aie fi^en am 2öebftu§I nnb ffetfe^en bie 
^eutfc|lanb, mir meben bein £eid)entud^, 

2öir meben fjinein ben breifai^en 
Söir meben, mir meben." 

©g folgt nun ber breifadpe ©rfteng ,,bem 

©öpen, gu bem roir gebeten, in SBintergfälte unb §ung,erg» 
nöten", gweiteng: „bem Hönig, bem Hönig ber 9iei(pen, 
ben nufer ©lenb niept fonnte erweiepen" unb britteng: 
„bem falfdpen SSaterlanbe, wo nur gebeipen Sdpmaep unb 
(Sdpanbe". ®iefeg ©ebidpt ift mit ber roffinirteften Hunft 
auggearbeitet, jeber SSerg ein ®olcpftoß, unb boep: wenn 
biefeg §einefcpe SBebertieb ftott beg unbepolfenen, aber aug 
ber S^olfgfeele geborenen eepten SBeberliebeg im Suni 1844 
in ben ®örfern beg ©ulengebirgeg oerbreitet worben wäre, 
bann wäre fein Stein na$ 3w<iii3i9£r^ §aufe, eper noijp 
einer naep bem §aupte beg ®i(pterg gezogen. SBag bie 
pungernben SBeber gut SSergweiflung' trieb, bag §aupt« 
motio beg Slufruprg, bie §ärte unb ber Uebermut ber 
gabrifanten angefieptg ber 9iot ber SBeber, erwäpnt §eine 
überpaupt nidpt, unb wag ipm bie §auptfadpe ift, ber 
breifadfe f$tucp gegen ©ott, Hönig unb 58aterlanb, bag 
pätten ipm unter 100 SBebeni nodp nidpt 10 nadpgefprodpen, 
felbft nidpt nadp bem 3nftttiunenftoß mit ben Solbaten. 
SSor aßem niept bie ©ottegläfterung, benn bie SBeber waren 
fromme Sente unb finb eg peute noep. ®ag pat ber 
®icpter beg eepten SBeberliebeg auep gewußt unb fing be» 
nupl, wag fotgenbe SSerfe feineg Siebeg bewetfen: 

€), euer Selb unb euer @ut 
®a§ tDwb bereiuft öergepen, 

Sic 33utter au ber ©ouue @Iut, 

Sie luirb’g um euc^ bann fiepen? 

Senn ipr bereiuft nodp biefer geit, 
eurem greubeutefieu, 

®ort, bort iu jener lätoigteii ■ : ; , ■ 

©ollt Sieipenfcpaft abgeben. , , . 

®ütf) pa! fie glauben {einen (Sott, 
i)tocp meber §btt noep §immel, 

^Religion ift nur ipr ©pott, 

§alt fiep an§ Seltgetümmel. 

©benfo wenig paben bie SBeber jemalg iprem Hönig 
geftmpt, wogu fie audp feine S 3 eranlaffung patten, ba aße 
preußifepen Hönige mit ipren Spmpatpien auf Seiten ber 
SBeber ftauben, unb ber ©ebaufe, baß fdplefifcpe Seber 
iprem 33 aterlanbe flucpen fönnten, ift bag feltfamfte, wog 
bie ibeäle ®icptfunft femalg peroorgebraept ' pat. ifein 
SKenfep pängt fo an ber Heimat, wie ber f(plefifdpe SBeber. 
©g wäre beffer für ipn, wenn eg nidjt ber f^aß wäre, 
beim bie §eimat fann ipn niept ernäpren. 

Sliept reoolutionäre, oormärgliipe Strömungen, niept 
fogioliftif(pe Slgitationen paben bie ©mpörung im ©ulen» 
gebirge ergeugt, fonbern ber junger ber Slrmen, bie,.^ärle 
ber Sleicpen unb ein einfmpeg Sieb. So liegen bie ®inge, 
erfennbor für feben, ber fie in ben ongefüprten Slücpern 
nadpfdplogen wiß, unb fo pat fie §auptmann erfannt, alg 
er in ben .Jütten ber alten SBeber unb in ben Sliblif)» 
tpefen noep ipren Spuren fudpte. ®arum fpredpen feine 
SBeber niipt wie Slcptunboiergiger, aber fie fpredpen eben» 
fowenig wie Seide, bie fKarp nnb ©ngelg gelefen; fie 
fpredpen bie einfaepe Spradpe beg §ungerg unb ber SSer» 
gweiflung, wie fie gu oßen 3«itoi Orten ge» 

fproiipen würbe, oon ben Sflaoen beg Spartaeug wie oon 
ben föauern beg arwien Honrob. Sfur baß biefe Spradpe 
im fdptefifdpen SBeberbioleft gong feltfam flingt, bemütig» 
oergagf no^ in ber pödpften SSergweiflung, oerwunbert unb 
an ber eigenen ©jifteng gweifelnb in ber pöipften SBut. 
Hloffenbewufte moberne Ißrotetarier, bie fOfarj unb ©ngelg 



7 


SKagajln für Sitterate. 


115 


gelefen Ijakn, müffen lad^en üBer ba§ 33eginneii ber 
353eber, bie _ in bem etnselnen g^abrifanten ilfren S^ittb 
felgen, ftatt in ber Be[tei)enben (SefeEfd^oftSorbniing. §anpt» 
mann§ SBeber aber finb bumme Äerle, bie gar nic^t wiffen, 
wa§ ©efellfdfiaftöorbnung ift; fie wiffen nur, bog fie 51 t 
§au§ fein Srot gaben unb ber g^abrifant ignen unge» 
redgte Sognobgüge ntadgi unb feine ^Beamten fie grob an» 
fogren unb oergögnen. S)a§ treibt fie gnr (Gewalttat, nicgt 
ba§ 5?taffenbenmftfein be§ Proletariats. 9 lnS inbioi« 
bneEem Seib unb inbioibueller ©ranfamfeit wirb feine 
Partei nnb fein ©gftem für fidg nitgbringenbe Siegeln 
ableiten fönnen; nur bie 9Jlenf(gen fönnen bie olle Segre 
barauS giegen: §abt Plitleib mit ben ltnglüffli(gen. 

©aS ift bie eingige ©enbeng beS ^augtmonnfcgen 
©tüffeS. 3 m übrigen ift e§ eine erf^ütternbe, in febem 
Sttge wogrgeitSgetreue ©arfteEung gi|torifeger ^Begehen« 
geiten. wügte bager nicgt, warum bie genfur bie 
Sluffügrnng nid)t geftatten foEte. Slufreigenb fönnte eS 
gödgftenS auf fcgtefifdge Söeber wirfen, wetdge feilen inS 
©geater fommen. 



©in SB i n t e r m ö r dg e n. 

SSon 

l^ennann ^uöenitann. 

(8h:)eite gortfe^ung.) 


IV. 

Unb wieber gegen 3agre bogin. 

©in Slbenb warS gur geit beS ^arneoal, unb bie 
SBelt — bie SBelt, bie mit bem S3aron beginnt 
unb mit bem SSörfenfobber enbet — lieg fidg 00 m S?er» 
gnügen tragen, wie ein Fettauge oon ber Srüge. 

SBer ficg nidgt am Poben wölgte, oon bem ergüglte 
man gögnifcg, er fönne nicgt feft auf ben SSeinen gegen. 

©S gab Seute in meiner fjreunbfcgaft, bie feit breigig 
Slbenben nur am SKorgen gu ©ett gefommen waren, 
©nnige fdgliefen nur nocg, wenn ein SSirtuofe oon SBeltruf 
bie SJinfif bagu modgte unb anbere, wägrenb fie auf bem 
SBege oom ©iner gum ©ouger in einer ©rofd)fe fagen. — 

SBenn brei SDfenfcgen fidg trafen, fo flagte ber erfte 
über Sleroengerrüttung, ber gweite über Plogenfatarrg unb 
ber brüte über beibeS. 

©0 fegr amügrte man pcg. 

3 d) natürlidg mit. 

©ie Ugr ging auf eins. 3 cg fag im ^affeegaufe, 
jenem berügmten tafeegoufe, oon bem bie oerfannten 
©enieS ergäglen, bag in igm baS gentrum aEeS geiftigen 
Gebens gu gnben fei. — 5 fein 0rt ber ©rbe foEe gleidg 
igm gebonfenförbernb auf ben ©eninS wirfen. 

©odg feltfom! SKoc^te idg midg nodg fo totenburftig 
in beg rotfamtnen Polftern umgerfielen, no^ fo fdgaffenS» 
freubig fJinedgamgagneS bogu trinfen, ber ©ebonfe, ber 
ungegeure, aEerlöfenbe, woEte nidgt fommen. 

Slucg geilte nidgt. ^eute weniger beim je. — SSor 
meinen Slugen taugen rötlidge l?rei|e, nnb in ben Slbern 
gömmert eS wie beginnenbeS lieber. 3ft’§ ein SBunber? 
Sludg idg fonn midg faum megr auf bie geit befinnen, ba 
idg gum legten SOfale auSgefdglafen gäbe. Pleine Siber 
emgorgugeben, foftet midg Slrbeit. ©ie §anb, bie fraft» 
genialifdg in ben §oaren wüglen wiE — 0 ^! biefe 
§oare fongen an fegr bünn gu werben! — finft wie ge» 
lügmt gerab. — 


Siber geimgegen borf idg nicgt. f^rau ©isbetg — 
wir nennen fie ^ran ©isbetg, wir SunggejeEen, wenn igr 
SKann nidgt babei ift, — eS ift bequemer fo — f^rau 

©isbetg gat mi^ gerbefteEt SBoEte um Plitternacgt 

mit igrem Spanne „oom ©iner geimfegrenber SBeife" gier 
anfgreigen, um mit mir bie Ueberrafdgungen gu oerob» 
reben, bie idg gu igrem g^efte arrangiren foE. — 

©in wenig anfpruigSooE bie fleine, füge g^rou — 
ober bie SBelt fagt, bag idg fie liebe. Unb um bie SBelt 
nicgt Sügen gu ftrafen, madgt man gern einen §onSwurft 
aus fidg. 

Um midg ger flutet ber EJlenfdgenftrom. — SBie gwei 
enblofe ^fetten, bie in entgegengefegten Sticgtungen arbeiten, 
fo winben bie ^ommenben unb ©egenben fidg aneinanber 
oorüber — ©anbieS in fofetten pelgen, ben Sglinber oer» 
wegen in bie ©tim gebrüdft, ben ©pogierftotf fenfrecgt 
in ber ©eitentafdge au'fgepflangt — ©amen ber elegonten 
©efeEfdgaft in weigfeibenen, fcgwanbeföumten Ueberwürfen, 
bie Singen in lüfterner fUeugier unter ben fpanifcgen 
©dgleiern geroorlemgtenb — oEinSgefamt oon 3^eften geim» 
fommenb. 

©agwifdgen brüdfen fidg Pögmöbdgen, oon irgenb einem 
SufoESoeregrer giergergefcgleppt, in f off eebraunen , mit 
^nötigen burdgmufterten Plöntein, bie fgon obgetragen 
figienen, als fie im Plagogine fertig gefauft würben; — 
— ©omen, oon jener ©attung, bie mon nur unter ©önfe» 
fügcgen „©amen" nennt, in riefengrogen Slembronbtgüten 
mit ©imiti » ©leinen unb gerriffenem 5fleiberfmtm, on 
welcgem ©cglamm nodg oon ber gängt, ba eS 

gum legten SHole taute — — ©tubenten, bie fidg oom 
©egn beraufdgen woEen, Zünftler, bereu Sluge fidg er» 
nüdgtern wiE — 3eitungSfcgreiber, bie in ben auSgegöngten 
binnen ©epefdgengetleln ben ©toff gu einem Seitartifel 
fuigen — 33ogemienS unb S3ummler jeglidgen ©tanbeS, 
Plufterproben falfdger SBürbe unb ebenfo folfiger SBürbe» 
lofigfeit — — oEeS wogt bort bunt burdgeinonber , ber 
Plummenfdgang , ben bie SBeltftabt jagrüber mit ficg ouf» 
fügrt. — 

©in g^tunb tritt gu mir geran, einer oon ben brei» 
gunbert 33nfenfreunben, mit benen idg bie neueften Plifofdg» 
wtge auSgnwedgfeln pflege, — fagl, übernödgtigt, wage» 
redgte Slnngeln ouf ber ©tirn, bie SBrauen wie oon 
einem 5frampf golb in bie §öge gegogen, — Wie wir 
oEe. — 

„©ie — warum gat man ©ie geftern bei PlegerS 
nidgt gefegen?" beginnt er. 

„SBar wo onberS eingeloben." 

„SSo benn?" 

Sdg mug midg ein paar ©efunben lang befinnen, bis 
icg ben Pamen wieberfinbe. „Deltrem memoriae“ gaben 
wir oEe. 

„3öjöjö," ruft er, „foE ja pompös gewefen fein — 
fomofe SBeiber . . . unb ber 5ferl — ber — ber 3ebqnfen» 
lefer unb bie ©ingS ba, bie — bie ©embridg . .. jö, jö, 
bo müffen ©ie micg mal ein— füg— reu, jö/' 

Unb bie Steine oon fidg ftredfenb, lögt er fidg neben 
midg auf boS polfter iiieberfaEen. 

©in ©dgweigen entftegt. Plein Pufenfieunb unb idg 
goben uns nidgtS megr gu fagen. 

©r gat eine gigarelte in Pranb geftedft unb be» 
fdgöftigt fidg bamit, bie weiglidgen SBolfen, bie er burdg 
bie Slafe onSftögt, mit bem Plunbe wieber eingufangen. 
©iefe Slrbeit fdgeint feinen ©eift ooEfommen gu befriebigeii. 

3 dg für meinen ©eil ftarre gur ©edle empor, bort» 
gin wo in wagnfinnigen ^rabeSfen golbene ©dglongen» 
leiber fi^ burdg Pofenfetten winben. ©er aufgeblofene 
Pomp beleibigt mein Sluge. — 3dg lag eS weiter wan» 
bern — on bem ^rgftoElüftre oorüber, beffen greEer ©lang 
' ©piele oon regenbogenfarbenen Pligen in bie SBeite wirft 



116 


■®a§ SKngoäin für SÜlctatm:. 


^x. 7 


— vorüber an ben buntbemalten eilern, bereu ©djaft 
in itilienblältern ftecft mie ein IDtarterpfal^I im ^teifi^e. 

S)rüben an ber SBanb, bereu @efim§ eine Meil)e non 
J^re§lobiIbern trögt, bleibt er l)öngen. 

@etand)t in bie ?^arbenglnt be§ fübli(^en §immel§ 
fdjauen bie l^onluren einer fd>önl)eit§trnnfenen Sfit fiege§= 
ftdjer 31t mir nieber. Ilm bie ftarre ^rac^t be§ marmor» 
neu @emöner§ fc^lingt fici^ ber weiche glu^ gro^liniger 
©eroönber. 

@in römifdicS ©aftmal. — 91 oieiibefrön 3 te ülfönner 
ruben auf inbifcfjen ^potftern, golbene ©(^alen in ber 

81 ect)ten fcl)wingenb 5 föeiber, löctielnb in aUgemöljren^ 

ber S'lafftbeit, fanern 311 ihren f^üfeen ein Saccbanten« 

reigen mit Raunen nnb Kantern, ben trnnfenen d^an in 
ber SRitte, [türmt burd) bie tpforte, nnb braunböutige 
©flaninnen, SeoparbenfeEe um bie §üften gefditnnge'n, 

madien bie SDZnfif bo3n. Unter ihnen eine, bie 

mich beim erften 33 li(fe ben gan3en SBuft ringsum nergeffen 
löfet. — ®en gläu3enb [traljfen Sieib oerftohten gegen eine 
©önle lehnenb, hodt fie non SJiübigfeit halb 3ufammen= 
gesogen ba nnb blöft 3ioifd}en höngenben Sippen mechaniich 
bie S)oppelpfeife, bie ihren erfcfilafften §önben 31t ent» 
fallen broht. — 3hi'e SSangen finb gelb nnb abgemagert, 
ihre Singen halb nerglaft, bod) auf ber ©tirne tronen 
Smei §errfcherfalten, nnb um ben [(hlaffen Miinb h^ntm 
fiht wie nerfteinert ein Söcheln beS Rohnes. 

„ 3 Ber mag fie fein? SBoher .mag fie fommen?" frag 
Ich ittich, ba fühl ich fiaen bnmpfen ©chlag auf meiner 
©(hnlter. 

IDlein . 33 nfenfreunb ift eingefihlnmmert nnb hat fich 
meinen Selb alS 31 ul).efiffen auSgefucht. 

,,©ie!" fchrei ich il)» an — fein 31 ame will mir 
.augenblidlid) nid)t einfallen, — „gehn @ie nad) §anfe! 

T gehn @ie fihlafen!" ■ 

. @r . fährt empor nnb fteht mir mit fdjwimmenben 
Singen inS Oeficht. 

, „SKeinen ©ie.etwa — mich?" ftammelt er, „ber SSih 
iS jnt!" Unb im nöchften Slngenblide fängt er 311 fchnar» 
djen an. — 

= . 3ch öerbed ihn, fo gut e§ get]t, mit meinem breiten 
Slüden, beuge miih über baS glihernbe Shfrfäaiichen, baS 
■oor mir fteljt, unb laffe.mir bie aromatifchen SBolfen fanft 
pricfelnb um bie SJafe ftreichen. 

®S wäre Sät, bafe fie fäme, bie fleine f^rnii, wenn 
idh, ihren ©äften SJinfif machen fofl. 

®aS braune SBeib brühen auf bem S 3 ilbe fäOt mir ein. 
Sch fihlage bie Singen auf. §err beS §immelS, wa§ 
ift baS? 

^ochanfgeridjtet in ber neroigen f^ülle ihres fungen 
SeibeS fteht fie ba, pre^t bie geballten f^äufte nor bie 
©tirn nnb ftarrt mit glühenben äugen 31t mir nieber. 

Unb bann fihleubert fie bie gloten in weitem Slogen 
non fi(h nnb ruft mit gellenbem Sluffchrei: 

„Sih ai(ht mehr — ich, nicht!" 

©0 freifcht nur ber ©flaue auf im Slngenblicf, ba er 
fich bie [Freiheit errungen hat. 

„Um ©otteSwillen', SBeib, was tuft bn?" ruf ich ihr 
3U. „SKan wirb bid) töten! — ®en wilben 2 !ieren 
wirft bn uorgeworfen werben!". 

aWit einer ©eberbe uoE @fel nnb S^eradjtnng weift 
fie um fich- • , 

®a erft feh id)’S: Sille finb fie in ©chlaf gefnnfen. S)ie 
SKänner liegen mit offenen IDt'änlern noch hinten über» 
geworfen, in ber §anb noch bie Sirinffchalen, anS beneii 
ber SBein in golbigen ^laSfaben auf ben SDZormor nieber» 
fprüht. Sn ben Sachen aber wälsen fich bieSBeiber, noch 
im Gaumet ihrer träume bemüht, bie fchönfrifirten Äöpfe 
nnuerfehrt 30. halten. — ®ie llomöbiantenbanbe fand 
ihrem wilben ©eher — bie fDlnfifer — alles liegt mit 


gelöften ©liebem ba unb ringt fchnanfenb nach Suft, uon 
wüftem ©chlafe überwälttgt. 

„©er SBeg ift frei!" jubelt bie g^lötenfpielerin 
nnb gräbt bie sucfenbejt f^rnger in baS fjleifc^ ihrer 
Strüfte „wer witt mich hinbern 31t entfliehn?" 

„SBohin, bn wilbeS SBeib?" frag ich. 

©in Senchten tränmerifchen ©ntsücfenS gleitet über 
baS gramuersehrte Slngeficht, baS fich 3n rötäi nnb 311 
rünbar fcheint. 

„Sn bie greihrii' in bie §eimat", pftert fie 
brennenben SlitgeS 31t mir herab. 

„SBelcheS Ift beine §eimat?" 

,,©ie ®üfte", jubelt fie. „,§ier fpiel ich 3um S^anse 
auf — bort bin ich lEönigin — t!hea helfe ich nnb bnnh 
bie ©türme haßt mein Slame. — iOlit golbenen 
Ivetten haben fie mich umfchnürt — mit golbenen ©chmeichel» 
reben mein ©hr betört, bis id) mein SSolf uerliefe nnb 
ihnen folgte in ihre uor Snft uerpefteten Werfer ...£), 
wenn bn wüfeteft, woS ich weife, onch bn fäfeeft nicht hier . . . 
Slbcr bn Unecht beS Singen bticfS fennft ja bie Freiheit 
nicht." 

„Sch habe fie gefannt", fag ich trübfelig nnb laffe baS 
Hinn onf bie $ifd}platte niebeffinfen. 

„Unb bn bift hier?" — 

Verächtlich wenbet fie mir ben Siüden. 

„Stimm mich mit bir, $hea", ruf id) ooE $obeSangft, 
„auch ich miE in bie j^reiheit." 

„SBirft bn fie Jtoch ertragen?" 

„Sch werbe fie ertragen, ober an ihr 311 ©rnnbe 
gelin." 


„©0 fomm!" 

©in brauner Sinn, ber enbloS fcheint, langt 31t nur 
hernieber. — SKit ehernem ©riffe werb ich emp'orgeriffen. 
— Särm nnb Sichter uerfdjwimmen fchon in ber f^erne. 

©urch weite, leere ©önlenhaEen, bie fich Qlrich ®omen 
bämmrig über nnS wölben, geht ber SBeg. — f^reitreppen 
folgen, bie [ich wie fteinerne SBofferfäEe in fchwarse SEefen 
hinnnterftürsen. ©in Slebel, gleich «iacar grünen, filber» 
nmfänmten ©ampfe waEt uon bort empor . . . 
§inab3ublicfen bereitet mir ©chwinbel. 

Sch fühle, ich wittre etwas UngeftalteteS, ©rensen» 
lofeS, beffen Slhnnng mich mit ©ntfefeen erfüEt. Sch bebe 
3nrücf, hoch bie frembe §anb reifet mich weiter, — — 
Stuf monberheEter cStrafee wonbern wir baljin. — 
ElechtS nnb linfs erftrecfen fich bleid)e ©benen, ans beiien 
büftere ©hpreffen fersengleich in bie §öhe ftreben. — — 
SlEeS ift weit nnb leer gleich i^aen $oEen. 
Unbeftimmte Saute wie halberfticfte SobeSfchreie er» 
heben fid) in ber f^erne nnb werben 31t EEnfif . . . 

©eEenbeS Sanchsen tönt ba3wifchen unb wirb 31t 
SKnfif. 

. Unb biefe EEnfif ift nichts wie baS S 3 ranfen beS 
©tnrmeS, ber nnS weiterjogt, wenn wir ermatten wollen. 

Unb wir wonbern nnb wanbern ... S:age, SBohin, 
SRonate lang, wer weife eS? 

©ie Slhcht gleicht bem Sage. — SBir raften nie. — 
SBir reben auch ai*ht. 

SBeiter, nur weiter! 

Sängft liegt bie ©trafee hinter nnS. — Stuf nnge» 
höhnten Vfaben fdhreiten wir bahin. ... 

Suuner ftciniger wir ber SBeg -» ein ewiges Slnf» 

unbnieber über gelfen nnb bnrch 5 Hüfle . . bie ^atfen 
beS uerwilterleii ©efteinS werben unS 31t ©tufen, auf benen 
wir atemlos hinctuflimmen, um jenfeits ber ©pitje in neue 
Siefen hinab3nfchrnuben. 

SEeine gntfee bluten. SJceine ©lieber scippeln gefühE 
loS wie bie eines Hampelmannes, ©in pappiger ©efchmacf 
erfüllt meinen SKitnb. 

Sängft weife ich nid)t mehr, ob id) uorwärtSfomme. 



9 ?r. 7 


®oS Sdogoäitt für Sitterotur. 


@in gteid^t bem anbern in brüdfftger 9toiftl)eit, eine 

IJIuft ift leer itnb bnnJei wie bie anbere. 3SieEei(^t 

breb id) widb im greife, üieHeicf)t narrt mitf) biefe braune 
§anb, bereit ©riff mir tief in§ g^teifdb gebrungen ift, wie 
ber Äettenring, ber allgemacb mit bem ©efangenen git» 
fammenwacbft. 

Ünb bann biobüd) bin idb aüein. 

3Sie e§ gefi^al), i(| weiß e§ nicl)t. 

Santlo§ bat fie midb nertaffen. — 

3cb ffbifpbe mich 51 t einem ©ipfet unb batte Umfdban. 

Um mich ber in ber fRotgtut ber aRorgenbömmerung 
breitet ftcb enbto», grenäen(o§ bie fetfige Sßüfte, ein Stein 
geworbener D/^ean. 

Satfige ÜRauern türmen fiifb ring§ empor in ewiger 
SBieberfebr bi§ in bie testen f^ernen, bie fein mitteibiger 
©Hilft mir oerbüllt. §tn§ unfidbtbaren Stbgrünben relett 
fidb mefferfi^arfe f^irfte nnb ber Sübfturm peitfcbt ihre 
galanten, oon benen bo§ ©eftein langfam binunterbröifett, 
nm neuen iOiauern gum Unterbau gu werkn. 

Unb bie Sonne, bürt imb fdbarf wie ein unbarm= 
bergiges 8 tfge, erbebt fi(^ langfam an bem bürftenben 
§immel unb breitet ihren grmrmantet über biefe er« 
ftorbene Sßelt. . . 

©er Stein, auf bem idb ftk» fängt an gu glüben. 

Sott idb wanbern? SoE id) fterben? 

Unb idb wanbre, weil id) gum Sterben gu mübe bin. 

©er Sturm treibt mir Steinfplitter unter bie §aut. 
— ©ie Sonne fengt auf meinen Scheitel. — Sangfam 
wie einen lobenben Batbacbdt ^abnftnn fidb 

auf midb nieberfenfen. 

©a fei) ich fernab auf einer g^etfentafet eine ERönner« 
geftatt. 

Sfßie ein fdbwarger gted burdbbridbt fie biefeS fladfernbe 
Sidbtmeer, in weti^em ber Schatten jetbft gur Rotglut ge« 
worben ift. 

Stuf faum ficb erl)ebenben fjüfer'r fdbreitet fie fidber 
babin — fteigt ruhig gu ben Slbgrünben biimb — fteigt 
ruhig bie gelfen wieber bimm. 

©ine unenblicbe Sebnfmbt nach biefem ficper fdbreiten« 
ben RJanne erfüEt meine Seele. wiU ihm entgegen« 
ftürgen, bo(| eine ©rftarrung hält mich gefeffelt. 

Unb näher fommt er unb näher. 

Sei) febe ein fapleS, bortumrabmteS Stnttib mit 
oufgetriebenen ©aefenfnodben unb abgegebrtem Söaiigen» 

fleif(^ ©er aRunb, ber fein unb wei(^ ift wie ber 

eines SRähdbenS, prefet [ich gu einem ftiflen ßäi^etn gu« 
fammen. — SSitterfeit, bie gur Siebe, ©ntfagung, bie gur 
g’reubigfeit würbe, oereinen fi^ in biefem Säibeln. 

SRir wirb warm unb weit babei. 

Unb bann fei) id) baS Sluge, baS runb unb greE 
offen ift, wie oon IRacbtwndben oergrögert. Sn flarer 
Starrheit mifet eS bie fernen, ohne beS ^egeS gu achten, 
ben ber g'Ufe» ohne gu taften, meiftert. ©räunienbe ©lut, 
bie ficb wacher Hätte fteigert, liegt iit biefem 33lid. 

©in Sdbaiiber ber ©brfurebt ergreift meinen Seib. 

Seht weife iä), wer biefer äRann ift, ber in eiiifamem 
Sinnen bitri^ bie R5üfie giel)t, bem baS ©ntfeben gum 
SBege beS g^riebenS warb. 

©r fiebt über mid) hinweg- 2®ie laim eS anberS 
fein! — 

Sb« angurufen wag id) nicht, unb reglos ftarr idb 
ihm nach, bis feine ©eftalt als ein fepwarger glecf bi«ler 
ben glübenben f^^lff« oerfdbwinbet. 

'©amt wanbre ich weiter unb wanbre — — unb 


©S war an einem graugelben .gerbfttage, ba fafe idp 
gum erften ERale wieber in bem rotgepolfterten Söinfel 


117 

\ 

»X.*-.. .M- rr- - ' «• r . r i- v: , i l-lJ 

beS weitberübmten HaffeebaufeS unb fd)aute bairfbar nad) 
ber braunen Sflaoin hinüber, bie febläfrig unb ftumpf 
wie je ihre ©oppelflöte blieS, benn nur gu ihr war idb 
gefommen. 

©in Sd)lag auf ber Schulter liefe mich emporfal)ren. 
Sn giegelroten §anbfcbuben, ben Sfelinber fepief in ber 
Stirne, ein wenig müber unb blafirter noch, ftanb jener 
töufenfreunb oor mir, beffei: Ramen mir nun enbgiltig 
entfaEen war. — _ 

„9lEe ©eitfel — wo bnäen 'Sie benn fo longe ge« 
ftedft?" fragte er. 

„Srgenbwo — in ber Sßüfte!" gab iep lacbenb gur 
Antwort. — — 

„SeffeS — was hotten Sie benn ba gu fitcben?" 
„ERid)." 


Mm ibeale .^rau. 

Sdpaufpiel in brei Stufgügen oon jiEarca 

^eutfi^ ‘oon i)OTi 33orcl). 
(günfte gortfe^ung.) 


Porige, ^n5rea$ b. b. ^pintergninb. 

Sulia. 9 lubrea§, S^ontieeßi ift Ijier. 

RnbreaS. (9teict)t ihm bie §anb.) Sieber RecbtSaiiwalt— 

Sulia. aSelati läfet fid) burip ipn entfcbulbigen, bafe 
er bentb «id)t mit unS fpeifen fann. 

SlnbreaS. Slp — unb weSbalb nicht? 

Sulia. ©hier oon ipren Hlienten aitS ©urin ift an« 
gefommen, unb l)b«te 9tbenb um fieben Upr haben fie eine 
3ufammenfunft mit ipm. — ©r fanb" eS nun unböfliih, 
gteii^ nadp bem ©ffen fortgugepen. Sd) beftanb aber ben« 
noch barnitf. 

RnbreaS. 8 mn ©eitfel! ©S ift bodp immer noch 
beffer für unS, wir paben ipit furge geh, als gar niept. 

Sutia (lacienb). ©l), bringe niept mepr barauf. Sdp 
habe SRonticeEi bereits übergeugt. — ©r pat oerfproi^en, 
uns nidpt im Stidp gu taffen unb ißelati mitgubringen. 

SlnbreaS. 58ei itiiS braudpt mau feine Komplimente 
gu maipen. 

Sulia. Unb wir gepeit bann fpäter inS ©peater. 

RnbreaS. SnS ©peater? 

Sulia. So, bit weifet, wir paben eS ^änSdpen Oer« 
fproepen. 

RnbreaS. 2Bie bii wiEft. — (gu ©onttanä.) Rergeipen 
Sie, bafe idp wieber fortgepe. Sep habe oor bem ERittag« 
effen tiodp eine briiigenbe Rngelegenpeit gu erlebigen, bie 
Reloti betrifft. — Sie föime'n ipm übrigens jogen, bofe 
bie Sai^e oollftäiibig georbnet ift. ©aS wirb ipit be= 
rupigen. 5luf fpäter alfo. — (®r gept mpt§ ab.) 

gjenc 3. 

Julia. Äonttans. 

©onftang (»ei-obfcpiebet fiep), ©iiäbige grau — 

Sulia. Sie gepeit? 

©onftang. 3 it ©uftao — unb fpäter — gu jenem 
©lienten auS ©urin, ben Sie mir gu fo redptergett an« 
gebidptet paben. 

Sulia. Söiffen Sie, boS- ift ber mit bem „Stuf« 
fcpitb". 

©onftang. Stp! 

Sulia. $eute Rbeiib foniten Sie Relati bann aEein 
auf bie 3«fommenfunft gepeit laffen. Spre ©egenwart 
ift bort oieEeid)t überflüfftg, niiht wapr? 


118 


®a§ ayiagojin füt Sittctatur. 


?Jr. 7 


©onftang. Dif) — öoßfommm nii^tog. 

Sulia. begleiten «Sie un§ bamx iii§ Xljeater. 

(SonftaitÄ. Sllfo auf Sßieberfe^eit. 

Sulia. Unb mit i^m! 

©onftang. Sa, aber . . . feien @ie . . . nad^fii^tig j 
. . . großmütig . . . @ie faffen ba§ Seben nad^ feinem 
wahren SBert auf; ©ie uefimen e§ üou ber rii^tigen 
©eite . . . batfer müffeu ©ie ber menf(|tic^eu Statur a'udf) 
3ugeftanbniffe madjeu. 

Sutia. S)er fftalur be§ fDiauneS, uor allen S)ingen! 

— ®ie aJJänner finb no(^ tueniger wert at§ bie 
glauben ©ie mir. 

©onftang. Hub ©ie werben ihm bie Qual er^' 
lei($tern? 

Sulia. Sa . . . ja! . . . 

©onftang. ©ie — finb rulfig — nid^t waljr? 

Snlia. 93oIlfommen ru^^tg. 

©ottftang. Hub bann — ift S^r Oemal — gn 
§anfe . . . 

Snlia. Sa, mein 3)iann ift gn .^aufe. 

©onftang. I^urg nnb gut, wa§ gewefen ift, ift ge* 
wefen . . . ®te SSergangen^eit . . . wirb nidtit mel)r be= 
rii^rt. 

SuUa (6itter, tronifi^). Uub Wir finb wicber f^reunbe 

— wie in alter 3£ii- (Stiät ib« einen 2tugenMi(f unberlnont on.) 
SBeli^ einen au§gegeicl)neten f^reunb 93elati an Sl)uen 
l)at! Unb wie ©te fid) ii^tn 3« Siebe fdbledbter madben 
citö ©ic fiub. 

©onftang. ©dl)ledf)ter? 3Be§l)aIb ? Sd) folge S^nen 
nur auf Sl)vem 2Sege. ©ie l)aben Sl}ten ©ntf^tn^ ge= 
fafet — ben beften oielIeidf)t — 

Snlia. Sa — oielieidtit! — ©ie beurteilen midi) 
nidt)t rid^tig ! — 3Beil ©ie mid^ fo — wie foE ii^ boct) fagen 

— fo refignirt felfen, beulen ©ie: biefef^oan l}at niemals 
wagrlfaft geliebt, unb bal)er finbet fie fidt) mit fo oiel 
@leid)mnt 'barein, ^ bafe man fie oerlä^t. 

©onftang. fEein! ba§ benle idi) niebt, idl) fdi)Wöre e§ 
Sbnen! Sm ©egentbeil, idb benle, bafe ©ie bie moberne 
f^rau finb, bie neben ber Seibenfd)aft audb nod) ber 9Ser» 
nnnft @ebör fdf)enlt. Sn Sbii^n l)errfdt)t ein fettfameS aber 
glüctlidbeä ©leidbgewi^t gwifeben Sb^'o^' Seibenfdbaft für 
einen fOlann unb ber Siebe gn Sbi'owt §aufe. Sn ba§ 
SBort „§au§" faffe idb alle§ ba§ gufammen, was bem 
jungen wläbcben an Siebe, an f^renben, an ^flicbten, an 
Olecbten gu eigen wirb, wenn eS g^rau nnb äliutter wirb. 

— ©ie haben Sbrei' Seibenfdbaft gu einem anbern SEanne 
aEeS geopfert, ©ie hoben aEeS für fie gewogt — jo — 
aber nur bis gu bem ^nnlte, wo bie Siebe gu Sbroni $anfe 
leine (Sefabr tief. , 3tn bem S^age, wo bie (Sefabr nabt, 
treten ©ie ben IRüdgng on. ©ie finb bie .^elbin einer 
5lomöbie ber Siebe — einer ^omöbie ooE Seibenfd)aft, 
wenn ©ie woEen — aber einer Homöbie mit glücflicbem 
StuSgong. QaS Qroma mit bem gewaltfamen @nbe ift 
nicht für ©ie. ®aS feböne (5Eei(bgewicbt in Sbi^en lü^t 
©ie norber oon ber Sühne abtreten . . . voilä, tont! 

Snlia. Unb baS nennen ©ie mid) gut beurteilen? 
©ie fbredhen mir jebe Segeifterung, jebe Eingebung ab . . 

©onftong. . . . bie ftetS oerbängnibooE wirb 
(leifer f^)rec^enb.) ©ie hotten einen (beliebten nnb trohbem 
war Slu ®atte ber gtücfticbfte iölenfd); baS war Sbi^ SSer^^ 
bienft; nnb beSbalb nenne id) ©ie gerabegu eine ibeale 
f^rau! — @S giebt ehrbare f^rauen — folche, bie bie 
®elt ehrbar nennt — bie ihven Scannern baS Seben 
weit weniger angenehm machen, als ©ie eS getan. 

Snlia ({tep i^n ftarr an.) Slöchlen ©ie eine f^rau 
haben wie midh? 

©onftang. ®aS ift eine onbere f^rage! ®odh eins 
ift gewife: jebeS g^afe giebt ben Sßein^ ben eS hält; 
nnfere @efeEfd)aft giebt bie g^rauen wie fie laxtn! — 


©ie gehören jricht gu ben fdhlimmften. — fOleinen ©ie 
nod) immer, ba^ ich <©ie fd()lecht beurteile? 

Snlia. 3ln^erorbentlid) f^led)t. — 

©onftang. Stuherorbentlidi) fd)ledf)t? SBeShalb? Sdh 
habe wenigftenS baS Serbienft, an oEen ©ingen nod) 
immer eine gute ©eite gn finbeu. 3ltfo — auf 2Bieber= 
feljen, fhöter. — 

Snlia (giefit i^nt bie $anb unb begleitet i^n bi§ an bie 5£ne. 
(Eonftang ab). 

(©cblufe folgt.) 





^ramati'fcöe ^uff iigrungen* 

Sm Seffingtl^eater fid^ ©uftat) gleid^ mit 

Btoet ©(j^mänfen borgefteEt, bie er mit O^obert gemeinfam ber* 
fa^t ]§at. 5lnbere S^iitarbeiter blieben ungenannt, ^ie beiben 
©tücfe nennen fi^ Sd^toänfe nnb Ipaben an^ trirtlicl^ gar fein 
pltni§ ^nr Sitteratnr. ,, gränlein gran" berfnd^t an§ einer nm 
mal^rfd^etnlic^en SSoran^fe^nng brei 5lfte l^eran^^nbrel^en. ^in 
baar eefäl^rt nac^ breimonatlicber ba^ bte megen eine§ 
gormfeblerg be§ ©tanbe^beamten nngiltig ift. (^in ©id^ter ptte 
baran§ bieEeid^t ©eelenfonflifte entfte^^cn fe^en, ein geE)iffenbafter 
barifer 35nl)nenfd^riftfteEer ptte anf bie Unmöglid^feit eine gute 
^öffe gebaut; unfern beiben Slntaren ift tneber ba§ eine nach ba§ 
anbere eingefaEen; nnb ba bie ^affe tra^ einer fe^r guten topbrnng 
nid^t lachen machte, fo b^^t fie lool i^ren berfeblt. X>er ^E)eite 
©d^loanf, litterarifcb npt beffer al§ ber erfte, erfüEte biefen gEJeE. 
gränlein ©rofe entgüEte ba§ ^nblifnm mit ibrem Eieaner ^lanpen. 
Sn ber erften ^offe fonnte nicht einmal Hl^arie 2?^eber bnrib bie mabr=^ 
baft geniale ^arfteEung einer alten Snngfer b^lf^n. 


„©nnbige £iebe" (Tristi amori\ ba§ breiaftige ©ibanfbiel bon 
(Siacöfa, bcitte in ber bentfdljen IXeberfebnng bon Otto Eifern 
fE)ib bei feiner (Srftanpb^^^^E ©tabttbeater 5 x 1 granffnrt a. 
(Erfolg, ^mma ©carli, bie (Sattin be§ 3lbbo!aten Snlin§ ©carli, 
ftebt mit beffen ^ombagnon gabricin§ 5lrcieri in einem nicht gang 
lauteren 3Serbältni§, bä§ fcbliefelidö foEieit gebeibt, ba^ (Smma mit 
gabricin^ bnribgeben miE. OTe§ ift borbereitet, ba eebliift bie ^ren^ 
lofe ihre fleine ^od^ter (Semma, bie gange ©ebbJere iljrer ©dönlb 
fommt über fie. 3111 ^ 1 ^ mebr, fo gebt fie, aber aEein, 

in bie SS erlaffenbeit. 


Sbfeix^ „(^efbenfter" finb, Mtte Saxtnar, in armenifeber 
©bradöe gn 5lifli§ anfgefübrt bxorben nnb gbxar mit großem Erfolge. 


Sbfen§ fünfaftigeg bramatifcbe§ (^ebpt ,,^eer bxnrbe 

am l gebrnar gnm erften 5b?ale in fcbioebifd)er ©brache gn ^otben=* 
bürg anfgefübrt nnb bttEß mitten großen (Erfolg, ^ie geloaltige 
^itelroEe lonrbe bon bem ©ireftor Slngnft £inbberg gefbielt. 
gotbenbnrger Slnpbrnng ift bie britte be§ 2öerfe§. ^ie erfte fanb 
gn 1876 ftatt (36 Slnpbrnngen) , bie gtoeite 1887 gn 

^obenfjagen (mit bem norbxegifcben ,,^eer", ^enrif Äaufen; 45 Slnf^* 
fübrnngen). ^a§ ©tüE ift ftet§ an einem llbenbe nnb baber ftar! 
befebnitten gegeben morben. ^ie balbige SSieberanfnaljme be§ 2öerfe§ 
am S^ationaltbeater gn (^b^ME^^Ea (mit bem jungen S3jörnfon al§ 
^eer E)irb bagegen gtoei Slbenbe nmfaffen, nnb babei mirb 
aud^ bie SO^nfif bon (Srieg gnm erften S)Zale boEftänbig gefbielt 
xoerben. 


^ie befannte fcbbxebifcbe ©i^riftfteEerin grau ^bgren^Seffler, 
^ergogin bon (S^ajaneEo, bat ein neues ©^anfbiel in brei ^ften 
„gamilienglüE" gefebrieben, toePeS feine norbifibe 9^nnbe mit 
(Erfolg gemacht b(^t nnb bemnäd^ft and) in ©entfcblanb ge*^ 
f hielt ioerben bürfte. ©aS ©tüE fteEt brei Generationen einer 
gamilie bar, bie ficb gegenfeitig nid^t berfteben fönnen nnb baber 
auch fein SSrrtranen gn einanber b^Een. ®ie ^inber höben Gebeim=^ 
niffe bor ben Gltern, nnb bie (Eltern fd^toeigen ber Gropintter gegen=* 
über, grau £effler bat fiib bie ©adl)e freiliib febr leidfit gexnad^t, 
aber fie bodt) entfibieben bramatip beböubelt. 


„La Menteuse“, baS bon (Dan bet nxtb ^ennegnin naib 
(Danbets gleiibnamiger S^obeEe gearbeitete (Drama in 3 Elften ift am 
barifer Gpxnafe^^^b^öter fanft bnrcbgefaEen. 


(Das „Theatre Moderne“ in ^ariS gab eine neue breiaftige 
^omöbie bon £eon Ganbillot, bem ^erfaffer ber ,,Fetnmes 
collantes“ unb beS „Ferdinand le Noceur“, bem ©d^übling 


^X. 7 


Magazin für Sitteratur. 


119 


„Le Pardon‘‘ befjanbelt bie nid^t gerabe neue gmge, ob 
man ben gel^Itritt einer grau ber^ei^en foE. ©anbiHot geigt, ba| 
man in ben bürgerlichen Greifen einen folch^i^ ge^ltritt bergexljt, nid^t 
auf ®runb einer erl^abenen ^lilofob^ie ober ©ergen§güte ober £iebe, 
fonbern einfad) au§ geigheit, gntereffe, (Sgoi§mu§; man loiE M 
nicht fomüromittiren, nid)t au§ feinen ^eioohnheiten hc‘t(^it§geben. 
3Hfo eine erfchredenb trifte D?oral in einem überluftigen 0tüdre. 

(Coöe^fülle* 

2lm 1. gebruar ftarb in 9iegen§burg ber befannte Sljrifer unb 
£itterarl)iftorifer, @l)mnafiaIürofeffor Dr. grang ^aber ©eibl. 
©r ift am 5. guni 1845 gu ©tabtamhof geboren, h^t in 3?iün($en 
^hi^bfoühi^ unb ^h^^blogie ftubirt unb lebte feit 1878 in ^egen§=^ 
bürg. 1870 erfd^ienen feine erften ©ebic^te unter bem ^itel „^ti^en^ 
laub", 1871 feine ,,^i(^tungen au§ bem Hl^orgenlanbe", 1879 bie 
(Sammlung „^ergi^ mein nid)t", 1881 „9ieue ^ebichte", 1885 „gum 
2lnbenfen" unb enblidh ' 1887 bie ü^^üchtige 9iachlefe „gür ©tdh". 
5luch einige gramen, bie freilich ^^hue ioeittragenben (Erfolg loarext, 
hat er gefchrieben, fo 1877 ba§ (fechaufüiel „SSitttoer im (^U)^ftanb", 
1880 ba§ ^rauerfüiel ,,^ie ^arguinier", 1881 ha§> fleine ®rama 
„gean SO^arie" nad) bem grangöfifchen be§ 21. 5i:heuriet unb 1883 
„0aübhb". 2ll§ Sitterarhiftorifer gab er ein 93uch „£)eutfche gürften 
als dichter unb ©dhriftfteEer", bon ber geit ber §ohenftaufen bis 
gur (^egeninart, mit einer 2luSU)ahl ih^^er Dichtungen ^)tvau§>, unb 
ferner eine Eleihe bon 2lbhanblungen: „Ueber bie fünfte unb Söiffext^ 
fdhaften im geitalter £ubU)igS XIV." (1878), „über bie 2SittelSbacl)er 
in ber beutfpen Sitteratur" (1880), über 2lnbre (^h^uier (1883\ über 
„baS frangöfifdhe Dheater mührenb ber (SdhredtenSherrfdhaft" u. f. ü). 
0d)lie^lidh h^i mehrere 2lnthologien beröffentlicht, fo baS „gahr 
ber Didhtungen" (1873), „gmmergrün'^ (1883, in ©emeinfdhaft mit 
Dr. gettel), oaS „Deflamirbuch", „2luS fdhöner geit" unb baS ,,^aL 
erifche Dichterbu(h" 1887. 


£ubü)ig ^idhrobt, ber ll)rifdhe §umorift, ift am 2. gebruar in £ahr 
(23aben) , too er DberamtSridhter mar , geftorben. ^’r ift 1827 in Durlad) 
geboren, ftubirte in ^eibelberg unb greiburg gura. (Seine litterarifdfie 
Dätigfeit umfaßt nahegu hier gahrgehnte. 1853 gab er feine „©ebichte 
in auerlei Rumoren" h^^^^*uS. Seit ©nbe ber fechgiger galjre mürbe 
er burch feine „Sgrifchen ^arrifataren" meithin befannt unb erreii^te 
feinen gröften Erfolg mit „^iebermeierS £ieberluft." Seitbem be^ 
fcpränfte er fidh barauf, ein guter Herausgeber gu fein, ba er mol 
fühlte, ba^ feine bidhterifche ^robuftionSfraft erfmöbft fei. .Hortus 
peliciariim“ unb „@olb, Sammlung beS Urfürünglii^en unb (Genialen 
in beutfdher fiub bie beiben bon iljm gufammengefteEten ü^öch=^ 
tigen 2lnthologien. (^ineiS)?enge feiner humoriftifchen $oefien finb in 
baS ^ommerSbudh übergegangen, bielfach ohne ben 9^amen ihres 
SSetfafferS gu tragen unb gehören gu ben meiftgefungenen Stubentem 
liebem. 


gn 2Sien ift, erft 47 gahre alt, am 31. ganuar ber 23ü'hnem 
fchriftfteEer 23runo gaüü^^'i geftorben, ber ehemalige bramatifdhe 
Dichter beS (^arLDheaterS. Seine ^offe „@in 23öhm in toerila," 
bie guerft 1881 am Dheater in ber gofeühflöbt gefüielt mürbe, ging 
fo giemlid) über aEe 23ühnen DeutfchlanbS nnb h(^t neuerbingS noch 
am berliner Slleganberblahtheater unter bem Ditel „Siümarge 23rüber" 
feine fröhliche 2luferftehung gehabt. 


Die greife Didhterin Emilie glt)gare=^(^arlen, bie einft bieL 
gelefene Elomanfi^riftfteEerin, beren 2öerfe nicht nur in ihrem 
^eimatlanbe Schmeben, fonbern auch ^ Deutfi|lanb berfchlungen 
mürben, ift im Älter bon 85 gahren in ber 2^a(ht gum 5. gebruar 
gu Stodhblm geftorben. . jüngfteS bon 14 ^inbern eines ^taup 
mannS g^ Strömftab ift fie am 28. 2luguft 1807 geboren. Sie mar 
guerft mit bem 2lrgt gihgare berheiratet, ber 1833 ftarb. 1839 fani 
fie nach Stodholm, mo fie fid) 1841 gum gmeiten 3)Zale bermühlte mit 
bem au(i) als Did)ter befannt gemorbenen Soh. (Gabriel 6^arlen. 

fdhriftfteEerifdhe Saufbahn begann fie mit ber )2obeEe „Sßalbemar 
.^^lein" 1838, ber bann ungühlige 2dobeEen unb Dfomane gefolgt finb, 
bie^ aEe inS Deutfdhe übertragen mürben. Die befannteften finb 
„Die ^irchmeihc bon H<^^^btarbl)", „Die Ofofe bon Diftelen" unb 
„Das gibeifotnmife." gljre gefamten Schriften in beutfcher Ueberfehung 
erfdhienen in 96 23ünben 1869—1870. ©inS ber erfolgreii^ften SSerfe 
ber neueren frangöfifdhen Sitteratur, (George 
ift einer 2lrbe.it ber glhgare^^l^arlen, bem 1846 erfd)ienenen Efoman 
,,^Sin Sahr", mit mehr als gemöhnlicher Unbefangenheit nadh^ 
emüfunben. 


^n Stra^urg ift ber Sitterarhiftorifer ^rofeffor 23ernharb 
ten 23rinf im 2llter bon 51 gahren geftorben. (^ein SebenSmerf 
„Die ©efchichte ber englifi^en Sitteratur" h^f ^öum gur 
boEenben fönnen. 


2fm 31. ganuar ftarb in SEentone ber übüdlärfte ^angelrebner 
©nglanbS, ber 23aütiftenf)rebiger Mr. S^urgeon, gu beffen „Taber- 


nacle“ fich 2lngehörige aEer Stäube mie aEer $8efenntniffe gu Dau^ 
fenben brängten. Tlx. Spurgeon mar 1S34 gu Mbebeen in 
geboren. 

gelii: Dafju ift in ben ^ampf gegen ben 3eblihf^en 2SolfS- 
fi^ulgefehekmurf eingetreten. 25ei Sdhottlünber in 23reSlau h^t er 
eine SSrofcpüre erfcpeinen laffen, bie in marfigen, mädhtigen Sßorten 
marnt bor „einer ber fchmerften Gefahren, bie ^reu^en unb baS 
9fei^ bebropen fönnen" — „20^an trübe unS nicpt ben ^önigSfrieben 
griebridjS beS ©ro^en!" ,,(^S ift baS erfte TlaV% erflärt er, „bafe 
id) in ben ftaatlii^en Dingen baS 2ßort ergreife: hanbelt eS fi(^ bocp 
um bie gange gufunft ^reufeenS. dUx gegmungen, nur im 2Bege 
ber 23erteibigung merben id) unb meine ©efinnungSgenoffen — eS 
finb beren btele unb nicht bie fchledpteften in ber 3ßiffenfd)aft! — gu 
ben 2ßaffen greifen, menn mirflid) bie „fonfeffioneEe" ^epanblung 
ber ,2öiffenfd)aften am^ au^er ber ^Religion auf ftaatli^m 2SolfS== 
fd)ulen, „freien" SSolfSfd)ulen, „freien" SRittelfchulen, (^pmnafien 
unb Hö^fch«^^^^ gurücfgufchleubern 

broht, fo bafe grangofen, ©nglünber unb aEe 23ilbungSbölfer unS 
ber'höhuen." 

2luf ber ^antonSbibliothef in 2larau entbedte ber totonS=^ 
bihliothefar Dr. Hergog bie erfte 2(uSgabe ber „23ilber beS DobeS" 
bon Hans Hblöein, gebrudt gu Spon 1538. Sie enthält 41 
f(hnitte. gn bemfelöen 23anbe hefinben fiep au^erbem noep 46 anbere 
Holgfcpnitte H^^öeinS gum alten Deftament. 


Der gahrifhefiper Söberherg gu Stodpolm, ber am 1. gebruar 
geftorben, pat ber Üniberfität Stodpolm brei SRiEionen 2Rarf ber=^ 
mai^t, 23ierbrauer gacobfen in Kopenhagen maept Si^ule. 25raboI 


23rieftafd)e beS Sitteraten. — ■ & ift fein Sßunber, bäfe 
bie güngften fo oft mit (S^ebanfenlprif anfangem; fie brüden ipre 
0)ebanfen, ipre himmelftürmenben 2fEgemeinp eiten in 23erfen aus, 
meil fie no(^ nidpt flar genug finb, um in ^rofa gefagt gu merben. 

rittei'ai?if4»e Ueuigfeiten. 

Portraits de Cire. Hn^iies le Eoiix, Paris. Lecene, Oudin et 
Co , Editeurs. 1891. 

Die gefammelten 2fuffäpe bon beftätigen mieber 

einmal bie fRegel, ba^ bie biel berfpreepenben Ditel gemöhulidp bon 

ebenfo unfoliben Seuten herrüpren mie anbere fepreienbe Dteflamen. 

Sßer portraits in 2Sad)Stechnif berfpricht, ber maept H^ftuung auf 

bie feinften unb fauberften Kunftmerfe ber Sitteraturgefd)id)te. H^^^ 

HugueS le Elouj pat in feinem 23ud)e aber nur flüchtige 

auffätje bereinigt, beren H(^i^pfE^ß^‘f perfönlicpen Erinnerungen an 

bie ibfobeEe feiner portraits beftepen, an berüpmte SepriftfteEer, 

2RaIer unb Kird)enlid)ter. gntereffiren merben unS fo mand^e SSorte 

Eup be SXaupaffantS Defter fagte ber unglüdlicpe 2)fann: „gdp 

für(|te ben Dob fo menig, ba^ iep bieEeiept im Staube märe miep 

fpa^eSpalber umgubringen. gd) benfe eigentlich mit Danf an ben 

(^elbftmorb. Er ift eine Dür, für bie glm^t offen an bem Dage, 

mo man ernftpaft mübe ift." — r. 

* * 

* 

Oscar Metenier, ^ezette. 5öibl. Eparpentier. ^ariS 1891. 

Der 23 er f aff er fcpilbert uns baS Seben ber „Yoyage“, ber perum^ 
giepenben Sepaububenbefiper unb Eaufler unb fpegieE bie Seiben unb 
greuben ber gamilie beS DierbänbigerS granc^miS Epaufferouge, 
^ater ber Elifabetp, genannt Qegette. Eang parmloS gept eS in ber 
HRenagerte jenes H^Ä*en gerabe nid)t gu; befonberS ber Söme 2iero 
ift ein red)t gefäprlid)eS Dier, baS im Saufe ber 23egebenpeiten einen 
alten 2öud)erer, feinen eigenen ^exxn unb beffen Eompagnon ber^ 
fpeift; leptere mol meniger auS H^inger, als auS poetifdper Eeredptig=^ 
feit. — Die „moeiirs foraines'" finb in ber frangöfifepen Sitteratur 
fein felteneS Dpema. 23ibel pat fie in feinen HRemorien aufS 
genauefte gefd)ilbeit; ebenfo ift baS Seben in ber „caravane^ auS 
„Qptpe" unb „Le saltimbaoque“ befannt genug, als bap SRetenier 
noip iReueS ober gntereffanteS über biefeS Dpema pätte bringen 
fönnen. 23on biefen 28erfen ift ber oorliegenbe Spontan — abgefepen 
bon ber eigentlid)en gabel — eine ^RemÄuflage, mit Dtüdfiipt auf 
bie 2Cnfprüd)e beS ^ublifumS mit aEen Hi^f^biitteln moberner 
Ded)uif, neu unb lärmenb in Sgene gefept. 2öer bon foldpen Effeften 
ein greunb ift, finbet bielleidöt Eefepmad an „gegette". g. 


biefer ^Rutmner an üeftnbert fiöp auf bet lebten 
®ette tticfitnur bie ^ubltfattuueu bet freien Stttetatifdjeu 
©efettfi^afteu gu SSerItu, foubetu auep bie ^uBIifatiaueu 
bet „®efeUf4)aft füt utpbetueS Seben'" iu5ö?uu(^em 


120 


9lr. 7 


®o8 SKaga^in füv Sliteralur. 


^ie ^ifterarifc^e^t g>efcirfc^affen. 


fttt ttt 

Unter 5(nffage be§ ©ittlid^f eit^berbrec^en^I 

3öie bereite eine in 9^r. 4 biefer geitfd^rift ntelbete, imtrbe 
buri^ 93efd^lu^ ber IV. ©traffamnier be^ ^gl. Sanbgerid^t^ H)^üncf)en 1 
bie int ©ei)tember b. bom ^gl. tot^geric^t berfügte 35efd}lag = 
nannte be§ ber „@efettfcbaft fiir ntoberne^ Seben" getribnteten 
33nc^e§: „H^oberne§ Öeben, ein 0antnteIbuc^ ber münc^ener 
^MoUvmn" (.TOnc^en, M. ^oe^l) aufgel^oben unb bie be§ SSer=:= 
ge]^en§ b)iber bie 0ittIid^feit, begb). iniber bie S^ie^igiün Cnedf) § 184, 
be^in. § 166 b. <St. Ö.) befd^ulbigten 5Xutoren aufter Verfolgung 
gefegt. 

Veifinet bafür, ioie leicht e§ bem ^d^riftfteHer rjeutgutage 
begegnen fann, gum 0ittü^feit§berbrect)er unb Dleligion^befi^intbfer 
geftembelt gu ioerben, berbient biefer fmupligirte gatt iooi eine in^^ 
tenfibere Veleui^tung an biefer 0tefte. 

0anmielburf) „3}^oberue§ ßeben'' entrjält Beiträge bon 
0tto ^uliu§ Vierbattni, 3uliu§ Vranb, SP'?. (S. (i^onrab, tona 
(^roiffant=s9iuft, §an§ bon ©mugb^nberg, 0§far V^nig^o, ßubtoig 
0d^arf, (i^eorg 0cbaumberg, 3uHn§ ©cbaumberger, dl. bon 0ebbli| 
unb granf SÖebefinb. Von biefen elf 3lutoren fanb ber 0taat§^ 
anmii md)t Weniger al§> fünf (näniUcb O. Vierbamn, SP?. 
^onrab, 0§far V^nigga, Subtoig bnb ^uliu§ 
eine§ Vergebend toiber bie 0iftIi(^feit tinb S??. (^onrab überbieg 
eineg Vergegeng loiber bie Sleligion berbäcbtig unb beantragte ftraf== 
gerid^tlid^e Verfolgung ber Genannten. 

®ie Slnfubrung ber infriminirten 0teüen unterlaffen ioir ber 
^aumerfbarnig toegen. Sft ja bag Vuclj in ben §änben alter, bie 
ftdg für biefe Slngelegenl^eit intereffiren. 

®egen biefe Slnllage reid^te in Vertretung ber babon betroffenen 
Stutoren (mit Slugnaljme beg anberineitig bertretenen Dr. Ogfar 
Vtinigga) §err JRed^tgantoatt Dr, griebridt) Olofentl^at, beim ^gt. 
Sanbgeric^t SP?ünd^en I eine (^rflärung ein, loorin er beantragte: 
,,^ag %t. Vanbgeric^t tooEe befd^tiefeen, bafe bag ^paubtberfalfren 
ntd^t §u eröffnen unb bie befdf)tagnal)mte i)rudffc^rift freigugeben fei." 

Bii^'\,^^.gtünbung führte er u. a. folgenbeg aug: „gttm Vegriff 
beg Untüchtigen gehört eine beiuufte auf DIeitung beg (^efdf)te(|tg^ 
triebeg geridötete, bag 0chamgefühl berlehenbe ^unbgebung. Von 
einer fofdjen fann hiei^ nirgenog bie 9lebe fein. 

©ie infriminirten ©chrifttoerfe finb fünftlerifdhe ©arfteEungen 
aug bem realen £eben, bie güiar teümeife finntichen, n cht aber un*= 
tüdhtigen ^hö^^gfter tragen unb bie audh nid^t geeignet finb, bag 
Schamgefühl eineg geiftig unb fittlich gefunben ertoadffenen SP?enfcljen 
tu berieten. Geiftig ober fittticti franfe SPdenfdhen fönnen aber audt) 
aug ben lauterften, äfthetifch fchönften ^unfüoerfen nuferer SP?ufeen, 
(Materien unb SlugfteEungen Stoff tn gefdhtechtlid^er Slufregung ober 
tum Slergernig nehmen. ®ie ^arfteEung beg Sinnlidfen aber ftanb 
m aEen geiten bem dichter frei unb rniife ihm freiftehen, toenn bag 
Vereich ber ^idhtung nidht auf Sugenbfchriften befdhränft ioerben foE. 
SP?it bemfetben Siecht müßten ©oetheg römifche (Elegien, SCSatter bon 
ber Vogetloeibe (Stanbarabei) unb aEe unfereMaffifer unter HnUage 
gefteEt Joerben. ®ie infriminirten Stetten bon Vierbaum S. 8 
unb 9, Scharf J27, 128, ^onrab 55, 65 enthalten toeiter nichtg afg 
bie einfache (^rmähnung einer aEtägtii^ borfommenben natürlichen 
^atfadpe. SpetieE bie Slnflage gegen Scharf ift atg gant um 
begreiflich erftären, ha ber''^tonftift t^oif^^^it Äi^be unb Vfftcht, 
b?ie er l)uv oefchilbert ift, ein Voetourf ift, ben t- V. 
in feiner (Gräfin in noch anberer Söeife um 

beanftanbet ttim Öegenftanb ioeitauggebehnterer Sdhitberungen ge=^ 
nommen h^t. ^ie Schitberung Vierbaumg auf S. 20 trägt aEer=^ 
bingg eüoag toörmereg ^'lotorit, bon einer untüchtigen ^arfteEung 
fann aber and) nidjt bie Siebe fein, ©ie Verfe finb eine Ueber^= 
fe^ung eineg ©ebichtg bon Veranger (Jeanette), bag in einer Sleihe 
bon Uebertragungen erfchienen unb niemalg beanftanbet ioorben ift. 
Sßag bie Slnftage gegen Sdhaumberger betrifft, fo bürfte auch 
biefe unbegrünbet fein, ^ie ©rtähtung ber ^lalfadhe, bafe fich ein 
SP?äbdhen möfcht, ohne jebe lüfterne Stugmalung ber Stene, fann 
ebenfotoenig untüdhtig fein, ioie bie (Srmähnung ber ^atfadhe, ba^ 
jemanb ein Vab genommen h^t. Sm borliegenben gaE ift auch biefe 
^atfache tu bemgtoed notb)enbig, um einen ©egenfa^ ber tüber== 
liehen unb fchtambigen fonftruiren. Von einer Verlegung 

beg Slrt. 184 beg St St. V. fann baljer ebenfoioenig bie Siebe 
fein, E)ie betügtidh ber leichtfertigen Sieben V^tblg (S. 195), bie tu 
bereu ^h^i^^^^terifirung nottoenbig finb. ^g erübrigt noch bie Stm 
flgge gegen Dr. ^onrab iuegen Vergeheng gegen § 166. d^onrab 


läüt in feiner Sfitte einen toahnfinnigen Verbredher SleuBerungen 
tun, bie bie Stnftage tuiu ©egenftanb ber Straft) erfolgung machen 
miE. & fann aber hoch unmögli^ angehen, bafe ein dichter, ber 
in einem poetif^en Sßerfe einen Verbre^er ober SS ahnfinnigen auf=* 
treten läht, für ^euBerungen, bie er biefem atg ^rflu^ feineg ^ahn== 
finng ober feiner Verbredhernatur, feinem (^hurafter gemaB, in ben 
SPiunb legt, atg 5läter beftraft tuitb! Söenn S^iEer in ben Slaubern 
feinen graut SPioor ©ott lüftern unb ben frommen V? t^rj^ofer 
mit Veleibigungen überhäufen lä^t, 'fo macht fich S^iEer 

b.r (Sotteglafterung unb ber Verlegung ber 
lidjen Staube fi^utbig. @enau fo liegt aber ber galt hpf - ^-^eb^ 
bramatifche (Etiarafterifirung eineg Sago, ^on Suan, ..Sticharb 111. 
unb fo Dieter anberer SPieiftertoerfe märe einfad) unmogti^, menn 
ber ^idjter büB^n müBte, mag feine giguren fagen unb ihrem 
(^harafter gemäB fagen müffen. (Die (Erhebung ber Stnftage, bie 
Verurteilung ber Slngeftagten märe gteidhbebeutenb mit ^neb^ 
tuna jeben poetifi^en unb litlerarifchen S(^affeng. Sm 
halb mit Veftimmtheit auf bie S?id)teröffnung beg ©auptberfahreng 
hoffen tu bürfen, momit tugleid) bie greigabe ber (Drudfchriftm tu 
berfügen märe." Unterteichnet: Dr. Slofenthal, Slechtganmatt. 

^ant im Sinne biefer Slugführungen begrünbeten bie SHchter 
ihren Vef^tuB, melier bahin lautete, baB bie befchulbigten Stutoren 
auBer Verfolgung fehen unb bie Vefchlagnahme beg Vu^eg: 
„S^oberneg Äeben" auftuh^ben fei. 

m geht aug bem Verlauf biefer Slffaire herbor, baB 
Vaiern übereifrige Staatganmälte giebt, baB 
einfichtSöoHen 9 iict 3 leru «elctje ba§ ?{ec^t be§ S*unftler8 gu 

ref|)etttitu, bie fünjtlerif(?^e greitjeit ju icürbigcn luiffeii. 

S. @c^. 




f'ttte litfetrdtifcfje 

Rufd)riften für biefe Slubril finb mit bem Vermerle „Slngelegenheit 
beg SPlagating für ßitteratur" an $errn Dr. Sllbert (Dregbner, 
W., SüBomftraBe 96, 111. t^ richten. 

gum Vortrage über (Detleb bon Siliencron. 

Sn ber V^*effe ift bei Vefpredhung beg lebten Vortragg^lbenbg 
ber „greien litterarifd^en ©efeEfchaft" me|rfa^ h^^borgehoben 
morben, baB E)ol angebracht gemefen märe, im Slahmen beg Vor^ 
trageg über ©etleb bon ßiliencron einige Dichtungen SUiencrong tu 
©eför tu bringen. Sd) halte biefe SlugfteEung für ni^t berechtigt, 
unb ttbar aug ttueierlei ©rünben. Einmal bürfte eg firmer faEen, 
unter ber groBen gal)l bon Slrbeiten beg Didhtecg eine fold)e Slug^ 
lefe tu treten, bie eine erfchöpfenbe ^hatalteriftit giebt. ^ (Serabe bei 
Siliencron ift eine fold)e Vielfeitigfeit borpanben, baB ein Vortragg= 
Slbenb nid)t augreichen mürbe, um bag (^harafteriftifd)e befannt tu 
geben. Denn eg mürbe fid) nid)t aEein um ben Vortrag bon 
bii^ten hanbeln, anch eintelne ber V^afaj=Slvbeiten^ finb fo michtig für 
bie ^emitnig ber (Eigenart Siliencrong — id) erinnere nur an bag 
„Slichtf(^mert bon Damagfug", biefe Verle ber mobernen ^obeEen^* 
liEeratur — baB ^an unbebingt auf fie näher eingehen müBte. SSo 
bliebe ba geit unb Suft ber guhörerl Der ttueite @runb ift ein 
mehr formaler; ich halte eg bur^aug nicht für lünftlerifch, menn 
ber Vorteagenbe aEe Slugenblicfe feine Siebe unterbricht unb mit ben 
Störten beg Di^terg, ben er tu mürbigen berufen ift, fortfährt, ^in 
Vortrag über einen Slutor foE hoch in erfter Vinie batu bienen, 
bem Vublifum Sntereffe für ben Did)tee eintuflöBen unb eg 
eigenen Veftüre tu beranlaffen. Unb bieg hat meineg (Srachteng 
Dr. Slbalbert bon §anftein in feinem Vortrage über Eiliencron in 
gant auggeteid)ueter SSeife getan, ^erabe bie gufammenfaffung aE 
ber in ben eintelnen Söerfen Siliencrong borl)anoenen güge tu einem 
©efamtbilbe beg Di(^terg mar eine Eeiftung erften Siangeg. S9er 
nad) biefem Vortrage nid)t felber tu ben Söerfen beg Dichterg greift, 
bürfte nur ein befd)eibeneg Sntereffe für bie Eitteratur befi^en. 

(Eonrab Slanbel. 



Verantn?.: Dtto 5neumann*<5>ofei’, Berlin. — Verlag ber Union, (Peutld)e Vcrlagg*@eleEld)aft, Berlin imb Stuttgart — ©ebrudt bei V, ®enfcb, Berlin SW 




für c^iffcrafur. 


1832 ^>eö^^ünbet 
von 

£et>tnann. 


ß)erau53egcben üon jfrits JlBaitfIjncr unb q^tto 3Beiunanii=’i|afer. 
■glc6a&ftott: "gäerCtn SW., §frte6i;ic^f"ira0e 207. 


|(n{«n 

Deutf(^e t)er{a0S;®efcßf(^aft 
:öerUn u. Stuttgart. 


leben Sonnaknb — prei$ 4lUar! t»ierteIjal;rU$. ^Sepellnngen merben non ieber Bu(^l)anblun3, jebem poftamt (ttr. 3589 
ber poftgeitungslifte), foirie rom Perlage bes „PTagagtn" entgegengenommen. ^nseigen 40 Pfg. bte bretgefpaltene petttgeUec 

o-^ FreiJ öer Cins^Inummer : 40 jpfg, o 


61. Jaljrgang, iSei'linA ben io. j$9i. Tlr. 8. 

gnöalt: Unfere ©d)uIreform 4: ^er ®ampf um bte SSolfgfd^uIe III. — ®urt ©rottetui^: @nqu6te über bte ber 

beutfcben Sttteratur I (Hermann Sing — 9tobenberg — ^einrtcb Sulti^aupt — SKa^tmtlian ©cbtnibt .— ©ruft ©dfleiu 

— ®onrab S^elman — ©erbnrb Port 3lmt)ntor). — S^beater bou grtfe SRautbuer: ©iSgattg bon 50ln^ ^^albe — ^e Sßaber 
bon ©erbart ^auptmgun — ©dbümme ©aat bou Dtto Stfdber — ^er Slotbelfer bou SImanb ®olbe. — ^ermann @uber:= 
mann: $bea, ein SBintermäriben Y. - SKarco $raga: '5)te ibeafe grau. III. Sllt (@dbiu|). — Sttterarifdbe ©b^butf. — 
Sitterarifcbe Sleuigfeiten: ©ruft ©cfftetn: SDombrora^fl), befprod^en bon©. ß. — ©eorg aKüIIer^^grauenftein: ffiön §etnrtcb 
Steift big pr ©räftn SSIarie ©bner:=©fcbenbadb, befprocben bon -r. — ßou Slnbreag^'Satome: Sbfeng grauengeftatten, befprotben 
bon g. SK. — ©ngetbert Sltbreibt: Ecce homo! befprodben bon ©. 2. ©oetbe alg ^emmfcbub, bon einem ’95ertiner. -- ©äfar 
gtaif^ten: ötto §eiuricb bon ©emmingen, beforocben bon Dr. $aut Sübn. — ^ ^ie Sitterarifcben ©efettfdbaften. 

2tus3ug5rpeifer tTadpbrudi fdmmtU(ber 2lrüM, au^er ben nonelliftiftben unb bramatifd)en, unter genauer (Buetlenangabe geftattet/ 

Hnöcfugtcr linrö auf oanmö ber o^efetse unb t^erträge berfatgt 


llnfeue 6d;utreform. 


4. ®er .tampf um ble aSolf§fc^uIe. III. 

Sn luteroeit ift beim bie @etffUd)feit befäljigt, bie. 
^ufgobe gu evfüHeu, bie il}t ber 3ebli:^fcf)e SSolf^fd^uP 
gefe|enttt)m'f §uerfennen möd)te? ®ie Slufgabe, bie 
eingig^ luirffame SRoral bem 3Solfe uon ^inbeSbeinen au 
einguimiifen? S)ie c^rifiticl)e ÜKoral, bie SKoral ber 
35ibel, bie fo ()immelweit uon ber ÜJboral be§ mobernen 
©taateS entfernt iftV ®a§ roar bie g^rage, bie wir ba§ 
öorige mat beI)onbetten. ®ie Sßorte vermögen nidftS, 
wenn i^nen nid)t bie S:aten ber ßt)ri[ten entfprecEien. 
®ie Sänger S^rifti eroberten bie Sßett, fie wirften 
SBunber, weit bei il)nen SBort unb S^at @ine§ war! 

Seiber ift. bie S)?ocE)i, SBunber gu wirfen, wie e§ 
fdtieint, faft gang au§ ber mobernen @eiftlid)feit gewidien. 
®ie S!^eologie ift ein 33rotftubium geworben, wie alle 
übrigen. ®ie (Seiftlicben finb ÜKenfeben wie bie onberen. 
unb was fie prebigen finb SRenfebenworte, unb waS fie 
benfen unb wollen finb menfdbticbe ©ebanfen unb 
Söünfcbe. SBaren unfere ©eiftlicben SKänner oom 
©cblage ber 8Ipoftet, waprlidi, wir bätün anbere fogiale 
Suftänbe. ©ie wären in iißirfticbfeit bie Siräger ber 
^otfSmoral, fie würben ein <§ort ber iöebrängten unb 
ein ©ebuü ber ©diwadien fein," unb bte StJäiütigen unb 
©ewaltbaber würben bet ibren ißrebigten ergittern. 
©in ©briftentum , . boS auf l^ompromiff en mit ben 
2Bünf(üen unb Sutereffen ber bfinfcbenben l^toffen im 
©taate aufgebaut ift, fann eine älfnlicbe IRoEe natür» 
litÜ niemals fpieten. ©einen Sefennern fei)© ber ©taube, 
bie innere i?raft, bie ibnen feine 3Serfügung einer 
weifen ©taatSregierung oerteiben fonu- ©§ wirb batjer 
oudb baS föetoreiüt ber ©eiftticben bei ber ffJrüfung 
ber ©ebutamtSfanbibaten fowie anbere DIeebte, bie ber 
fftegierungSentwurf beS SSotfSfebutgefebeS ben ©eiftticben 
gufpriebt, für bie Stufredjterbottung beS ©briftentumS im 
preufeifeben ©toate weni^ töebeutung haben. ®ie eingige 
tföirfung,. wetdbb fid) , mit ©idberbeit erwarten täüü. bürfte. 


eine grofee 3wJ^abme beS geifttidben ©totgeS fein, eines 
©totgeS, ber fo febroff im üöiberfprucbe fiebt gu bem 
Sbeal ber cbriftlidben ®emut. 

®er Sebrer nun ift eS in erfter Bleibe, .ber biefen 
©totg erfahren, ber in ber ©eiftliibfeit [einen „neuen 
,§errn" fühlen wirb, f^reiticb ift eS uns, nicht gang ftar,; 
in welcher SSeife bie firdbtidbe Sebörbe auf bie ©efinmmg 
beS ÖebramtSfanbiboten auS ben ©rgebniffen ber ißrüfung 
einen gutrefenben ©cb.lu^ machen wiE. Selche g’^^agen 
wiE ber ©eiftlicbe an ben ©paminanben rillten, um gu 
erfahren, waS er glaubt? Siffen unb ©tauben ift 
nicht baffetbe, unb um bie innerften Biegungen beS §ergenS 
gu erforfiüen, bagu reicht ein öffenttidbeS ©jamen ntmmer=; 
mehr aus. Um gu prüfen, waS ber ©paminanb glaubt, 
befibt ber ©eiftlicbe alS iDlttglieb ber ißrüfüngSfommiffion 
gar fein ÜKittel, .ja er wirb nicht feiten ber Slatfadbe 
gegenüberftebn, baü ber noch fel)r fugenblide fßrüfting 
bei ber fauren SIrbeit beS SernenS überhaupt noiü gar' 
feinen felbftänbigen ©tauben erlangt bat. 8Iucb wenn er: 
übergeugt ift gu glauben, wirb efn reifer ^Beurteiler auf 
biefen halb eingelernten ©tauben nidpt oiel geben, bis er 
ficb unter ben gäbrlid)feiten beS SebenS alS giwerläffig 
erwiefen bat. BlEerbingS erwortet ben jungen Sebrer ja 
nach § 113 beS ©efetjentwurfeS noch eine mehrjährige, 
praftijdbe fßrüfungSgeit, ehe er befinitio, gngeftellt wirb, 
aber felbft wöbreüb biefer 3eit unb oueb nach feiner 2tn» 
ftdlmig fann man auS , feinem BleligionSunterricbt fcbwer=: 
lieb auf feine moratifebe unb religiöfe Qualiftfation 
febtiefeen. Sie wiE ficb beim ber ©eiftlidie baoon über» 
geugen, bafe ber BletigionSunterricbt wirflidb in feinem 
©inne unb niiüt etwa' bloS in einer äußerlich non ib.m 
oorgefebriebenen erteilt wirb? 

3IEe StifprfUonen hob« SSorgefebten fönüen nidpt be» 
wirfen, bafe ber Sebrer, wenn er mit ben üinbern aüein 
ift, in bem oorgefdbriebenen ©inne nnterriebte. 9lid)t ein» 
mal ber Horcher an ber Sonb üermag ben Unterricht 
genügenb gu fontroliren, wenn er nicht etwa auch nodb 
bie äuSfiebt . burebS ©dbtüffellpdb. gu .tpilfe nimuit- . ®ie 
^gltung ,beS SebrerS,. feine iöliene,^, geringe. Blügncmm^^^^ 





122 


SMagajtn füt Sitteraiut. 8 


feines SüoneS fpieleu kirn llnterrid)t guwetlen eine erkk 
ti^e 91ofle. ®te gleidtien ©prüdfie, bie gietd^en Sieber» 
nerfe fönnen »irffant ober umoirffom werben, jenoc^bent 
ber aKenfd) fit^ giebt, ber fie oorträgi. Sitte biefe bebeut» 
fanten (Singell^eiten fonn Mne übrigfeitlitt)e ober geift(i(|e 
^ontrotte in ü^rem (Sinne ergwingen. Selbft aitS ben 
Slntworten ber S(^ulfinber oermag ber Stuffict)t füljrenbe 
©eifttidfe nid)t bie religiöfe ©efinnung beS Sei)rer§ gu 
erfcttlie^en. 5fea§ fie l^erfagen, fann dnSwenbig geiernt 
fein; ba| fie mon(|e grage üerfebten, liegt oft an ber nn» 
f)äbogogtfi$en Slrt ber grageftettung, nod) öfter an ber 
5lengftlid)feit ber kleinen einem unbelonnten (Sefi^t 
gegenüber. 

3m ©runbe wirb ba§ aüeS oudd tt.fir nicfit bie @nt» 
fd^eibung geben, ob ber ttteligionSnnterricEit eines SebrerS 
ben SSetfott feiner geiftlicfien SSorgefe^ten erbölt. 2)oS 
wirflicb entfd)eibenbe Äriterinm wirb feine oitfeeramtlid)e, 
bürgerliche, oor allen ®ingen feine f)olitifct)e Haltung fein. 
$ier bietet ftd) eine bequeme $anbbobe gu feiner ^eaitf» 
fi^tigung, uttb bafe man fie benuhen wirb, bafür bürfte 
bie gange ©efchichte Seftrebungen audt) in 

unferem Sanbe einen genügenden SSeweiS bieten. @nt» I 
fdbeibenb für bie gtäuBige ©efinnnng beS SehrerS, für 
feine ^Befähigung ttleligionSunterricht gu erteilen, wirb fein 
fjolitifCheS ©laubenSbefenntniS fein. Sollte er fich etwa 
gur freifinnigen ißartei befennen, ober gar oerbächtig fein, 
[ich ber ttt ©ogialbemofrotie gugnneigen, bann wirb 
ihn fein ttleligionSunterridht, er mag ihn erteilen, wie er 
wolle, oor bem Sonnftral feiner firdhlidhen SSorgefehten 
fchühen. 

SBären nun alle SSolfSfchullehrer Slaturcn oon laut» 
fchulartiger moralifdher SlnbaffungSföhigleit , ober oott» 
lommener SSerftellungSgobe, fo würben fie ber Schulgefeh» 
oorlage mit ber groften (Seelenruhe entgegenfehn lönnen; 
bafe ober gerobe bie Sehrerfchoft fich oott ©ntrüftung er» 
hebt, um gegen ben SSerfudh, fie unter geiftlidtie SSormunb» 
fchoft gu fteilen, gu hroteftiren, geigt, bofe gerabe biefem 
Staube noch eine hohe Selbftänbigfeit beS ©enfenS unb 
oerfönliche (Selbftochtung innewohnt. ®ie feuchter werben 
ich fehe dolb gurecht finhen, ihnen winlen gute Stet» 
lungen unb fichere löeförberung ; ober bie lauteren, ehr» 
liehen ©hoeoltere, welche baS tiefe SebürfniS emfcfinben, 
offen ouSgufprechen waS fte beulen — fie gehen einem 
fchweren SUärthrertum entgegen, jo manche, bie weniger 
energifch finb, werben oietteicht, wenn fie ouf SSeib unb 
Äinb bliden, gum männlichen ©inftehen für ihre lieber» 
geugungen nicht lange ben SWut befthen. 

©er Slbgeorbnete ^nörde fprach neulich im Sibge» 
orbnetenhaufe bie Vermutung aus, ba^ fich infolge beS 
neuen (SchulgefeheS wol weniger olS je ^anbibaten für 
ben Sehrerberuf melben würben. Seiber ift baS loum gu» 
treffenb. SKan fcheint biefe ©oentualität oorouSgefeheu gu 
haben, unb h<rt infolgebeffen bie materielle Soge ber Sehrer 
ein wenig oerbeffert. 3Bie lläglidh bie ©ehaltsoerhättniffe 
ber SSollSfdhutlehrer heute finb, geht ouS einigen ftatiftifchen 
gufammenftettungen heroor. ®aS ©urdhfehnittSgehatt eines 
SollSfchullehrerS betrug im Sahre 1886 in ben Stäbten 
1277 SKorl, auf bem Sanbe 951 3karl. 3n Serlin 1675, 
in ben Stäbten SßeftfalenS 1250, in benen SachfenS 
1138, in SBeftpreuhen enblidh 991. Stuf bem Sanbe war 
baS ©inlommen ber Sehrer in SBeftfalen 1044 SRorl, 
in Söefthreu^en 806 SRorl. ©iefe giffern gölten aber 
natürlich nicht für alle Sehrer. (£S gab Stellen, welche 
nur auf 700 unb 600 SJiarl jährlich oeronfchlagt würben ; 
bobei wor regelmäßig ber ©rtrag beS bem Sehrer guge» 
wiefenen, nur burch bie Slrbeit feiner gomilie gu beftetten» 
ben SlderS unb fonftiger Smolumente mit eingerechnet. 
©aS fott jeßt anberS werben. Siadh § 134 fott baS 
Grundgehalt für otteinftehenbe ober erfte Sehrer in feinem 


glatte niebriger als 1000 SKarl fein, freilich werben in 
biefer Summe nach § 149 wie früher fonftige ©ienftein» 
fünfte unb Sfußungen miteinbegriffen fein. ©aS ift citter» 
bingS lein Ginlommen, baS 5ßerfonen mit fchwelgerifchen 
Gewohnheiten anloden fann, aber eS ift in einer Wirt» 
fchaftlich traurigen 3ed, heute wo bie Slot beS SebenS 
oufs höchfte geftiegen ift, immerhin eine guflucht oor ben 
äußerften Gntbehrungen, bie mancher fürforglid)e 33oter 
feinem Sohne wirb eröffnen wollen. Sllfo an S3ewerbern 
wirb eS, je fchledhter bie GrwerbSoerhättniffe werben, um 
fo weniger fehlen, aber bie moralifdhe 33efdhaffenheit ber 
Sehrer wirb fich utit Sicherheit in bem IDioße oerringern, 
olS lebiglich materielle Grwägungen ben SluSfehlog bei 
ber SleriifSwahl bilben. 

Slber Geiftlidhe wie Sehrer finb bodl) nur fttiittel gum 
Swed, gnftrumente in ber >§anb ber StoatSregierung, 
um ben Geift ber Sugenb gu bearbeiten, ©ie ^inber 
des länblidhen unb beS ftäbtifchen Proletariats 
finb boS leßte unb eigentliche Objelt beS gangen 
Polls fdhul»GefehentwurfeS. 2Sie werben ße fich gu 
ben Slbfichten ber preußifdhen Regierung fteilen? @S ift 
hier gweifettoS ein fcharfer llnterfchieb gwifdien ben ^inbern 
des länblidhen ProletoriatS unb benen ber gabrilbeoölfe» 
rung ber (Stäbte gu machen. Sluf bem Sanbe werben bie 
Binder oermutlidh nach wie oor ihre freie 3eit niit Gänfe» 
hüten, Unlroutjäten, Kartoffeln auSnehmen unb fonftigen 
nüßlidhen unb angenehmen Slrbeiten im ©ienfte ihrer 
Gltern ober ihrer gnäbigen $errfchaft auSfütten, wenn fie 
nicht etwa bie §ungerlöhne ber erwadhfenen SRitglieber in 
ihrer gamilie burch ^ilfeleiftung bei ber Sßeberei, Griffel» 
unb Sf)ielwaarenfabrifation ob. bergt, oermehren h^lf^u 
müffen. ©aneben werben fie in ber Schule etwoS mehr 
Siederoerfe unb Sprüche lernen unb bie biblifche Gefdhichte 
in einer mit ben Slnforberungeu beS mobernen lapitoliftifchen 
Staates noch uiepr als bisher hntmonirenben SSeife oor» 
tragen hören. GS wirb ihnen Gelegenheit gegeben werben, 
auch wenn anbere Schulen in größerer Päße oorpanben 
fein fottten, baS unoerfälfehte Gh'riftentum in feiner reinen 
fonfeffionetten Geftalt in fich aufgunehmen, unb bie 
weiten Schulwege werben ben fleinen pilgern 3Äuße unb 
Gelegenheit genug barbieten, über bie metaphhfifiheu Unter» 
fchiebe ber fatholifchen unb eoangelifchen Sehre oom 
Slbenbmahl ober oon bem SBerte beS Glaubens unb ber 
guten Sßerle nachgubenlen. greilidh bürfte eS nidht gang 
ohne Pebenlen fein, bie fonfeffionetten Unterfchiebe bei 
gemifdhter Peoöllerung attgufepr gu betonen. Sliit welchen 
jlugen werben bie fatholifchen Pauerjungen ben proteftan» 
tifchen Geiftlidhen, unb bie proteftantifd)en Kinber ben 
Probft ober Pifor beS ©orfeS betrochten? ga, werben 
diefe ehrwürbigen Herren im Pottgefühl ihrer erhöhten 
Pedeutung felber ftetS in grieben miteinanber leben? 
Sßerben nicht bie proteftontifchen Kangeln oon gnoeftioen 
gegen ben Peliquienbienft, bie fotholifchen oon Eingriffen 
auf Sutper erbröpnen? Slber wenn auch l>ie Grwachfenen 
griebe pulten, gwifepeu ber fatpolifchen unb ber eoange» 
lifchen (Schule wird, wo pe on bemfelben Orte beftepn, 
fidperlich KiiegSguftanb perrfdhen. PeligionSlriege werben 
mit einer Grbitterung gwifchen ber lonfeffionell gefepiebenen 
Sdpuljugenb entbrennen, weldpe Pätern unb Plüttern bie 
Porteile ber Simultanfcpule fepr braftifep oor Slugen 
führen bürfte. 

Pei ben Kinbern beS ftäbtifepen proletoriatS wirb 
baS Somenlörnlein ber geiftlichen Unterweifung oorauS» 
fidpflidp uuf peinigen Poden fotten. §ier gilt ber 
Spruch: SBie bie Eliten fungen, fo gwitfehern bie 

gungen. EBenn man peute irgenbwo im Porben PerlinS 
um bie EKittagSgeit einem (schwärm aus ber Sdpule 
peimleprenber Proletarier jungen begegnet, barf man 
mit Sicherheit darauf redpnen, baß irgenb fo ein blaffeS 


123 


9?r. 8 SKaga^in fttt Sitietoiut. 


zerlumptes 23ürf(pd^ett bie ÜKelobie ber aJJarfeiEotfe oor 
fiep piupfeift. SDiefen Pleinen ©ingBögeln »erben 
einmal ftarfe g^ittiepe unb feparfe ^raEen wadpfen, mit 
benen fie bann trop aEeS ©efdpreiS ber Wirten unb trop 
beS ©cbeES ber [toatlidp angefteEten (Sdpäferpunbe in 
bie frommen Sämmerperben ber ©eiftlicpfeit pinab» 
ftopen »erben. 8lucp bie geiftliepe ^eouffieptigung ber 
SßoIfSfdpuIen »irb biefe ^inber nidpt mepr in bie 
^opnen beS ©priftentumS ^uritfffüpren. ®ie ^arfeiEaife 
»irb aEe Mripenlieber in tprem Innern übertönen. 
2lEe fdpönen @f)rücpe unb erpabenen 3Sorfdpriften beS 
©priftentumS »erben für bie l^inber beS groüftäbtifdpen 
5ßroletariatS nur »irfungStofe Sorte bleiben, Sorte, 
bereu ©rfüEung fie nirgenbS oor Singen poben. ®ie 
SCutorität beS SeprerS »irb burdp bie Stutorität beS 
SSoterS, ber SiEutter, ber er»ocpfenen ©efdpmifter, burdp 
ben ©inffup ber gangen Sltmofppäre, in »el(per boS 
fßroletarierfinb aüf»äipft, punbertföltig aufge»ogen. 
än ben ^inbern ber ftabtifepen Strbeiterbeoölferung »irb 
febe firdpli(pe S5eeinfluffung »irfungsloS abpraEen, ja 
bie SSerfudpe, .^inber üon Sltpeiften gum fonfeffioneE» 
(priftli(pen IReligionSnnterricpte gu g»ingen, bürfte für 
ben EletigionSunterridpt fetbft bato fo üble folgen paben, 
bap man bie ungläubigen ©(püler gern biSpenfiren 
wirb. Seber ergeugt Siberftanb, unb eS wäre 

bodp eine gar gu traurige fftoEe für ben Seprer, ben 
©eifttiipen unb fcplieplidp für ben ©taat fetbft, wenn 
man bie ©pule gu einem ^ampf gegen SEJärtprer unter 
oiergepn Sopren mipbraupen »oEte. 

®ie preufeifpe Etegierung pült, »ie eS fpeint, bie 
©efapr eines ©iegeS ber ©ogialbemofratie für fepr 
bropenb; um fo mepr foEte fie baper aEeS oenneiben, 
»aS ber ©taatSantorität bie ©pmpotpien ber nipt 
fogialiftifpen ESolfSfreife entfremben fann. Seiber 
bemeift boS SSolfSfputgefep, bop man fip biefe 30?ög= 
lipfeit überpaupt nipt oorgefteEt pat. ®iefe SSorloge 
würbe unter normalen SSerp'ültniffen bie ©teEung einer 
Elegierung in einem Sanbe »ie fßreuüen au^erorbentlip 
fpwäpen, im JÜampfe gegen bie Umfturgparteien ift fie 
ein fo ungtütflidper taftifper fPlipgriff, bofe bie ©ogiol» 
bemofroten ipren ©egnern gor reinen befferen f^elb» 
gugSplan »ünfpen fönnen. 



J)ie Sufunft 5ct? beutf4>en tCittenatur 
im Urteil unferer Di4»ter unb Deuter* 

©ine ©nquete. 

SSon 

Cutt o^rottetoits» 

granfreid^ ift ha§> Sattb ber ©nqueten. gaft äße SOJonote 
einmal fießt ber gtgaro ober irqenb ein anbere§ 93Iatt eine 
©r'^ebung an, fei e§ über bie ^efcbtßnng ber berliner Snnft= 
au^fleflung ober über bie Sücberfrife ober über fonft ettoag. 
SDa§ 3:bcma, über toel^e^ bie SKeinung berühmter SKänner 
eingebolt mtrb, ift natürlii^ oft feine^toeg^ melterfdhütternb, 
unb e§ fann fi^on borfommen, ba§ Qola über bie SSortrefflidb- 
feit eine§ ^ßarfumg befragt toirb, ba§ er in feinem ßeben nie 
gerodben böt. 

®ie litterarifdbe unb überbauet bie gebübete SBelt jenfeitg 
be§ 3tb^in^ bot fidb ü)oI niemals fo angelegentlidb mit einer 
©nquete befdbäftigt mie mit berjenigen, bie im hörigen 
Sule§ §uret über bie 3nfunft ber, fran^öfifi^en Sitteratur an- 
gefteßt nnb bereu 5RefuItate er im Echo de Parig botn Wdxi 


bi§ 5 um 5. Snß 1891 heröffentfidbt bot. ®ie gufunft ber 
Sitteratur? Sft nidbt ein Sb^nta, ba§ audb jn ®eutplan^ 
^um ©egenftanb einer ©nquete gemadbt imerbett fönnte? 
^errfdbt nicht audb bei un§ ie|t ein bin- unb b^^h)ogenber 
Sompf hon einanber miberfpreebenben SKeinungen, treten nidbt 
audb bei un§ bie mannigfaltigften litterarifdben ©trömungen unb 
3?idbtungen auf unb giebt e§ nidbt genug Seute, bie üngftßdb, 
neugierig, boffnung^hoß fragen: SBa§ miß ba§ merben mit 
nuferer Sitteratur? 

®ie ©nquete, mit bereu S5eröffentlii^nng 'tjkx begonnen 
mirb, foß ba^u beitragen, in biefem mirren ©trome einanber 
befömbfenber 9lnfi(bten Slärung ^u fdbaffen, foß anberer- 
feitg jebem einzelnen ©dbriftfteßer ©elegenbeit geben, feinen 
©tanbpunft gegenüber ben gro|en gragen nuferer Sitteratur 
5 u entmiefetn. ©dbon bie ^nbitäum^nummer be§ „SKogajing" 
brachte eine Sfntmort, bie hon Stofegger, ©ie mag ber Sefer 
ai§) eine SSorbereitung unb Einleitung ber folgenben ©timmeu:^ 
fammlung betradbten. Unb fo foßen fie benn anfmcirfdbiren, 
bie äömpen, ein {eher aßein, fetbft angreifenb unb fidb fetbft 
herteibigenb. S^be Stangorbnung fei hermieben, ohne Stummer 
unb Stegiment^^eii^en foßen fie auf^ieben, mie fie gerobe 
fommen. SBot fönnte fidb nnbebagtidb fübten in ber 
bunten ©efeßfdbaft, mo er fi^en mu§ an einem ®ifdbe mit 
feinem ©egner. Slber mürbe er fidb moter fübten, menn er 
mit ©teidbgefinnten auf eine ©ebutbanf ge^möngt mürbe? 

^ermann Singg. 

„Slnfgeforbert, Sbn^n meine SJteinung über bie gortentmidf:^ 
tung ber beutfdben Sitteratur au§jufpred)en, erlaube iii mir, 
aßerbingg nur brudbftüdmeife unb annäbernb, ba§, mag idb 
hierüber äußern fann, barptegen. 

„Sdb gtaube unb münfdbe, baß bie beutpe Sitteratur in 
ihrer hornebmften Vertretung, bem ®rama, immer mehr bem 
©taatgteben, bem gejebidbitidben Vemuftfein ber Station ficb an- 
fdbtiepen möge, unb hon ber Vübne oug burdb ibte ©eftattungen 
gemeinfam mit ber V^ceffe, unb no(^ in höherem S)ta|e unb 
einbringtidber, eine SJtadbt beg öffenttidben Sebeng merbe, burdb 
ihren ©inftu| auf Vitbung unb ©efittung: beg Votfeg* ^ ©g 
mirb feinen Hoffnungen, feinen ^ugbrud herteiben, 

fie hertebenbigen, unb burdb ®arfteßung einer )^ö^txtn äSirf== 
tidbfeit mit ber gemeinen augföbuen unb ^u feiner ergeben, 
fteinerem Greife mirb bogfetbe ber Stomqn unb bie Stobeße 
fidb ^XLX Slufgabe machen, 'tjiex aber mirb mehr bag S^bibi- 
bueße, ^äukiä^Mt unb gamitie, in Vetradbt fommen. ®ie 
Sprif mirb bie atten ®one burdb neue bereidbern, Siebe, Stotur, 
Vatertanb — fie mirb ftcb aber auih bi^^ö^i bertiefen, ©e- 
banfengebatt mit natürtidber ©mpfinbung unb Vbontafie ber- 
einen; bie teibenfdbafttidbe Vemegung ber neuen geit mirb in 
ftürmifdberen Slfforben ang ber ©eete ber ®idbter mieber baßen."' 

Sutiug Stobenberg. 

^ „©tatt bie grage pofitib ^u beantmorten, mödbte i($ meine 
3fnfid)t unb Ueber^eugung babin augfpre(ben, ba§ bie Bufunft 
nuferer Sitteratur ni^t in ber Stidbtung nuferer „Sttobernen" 
Hegt. — Sota, ®otf|oj finb fotogen, bie ich boßfont^ 

men anerfenne. SSag idb abCebnen oui§, ift -- ba§ man fie 
gu gübrern ber beutfdben /Sitteraturbemegung ma^t. ®enn 
^aihabmung beg gremoen ift an fidb fdbon ein 
Verfaßg unb ber ©dbmödbe. Verfüngen fann bie ®idbtung 
mie bie Sunft fidb nur ang ben eignen nationalen Dueßen." 

Heinridb Vultbaupt. 

„®ie 3u^onft ber beutfdben Sitteratur? gtaube, fie 
tä^t fidb fo menig mabrfagen mie bie gofnuft unferer ©e- 
fdbidbte. Stßeg ®b^oretifiren barüber ift mügig. ©etbft menn 
man ihre Vergangenheit forgfeßtigft prüft unb bie borfidbtigften 
©dblüffe ang ihr giep — ein unberedbenbareg SBeltereignig, 
ein überragenbeg ©enie, bag bie Keinen latente mie ©atefiiten 
um fidb berfammelt, fann fommen unb aße V^opbegeiungen gu 
©dbanben maißen. Um einen Vergtei(b aug einem benadbbqrten 
®unftgebiet gu mähten: mer fönnte miffen, ba| im Sabre 1813 
. Stidbarb SBagner geboren merben mürbe? Unb mag märe bag 
heutige SJtufifbrama ohne ihn? Studb bie geiftreidbften unb 
eifrigften Vemübungen, ben ®idbtern ben SBeg ing neue S^bt^- 
bunbert ^u meifen, hotte idb barum für bergebtidbe Strbeit. 
®ie eg bigtang ging, fo mirb eg audb ferner geben: gmifdben 
©toff unb gorm, gmifdben SSirftiißfett unb Vbontafie, gmifdben 
^ahrb^tt unb ©dbönbeit^ gmipen Steoßgmug unb S^^eatigmug 


^a§> für Sttteratur. 


124 


^X. 8 


tt)irb btc Sunft auf unb ab fd^aufelu. ©rflarrt bte fjorm, 
tuirb bte ©d^önl^ett jur Süge, bie ^ß^antafte jum SBal^utt)i|, 
ber Sbeali§mu§ ^ur ^^ra|e, bann tnirb immer tnieber ber 
9f{nf nadö Statur laut merben, nnb folgt bte ®nnft ber SBtrf^ 
lid^feit jüaOifd^, glaubt fte, bte Sftatnr erfaßt ^n !^aben, menn 
fte bie fi^mn^ige Oberftäd^e ber ^inge getrenli^ abtlatf^t, 
bann toirb bie Uebertreibung nnb SJertennnng fie bon felbft 
^nm Sbeal ^urüctfnbren. biefen beiben ^olen liegt 

ba§ 9?eid^ ber Snnft. 3inr ein§ mirb niemafö ®aner itnb 
©eltnng erlangen tonnen: ba§ ^Programm ber (Sparen be§ 
^peEeg, ba§ bh plumpe „9latnrali§mn§" berfnnbet. mag 
bie S^eoretiter befd^öftigen nnb bie gro^e SJiaffe blenben: bie 
fdbaffenben Zünftler, bereu 2Ber! e§ aEejeit mar nnb bleiben 
mirb, an§ ber SüEe ber ©rfd^einnngen ba§ SBefentli^e jn 
löfen nnb e§ §n einem neuen ©an^en, ^nm tnnftlerifd&en 
@an§en ^n runben, merben e§ beläcpeln, nnb auf ben SeifaE 
ber gefieberten Srititer, bie bie gemalten Trauben für mirflid^e 
hielten, gern PerAtd^ten. ®ie menigen unter ipnen aber, bie 
ft(^ bon ber falflhen Sehre beirren liefen, merben ihr über 
tnr^ ober lang untren merben, nnb untren merben muffen. 
®al erheif(ht bie Jlatnr ber ®nnft. Unb biefe notmenbige 
SBanblnng PoEgieht ft(h unter ben Singen ber ©ehenben 
f(hon ie^t.'" 

SKa^cimilian ©d^mibt. , 

„Jtadb meiner SKeinnng ift bie ©ignatnr ber nädbften ßn- 
fnnft ber bentfdben Sitteratnr ber SDilettanti^mng. SDie menigen 
berufenen ©ihriftfteEer nnb ^idbter „Pon ®otte§ ©naben" 
merben 3Kühe ^hre h^^borragenbe ©teEnng p be^ 

hanpten. gür flafftfthe Slrbeiten h<^l bie h^ftenbe 3^E nber== 
hanpt menig SSerftänbnig mehr; ber äufnnftige Soben ber 
Sitteratnr mnfe ba§ SSolt^tnm fein nnb er mirb e§ fein, 
^nr ba§ ©dhte nnb SSolt^tümlich^ Xoixh fidb behaupten, ba§ 
SSoltgftüd mirb aEnberaE miebernm gn ©h^^^ fommen unb 
bamit bie $oefie im SSoIfe mieber auf (eben mie pr 3^E 
nnfere§ 3JJeifterfänger§ Pon Jlürnberg — ^an§ ©ad^g." 

©rnft ©Eftein. 

„SBa§ meine Slnfid^t über bie SSeiterentmiEelnng ber bent= 
fd^en Sitteratnr betrifft, fo glaube idb, ba§ nn§ ber 9tnEfchlag 
gegen bie ©jtraPagan^en mi^Perftehenber Statnraliften im 
nä(hften Sahrhnnbert, tro^ ®arminigmn§ nnb ©lettri^ität, eine 
franthafte litterarifihe 3örtfinnig!eit bringen mirb, ang ber fi(h 
bann fpöter bie neue, felbftänbige nnb eigenartige Maffi^itätg- 
©pod^e h^^^^^ 9 ^fi<^Eet. ®iefe 3‘^^lfw^^öfeE mirb ft(^ pm 
9?atnrali§mng Perhalten mie bie ©ntfagnngg= Theorie $olftoi§ 
5 U ben Orgien ber freien Siebe. S<h f^l^ i^öbei Poran§, bafe 
fich bie $o(4ei ni(ht in bie S3eftrebnngen ber 5ftatnraliften efe 
mifiht, ma§ leiber — (id^ fage „leiber" im gntereffe ber fdbrift== 
fteEerif(hen greiheit, nicht an§ ©pmpathie für biefe e;ctremfte 
?Ri(^tnng) — nidbt außer bem S3erei(he ber SJJöglidbteit liegt, 
biefem gaE mürbe bie logifihe ©ntmiEelung nnfere§ ©(hrift- 
tnm§ gehemmt merben, ma§ immer ein UnglüE bebentet. 

®onrab Jeimann. 

©rebo. 

glttnbe, baß man in einer nii^t p fernen 
bie @d)lagmorte beg 3^age§ „SbealigmnI", „5ftealilmn§", 
„5ftatnraltömn§" n. f. m. nidbt mehr fennen, tanm mehr Pep 
ftehen mirb. ®ie ©nttPiEelnng ber Sitteratnr mirb bahin 
führen, baß bie fiheinbaren ©egenfä^e PoEftänbig p einer 
höheren ©inheit anfgelöft merben. SJfan mirb realiftifch 
fein, — ni(ht, um eine beftimmte 9tidE)tnng p Pertreten, einer 
beftimmten ©d^nle anpgehören, fonbern än§ 9?atnrnotmenbig- 
Mt, einfa(h, meil man fonft Mn ^id^ter märe, — aber man 
mirb bie realiftifche gorm mit ibealem ©ehalt füEen, meil 
bie Snnft niemals baS Seben felbft fein fann , fonbern 
immer nur mehr ober meniger als baS Seben; — meniger, 
menn fie nur ben photographifch^n Slbflatfdb beS SSirf^ 
li^en giebt, mehr, menn fie baS äSirfli(he mit inbiPibneEem 
Seben erfüEt nnb babnrih über fidb felbft hit^au^hebt. 
^ie Sitteratnr mirb aber auch bann nidbtS 

©rößereS fihaffen fönnen , als bie SSergangenheit gefd^affen 
hat; bie ©röften höß^^ gorbernngen längft erfüEt, 
meld^e bie anffteEen merben. 

©0 mirb ber tünftigen Sitteratnr nur bie Stnfgabe ^ufaEen, 
ben ©eift ihrer 3eit p fpiegeln, fi(h Pon ihm erfüuen nnb" 


bnrdhtränfen jn laffen; nur infomeit mirb eS immer mieber 
eine neue Sitteratnr geben." 

©erhcirb Pon Slml)ntor. 

„®ie beutf(he Sitteratnr beS nächften Söh^'h^t^^ertS mirb 
eine nationale fein, ober fie mirb fi(h febeS ©inflnffeS auf 
;bie Straffen entf(hlagen müffen. ®ie nationale Sitteratnr mirb 
meber realiftifdb; nod^ ibealiftifch, lieber natnraliftifdb , no<^ 
IromanEf^ fein; fie mirb aber Pon aEen biefen ©igenf(^aften 
etmaS enthalten, benn eS mirb immer Sünftlertemperamente 
geben, bie in ber einen ober anbern IRidbtnng bie nnentbehrr 
lt(he 93ebingnng ißreS ©dbaffenS finben. ^iefe nationale 
Sitteratnr mirb nur Pon 50fännern, Pon ganjen äßönnern, 
ober anSnahmSmeife Pon einigen menigen ^engnngSträftigen 
SKannmeibern erfd^affen merben; eine granenlitteratnr, Pon 
nnb für grauen gefdbrtebett, mie fie bei nnS h^^l^ leiber inS 
Srant fd^ießt, mirb feinen SeifaE mehr ßnben. SDie nationale 
Sitteratnr mirb aber au(^ ein religiöfeS SKoment enthalten 
müffen, um fidh baS $erj beS SSolfeS p geminnen; benn fe 
mehr fidh baS bentfche SSolt ber tirdhlidhem 

^onfeffionaliSmnS abmenben mirb, um fo meniger mirb eS 
mahre Sleligiofität entbehren moEen* ®ie Sitteratnr ber 
3n!unft mirb andh, mie febe ei^te Snnft, fo^ialreforma^^ 
torif^ mirfen; eS ift aber p hoffen, baß im nädhften S^h^- 
hnnbert bie fo^ialiftifdhe SSemegnng bie SÜnberfchnhe Perfeeten 
haben mirb; jene Starren nnb ®nben, bie mit ihren tölpefe 
haften Utopien nnb Perbredherifi^en Delirien biefe SSemegnng 
nur h^ntmen, merben enblidh bnrdtjfdhaut nnb ^um ©d^meigen 
gebra(ht fein nnb ber p menfdhenmürbigen ^afeinSbebingnngen 
gelangte nnb fidh gefe^mäßig gebahrenbe Pierte ©tanP mirb 
ben anbern ©tänben ein tamerabfchaftlii^er Reifer fein, bie 
pro^ige Uebermad^t beS Kapitals p breihen nnb ^ eblere 
geiftige SUädhte pr §errfdhaft p bringen. S^ational, 
religiös, fo^ialreformatorifdh ! ^aS mirb baS 3^^^^^ 
fein, in bem bie Sitteratnr ber fiegen mirb." 



CE^eatei?: Ävlei 

SSon 

3Frft3 Jäautöner. 


Sti ber ©c^ulfommiffion ge^t bie S3eratung barüber 
raeiter, ob bie ©ogialbemofratie bur(| bie Ä($e oer= 
nii^let werben lönne ober ni(^t. ®ort finb bie ultra» 
montanen Äatljolifen unb bie ortljobojen ^ßroteftanten 
ber Meinung, bie aufgeregte S'lenfd^i^eit würbe fid) wie» 
ber beruhigen, wenn man bem SSolfe einftweiten wenigftenS 
feine geifttge f^Jatfrung biEig gemad)t üätte. ®ie Herren 
fud)en ber" ^Regierung bie Ueber§eugung aufäubrängen, 
ber 3ßtar fei ba§ guJii^Qwent be§ ^IfroneS. ®a§ SSer» 
büttnis ift gwar non feber umgefebrt gewefen, oon feber 
bat ber ib^n ben 9lttar getragen unb ba§ ©cbwert ibn 
gefdiübt, aber ber moberne Staat tä^t ficb fo gern ein» 
reben, er braudbe bie ©tü^e ber S^ircbe. 3n 'SBirftid)» 
feit ift ber Staat gang unb garnicbt in (Sefabr, fonbern 
nur bie ^irdbe. Unb ber oierte Staub wirb felbft burdb 
bie 3Serteurung feines täglidben ^rotS nicht fo febr ge» 
reigt wie burcb SSerfudbe, fein JfenntniSbebürfitiS 'gn 
unterbrüden. ®er beutf(^e Slrbeiter wiE beffer leben, 
gewi^; aber mit noch beigerer Snbrunft ftrebt er nach 
einem böbci’Ctt SilbungSgrabe. 3Ran lefe nur ben S^beo» 
logen ®öbrc. 

3Ber nidbt berufsmäßig Sogialgolitif treibt, wer bie 
Sogialbemofraten uu^t mtnber ffeptif^ beurteilt als 
anbere 5|ßarteien, wer in SSobnung unb äbnticben Singen 
SourgeoiSgewobnbeiten bot, ber bürfte fonft nicht leubt 
bie 3lnfdbauungen ber Slrbeiterfreife unb il)r 33ilbungS= 


9?r. 8 


JJlagajin für Sittcratur. 


125 


fiebürfnis f)erfönlt(| fennen Ifrnen. Um bo§ ober gu 
errreidben, giebt e§ ein bequeme^ 2)?itlel. 9Kou mirb 
SKüglieb ber freien SSolföbübne, fiebt für fünfgig Pfennig 
ollmonotlidb eine, intereffonte Sluffüi)rung unb beobodbtet 
bie Slufnabme, menn mon mit feinem S'iocbbarn nicf)t 
überbie§ in ouffiitn^reicbe ©efprödie oermitfelt werben 
foEte. 

®o§ ^ßubliium ber freien 3Soiföbübne beftebt gnm 
größeren 2!eil ou§ Slrbeitern; unb weil üon biefen in 
Berlin bie meiften ©ogiolbemofroien finb, fo wirb e§ 
»ol , ftimmen , bofe in biefem ^ublifum öietfocb fogioü 
. bemofratif($e unb oermonte 2lnf(bonungen öorbonben 
finb. , Sfcon ift ober foifif) beridbtet, wenn man in ben 
Sluffübrnngen ber freien fßotfSbübne eine bewußte 8lgi= 
tation fucbt. ®ofür ift bo§ 5^ublifnm, wie mir fdbemt, 
gorni(bt gu hoben. milt fid) genau fo amüfiren, wie 
ber SSruber Sourgeoig im ÜBallnerlbeater ; befto beffer, 
wenn bie Unterbattung ouf J?often be§ SrnberS SBonr» 
geoi§ mögliib ift; aber lieber amüfant unb infonfequent, 
ol§ fonfequent unb langweilig. ,6o ift ba§ ^ublifnm 
überatt. ®ie beiben groften ©rfolge ber freien 3SoIfö= 
bübne waren bi§ber „J^abale unb Siebe" üon g^riebridb 
öon ©dbiüer unb ®ogol§ „Üieoifor", bog eine wie bog 
anbere ©atiren im ©inne eineg bürgerlidben Siberalig» 
mug ; bog eine wie bog anbere ohne jebe löegiebung 
gur ^rbeiterfroge. Unb fo war ba gu beobocbten, wag 
idb feit ©cbaffnng ber g’i’eien fßolfgbubue oft gu wieber= 
boten ©elegenbeit botte: ba^ eg nicht gut ift, bag 
Slrbeiterpubiifum in bie unftaren Kämpfe um eine neue , 
|)oetifcbe Secbnif gewaltfom büteingureiben , ba^ bie ■ 
Ölrbeiter mit fBergnügen anbören werben, wag bie beut= 
.fdbe ®i(btung in ben'’ lebten bonbert Sohren öebenbigeg : 
b. b- .3)'ioberneg gefcbaffen bot. Sbi‘ Silbunggbebürfnig , 
befriebigen wollen oie Arbeiter in erfterSinie; fiefudbenä 
biefe ^efriebigung in ber g^ortbilbuiiggfcbule, in ber gen ' 
tung , unb am ©onntog 9Zad)mittag fo amüfont wie 
möglidb im 5£l)eater. iliebenbei bemerft, in ber lUrcbe 
fönhen fie eg ni$t fu(ben, fo lange bie ^irdbe einen (Segen» 
fab bilbet gur SBiffenfcbaft. 

®ag neuefte ©tun ber f^reien SSolfgbübue, bag ' 
moberne ©cbaufpiet „(Siggang" oon SJiaj §albe, bot 
feinen reiiit großen (Sinbrutf gemacht, (äinmal riß eine 
gewaltfame ©cßlußfgene beg Stfteg gu ftarfem SeifoE 
fort, einige Sftote folgte . ouf wißige Sorte beifällige ; 
.^eiterfeit, aber olg bog ©tüif gu @hbe gefßielt war, ba ' 
erflang nur bi'tnner Slpplaug. ($g gab Weber ben tofen» 
ben Särm ber Segeifterung wie bei ©cßiEer, noch bag 
energif^e ^önbeftotfcben ber banfbaren Slnerfennung, ' 
bag mitunter beinahe SSegeifterung war. ®er „(Sig= 
gang" würbe nicht gang oerftanben. Unb ba bie gu» , 
prer fühlten, baß bag gum ^eil bie ©dbulb beg ©icbterg 
wor, baß fie fidh ibreg mangelnben fßerftänbniffeg wegen 
ni^t gu fchämen brausten, fo blieben fie giemli^ fühl. 
®ie f^i^eie Sühne mit ihren öftbetifdi^reoolutionären 
gielen hotte ein ®rama wie ben „©iggang" auffübren 
müffen ; bie g'e'eie Solfgbübne foEte foldie Serfudie nidht 
oft wieberlfolen. 

5Der ©idhter ift ohne gweifel ein ftarfeg ©Talent, 
©r bot ficb bltnblingg ber neuen ©dhule ongefdhloffen 
unb fud)t anftott ^anblung ©timmung gu geben. Sn 
nicbtg olg ©timmung löft fich f^abel üno &nbeng beg 
©tütfeg auf. ©in weftbreußifdher ©utgbefißer ftebt oor 
feinem Einin, er tötet fitfj felbfl unb bioterläßt feinem 
menfdhenfreunblicben ©ohne bie Stufgobe, bog überfdhul» 
bete (Sut gu hollen, wäbrenb bie Slrbeiter immer fcbwier 
riger werben unb bie SepfelreguUrung bie Söhne üon 
©taatgwegen erhöbt. ®er junge menfcbenfreunblpe 
Sefißer pwonft brei Slfte lang gwifcben ber Siebe gu 
ben rohen üerf offenen Slrbeitern unb ber Pflicht beg 


Sefißenben bw unb her. ®o fommt ©iSgong unb §ocb» 
woffer unb oernidbtet oEeg. ®er junge iDienfdhenfreunb er» 
trinft unb außer bem ®idhter weiß wohl fein iDlenfdh, 
ob er nicht, wie fein. Soter, fich felbft gemorbet bot. 

®ie Sfrbeiterfgeuen im ©tütf finb immer lebenbig 
unb anftf)auli(b, in iljnen ift bie ©proche, weftffreußifcffe'r 
©ioleft, oft oon ungewöbnlper J^raft. Sären biefe 
Solfgfgenen gu einer fortf^reitenben .^anblung üerbun» 
ben, ober wenigfteng öußerlicb. an eine burdificfftige 
^anblung gefnüpft, fie böüen bem ®rama gu einer 
großen Sirfung üerbelfen müffen. ©o ober oerpuffen bie 
enifeff eiten Seibenfcffaften immer wieber in l^ontraftreben, 
bxtrd) welche nicht einmol IKenfchen charaflerifirt werben, 
fonbern nur Ißarteien, Sebenglagen, ©timmungen. ©in 
unflarer ©hmboligmitg holt feine Silber nur feiten oug 
bem Seben, febr böofig oug befannten Suchern. 3iicbt 
olg ob ich bem Siebter eine obfiifftliebe Slnlebnung üor» 
werfen woEte; bafür wäre fein (Sigentumgreebt gu 
groß. Slber auf ©tfiritt unb Sritt w'irb mon an bie 
Süiffer ber leßten gehn Sobre erinnert, auch nodh 
an ©pielbogeng „©turmflut". Sonn on ©über» 
manng „f^rau ©orge", an Solftofg „SJaebt ber 
3=infternig", an §ouptmonng erfte ©tütfe. Sor oEem 
aber bot ber Sitffter bie feffwä^eren Serfe Söfeng lieb 
gewonnen unb beffen halb mbftifdhe 2lrt, feine Senbengen 
burch ftereotbpe Sorte wie bureb Seitmotiüe feft gu 
nogeln, wirb bctrdh ERoj ^albe noiff überboten. 
0iomentlp ber junge ©utgbefi|er geigt ficb ^og 
gonge ©tütf bütburd), eine problematifcbe Statur, feiner 
Sage gewoebfen, greift niemalg bonbelnb ein unb 
begnügt ficb :itit foldien Sbfenfdien Drafelfprüchen, bie 
in feinem EKunbe gang befonberg an bie berüchtigten 
Drafel ber ^pptbia erinnern. Senn bu über ben unb ben 
gluß giebft, wirft bu ein großeg Eteicb gerftören. Sie @eift= 
ltd)feit bot febon bamolg nicht oerraten, ob fie mit bem 
großen Seich bag Soterlanb meine ober ein frembeg 
Sanb. Such »^og ©tütf üon 3Kai' ^albe fann febr 
üerfchieben gebeutet werben. 2Im Sotürlicbften wäre eg 
wol, ben ©iggong für ein ©bmbot brobenber Umwäl» 
gungen angufehen. Senn nun ober ber junge SSenfehen» 
freuub offenbar bie ©timmung beg Siepterg augfpricht, 
fo feffeint ber ©runbgebonfe' gu fein: ©g ift oEeg 

umfonft, wir werben bag ^Proletariat niemalg gu SXbelg» 
menfdien ergieben fönnen, ber ©iggong wirb bie 
Semübungen wolmeinenber Sürger wie bie Segulirungg» 
arbeiten ber Segierung fortreißen. ©o hätten wir eg 
wieber einmol mit einem burchaug peffimiftif(ffen 
gtrbeiterftütf gn tun, wie benn ouch auf ber g^reien 
Solfgbübne Sbfeug ©atiren auf ben fSaffenüerftanb gur 
Suffübrung gefommen finb. Sur baß $albeg ©ig= 
gang in feinen Senbengen nid)t gang fo lept gu 
erröten ift. 

©in burd)oug peffimiftifebeg Slrbeiterftütf ift bag 
©chaufpiel üonlSerbart^auptmann „SeSaber" (Sie 
Seber).*) Sie Sialeftauggabe beg Serfeg liegt üor 
unb eine faft bod)beutfd)e' Suggnbe wirb in ' biefen 
Sogen erfdjeinen. Sroßbem eine Aufführung biefeg 
fchwterigen Serfeg noä) für biefen Sinter gu erworten 
ift, wirb eg üieEeiifft gut fein, einige Sorte üoraug 
gu fdjitfen. 

©erbart ^auptmann bot in ben wenigen Sohren 
feineg ©effaffeng oE bag erworben, wag bem ©efinnungg» 
genoffen Sffar §albe fehlt: SHarbeit , ©elbftänbigfeit 
mib ernffhafter ^onfequeng. Son einfeitig tedinifcben 
Serfuchen ber fonfequenten Saturoliften .^olg unb 
©chlof ift ©erhört .^auptmann auggegangen unb bot 
biefe neue f^orm mit jeglichem ©ebalte gn füEen gefuefft. 


33evlin, Vertag 1892. 


126 SUaodgtn 


9Jad)etitanbef er, unb mit waii^fenber 5?mift, beutfd^= 
ruffifd^eS Sauernftüif, Sfftanb » Sbfenfd^en gomüien« 
|aritmer .imb norbif(^=fran 5 öiifd^e ©befonpfte in bie 
tbm eigentümH(be ?^onn gebrocbt. ÄoEege ®ram|)ton 
ift toieber ein nener unb ein glangenb gelungener 3Ser» 
fudb, eine oöttig Mtbmäpge ©bwofterftubie. Sn bem 
SBeberftücf U)or §au|)lmann eigentlicb f(bon baruber 
binouSgetommen. Sie SBeber finb öoU §onbIung, 
abficbtlidb aber giebt e§ für biefe ^anblung feine 
beftimmten Sräger. 2)o§ SBeberelenb ift ber $etb. 
®er erfie SSeber wirb mpbanbett, ber gweite bmigert, 
ber brüte bfünbert bafür bo§ ^au§ be§ gabrifaiiten 
unb ber öierte wirb gur ©träfe erfdboffen. ift bei 

einem Manne wie §aubtmann fetbftuerftanblidb weber 
llnfäbigfeit nodb fünftlerifcbe Süberli(bfeit, e§ ift wot= 
bere^nete 8lbfi(|t. SBir folten auf ber 58übne lebeubig 
uor un§ feben, wa§ bie neuefte SBiffenfdbaft lebrt: baß 
nii^t einge'Iue biftöi'ifcbe gelben, fonbern bie uotf^wirt» 
fAaftli(ben ^erbättniffe bie ©efdbidbte macben. ©ebr 
richtig — unb ba^ bei ^rawaüen unb Eteuolutionen oft 
bie Ünfcbulbigen erfi^offen werben, ba§ ift auch richtig. 
S(| lann aber ben ©ebanfen ni^t lo§ werben, bah 
pringipiener ^effimi§mu§ ebenfo fofett fein fann, wie 
pringipieEer Optimismus. 2Benn in einem altmobifdhen 
3SoIfSftüEe ber ©ute belohnt unb ber Söfewidbt beftraft 
wirb, fo finben wir baS unwahr, unrealiftifch, arrangirt; 
tdh fann mir nidht h«P«: wwn im testen 3ffte ber 
„Seber" oor unfern Singen non ben ©olbaten fein anberer 
erfdboffen wirb, alS gerabe ber ebelfte, gebulbigfte unb 
gotteSfürchtigfte oon ben Söebern, fo ift baS ebenfalls 
arrangirt. Ob baS ^ommanbo tgutet: Slugen rechts ober 
Sl